Kohl & Biedenkopf – der Anfang vom Ende
Im Bundestagswahlkampf 1976, es sah so aus, als würde die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Helmut Kohl gewinnen, saß ich mit Kohls Generalsekretär Kurt Biedenkopf in der “Unionsstube” im Bonner Adenauer-Haus. Kurz vor Ende des Gesprächs entwickelte Biedenkopf eine verwegene Theorie. Seiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Politikern: solche, die als populäre Zugpferde Wählerstimmen gewinnen können und solche, die dann, wenn eine Wahl gewonnen wird, die Macht übernehmen und regieren sollten, weil sie dafür besser geeignet und ausgebildet seien.
Obwohl er keine Namen nannte, war klar, wen er gemeint hatte: Kohl für den Wahlkampf und sich selbst fürs Regieren. Kohl traute er offenbar das Kanzleramt nicht zu. Seine Machtphantasien konnte er aber nicht in die Tat umsetzen, weil die CDU/CSU zwar grandiose 48,6 Prozent der Stimmen errang, aber dennoch eine paar Zehntelprozente zu wenig, um die Regierung zu übernehmen. Ein Jahr später trennten sich Kohl und Biedenkopf.
Biedenkopf brauchte dann noch 14 Jahre, bis er selbst einmal Macht ausüben konnte – als Ministerpräsident in Sachsen. Und dies aber auch nur, weil zuvor Lothar Späth und Heiner Geißler abgesagt hatten.










