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Sonntag, 02. Mai 2010, 12:18 Uhr

Der Feind im eigenen Haus

Jürgen Rüttgers steht vor der schwersten Woche seines politischen Lebens und vor dem wahrscheinlich schwärzesten Sonntag. Der NRW-Ministerpräsident ist im Wahlkampf einem Zangenangriff ausgesetzt, den er kaum noch überstehen kann –  und er kann dafür nicht den politischen Gegner verantwortlich machen. Nein, die Gegner, die ihn möglicherweise aufs politische Altenteil schicken, sind die Feinde im eigenen Haus. Auf der einen Seite die Berliner schwarz-gelbe Koalition unter der (Nicht-) Führung von Angela Merkel, auf der anderen Seite der geheimnisvolle Mister X, der seit Monaten nordrhein-westfälische Blogs und den “Spiegel” mit Skandal-Interna aus der CDU füttert.

Dieser Mister X (dahinter stecken ehemalige CDU-Mitarbeiter, die Rüttgers nur zu gut kennt) ist ein medienerfahrener Mann, der weiß, mit welchem Timing die Enthüllungen ihre schädlichste Kraft entfalten. Zusammen mit dem schwarz-gelben Chaos in Berlin ist dies eine so unheilvolle Kombination, dass wahrscheinlich auch stärkere Naturen als Rüttgers wenig dagegen ausrichten könnten. Aber noch eine Woche muss er diesen Zangenangriff durchstehen. Wahlkampf ist wirklich kein Vergnügen.

Pünktlich eine Woche vor der Wahl kam die wahrscheinlich letzte Enthüllung von Mister X: eine Spendenaffäre um eine Rüttgers-Wählerinitiative im Wahlkampf 2005. Sie wird – neben der Griechenland-Krise – das Schlussthema des Wahlkampfes sein, nicht das von der CDU geplante Thema Rot-Rot-Grün. Und Angela Merkel macht in der Griechenland-Krise keine gute Figur: zu spät reagiert, den Wählern nie reinen Wein eingeschenkt, taktiert – und sich am Ende selbst austaktiert. Wer erst die “eiserne Kanzlerin” gibt, darf sich nicht wundern, wenn sich der Zorn der Wähler über die Griechenland-Kredite am Ende gegen die CDU wendet. Und das vor dem Hintergrund der ohnehin schon großen Unzufriedenheit mit der Berliner Koalition: 57 Prozent der Wähler sagen, Schwarz-Gelb müsse in NRW ein Denkzettel für Berlin verpasst werden. Und 66 Prozent meinen, dass CDU und FDP gar nicht mehr zusammenpassen.

Und dann auch noch ein falsches Thema im Wahlkampf. Die Schulpolitik zu thematisieren (“Diese Schule wird geschlossen, wenn rot-rot regiert”) war ein Missgriff. Spiele nie auf dem Spielfeld des Gegners, lautet eine alte Wahlkampfregel. Und Bildungspolitik ist das Spielfeld von SPD und Grünen. Aber das entscheidet die Wahl nicht. Auch nicht Hannelore Kraft von der SPD, die beachtlich zulegen konnte. Regierungschefs werden abgewählt, nicht Oppositionskandidaten gewählt. Von dieser zweiten Regel hat Rüttgers 2005 gegen Peer Steinbrück selbst profitiert.

Falls Rüttgers am nächsten Sonntag scheitert, dann scheitert er am Feind im eigenen Haus.

