Kommentare
23
Tagcloud
BILD CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Helmut Schmidt Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Rüttgers Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Dienstag, 29. Juni 2010, 08:59 Uhr

Blumenkohl billiger

Zu zeiten des kalten Krieges saßen natürlich auch in allen wichtigen westdeutschen Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen Spione des Ostberliner Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die meisten sind bis heute nicht enttarnt, weil ihre Akten als erstes vernichtet wurden.

Einen besonders skurrilen Spion gab es bei BILD. Er war als Redakteur zuständig für die Kurz-Meldungen und bewarb sich bei einer Fahrt nach Ost-Berlin selbst beim MfS. Das machte Micha Wolfs Leute natürlich misstrauisch, deshalb wollten sie erst einmal einen Beweis dafür haben, dass er bei BILD überhaupt Einblick und Einfluss hat. Möchtegern-Spion M., der sich wohl aus Abenteuerlust und Geldnot beworben hatte, versprach als Beweis seines Einflusses, dass er diesselbe Meldung an zwei Tagen hintereinander in BILD platzieren könne. 

Damals war gerade der Nutzwertjournalismus entdeckt worden und BILD brachte täglich eine Verbrauchermeldung vom Markt. So kam es, dass die Meldung “Blumenkohl billiger” zweimal in BILD erschien. Kein leitender Redakteur hatte es bemerkt. Spion M. hatte seine Macht demonstriert und wurde beim MfS genommen. Was er anschließend überhaupt ausspionierte, war nie genau zu klären, denn er war wirklich ein kleines Licht. Als er enttarnt wurde, kam er meiner Erinnerung nach mit einer kleiner Bewährungsstrafe davon. 

Seitdem ist auf jeden Fall die Meldung “Blumenkohl billiger” nicht mehr zweimal hintereinander in BILD erschienen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

23 Kommentare

1) Nobbi, Dienstag, 29. Juni 2010, 09:50 Uhr

Jetzt wird mir klar, was es mit der Meldung auf sich hat: “Ifo Geschäftsklima-Index überraschend gestiegen”.

2) Sven, Dienstag, 29. Juni 2010, 13:13 Uhr

Mit einer geringen Strafe kamen leider die meisten Spione davon. Erst urteilte das Verfassungsgericht, dass die Strippenzieher in der DDR nicht oder kaum bestraft werden dürften, und dann wurden alle anderen mit Verweis darauf, dass schon die Oberen keine Strafe bekommen und damit die Unteren erst recht keine bekommen können, freigesprochen. Nachzulesen in Hubertus Knabes Buch “Die täter sind unter uns”, einem Buch, das jedem Linke-Anhänger zur Pflichtlektüre gemacht werden sollte.

3) EF, Dienstag, 29. Juni 2010, 14:36 Uhr

“Pflichtlektüre” gab es allerdings schon in der DDR…

4) hojo, Dienstag, 29. Juni 2010, 15:40 Uhr

Naja, ich nehme an, es gab auch etliche West-Spione in Ost-Berliner Ministerien und Behörden, bei denen nach der Wende dann vom Verfassungsschutz aber keine Unterlagen vernichtet werden mussten …. Ist schon lustig, dass man immer nur von den Spionen und Agenten auf der “Verliererseite” redet und hört (ich bin kein Ossi!).

5) joerg, Dienstag, 29. Juni 2010, 22:42 Uhr

Wenns Bildblog schon gegeben hätte, hätten die Stasi Jungs vermutlich gesagt: “Und was soll das denn beweisen? Das Bild schlampig arbeitet? Hahaha, wiedersehen.”

6) Spionle, Mittwoch, 30. Juni 2010, 09:27 Uhr

@hojo:
Natürlich gab es Westspione. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man für eine Demokratie spioniert oder für einen Staat, der kein Rechtsstaat ist. Mit “Verliererseite” hat das nur in sofern zu tun, als sich (glücklicherweise) die Demokratie durchgesetzt hat und somit Sieger und Demokraten auf derselben Seite sitzen. Letztlich war es die Entscheidung der DDR-Bürger: Indem sie der Bundesrepublik beitraten, lieferten sie die eigenen Spione ans Messer, da diese Spione demjenigen Staat schadeten, dem nun die DDR beitrat.

7) Peter, Mittwoch, 30. Juni 2010, 10:18 Uhr

Gibt es auch eine Quelle?

8) Morjenwieder, Mittwoch, 30. Juni 2010, 10:45 Uhr

@Spionle

Das ist dann so wie mit den “guten” und den “bösen” Kriegen? Oder mit den “guten” und den “bösen” Mördern? Sorry, aber wer das Wort Demokratie so freizügig auf der Zunge führt, sollte wissen, daß insbesondere Geheimdienste ein Schandfleck auf der ach so weißen Weste der Demokratie sind. Sie sind ein im Grundsatz undemokratisches Mittel, da der Bürger keinen Einfluß auf sie hat und nicht mal Informationen über sie erhält. Aber Sie glauben vermutlich auch noch, daß diese sog. “Parlamentarische Demokratie” diese Bezeichnung verdient hätte und alles gute und schön ist, solange man alle vier Jahre ein Kreuz machen kann, ohne eine wirkliche Wahl zu haben. Dazwischen regiert nicht das Volk, sondern ein Haufen Egomanen, denen am eigenen Wohle und weniger am Wohl des Volkes gelegen ist. Es ist eher ein parlamentarischer Wirtschafts- und Politfeudalismus, bei dem sich der Wähler nach vier Jahren aussuche darf, von wem er als nächstes belogen und betrogen werden möchte. Parteimonarchie wäre auch eine passende Bezeichnung.
Alles unterhalb einer direkten Demokratie verdient diesen Namen nicht, also erzähle sie nicht, daß die Demokratie irgendwas gewonnen hätte. Wer es nötig hat, mit undemokratischen Mitteln wie Geheimdiensten seine Verfassung zu schützen, ist sie nicht wert. In dieser Hinsicht ist die BRD nicht anders als die DDR, die USA oder Nordkorea.
Man hat es hier nur sehr geschickt angestellt, daß man dem Pöbel genug Freiheiten gibt, damit er nicht merkt, wie er am Gängelband geführt wird. Brot und Spiele ist das Motto. Satte und abgelenkte Menschen rebellieren nicht. Allein daß so viele immer noch in einer brauchbaren Demokratie wähnen, obwohl sie nun wirklich KEINERLEI nennenswerten Einfluß auf die Politiker und deren Entscheidungen haben, zeigt den Stand der geistigen Degeneration

MW

9) meiner einer, Mittwoch, 30. Juni 2010, 11:07 Uhr

aha, die Staatsform rechtfertigt also die Spionage. OMG!! Bitte Gehirn einschalten…

10) Seikilos, Mittwoch, 30. Juni 2010, 11:20 Uhr

@Spionle: In der Auslandsspionage haben beide Seiten mit ziemlich den gleichen Mitteln gekämpft. Von dem Sprichwort “Der Zweck heiligt die Mittel” halte ich in diesem Bezug nichts.
Vor allem sollte man als Zweck nur das ansetzen, was zum Zeitpunkt des “Tuns” der Zweck war, nicht die nachträgliche Sichtweise des “Siegers”.

11) Dentier, Mittwoch, 30. Juni 2010, 11:57 Uhr

@Sven Bücher gibt es viele, die anderen haben auch welche. Frage ist, wielange sich noch gegenseitig die Politik der längst vergangen Zeiten des kalten Krieges vorgeworfen werden muß. Seit 20 Jahren soll es eine Einheit geben. Ist aber nur theoretisch passiert. Einheit gibts nur für die die Westsystem konform gelebt haben. Die anderen gehören halt nicht dazu. Wurde wohl bei den Verhandlungen versäumt die linken Ossis in die übriggebliebenen Ostgebiete wie Königsberg umzusiedeln. Das wollten die Russen damals ja auch loswerden. Aber kann ja nicht alles richtig machen.

12) Jeeves, Mittwoch, 30. Juni 2010, 12:08 Uhr

@Spionly:
Unterschied? Quatsch. Der Sieger hat immer Recht.

13) sound, Mittwoch, 30. Juni 2010, 12:58 Uhr

demokratie = rechtsstaat? HA!

14) Dirk, Mittwoch, 30. Juni 2010, 13:26 Uhr

Gab es damals denn noch nicht genügend Sex-Anzeigen in BILD, so dass man den Mann hätte besser bezahlen und seinen Nebenjob verhindern können? Andererseits hätte Spion M. ja auch seine privaten Finanzen selber besser in den Griff kriegen können, wenn er statt Fleisch hin und wieder mal günstigen Blumenkohl zum Mittag gegessen hätte.

15) PeterK, Mittwoch, 30. Juni 2010, 15:05 Uhr

@Spionle
Demokratie hat sich durchgesetzt? Aufwachen mein Lieber, war ein schöner Traum. Schau dir das ekelhafte gezerre um die Bundespräsidentenwahl an. Da wird Demokratie gerade mit Füßen getreten – und das von denen, die sie immer beschwören.

16) Alvar Hanso, Mittwoch, 30. Juni 2010, 15:32 Uhr

@Sven
“Nachzulesen in Hubertus Knabes Buch “Die täter sind unter uns”, einem Buch, das jedem Linke-Anhänger zur Pflichtlektüre gemacht werden sollte.”
Stellen sie sich vor – die Täter regieren zur Zeit sogar unser Land!

@Morjenwieder
“Wer es nötig hat, mit undemokratischen Mitteln wie Geheimdiensten seine Verfassung zu schützen, ist sie nicht wert. In dieser Hinsicht ist die BRD nicht anders als die DDR, die USA oder Nordkorea.”
Wobei man allerdings anmerken muss, das die bundesdeutschen Geheimdienste hier wesentlich zimperlicher waren als ihre Kollegen.
Vielleicht aber auch nur deswegen, weil die Besatzungsmächte den Deutschen die übliche Drecksarbeit (Postzensur, Folter, …) nicht zurtrauten.

17) Spionle, Mittwoch, 30. Juni 2010, 16:17 Uhr

@Morjenwieder
Etwas abgedroschen: Ich teile zwar Ihre Meinung nicht, aber ich würde dennoch alles dafür tun, dass Sie sie ausprechen dürfen. Natürlich gibt es guten und Bösen Mord nicht. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man mordet oder in Notwehr handelt. Außerdem: Ich kann doch selbst in die Politik gehen?!
@meiner einer
Bitte an die eigene Nase fassen: Das hatte ich so weder gemeint noch geschrieben. Aber die Staatsform macht es mehr oder weniger moralisch, für eine Regierungsorganisation zu arbeiten, sei es jetzt Spionage oder was ganz anderes. Für China würde ich nicht arbeiten, weil das meinen Moralvorstellungen nicht entspricht. Das ist bei der Bundesrepublik anders.
@Seikilos
Finde ich auch. Und es ist m.E. eben ein Unterschied, ob man für eine freiheitlich-demokratisch verfasste Bundesrepulik oder für einen Staat wie die DDR arbeitet, der zwar die Akte von Helsinki unterschrieben hat, aber das eigene Volk trotzdem unterdrückt hat. Die DDR-Spione sind nicht deswegen drangekommen, weil sie für die DDR gearbeitet haben, sondern weil sie gegen die Bundesrepulik gearbeitet haben. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren. Wurden DDR-Spione verfolgt, die gegen Großbrittannien oder die USA spioniert haben?
Korea scheint mir übrigens ein gutes Beispiel, warum es mir nicht um Sieger oder Verlierer geht, da brauchts noch nicht mal Spione: Ohne zu wissen, wie es dereinst ausgehen wird, ob Wiedervereinigung unter Nord- oder Südkoreanischer Regierung: Ich finde die Regierungsmitglieder von Südkorea arbeiten für ein besseres System als jene von Nordkorea. Für Nordkorea zu arbeiten halte ich nicht für gut. Die Menschen leben in Unfreiheit und das halte ich nicht für Menschenrechtskonform. Wo ist jetzt hier die Siegerattitüde?
@all
Offenbar bin ich hier als Unterstützer eine wehrhaften Demokratie ziemlich alleine. Pazifismus ist halt nicht so mein Ding, ich finde Freiheit wichtiger als Frieden. Im Übrigen: Haltet Ihr den BND für so perfekt, dass Schweinereien nicht herauskommen würden? Wenn die US-Geheimdienste Leute waterboarden, dann kommt das doch auch heraus. Warum sollte das hier besser sein? Lässt das dann keine Rückschlüsse darauf zu, was alles vom BND getan wird und was nicht?

18) Gimon, Mittwoch, 30. Juni 2010, 17:16 Uhr

@Sven
Und dieses Buch sollte jeder Linken-Anhänger lesen, weil die alle automatisch DDR- und Stasi-Sympatisanten sind und davon überzeugt gehören, dass der Neoliberalismus dieser Tage wesentlich besser ist? Oder lässt sich auch ein anderweitiger Erkenntnisgewinn daraus ziehen (ich hoffe, hatte aber beim Lesen des Kommentars das Gefühl, das ersteres impliziert werden sollte..)?
Übrigens, ist schon ein bisschen länger her und betrifft sowohl West- wie auch Ostdeutschland gleichermaßen, aber die Geschichte mit der Entnazifizierung war auch ne ziemliche Nullnummer – und ich für meinen Teil halte das für einen durchaus größeren Skandal.\\2 cents

@Morjenwieder
Nana, wir sind aber ganz schön negativ zu unserer Demokratie eingestellt, oder? Richtig ist: Die Politiker interessieren sich zum Großteil in der Tat nicht dafür, was das Stimmvieh gerne hätte, dass es sie interessiert. Falsch ist: Es macht keinen Unterschied, wen man wählt. Immerhin kann man sich mehr oder weniger aussuchen, auf den Gehaltlisten welcher Lobbygruppen die Regierung steht – bzw könnte man, wenn es in dieser Hinsicht eine Transparenzpflicht gäbe.
Zustimmung allerdings beim Punkt mit den Geheimdiensten.

19) Frank66, Mittwoch, 30. Juni 2010, 19:58 Uhr

Interessant, wie eine so harmlose kleine Anekdote solch eine hitzige Diskussion auslösen kann. Heutzutage wird der Volkswirtschaft eher durch Industrie- und Wirtschaftsspionage größerer Schaden zugefügt als durch die Weitergabe von Militärgeheimnissen. Da sind ja besonders die Chinesen sehr aktiv.

20) mikey, Mittwoch, 30. Juni 2010, 23:18 Uhr

irgendwie lustig.. irgendwie auch nicht

21) christoph kratistos, Donnerstag, 01. Juli 2010, 01:27 Uhr

miSha, nicht micha. ansonsten markus.

22) Alvar Hanso, Donnerstag, 01. Juli 2010, 12:09 Uhr

@Spionle
“Niemand ist mehr Sklave, als der sich für frei hält, ohne es zu sein.” –
J.W. Goethe, Die Wahlverwandtschaften, Hamburger Ausgabe, Bd 6 (Romane und Novellen I), dtv Verlag, München, 1982, S. 397 (II,5)

23) hojo, Donnerstag, 01. Juli 2010, 13:50 Uhr

@spionle – früher habe ich auch so gedacht wie Sie (wahrscheinlich fast alle “Normalbürger”); aber je älter man wird, je mehr man über den Tellerrand hinaus schaut und je mehr man sich nicht davor scheut, auch scheinbare Wahrheiten zunächst einmal zu hinterfragen und zu den Themen tiefer zu recherchieren, desto klarer wird, dass wir uns in einem System befinden, in dem letztendlich die Massen genau so manipuliert werden wie in dikatorischen Systemen. Oder glauben Sie alles, was heute in den Massenmedien verbreitet wird – vom angeblichen Atomwaffenbauer, dem “Irren von Teheran”, angefangen bis hin zum 11. September, bei dem mittlerweile doch jedem Zweifel gekommen sein müssten, ob wir nicht alle einer großen Verschwörungstheorie (nämlich der offiziellen Darstellung) unterliegen. Das hat alles mehr mit Schein- als mit tatsächlicher Demokratie zu tun. Aber uns geht es allen halt einfach – noch – viel zu gut, als das wir das System grundsätzlich in Frage stellen (und da beziehe ich mich natürlich auch mit ein).

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin