Kommentare
44
Tagcloud
BILD CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Helmut Schmidt Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Rüttgers Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Dienstag, 25. Mai 2010, 15:02 Uhr

Merkels Ponyhof

Von der einst stolzen Männerriege der CDU/CSU ist nicht mehr viel übriggeblieben: Friedrich Merz weg, Edmund Stoiber weg, Jürgen Rüttgers schwer angeschlagen, Wolfgang Schäuble nur noch Minister von Merkels Gnaden. Und jetzt ist auch noch Roland Koch weg. Angela Merkel  (fast) allein zu Haus. Merkel ist künftig – bis auf Christian Wulff – rivalenfrei, aber dieser Sieg ist ein Pyrrhussieg.  Sie sollte sich nicht zu sehr darüber freuen, denn fast alle dieser Politiker standen auch für Wählergruppen, die notwendig sind, um die CDU/CSU als Volkspartei zu erhalten.

Nur Merkel, das ist eine Union, die kaum über 30 Prozent kommt. Die CDU/CSU ist nämlich nicht so wie Merkel bei Anne Will sagte (“Ich bin mal liberal, mal christlich-sozial, mal konservativ”), sie ist liberal und christlich-sozial und konservativ. Und sie kann nur Wahlen gewinnen, wenn sie das gleichzeitig ist. CDU-Politik wird auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn sie prinzipielle Positionen vertritt und sie nicht – wie Merkel – täglich neu definiert, je nachdem, was anliegt, was gerade opportun ist. Mal für Steuersenkungen, mal dagegen, mal gegen Griechenland-Hilfe, mal dafür, mal gegen Finanztransaktionssteuer, mal dafür.

Roland Kochs Abgang ist für die CDU ein schwerer Verlust – unabhängig davon, was der einzelne von ihm hält. Seine Positionen waren immer zurecht umstritten, aber er hatte wenigstens welche. Er machte furchtbare Wahlkämpfe, aber er machte wenigstens welche. Seine Politik unterschied sich so sehr von der anderer Parteien, dass es schmerzte, aber sie unterschied sich wenigstens. Auch die politischen Gegner werden ihn vermissen, denn Koch war wenigstens ein Gegner. Auch die Journalisten sind künftig ärmer dran: Sollen sie jetzt Ronald Pofalla interviewen?

An Roland Koch schieden sich immer die Geister. Er war (und will es noch drei Monate sein) der letzte, von denen es heißt: Nur die Harten kommen in den Garten. Jetzt kommen nur noch die konservativen Koch-Kopien (Volker Bouffier in Hessen, Stefan Mappus in Baden-Württemberg) und die Politiker von Merkels Ponyhof: Pofalla, Gröhe, Kauder, de Maiziere, Mißfelder, Kristina Schröder, wie sie auch alle heißen. Aber mit Ponys ist kein Pferderennen zu gewinnen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

44 Kommentare

1) 68er, Dienstag, 25. Mai 2010, 15:27 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Koch ist zu hart für den Garten. Er hat gemerkt, dass der Kahn schlingert und zu sinken droht. Auf dem Steuerdeckt ist er nicht erwünscht, so dass es konsequent ist, zunächst in sicherer Ferne in lauen Wassern abzuwarten, wie sich die See entwickelt. Ewig in Hessen auf Abruf zu warten ist ihm zu langweilig und daher seine Sache nicht

Anders als Merz, wirkt sein Abgang sehr souverän und es scheint, dass er sich für spätere Zeiten nichts verbauen will.

Sollte Merkel den Kahn versenken, wird er schnell herbeipaddeln und sich als Lotse andienen.
Hoffen wir nur, dass die CDU bis dahin eine/n solideren Steuerfrau/mann gefunden hat.

Ansonsten wird er vielleicht Chef von FRAPORT oder einem Energieversorger oder eben Berater solcher Unternehmen. Denn wie er sinngemäß sagte, ist sein Leben (anders als z.B. für Brandt, Barzel, Schmidt, Kohl, Wehner oder Geißler) nicht die Politik.

Nun geht’s bei ihm wohl (wie bei Gerhard Schöder und Josef Fischer): ums Geld.

Hoffentlich wird er reich und glücklich und verschont uns mit seiner “Politik”.

Mit freundlichem Gruß

Ihr 68er

2) C.Vogt, Dienstag, 25. Mai 2010, 15:28 Uhr

Brillant, Herr Spreng!

