Sonntag, 16. Mai 2010, 11:07 Uhr

Mehr Sekretär als General

Franz Müntefering war mehr Sekretär (Schröders) als General. Kurt Biedenkopf war einer der klügsten, Heiner Geißler der mächtigste und strategisch begabteste. Karl-Hermann Flach und Peter Glotz waren die intellektuellsten, Dirk Niebel und Peter Hintze die flachsten. Angela Merkel war die mutigste (als sie sich von Helmut Kohl lossagte). Edmund Stoiber führte die Karriere immerhin bis zum  Kanzlerkandidaten und Guido Westerwelle katapultierte das Amt bis ins Außenministerium. Hans-Jürgen Wischnewski war der menschlichste, Egon Bahr der raffinierteste. Alle waren Generalsekretäre (früher hießen sie bei der SPD noch bescheiden Bundesgeschäftsführer) – da gab es Schatten, aber auch viel Licht.

Heute gibt es fast nur noch Schatten. Das Amt des Generalsekretärs erlebt seit Jahren einen beispiellosen Niedergang. 

Wer dachte, nach Bernd Protzner und Markus Söder könne es bei der CSU nicht noch schlimmer kommen, wurde eines besseren (oder schlechteren) belehrt. Alexander Dobrindt hat das Niveau mit seinen unqualifizierten Ausfällen und hasserfüllten Zwischenrufen weiter abgesenkt. Seine größte Perfidie war, Guido Westerwelle während seines Staatsbesuches in der Türkei öffentlich aufzufordern, die deutschen Interessen nicht zu verraten – so als sei der Außenminister ein Landesverräter auf Reisen.

Wer dachte, nach Ronald Pofalla könne das Amt des CDU-Generalsekretärs nicht noch mehr an Bedeutung verlieren, der wurde ebenfalls eines schlechteren belehrt. Pofalla, in seiner Zeit eine Art gehobener Büroleiter Angela Merkels im Adenauer-Haus, wird von seinem Nachfolger Hermann Gröhe an Bedeutungslosigkeit noch unterboten. Gibt es ihn überhaupt? Er traut sich offenbar nichts und Merkel traut ihm offenbar nichts zu. Ihr Auftrag an ihn: lautlos funktionieren, Betonung auf lautlos. Das könnte auch ein guter Abteilungsleiter miterledigen.

Merkel duldet bekanntermaßen keine starken Männer oder Frauen neben sich. Für Pofalla zahlt sich dies möglicherweise aus: er könnte nach dem Wahldesaster von Jürgen Rüttgers CDU-Landesvorsitzender und damit Merkels Statthalter in NRW werden.

Wer dachte, nach Hubertus Heil könne das Amt des SPD-Generalsekretärs nur an Bedeutung gewinnen, der täuschte sich ebenfalls. Denn Andrea Nahles hat aus dem Amt nichts gemacht. Selbst ihr Buch über ihre Selbstfindung als linke, katholische Frau hatte sie schon vorher geschrieben. Seitdem kommt nichts mehr aus dem Willy-Brandt-Haus, wenn nicht gerade der Vorsitzende Sigmar Gabriel einen seiner verwegenen Einfälle hat. Geistige Erstarrung wie bei der CDU. Jetzt zeigt sich, dass Nahles jahrelang als linke Flügelfrau nicht von eigener politischer Substanz lebte, sondern nur aus dem Antagonismus zu Müntefering und Schröder.

Bei der Linkspartei stellte sich heraus, dass ein politisch-strategischer Kopf wie Dietmar Bartsch mit Lafontaines poststalinistischem Regime nicht mehr kompatibel war. Er scheiterte nicht an sich, sondern an den Machtverhältnissen bei der “Linken”. Man muss keine prognostische Kraft haben, um vorherzusagen, dass seine beiden Ost/West/Mann/Frau-Nachfolger das Amt des Bundesgeschäftsführers weiter abwerten werden.

Die Grünen haben auch keine Generalsekretärin, was sollte die auch bei vier Partei- und Fraktionsvorsitzenden? Sie haben mit Steffi Lemke eine Bundesgeschäftsführerin, die ihren Lockenkopf immer nur in den TV-Generalsekretärsrunden nach Wahlen ins Scheinwerferlicht halten darf. Dann ist wieder monate – oder jahrelang Sendepause. Insofern fällt sie ohnehin aus diesem Kreis heraus.

