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Dienstag, 22. Juni 2010, 08:59 Uhr

Die Abrissbirne von der ARD

Man mag von Talkshows im allgemeinen und von Anne Will und Frank Plasberg im speziellen halten, was man will, aber sie sind Markenzeichen der ARD-Information. Und sie sind erfolgreich, die Quoten sind gut bis sehr gut. Dennoch werden sie jetzt behandelt wie Aussätzige und das nur, weil die ARD fast betrunken vor Glück über die Verpflichtung Günther Jauchs als neuem sonntäglichen Talkmaster ist.

Die ARD und ihr Vorsitzender Peter Boudgoust  gehen mit der Abrissbirne gegen Will und Plasberg vor, dabei können sie gar nicht wissen, ob die neue Talkshow mit Jauch überhaupt ein Erfolg wird. Aber erstmal abreißen. Auch Jauch kann, bei aller Wertschätzung, die Talkshow nicht neu erfinden. Er wird sicher eine politisch durchaus kompetente und unterhaltsame Sendung machen, aber das ist keine Entschuldigung dafür, so geringschätzig mit Will und Plasberg umzuspringen. Besonders übel spielt die ARD Anne Will mit. Die Empfehlung von Boudgoust, sie könne künftig spätabends unter der Woche mit ausländischen Wissenschaftlern talken, ist ein vergifteter Rat. Dann kann er Anne Will gleich einen Sendeplatz um 1.30 Uhr bei Phoenix antragen. Er begründet das mit dem zynischen Hinweis, Anne Will wisse “als Profi”, dass ein gewisses Bedürnis nach Abwechslung bestehe.

Und Frank Plasberg? Von ihm stammt mit “hart, aber fair” die einzige Talk-Innovation der vergangenen Jahre. Darauf hat Friedrich Nowottny schon zurecht hingewiesen. Warum soll künftig diese Innovation am späten Abend versteckt werden? Im Gegenteil: ein früherer Sendeplatz als heute wäre angemessen. Die ARD, die jetzt mit Jauch auf einen – durchaus angesehenen – Unterhaltungskünstler als Chef-Talkmaster setzt, ist diesselbe ARD, die es für unangemessen hält, in der “Tagesschau” über die Entführung einer Bankiersgattin oder die Verhaftung von Jörg Kachelmann zu berichten. Es ist aber auch die ARD, die zugunsten der “Bambi”-Verleihung auf einen “Brennpunkt” zum Attentat in Mumbai verzichtet.

Für diese Art von öffentlich-rechtlichem Fernsehen sind die mehr als sieben Milliarden Euro, die ARD und ZDF einnehmen, wirklich zuviel Geld.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

30 Kommentare

1) Peter Groschupf, Dienstag, 22. Juni 2010, 09:08 Uhr

Lieber Herr Spreng, bis auf Ihren Hinweis, dass ARD und ZDF noch in Mark bezahlt werden (was ich nicht wusste), möchte ich jedes Wort unterschreiben.

Nichts für ungut. So fest ist die alte Währung noch in unseren Köpfen.

2) m.spreng, Dienstag, 22. Juni 2010, 09:10 Uhr

@ Peter Groschupf

Danke, schon geändert. Aber Mark wären auch zuviel.

3) Doktor Hong, Dienstag, 22. Juni 2010, 10:22 Uhr

Am besten fand ich immer noch Erich Böhme.

Gott hab’ ihn selig.

4) Felix, Dienstag, 22. Juni 2010, 10:35 Uhr

Tja, wem sagen Sie das. Wenn die öffentlich-rechtlichen nicht gerade das Geld für Jauch, Schmidt & Co oder absurd teure Sportrechte verpulvern, dann z.B. auch so:
“2315 Medienmenschen haben sich in Stockholm für eine Hochzeit akkreditiert, 711 Ausländer, 277 davon allein aus Deutschland, und davon mehr als 70 nur für das ZDF.”
(Und die 70 reichen natürlich nicht um auch noch das ARD-Programm zu machen. Das ist ja die Spezialität von ARD&ZDF überall und immer doppelt Personal zu haben.)

Irgendwie kann man das viele Geld schon ausgeben. (Die BBC scheint da wesentlich geschickter vorzugehen.)

Bezeichnend auch, dass die neue Haushaltsgebühr auf gleichem Niveau wie die alte GEZ-Gebühr sein soll. De facto also eine weitere Steigerung des Etats.

5) Benjamin, Dienstag, 22. Juni 2010, 11:00 Uhr

Qualität ist bei den Öffentlichen seit Jahren rückläufig und die Angleichung an die Privaten in vielen Bereich ist ja auch recht offensichtlich. Das x-te Sport-, Royal- oder anderes Top-Event steht immer vor der Tür (die gucken kann wer möchte, aber dafür doch bitte nicht so einen Qualitätsverlust im eigentlichen Kernbereich der Öffentlichen). Meiner Meinung nach hat auch Plassberg seit der Sendeplatzverschiebung vom WDR direkt ins Erste einiges an Qualität verloren und Anne Will gleicht auch oft recht stark dem Plüsch-Talk bei Christiansen – von Illner ganz zu schweigen, die bei noch so üblen Themen tapfer lächelt und strahlt, aber nicht wirklich nachbohrt. Das fehlt mir sowieso bei diversen Sendungen und da hatte Plassberg im WDR auch besser agiert, wenigstens empfinde ich das so. Dafür mag noch manche Sendung bei Phoenix positiv überraschen.

6) Martin, Dienstag, 22. Juni 2010, 11:27 Uhr

Kleiner Hinweis: Der ARD-Vorsitzende schreibt sich “Boudgoust”, nicht “Boudgast”.
Inhaltlich sehe ich es auch kritisch, wegen Günther Jauch (den ich durchaus schätze) alles auf den Kopf zu stellen. Falls “hart aber fair” dadurch einen 20.15 Uhr-Sendeplatz ergattern könnte – vielleicht anstelle eines Romantik-Spielfielms oder eines Volksmusikstadls, wäre das ja sogar noch ein Gewinn für die Gebührenzahler.
Aber ich schätze es leider so ein, dass eher politische Talks in die Nacht verschoben werden als Sendungen, für die man sein Gehirn nicht bemühen muss. Leider haben letztere dann auch noch eine höhere Quote. Wir dürfen uns also nicht beklagen. Für Randgruppen wie die politisch Interessierten gibt’s ja noch die digitalen Spartenkanäle… (Traurig, traurig) Wirklich mutig wäre die ARD, wenn sie Anspruchsloses und Seichtes durch politische Magazine oder interessante Wissenschaftsformate ersetzen würde.

7) Benjamin, Dienstag, 22. Juni 2010, 11:45 Uhr

Ich sehe gerade, dass Boudgoust Jauch einen “Großmeister der journalistischen Unterhaltung” genannt hat (RP) – Unterhaltung wohl schon, aber “journalistisch” ? Wenn solche Maßstäbe wie bei STERN-TV dann auch im Ersten gelten ist klar, dass für Plasberg (der nebenbei in den letzten zwei Jahren für meinen Geschmack sich selbst recht stark in den Mittelpunkt der Sendung rückte, anders als zur WDR-Zeit, wo das Format zugespitzter war) kein Platz in der Prime Time ist. Das Format von “hart aber fair”, das gebe ich gerne zu, war interessanter als die diversen Wohlfühl-Talks. Schade, dass das auch verwässert wird und Plasberg da ja nun auch mitmischt (“Plasberg persönlich”). Wie ein Versuch, im Wohlfühl-Talk auch mal ein heikleres Thema anzusprechen, nach hinten losgehen kann, zeigt auch die Kritik von CICERO zu einer Sendung von Lanz: http://www.cicero.de/259.php?kol_id=11084

8) Frank66, Dienstag, 22. Juni 2010, 11:57 Uhr

Als regelmäßiger Teilnehmer an Talkrunden scheint mir Herr Spreng nicht ganz unvoreingenommen zu sein. Man muss doch sagen, das gerade “Anne Will” und “Maybrit Illner” in der letzten Zeit an Langeweile nicht mehr zu überbieten waren. Gerade um den immer gleichen Formulierungen und vorhersehbaren Phrasen zu entgehen, nutze ich doch viel lieber den Sprengsatz zur politischen Information. Auch Herr Plasberg befindet sich seit längerem außer Form. Seine letzte Sendung habe ich nach wenigen Minuten abgeschaltet, kein Informationsgewinn!
Nachdem die ARD endlich erkannt hat, das externer Sachverstand nur nützlich sein kann (Stefan Raab) ist die Verpflichtung von Günther Jauch nur folgerichtig. Man kann nur hoffen, das er die eingeschlafene Debattenkultur der Talksendungen wieder aufweckt.

