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Die „eiserne Kanzlerin“ schmilzt

Es gibt Stücke auf der politischen Bühne, deren Scheitern steht schon bei der Premiere fest. Ein solches Stück war „Die eiserne Kanzlerin“. Schon im März, als es von Angela Merkel und ihren publizistischen Hilfstruppen inszeniert wurde, stand fest, dass es bald wieder vom Spielplan abgesetzt wird. Denn schon damals war klar, dass die EU Griechenland mit Milliardenkrediten helfen muss. Es war nur eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Griechenland bittet um Hilfe und die „eiserne Kanzlerin“ wird wie Butter unter der griechischen Sonne schmelzen. Und sie widerlegt damit die Legende, sie denke die Dinge immer vom Ende her. Wenn dies so wäre, dann hätte sie die Inszenierung nicht zulassen dürfen. Aber wenige Wochen vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen war die Versuchung zu groß, dem Wahlpublikum Führungsstärke zu demonstrieren. Leider am untauglichen Objekt. Denn bei der Griechenland-Krise geht es zwar vordergründig um den Mittelmeerstaat, in Wirklichkeit stehen der Euro und der Bestand der Europäischen Währungsunion auf dem Spiel – und damit unsere eigene wirtschaftliche Zukunft. Merkel aber schürte mit ihrer Rolle als „eiserne Kanzlerin“ die antigriechischen Ressentiments – eine Torheit, wenn man weiß, dass man am Ende doch helfen muss. 

Und so ist es auch kein Wunder, dass sich gleich wieder die Populisten melden. Nicht aus der Opposition, die ist erstaunlich verantwortungsbewusst, sondern aus den eigenen Reihen. CSU-Landesgruppenchef Friedrich (ein Name, den man sich nicht merken muss) legt in bewährter Manier den Griechen gleich den Austritt aus der Europäischen Währungsunion nahe. Dies dürfe „kein Tabu“ sein. So, als habe die EU die Kredithilfen nicht schon längst beschlossen. Und der CSU-Mann legt damit gleichzeitig wieder einmal offen, wo die eigentlichen Probleme der Koalition liegen: es fehlt an Führung.

Die Griechen (und die internationalen Spekulanten) haben den Plan von Schwarz-Gelb durchkreuzt, sich über die NRW-Wahl zu mogeln. Denn Geld für Griechenland ist unpopulär. Deshalb ist jetzt das Wichtigste, die Wähler darüber aufzuklären, worum es wirklich geht. Aus dem Bundeshaushalt wird kein müder Euro fließen, die Bundesregierung gibt lediglich eine Bürgschaft für einen Kredit, den die KfW-Bank den Griechen zu fünf Prozent Zinsen ausleiht. Der Bund kassiert dafür noch eine Bürgschaftsgebühr, die dem Haushalt zugute kommt. Und die Griechen werden an die extrem harten Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebunden.

Wenn Merkel das sauber erklärt, statt bis zum 9. Mai weiter auf Zeit zu spielen, entzieht sie den Populisten den Boden. Das wäre Führung.