Der einzige, der herausragt, ist der neue FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Strategisch und rethorisch begabt ist er die Überraschung der Saison und wird vom schnelllebigen Hauptstadtjournalismus schon als potenzieller Westerwelle-Nachfolger gehandelt. Vielleicht hat Westerwelle deshalb so lange gezögert, ihn zu berufen. Lindner füllt auf jeden Fall die Lücke, die Westerwelle in den ersten Monaten seiner Regierungszeit selbst geschaffen hat.

Die Zeiten von Generalsekretären wie Biedenkopf, Geißler, Flach, Glotz, Wischnewski und Bahr scheint unwiderruflich vorbei. Aber die Bedeutung der Vorsitzenden hat ja auch nachgelassen.

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22 Kommentare

1) W.B., Sonntag, 16. Mai 2010, 12:06 Uhr

> Aber die Bedeutung der Vorsitzenden hat ja auch nachgelassen.
Genau so wie dei Bedeutung der Parteien. Das gern “Politikverdossenheit” Genannte ist eigentlich Parteienverdossenheit.
Wozu brauchen wir eigentlich noch Parteien? Als Versorungseinrichtung für die, die sonst nicht können?
Hmm, wieso drängt sich dabei ausgerechnet Westerwelle auf? Als Parteifunktionär (und jetzt Aussenminister-Darsteller) hat man offensichtlich ein ganz komfortables Auskommen …

2) Doktor Hong, Sonntag, 16. Mai 2010, 12:59 Uhr

Gröhe? Naja, immerhin erfahre ich auf diese Weise überhaubt, dass es ihn gibt…

Interessant finde ich Ihr Urteil über Peter Hintze. Man soll ja den Menschen immer wieder eine Chance geben. Aber ich werde nie vergessen, wie Peter Hintze im Niedersachsen-Wahlkampf im N3 auftrat. Schröder war in Niedersachsen zu dieser Zeit sehr beliebt und holte auch die absolute Mehrheit.

Da stellte sich Peter Hintze also hin und sagte so etwas wie: “Wenn die CDU die Wahl gewonnen hat – und die CDU wird diese Wahl gewinnen – …” Er sagte das mit einer solchen Bräsigkeit, dass ich mich fragte: “Wer ist DAS denn??” Entsprechend erschüttert war ich, als ich erfuhr, es handele sich um den Generalsekretär der CDU.

Sehr interessant finde ich Ihre Feststellung bezüglich Andrea Nahles. Sie haben völlig recht! Erst kurz nach der NRW-Wahl diskutierte ich mit Bekannten, und niemand hatte eine Wahrnehmung von Nahles’ politischem Profil, mich eingeschlossen. Niemand wusste, wofür sie eigentlich steht.

Dirk Niebel, naja. Ich zitiere nur: “Entwicklungshilfeministerium abschaffen!”.

Ein sehr schöner, weil treffender Kommentar, Herr Spreng!

3) Doktor Hong, Sonntag, 16. Mai 2010, 13:06 Uhr

Ich frage mich, ob Niebels Besetzung ein Ausdruck von Merkels Ironie ist? Zutrauen würde ich ihr das schon 🙂

4) Benjamin, Sonntag, 16. Mai 2010, 13:20 Uhr

Lindner ist mir relativ sympathisch, da er mit einigen anderen durchaus für eine andere FDP steht, die auch die Sozialpolitik konstruktiv mitgestaltet, also sozial-liberale Themen aufgreift und auch ansonsten wohltuend ruhig kommuniziert – dafür leitete Guido die Abteilung Attacke. Nahles ist finde ich noch zu kurz im Amt, um da etwas definitiv sagen zu können (die “Null-Themenpartei” als Bezeichnung für die FDP nach NRW wurde aber ja dankbar aufgegriffen). Bei den anderen würde ich Ihnen ungefähr Recht geben, nur: ich selbst mag ja auch politische Polemik, aber bei den Linken von post-stalinistischen Regime zu sprechen finde ich schon etwas harter Tobak, wenngleich ich die Zuspitzung erkenne, das aber nur am Rande. Bei Wagenknecht und einigen anderen Leuten (nicht zuletzt welche aus dem Westen, die die DDR durchaus als “sehr demokratisch” bezeichnen, so Guhild Böth in NRW, siehe den interessanten Bericht bei Report Mainz: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=4388268) kann man schon auf den Gedanken kommen… aber mir fallen auch Leute etwa bei der Union ein, über die man streiten könnte, nur eben auf der anderen Seite der Skala.