9) Irreversibel, Dienstag, 22. Juni 2010, 12:21 Uhr

“Aber ich schätze es leider so ein, dass eher politische Talks in die Nacht verschoben werden als Sendungen, für die man sein Gehirn nicht bemühen muss.”

Als ob man für die “politischen” Talks in ARD & ZDF sein Gehirn bemühen müsste. Das sind auch nur Infotainment-Formate auf geringem Niveau (egal ob sie nun von Jauch, Will, Illner oder Plasberg moderiert werden).
Einzig bei der täglichen Phoenix-Runde kann man mMn sowas wie einen Erkenntnisgewinn erwarten – eben weil dort nicht nur von den üblichen Verdächtigen die üblichen inhaltsleeren Sprechblasen ausgetauscht werden ohne dass auch nur ein Argument ernsthaft diskutiert wird.

10) Dierke, Dienstag, 22. Juni 2010, 12:37 Uhr

Man kann es gar nicht oft genug betonen, daß man eine “schlechte” Zeitung abbestellen kann, das schlechte Fernsehen aber nicht. In der ARD und im ZDF gibt es kaum noch eine sehenswerte Sendung. Seitens der Politiker wird fortwährend behauptet, daß die Fernseh- und Rundfunk-”Steuern” ( ich sage extra nicht -”Gebühren” ) aus Gründen der Qualitätserhaltung so sein müssen ! Das ich nicht lache ! Wenn die zwei Talkshows von A. Will und F. Plasberg verschwinden, ist es in meinen Augen kein Verlust. Ein aktuelles Thema der Woche wird eben zweimal “weniger” behandelt. Und die “wichtigen und immer wieder diegleichen Politiker” muß man auch nicht mehrfach in der Woche “bestaunen”.
Woher kommt eigentlich die “Quote” ? In unserem Bekanntenkreis werden die politischen Talkshows schon seit langem nicht mehr gesehen !

11) m.spreng, Dienstag, 22. Juni 2010, 12:58 Uhr

@Frank66

“Regelmäßig” finde ich dann doch etwas übertrieben. Ich war in meinem Leben je zweimal bei Will und Plasberg. Die Sendung von Anne Will am Wahlabend 2009 mit Egon Bahr, Gerhart Baum, Wolfgang Gerhardt, Rita Süsmuth und Tissy Bruns gefiel mir, obwohl ich selbst daran teilgenommen habe, ganz gut. Vielleicht deshalb, weil es nicht die üblichen Verdächtigen waren.

12) Z, Dienstag, 22. Juni 2010, 13:55 Uhr

Zu Jauch und seiner Unlust Neues zu machen empfehle ich das sehr erfrischende Interview zwischen ihm und Niggemeier: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20-jahre-stern-tv/

13) marcpool, Dienstag, 22. Juni 2010, 15:48 Uhr

Sind diese vielen Formate überhaupt notwendig ? Seit einiger Zeit sitzen dort eben doch nur die üblichen Verdächtigen, von den Geislers bis Bahrums , ich möchte dies nicht despektierlich ansetzen, doch etwas Neues hört man eben nicht. Plasberg – gerade in Wahlkampfzeiten – ganz unangenehm angepasst . Die Eingeladenen ergiessen sich sowieso nur in den zurecht gelegten Phrasen, beantworten meistens nie eine Frage , und die Moderatoren gehen nicht nach . Von daher hoffe ich mal, das Jauch ein sehr direkter Fragesteller sein wird, und es auch mal mehr als unbequem sein darf- ob das allerdings den ARD Oberen dann gefällt ist eine andere Sache . Für mich als Auftraggeber ( denn der Bürger Zahlt ja schliesslich ) wird der Inhaltswert solcher Polittalks nicht nachdrücklich und genau abgearbeitet – um nicht zu sagen Ziel verfehlt. Oft – leider sehr oft , hätte man besser getan die Stunde (n ) besser zu nutzen. Phönix ist da die bessere Alternative. Und Journalisten könnten ihre Arbeit vielleicht auch mehr als einmal in Frage stellen.

14) Alvar Hanso, Dienstag, 22. Juni 2010, 16:37 Uhr

@M. Spreng
“Auch Jauch kann, bei aller Wertschätzung, die Talkshow nicht neu erfinden.”

Natürlich könnte er das.
Er muss nur wollen, d.h. er muss damit leben können, sich unbeliebt zu machen.
Denn, was stellen denn die politischen Talks idR dar:
Ein Schwätzerpanoptikum bei den sich mehrere Gäste gegenseitig darin überbieten, an der Wirklichkeit vorbei zu reden und die Talkshow als Selbstvermarktungsplattform benutzen.
Eine Schleichwerbungs-Schaubühne für die ewig bekannten Lobbyisten und Berufspolitiker, bei der es natürlich nicht um Information und Wahrheitsfindung sondern um Manipulation und Interessenbewirtschaftung geht.
Realitätsfernes Argument von Politiker A wird mit realitätsfernen Argument von Politiker B gekontert, der Moderator sitz fröhlich neutral in der Mitte und ist sich sicher, gute (objektive) Arbeit geleistet zu haben, weil er ja beiden Dummschwätzern gleich viel Zeit gegeben hat, das Publikum zu verschaukeln.
Brisante Themen werden nicht aufgegriffen bzw. unterdrückt, wir wollen schließlich niemanden weh tun oder die gutmeinenden “Freunde” aus der Oberschicht irgendwie verärgern.
Alles was ins Gehaltvolle gehen könnte, wird, v.a. mangels Sendezeit, abgewürgt.

Alles was sie über die Politik geäußert haben – das Fehlen einer Vision, jegliches vermeiden von handeln was persönliche Nachteile bringen könnte, die opportunistische Beliebigkeit der Akteure, all das ist doch genauso in den Mainstreammedien zu finden.
Selbstreferenzielles Volk, welches vorrangig damit beschäftigt ist, den eigenen dürren Ar+ch an die Wand zu bringen.

Natürlich ließe sich diese Art der medialen Volksverdummung reformieren:
Warum muss man z.B. eine Andrea Nahles oder einen Volker Kauder in eine Talk-Runde einladen?
Da ist doch von anfang an klar, das da nur Phrasen und inhaltsleeres Geschwafel bei rum kommt.
Oder diese ganzen Schelm-Ökonomen von der INSM, die unter dem seriösen Schein der Wissenschaft Klassenkampf von Oben betreiben.
Oder mal ein wenig Debattenkultur in die Sendung einbringt, z.B. ganz schlicht – wer Rabulistik betreibt, darf nicht wieder kommen.
Denn das wirklich tragische ist ja, das ganze Gephrase und Manipulieren der Menschen hat ja NULL Konsequenzen für die entsprechenden Damen und Herren.
Ein Politiker oder Lobbyist kann noch so oft den krudesten – interessengeleiteten – Unsinn erzählen, bar jeder Logik argumentieren, wie ein Fähnchen im Winde bedingungsloser Gegner und entschiedenster Befürworter für die selbe Sache sein.
Er wird immer wieder von Maybritt Willberg & Co eingeladen.
Keine Aussage ist in deutschen Polittalks zu platt – Polarisation ist alles.
Bringt wahrscheinlich auch höhere Quoten.

Sie erinnern sich an das Generikalobbyisten-Interview von Sonneborn?
Interessenvertretung gut und schön, aber irgendwo müssen Grenzen sein.
Wenn ich der Politik glaubhaft vermitteln kann, das der Weltuntergang droht wenn ich im Monat keine 4000 € Einkommen habe, mich dank Medienmacht als Systemrelevant aufpluster und die Hand nach Staatsknete aufhalte, ist das nicht ehrgeizig oder durchsetzungsstark sondern einfach nur charakterlich erbärmlich und schei+e.
Diese Grenzen könnten die Medien bzw. Talkshows jenen Herrschaften sehrwohl aufzeigen. Tun sie aber nicht, vielleicht fällt als Komplize ja etwas vom Gewinn ab.
Und mit Jauch wird sich das wohl kaum ändern.

BTW – Sie sind ja wahrscheinlich mit der Methodik der Gästeauswahl vertraut – wie kommen insbesondere die INSM-Lobbyisten immer in die Talkshows?
Hat die Propagandakompanie der Industrie tatsächlich derart großen Einfluss oder ist das “nur” der öffentlich-rechtlichen Klüngelei und/oder Inkomptetenz geschuldet (was ich eher annehme, nachdem was ich vom SWR weiss)?

15) Christian, Dienstag, 22. Juni 2010, 18:21 Uhr

Eines vermisse ich bei Ihnen und in den Kommentaren: Von Jauch ist die schwarz-gelbe Mehrheit in den ARD-Gremien doch vor allem deshalb so begeistert, weil sie ihn für einen der ihren halten. Dort, wo er bisher politisch in Erscheinung getreten ist -z.B. bei den Ultrakonservativen von “Pro Reli” in Berlin oder als unkritisches Merkel-Groupie nach dem Fernsehduell im Bundestagswahlkamf 2005- war dieser sympathische Mann ein ziemlicher Rechtskonservativer. Will und Plasberg hingegen sind politisch nicht so eindeutig gebunden, deshalb müssen sie für die neue Propagandawaffe halt weichen.

Gut möglich, dass das funktioniert. Ebensogut möglich, dass Jauch als Polittalker seinen Nimbus verliert oder um dieses Nimbus willen sich selbst ausgeglichener präsentiert als er persönlich empfindet. Und dann gibts ja noch n paar Landtagswahlen, die – mit einer gewissen Verzögerung – die Verhältnisse auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wieder ausgewogen gestaltzen können.

16) Eduard, Dienstag, 22. Juni 2010, 20:21 Uhr

@Hanso:
Stellen die Moderatoren denn intelligente Fragen? Die Wills und Illners und Plaßbergs haben große – und wie ich hoffe kompetente – Redaktionen – und doch schreiben die ihren Frontfrauen und -männern immer wieder die Fragen auf, die auch Lieschen Müller stellen würde oder die im Verlauf der Woche schon x-fach gestellt wurden. Da ist es kein Wunder, wenn die Nahles’ und Kauders dasselbe antworten, wie x-fach vorher. Mein Eindruck: Die Medien haben keinen Respekt vor ihren Zuschauern; es fehlt ihnen der Mut, diesen auch mal Mitdenken zuzumuten.
Die Politiker reißen sich nicht um die Teilnahme; die wissen selber, daß es da nur um Bla-Bla geht. Ich bin sicher, daß auch die Teilnehmer eine gut vorbereitete, intellektuell herausforderne Talkshow schätzen würden als die derzeitigen Versionen à la Karl Valentin: Es ist schon alles gesagt worden, aber nicht von allen…

17) sacherworte, Dienstag, 22. Juni 2010, 22:34 Uhr

Auch wenn’s Anne nicht will

Die schöne Zeit, in der die schöne Anne den attraktivsten Sendeplatz der ARD besetzen konnte, wird unweigerlich vorübergehen. Auch das längste Praktikum hat einmal ein Ende. Die Mehrheit des Publikums mochte es nicht mehr sehen. Wurde die Vorgängersendung – Christiansen – noch dafür getadelt, dass ihre ernsten politischen Auseinandersetzungen die Bundestagsdebatte in ihrer Bedeutung herabsetzten, kam jetzt immer mehr die gegenteilige Kritik auf: Das ist doch reine Unterhaltung. Und dass Anne Will eine offenbar nicht zu bremsende Vorliebe für eloquente Linken-Politiker hat, blieb auf Dauer auch niemandem verborgen.

Fernsehen ist ein oberflächliches Medium. 50% der Gehirntätigkeit wird durch das bloße Sehen beansprucht. Da liegt die Versuchung schon nahe, dem Publikum wenigstens optisch etwas zu bieten. Und gut aussehen konnte Anne Will ja unbedingt. Nur dieses penetrante Strahlen der Siegerin, die gerade eine Sentenz aus ihren Schulaufsätzen der frühen 80er Jahre preisgegeben hat, nervte dann doch ganz entschieden.

http://einminutentexte.wordpress.com/2010/06/11/auch-wenns-anne-nicht-will/

Grüße
PhS

18) Steuereintreiber, Mittwoch, 23. Juni 2010, 00:22 Uhr

In Italien nimmt kein vernuenftiger Mensch die RAI noch ernst. Man nutzt die Zeit ohnehin lieber, die Tagespolitik mit Bekannten und Fremden zu diskutieren. Das fuehrt nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen (s. Berlusconi, Fini etc.), ist aber unterhaltsamer und staerkt die ’soziale Kompetenz’…

19) Frank66, Mittwoch, 23. Juni 2010, 07:29 Uhr

Immerhin gibt es ja noch den ARD-Presseclub, der in der Regel in ruhiger Atmosphäre mit kompetenten Journalisten das politische Geschehen sachlich kommentiert. Aber natürlich werden auch zu dieser Sendung die Gäste nach vermeintlichem Parteiproporz eingeladen.
taz=links, FAZ=rechts.

20) marcpool, Mittwoch, 23. Juni 2010, 14:37 Uhr

@Frank66
Immerhin gibt es ja noch den ARD-Presseclub mit kompetenten Journalisten ……
…. und meistens drücken die sich nicht um ein Geschehen nicht drumrum. Sehr richtig
das ist eine interessante Pflichtstunde ( inkl nachgefragt ) .

21) Alvar Hanso, Mittwoch, 23. Juni 2010, 18:01 Uhr

@Eduard
“Stellen die Moderatoren denn intelligente Fragen?

Da ist es kein Wunder, wenn die Nahles’ und Kauders dasselbe antworten, wie x-fach vorher. ”

Nein, ich fürchte die Nahles´ und Kauders dieser Welt können garnichts anderes als Sprechblasen blubbern. Wer da jetzt was wie fragt ist unerheblich, das Resultat wird immer das selbe sein.
Womit wir zu Teil 2 kommen:

“Ich bin sicher, daß auch die Teilnehmer eine gut vorbereitete, intellektuell herausforderne Talkshow schätzen würden als die derzeitigen Versionen à la Karl Valentin…”
Das würde aber voraussetzen, das die beteiligten Herrschaften zu einer solchen Diskussion denn intellektuell befähigt wären.
Zuhören, verstehen, reflektieren, logisch argumentieren.
Aber darum geht es auch nicht.
Die üblich verdächtigen Talkshowtouristen wollen ja nicht diskutieren um irgendwelche analysierten Probleme abzustellen, sondern wollen sich bzw. ihre Botschaft vermarkten.
Im Grunde sind die meisten Talkgäste “nackt” – sie haben keine Konzepte, keine Visionen, keine Ideen, keine Ahnung und teilweise nichtmal soetwas wie Anstand und Ehre, intelligente Fragestellungen würde hier nur den Zuschauer verwirren und aufzeigen das das vorgebrachte nur heiße Luft ist.
Würde man einen progressiven, lösungsorientierten Diskurs starten, würde man vermutlich erkennen, das die herrschenden, an den Sendungen teilnehmende Systemfunktionäre nicht Teil der Lösung sondern Teil des Problems sind, welche nur darauf bedacht sind die eigenen Privilegien zu schützen bzw. auszubauen, was dann zu den berühmt-berüchtigten “alternativlosen Realpolitik” führt.
Und die entsprechenden Moderatoren gehören zu diesen begünstigten Systemfunktionären.
Wäre es anders, würde Willberg bessere Fragen stellen…

22) Gregor Keuschnig, Mittwoch, 23. Juni 2010, 19:07 Uhr

Jauch wird als politischer Journalist vollkommen überschätzt. Schade, dass infolge dieses Programmrevirements die “Phoenix-Runde” offensichtlich unter die Räder kommen wird…

23) Christian Soeder, Donnerstag, 24. Juni 2010, 12:20 Uhr

Anne Will ist furchtbar. Sobald eine Diskussion spannend zu werden droht, wechselt sie das Thema. Es kann gar nicht schlechter werden!

24) Doktor Hong, Freitag, 25. Juni 2010, 00:18 Uhr

@Alvar Hanso

Sie haben völlig recht. Viele Menschen diskutieren nicht, um eine Fragestellung zu erhellen, sondern um ihre Sichtweise als die allein richtige darzustellen. Man könnte quasi von einer Durchseuchung der Diskussionskultur durch juristische Ansätze sprechen.

In einem Gerichtssaal hat es sicher Sinn, seine eigene Interpretation der Gesetzeslage dem Richter als die allein richtige zu verkaufen. Ich denke, man merkt an diesen Talkshows sehr gut, dass viele Politiker aus den Reihen der Juristen und Lehrer kommen. So erlebt man nur ätzende Rechthaberei und Dogmatismus, so gut wie nie echte Information.

Beispiel Rüttgers bei Anne Will zum Thema Finanzkrise: “Sie haben ja keine Ahnung! Keine Ahnung haben Sie!” Das war’s schon, und gelernt haben wir dabei nur, dass Rüttgers die Inversion von Prädikat und akkusativem Objekt beherrscht.

Außerdem erstaunt es mich immer wieder, was für grottige Manieren die achso bürgerlichen Politiker an den Tag legen: sie unterbrechen einander ständig und werden ausfallend. Nicht, dass linke und sozialdemokratische Politiker das nicht auch täten. Aber wenn man für sich in Anspruch nimmt, das “bürgerliche Lager” zu vertreten, dann sollte man sich auch zu benehmen wissen. Als ob ein Akademiker, der sich von den Grünen vertreten fühlt, nicht auch zum Bürgertum gehören würde.

Das erklärt möglicherweise die Popularität von Gutenberg oder von der Leyen: sie benehmen sich, soweit ich das mitbekomme, tadellos. Auch Westerwelle tut das, aber seine politischen Äußerungen waren in letzter Zeit ein wenig fragwürdig. Aber wenn gutes Benehmen allein bereits als Ausweis grandioser Politikfähigkeit gilt, dann sollte vielleicht auch einmal hinterfragt werden, welche Maßstäbe dafür gelten.

Was mich ebenfalls gewundert hat, ist, dass es dem Anschein nach kaum Sendungen im Fernsehen gab, die einfach mal erklärt haben, was ein CDS oder eine Verbriefung ist, und warum sie riskant sind. Oder eine Sendung, die erklärt hätte, wie eine Bank funktioniert, was Eigenkapital heißt, und was es mit Ackermanns Eigenkapitalrendite auf sich hat.

Oder dasselbe mit der Finanztransaktionssteuer: nur dummes, blödes Gewäsch über Kunden, die das bezahlen müssen. Warum erklärt denn keine Sendung, dass ein Ökonom namens Tobin so etwas schon in den 1990ern vorgeschlagen hat, um Währungsspekulationen zu unterbinden? Und warum er das vorgeschlagen hat?

Warum hat im Falle der Griechen keiner erklärt, welche Rolle die Ratingagenturen bei der Geschichte gespielt haben? Warum erklärt niemand, wovon eigentlich die Rede ist? Warum erklärt niemand, was so eine Ratingagentur macht, was das für Auswirkungen hat, wer da drin sitzt? Dann müssten wir alle weniger blödes Gewäsch ertragen. Dann würde auch jeder mitkriegen, dass es da einen Personenkreis gibt, der unverhältnismäßig viel Macht hat.

Das wäre doch mal interessant gewesen. Aber stattdessen nur Gelaber und Gesülze. Gottseidank gibt es inzwischen ja Internet, aus dem man sich aus der riesigen Masse von Information einiges herauspicken kann – wie zum Beispiel den Sprengsatz.

P.S.: Haben öffentlich-rechtliche Sender nicht auch den Auftrag, einen Beitrag zur Bildung der Menschen zu leisten? Wollen die Journalisten nicht oder trauen sie sich nicht? Oder fehlt es vielen von ihnen selbst an der allgemeinen Bildung?

25) Roland, Freitag, 25. Juni 2010, 07:06 Uhr

Plasberg: Ein übler Manipulator, wenn es um Gesundheitspolitik geht. Da promotert er die Avacadocreme eines Scharlatans!
Seien Frau hat da auch jede Menge Interessen.

26) Jan, Freitag, 25. Juni 2010, 12:25 Uhr

Neben 1plus und 1festival könnte doch die ard auch noch 1talk ins leben rufen. jeden tag um 20:15 uhr jauch, dann 21:15 uhr plasberg um 22:15 (außer donnerstag, denn da läuft maybrit) anne will. am donnerstag um 22:15 harald schmidt und dann ab 23:15 beckmann, maischberger im wechsel.

ach ja: von 0-20 uhr gibts stündlich wechselnde wiederholungen von presseclub und phoenix runde

27) Herbert Exner, Samstag, 26. Juni 2010, 12:19 Uhr

Kaum hat Herr Spreng das Krankenhaus verlassen, wird wieder herumgemosert. Offenbar nicht genug Zeit zur Einkehr.
Bezüglich der ARD-Programme: Alles ist politisch. Die Rundfunkgesetze ermöglichen den Parteien die Bezahlsender zur “Volksaufklärung und Propaganda” zu machen. Die SPD hat das früh erkannt und die wichtigsten Posten (Jochimsen, Piel etc) besetzt. Der WDR ist die eine Säule, die Kleber-Gerster Gruppe im ZdF die andere. Plasberg ist SPD Parteisoldat, das war in der alten WDR-Fassung nicht so deutlich. Sein Ego und die entsprechende Geldgier hat er parteilich überzogen und dadurch an Glaubwürdigkeit verloren. Die Sonntagabend-Christiansen zeichnete sich durch ständiges Dazwischengeplappere aus. Anne Will hat das mit gleicher Inkompetenz fortgesetzt. Endlich geht das zu Ende, leider nur viel zu spät. Die letzte Seite vom Juni-CICERO (jetzt auch voll in der Hand der SPD)hatt das treffend bezeugt. Presseclub und Phoenix-Runde sind deshalb erträglich, weil die sog. Moderatoren sich nicht in den Vordergrund spielen, im Gegenatz zur “roten Heller” in der Münchner Runde.
Fazit: Die elektronischen und print-Medien sind allesamt parteilastig und wie man aus speziellen Umfragen weiss, zu 80 Prozent in Richtung rot-rot-grün. Damit wird das ganze Land weiter abwärts driften. Rotgrün hat ein ideales Invers-Sanierungsprogramm. Wer als Regierender genau das Gegenteil dieses Invers-Programmes realisierte würde das Land bereits mittelfristig wieder nach oben bringen.

28) Christian, Montag, 28. Juni 2010, 12:16 Uhr

@ Exner
Die Medien sind zu links? Achja? Schon mal die BILD gelesen, die auch noch den größten Blödsinn dieser Regierung (Sparpaket, Steuerprivilegien für Hoteliers) mit herzigen Kommentaren rechtfertigt? Und kann das sein, hat doch eine schwarz-gelbe Mehrheit im ZDF-Fernsehrat einen missliebigen Chefredakteur gerade kürzlich abgesägt, um ihn durch jemanden aus dem schwarzen Lager zu ersetzen? Und wieso hat die Berichterstattung vor der Bundestagswahl die doch auch damals schon längst bekannten Schwächen der FDP so konsequent ignoriert? Die Forderung nach Steuerprivilegien für Hoteliers stand doch sogar im Wahlprogramm.

Kaum spüren die Leute, wie diese Regierung tickt und wählen sie sie nicht mehr, schreien Sie, “die Medien sind zu links”. Was für Medien hätten Sie denn gerne? Propagandafernsehen, wo selbstverständlich total objektive VWL-Professoren dem unwissenden Pöbel tagaus, tagein gebieterisch verkünden, dass “Reformen” zulasten der Sozial Schwächeren und Privilegien für die Oberschicht nunmal die wissenschaftlich letztgültige Wahrheit der Wirtschaftspoltik seien?

29) Der Skeptiker, Donnerstag, 01. Juli 2010, 18:25 Uhr

Wer will sich denn noch die blöden, von Parteien durchseuchten Polittalks noch ansehen? Will, Plasberg, Illner, usw.

Nur Politiker und Gewerkschaften und Betroffene. Wo ist der Mittelstand? Wo sind die Vorbilder? fehlanzeige. Zankende Miesmacher sehen sich doch die Menschen nciht mehr an.

30) Kopfschüttel, Montag, 23. Mai 2011, 13:58 Uhr

Ist das wirklich war? Günther Jauch als neuen sonntäglichen Talkmaster wir müssen ergehen lassen?
Diese Leute bei ARD sind aus den spießigen 50er bis 80er Jahren herausgekommen nicht.

Wie ist Ihre Meinung?

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