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22 Kommentare

1) Benjamin, Sonntag, 02. Mai 2010, 12:44 Uhr

Die Veröffentlichung von CDU-Interna vor allem in einem recht SPD-nahen Blog (das bezeichnenderweise “Wir-in-NRW” heißt, was auch insofern unschön für Rüttgers ist, da er sich doch so gerne als Rau-Nachfolger stilisiert) zeigt ja eines vor allem, wie verbittert manch einer in der CDU über Rüttgers Führungsstil sein muss (den Herr Spreng freilich hier viel besser beurteilen kann als ich etwa). Vor allem Krautscheid und Berger, also Vertraute von Rüttgers, werden ja aufs Korn genommen. Das Material (teils online einsehbar) zeigt aber auch, dass dies nicht ganz unberechtigt ist. Bergers Methoden sind ja schon seit einiger Zeit Ziel von Kritik in den Medien (weniger in NRW, dort neigt etwa RP und WAZ doch zu einer sehr CDU-freundlichen Berichterstattung), die neuesten Enthüllungen verdeutlichen auch, dass Krautscheid als neuer Generalsekretär nicht wesentlich besser agiert als Wüst (der für die Bespitzelung Krafts in die Sahara geschickt wurde). Wenn sich Krautscheid gegenüber Spielgel so äußert: “Man kann juristisch durchaus die Ansicht vertreten, dass die Praxis bedenklich war … Damals hat man geglaubt, das gehe so; heute muss man das juristisch vielleicht anders sehen.”, ist das doch ein Armutszeugnis, siehe http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,692473,00.html

Richtig ist sicher, dass der Gegenwind aus Berlin Rüttgers sehr geschadet hat, aber ebenso die Aktionen des eigenen Hauses (und letztendlich die von Rüttgers, denn er trägt ja wenigstens die politische Verantwortung, sonst hat er seine Leute nicht im Griff). Noch im Herbst 2009 hätte doch keiner auf die NRW-SPD 10 Cent gegeben. Nun werden eigene Fehler und der Dilettantismus in Berlin Schwarz-Gelb allen Vorhersagen nach den Sieg kosten – Frage ist dann nur, welche Koalition ans Ruder kommt; vieles deutet ja nun auf Große Koalition hin, was ich für NRW nicht gerade erstrebenswert finde. Die SPD macht momentan nicht viel falsch, was schon viel im Endspurt ist – dennoch ist nicht deutlich, wohin der Weg mit ihr führt, vom Personal hört man auch relativ wenig. Aber man hat vielleicht Kraft auch etwas unterschätzt; wie Rüttgers kann sie nicht mitreißen (und agierte auch teils etwas ungeschickt), aber sie knickte auch nicht ein, die beiden TV-Duelle (einmal in der Elefantenrunde) hat ihr jedenfalls auch nicht geschadet.

Dass die CDU ihre alten “roten Socken” raus kramte, nehme ich ihr aber schon übel. Es ist doch ein Trugbild, hier einen Lagerwahlkampf zu stilisieren (so auch teils von der rot-grünen Seite, wo man sich gegenseitig lobt); sicher, im Bildungsbereich ist man weit auseinander (und G 8 ist in NRW eine mittlere Katastrophe geworden), aber man ist doch nicht in den 80ern. Nachher wird man ja ohnehin wahrscheinlich miteinander auskommen müssen und dann betonen, was man alles für das Land tut….

2) guzolany, Sonntag, 02. Mai 2010, 14:15 Uhr

Ich bin erst sehr kurz “Sprengsatz”-Leser, möchte mich aber (bzw. daher) an dieser Stelle bedanken für Ihre scharfsinnigen und hintergrundreichen parteiübergreifenden Analysen zum politischen Geschehen.

Sie sind m. E. dringend als ein Teil von “politischer Bildung” zur Lektüre zu empfehlen, da die Seicht- und Sanft-Medien heutzutage genau derlei Hintergründe gern ausblenden oder unterbelichten und dadurch manche WAHRE Motivation der Politiker im Dunkeln bleibt. Bei der tendenziösen Hetzpresse soweiso, aber die liest ja auch keiner, allenfalls deren Watchblog(s), wobei deren selbstgefällige und ihr Medium promotende und daher oft “Anti-Print”-Attitüde nicht selten auch lästig ist…

Wichtig und VOR den jeweiligen Wahlen wichtig zu wissen ist für uns Kleinbürger ja letztlich nicht, was die Wahlkämpfer von ihren Plakaten herunter konfabulieren oder versprechen, sondern mit welchen intriganten Hintergründen wir verstärkt NACH den jeweiligen Wahlen zu leben haben, wenn das Wahlvieh wieder für ein paar Jahre ausgedient hat und man wieder unbeeinflusst vom Wählerwillen regieren kann (und sich dabei auch gern mal beliebig über Volksentscheide hinweg setzt, wie im Zuge des Verkaufs der städtischen Krankenhäuser an raffgierige Klinikkonzerne durch Ole von Beust hier in Hamburg geschehen).

