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Blumenkohl billiger

Zu zeiten des kalten Krieges saßen natürlich auch in allen wichtigen westdeutschen Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen Spione des Ostberliner Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die meisten sind bis heute nicht enttarnt, weil ihre Akten als erstes vernichtet wurden.

Einen besonders skurrilen Spion gab es bei BILD. Er war als Redakteur zuständig für die Kurz-Meldungen und bewarb sich bei einer Fahrt nach Ost-Berlin selbst beim MfS. Das machte Micha Wolfs Leute natürlich misstrauisch, deshalb wollten sie erst einmal einen Beweis dafür haben, dass er bei BILD überhaupt Einblick und Einfluss hat. Möchtegern-Spion M., der sich wohl aus Abenteuerlust und Geldnot beworben hatte, versprach als Beweis seines Einflusses, dass er diesselbe Meldung an zwei Tagen hintereinander in BILD platzieren könne. 

Damals war gerade der Nutzwertjournalismus entdeckt worden und BILD brachte täglich eine Verbrauchermeldung vom Markt. So kam es, dass die Meldung „Blumenkohl billiger“ zweimal in BILD erschien. Kein leitender Redakteur hatte es bemerkt. Spion M. hatte seine Macht demonstriert und wurde beim MfS genommen. Was er anschließend überhaupt ausspionierte, war nie genau zu klären, denn er war wirklich ein kleines Licht. Als er enttarnt wurde, kam er meiner Erinnerung nach mit einer kleiner Bewährungsstrafe davon. 

Seitdem ist auf jeden Fall die Meldung „Blumenkohl billiger“ nicht mehr zweimal hintereinander in BILD erschienen.