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Mittwoch, 21. Juli 2010, 16:12 Uhr

Nichts

Es gibt eine alte Regel im politschen Geschäft: gehe nie vor die Presse, wenn du nichts zu sagen hast. Bring’ eine News mit, denk’ dir eine Botschaft aus. Gegen diese Regel hat Angela Merkel mit ihrer Pressekonferenz vor der Sommerpause verstoßen: sie kam mit nichts mit und die Journalisten gingen mit nichts wieder ins Büro. Die Kanzlerin lobte sich lediglich selbst und legte nur noch einmal die bekannte Regierungsagenda für die nächsten Monate dar (von Gesundheit bis Atom), ohne irgendeine Richtung vorzugeben oder nur anzudeuten. Sie hatte wohl geglaubt, ihre reine Anwesenheit bei der Bundespressekonferenz sei schon eine News.

Die ganze Pressekonferenz lässt sich auf folgende Mitteilung (oder Drohung) Merkels reduzieren: “Jetzt macht es mir erstmal Spaß und im Augenblick kann ich nur versprechen, dass ich nach den Ferien wiederkomme”. Das ist wenig für die Regierungschefin eines der mächtigsten Staaten der Erde und viel zu wenig angesichts das desaströsen Stimmungstiefs, in dem Schwarz-Gelb steckt. Am selben Tag meldete Forsa, dass erstmals Rot-Grün bei einer Wahl am nächsten Sonntag auch ohne “Die Linke” eine absolute Mehrheit im Bundestag hätte. Auch bei Merkels Hausdemoskopen aus Allensbach sieht es nicht besser aus.

Dass Merkels Pressekonferenz kontraproduktiv war, zeigen die Überschriften der Internet-Ausgaben der wichtigsten Medien: “Merkel verabschiedet sich mit Selbstlob in die Sommerpause”, “Merkel redet die Lage schön” und “Merkel verklärt schwarz-gelbes Chaos”. Wenn die Zeitungen nach dem News-Wert der Merkel-Pressekonferenz gehen, können sie morgen nur melden:  “Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Berlin eine Pressekonferenz gegeben. Es gab keine Neuigkeiten”. Mal sehen, ob’ einer macht.

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34 Kommentare

1) W.B., Mittwoch, 21. Juli 2010, 16:49 Uhr

Sollte wohl so ‘ne Art Zählappell mit Medienpräsenz werden.
Merkel? Anwesend!

(… noch)

2) Thomas Maier, Mittwoch, 21. Juli 2010, 16:51 Uhr

Der Freitag verlinkt Sprengsatz. :)

3) Horst Schmidt, Mittwoch, 21. Juli 2010, 16:58 Uhr

Da sieht man einmal mehr, wie wichtig und wertvoll Profalla ist, Der schweigt wenigstens. Und das werfen Sie diesem geistigen Highlight vor. Das verstehe, wer will.

Felix Austria oder wer auch immer.

4) Uli, Mittwoch, 21. Juli 2010, 17:23 Uhr

Nach 5 Jahren Kanzlerschaft wirkt Frau Merkel für mich politisch vollends verbraucht. Hinter dem Hosenanzug vermutete man früher einmal Visionen, Ziele, eine politische Richtung. Heute hat man Gewissheit das hinter all den netten Worten das politische Nichts steht.

5) iris, Mittwoch, 21. Juli 2010, 17:32 Uhr

Interessant sind auch die posts auf facebook. Da heißt es: Angela Merkel nimmt heute an der Kabinettssitzung teil. Vielleicht bin ich auch zu unerfahren, aber ich dachte, dass sei normal und müsste nicht extra auf facebook angekündigt werden…

6) Dierk, Mittwoch, 21. Juli 2010, 18:19 Uhr

@Horst Schmidt

Sie überlesen den wichtigen Einstieg des geübten Nachrichtenmachers Spreng:

Bring’ eine News mit, denk’ dir eine Botschaft aus.

Denn genau dies ist die Aufgabe, nein, nicht von Regierungsmitgliedern [also Bundeskanzler und -minister], sondern von Generalsekretären und Parteiideologen. Das Bundespresseamt ist für die Information da, die Jungs und Mädels dort sollen Regierungsarbeit in verständliche Worte fassen und an die Bürger bringen. Ich finde, dass die das schon ein wenig zu PR-lastig machen, aber das ist eben Ansichtssache.

Der Bundeskanzler – im Moment die Kanzlerin – hat eigentlich Wichtigeres zu tun, als nach Monaten des im-Hintergrund-Haltens ans Mikro zu treten, um uns allen ihren schönen Urlaub zu wünschen. Schon gar, da so ziemlich jeder seit 10 Monaten recht massive Kritik an ihrer Arbeit abliefert, die offenbar nicht einmal mehr bei Frau Merkel ankommt – hat sie vielleicht zu viel Stärke benutzt oder ihre Kleider imprägniert?

7) Frank66, Mittwoch, 21. Juli 2010, 18:28 Uhr

Die Politiker werden doch von den Journalisten der Bundespressekonferenz eingeladen, oder? Wenn die also jemanden zur traditionellen Sommerpausenkonferenz einladen der eigentlich nix zu sagen hat, sind sie doch selber schuld. Sind sie doch mal ehrlich, die Berliner Journaille will doch in selbstquälerischer Absicht mit Phrasen gefüttert werden. Sie bekommen was sie verlangen, wo ist das Problem?

8) Lars Günter, Mittwoch, 21. Juli 2010, 18:33 Uhr

Wahrscheinlich denkt Frau Merkel, es ist schon eine Sensation sich mit einer Bilanz, wie ich sie zu verantworten habe, überhaupt vor die Presse zu trauen.

9) Doktor Hong, Mittwoch, 21. Juli 2010, 19:38 Uhr

Mir bleibt wenigstens die Genugtuung, recht gehabt zu haben, als ich am Wahlabend im September 2009 sagte, ich sei froh über das deutliche Ergebnis, denn dann werde sich der überaus schwachsinnige politische Ansatz der FDP/CDU/CSU schon von selbst und für alle deutlich sichtbar diskreditieren.

Auch wenn es nur ein sehr schwacher Trost über die üblen wirtschaftlichen und sozialen Folgen für viele von uns ist.

10) Doktor Hong, Mittwoch, 21. Juli 2010, 19:45 Uhr

WAGNER:
Allein der Vortrag macht des Redners Glück;
Ich fühl es wohl, noch bin ich weit zurück.

FAUST:
Such Er den redlichen Gewinn!
Sei Er kein schellenlauter Tor!
Es trägt Verstand und rechter Sinn
Mit wenig Kunst sich selber vor!
Und wenn’s euch Ernst ist, was zu sagen,
Ist’s nötig, Worten nachzujagen?
Ja, eure Reden, die so blinkend sind,
In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt,
Sind unerquicklich wie der Nebelwind,
Der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt!

11) mambo, Mittwoch, 21. Juli 2010, 19:58 Uhr

richtig,Herr Spreng ! Frau Merkel steht für nichts ,außer für ihren eigenen
Machterhalt und ( ausgedehnte Auslandsreisen ).
Sie hat keine Visionen ,Ziele ,keine eigenen Meinungen und Prinzipien ,wirklich Nichts.
Wie tief muß die CDU noch in der Wählergunst fallen ,
bis diese Partei endlich aufwacht und der Dame Einhalt gebietet ?

12) MN, Mittwoch, 21. Juli 2010, 20:01 Uhr

Das läßt hoffen … auf eine Pressekonferenz am ersten Tag nach der Rückkehr aus dem Urlaub.

13) Benjamin, Mittwoch, 21. Juli 2010, 20:16 Uhr

“Lärmendes Nichts” passt aber gut als Slogan der Regierung. In der neuen Forsa Umfrage (freilich mit Vorsicht zu genießen) hat Schwarz-Gelb nicht ohne Grund den geringsten dort ermittelten Wert seit 1986, während die Opposition davon rauscht (ohne viel dafür tun zu müssen). Dass Merkel nach den Ferien wiederkommt, versteht sich zwar von selbst, aber es klingt fast wie eine Drohung…

14) Marqu, Mittwoch, 21. Juli 2010, 20:32 Uhr

Sie haben ja recht, wie nicht selten, aber “eine News”?!
Ganz ehrlich Herr Spreng, das dürfen Sie der Deutschen Sprache nicht antun.

15) karel, Mittwoch, 21. Juli 2010, 21:33 Uhr

“Die Sonne im Herzen, die Macht fest in der Hand”,
Diese “Stern”-Titel trifft.
Mitten in´s Herz der Gratis-Mut-Journalistik “Merkel´s Tage sind gezählt”.

16) Potsdam, Mittwoch, 21. Juli 2010, 23:16 Uhr

http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/

17) JMK, Donnerstag, 22. Juli 2010, 00:19 Uhr

@Marqu
News ist nun mal Singular, der Satz ist doch völlig korrekt.

18) Martin1, Donnerstag, 22. Juli 2010, 00:36 Uhr

Dieser Auftritt heute von Frau Bundeshosenanzug ;-) machte mich sprachlos! Ich fand nur ein Wort, nachdem ich mich wieder berappelt hatte: DREIST!

Aber es werden auch wieder härtere Zeit auf die Kanzlerin zukommen: Nochmal dürften ihr die Oppositionsparteien so einen Auftritt nicht durchgehen lassen.

Und was mich ärgert, ist: Wofür bekommen die eigentlich (unser Steuerzahler-)Geld? Schröders “Politik der ruhigen Hand”, oder wie ich sage: Nichstun auf Steuerzahlerkosten fande ich schon unverschämt, aber Merkel toppt es noch.

19) M.M., Donnerstag, 22. Juli 2010, 01:53 Uhr

Reine Selbstüberschätzung. Jeder ist ersetzbar!

20) Nachgefragt, Donnerstag, 22. Juli 2010, 07:31 Uhr

Hach ist das schön! Immer feste drauf!

Wäre Frau Merkel nicht gekommen, wären die Schlagzeilen sicher in Richtung “Feigheit!”, “Merkel kneift!” “Wie lange nocht?” gegangen.

Kommt Sie aber ist es auch nicht recht (Fr. Merkel hat m.W. die Bundepressekonferenz früher eher gemieden).

Kann es sein, dass dies ein generelles Problem ist?
Egal was Fr. Merkel macht, oder nicht macht, falsch ist es sowieso?

Ich bin mit der derzeitigen Politik auch nicht zufrieden, aber haben wir es nicht eine Nummer kleiner? Überall nur noch Superlative! Die schlechtes Regierung aller Zeiten, die schlimmst Krise, die nichtssagensdes Pressekonferenz, die *istauchegalaberwirschreibendrüber*

21) Steuereintreiber, Donnerstag, 22. Juli 2010, 10:45 Uhr

Da wir ja schon bei klassischen Zitaten angelangt sind, hier noch ein paar, damit die Donaldisten bei der FAZ nicht lange grübeln müssen:

Much ado about nothing

Ex nihilo nihil

Frau Nu lacht

22) Dierke, Donnerstag, 22. Juli 2010, 15:13 Uhr

Ich frage mich seit Monaten, was denn wohl die Opposition machen würde. könnte, hätten Gabriel und Nahles, sowie Trittin und Co. die Regierungsverantwortung, die sie wahrscheinlich 2013 aiuvch bekommen werden. Auf was kann sich dann der “so enttäuschte Wähler von 2009″ einstellen : Steuererhöhungen für die “starkenSchultern”, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer etc. Die Schulden werden auch nicht abgebaut sondern erhöhöt, weil man doch in Bildung etc. investieren muß. Wo also finden wir den großen Unterschied ? Man wird es auch in Nordrhein-Westfalen sehen ! Ganz richtig @ Steuereintreiber : Ex nihilo nihil !

23) Maren P., Donnerstag, 22. Juli 2010, 15:52 Uhr

Frau Merkel war gedanklich wohl schon bei der “Lohengrin”-Premiere in Bayreuth:
“Nie sollst Du mich befragen …” *kicher*
Weshalb verlieren wir über Nichtssagendes so viele Worte? In dieser schwülen Hitze füllen nur noch Superlativ-Aufreger das Sommerloch …

24) Doktor Hong, Donnerstag, 22. Juli 2010, 16:58 Uhr

“Ex nihilo nihil” finde ich super.

25) Nrwbasti, Donnerstag, 22. Juli 2010, 18:22 Uhr

Hallo Herr Spreng,
na ja, ich halte nichts von der Koalition, aber diese jährliche Pressekonferenz vor der Sommerpause wurde doch von Herrn Schröder eingeführt und die waren bislang alle immer relativ wenig inhaltlich bestückt, außerdem haben Sie das wichtigste vergessen:
die Verabschiedung von Herrn Willhelm und dem Blumenstrauß, den er von Frau Merkel bekommen hat ;o)

Beste Grüße

26) CB, Donnerstag, 22. Juli 2010, 20:00 Uhr

@Marqu: schliesse mich an, “eine News”, das tut schon weh.
Und bei dem Eigenlob während der Pressekonferenz unserer Kanzlerin habe ich mich gefragt, ob ich in einem anderen Land lebe.

27) Thomas B., Freitag, 23. Juli 2010, 08:31 Uhr

Hallo,

ich weiß gar nicht was sie wollen. So ist Politik und so war sie schon immer. Frau Merkel hat sich gut präsentiert.
In dieser Situation kann man überall ein Haar finden und derzeit scheint es in der Medienlandschaft Konsens zu sein die Regierenden nieder zuschreiben. Herr Spreng reiht sich im Mainstream ein.

Glückwunsch.

TB

28) Gregor Keuschnig, Freitag, 23. Juli 2010, 09:49 Uhr

Wie wäre es denn, wenn sich die Journalisten einmal einig wären, über eine Pressekonferenz, in der “Nichts” gesagt wird, einfach einmal nicht zu berichten? Und sich vielleicht wichtigeren Themen zuzuwenden?

Jetzt kann nämlich noch über die Berichterstattung über das “Nichts” berichtet werden. Aber eine Suppe wird selten besser, wenn man sie immer weiter mit Wasser auffüllt.

29) Jeeves, Freitag, 23. Juli 2010, 11:39 Uhr

“Bring’ eine News mit, denk’ dir eine Botschaft aus.”
DAS soll BESSER sein? Die Erfahrung lehrt: nie & nimmer. Endlich hat mal jemand – Frau Merkel – diesen verlogenen Routinequatsch durchbrochen und einfach nur Guten Tag und Tschüssikowski gesagt. Also ich find’s toll.

30) Heisenberg, Freitag, 23. Juli 2010, 14:30 Uhr

Die Regierung hat vor allen Dingen ein Kommunikationsproblem. Das weiß sie auch selbst (allerdings macht sie zu wenig dagegen). Deutschland ist in einer besseren Lage als es für viele Bürger den Anschein hat.

31) dissenter, Freitag, 23. Juli 2010, 15:31 Uhr

Was hätte sie denn sagen sollen?

“Ich gehe jetzt in Urlaub, ohne zuvor noch eine Botschaft für mein Volk zu haben” etwa? Oder hätte sie zum ersten Mal auf diesen Auftritt verzichten sollen? Wären dann die Schlagzeilen nicht vernichtend ausgefallen?

So hat sie kommuniziert, was sie immer kommuniziert: Ich bin Kanzlerin und gedenke es zu bleiben. Ihre Überschrift, Herr Spreng, sollte daher lauten: “Nichts Neues”.

32) Irreversibel, Freitag, 23. Juli 2010, 16:04 Uhr

Stimme Jeeves da grundsätzlich zu. Es gibt ne Menge an Frau Merkel zu kritisieren aber dass sie sich jetzt keine extra Botschaft für diese Pressekonferenz ausgedacht hat nun wirklich nicht. Die richtige Alternative wäre es die Pressekonferenz mangels neuer Informationen ausfallen zu lassen aber ganz sicher nicht sich irgendetwas aus den Fingern zu saugen.
Die Kritik von Herrn Spreng ist hier eher bezeichnend für sein eigenes (fragwürdiges) Politikverständnis.

33) Klaus Jarchow, Samstag, 24. Juli 2010, 15:28 Uhr

Damals waren aber auch die Journalisten danach: Die merkten noch, wenn ihnen “nichts” erzählt wurde.

34) Horst Schmidt, Samstag, 24. Juli 2010, 17:04 Uhr

@ Klaus Jarchow

Sov alt sind Sie doch schon, dass Sie auf Journalisten zurückblicken können! Jetzt sind wir schon ZWEI :-O

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