Donnerstag, 03. Juni 2010, 19:18 Uhr

Der nette Herr Wulff

Jetzt also Christian Wulff. Der nette Herr Wulff, Traum aller Schwiegermütter, soll Bundespräsident werden. Immer freundlich, immer ein gewinnendes Lächeln auf den Lippen, norddeutsch-liberal, die personifizierte Verlässlichkeit, ein guter Taktiker, ein Mechaniker der Macht, eine attraktive First Lady an seiner Seite. Sicher ein ordentlicher Bundespräsident. Aber reicht ordentlich?

Christian Wullf ist ein Mann ohne besondere Eigenschaften. Mit ihm verbindet sich kein politisches Projekt, keine Vision, kein Plan, kein intellektueller Wurf trägt seinen Namen. Große Reden – Fehlanzeige. Seinen letzten Wahlkampf hat er frei von Aussagen bestritten. Die Deutschen können also beruhigt sein: von ihm sind keine anstrengenden geistigen Herausforderungen zu erwarten. Reicht das in der Krise? Da wäre von Frau von der Leyen, von Norbert Lammert, erst recht von Wolfgang Schäuble mehr zu erwarten gewesen. Der Kandidat von SPD und Grünen, der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck, offenbart die geistigen Defizite der CDU. Der nette Herr Wulff sieht dagegen alt aus. Gauck hätte auch die CDU geschmückt.

Angela Merkel hat mit dieser Operation die letzten Rivalen in der CDU verloren: Ursula von der Leyen wurde einen Kopf kürzer gemacht, Wulff nach oben wegbefördert. Merz weg, Stoiber weg, Koch weg, Jürgen Rüttgers schwer angeschlagen, Ole von Beust amtsmüde. Die Riege der CDU-Männer hinter Merkel besteht jetzt aus Politikern wie Stefan Mappus, David McAllister, Volker Bouffier, Stanislaw Tillich. Keiner kann Merkel gefährlich werden, aber auch keiner wirft Glanz auf die CDU, wenn der Glanz von Angela Merkel weiter verblasst. Jetzt ist die CDU Frau Merkel auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Wenn sie untergeht, geht auch die CDU unter.

Franz-Josef Strauß hat 1976  der CDU vorgeworfen, sie bestehe nur aus „politischen Pygmäen“ und „Reclam-Ausgaben von Politikern“. Das war damals falsch, aber 34 Jahre später könnte sich die Behauptung bestätigen.

Halt, einen gibt es noch, einen Politiker der CSU: Karl-Theodor zu Guttenberg  ist jetzt der einzige, der Merkel ersetzen könnte. Mal sehen, was  sich Angela Merkel für ihn einfallen lässt.

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37 Kommentare

1) armer Moldavier, Donnerstag, 03. Juni 2010, 19:42 Uhr

In dieser Position kann Herr Wulff keinen Schaden mehr in NDS anrichten.

Danke Angie.

2) minuex (MN), Donnerstag, 03. Juni 2010, 20:52 Uhr

Mein Kompliment, wie richtig Sie mit einem ihrer vorherigen Beiträge zu der Bewerbung Wulffs auf dieses Amt im Zuge der niedersächsichen Kabinettsumbildung lagen; obgleich dieses unerwartete Tempo der Entwicklung auch Sie wohl überrascht hat, oder? Dann verraten Sie uns bitte mehr.

Ihre nächste Prognose (über zu Guttenberg hinaus)???

Weiter so!!!

3) rocco, Donnerstag, 03. Juni 2010, 20:59 Uhr

und ich dache immer, wulff will kanzler werden? warum macht der sowas? kommt das für einen wie ihn nicht zu früh?

ob von lammert mehr zu erwarten wäre, mag ich anzweifeln. sein seltsam eigentümliches gejammer, weil nicht ARD udn ZDF, sondern nur PHOENIX eine stinkend langweilige und voraus sagbare Bundestagsdebatte übertrug, klang doch sehr weltfremd…

4) Benjamin, Donnerstag, 03. Juni 2010, 21:14 Uhr

Ich kann ihrem Beitrag nur zustimmen – außer bzgl. zu Guttenberg. Nur in der Opel-Krise seinen Posten symbolträchtig zur Disposition zu stellen (wo er sich ja ausrechnen konnte, dass das relativ gefahrlos war) oder sich ebenso symbolisch an Spitze von Sparbemühungen zu stellen, ist denke ich noch zu wenig, um ernsthaft als Merkels Konkurrent gehandelt zu werden. Aber derzeit ist er ja der Liebling der meisten Medien (trotz bekannter Probleme, siehe Kundusaffäre). Mal sehen, vielleicht wartet Merkel, ob ihn der Untersuchungsausschuss entzaubert.

