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Nichts

Es gibt eine alte Regel im politschen Geschäft: gehe nie vor die Presse, wenn du nichts zu sagen hast. Bring‘ eine News mit, denk‘ dir eine Botschaft aus. Gegen diese Regel hat Angela Merkel mit ihrer Pressekonferenz vor der Sommerpause verstoßen: sie kam mit nichts mit und die Journalisten gingen mit nichts wieder ins Büro. Die Kanzlerin lobte sich lediglich selbst und legte nur noch einmal die bekannte Regierungsagenda für die nächsten Monate dar (von Gesundheit bis Atom), ohne irgendeine Richtung vorzugeben oder nur anzudeuten. Sie hatte wohl geglaubt, ihre reine Anwesenheit bei der Bundespressekonferenz sei schon eine News.

Die ganze Pressekonferenz lässt sich auf folgende Mitteilung (oder Drohung) Merkels reduzieren: „Jetzt macht es mir erstmal Spaß und im Augenblick kann ich nur versprechen, dass ich nach den Ferien wiederkomme“. Das ist wenig für die Regierungschefin eines der mächtigsten Staaten der Erde und viel zu wenig angesichts das desaströsen Stimmungstiefs, in dem Schwarz-Gelb steckt. Am selben Tag meldete Forsa, dass erstmals Rot-Grün bei einer Wahl am nächsten Sonntag auch ohne „Die Linke“ eine absolute Mehrheit im Bundestag hätte. Auch bei Merkels Hausdemoskopen aus Allensbach sieht es nicht besser aus.

Dass Merkels Pressekonferenz kontraproduktiv war, zeigen die Überschriften der Internet-Ausgaben der wichtigsten Medien: „Merkel verabschiedet sich mit Selbstlob in die Sommerpause“, „Merkel redet die Lage schön“ und „Merkel verklärt schwarz-gelbes Chaos“. Wenn die Zeitungen nach dem News-Wert der Merkel-Pressekonferenz gehen, können sie morgen nur melden:  „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Berlin eine Pressekonferenz gegeben. Es gab keine Neuigkeiten“. Mal sehen, ob‘ einer macht.