Ich würde mich aber fragen, ob sich ein Parteichef überhaupt einen allzu starken Generalsekretär leisten kann oder er nicht nur jemanden braucht, der beißend die anderen bei Seite hält.

5) Nrwbasti, Sonntag, 16. Mai 2010, 14:34 Uhr

Ich stimme Ihnen zu.

Ich bin noch relativ jung (20er), kann mich aber noch an Zeiten erinnern, wo bei den Generalsekretären immer deutlich mehr los war und sie offensiv ihre Positionen vertraten. Guido Westerwelle (bei aller Kritik, die ihm momentan zurecht anheftet), Franz Müntefering usw. waren viel stärkere und interessante Vertreter ihrer Parteien.

Auch generell sind die heutigen Politiker etwas lahm und farblos. Zu Zeiten von Rot-Grün gab es sowohl in der Oppsition, als auch in der Regierung viel interessantere Politiker/innen, die das Geschehen noch interessanter gestaltet haben.

Ich verlange nicht, dass Politiker medienkonform sein müssen und alle brauchen auch nicht darauf aus sein, möglichst sympathisch und elegant in den Medien aufzutauchen, aber klare Positionen und klare Bekenntnisse zu Positionen würde ich mir schon wünschen.

6) M.M., Sonntag, 16. Mai 2010, 14:35 Uhr

Herr Gröhe ist der vorgeschobene Quoten-Mann in der Frauenklicke um Madam Merkel.
Und so wirkt er auch. Farblos, blass.

7) Frank66, Sonntag, 16. Mai 2010, 14:43 Uhr

Der Generalsekretär einer Regierungspartei hat es naturgemäß immer schwerer sich zu profilieren als ein Oppositionsgeneralsekretär. Gegen wen soll er polemisieren? Von Frau Nahles bin ich allerdings auch enttäuscht, sie ist so gut wie unsichtbar. Dafür schlägt sich Gabriel aber ganz gut und Steinmeier scheint mittlerweile auch Opposition gelernt zu haben. Herr Lindner scheint mir ein typischer Vertreter der neuen FDP-generation zu sein, davon sitzen auch einige im Bundestag. Betriebswirtschaftler die Menschen als Verfügungsmasse betrachten. Sie pflegen eine unangenehm klinische Sprache, was ist nur aus dieser ehemaligen Bürgerrechtspartei geworden? Frau Lemke beneide ich wirklich, sie kann nach Wahlen immer hervorragende Ergebnisse kommentieren, während die anderen krachende Niederlagen schönreden müssen und sich winden wie die Aale. Zwischen den Wahlen kann sie unbeobachtet ihre Arbeit machen, ist doch optimal!

8) TottiRobotti, Sonntag, 16. Mai 2010, 14:52 Uhr

Hinsichtlich Rabulistik ist der Lindner schon ein Talent und es wäre ihm sicher auch egal für welche Partei er sein Propagandatalent einsetzt.

9) Marqu, Sonntag, 16. Mai 2010, 19:23 Uhr

Sie machen es sich ja einfach.

Es kann ja nicht jeder so Westerwelle-Style immer in die Fernsehkameras sprechen und rufen und schreien ohne das gefragt wurde oder ein Thema ansteht.

Frau Nahles muss beispielsweise Herrn Gebriel verbal Platz machen, damit der SPD-Chef auch bekannt genug wird um bald Kanzlerkandidat zu sein, schließlich ist der eher schweigsame F-W Steinmeier ein sehr leiser Oppositionsführer.

Herr Gröhe hat einfach nicht das Wort, denn bei Krisen wie zur Zeit gucken alle auf die Kanzlerin.

Und Herr Lindner ist nur so gut zu hören, da Gu-ido so viel im Ausland unterwegs ist.

