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Wulff meldet sich zurück

Es war ruhig um ihn geworden, Spekulationen über einen Wechsel in die Wirtschaft machten die Runde, rechtzeitig aber vor der NRW-Wahl hat sich Christian Wulff mit einer landespolitischen Entscheidung bundespolitisch zurückgemeldet. Ich bin noch da, mit mir müsst ihr rechnen! Dieses Signal schickte der niedersächsische Ministerpräsident mit seiner Kabinettsumbildung an Angela Merkel und an seinen Rivalen Jürgen Rüttgers. Er nutzt die Unsicherheitsphase der CDU vor der NRW-Wahl, um seinen bundespoltischen Machtanspruch zu erneuern. Sollten Merkel und Rüttgers am 9. Mai schwer beschädigt werden, dann wäre Wulff der starke Mann der CDU, ein ernstzunehmender Rivale der Kanzlerin.  

Die beiden wichtigsten Ministerberufungen zielen eindeutig auf Berlin, weniger auf Niedersachsen: er machte mit Aygül Özkan die erste Muslimin und Deutsch-Türkin zur Ministerin und mit Johanna Wanka die erste Ostdeutsche zu einem westdeutschen Kabinettsmitglied. Integration in alle Richtungen. Respekt, das war wirklich ein Coup. Offenbar hat sich Wulff entschieden, längerfristig in der Politik zu bleiben und seine Kanzlerambitionen noch nicht aufgegeben.

„Es entsteht ein neuer Aufbruch“ – so nannte Wulff seine Kabinettsumbildung. Sie könnte auch zum neuen Aufbruch für ihn werden. Allerdings kann er nur á la baisse spekulieren. Seine Chance kommt nur dann, wenn es Merkel und damit der CDU schlecht geht. Der Zustand der Berliner Koalition und die Führungsverweigerung der Kanzlerin lassen seine Ambitionen nicht ganz aussichtslos erscheinen.