Ich bin von der Entscheidung zugunsten Wulffs jedenfalls maßlos enttäuscht. Der Bürger kommt sich doch für dumm verkauft vor. Merkel hatte es offenbar nicht mal für nötig gehalten, mit der Opposition ernsthaft zu sprechen, dabei hätte das doch ein deutliches Zeichen gesetzt, dass man diesmal keine taktischen Spielchen macht. Ich kann auch nicht erkenne, was ihn angeblich für dieses Amt qualifiziert. Es hätte bessere Kandidaten gegeben, selbst im konservativen Bereich (wie etwa Hans-Jürgen Papier). Aber man wollte einen Politiker, jetzt hat man einen. Für mich ist diese Entscheidung ein wirkliches Armutszeugnis.

5) Horst Schulte, Donnerstag, 03. Juni 2010, 21:34 Uhr

Das sind wieder Ansagen! Vor ein paar Tagen hörte ich Sie noch in einer Talk-Show darüber reden, man sei mit dem Bundespräsidenten zu rüde umgegangen. Aber das waren Linke und das ist natürlich etwas ganz anderes. Sie dürfen das! Noch ist Wulff nicht Bundespräsident. Ihre Mischung von Kritik und Vorbehalten ist vielleicht nicht rüde, destruktiv ist sie allemal.

Bezüglich der Alternative Gauck bin ich Ihrer Meinung. Er hätte der Bundesrepublik in diesen Zeiten gut zu Gesicht gestanden. Aber gut, die bürgerliche Koalition meint Parteiinteressen in den Vordergrund stellen zu müssen. Sie wird erleben, was sie von der Taktiererei hat.

Wäre übrigens Frau von der Leyen Bundespräsidentin geworden, hätten Sie, Herr Spreng, ganz sicher genauso vom Ausfallen eines Rivalen bzw. einer Rivalin geschrieben. Insofern… So ist das nun einmal, wenn einem das Personal ausgeht.

6) Philip, Donnerstag, 03. Juni 2010, 21:43 Uhr

In gewisser Hinsicht ist er der perfekte Mann für das Amt: Ein Grüßaugust, wie er im Buche steht.
Ein Politiker wie ein Popsong, glattgeschliffen, tut keinem weh und inhaltlich nichts zu erwarten.

Schade, dass die Union nicht die Gelegenheit genutzt hat einen echten Charakterkopf zu nominieren.
Klaus Töpfer wäre mein persönlicher Favorit gewesen, aber auch Herrn Gauck halte ich für einen honorigen Mann, der das Amt ausfüllen könnte

7) dissenter, Donnerstag, 03. Juni 2010, 22:11 Uhr

Wer interessiert sich für das Schmusekätzchen Wulff?
Ungleich spannender ist doch die Personalie Gauck – ein deutliches Signal der Abgrenzung von SPD und Grünen gegenüber der Linkspartei. Man darf daraus schließen, dass Rot-Grün auch 2013 keine Perspektive zusammen mit der Linken im Bund sieht. Bei ihrer Majestät (bei Ihnen natürlich auch, Herr Spreng) dürften die Sektkorken geknallt haben: Konkurrent entsorgt, Kanzlerschaft gesichert. Das Nachsehen haben wieder all die, die eine inhaltliche Alternative herbeisehnen.

8) R.Horn, Donnerstag, 03. Juni 2010, 22:22 Uhr

Geehrter Herr Spreng,

diese Aufzählung der Abservierten ist eine Aufzählung des Versagens der alten Politiker. Sogar Herr Merz ist, wenn auch jung an Jahren, ein Politiker alter Schule: Etwas Wirtschaft, etwas Politik, natürlich Jurist, alles wie gehabt. Und dazu eine gehörige Portion lautes Auftreten. Alle abserviert von einer ruhigen, zurückhaltenden Frau.
Ich werde den Verdacht nicht los, Sie weinen den alten Zeiten hinterher.

Was sind die neuen Zeiten? Leider sind sie noch nicht da: Weniger Marketing, weniger Rechtswissenschaft, mehr Wissenschaft, mehr Unternehmertum.