Eigentlich ist der “Sprengsatz” in seiner aufklärerischen Wirkung deshalb sogar unangenehm oder wenigstens unbequem und für den Naiven (wie mich) teils verstörend und vor allem desillusionierend, aber deshalb um so wichtiger.

Weiterhin viel Erfolg
und nochmals vielen Dank
guzolany

3) Tharben, Sonntag, 02. Mai 2010, 15:16 Uhr

“Falls Rüttgers am nächsten Sonntag scheitert, dann scheitert er am Feind im eigenen Haus.”

Hoffen wir das Beste. Nicht, dass ich der SPD noch irgendetwas zutrauen oder gar vertrauen würde, aber aufgrund des Mehrheitsverhältnisses im Bundesrat wäre vermutlich jede Konstellation besser als eine schwarz-gelbe Regierung in NRW.

4) M.M., Sonntag, 02. Mai 2010, 16:28 Uhr

Vielleicht will dieser Mister X ja für NRW was “Gutes”, weil er noch viel “Schlimmere” Details über die NRW-CDU weiss?

5) Jan, Sonntag, 02. Mai 2010, 17:01 Uhr

Was mich wundert ist, warum eigentlich Rüttgers latent ausländerfeindliche Ausfälle in den letzten Jahren (“Kinder statt Inder”, “Rumänen, die kommen und gehen wann sie wollen”) gar keine Rolle in diesem Wahlkampf zu spielen scheinen. Immerhin ist NRW ein sehr buntes Land, wohl wie kein anderes in Deutschland. Und warum wird immer angenommen, die Grünen würden gerne mit Rüttgers eine Regierung bilden und einfach über diese wirklich unerträglichen Sprüche und Kampagnen hinwegsehen? Oder bin ich da zu empfindlich?

6) marcpool, Sonntag, 02. Mai 2010, 17:37 Uhr

“Die Landtagswahl ist eine Landtagswahl, wenn einer sagt das sei eine Denkzettelwahl für Berlin , dann sage ich der Denkzettel bin ich ! ” J. Rüttgers auf dem Landesparteitag Ende März 2010 . Der Denkzettel,wird von Woche zu Woche … von Tag zu Tag immer bedenklicher. Erst war es der “Lacher” , aber irgendwie beschleicht einem der Eindruck das er hier wohl eines seiner spitzfindigen Bemerkungen umsetzen kann. Der Denkzettel ist tatsächlich er ! Glückwunsch Herr Rüttgers – soviel Zuspruch aus den eigenen Reihen hätte man ihm gar nicht mehr zugetraut.

7) Robert, Sonntag, 02. Mai 2010, 20:00 Uhr

Jetzt fehlt ja wirklich nur noch, dass die SPD „Wir haben die Kraft“ plakatiert.

8) nokia, Sonntag, 02. Mai 2010, 20:04 Uhr

@ Jan
Wenn Sie genau hinschauen, sehen sie aber, dass die CDU gerade in Bochum bei der BT-Wahl recht gut abgeschnitten hat…Rümanen, da ging es um NOKIA

@ Bravo Herr Spreng, Sie haben auch keine Gelegenheit ausgelassen, auf der CDU und Rüttgers herumzuhacken!
wir in nrw ist der alte Slogan der SPD. WAZ-Journalisten waren immer SPD-Parteivertreter. Da jetzt die WAZ-Gruppe etwas neutraler geworden ist, bildet sich eine Underground-Kamarilla

9) Frank66, Sonntag, 02. Mai 2010, 20:09 Uhr

Wenn Sie wissen wer Mister X ist, nennen Sie Ross und Reiter, nebulöse Andeutungen sind nicht sehr informativ! Diese Wahl geht für die CDU verloren weil das immer so war wenn dem Wähler nichts anderes übrigbleibt als die Politik der Bundesregierung in den Ländern zu bestrafen! Der Souverän muss seine geringen Einflussmöglichkeiten während der Legislaturperiode optimal wahrnehmen und das macht er, leider ziehen die bestraften üblicherweise keine Lehren daraus, sondern nehmen das als gegeben hin! Also, auch wenn sich etwas ändert, es bleibt doch so wie es immer war!

10) Roger Gerhold, Montag, 03. Mai 2010, 00:07 Uhr

Genießt die letzte Woche vor der Wahl.
Das ist die Woche der Hoffnung.
Hoffnung, dass alles besser wird.
Dass die FDP eins auf den Deckel bekommt.
Dass der Arbeiterführer aus dem Amt gejagt wird.
Genießt diese eine Woche.
Danach wird es nämlich schrecklich.
Dann beginnt das Geschacher.
Große Koalition, weil uns das Wohl des Landes…. Wir von den Grünen können uns unter
bestimmten Umständen vorstellen, dass wir doch mit der CDU…
Nein, wir koalieren nicht mit den Linken, oder vielleicht doch…
Man könnte ja vielleicht mal Guido fragen, ob die FDP nicht doch…
Eigentlich könnte ich jetzt schon kotzen, wenn ich daran denke, was
nach einer knappen Entscheidung an Szenarien möglich sein könnte.
Und eine knappe Entscheidung wird es wohl werden.
Zwischen CDU und SPD sowieso, die Linken kommen knapp ins
Parlament, den Grünen fehlen die 2-3 Punkte, um deutlich mit der SPD zu gehen
und die FDP bekommt die 2-3 Punkte zuviel, um doch noch mitreden zu können.
Schöne Woche! Die Kungelei wird furchtbar.

11) M.M., Montag, 03. Mai 2010, 01:12 Uhr

@MisterX
Will eigentlich die CDU VORSITZENDE Frau Merkel noch vor der NRW Wahl mit Frankreich aus dem Euro aussteigen oder erst danach? Angie denkt ja wieder, der Bürger ist so blöd und merkt im Wahlkampf der NRW Wahl eh nichts. Aber diesmal wird das nichts Madam!!! Es wird alles offenbart;-))

12) H.H.Schmidt, Montag, 03. Mai 2010, 10:16 Uhr

Na am heutigen Abend bietet das “ZDF” der Angela Merkel die Plattform sich rechtzeitig vor der NRW-Wahl ins rechte Licht zu rücken. Heute wird sie sich als die Retterin Deutschlands und des Euros gerieren und ihr unsägliches Zaudern als taktische Misterleistung darstellen.

Von den beiden “devoten” (und das darf man schon im Vorhinein so sagen!) Fragestellern Schausten und Frey wird nichts zu erwarten sein in Sachen “insistieren” und so.

13) Xpomul, Montag, 03. Mai 2010, 10:19 Uhr

“”…CDU und FDP gar nicht mehr zusammenpassen.””

Ein winziger Denkfehler hat sich m. E. in ihre Analyse eingeschlichen.
CDU und FDP haben noch nie zusammengepaßt.
Die FDP paßt mit keinem zusammen.
Die egoistische Sicht dieser Partei, es sträuben sich mir schon die Haare dieses Wort Partei in dem Zusammenhang überhaupt zu schreiben, verhindert jegliche Zusammenarbeit mit welcher Partei auch immer.
Eine glasklare Zäsur wäre für unser Land sehr bedeutsam, hilfreich und letztlich einfach nur schön, wenn sich diese Vereingigung von Eigeninteressierten auflösen würde; im Nirvana entschwinden würde.

Ansonst stimme ich ihrer Analyse vollumfänglich zu.
Wie fast immer sehr konkret und auf den Punkt gebracht.
Danke Herr Spreng.

14) Irreversibel, Montag, 03. Mai 2010, 16:00 Uhr

@Jan:
Leider ist es doch so, dass die latent ausländerfeindlichen Aussagen von Rüttgers beim Klientel der CDU zu einem übergroßen Teil gut ankommen. Daher hätten SPD/Grüne/LINKE ja nicht viel davon, diese zu thematisieren da sie damit nur Menschen erreichen, die sowieso schon Teil des “linken” Lagers sind und die CDU nicht wählen.

Es wäre höchstens für die FDP einen Versuch wert bürgerliche Wähler anzusprechen, denen die plumpe Hetze Rüttgers zu wider ist und trotzdem keine “linke” Partei wählen würden. Aber da sind wohl die Koalitionspläne vor…..

15) Rhein Sieg, Montag, 03. Mai 2010, 16:13 Uhr

“WAZ-Journalisten waren immer SPD-Parteivertreter. Da jetzt die WAZ-Gruppe etwas neutraler geworden ist”

Das ist aber jetzt eine sehr nette Umschreibung für die WAZ. Eigentlich eher zu nett. Ich hatte kürzlich mal 2 Beiträge im Westen zu einem Artikel gepostet, wo Roland Koch (!) Wahlkampfvertretung in NRW für seinen Parteikollegen Rüttgers erledigte. Sind beide nach einigen Stunden gelöscht worden und das sicher nicht weil sie irgendwie strafrechtlich bedenklich gewesen wären, sondern schlicht, weil ich sehr konkret auf “hessische Verhältnisse”, einmal auch mit Linkbelegen (zur Frankfurter Rundschau) eingegangen bin. Solche allzu CDU-kritischen Beiträge mag man offensichtlich bei der WAZ ganz und gar nicht. Mein Fazit aus dieser kleinen Anekdote: Was einst allzu nah der SPD stand, ist jetzt zur CDU “konvertiert.”

Und ja, wir alle sollten diese letzte Woche noch mal sehr gut geniessen zu versuchen. Das was nach der Wahl wohl unvermeidlich passieren wird, ist unvermeidlich genug. U.a. ist es wohl so, dass auch die NRW-CDU Angst hat, Geld in Griechenland zu verlieren.

http://www.wir-in-nrw-blog.de/2010/05/nrw-steckt-tief-in-der-griechen-krise-ruttgers-bangt-um-zwei-milliarden-euro/

Und das wird noch das geringte Haushaltsproblem sein.Das benötigte Geld wird man wohl kaum von den “Sponsoren” der Rüttgers CDU holen …

16) Eduard Möll, Montag, 03. Mai 2010, 17:38 Uhr

Zitat M.S.:
Spiele nie auf dem Spielfeld des Gegners, lautet eine alte Wahlkampfregel. Und Bildungspolitik ist das Spielfeld von SPD und Grünen.

Seit wann das denn? Wenn ich mich nicht völlig falsch erinnere, war und ist Bildung immer ein zentrales Thema der CDU! Mit der Aussicht auf bessere Lehrerversorgung und dem Eintreten für ein gegliedertes Schulsystem hat die CDU über Jahre erfolgreich Wahlkampf gemacht und Wahlen gewonnen. Das aktuelle Drama in Hamburg gibt beredt Zeugnis.
Ich habe diesen Blog bisher eigentlich gern gelesen, Herr Spreng, aber immer öfter zimmern Sie sich eine Realität zurecht, die mit tatsächlichen kaum übereinstimmt. Sollte die BILD-Arbeit so lange nachwirken? :-)

Gruß
Möll

17) m.spreng, Montag, 03. Mai 2010, 17:44 Uhr

@Eduard Möll

Den Hinweis mit BILD finde ich polemisch.

Zur Sache: Seit Jahren liegt in allen Kompetenzumfragen zur Schulpolitik die SPD vor der CDU. Das heißt, wenn die CDU einen Schulwahlkampf führt, macht sie nur das zentrale Kompetenzthema der SPD zum Wahlkampfthema (auf dem Spielfeld des Gegners) und nützt damit nur der SPD. Die CDU kann heute mit dem Thema Schule keine Wahl mehr gewinnen, aber verlieren. Das Thema kann höchstens ein paar Stammwähler mobilisieren, allerdings mit den genannten Kollateralschäden. Es wäre für die CDU klüger, mit ihren klassischen Kompetenzthemen Wirtschaft und Arbeit zu punkten.

18) Harry Gambler, Dienstag, 04. Mai 2010, 13:55 Uhr

Der “Fall Rüttgers” zeigt nur eines, wie Recht der Philosph Habermas mit seiner These von der”anderen Zerstörung der Vernunft” hat. Herr Rüttgers, der so gerne ein „parteiübergreifende“ Politiker und Landesvater sein möchte, lässt nun wirklich keine negativ Schlagzeile aus. Ob es Kinder statt Inder ist, oder die faulen Rumänen, die Geheimgespräche für 6000 Euro, der Dienstwagen für einen Euro oder eben die “gekaufte Wahlerinitiative” sind doch nur deshlab möglich, weil wir schon lange in diesem Land keinen moralischen Maßstab mehr haben.
Dennoch wird her Rüttgers auch nach dem 09.05.2010 an der Macht sein, weil eben die SPD unfähig ist und dies se t 60 Jahren zu regieren.
Wer in Deutschland kennt Herrn Rüttgers? Ich denke fast alle.
Wer in Deutschland kennt Frau Krause oder Kruse; SPD-Spitzenkandidatin? Höchstens 10 %
Die Macht der CDU ist die Angst der SPD vor der Möglichkeit zu regieren.
http://derdetektivmitdersonnenbrille.wordpress.com/

19) sf2000, Dienstag, 04. Mai 2010, 15:08 Uhr

Ich bin fast sicher, daß es am Sonntag völlig unabhängig vom Ergebnis nur Verlierer gibt. Die beiden Volksparteien werden verlieren- die SPD weniger,als man ihr das vor einem halben Jahr zugetraut hätte, aber dennoch mal wieder mit dem Zusatz “schlechtestes Ergebnis in NRW seit 1949″, die CDU wird zwar stärkste Partei, aber deutlich geschwächt.

Die FDP wird gewinnen, aber nicht genug (gewinnen im Vergleich zur letzten Wahl), die Linkspartei wird reinkommen, aber dadurch nicht weiterkommen. Die eigentlichen Gewinner, die Grünen, werden nämlich- wie überall, wo sich bislang rot-rot-grün anbot- stattdessen schwarzgrün möglich machen, und dadurch langfristig auch zu den Verlierern gehören, weil sie damit entgültig ihr Profil los sind. Gleichzeitig gibt es keine Bundesratsmehrheit mehr für die Regierung, was deren Schicksal besiegelt, keine eigenständige Machtoption mehr für die SPD, was auch Langzeitfolgen haben wird.

Die Frage, die ich eigentlich interessant finde, ist also: Wie sieht wohl die politische Kraft aus, die von diesem ja nun nicht neuen, geräuschvollen Stillstand profitiert, der da am 9. Mai entgültig festgeschrieben wird? Genau genommen finde ich sie nicht interessant, ich finde sie vor allem beängstigend.

20) JTB, Mittwoch, 05. Mai 2010, 15:11 Uhr

Der wiederholte Hinweis auf den Verlust der Bundesratsmehrheit nach – verlorener – NRW-Wahl ist zwar korrekt, aber meiner Meinung nach ziemlich irrelevant. Bisher gibt es die Bundesratsmehrheit, und was macht Schwarz-Gelb? Nichts. Nach der Wahl ist die Bundesratsmehrheit evtl. weg, aber muss das Frau Merkel kümmern? Sie liebt das Großkoalitionäre, es scheint ihr zu liegen. Den größtmöglichen Konsens, meist identisch mit dem allerkleinsten Nenner, zu suchen und zu finden, das dürfte auch in Zukunft gehen. Hielte zugleich die FDP im Zaum. Und mit einer SPD, die so verzweifelt gerne mitregieren möchte, sogar in der Opposition, wäre sicherlich manches machbar. Siehe Griechenlandgesetz. Da frage ich mich allerdings ernsthaft, warum Rot und Grün da unbedingt mitmachen wollten. Beim Wähler kann man damit nicht punkten, und das Gesetz hätte Schwarz-Gelb auch mit den eigenen Stimmen beschließen können.

21) alterknacker, Mittwoch, 05. Mai 2010, 18:51 Uhr

http://alterknacker.blog.de/2010/05/05/bye-bye-herr-arbeiterfuehrer-8521293/

22) M.M., Mittwoch, 05. Mai 2010, 22:13 Uhr

“Zangenangriff durchstehen”
Ich denke Frau Merkel muss bis zum Wahltag noch irgendetwas für Rüttgers “tun”. Jetzt schiessen durch den fallenden EUR/USD auch noch die Spritpreise an der Tanke in die Höhe. Wie soll das für Rüttgers gutgehen?

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