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Agent 00Spreng

Einen meiner peinlichsten Flops als Journalist erlebte ich Ende der 70er Jahre. Ein ansonsten zuverlässiger Informant hatte mir den Tipp gegeben, die „rote Gerda“, eine ehemalige DDR-Topspionin, treffe sich mit ihrem ehemaligen Führungsoffizier in einem Bungalowhotel in Portugal.

Die „rote Gerda“ war Ende der 60er Jahre Sekretärin im Auswartigen Amt und später Dechiffrier-Spezialistin in der deutschen Botschaft in Warschau und hatte für die HVA des DDR-Geheimdienstes  spioniert. Sie war von dem Romeo-Agenten Herbert Schröter verführt, geheiratet und für Markus Wolf angeworben worden. 1973 stellte sie sich selbst und lebte wenige Jahre später wieder in Freiheit. Wenn sie wieder Kontakt zu ihrem Ex-Mann aufgenommen hätte, wäre das eine Sensation gewesen, denn nach Hermann Schröter wurde immer noch gefahndet.

Ich reiste also nach Portugal und quartierte mich in dem Bungalowhotel in Estoril bei Lissabon ein, in dem auch Gerda Schröter lebte. Tatsächlich sah ich sie mehrmals mit einem Mann, auch ein Kind lebte bei den beiden. Bei meinem Versuch, ihr auf die Spur zu kommen, stellte ich mich offenbar so ungeschickt an, dass sie mich nach eingen Tagen ansprach. Ich mache einen merkwürdigen Eindruck, was denn mit mir los sei, ob ich Probleme habe?

Es stellte sich heraus, dass der vermeintliche Führungsoffizier ihr neuer Lebensgefährte war, ein deutscher Rundfunkkorrespondent. Die beide amüsierten sich köstlich über meine Überwachungsversuche und hatten irgendwie Mitleid mit dem einsamen Journalisten. Sie luden mich ein, mir die Schönheiten der Gegend zu zeigen und so ich verbrachte einen wunderbaren Tag mit der „roten Gerda“, ihrem Kind und ihrem Lebensgefährten.

Seitdem habe ich von der „Gegenspionage“ die Finger gelassen.