10) Thomas, Sonntag, 16. Mai 2010, 21:07 Uhr

Hier zeigt sich mal wieder die Regel, dass Generalsekretäre nicht besser sein dürfen als der / die Vorsitzende, da sie ansonsten auch gleich diesen Posten übernehmen könnten (wie Merkel und Westerwelle). Lindner hat den Posten ja auch nur deswegen erhalten, weil er auf Grund seines Alters frühestens in zehn Jahren seinem Vorsitzenden gefährlich werden kann und dann denkt Westerwelle wahrscheinlich von sich aus über einen Rückzug nach. Vorher hat er mit Pieper und Niebel ja nur die Leute nach vorne gebracht, die keine Chance hatten, ihm auch nur annähernd gefährlich zu werden (Ähnliches gilt sicher auch für Pofalla und Gröhe in der CDU, Dobrindt in der CSU und Heil in der SPD)

Thomas

11) Martin, Sonntag, 16. Mai 2010, 21:27 Uhr

Hallo Herr Spreng, bevor Sie den FDP-Lindner zu sehr in den Himmel heben, empfehle ich die Lektüre dieses Artikels: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-70327137.html

Dort können Sie nachlesen: “Als Politikstudent gründete Lindner im Jahr 2000 mit zwei Partnern die Firma Moomax GmbH, sie wollten anderen Firmen sogenannte Avatare verkaufen, kleine Figuren, die Einkäufe im Internet erleichtern sollten. Über eine Wagniskapitalgesellschaft bekam die Firma rund eine Million Euro staatliche Gelder aus dem Topf der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Lindner verdiente offenbar gut damals, zum Campus fuhr er mit seinem Porsche. Dann brach der Neue Markt zusammen, Lindners Firma ging pleite, die Million von der KfW war verbrannt.”

Klar, wir alle machen mal Fehler, verkalkulieren uns, und sehr wohl ist eine Firmengründung, zumal in der Studienzeit, aller Anerkennung wert. Aber wer das Geschäft so wenig nachhaltig betreibt, gleichzeitig aber mit dem Porsche zur Uni fährt und den Staat auch noch als Schwächling beschimpft, der ist in meinen Augen auch nur ein Sprücheklopfer. Sie haben Recht, dass Lindner ein rethorisch guter Mann ist und überzeugend rüberkommt, aber mal ehrlich: Der Mann lebt doch gerade seit dieser Pleite nur noch von der Politik.

PS: Das strategische Talent würde ich ebenfalls in Frage stellen, vorausgesetzt, man darf die Meldungen glauben, dass neben Westerwelle auch Lindner maßgeblich an der Verhinderung einer Ampel in NRW beteiligt ist. Die FDP erlebt in der Koalition mit Merkel nach wenigen Monaten einen ähnlichen Niedergang wie schon die SPD, nur auf niedrigerem Niveau: Sie wurde ausgebremst, ihre Themen sind futsch und von Merkel kassiert. Un dwas macht die FDP? Sich weiterhin an die Union ketten. Kein WUnder, dass Schwarz-Gelb mittlerweile bundesweit wieder hinter Rot-Grün (ohne Dunkelrot) liegt.Eine Ampel in NRW hätte der Befreiungsschlag für die FDP sein können. Ja, ich kenne Ihre Meinung, dass die Ampel-Verhandlungen ohnehin eine Farce wären. Aber selbst wenn: In NRW ist die Stimmung auf die FDP nicht besser dadurch geworden, dass allein Gespräche (!) mit der fadenscheinigen Begründung ausgeschlagen wurden, man rede nicht mit jemandem, der auch mit “Extremisten”, die von den Bürgern mittlerweile in 13 Landtage gewählt wurden, redet.
Zu diesem Thema empfehle ich dringend http://www.wir-in-nrw-blog.de

12) Christian S., Sonntag, 16. Mai 2010, 21:33 Uhr

Früher war alles besser. Sogar die Zukunft. Sehr einfallsreich.

13) Andi, Sonntag, 16. Mai 2010, 22:49 Uhr

Gröhe habe ich neulich auf einer Parteiveranstaltung in der Provinz erlebt, auf der er als Hauptredner zunächst über eine halbe Stunde lang Allgemeinplätze verbreitete, bevor die mit 45 Minuten angesetzte Fragerunde heranbrach. Diese Zeit reichte für genau drei Fragen, deren Beantwortung er jeweils überaus wortreich so lange vermied, bis vermutlich selbst die Fragesteller sie vergessen hatten. Anschauungsunterricht zum Thema “Filibuster”. Ich habe selten so viele verzweifelt augenrollende Parteimitglieder gesehen.