R.Horn

Nachsatz: Ich gebe zu, Frau von der Leyen fällt aus meinem Stereotyp etwas heraus…

9) Klaus Kleinschmidt, Donnerstag, 03. Juni 2010, 22:24 Uhr

Herr Spreng, ich muss meiner letzten noch verbliebenen Hoffnung Ausdruck verleihen. Wie hoch sehen schätzen sie die Chance ein, dass Gauck doch gewählt wird. Es muss doch anständige Politiker geben, mit Courage, oder vielleicht auch mit leichten Rachegelüsten Fr. Merkel gegenüber… Es brauchen doch nur 25 zu sein!!

10) M.M, Donnerstag, 03. Juni 2010, 23:27 Uhr

Für Frau Merkel geht die Party weiter. Juché. Für die CDU wirds dagegen „düster“. Die Kreisverbände wissen schon seit langem, dass sie die Merkelsche Suppe auslöffeln dürfen. Da wandern gute Leute ins Nichts ab…Ob die jemals zurückkommen werden?

11) Dirk, Donnerstag, 03. Juni 2010, 23:46 Uhr

Wulff als offizieller Unterstützer von “Pro Christ”, sollte aber auf keinen Fall unterschätzt werden. Wer Ulrich Parzanys (Hauptprediger von “Pro Christ”) Reden kennt, der sieht sich mit allem konfrontiert, was fundamentalistischen christlichen Glauben ausmacht. Kreationismus, Schwulenhetze und strikte Ablehnung von Abtreibungen gehören zu seinen Lieblingsthemen.

Unvorstellbar, wenn solche Anliegen von einem Bundespräsidenten vertreten werden würden.

http://blog.esowatch.com/?p=1543

12) Becker, Donnerstag, 03. Juni 2010, 23:48 Uhr

@Klaus Kleinschmidt

Gut möglich, dass sich 25 aus dem Regierungslager finden werden, die für Gauck stimmen. Aber eher unwahrscheinlich, dass die Opposition geschlossen und einstimmig Gauck wählt. Gerade bei der Linkspartei habe ich da doch eher meine Bedenken.

Ich mach mir da gar keine Hoffnungen. Natürlich wird Wulff Präsident. Aber die Frage ist doch: Wen interessierts?
Durch Wulff wird dieses Amt noch mehr an Bedeutung verlieren, als es durch Horst Köhler bereits eingebußt hat. Wen interessiert überhaupt noch die Meinung des Präsidenten, wenn er selbst nicht mal mehr eine vertritt???
Alles andere als ein parteiunabhängiger Bundespräsident ist doch überhaupt nicht in der Lage, irgendetwas in diesem Land zu bewegen.

Was wir brauchen, ist jemand, der keine Parteiinteressen vertritt.
Jemand, der ausspricht, was die Mehrheit des Volkes denkt. Bei einem einigermaßen charismatischen Präsidenten mit guten Redequalitäten wäre es ein leichtes (gerade in dieser politischen und wirtschaftlichen Situation), Diskussionen über die gesamte Politikführung ins Volk zu bringen und publik zu machen……

…..doch was passiert?
Ein harmloser, kleiner, unscheinbarer Knirps wird zum Präsidenten ernannt und dieses Amt verschwindet endgültig in der Versenkung.
Ist ja auch aus der Sicht von Frau Merkel bzw. der Regiertung verständlich. Denn was ruhig gestellt ist, kann keine Unruhe stiften.
Fragt sich nur, wie lange dieses Spiel noch weitergehen kann?
Ich tippe auf das Ende dieser Regierung im Jahr 2011!

13) minuex (MN), Freitag, 04. Juni 2010, 00:14 Uhr

@ Klaus Kleinschmidt

… guter Gedanke, jedenfalls eine Erwägung wert – wenn auch der Wunsch für Gauck ein wenig Vater der Gedankens ist, aber nur so kann man auf diese Erwägungen kommen! Wer könnten diese 25 sein?

@ dissenter

Ich weiß nicht, nach meinem Verständnis ist der politische Betrieb eine Art „Hure“, und läßt sich nicht durch die heutige Personalie Gauck auf die Festlegung eines Ausschluß etwaiger Koalitionen in 2013 verläßlich vorhersagen; ich kann auch nicht erkennen, wer in der SPD (bzw. bei der Oppostion) ernsthaft als Kandidat (neben Gauck) im Gespräch war bzw. sich nomieren lassen wollte. Bislang waren solche Kandidaturen stets im voraus feststehende Niederlagen; das macht nicht Jeder mit.

@ an alle:

Über eines muß man sich einmal Gedanken machen; ein Bundespräsident hat eine Art geteilte Funktion: Einmal nach innen (Instrument: Reden, noch mehr? … ok: wandern, und sonst???) und nach außen bei Staatsbesuchen (da ist eine Menge diplomatisches Geschick erforderlich: Gauck?, ohne jegliche Erfahrung? M.E. nein, das könnte auf andere Art scheitern. In dieser globalisierten Welt sind die Anforderungen an dieses scheinbar überflüssge Amt enorm gewachsen; ich sehe nur wenige Personen, die diesem (viel zu ungeschriebenen) Personalprofil entsprechen.

14) JG, Freitag, 04. Juni 2010, 01:18 Uhr

Horst Köhler sollte wahrlich ein Vorbild sein: Jeder in Deutschland sollte, wenn ihm sein Job keinen Spaß mehr macht oder er sich darin zu dumm kommen lassen muß, den Krempel einfach hinwerfen können – bei weiterlaufenden vollen Bezügen bis an sein Lebensende.

Aber auch gut Christian Wulff: Wird mit spätestens sechzig, vielleicht schon mit fünfundfünfzig Jahren, Politrentner. Bis dahin wird er vielleicht noch in der einen oder anderen Rede darlegen, weshalb die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf (mindestens) siebzig unerläßlich ist.

Doch wenigstens ist Mutti wieder einen möglichen Konkurrenten los geworden, das dürfen wir uns schon was kosten lassen.

15) ErnstH, Freitag, 04. Juni 2010, 01:20 Uhr

ohne die ranzige obrigkeitshörigkeit im köhler posting sprengen sie viel besser…

16) Doktor Hong, Freitag, 04. Juni 2010, 02:20 Uhr

Blendet man alles andere aus, so finde ich es langsam amüsant, wie eine Naturwissenschaftlerin Telefonbuch-Ausweniglerner, berufsmäßige Besserwisser und Wortverdreher abserviert. Kognitiv scheint die Kanzlerin klar im Vorteil zu sein.

Und was den persönlichen Ehrgeiz von Christian Wulff angeht: Also so schlecht klingt „Bundespräsident Christian Wulff“ ja nun auch nicht.

Ich persönlich hätte ja Thomas Gottschalk vorgeschlagen, aber Herr Wulff wird’s auch tun. Wenn in jenem Land, dem wir unser Bildungssystem nachempfinden, Cowboy-Darsteller und trockene Alkoholiker Präsidenten werden, dann wäre Gottschalk doch ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, vielleicht noch mit Mike Krüger als Pressesprecher.

Was Herrn Gutenberg angeht: Meinen Sie nicht, dass er als Verteidigungminister potentiell auf einem Pulverfass sitzen könnte? Immerhin ist Schröder ja auch Scharping wegen ein paar Urlaubsfotos losgeworden, wenn ich mich recht entsinne.

Naja. Vielleicht ist es auch ein normales Phänomen, dem wir hier beiwohnen. Die ganze Welt ist im Umbruch und die neuen Machtgleichgewichte haben sich noch nicht eingependelt. Kann es sein, dass langfristig angelegte Politik eine schwierige Sache wird, wenn sich ständig die Randbedingungen ändern?

Man betrachte doch nur einmal Vietnam. Nach dem 2. Weltkrieg war es mit Europa als Machtzentrum der Welt vorüber, und der Verlust der Kolonien konnte auch mit dem Einsatz militärischer Mittel, wie ihn auch Köhler erwähnt hatte, nicht mehr verhindert werden. Selbst die USA waren außerstande, unter erheblichem Einsatz von Ressourcen ein Umkippen eines Dominosteines zu verhindern.

Unser technologischer und wissenschaftlicher Vorsprung schmilzt. Kopieren ist leichter als Selberausdenken. Seit 20 Jahren gab es nur noch sehr wenige umwälzende wissenschaftliche Entdeckungen, die einen neuen technologischen Sprung auslösen könnten. Die Dinge sind für den Westen nicht mehr ganz so einfach, seit wir nicht mehr mit der Macht über Blitz und Donner die Eingeborenenstämme verschrecken konnten, sondern die Mainboards für unsere Computer in Taiwan entworfen und in China gefertigt werden.

Es könnte sein, dass die Herausforderungen der Zeit tatsächlich schwierig sind.

17) Sabine Zielke-Esser, Freitag, 04. Juni 2010, 07:57 Uhr

Ich teile die Hoffnung von Klaus Kleinschmidt: Die überraschende Wahl Gaucks – das wäre ein Knüller!

Was mich aber richtig fertig macht, ist die Vorstellung, dass 2013 die Blume der Uckermark noch einmal antritt, die CDU als Eine-Frau-Partei.

Herr zu Guttenberg hätte eine Chance, wenn es ihm gelänge, rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl mit dem letzten (lebenden) Soldaten aus Afghanistan zurückzukehren. Ansonsten ist sein Amt ein politisches Himmelfahrtskommando. Frau Merkel weiß das sehr wohl.

18) Frank66, Freitag, 04. Juni 2010, 08:51 Uhr

Durch seine Bereitschaft Bundespräsident zu werden hat Wulff seine Aussage unterstrichen kein Alpha-Männchen zu sein. Etwas besseres konnte ihm doch gar nicht passieren. Als Bundespräsident kann er als Politprofi nicht viel falsch machen aber die ständigen Diskussionen über seine Eignung als Kanzler haben nun endgültig ein Ende!
Und was Merkels Nachfolge angeht: Vergesst mir den Röttgen nicht! Der Mann wird von ihr systematisch aufgebaut. Wie schon oben gesagt muss sie sich jetzt nur noch was hübsches für Guttenberg ausdenken, mit Kunduz hat es nicht geklappt! Aber Angie hat ja Geduld wie wir wissen. Kommt Zeit, kommt Skandal!

19) Andreas Wollin, Freitag, 04. Juni 2010, 08:57 Uhr

Wulff halte ich auch für handzahm, aber für einen großartigen Redner. Zum ersten Mal konnte ihn jeder bei Robert Enkes Tod im Hannoveraner Fußballstadion sehen/hören. Eine großartige Rede mit viel Beifall (bei den anderen Rednern nicht). Ich fand ihn gut. – Was die intellektuellen Impulse oder großen Ideen betrifft, muss man abwarten. Wer verfolgt schon genau, was Wullf „so macht“ – außer die Niedersachsen.
Wenn Merkel 2013 wieder antritt (vorausgesetzt, die Koalition hält so lange), wird’s wieder eine große zwischen SPD/CDU geben – nachdem die Linken mit Gauck einen Unwählbaren vor den Latz geknallt bekommen haben, wird’s kaum rot-rot-grün geben. Für rot-grün reicht’s nicht (nicht mit Gabriel) und die FDP wird vielleicht in 150 Jahren wieder zweistellig.

20) ph28, Freitag, 04. Juni 2010, 10:04 Uhr

Warum so pessimistisch – Merkel weg … Koch, Merz back !!!???

21) Steuereintreiber, Freitag, 04. Juni 2010, 10:13 Uhr

Ein Glas Milch für ein anderes Glas Milch. Sollte Herr Wulff 85 Jahre alt werden ( ich will ihm das gerne gönnen), dann müssen an Bezügen (ohne Witwenrente und Ausgaben für bodygurads, Dienstwagen, Sekretärin, Dienstzimmer usw.) 35 x 213.000 € berappt werden: 7.455.000 €, die zu erwartende Anhebung der Bezüge je nach Inflation nicht eingerechnet. Nur so nebenbei. Ist der Mann uns das wert?

Und wie muß jemand gestrickt sein, der das für sich selbst für angemessen hält?

22) Gregor Keuschnig, Freitag, 04. Juni 2010, 10:48 Uhr

Joachim Gauck ist ein ehrenwerter Kandidat. Er wäre der richtige Bundespräsident. Nur: Die Scheinheiligkeit zeigt sich auch hier. Denn SPD/Grüne hätten auch 2009 schon Gauck vorschlagen können – da waren die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung fragiler als jetzt und mancher CDU oder FDP-Wahlmann/-frau hätte es sich bei geheimer Abstimmung vielleicht überlegt.

Es ist wie so oft: Man bringt die wirkliche Alternative nur dann, wenn sie eh‘ chancenlos ist. Merkel instrumentatilisert das Amt als parteipolitische Bühne (abgesehen davon, dass ich es für problematisch halte, einen gewählten Ministerpräsidenten derart aus dem Amt zu hieven). Die SPD würde es aber auch nicht anders machen (siehe Johannes Rau).

23) Michael, Freitag, 04. Juni 2010, 10:59 Uhr

Ich gebe Ihnen ja recht. In allen Punkten. Das gilt für den von Ihnen gewählten Rahmen. Aber abseits von den Namen wie Wulff oder von der Leyen wird doch ein viel größeres Problem sichtbar: Die wirklichen „Köpfe“ sind in der Politik schon fast nicht mehr zu finden, sie wenden sich anderen Aufgaben in unserer Gesellschaft zu. Politik zu machen ist für größere Geister in unserem Land schon lange nicht mehr wirklich attraktiv. Das ist ein gewaltiges Problem für die Zukunft. Weder als Präsident, noch als Regierungschef oder Minister können wir die bestehenden und kommenden Herausforderungen gut bewältigen, wenn immer nur die zweite oder gar dritte Garnitur an den Start geht. Ich glaube uns bleibt nur ein radikaler Schnitt, der die unendlichen Verdienstmöglichkeiten in der Wirtschaft in irgendeiner Weise deckelt, um wieder einen „Rahmen der Gleichheit“ zu schaffen, der für große Geister eine gleichwertige Wahl zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik ermöglicht.

24) esal, Freitag, 04. Juni 2010, 11:00 Uhr

Warum ist eigentlich Gauck für die Linke als Kandidat der Opposition nicht tragbar (Unwählbarer, o.ä. lese ich in verschiedenen Kommentaren)? Bloß weil er Stasi- Unterlagenbeauftragter war? Frau Kipping konnte mir gestern bei Illner auch nicht wirklich erklären, was das Problem sein soll.

Sei’s drum! Ich bin nur froh, dass die CDU offenbar noch Restverstand besitzt und nicht Frau von der Leyen auf dieses politische Abstellgleis (ohne wirkliche Gestaltungsmöglichkeiten) geschoben hat.

@m.spreng
Lieber Herr Spreng, ich freue mich jetzt schon auf Ihre Analysen zur Sparklausur der Bundesregierung. Das dürfte ungleich interessanter sein als das Personalkarussell der letzten zwei Wochen.
Ich befürchte nämlich, dass die Chance im Rahmen von Sparmaßnahmen (wann wird eigentlich endlich diese „zweite Hauptstadt Bonn“ abgeschafft, die wir uns seit 15 Jahren gönnen?) endlich auch neue Einnahmequellen zu erschließen, ungenutzt bleibt (Einführung einer Vermögenssteuer, Abschaffung sämtlicher ermäßigter Mehrwertsteuersätze, Einführung einer 50 EUR Jahresvignette für PKWs auf Autobahnen, etc.).

Um endlich auch Schulden zu tilgen, sind Mehreinnahmen zwingend erforderlich. Nur 10-15 Mrd. irgendwo einzusparen reicht leider nicht aus.

25) BlackHawkDown, Freitag, 04. Juni 2010, 11:16 Uhr

ich kann ihrer analyse ausnahmsweise nicht zustimmen. vdl ist keinen kopf kürzer geworden, sondern eher kriegsgewinnnlerin der ganzen geschichte. fällt merkel morgen um, ist sie übermorgen kanzlerin – erst recht, nachdem wulff sich selbst aus jedem denkbaren rennen genommen hat.

und ja, wulff steht für kein projekt. aber steht gauck für eins? das thema ostdeutsch deckt merkel ab, kluge reden halten kann gauck viel schlechter als wulff. wir bekommen einen wirtschaftsfreundlichen präsidenten, aber auch einen für bunte und gala. das kann man bemängeln. aber damit bemängelt man eigentlich nur das defizit auf der seite der tagespolitik.

angela merkel hat mit dieser präsidentensuche auch nicht den letzten rivalen verloren -sie ist im gegenteil angreifbarer geworden. es herrscht schon götterdämmerung. wenn die ergebnisse der sparklausur am sonntag und montag jetzt nicht wenigsten ordentlich kommuniziert und umgesetzt werden, dann hat die koalition ihren letzten schuss daneben gesetzt. und merkels kanzlerschaft dauert nicht mehr lange.

gute besserung.

26) vera, Freitag, 04. Juni 2010, 11:19 Uhr

ein guter controller rationalisiert zuletzt sich selbst weg.

27) Benjamin, Freitag, 04. Juni 2010, 11:19 Uhr

Ich stimme manchem Vorredner zu – Gauck wäre eine gute und wesentlich bessere Wahl als Wulff. Gerade läuft eine interessante Pressekonferenz mit ihm. Leider ist die Chance sehr gering, wenngleich Gauck sicherlich auch bei manchem Unions- und FDP-Wähler wählbar wäre. Und deshalb meine ich auch (wie schon oben): Gauck als Kandidat von Regierung und Opposition wäre machbar gewesen, aber da haben wir wieder die Parteilogik bei Union und FDP, die diese Chance verpassen ließ.

28) Steven, Freitag, 04. Juni 2010, 11:50 Uhr

Wohne seit zehn Jahren im Ausland und kann diese Diskussion über den Bundespräsidenten nur belächeln. Die Rolle des BP wird im Inland masslos überschätzt – ausser der berühmten „Ruckrede“ und der Tatsache, dass von Weizsäcker „irgendwie ein guter BP war“, hatte der BP auf das politische oder sonstige Leben in Deutschland in der jüngsten Vergangenheit überhaupt keinen Einfluss und das ist auch richtig so. Und im Ausland weiss kein Mensch, dass es in Deutschland ein solches Amt überhaupt gibt, geschweige denn wie der Amtsinhaber heisst / hiess / heissen wird. Selbst politisch interessierte Engländer, Franzosen usw. hätten massiv Schwierigkeiten, den Namen auch nur eines ehemaligen BP zu nennen.
Also, mein Tipp, liebe Daheimgebliebene: Kümmert Euch eher um die wirklich wichtigen Fragen der deutschen Politik und nicht um ein Amt, das in der politischen Wirklichkeit absolut keine tragende Rolle spielt (auch wenn es alle immer behaupten).

29) Sven, Freitag, 04. Juni 2010, 12:26 Uhr

Ich kann Ihrer Einschätzung in diesem Fall nur bedingt folgen (bin als Osnabrücker aber vielleicht auch parteiisch). Christian Wulff hat in Niedersachsen sehr effektiv und geräuschlos einige Reformen durchgezogen, an denen sich z.B. ein Rüttgers in NRW die Zähne ausgebissen hat (Stichwort Auflösung der Bezirksregierungen). Wulffs Stärke, die oft auch seine Schwäche ist, ist das geräuschlose Durchziehen von Projekten / Reformen. Und das Gefühl für das richtige Timing. Dennoch bin ich für Joachim Gauck als Bundespräsident. Er hat den spannenderen Lebenslauf – und Wulff hätte ich gerne als Kanzler gesehen.

Ansonsten teile ich Ihre Einschätzungen, insbesondere in der Bewertung von Frau Merkel. So blasse Mitstreiter hatte nicht einmal Helmut Kohl um sich geschart….

30) nona, Freitag, 04. Juni 2010, 12:48 Uhr

Wulff ist die Art biederer Lächler, die die Menschen politikverdrossen werden lässt. Das ist gerade nicht jemand mit der für das Präsidentenamt nötigen Fähigkeit, sowohl staatstragend repräsentativ aufzutreten, als auch überparteilich Bürgern und Politikern ins Gewissen zu reden und vielleicht auch mal falsch laufende Gesetzesvorhaben in die Schranken zu weisen egal ob sie aus seinem eigenen Parteibuch erwachsen sind oder nicht. Nach Frau von der Leyen ist er die zweitschlechteste Wahl für das vakante Amt. Seine primäre Qualifikation ist die Gelegenheit, von Angela Merkel aus ihrem Gefahrenkreis wegbefördert werden zu können. Sonst genau garnichts.

Gauck ist die exakte Gegenthese dazu und die offensichtlich richtige Wahl. Weswegen er wohl auch nicht gewählt werden wird. Denn dazu müssten die Mehrheitsinhaber in der Bundesversammlung ja mal über ihre Parteilichkeit hinwegsehen, und wenn man der heutigen Politikergeneration eines nicht vorwerfen kann, dann ist das Objektivität auch wenn sie weh tut.

31) Frank Wilhelm Gaul, Freitag, 04. Juni 2010, 14:42 Uhr

Wie immer trefflich auf den Punkt gebracht, aber bei allem Schwiegersohn-Anschein des Herrn Wulff, lasst Euch nicht täuschen, es steckt sicher mehr dahinter als Wulff es nach außen hin durchdringen lässt.

32) ph28, Freitag, 04. Juni 2010, 15:01 Uhr

Sprengsatz ist mir mit der Eintütung von Herrn Wulff etwas zu voreilig, Besser wäre es gewesen sich das Wulff – Interview von heute morgen auf Phönix bzw. vorher die Gauck Vostellung der SPD / Grünen anzuschauen.
Bei Wulff klare, fundierte Aussaqgen; bei Gauck herumschwadronieren über evt. Depressionsprobleme bei Köhler.
Gauck reiht sich da voll ein in die Ausfälle von Oppermann bzw. Trittin gegen Köhler, insofern passt er schon als Kandidat der Opposition.
Gabriel müht sich dann mit unschuldigem Augenaufschlag zu erklären wie toll das wäre mit seinem Kandidaten bzgl. Stärkung der Demokratie.
Es kann einem schlecht werden.

33) riccardo borghese, Freitag, 04. Juni 2010, 17:12 Uhr

In der Tat, Gauck wäre der bessere Kanditat gewesen. Nur muss man der guten Ordnung halber sagen, dass er niemals Kandidat geworden wäre, wenn die SPD die Mehrheit in der Bundesversammlung hätte. Das übliche Manöver um der Konkurrenz eins reinzuwürgen. Dass Gauck dieses lächerliche Schaulaufen mitmacht, sagt was über seinen Eitelkeitsfaktor aus.

34) Klaus, Samstag, 05. Juni 2010, 13:41 Uhr

Herr Spreng, trefflich formuliert von Ihnen. Nun soll also ein neuer Präsident an der Spitze dieses Landes/Volkes stehen, der ob seiner Integrität und auch Lebenserfahrung die Herzen und Hirne der überwiegenden Mehrheit im Lande erreicht. Paradox: Traf auf Köhler zu !!!
Und was kam bei der Suche nach einem Kandidaten heraus: Parteitaktische Spielchen in Reinkultur, die langsam auf die Nerven gehen, und ein Kandidat nur für die Regierung. Armes Volk. Nichts gegen Herrn Wulff, aber es gehört schon was dazu, sich nach eigenen Aussagen nicht für das Kanzleramt zu eignen – und dann diese Entscheidung: Er hat sich sein „Ja“ sicher aufgespart für das höchste Amt. Welche Bescheidenheit.

35) EStz, Sonntag, 06. Juni 2010, 14:09 Uhr

Typisch Merkel: Die kungelt mit ein paar Milchgesichtern aus ihrem Wachsfiguren-Kabinett mal eben einen neuen Bundespräsidenten ausschließlich nach partei- bzw. karrierepolitischen Kriterien aus.

Wenn es selbst der Kanzlerin nur um ihr eigenes Wohl geht (dass sie nicht zum Wohle Deutschlands handelt, liegt auf der Hand), erinnert mich schon sehr an Helmut Kohl. Der hat auch (Bestechungs?-)Gelder kassiert und mit der Begründung gerechtfertigt, er habe das Geld nicht für sich, sondern für die Partei ausgegeben – als ob er sich damit nicht über Jahre die eigene Macht gesichert hätte. Bei solchen Vorbildern an der Spitze des Staates darf sich doch niemand wundern, wenn jeder andere auch nur auf sich schaut. Bin schon gespannt, wann die nächsten Jammerrunden zum Thema Schwarzarbeiter, Steuerhinterzieher und Nichtwähler loslegen.

Der Fisch stinkt halt immer vom Kopf her…

36) Doktor Hong, Montag, 07. Juni 2010, 22:23 Uhr

@Steuereintreiber

Das sind 0.266 Cent pro Jahr und Kopf.

Kann eine Volkswirtschaft mit einem BIP von 40.875 US-$ pro Kopf evtl. verkraften.

Das heißt natürlich nicht, dass wir uns 12,8 Millionen Bundespräsidenten zulegen sollten, die rechnerisch möglich wären (bei einem Euro/Dollarkurs von 1,20$/EUR)

37) Martin, Sonntag, 20. Juni 2010, 00:25 Uhr

Ich würde mich sehr freuen, wenn Herr Gauck neuer Bundespräsident wird! Wulff betrachte ich nur als so eine Art Manchurian Kandidat. Er würde als Merkels verlängerter Arm funktionieren.
Wulff hat sich durch die Annahme der Kandidatur ins politische Aus gebracht: Wird er gewählt, kann er noch für max. 10 Jahre die politische Rolle des „Grüßaugust“ übernehmen, wird er nicht gewählt, ist seine Zeit in der Politik abgelaufen.
Was im Rahmen der Bundespräsidentenwahl die allermeisten Medien diskretiert, ist die Tatsache, dass nicht berichtet wird, dass es VIER Kandiaten gibt! Auch wenn nur zwei davon relle Chancen haben, gewählt zu werden. Diese haben damit ein Glaubwürdigkeitsproblem: Wenn sie uns, dem Volk, schon das verschweigen, was verschweigen sie denn noch?

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