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Die Abrissbirne von der ARD

Man mag von Talkshows im allgemeinen und von Anne Will und Frank Plasberg im speziellen halten, was man will, aber sie sind Markenzeichen der ARD-Information. Und sie sind erfolgreich, die Quoten sind gut bis sehr gut. Dennoch werden sie jetzt behandelt wie Aussätzige und das nur, weil die ARD fast betrunken vor Glück über die Verpflichtung Günther Jauchs als neuem sonntäglichen Talkmaster ist.

Die ARD und ihr Vorsitzender Peter Boudgoust  gehen mit der Abrissbirne gegen Will und Plasberg vor, dabei können sie gar nicht wissen, ob die neue Talkshow mit Jauch überhaupt ein Erfolg wird. Aber erstmal abreißen. Auch Jauch kann, bei aller Wertschätzung, die Talkshow nicht neu erfinden. Er wird sicher eine politisch durchaus kompetente und unterhaltsame Sendung machen, aber das ist keine Entschuldigung dafür, so geringschätzig mit Will und Plasberg umzuspringen. Besonders übel spielt die ARD Anne Will mit. Die Empfehlung von Boudgoust, sie könne künftig spätabends unter der Woche mit ausländischen Wissenschaftlern talken, ist ein vergifteter Rat. Dann kann er Anne Will gleich einen Sendeplatz um 1.30 Uhr bei Phoenix antragen. Er begründet das mit dem zynischen Hinweis, Anne Will wisse „als Profi“, dass ein gewisses Bedürnis nach Abwechslung bestehe.

Und Frank Plasberg? Von ihm stammt mit „hart, aber fair“ die einzige Talk-Innovation der vergangenen Jahre. Darauf hat Friedrich Nowottny schon zurecht hingewiesen. Warum soll künftig diese Innovation am späten Abend versteckt werden? Im Gegenteil: ein früherer Sendeplatz als heute wäre angemessen. Die ARD, die jetzt mit Jauch auf einen – durchaus angesehenen – Unterhaltungskünstler als Chef-Talkmaster setzt, ist diesselbe ARD, die es für unangemessen hält, in der „Tagesschau“ über die Entführung einer Bankiersgattin oder die Verhaftung von Jörg Kachelmann zu berichten. Es ist aber auch die ARD, die zugunsten der „Bambi“-Verleihung auf einen „Brennpunkt“ zum Attentat in Mumbai verzichtet.

Für diese Art von öffentlich-rechtlichem Fernsehen sind die mehr als sieben Milliarden Euro, die ARD und ZDF einnehmen, wirklich zuviel Geld.