Bei Lindner bin ich voreingenommen, weil ich ihn noch zu seinen Studienzeiten erlebt habe. Besonders viel Lob fällt mir da nicht ein, aber ein Generalsekretär muss ja auch nicht gemocht werden. Insofern ist er vielleicht doch keine schlechte Besetzung; auf jeden Fall ist er der einzige seiner Zunft, der ein kühnes Wort nicht scheut, also so eine Art gelber Söder. Wenn er es schaffen sollte, dass die kühnen Worte auch noch klug sind, ist vielleicht sogar mehr drin.

Nahles hat das Problem, dass Gabriel sie überflüssig macht; dieses Schicksal teilt sie mit Steinmeier, der aber wenigstens noch als gefühlter Aussenminister punkten kann, da dieses Amt einem immer noch vakant vorkommt. Auch scheint mir das Interesse an der SPD insgesamt weiterhin marginal, NRW hin oder her. Die CSU scheint ebenfalls derzeit komplett abgemeldet, woran auch Seehofer anscheinend nicht viel ändern kann.

14) Chat Atkins, Montag, 17. Mai 2010, 07:45 Uhr

In Zeiten, wo die meisten Parteien ideologischen Ballast abwerfen, sinkt auch der Bedarf für die ideologischen Einpeitscher. Ich sehe das mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Die schlichten Weltbildner waren ja intellektuell oft unerträglich.

Beim Hintze bspw. wusste ich, wenn er einen Mundwinkel beim Sprechen nach oben zog, dass jetzt etwas kommen würde, woran er selbst nicht glaubte. Ohne verzogenen Mundwinkel konnte der Mann schon bald nicht mehr reden …

15) Benjamin, Montag, 17. Mai 2010, 12:49 Uhr

@Martin: danke für den SPIEGEL-Tipp. Sicherlich kann man auch vermuten, dass Lindner mehr Blender als Macher ist. Ich finde aber schon, dass er in der öffentlichen Kommunikation (die in der Politik ja nicht ganz unerheblich ist) sich wohltuend von Guido absetzt – aber man ist von Herrn Westerwelle schon so viele Zumutungen gewöhnt, dass man schon über jeden in der FDP froh ist, der ein klein wenig Hoffnung auf Besserung macht (wie ich finde auch Johannes Vogel). Ob sich da wirklich was ändert, da bin ich auch mehr als skeptisch…

16) marcpool, Montag, 17. Mai 2010, 14:27 Uhr

Es zeigt leider deutlich, Herr Spreng, das es zuwenige kluge Köpfe in den Parteien gibt. Auch zuwenig Queerdenker. Viele der hier erwähnten ( Geissler, Biedenkopf oder Bahr, Wischnewski) haben ihr politisches Wirken – aber auch ihr Können ihr Vertrauenspotential entsprechend den Jahren ihres Tätigseins anwachsen lassen . Herr Lindner ist sicher ein Talent, hat er aber schon überzeugt ? Durch einige Wortbeiträge lässt sich ablesen das er ein ebenso engagierter , und ehrgeiziger Streiter der liberalen Ideen von Freiheit und Fairness sein will – wie Westerwelle. Doch ihn abheben zu lassen, dazu fehlt mir noch die Tat und die Durchsetzung derselben. Bisher fällt er auf – weil Westerwelle zu sehr ” trampelt ” und Lindner dies zu glätten versucht . Nahles ist einfach noch nicht angekommen in ihrer neuen Rolle. Die SPD ist einfach noch nicht angekommen auf ihrer Suche- nach den Debakeln. Gröhe und Dobrindt sind allerdings wirklich nur Statisten ohne Charisma und Wortgewandtheit. Auch Pofalla war in seiner einstigen Rolle nicht der Edelstein, er darf sich jetzt als Gesetzestrickser und “Giftspritzer” in Merkels Hintergrund behaupten . Man erwartet aber Debattenanstösse – Zukunftsideen – Kreativität mit hoher geistiger Richtungsansage – mit oder ohne Polemik dem Wettbewerber gegenüber. Bei Lindner wird man das besser beurteilen koennen, wenn er das neue liberale Grundsatzprogramm definiert hat 2011. Ob er dies mit einem Porsche unterm Hintern macht oder nicht ist mir soweit egal – lässt aber erahnen das er einer aus der ” Yuppie Fraktion ” der FDP ist – und die gehen mir manchmal sehr auf den Senkel.

17) Reiner App, Montag, 17. Mai 2010, 15:11 Uhr

Lindner ist in der Tat ein Lichtblick – er erinnert an den legendären K. H. Flach, einen Journalisten als FDP-Generalsekretär. Ob Lindner dessen intellektuellen und programmatischen Tiefgang erreicht, muss er erst noch beweisen. Dennoch zeigt er viel Potenzial, das man aber durchaus auch Nahles zutrauen darf. Man muss ihren linken Kurs nicht mögen, um ihre Fähigkeiten anzuerkennen. Als Journalist übersieht man vielleicht gelegentlich, wie viel sie hinter den Kulissen zur Befriedigung einer geschlagenen und gespaltenen Partei beiträgt. In der Summe komme ich also zu einem anderen Urteil über die Generalsekretäre, das Bild ist sehr heterogen.
PS: Herzlichen Gruß aus der Berliner Nachbarschaft;-)

18) H.H.Schmidt, Montag, 17. Mai 2010, 16:17 Uhr

“Lindner erinnert an K.H. Flach?” Habe diesen Satz nun schon mehrmals gelesen und begreife immer noch nicht wie man auf einen derart absurden Vergleich kommen kann. Welch intellektuelles Potenzial bringt dieser Lindner ein, welch programmatisches Profil hat er schon jemals, wird er jemals entwickelt/entwickeln?

Mir ist schleierhaft, wie solch eine programmierte Festplatte überhaupt so hochgejubelt werden kann. Was stimmt in dieser Gesellschaft nicht mehr? Wie können solch Fehleinschätzungen einer Person überhaupt in der Öffentlichkeit solch Resonanz erzeugen?

Die letzten Fernsehauftritte sollten doch auch dem letzten Fan, verblendeten Jünger der FDP die Augen geöffent haben, er spricht viel, sehr viel aber sagt wenig, wenn nicht noch weniger.

Eigentlich gehöre ich nicht zu den ängstlichen Menschen, aber diese Entwicklung macht mir tatsächlich Angst, das kalte Grausen überkommt mich.

19) Gerd, Dienstag, 18. Mai 2010, 08:47 Uhr

“Generalsekretäre (früher hießen sie bei der SPD noch bescheiden Bundesgeschäftsführer”

Nur zur Konkretisierung: Bei der SPD hießen Generalsekretäre noch nie Bundesgeschäftsführer. Franz Müntefering war der erste Generalsekretär – und zwar nicht als Ersatz, sondern zusätzlich zu einem Bundesgeschäftsführer.

Diese wirre Konstruktion von zwei Positionen mit Konpetenzüberschneidungen dürfte zumindest bei der SPD dazu beigetragen haben, dass diese glanzlosen Amtsinhaber uns in der Öffentlichkeit zumeist verschonen.

20) Wilfried Haselberger, Dienstag, 18. Mai 2010, 11:33 Uhr

Wenn es nicht tragisch für die BRD wäre,könnte man zur Tagesordnung übergehen.Aber eine alte Managmentweisheit sagt,wer schwach ist,holt sich nur schwache Mitarbeiter.Das heißt,die Chefs bei allen Parteien können dann ja wohl auch nicht besonders stark sein.Quo Vadis BRD+Europa!

21) Christian S., Dienstag, 18. Mai 2010, 13:11 Uhr

“Diese wirre Konstruktion von zwei Positionen mit Konpetenzüberschneidungen dürfte zumindest bei der SPD dazu beigetragen haben, dass diese glanzlosen Amtsinhaber uns in der Öffentlichkeit zumeist verschonen.”

Ich sehe da keine Kompetenzüberschneidung. Der Generalsekretär wirkt nach Außen, der Geschäftsführer nach Innen.

22) M.M., Donnerstag, 20. Mai 2010, 00:21 Uhr

Was bekommt eigentlich so ein Generalsekretär vorab von diesen Alleingängen von Frau Merkel plus Hinterzimmerdamen und Herrn Schäuble mit? Die gestrige Finanzmarktregulierung wird von Frau Merkel als deutsche Scheinlösung dem Bundsbürger verkauft. Weiss Herr Gröhe um was es da geht?
Und unsere europ. Nachbarn wundern sich über eine fatale Nacht und Nebelaktion. Wo leben wir eigentlich? Herr Gröhe erklären sie einfach Mal, was hier passiert! Können Sie das wirklich?
Scheinlösungen am deutschen Finanzmarkt. Man darf sich nur noch wundern.
Die Ursache der Krise ist die völlige Überschuldung von Staaten. Aber Herr Gröhe weiss da sicher besser Bescheid!

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