Kommentare
27
Tagcloud
BILD CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Helmut Schmidt Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Rüttgers Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Dienstag, 20. April 2010, 11:30 Uhr

Wulff meldet sich zurück

Es war ruhig um ihn geworden, Spekulationen über einen Wechsel in die Wirtschaft machten die Runde, rechtzeitig aber vor der NRW-Wahl hat sich Christian Wulff mit einer landespolitischen Entscheidung bundespolitisch zurückgemeldet. Ich bin noch da, mit mir müsst ihr rechnen! Dieses Signal schickte der niedersächsische Ministerpräsident mit seiner Kabinettsumbildung an Angela Merkel und an seinen Rivalen Jürgen Rüttgers. Er nutzt die Unsicherheitsphase der CDU vor der NRW-Wahl, um seinen bundespoltischen Machtanspruch zu erneuern. Sollten Merkel und Rüttgers am 9. Mai schwer beschädigt werden, dann wäre Wulff der starke Mann der CDU, ein ernstzunehmender Rivale der Kanzlerin.  

Die beiden wichtigsten Ministerberufungen zielen eindeutig auf Berlin, weniger auf Niedersachsen: er machte mit Aygül Özkan die erste Muslimin und Deutsch-Türkin zur Ministerin und mit Johanna Wanka die erste Ostdeutsche zu einem westdeutschen Kabinettsmitglied. Integration in alle Richtungen. Respekt, das war wirklich ein Coup. Offenbar hat sich Wulff entschieden, längerfristig in der Politik zu bleiben und seine Kanzlerambitionen noch nicht aufgegeben.

“Es entsteht ein neuer Aufbruch” – so nannte Wulff seine Kabinettsumbildung. Sie könnte auch zum neuen Aufbruch für ihn werden. Allerdings kann er nur á la baisse spekulieren. Seine Chance kommt nur dann, wenn es Merkel und damit der CDU schlecht geht. Der Zustand der Berliner Koalition und die Führungsverweigerung der Kanzlerin lassen seine Ambitionen nicht ganz aussichtslos erscheinen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

27 Kommentare

1) Nrwbasti, Dienstag, 20. April 2010, 12:31 Uhr

Herr Wulff hatte schon immer ein Händchen für geschickte Personalpolitik, immerhin hat er Frau von der Leyen zur Ministerin gemacht. Nun also jemanden mit türkischem Hintergrund und eine Ostdeutsche.
Im Gegensatz zu Herrn Koch ist er auch bescheidener und poltert nicht soviel herum.

2) dissenter, Dienstag, 20. April 2010, 13:38 Uhr

Nein, danke.
Wir hatten jetzt drei Kanzler in den letzten Jahren, die zum Schluss niemand mehr für geeignet hielt. Einen, der sich selbst nicht für geeignet hält, brauchen wir nicht.

3) Nobbi, Dienstag, 20. April 2010, 15:00 Uhr

Kecker, lach. Was man so alles in eine simple Personalentscheidung hinein interpretieren kann. Ist ja zum “Hühnerknochen schmeißen”.

4) Beobachter, Dienstag, 20. April 2010, 15:10 Uhr

Wulff als Kanzler? Bitte nicht auch noch das! Der hat in Niedersachsen schon genung Unheil gestiftet.

5) Frank66, Dienstag, 20. April 2010, 15:47 Uhr

Bloß weil Herr Wulff sein Kabinett umbildet von einer Anwartschaft auf das Kanzleramt zu sprechen scheint mir doch etwas weit hergeholt! Gehen Ihnen die Themen aus, Herr Spreng?
Außerdem ist doch von den Berliner Auguren Umweltminister Röttgen zum Kronprinzen gekürt worden. Wie man hört arbeitet er akribisch daran Merkels Nachfolger zu werden!
Für mich ist aber immer noch Guttenberg der Favorit, er könnte der erste CSU Bundeskanzler werden.
Oder können Sie sich eine Kampagne “Stoppt Guttenberg” vorstellen? Wenn er die nächsten Jahre einigermaßen unbeschadet übersteht wird er es schaffen, auch wenns mir nicht gefällt!

6) H.H.Schmidt, Dienstag, 20. April 2010, 16:50 Uhr

Wulff bringt sich in Stellung, weil in Berlin irgendjemand oder gar die Kanzlerin strauchelt? Aber, aber Herr Spreng Sie enttäuschen mich. Wer sollte Angela Merkel “stürzen”, wenn nicht sie selbst? Die CDU? Niemals! Dieser “Haufen” stürzt nur jemanden, der auch Wahlen verliert. Noch ist es nicht so weit. Eigentlich schade.
Und auch einen Punkt sollten Sie nicht außer acht lassen. Im “Krieg” wechselt man nicht die “Stuten”. Merken Sie was? Das weiß auch Angela Merkel.

7) 68er, Dienstag, 20. April 2010, 18:13 Uhr

Lieber Herr Spreng,

da stellt sich einem ja die Frage, wer Herrn Wulff bei seiner Entscheidung beraten hat und bei wem Sie derzeit in Lohn und Brot stehen?

Aber irgendwie wäre das ja arg plump.

Ihr 68er

8) Steuereintreiber, Dienstag, 20. April 2010, 19:05 Uhr

Interessanterweise erhält der ‘Coup’ großen Beifall aus der Türkei, und allseits wird es als ein ‘Signal’ des Integrationswillens – wessen auch immer – gedeutet. Verschwiegen oder jedenfalls nicht weiter berücksichtigt wird das Faktum, daß Frau Özkan eben keine Durchschnittstürkin, sondern Alevitin ist. Die Aleviten zeichnen sich durch großen Bildungseifer und Aufgeschlossenheit aus, was von der übergroßen Mehrheit der türkischen Sunniten immer mit Argwohn und Mißfallen begleitet wird. Es ist also nicht das erwünschte Integrationssignal, sondern nur ein erneuter Nachweis dessen, daß mit den Aleviten besser Kirschen essen ist.

9) Doktor Hong, Dienstag, 20. April 2010, 20:28 Uhr

Bevor Gutenberg auftauchte, habe ich Wulff für den aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Merkels gehalten. Grund: ruhige Schwiegersohn-Aura, gepflegtes Auftreten. Das reicht heutzutage ja auch schon.

Je nach gusto kann man also Koch/Rüttgers für die konkurrierenden Erbfolger halten, oder aber Gutenberg/Wulff.

In den Medien kommen jedenfalls Wulff und Gutenberg mit Abstand am besten weg, auch wenn ersterer für eine ganze Weile in der Versenkung verschwunden war und dem CSU-Mann das Feld überlassen hat.

10) M.M., Mittwoch, 21. April 2010, 02:13 Uhr

Eine Muslimin also. Naja. Vieleicht beschäftigt sich der eine oder andere mal mit seinem eigenen Glauben, damit Mann/Frau den Unterschied kennt. Alles ist möglich in der Christlichen Union.

Seit Neuestem soll es ja auch schon Beerdigungen geben, bei denen auf dem Sarg der Budda montiert ist und die evangelische Pfarrerin die Beerdigung durchführen soll. HÄ??!!
Weiter so Deutschland!!!

11) Irreversibel, Mittwoch, 21. April 2010, 12:28 Uhr

Sie finden es also offenbar sehr schlimm wenn der religiöse Budenzauber eines Kults in einer Partei durch Elemente oder gar Mitglieder eines anderen Kultes ergänzt wird? Warum eigentlich? Wahrscheinlich weil so die “reine Lehre” des Christentums irgendwie beschmutzt wird, was?

Ich persönlich würde mir ja wünschen, dass es immer mehr Akteure gäbe, die weder dem einen noch dem anderen Kult nahe stehen, einen säkularen Staat fördern und das auch öffentlich sagen.

12) marcpool, Mittwoch, 21. April 2010, 13:19 Uhr

Die Opposition sagte einmal zu Wulff, “sein Profil ist die Profillosigkeit” – von allem immer nur ein bischen. Die ausgetauschten Ministerämter waren allerdings auch angeschlagen, sodass Wulff gut beraten war, jetzt etwas zu tun. Dies hat er sehr geschickt angelegt. Er ist in der CDU ein gefragter Kopf – aber ist seine Nähe zu Merkel nicht auch eine ” Kröte ” ? Wenn sie scheitern sollte – sind die in ihrer Nähe auch in Gefahr zu bluten. Zuerst muss Merkel beweisen , das sie mit Rüttgers die CDU weiterhin als die Führungspartei in NRW über die Ziellinie zu bringen. Erhält sie dieses Votum nicht – bzw. nicht in ausreichender Distanz zu den Oppostionsfarben – dann wird es schwierig für die Taktikerin. Zumal Westerwelle ihr ständig im Genick sitzt, und mehr Bewegung von ihr – und der CDU fordert z. B. in Sachen Steuerreform, Gesundheitsreform etc. Wulff auf einem weiteren politischen Karriereweg zu sehen, in Richtung Berlin halte ich daher für momentan sehr verwegen.

13) MN, Mittwoch, 21. April 2010, 14:40 Uhr

… ich weiß nicht, dieser Kommentar zielt auf Wulff oder vielmehr nur auf Frau Merkel ab? Wenn letztere Annahme zutrifft, so beschränkt sich die Botschaft auf den letzten Absatz. Die vorherigen Absätze wären nur verkrampfte Überleitungen. Dafür spricht eine m.E. gewagte, rein spekulative Deutung der Personalentscheidungen. Mir ist nicht klar, wieso diese Personalentscheidungen den bundespolitischen Machtanspruch stützen oder gar fördern. Ich denke, hier wird eine Landesentscheidung bundespolitisch fehlinterpretiert. Normalerweise macht man den Politikern den Vorwurf, die Wahlen bundespolitisch zu mißbrauchen, in diesem Falle gilt das auch für diesen “journalistischen” Beitrag. Aber wie gesagt, hier ging es wohl eher um ein Thema, um auf Merkel zu kommen; nicht zu vergessen, das Lieblingsthema Westerwelle war dieses Mal unerreichbar. Sorry!

14) m.spreng, Mittwoch, 21. April 2010, 17:00 Uhr

Alle, die meine These zu verwegen finden, möchte ich auf die FAZ von gestern (und heute BILD) hinweisen, die Wulffs Kabinettsumbildung als Bewerbung für das Amt des Bundespräsidenten interpretieren. Ich teile diese Meinung nicht, dass aber Wulff höher zielt als Hannover, von dieser Analyse bin ich nicht abzubringen. Geht die Wahl in NRW für die CDU desaströs aus, erwarte ich eine Diskussion über die Trennung der Ämter Merkels – was der Anfang vom Ende wäre. Der CDU-Vorsitz wäre für Wulff der nächste Karriereschritt. Ich verweise dazu auch auf meinen Beitrag “Wer kommt nach Merkel?” vom 1. März 2009.

15) JG, Mittwoch, 21. April 2010, 19:17 Uhr

Interessante Sichtweise. Allerdings: So desaströs wird es für die CDU in NRW aller Voraussicht nach doch nicht werden – vermutlich fällt sie in etwa auf das Ergebnis von 2000 zurück. Dieser Vorgang läßt sich dann ebenso schönlügen wie acht Prozent für die FDP – die ja gegenüber 2005 eine Steigerung wären. Demgegenüber wirklich desaströs war für die CDU/CSU das letzte Bundestagswahlergebnis: Mutti unterbot ihre miese Leistung von 2005 noch einmal. Nachdem er angesichts dessen seine Klappe nicht aufbekommen hatte, habe ich Wulff eigentlich keine bundespolitischen Ambitionen mehr unterstellt.

Und ob es so klug ist, mit Johanna Wanka eine über die Grenzen ihrer Partei hinaus geschätzte Politikerin, die es zudem verstanden hat, in einen der konfusesten und zerstrittensten Landesverbände der CDU Ordnung zu bringen, aus ihrem Bundesland abzuwerben? Nach gerade mal einem halben Jahr als Oppositionsführerin? Für die brandenburgische CDU, die übrigens trotz aller Stasigeschichten der neuen Regierung bzw. Regierungsfraktion in Umfragen auf dem niedrigen Niveau des Landtagswahlergebnisses dahindümpelt, ist Johanna Wankas Weggang jedenfalls ein schwerer Verlust.

Nebenher: Frau Özkan dürfte wohl eher Turko-Deutsche (oder wie immer mal dies nennen mag) sein denn “Deutsch-Türkin”. Im Deutschen definiert der erste Teil zusammengesetzter Wörter bekanntlich den zweiten Teil näher, und ich unterstelle Frau Özkan, daß sie sich in erster Linie als Deutsche fühlt und auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

16) Frank66, Mittwoch, 21. April 2010, 19:22 Uhr

Rüttgers wird das Glück haben in einer großen Koalition Ministerpräsident bleiben zu können. Die verlorene Wahl wird man der FDP anlasten um die von Ihnen angesprochene Ämtertrennungsdiskussion zu vermeiden. Die Bundespräsidentendiskussion zu diesem Zeitpunkt ist wirklich abenteuerlich! Im Spiegel war zu lesen, das Rüttgers es werden will. Niemand weiß doch heute wie die Mehrheitsverhältnisse in der nächsten Bundesversammlung sein werden. Diese Leute verbrennen sich doch selber wenn sie zu früh den Finger heben!

17) Mickey992, Mittwoch, 21. April 2010, 20:47 Uhr

Bin ich froh, dass ich nicht schon wieder einem selbstgefälligen und überfütterterten Berlin-Berichterstatter an den Karren fahren muss. Erlär er mir doch mal bitte, warum eigentlich immer aller (drei !!), auftauchen? Plus Entourage…die ja leider (neine Gooooot *lach* Sie wissen wer) der Steuerzahler berappt.

Das schöne an der Sache ist: es reagieren Leute! Wer auch immer aber es reagiert…das Volk. Blog. Fein. Macht Ihnen das Spaß?

18) vera, Mittwoch, 21. April 2010, 23:38 Uhr

Na ja -

19) M.M., Donnerstag, 22. April 2010, 13:41 Uhr

@Irreversibel
Der Name CDU steht für Christliche Demokratische Union. Für mich dies Namensmissbrauch zu Werbezwecken und nichts Anderes!

20) rudow1, Donnerstag, 22. April 2010, 20:52 Uhr

Hmm, ich stelle vermehrte Kritik an der Koalition (bzw. an Merke und Co.) in letzter Zeit fest. Natürlich durchaus berechtigt, aber eben vermehrt.

21) n.n., Freitag, 23. April 2010, 01:42 Uhr

Für die CDU ist es ein guter Schachzug und für die SPD ein Fehler.
http://www.pi-news.net/2010/04/nrw-spd-umschleimt-migranten/

22) Volksmund, Freitag, 23. April 2010, 11:24 Uhr

Ein Sprichwort sagt :

“”"Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.”"”

Dass Journalisten strategisch denken dürfen, ändert nichts daran, dass zwar der Wunsch. als Vater des Gedankens, regieren möchte, jedoch die Erfahrung erst lehrt, was denn das Resultat gezeitigt hat.

23) M.M., Freitag, 23. April 2010, 13:02 Uhr

@n.n.
Sie meinen die CDMU (Christlich Muslimische Demokratische Union) nicht die CDU!

24) Mehrheitsmeiner, Freitag, 23. April 2010, 13:57 Uhr

Dear Co-Writers,

Manchmal gewinne ich den Eindruck, Sie sind der Utopie verfallen. Theorien bis an die Schmerzgrenze.

Sie sollten die Hohlbein Bücher im Regal lassen und eher auf Arjouni zurückgreifen.
Da haben Sie die politischen, muslimischen und intellektuellen Theorien komplett abgedeckt.

Wenn Wulff Kanzler wird, gebe Ich einen aus und Ihnen mein Ehrenwort, dass ich’s auch wirklich tun werde.

25) M.M., Freitag, 23. April 2010, 18:09 Uhr

Also ich kann Herrn Spreng durchaus folgen. Ich halte diese Entwicklung, die er beschreibt durchaus für möglich. Vor der Wahl in NRW kann Frau Merkel zunächst einmal dem deutschen Bundesbürger klarmachen, dass er/sie für die völlig überhöhte griechische Rente zahlen muss!!!
Hierdurch kann wirklich ein NRW-CDU Rüttgers Desaster drohen.

26) MN, Montag, 26. April 2010, 22:09 Uhr

Diese Bewerbung bekommt aber allmählich einen faden Beigeschmack, siehe auch spiegel online v. 26.04.2010:

“Zu früh gefreut: Als CDU-Ministerpräsident Wulff die türkischstämmige Aygül Özkan in sein Kabinett holte, jubelte die Republik. Doch mit ihren Äußerungen zu Kopftuch und Kruzifix überfordert die künftige Sozialministerin ihre Partei. Die Berufung entpuppt sich als Show.”

… so schnell kann es gehen, eben noch Bewerbung, und dann alsbald Lachnummer.

27) Sven, Dienstag, 27. April 2010, 00:32 Uhr

Was sagen sie den nun zum aktuellen Streit über die Kreuze an Schulen in der CDU. Das ist doch auch mal wieder ein Desaster in der Außendarstellung und entlarvt Wulffs Schachzug letztendlich als eine billige Show, fast schon Heuchlerei…

Grüße

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin