Montag, 05. Juli 2010, 13:13 Uhr

Stoibers Sprecher-Schule

Jahrelang traf ich mich als Chefredakteur von “Bild am Sonntag” mit Edmund Stoiber alle paar Monate zum vertraulichen Abendessen im Separee des  Münchner Restaurants  “Bogenhauser Hof”. An diesen Treffen, bei denen mehrere Stunden lang heftig und kontrovers diskutiert wurde, nahmen mein Kollege Friedemann Weckbach-Mara und der jeweilige Sprecher Stoibers teil.

Im Lauf der Jahre machte Stroiber daraus auch eine Schule für seine Sprecher.  An dem Anschauungsunterricht, wie Journalisten so sind und was sie fragen, nahm am Anfang Stoibers Sprecher Friedrich Rodenpieler teil, der nach einiger Zeit seinen Stellvertreter  Ulrich Wilhelm mitbrachte. Als Rodenpieler Chef der Grundsatzabteilung wurde, brachte Wilhelm seinen neuen Stellvertreter Martin Neumeyer mit, später dann auch noch den dritten und vierten Mann der Pressestelle. Anschließend wurden die Treffen intern diskutiert.

Ein Essen dürfte allen Teilnehmern nachhaltig in Erinnerung sein. Dabei ging um die von Helmut Kohl gewollte Einführung des Euro, gegen den sich Stoiber stellen wollte. Nachdem ich ihm in einer heftigen Diskussion nachdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass er sich damit politisch isoliere und doch nichts erreiche, schwenkte Stoiber wenig später auf Helmuts Kohls Linie ein. Möglicherweise ein Ergebnis des Gesprächs und der internen Nachbereitung.

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9 Kommentare

1) Ronnie Grob, Montag, 05. Juli 2010, 13:34 Uhr

Schade. Es wäre demokratisch wertvoll, wenn sich der eine oder andere in Deutschland gegen den Euro stellen würde.

2) Harald Link, Montag, 05. Juli 2010, 13:42 Uhr

Ah ja. Und was soll uns das jetzt sagen? Beef irgendwo?

3) hojo, Montag, 05. Juli 2010, 14:14 Uhr

Hallo Herr Spreng, bin fleißiger Leser des Sprengsatzes und möchte Ihnen an dieser Stelle für Ihre zumeist sehr interessanten Beiträge danken. Allerdings bin ich erstaunt, wie oft Sie Internas gerade aus Ihrem Stoiber-Mandat ausplaudern. Haben Sie keine Geheimhaltungsklausel unterschrieben? Ich meine, für uns Leser ist das ja alles hoch spannend, aber auf Ihre potentiellen zukünftigen Mandanten dürfte das doch höchst abschreckend wirken… 😉

4) indykiste, Montag, 05. Juli 2010, 14:59 Uhr

Es wäre demokratisch wertvoller, wenn der sich der eine oder andere Journalist nicht zu sehr mit dem Objekt seiner Berichterstattung gemein machte.

5) Elija, Montag, 05. Juli 2010, 18:17 Uhr

Einzig ökonomischer Sachverstand schien bei der Euro-Einführung keine Rolle gespielt zu haben.
Dabei gab es damals genug Ökonomen, die sich kritisch gegenüber dem Euro äußerten.

6) Marqu, Montag, 05. Juli 2010, 22:31 Uhr

interessant, wir verdanken Ihnen also den Euro ja?

7) Janissary, Dienstag, 06. Juli 2010, 08:26 Uhr

Nun, Herr Stoiber schwenkte auf die Linie von Helmut Kohl um. Was hat’s gebracht? Hätte er sich gegen den Euro gestellt, hätte er kurzfristig verloren aber langfristig wäre er der strahlende Sieger. Denn ich zweifle immer noch daran, dass die Mehrheit der Deutschen den Euro unbedingt haben wollte und das zurecht. Aber das waren ja damals alles “Stammtischparolen”.

8) Birkholz, Dienstag, 06. Juli 2010, 21:16 Uhr

Bedurfte es überhaupt einer Überzeugung zur Einführung einer Gemeinschaftswährung in Europa? Meines Erachtens ist es eher richtig, dass in den sogenannten “2 plus 4 Verhandlungen” zur Deutschen Einheit es eine Bedingung einer/mehrerer Staaten für ihre Zustimmung zur staatlichen Vereinigung Deutschlands war. Die Möglichkeit zur Entscheidung pro/contra einheitliche Währung war m.E. somit überhaupt nicht gegeben, wollte man die Deutsche Einheit nicht aufs Spiel setzen.

9) JG, Dienstag, 06. Juli 2010, 22:47 Uhr

@ gewisse Kommentatoren

Herrschaften, wenn manche von Ihnen so weitermachen, wird Herr Spreng womöglich bald darauf verzichten, uns mit Anekdoten zu unterhalten. Bevor man sich über deren Inhalt und Aussage aufregt, empfehle ich im übrigen einmal nachzuschlagen, was eine Anekdote ist und was man folglich von ihr erwarten kann.

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