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Roland Koch und der Vermittler

Dass ich Roland Koch schon 1997 kennenlernte, geschah eher unfreiwillig. Er war bis dahin noch nicht auf meinem journalistischen Radar aufgetaucht. Koch war damals Fraktionschef der CDU im hessischen Landtag und sollte nach der 1995 verlorenen Landtagswahl zum neuen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten für 1999 aufgebaut werden. Ich war Chefredakteur der „Bild am Sonntag“. Eines Tages meldete sich bei mir Heinrich Kernebeck, ein für den Springer-Verlag wichtiger Mann. Denn er war einer der Geschäftsführer von HMS Carat, der wichtigsten Einkaufsagentur von Medienleistungen (Anzeigen), die Springer Millionenumsätze bescherte.

Kernebeck rief mich an und fragte, ob er mir einen vielversprechenden Jungpolitiker vorstellen könne. Ich sagte höflichkeitshalber zu und Kernebeck brachte Koch mit nach Hamburg. Wir gingen ins „Il Restaurante“ in der Innenstadt essen. Meist redete Kernebeck, Koch selbst hielt sich zurück, machte einen höflichen, aber eher blassen Eindruck. Mehr habe ich von dem Gespräch nicht in Erinnerung und ich sah keine Notwendigkeit, das Gespräch meinerseits erneut zu suchen. So kann man sich täuschen.

Zum zweitenmal traf ich Koch bei den Sitzungen des „Teams 40plus“, dem obersten Führungsgremium der CDU/CSU im Wahlkampf 2002. In der Wahlnacht saß ich mit einer Runde von CDU-Granden zusammen. Als die Niederlage Edmund Stoibers feststand, schmolz die Zahl meiner „Freunde“ wie Schnee unter der Sonne. Nur zwei kamen auf mich zu, um mir zu sagen, ich hätte dennoch gute Arbeit geleistet. Der eine war Lothar Späth, der andere erstaunlicherweise Roland Koch, inzwischen Ministerpräsident, der noch kurz zuvor den „weichgespülten“ Wahlkampf von Stoiber kritisiert hatte.

P.S. Heinrich Kernebeck gehörte jahrelang zum festgeknüpften CDU-Gewebe in Hessen. Seine Agentur verantwortete auch die Mediaplanung in mehreren CDU-Wahlkämpfen. Heute ist er im Skandal um die Media-Firma Aegis wegen Untreue angeklagt. Die Firma und ihre Chefs hatten Kundenrabatte nicht weitergegeben, sondern selbst eingestrichen.

PPS. Der zweite „vielversprechende“ Talent, das mir Kernebeck vorstellte, war Christoph Böhr aus Rheinland-Pfalz. Da hatte er sich getäuscht.