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Ausbilder Schmidt

Früher war alles besser… Ich weiß, dass dies nicht stimmt. Aber manches war doch besser – zumindest die Ausbildung von Spitzenpolitikern unter Bundeskanzler Helmut Schmidt. Im Gegensatz zu späteren Kanzlern hatte er die Souvernität, starke Leute neben sich nicht nur zu dulden, sondern sie zu fördern. 

Schmidts Ziel war es, wie er mir einmal erklärte, diejenigen Politiker, die er für fähig hielt, später einmal seine Nachfolge anzutreten, bestmöglich auszubilden. Sie mussten mehrere Stationen durchlaufen, um sich zu bewähren. Unter anderem deshalb gab es bei Schmidt auch zur Halbzeit von Legislaturperioden Kabinettsumbildungen, die heute leider nicht mehr üblich sind und die offenbar als Zeichen von Schwäche angesehen werden. Helmut Schmidts Favoriten waren Hans Matthöfer und Hans Apel. Deshalb machte Schmidt den parlamentarischen Staatssekretär im Enwicklungshilfeministerium, Hans Matthöfer, erst zum Forschungsminister, um ihn nach vier Jahren mit dem anspruchsvolleren Amt des Finanzministers zu beauftragen. 

Genauso verfuhr Schmidt mit Hans Apel. Der parlamentarische Staatssekretär im Auswärtigen Amt wurde 1974 erst vier Jahre Finanzminister und erhielt dann bei  Kabinettsumbildung 1978 als Bewährungsprobe das schwierige Verteidigungsministerium. Einen ähnlichen Weg hatte Schmidt für Manfred Lahnstein geplant. So sollten am Tag X zwei oder drei Politiker befähigt sein, sein Amt zu übernehmen. Dass es dazu nicht mehr kam, ist bekannt.