Ostdeutsches Mittelmaß läßt die besten Köpfe rollen.
Meine Partei ist das nun nicht mehr. Die Merkel-Jahre
werden den Untergang der CDU markieren und Deutschland
nicht wiedererkennbar verändern!

3) HotteHü, Dienstag, 25. Mai 2010, 15:44 Uhr

Ein sehr guter Artikel! Es fehlt: Wie lange kann sich dieses Land eine solche (schwache) Kanzlerin noch erlauben? Ist es tatsächlich so, das in Zeiten der großen Koaltion die SPD den Laden zusammengehalten hat ? Und jetzt sitzen bis auf Schäuble nur “Leichtmatrosen” in der Regierung. Aber: Regieren ist kein Pferderennen.

4) Benjamin, Dienstag, 25. Mai 2010, 15:46 Uhr

Ich weiß nicht so recht – ja, Koch hatte seine eigenen Positionen und stand dafür ein. Er polarisierte aber derart scharf und führte nun wirklich unappetitliche Wahlkämpfe, dass dies schon einen guten Teil der politischen Kultur vergiftete. In Hessen, wo es traditionell nicht unzimperlich zwischen CDU und SPD her ging, mochte man dies als “klare Kante” bezeichnen, aber das strahlte auf den Rest der Republik aus. Bouffier vertritt ja einen ganz ähnlichen Kurs, wobei der Herr (wie Koch mit den schwarzen Kassen) genug Skandale an sich haften hat. Was Merkel mit ihrer CDU macht, hat der Kanzlerwahlverein CDU sich auch selbst zuzuschreiben. Das Bröckeln beginnt ja unübersehbar bereits, wenngleich nicht so heftig wie bei der SPD. Und die Öffnung zur Mitte (besser spät als nie, Kohl war ja in seiner Welt eingemauert und übersah den Wandel im Land) wird der CDU auch kaum sehr viel helfen, denn viele die das ganz gut finden wissen doch auch, dass manches nur Fassade ist (weil immer gleich irgendwo einer “Widerspruch” ruft) und wählen deshalb eher die Grünen. Ich bin gespannt, wie sich die CDU verhält, wenn die nächste größere Wahlschlappe verdaut werden muss. Vermutlich hat sich die Formel “liberal, christlich-sozial und konservativ” (wer war schon in der CDU alles davon?) in dieser Einfachheit einfach überlebt hat – und in einem 5-Parteiensystem mit nur noch 1/3 “Volksparteien” finde ich es normal, dass die CDU eben auf einen Basiswert zurechtgestutzt wird.

5) Frank66, Dienstag, 25. Mai 2010, 16:01 Uhr

Was denkt der arme Nikolaus Brender jetzt wohl? Da hat ihn der liebe Roland Koch aus dem Amt des ZDF-Chefredakteurs gemobbt, nur um kurz darauf seinen eigenen Abgang zu verkünden. Das nennt man dann wohl “sein Feld bestellen”! Ich werde ihn jedenfalls nicht vermissen.

6) dissenter, Dienstag, 25. Mai 2010, 16:16 Uhr

“Seine Positionen waren immer zurecht umstritten…”

Eine schöner Euphemismus dafür, dass Koch als Demagoge und überführter Lügner gesetzt war – und das von Beginn seiner Amtszeit an.
Was ist das für ein Konservatismus, der solche Leute als Leuchttürme nötig hat!

7) Juergen, Dienstag, 25. Mai 2010, 18:17 Uhr

Schon bei der letzten Landtagswahl wurde er gefragt, wie lange er noch Ministerpräsident sein wolle. Damals wurde ihm unterstellt, er wolle ins Bundeskabinett wechseln. Niemand rechnete mit einer ganzen Legislaturperiode als Ministerpräsident. Koch gibt es nicht allein, er hat alles in der Gruppe gemacht, mit der er erst gemeinsam studiert und dann gemeinsam regiert hatte, und das ist eine ganz blasse Truppe geblieben. Sein Adlatus Bouffier war schon Hinterfigur zum Fall Daschner. Fiele Bouffier nun im Polizeichefskandal, wäre auch Koch gefallen. Koch ging jetzt, bevor er gegangen worden wäre. Und es drängelt sich keiner nach vorn.

8) Cornfeld, Dienstag, 25. Mai 2010, 21:00 Uhr

“Er machte furchtbare Wahlkämpfe, aber er machte wenigstens welche.”

Widerlich, aber das scheint Ihnen anscheinend beim homo politicus schon zu genügen. aber so hat das System Koch mit teilweise rassistischem Wahlkampf, der von Bild eifrig unterstützt, die niedrigsten Instinkte ansprach, funktioniert. Eiskalte Macht- und Klientelpoltik, die bewußte Lüge zum politischen Stilmittel erhoben, all das haben ihm konservative Publizisten und Honoratioren all die Jahre durchgehen lassen – leider auch zu viele Wähler. So viel zur geistig-moralischen Verfassung der BRD.
Man hätte ihn schon längst brutalstmöglich aus dem Amt jagen sollen. FRAPORT, FAG oder die üblichen Energieversorger wissen, was sie an ihm hatten, und werden ihm bestimmt mit Kußhand ein gutdotierte Funktion als “Rechtsberater” zuschustern. Hat er eigentlich schon alle wichtigen Orden Hessens und der Bundesrepublik? Na, das kann ja jetzt kommen.
Sein Platz in der “Gechichde” wird immer mit seinen Lügen und seinem “Wo-kann-ich-hier-gegen-Ausländer-abstimmen-Wahlkampf” verbunden werden.

9) Dr. Dr. Joachim Seeger, Dienstag, 25. Mai 2010, 21:06 Uhr

Philipp Mißfelder ist ein bekennender Konservativer!
Der Abgang von Roland Koch ist natürlich schmerzhaft und dieser Politiker ist kaum zu ersetzen. Dieser Schritt wird die weitere Entfremdung der CDU von ihrer christlich-konservativ-nationalen Stammwählerschaft begünstigen. Angela Merkel führt die CDU in die falsche Richtung, wenn sie die Partei zu einer “liberalen Großstadtpartei” umgestalten will. Merkel sollte sich vor Augen führen, dass ihr Ziel kontraproduktiv für die CDU sein und diese Partei auf das 25%-Niveau führen wird. Wir brauchen eine konservative Revolution, die sehr schnell das christlich-konservative Profil dieser Partei, das leider nicht mehr besteht, wieder schärfen muss. Falls das misslingt, sollte eine neue Partei rechts von der Union gegründet werden, die kein Problem haben dürfte, die 5%-Hürde zu überspringen. Mißfelder, praktizierender Katholik aus Recklinghausen, Mappus und andere konservative Exponenten sollten sich mehr für diese konservative Umgestaltung der Union einsetzen, damit die letzte Chance für die CDU nicht verspielt wird. Die christlich-konservative Wählerschaft, zu der ich auch gehöre, wird es ihnen danken.
Dr. Dr. Joachim Seeger, Recklinghausen, Mitglied von CDL und AEK
Associate Dean of St. Stephan Harding Theological College/ USA
Amtierender Schützenkönig der Alten Bürgerschützengilde Recklinghausen von 1387 e.V.

10) JG, Dienstag, 25. Mai 2010, 22:56 Uhr

O.k.: Allen anderslautenden Beteuerungen zum Trotz kann Koch hoffen, daß er aus der “Versenkung” noch mal auftaucht, ähnlich wie Friedrich Merz das hoffen mag. Daß man ihn aus der Kulisse holt, wenn Merkel den Laden so richtig runtergewirtschaftet hat. Weil er um so wertvoller erscheint, nachdem er einige Zeit “weg” war. Hier und heute scheint mir sein Rückzug aber
als nichts anderes als die Einsicht, daß seine politische Karriere – zumindest vorerst – am Ende ist: Die Mehrheit der hessischen Wähler hatte schon 2008 die Nase von ihm voll. 2009 wurde er als Ministerpräsident nur wiedergewählt wegen des Gemurkses bei der SPD. Die Zahl der CDU-Wähler war sogar noch niedriger als bei dem Debakel 2008. Daß er die Landtagswahlen 2014 überstanden hätte, war eher unwahrscheinlich. Von Muttis Gnaden konnte er nichts werden, weder in Berlin noch in Brüssel. Und in der Wirtschaft gibt es zweifellos mehr zu verdienen, mit weniger Aufwand.

Aber meinen Glückwunsch, Herr Spreng, zu dem schön bösen, da treffenden Bild vom “Ponyhof”.

11) Tim, Mittwoch, 26. Mai 2010, 01:14 Uhr

Wenn ich solche Kommentare lese, frage ich mich immer: Was macht einen eigentlich zum “Konservativen”? – Parteispendenskandale, Lügen, Ausländerhetze, Politik gegen jeden Sinn und Verstand?
Und auch wenn es hier jetzt nicht angeklungen ist: Wer hat jemals die Sprachregelung getroffen, Koch sei ein Wirtschafts- und Finanzfachmann? Wo um alles in der Welt kommen solche Einschätzungen her? Das hab ich noch nie verstanden. Nicht nur bei Roland Koch nicht.

Ach ja: Schön, dass er weg ist!

12) M.M., Mittwoch, 26. Mai 2010, 02:37 Uhr

…irgendwas stimmt nicht mit der Anzahl der Kommentare: Es werden 14 angezeigt in der Ueberschrift, es existieren aber nur 10???

13) Frank66, Mittwoch, 26. Mai 2010, 06:53 Uhr

Wenn die Konservativen in der CDU jetzt schon auf Leichtmatrosen wie Philipp Mißfelder und Stefan Mappus als Hoffnungsträger setzen müssen, beweist mir das wie sehr Angela Merkel diese Partei sozialdemokratisiert hat! Wie muss es diese Leute schmerzen, das eine evangelische Frau aus dem Osten es an die Spitze ihrer CDU geschafft hat und sogar Bundeskanzlerin ist.

14) m.spreng, Mittwoch, 26. Mai 2010, 07:31 Uhr

@M.M.

Danke, dass Sie nachgezählt haben. Ich habe keine Erklärung dafür, dass die Zahl nicht stimmt. Ist das denn bei anderen Beiträgen auch so? Ich werde mal die mich betreuenden Experten befragen.

15) Sachsenspiegel, Mittwoch, 26. Mai 2010, 07:57 Uhr

Stanislaw Tillich, der vorgesehene CDU-Vize ist übrigens katholisch, liebe Konservative!

Aber er ist Sorbe und sein Schwiegervater war polnischer Zwangsarbeiter….

16) Gregor Keuschnig, Mittwoch, 26. Mai 2010, 08:32 Uhr

Merkels Rechnung ist eine andere. Sie geht davon aus, dass derZahl der Wähler, die wegen Koch CDU gewählt haben, geringer ist als die Zahl derer, die jetzt wieder CDU wählen, weil er weg ist. Sie versucht schon die CDU als “modern-konservative” Partei sozusagen neu zu erfinden. Da stören diese Hardline-Piolitiker wie Koch und Schönbohm. Die CDU wird so oder so nur eine 30%-Partei werden (und damit immer noch etwas stärker als die SPD)

Merz war ihr aus anderen Gründen zu gefährlich: er war charismatisch (was jemand wie Koch nie war). Als sich Merz der sozialdemokratischen Politik Merkels nicht anpassen wollte, musste er eben gehen.

Koch macht den Lafontaine; nur geordneter. Er hat festgestellt, dass in diesem Leben kein Vorbeikommen mehr an Merkel ist. Dieses Brett zu bohren, dauert ihm zu lange. Wulff bleibt nur noch, weil er sich wohl tatsächlich nicht den Kanzler zutraut. Im Gegensatz zu Koch ist er ja auch kein “Konservativer”.

Die Reaktionen auf den Abgang Kochs waren so, wie die Parteien sich derzeit darstellen. Vom Hessen-Grünen Al Wazir kam eine sachliche, knappe und zutreffende Bilanz, die sagte, dass Koch alle seine Ziele nicht erreicht habe. Der SPD-Mensch trat nur nach und faselte etwas von Flucht vor der Verantwortung (das sagen diejenigen, die bis zum Schluss am Sessel kleben). Die Linke (im Bund) bedauerte fast, einen satisfaktionsfähigen Gegner verloren zu haben.

Mein Bedauern hält sich in Grenzen.

17) Chat Atkins, Mittwoch, 26. Mai 2010, 09:38 Uhr

Flohzirkus statt Ponyhof wäre die bessere Metapher. Ponys sind wenigstens attraktiv …

18) C, Clocke, Mittwoch, 26. Mai 2010, 10:06 Uhr

Herr Koch war ein Politiker, den ich vermissen werde. Er hat klare Positionen bezogen und dafür Wählerstimmen bekommen. Jetzt weiß ich, was meine konservativen Nachbarn denken. Ihm vorzuwerfen, dass er für seine Ziele gekämpft hat, manchmal auch mit unlauteren und unfairen Mitteln, halte ich für heuchlerisch. Das ist doch eher menschlich. Im Grunde tun wir das doch alle. Ich habe drei Söhne und ohne unlautere und unfaire Mittel hätte ich das Thema Erziehung in der Pubertät vergessen können. Das ist sicher nicht der einzige Bereich, in dem es bei mir und vielen anderen menschelt, deshalb steht auch in der Bibel: “Wer frei von jeglicher Schuld ist, der werfe den ersten Stein”

19) H.H.Schmidt, Mittwoch, 26. Mai 2010, 10:23 Uhr

@ michael spreng

In einem Radiointerview vertraten Sie heute die Meinung, dass die CDU, wenn sie 40 % holen will, ihren rechten Flügel stärken muss, denn sonst erreicht – wie auch hier geschrieben – die Merkel-CDU nur so um die 30 %.

Nun, glauben Sie nicht, dass die Zeit, in der eine Partei im Bund 40 % > holen kann, längst der Vergangenheit angehört? Aber selbst wenn dem so wäre, wo blieben denn dann die 10 % des rechten Lagers. Wo wäre deren neue politische Heimat?

20) nurmalso, Mittwoch, 26. Mai 2010, 11:06 Uhr

“ein profil schärfen, obwohl es nicht vorhanden ist …”

na wie lustig ist das denn ? ;-)

jetzt ist man in konservativen kreisen schon froh, dass ein politiker überhaupt mal “position bezieht”, egal welche.

und nochmal die frage, die sich die praktizierenden katholiken im rechten cdu flügel (praktizierender katholizismus – ist das eigentlich das, was mixa und co immer betrieben haben ?) stellen müssen: warum wird die merkel dann nicht als cdu vorsitzende abgewählt, wenn ihr den kurs nicht mögt ?

21) CB, Mittwoch, 26. Mai 2010, 12:09 Uhr

“Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden einig sind, ist ein verlorener Abend.” Zitat von Albert Einstein. Ohne Koch werden solche Abende häufiger, mit Profalla & Co. zur Regel. Warum bejubeln alle heute einen Typ wie Helmut Schmidt ? Mit ihm konnte man streiten, ja, im Positiven. Mit Koch sehr oft im Negativen. Aber auch er war “Ein Typ”. Diese “Typen”, in beide Richtungen, verschwinden heute, schade! Armer Ponyhof.

22) Benjamin, Mittwoch, 26. Mai 2010, 12:20 Uhr

Die national-konservativen Kräfte in der CDU haben nun tatsächlich ein Problem, ebenso der Kreis um Schlarmann, der ja immer mal gegen Merkel aufmuckte und Kochs Abgang sicherlich bedauert. Irgendwie erinnert mich die Situation der CDU nun unter Merkel entfernt an die Situation der SPD unter Schröder, als der eine Flügel mit der Ausrichtung der Partei unzufrieden war. Aber ich bezweifle, dass es eine Abspaltung des rechten CDU-Flügels geben wird. Merz würde da kaum mitmachen und Koch ist, bei aller persönlichen Antipathie die man haben kann, m. E. zu sehr ein “Parteimensch”, um seiner CDU da zu schaden – man übersieht auch allzu leicht, dass Koch und Merkel keine Freunde sind, Koch aber nicht gerade illoyal zur Kanzlerin war. Und ohne eine Person mit gewisser Ausstrahlung auf diese Wähler und Konzept wird da kaum etwas passieren, was auch Wirkung hätte. Also wird es wahrscheinlich hier und dort einer erheben und gegen Merkels Modernisierungskurs protestieren, aber solange Merkel an der Macht bleibt und in den Ländern nicht die MPs wie Dominosteine purzeln, wird man es sich wohl gefallen lassen müssen. Zu putschen wird sich wohl keiner trauen und der Rest des Personals ist ja nicht wirklich eine Gefahr für den Machtmensch Merkel. 40 % oder mehr halte ich für die Union in Zukunft ohnehin mehr als unwahrscheinlich, dazu sinkt auch das Stammpotential zu sehr und differenziert sich der Rest der Wähler zu stark aus. Wird einige zeit dauern, bis man das verdaut, aber da ging es der SPD ja nicht anders.

PS: Herr Spreng, im Text steht im zweiten Absatz des Beitrags bei mir “sie ist ist liberal, christlich-sozial und konservativ”, da ist also ein “ist” zuviel.

23) vera, Mittwoch, 26. Mai 2010, 12:37 Uhr

na ja, auf dem immenhof war wenigstens wirklich heile welt und keine achterbahn.

24) Marqu, Mittwoch, 26. Mai 2010, 12:51 Uhr

Sie haben den allseits beliebten Herrn von und zu vergessen, der -mit Seehofer im Rücken- muss sich von Merkel nichts sagen lassen.

Und Minister Röttgen hat auch den Mut mal eigene Positionen zu vertreten.

25) martin lindner, Mittwoch, 26. Mai 2010, 13:10 Uhr

guter kommentar, aber das stimmt eben nicht: ” Seine Positionen waren immer zurecht umstritten, aber er hatte wenigstens welche.” Er hatte keine Positionen, er simulierte Positionen. Das verstörende und beruhigende, je nachdem, war ja, dass der mann erkennbar intelligent ist, sehr viel intelligenter als seine z.t. skrupellosen und, wenn man sie für bare münze nehmen würde, auch dummen aussagen. koch war ein postmoderner konservativer. eine übergangserscheinung. wir müssen uns alle neue politische positionen ausdenken. die alten fossilen ideologie-brennstoffe sind endgültig verbrannt.

26) Nrwbasti, Mittwoch, 26. Mai 2010, 13:18 Uhr

Hallo Herr Spreng,
Sie sind doch ein Kenner der CDU. Lassen wir uns doch mal spekulieren:
wer würde eigentlich jetzt noch Frau Merkel nachfolgen können, sollte diese aus irgendwelchen Gründen ihr Amt nicht mehr ausüben können.
Eigentlich bliebe doch nur noch der eher blassere Christian Wulff oder wie sehen Sie das?

Beste Grüße

27) m.spreng, Mittwoch, 26. Mai 2010, 15:37 Uhr

@Nrwbast

Rein theoretisch. Im Augenblick gibt es nur Wulff, aber in einiger Entfernung sehe ich Röttgen (wenn er den Atomstreit gewinnt), von der Leyen und natürlich zu Guttenberg.

28) esal, Mittwoch, 26. Mai 2010, 16:15 Uhr

Den rüpelhaften und uncharismatischen Koch werde ich nicht vermissen. Ansonsten finde ich Merkels Ponyhof aber noch gut besetzt und einige vernünftige CDU Politiker wurden in den letzten Kommentaren ja auch genannt. Das ist doch schon etwas. Zumindest im Vergleich zu den dürftigen Personalien bei FDP und SPD. Da sehe ich kein Licht im Tunnel.

29) Frank66, Mittwoch, 26. Mai 2010, 18:23 Uhr

Nach Merkel soll die CDU wieder eine Frau nominieren? No way!

30) Benjamin, Mittwoch, 26. Mai 2010, 18:37 Uhr

@Marqu: Aber weder Röttgen noch zu Guttenberg würde ich im “rechtskonservativen” Flügel der Union verorten, zumal Guttenberg ja in der CSU ist – wenn es allein um die Frage gehen soll, wie die Lücke in der CDU nach dem Weggang Kochs dort kompensiert werden soll. Interessant wäre aber die Frage, ob man auf Bundesebene generell eine andere Politik in der Union herbeisehnt, eine, die klarer die eigenen Positionen vertritt (siehe auch http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/merkel-koch-cdu).

31) Benjamin, Mittwoch, 26. Mai 2010, 18:38 Uhr

Der Link sollte funktionieren: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-05/merkel-koch-cdu

32) J.K., Mittwoch, 26. Mai 2010, 19:29 Uhr

Der Herr Wittrock scheint ihr Blog auch zu lesen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696870,00.html

33) R.Horn, Mittwoch, 26. Mai 2010, 20:04 Uhr

Der Jammer um kleine oder größere Landesfürsten zeigt mir nur eines: Noch immer versteht sich dieses Land als politisch kleinkariertes Stückwerk von lokalen Interessenten, aus denen dann die zentrale Macht erwachsen solle. Wir sind im Jahre 2010 gelandet: Wir wollen einen entscheidenden Beitrag in der Welt leisten. Einflussreiche Macht an zentraler Stelle bedeutet Macht in Brüssel, nicht in Berlin und erst recht nicht in München, Wiesbaden oder Hannover zu besitzen. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Die Länder gehören komplett entmachtet. Und diese Entmachtung muss zuerst auf Parteiebene passieren. Solange das nicht vollendet wird, lachen sich Peking und Brasilia ins Fäustchen.
Ich kann der Tatsache, dass eine Naturwissenschaftlerin mit überlegtem Handeln den von Juristen und BWLern bevorzugten lauten Gangarten das Handwerk gelegt hat, nur Gutes abgewinnen.

34) deraxel, Mittwoch, 26. Mai 2010, 21:07 Uhr

Als der Schröder die SPD mit Harzt4 geschlachtet hat, wußte man zumindest für welches Ziel er das gemacht hat.

Die Ziele von Frau Merkel sind mir ein Rätsel.

35) horst scharnhorst, Mittwoch, 26. Mai 2010, 21:29 Uhr

Ihr Kommentator “HotteHü” hat Recht: wie lange kann dieses Land so eine Regierung noch ertragen?
Die Zeiten sind zu hart für Ponys. Dieses Land hat Stärke und Kompetenz verdient. Die jetzige Regierung bietet das Gegenteil. Die Auswirkungen werden dramatisch: Streiks, Unruhen (in Hamburg brennen heute schon täglich Zig-Autos) und massive Schäden an der wirtschaftlichen Substanz dieses Landes werden die Folgen sein. Es ist in Summe katastrophal. Frau Merkel war vor 10 Jahren eine “Notlösung” – die CDU versank im Spendensumpf. Diese Notlösung müssen wir heute teuer bezahlen. Das Drama wird noch größer, weil dem Koalitionspartner FDP jede Kompetenz fehlt (Retro-Mops schrieb Ihr Kollege Prantl kürzlich). Es ist sehr, sehr schlimm um dieses Land bestellt!

Ihr Artikell ist hervorragend!

36) Hartmut, Mittwoch, 26. Mai 2010, 21:35 Uhr

Wunderbar Herr Spreng, haben die Kollegen bei SPON wenigstens gefragt ?
http://erggertshofen.blogspot.com/2010/05/merkels-ponnyhof-iii.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696870,00.html

37) m.spreng, Mittwoch, 26. Mai 2010, 23:49 Uhr

@Hartmut

Nein, aber das war auch nicht notwendig, denn sie haben mich sauber zitiert.

38) nurmalso, Donnerstag, 27. Mai 2010, 01:12 Uhr

abgesehen davon, dass der baron mit den tausend vornamen in der csu ist und somit schlecht eine lücke in der cdu füllen kann – politisch kann man dem doch jedwedes ettikett ankleben. der vertritt nur sich selbst. zumindest in dieser hinsicht könnte er locker den dalai-lama freund aus wiesbaden ersetzen. denn der vertrat auch nur eine botschaft: wichtig ist, dass ich mp von hessen bin.
profil hat in der truppe doch keiner mehr. frau merkel sitzt am ufer des grossen flusses und wartet darauf, dass die leichen ihrer feinde vorbeitreiben. der einzige, der schlau genug (weil auch jung genug) ist, sich nicht aus der deckung zu trauen – ist der wulff. aber ob aus dem nochmal was anderes wird, als der brave mp aus hannover …

39) Cornelius Brand, Donnerstag, 27. Mai 2010, 11:30 Uhr

Die gute Nachricht in all dem Elend: Man spürt immerhin noch, wie mit dem Weggang der umstrittenen aber profilierten Köpfe auch die Qualität künftiger Debatten immer mehr verflachen wird. Die Sehnsucht nach (wieder-) erkennbarer Politik ist also noch da, und damit auch jene Nachfrage, die vorhandene Talente in der Union und anderswo nach oben bringen kann. Vielleicht muss es so relativ schlimm kommen, damit es wieder besser werden kann.

40) esal, Donnerstag, 27. Mai 2010, 11:47 Uhr

Zu Merkels Ponyhof gehört aber auch Horst Köhler, der sich mit seinen jüngsten Äußerungen und Dampfplaudereien zu Kriegseinsätzen immer mehr zu einem würdigen Nachfolger von Heinrich Lübke entwickelt. Wobei ich gerade auch lerne, dass dessen berühmter Satz “Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!” ggf. auch dem Reich der Legenden zuzuordnen ist.

http://www.zeit.de/2002/14/200214_stimmts_luebke.xml

41) Stefanie, Donnerstag, 27. Mai 2010, 12:30 Uhr

@nurmalso

“abgesehen davon, dass der baron mit den tausend vornamen in der csu ist und somit schlecht eine lücke in der cdu füllen kann – politisch kann man dem doch jedwedes ettikett ankleben. ”

Nunja, dem Herrn, dem man nach Ihrer Meinung jedes Etikett aufkleben kann, hat sich beim Opel Deal sehr eindeutig positioniert – und zwar als einziger hatte er die Courage zu sagen, was Sache ist. Dass es nämlich mega Schwachsinn war, bevor überhaupt auch nur eine dd durchgeführt worden war durch die Regierung oder das BMF – man verließ sich hierbei auf Gutachten die von anderen, welche nicht die Interessen Deutschlands vertraten – Bürgschaften in Millionen Höhe zuzusagen. SPD und MP Rüttgers forsch allen voran, BK Merkel, die wie so häufig auf Positionen der SDP hüpfte und noch hüpft und andere sangen alle das gleiche Lied. “Der Baron” – um Ihren Schröder Jargon zu übernehmen – stellte sich aus seinen Überzeugungen heraus gegen alle und behielt am Ende – was für viele außerhalb der Politik absehbar war – Recht.

Er sprach nicht nur Klartext, er stellte die Interessen Deutschland über die der Partei und setzte damals auch ein Stück weit seine eigene Position aufs Spiel. Dies verdankten ihm die Deutschen damit, dass er umgehend zum beliebtesten Politiker wurde.

Man kann zu Gutenberg mögen oder nicht, aber er tat damals und auch nachfolgend Dinge, nach denen die Deutschen gerade zu schreien: Ein Politiker, der nicht weichgespült daher kommt, die Interessen Deutschlands über die der Partei stellt und Klartext spricht – was nicht ausschließen soll, dass er dabei auch seine persönlichen Interessen verfolgt.

Die Wahlen in NRW haben gezeigt, dass nur noch knapp die Mehrheit der Bevölkerung zur Wahl geht. Eine solche Wahlmüdigkeit ist ein ernstes Warnsignal. Die Leuten glauben nicht mehr dran, dass sie mit ihrer Stimme etwas bewirken können oder Wählen gehen sich irgend wie anders lohnen könnte . Eine Demokratie lebt aber von der Mitwirkung seiner Bürger. Dies haben aber in zu weiten Teilen resigniert und das ist für eine Demokratie ein ganz schlechtes Zeichen. Die Beliebtheit zu Gutenbergs zeigt eindeutig, wie sehr es die Leute honorieren, wenn jemand sagt, was er als sinnvoll für unser Land erachtet anstatt sich nur wage und nicht verbindlich zu äußern aus Angst davor, dass eine Äußerungen den Verlust von Wählerstimmen nach sich ziehen könnte.

Bzgl. Koch teile ich weitgehend die Meinung des Betreibers dieses Blog. An anderer Stelle – http://www.transatlantic-forum.org/ falls es jemanden interessiert – sagte ich etwas dazu.

“profil hat in der truppe doch keiner mehr. frau merkel sitzt am ufer des grossen flusses und wartet darauf, dass die leichen ihrer feinde vorbeitreiben. der einzige, der schlau genug (weil auch jung genug) ist, sich nicht aus der deckung zu trauen – ”

Da ich es aber höchst erstaunlich finde, dass Sie auf der einen Seite, wie ich finde zu Recht – Beliebigkeit vorwerfen und auf der anderen Seite gerade den, der sich nicht beliebig zeigt vorwerfen, dass man ihm jedes Etikett aufkleben könne, wollte ich hier etwas dazu sagen. Denn zu Gutenberg ist wohl aktuell der deutsche Politiker, dem am wenigsten vorwerfen kann, mit dem Parteistrom zu schwimmen.

42) Gregor Keuschnig, Donnerstag, 27. Mai 2010, 18:50 Uhr

@martin lindner
Ihre Aussage “Er hatte keine Positionen, er simulierte Positionen” in Bezug auf Koch finde ich sehr interessant. Demzufolge wären seine Wahlkämpfe rein taktischer Natur gewesen?

43) nurmalso, Samstag, 29. Mai 2010, 10:13 Uhr

oh ja, wie sehr der baron es versteht, klartext zu reden, hat man während der sogenannten kundus-affäre erleben können.
da ging seine gradlinie klartext rede aber mal sowas in den schlüpfer …

44) Martin, Sonntag, 20. Juni 2010, 00:10 Uhr

Unter Merkels Ägide ist die CDU immer weiter nach links gerückt. Sie vertritt heute Positionen, die man vor einigen Jahren noch der SPD zugeordnet hätte. Unter ihr ist die CDU keine konservative Volkspartei mehr.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin