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Mittwoch, 28. Juli 2010, 12:53 Uhr

Eine tragische Figur

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist eine tragische Figur: er wollte für seine arme Stadt das Beste und erreichte das Furchtbarste – eine für Deutschland einmalige Katastrophe. Der Name Duisburg wird auf Jahrzehnte mit den 21 Toten der Massenpanik bei der Loveparade verbunden sein. Allein das müsste, unabhängig von der Frage persönlicher Schuld, Anlass sein, auf das Amt zu verzichten, zumindest politische Verantwortung für das Unverantwortbare zu übernehmen. 

Sauerland hat heute schon mehr verloren als sein Oberbürgermeisteramt: seine Ehre, sein Selbstwertgefühl, seine bürgerliche Existenz. Auch er ist ein Opfer der Katastrophe, möglicherweise oder sogar offenbar durch eigene Schuld, aber auch ein Opfer. Sein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Er verschanzt sich in seinem Rathaus, bewacht von Bodyguards, kann nicht einmal zur Trauerfeier für die 21 Toten in seiner Stadt gehen, weil er befürchten muss, von den Trauergästen davongejagt zu werden.

Sauerland lebt jetzt im Bunker seiner persönlichen Verzweiflung und seines Selbstmitleids.  Er hat den Abgang verpasst, Sonntag wäre der letzte Tag dafür gewesen. Und jetzt kämpft der ehemalige Lehrer auch noch um seine materielle Existenz: wenn er um seine Entlassung bittet, verliert er seine Pension, einen anderen Job wird er nie mehr finden.

Ein tragisches Schicksal – aber dagegen stehen 21 Menschen, die ihr Leben, nicht nur ihre bürgerliche und materielle Existenz verloren haben. Deshalb wird Sauerland so oder so zurücktreten müssen. Nur viel zu spät. Er kann dann keinen Respekt mehr für diesen Schritt erwarten. Wie einsam muss ein solcher Politiker sein – unerreichbar für seine Mitarbeiter, für Ratgeber, für seine Partei, für Freunde. Wie egozentriert, nur auf das eigene Schicksal starrend. Sauerland könnte einem leid tun, wenn nicht das unfassbare Leid der Opfer und ihrer Familien dagegenstünde.

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49 Kommentare

1) nurmalso, Mittwoch, 28. Juli 2010, 13:17 Uhr

bis jetzt hatte ja noch keiner der beteiligten köpfe den mumm, verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten. stattdessen wird der schwarze peter reihum gereicht und gehofft, der nebenmann würde zuerst wackeln. von dieser combo hat man also keinen konsequenten schritt zu erwarten.
was die sache so schwierig macht, ist die rechtliche schuldfrage. moralisch scheint das eine leichte sache zu sein. es sitzen wahrscheinlich schon eine reihe von anwälten in den startlöchern und warten auf emotionale (was verständlich ist) beiträge im netz, die vorzeitige schuldsprüche verhängen und mehr oder weniger mutmassungen streuen.
man kann nur hoffen, dass es der staatsanwaltschaft gelingt, alles soweit wie möglich zu rekonstruieren. belangt wurden nach solchen unglücken die entscheidungsträger zwar selten, aber die hintergründe zu erfahren, wäre schon interessant.

2) Malte Diedrich, Mittwoch, 28. Juli 2010, 13:54 Uhr

Herr Sauerland hat bis zu seiner Wahl als Oberstudienrat gearbeitet. Wie sieht das bei Beamten aus, werden die idR nicht einfach beurlaubt und können nach Ende der politischen Tätigkeit wieder in ihren alten Beruf zurückkehren? (In diesem Fall vielleicht eher eine Stelle im Innendienst…)

3) Tom, Mittwoch, 28. Juli 2010, 13:56 Uhr

Was ist schon “Ehre” wenn es um die Pension geht!

4) Gregor Keuschnig, Mittwoch, 28. Juli 2010, 14:09 Uhr

Wäre einer der Verantwortlichen noch am Samstag Abend oder spätestens am Sonntag zurückgetreten hätten vermutlich die gleichen Medien, die nun Rücktritt fast sehnsüchtig herbeischreiben, um damit den Sündenbock ausstoßen zu können, von einer “Flucht vor der Verantwortung” geschrieben.

Es ist geradezu perfide, dass Sauerland dem Mob nachgibt, der scheinbar seine Anwesenheit auf der Trauerfeier nicht goutiert. Man wird ihm dies irgendwann auch bequem zum Vorwurf machen können.

Die Hybris von Provinzpolitikern, die ihrer Verantwortung schlicht nicht gewachsen sind, wird überdeutlich. Dennoch sollte man vielleicht warten, bis alle Einzelheiten vorliegen.

5) hojo, Mittwoch, 28. Juli 2010, 14:14 Uhr

Herr Spreng, dieser Einschätzung kann ich zu 100% zustimmen. Es ist unglaublich, wie sich der OB von Duisburg – als wohl höchster öffentlicher Entscheidungsträger dieser nicht nur in organisatorischer Hinsicht katastrophalen Veranstaltung – verhält (auch zum Schaden seiner Familie). Möge der liebe Gott ihm endlich die Einsicht schenken, die ihm bislang wohl noch fehlt… Wenn er am Sonntag zurück getreten wäre, hätte er sich und seinem Umfeld eine Menge ersparen können.

6) JG, Mittwoch, 28. Juli 2010, 14:16 Uhr

Es wäre doch schön, träte ein CDU-Politiker zur Abwechslung mal wieder aus gutem Grund zurück.

7) K. Arl, Mittwoch, 28. Juli 2010, 14:28 Uhr

Ich denke mal da gibt es auch Druck von der Partei, dass er während der Aufarbeitung noch da bleibt. Sonst hätte man einen zweiten Mann auch noch verbrannt, wenn die nächste Wahl ist. Sauerland soll dass also erstmal aussitzen, damit danach ein “Neuanfang” gestartet werden kann…

8) Alvar Hanso, Mittwoch, 28. Juli 2010, 14:30 Uhr

Inkompetenz und Prestigestreben trifft auf Profitgier und Verantwortungslosigkeit.
Eigentlich nur das ganz normale Wahnsinnprinzip nachdem in den höheren Entscheidungsebenen gehandelt wird und jene bei gelingen von der Masse bejubelt werden, mit dem Unterschied das diesmal die Konsequenzen aus jenem Handeln, der Tod von 21 Menschen – auch noch vornehmlich Deutsche – massenmedial begleitet wurde.

Ich möchte an dieser Stelle mal “Morph” zitieren:
http://www.weissgarnix.de/2010/07/26/augen-zu-und-durch/#comment-73293
“Es ist nicht so sehr die Gier nach dem Profit, die solche Katastrophen nach sich zieht, sondern ein gesellschaftliches Klima, dass den Hasardeur prämiert, der prometheische Optimismus.

Habe gelesen, dass der Duisburger OB ein Kumpeltyp sei, ein Freund der kleinen Leute. Und wenn sich so eine Mentalität mit dem Höherschnellerweiter verbindet, dann kommt sowas dabei heraus.

Das grundlegende Problem ist doch, dass Warner, Bedenkenträger usw. keinen guten Ruf in unserer Gesellschaft genießen. Man schätzt die Risikobereitschaft. Europäische Währung? Super Idee! Scheiß auf die Stubengelehrten! Mannesmann ist in Not? Der Retter naht! In Afghanistan regiert ein Unrechtsregime? Die bomben wir in die Demokratie!

Was ansteht, ist ein etwas größerer Respekt vor Unverfügbarkeiten und Unwägbarkeiten, eine Sensibilität für die Nichtmachbarkeit der Dinge. Und da helfen alle ex-post-das-hätte-man-wissen-können-Empörungen kaum weiter. Eher die Einsicht, was für eine beschissene Tragödie das ganze ist.
Das Ideal des kreativen Zerstörers, ja des Prometheischen überhaupt, ist fällig, so oder so.”

9) karl, Mittwoch, 28. Juli 2010, 14:54 Uhr

Er wird nie wieder einen Job finden? Diese Aussage halte ich für sehr gewagt – irgendwelche gewissenslosen Unternehmen sind doch immer auf der Suche nach CDU-Politikern…

10) Irreversibel, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:06 Uhr

“Es ist geradezu perfide, dass Sauerland dem Mob nachgibt, der scheinbar seine Anwesenheit auf der Trauerfeier nicht goutiert. ”

Für Sie sind also die Angehörigen der Toten ein Mob? Nur weil diese keinen Wert darauf legen bei der Trauerfeier für ihre gestorbenen Familienmitglieder/Freunde einen Politiker dabei zu haben, der bisher auf jede erdenkliche Art versucht seiner politischen Verantwortung für diese Tragödie zu entgehen und dessen Administration sich diesbezüglich durch beispiellose Intransparenz auszeichnet?

11) karel, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:08 Uhr

“Eine tragische Figur”
oder einfach nur ein Bauernopfer?
Wurde da nicht ein Polizeipräsident “zufällig” in den Ruhestand versetzt?

Da wäre doch die Frage erlaubt: weshalb und von wem???

karel

12) AK, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:16 Uhr

achja die pension is erst ab oktober… um monatl. 1700€ für lau zubekommen. da tritt man doch net einfach zurück.

13) Steuereintreiber, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:19 Uhr

Umgekehrt sieht man daran, weshalb allen anderen Rücktretern dieses Jahres der Rücktritt so ungemein leicht fiel. Auf Herrn Sauerland warten weder ein gehobener job in der Industrie noch der Strand von Sylt.

@Gregor Keuschnig: Ganz richtig, jeder Punkt. Die deutsche Großmannssucht findet man heute eher auf kommunaler denn auf Landes- oder Bundesebene. Früher waren das die tristen “Mehrzweckhallen” der Landgemeinden, heute sind es – meistens ziemlich laute – Großereignisse. Die Bürger werden mit derlei ‘beglückt’, aber niemals gefragt.

14) uniquolol, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:22 Uhr

Angenehme differenzierte und empathische Ansicht! Die Gleichen, die jetzt „…hängt ihn höher…“ skandieren, hätten Sauerland im Falle des Erfolges als Helden gefeiert. Auch die ununterbrochene mediale Ausschlachtung des Unglücks bei ntv etc. ist mehr als fragwürdig. Überall nur sensationsgeile, heuchlerische Anteilnahme – vor und hinter den Bildschirmen…

15) Ensa, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:31 Uhr

Auch noch interessant zum unvollendeten Fall Sauerland:
http://astrologieklassisch.wordpress.com/2010/07/28/oberburgermeister-sauerland-cdu-ist-erst-ab-oktober-2010-pensionsberechtigt/

16) Frank66, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:55 Uhr

Die momentane Situation erinnert mich an einen dieser B-Westernfilme. Ein wütender Mob, bewaffnet mit einem Strick, fordert vom Sheriff die Herausgabe des Beschuldigten. Er ist sowieso schuldig, eine Verhandlung überflüssig, hängt ihn an den nächsten Baum.
Die ständigen Rücktrittsforderungen sind doch nur Ausdruck der allgemeinen Hilflosigkeit. Es muss irgendwas passieren, denn alles andere ist ja unerträglich.
Die Ermittlungen werden ergeben,ob Herrn Sauerland ein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann.
Ein Rücktritt würde nur als Schuldeingeständnis gewertet werden.

17) knut, Mittwoch, 28. Juli 2010, 15:57 Uhr

Ich glaube, in ihrem zweiten Absatz muss aus dem einen Opfer ein Täter werden.

Ansonsten aber ein sehr schöner, weil differenzierter, Beitrag.

18) armerMoldavier, Mittwoch, 28. Juli 2010, 16:24 Uhr

Sehr geschätzer Spreng.

Was soll daran Katastrophe sein?

Spreng:”..eine für Deutschland einmalige Katastrophe…”

Es ist bedauerlich, dass dem Ego einiger weniger wieder einmal Menschenleben zum
Opfer gefallen sind. Meine Trauer mit den 21 Toten. Mein aufrichtiges Beileid den Angehörigen.

Und wie geht es weiter?
Die Politik zieht sich zurück. Verantwortung? Nö.
Die Justiz greift (scheinbar) ein, wird aber von der Politik gelenkt.
Es wird außer einem medienwirksamen Gedenkgottestdienst mit (u.a.) Wulff und Merkel nichts am Ergebnis ändern.

Katastrophe?
28.08.1988 Ramstein (Pfalz). 70 Tote. 400 Verletzte von denen viele heute noch Hilfe brauchen.
Traumata – das ist das richtige Wort, auch für diese derzeitige Republik und Politik.

19) Dierk, Mittwoch, 28. Juli 2010, 16:41 Uhr

Da muss ich Herrn Keuschnig doch mal zum Teil zustimmen. Auch wenn ich im tiefsten Inneren annehme, dass Herr S. aus Angst um seine Pension noch nicht zurücktritt, so war seine Begründung am Sonntag nachvollziehbar und richtig: Er wolle nicht vor der Verantwortung davonlaufen. so habe ich seine Einlassung verstanden.

Rücktritt kann und darf nicht zum Regelfall werden, denn dann hätten wir nicht nur Verantwortung, sondern auch noch die kleine Base Verantwortlichkeit aufgegeben. Egal, ob Herr S. moralisch, juristisch oder politisch verantwortlich ist, er soll gefälligst beim Aufräumen mitmachen. Es kann doch nicht sein, dass jedesmal, wenn die Wohnung am nächsten Morgen wie ein Saustall aussieht, keiner mehr da ist, der sauber macht. Oder es gar Vermieter oder Nachmieter überlässt.

20) Torsten, Mittwoch, 28. Juli 2010, 16:47 Uhr

Ganz so dramatisch steht es um die materielle Existenz von Herrn Sauerland dann doch nicht. Er hat auf alle Fälle eine Beamtenpension. Im schlimmsten Fall kehrt er halt in den Schuldienst zurück. Aber dazu wird es wohl kaum kommen: dass Menschen selbst nach einem skandalträchtigen politischen Rücktritt wieder Jobs bekommen können, ist wohl kaum zu leugnen.

21) Alvar Hanso, Mittwoch, 28. Juli 2010, 18:29 Uhr

@Torsten
“dass Menschen selbst nach einem skandalträchtigen politischen Rücktritt wieder Jobs bekommen können, ist wohl kaum zu leugnen.”

Jupp. Das ist der Unterschied der dann den Unterschied macht.
Denn wenn er es nur schafft die Sache auszusitzen und selbst(!) keinerlei Konsequenzen aus der Geschichte zieht, wird alles bestens in Ordnung.
Und wenn er von einem wütenden Mob schließlich aus dem Rathaus gejagt wird.
Er darf sich nur selbst nicht zur irgendeiner auch nur Teilverantwortung bekennen, egal wie offensichtlich das Gegenteil der Fall ist.
Irgendwann kommt der goldene Handschlag und der Versorgungsposten.
Aber Voraussetzung ist eben, kackdreist jede Verantwortlichkeit brüsk ablehnen.
Siehe BP und tausend weitere Beispiele aus Wirtschaft und Politik.
Anhanddessen könnte man sogar annehmen das man Sauerland nach oben hin weglobt, wo er dann noch mehr Schaden anrichten kann.
Vielleicht als Ressortleiter für Reaktorsicherheit in Röttgens Ministerium, wenn RWE& Co irgendwann mal die Lobbyisten ausgehen.

22) Maschinist, Mittwoch, 28. Juli 2010, 18:42 Uhr

So richtig Ihre Analyse ist, einen Job wird Herr Sauerland sicher bekommen. Wohl auch einen gut dotierten, immerhin ist er in der CDU UND in NRW.

23) MartinHAJ, Mittwoch, 28. Juli 2010, 18:52 Uhr

“Er wolle nicht vor der Verantwortung davonlaufen” – Plumpes Argument, an der Aufarbeitung kann (und muss) er auch nach einem Rücktritt engagiert mitwirken.

Wie stellt sich dieser Mann eigentlich die zukünftige Ausübung seiner Amtsgeschäfte vor?

Die Trauerfeier schwänzt er, und dann? Hofft er, dass nach zwei-drei Wochen Gras über die Sache gewachsen ist und er dann wieder wie früher durch Stadtteilfeste tingelt?

24) Gk, Mittwoch, 28. Juli 2010, 19:01 Uhr

Ihre Postings lese ich gerne. Ein Lehrer könnte jetzt schreiben: “Thema verfehlt!”.

Sie bevorzugen den Blickwinkel Politik und Politiker – und politische Einzelschicksale. Hier passt’s irgendwie nicht…

25) David, Mittwoch, 28. Juli 2010, 19:40 Uhr

Dass diese ganze Sauerland-Verwicklung so eine aggressive Eigendynamik entwickelt hat, liegt vor allem an den kümmerlichen Ausfluchtsversuchen des OB vom Samstag abend/nacht:

Da hat der Mann verkündet, das Sicherheitskonzept sei super und i.O. gewesen und “ursächlich” für die Katastrophe seien seinen Informationen nach ein paar sich nicht regelkonform verhaltende Druffis gewesen, die Absperrungen überwunden, Gerüste hochgeklettert, abgestürzt und so die Panik ausgelöst hätten.

Dieser Humbug muss Sauerland mind. sein Amt kosten, weil er opferverachtend und ekelig egozentrisch ist.

Hätte der Mann VON ANFANG AN die Klappe gehalten und gesagt, man müsse die Untersuchungen abwarten, wäre die Sache sicher nicht so ins Laufen gekommen.

26) Carsten, Mittwoch, 28. Juli 2010, 21:09 Uhr

Alle reden hier immer von Rücktritt. So tragisch dieser Tag für die Angehörigen der Toten, für Duisburg und Deutschland auch ist, rechtfertigt er automatisch den Rücktritt des Oberbürgermeisters?
Wie viele Mandatsträger, egal in welcher Funktion, müssten wohl im Laufe eines Jahres wegen unterschiedlichster Dinge zurück treten und tun es doch nicht. Da kräht kein Hahn danach.
Einen Schuldigen wird man finden. Ganz sicher. Bei allem, was dort verkehrt gelaufen ist. Aber sucht doch bitte erst einmal und fangt dann an, Fragen nach einem möglichen Rücktritt zu stellen.

Übrigens wohne ich nicht in Duisburg oder NRW und bin auch kein Sympathisant der CDU. Nur so…

Es geht mir nur, der allgemeinen Hysterie einen anderen Gedanken entgegen zu setzen.

27) Klaus Kleser, Donnerstag, 29. Juli 2010, 01:03 Uhr

In ihrem Kommentar kommt mir soviel Mitleid mit Herrn Sauerland zum Vorschein. Sie stellen nicht die viel wichtigeer Frage, nach dem Grund für solche Entscheidungsprozesse, die die LP zugelassen haben.
Nur wenn man diese Frage sicht, muss zwangsläufig,dass entscheidende Thema thematisiert werden. Der Komerz steht über dem Menschen. Der Komerz, der den Menschen in allen Bereichen durchökonomisiren will schadet uns und läßt dadurch die Gesellschaft ihr menschliches Antlitz verlieren. Aber dieses Problem wird von den Medien nicht thematisiert, weil sie sich selber diesem Dogma unterworfen haben. Es gibt Kreise, die diese Diskussion verhindern wollen, weil es viel Fragen aufwirft. Staat Dessen sucht man lieber einen oder mehrere Schuldige, damit das gemeine Volk befriedigt wird. Da die erste Strategei, die immer zuerst rausgeholt wird nicht aufgegangen ist. Die Trauer und Anteilnahme öffentlich medial zu kanalisieren.

28) Olaf Schulte, Donnerstag, 29. Juli 2010, 09:40 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,
Ihr interessanter Beitrag beleuchtet die Rolle des OB Sauerland im Nachhinein der Loveparade sicher zutreffend. Abseits der Hektik der Tagespresse würden mich aber auch die Aspekte interessieren, die dazu führen, dass gewählte OBs zu Potentaten werden, wie Verwaltungsexperten unterdrückt werden, wie ein Abgeordneter Mahlberg Interessen durchsetzen möchte, sich dann auf eher schändlich feige Art herauszureden versucht:siehe auch http://www.cdu-duisburg.de/index.jsp?index=presse&mid=20&content=ja&id=148!

Duisburg bietet bei allem Leid die Chance, nicht nur die Rolle der Medien zu werten, sondern auch die Vorgänge im Politikbetrieb analysierend zu betrachten. Hier ist viel Öffentlichkeit erforderlich; res publica!

29) tov, Donnerstag, 29. Juli 2010, 10:07 Uhr

Fakt ist doch: Ein OB einer großer Stadt, der nicht mehr selbst entscheiden kann, zu welchen Terminen er geht (Stichwort Trauerfeier), sondern der von den Medien und der Bevölkerung getrieben ist, kann nicht im Amt bleiben. Unabhängig von der persönlichen Verantwortung der Ereignisse hat er eine politische Verantwortung für “seine” Stadt, die einen handlungsfähigen Oberbürgermeister verdient haben – gerade in der jetzigen Situation.

30) Dierk, Donnerstag, 29. Juli 2010, 10:28 Uhr

Neuere Entwicklung lassen mich meinen früheren Kommentar ergänzen:

Sauerlands kläglich-dummerhaftige Versuche jedwede Form von Verantwortung für seinen Bereich – die Stadtverwaltung! – von sich zu schieben und auf Untergebene abzuwälzen, sind der Grund, weshalb er umgehend zurücktreten sollte. Er benimmt sich gerade wie diese ekligen Leuteschinder aus Militärsatiren wie 08/15 – immer gerne dabei, wenn es was abzusahnen gibt, aber weg sobald es Ernst wird.

31) badbing, Donnerstag, 29. Juli 2010, 11:05 Uhr

Ich bin da sehr zwiegespalten. Einerseits erschient ein Rücktritt angemessen. Andererseits ist für mich häufig ein Rücktritt auch eine Flucht aus der Verantwortung. Es ist schwierig, die wahren Motive aus der Entfernung abzuschätzen

32) M.M., Donnerstag, 29. Juli 2010, 15:10 Uhr

Hr. Sauerland steht unter Schock. Deshalb erkennt er nicht, dass es nur eine Möglichkeit gibt: Rücktritt. Er wollte doch nur Gutes für die Stadt. Deshalb verkündet er auch die völlig überzogene Zahl von 1′400′000 Teilnehmern. Und nun 21 Tote. Die Diskrepanz könnte nicht grösser sein. Im übrigen: Die Zäune hätten rundherum entfernt werden müssen und die ganze Veranstaltung (Musik aus und Feierabend) unverzüglich beendet werden müssen. Dieses pietätlose Verhalten der Verantworlichen ist ungeheuerlich. Oder sind die Raver aggresiver als man denkt?

33) leser, Donnerstag, 29. Juli 2010, 17:58 Uhr

Hallo Herr Spreng,

ich gehe auch davon aus, dass die Stadt Duisburg eine Veranstaltung genehmigt und zugelassen hat, die so nicht hätte stattfinden dürfen. Dafür tragen der OB und das Bauordnungsamt die Verantwortung.

Nach meinem Eindruck des Geschehens wurden die Todesfälle aber ausgelöst, dadurch dass der Besucherfluss an der falschen Stelle gebremst wurde. Der Tunnelausgang, d.h. die Rampe auf das Gelände war durch abgestellte Fahrzeuge und Bauzäune verengt. Außerdem hat es den Anschein dass der Zustrom zusätzlich gebremst wurde, durch die Polizei.

Wenn man einen Schlauch am Ende verengt, aber am Anfang weiter ordentlich einfüllt, dann muss das schiefgehen.

Daher finde ich es sehr gefährlich alle Schuld auf die Stadt zu konzentrieren und den Vorfall weiter durch das Innenministerium zu untersuchen – ein klarer Fall von Befangenheit.

Ich bin sehr gespannt auf welche Ungereimtheiten ein Untersuchungsausschuss später treffen wird.

34) mambo, Donnerstag, 29. Juli 2010, 21:34 Uhr

Der arme Sauerland ,wenn er entlassen wird ,bekommt er für 5 Jahre monatlich 7000 Euro Übergangsgeld ,wenn er selbst geht ,gibts kein Übergangsgeld.
Daran wirds wohl haken.
Wie war das doch noch mit den gleichaltrigen Quelle – Mtarbeitern,die unverschuldet
ihren Job verloren haben ,1,5 Jahre ALG 1 ,dann Hartz IV.
Ach übrigens unser neuer Bundespräsident ,der gerade bei Maschmeyers geurlaubt hat,
erhält nach Ende seiner Dienstzeit lebenlänglich 200000 Euro /Jahr plus Dienstwagen
plus Büro.dafür muß er natürlich keine Beiträge bezahlen !
Wie sagte Frau Merkel so schön :
“wir haben über unsere Verhältnisse gelebt ,wir müssen sparen ….”

Die Frage ist nur :Wer ist Wir ?!
Meine Meinung ist : Wer als Politiker anderen sparen predigt ,sollte zunächst bei sich selbst anfangen,
sonst wird er unglaubwürdig.

35) KR, Donnerstag, 29. Juli 2010, 22:10 Uhr

Hallo,

wenn ein OB als Verantwortlicher für seine Behörden einen solchen Fall nicht als Rücktrittsgrund ansieht, wann sollte er denn sonst zurücktreten.

Der Herr OB hat selber enorm dafür geworben, dass diese Veranstaltung nach Duisburg kommt, obwohl die Stadt selber total pleite ist und vorher schon abzusehen war, dass Duisburg keinen “eigenen” Cent in Sicherheitsmaßnahmen o.ä.. stecken konnte. Daher hat sich die Stadt m.E, nach vollständig auf den Veranstalter verlassen.

Die neueste Entwicklung, bei der Hr. Sauerland sich rausredet “er habe nichts unterschrieben” ist wohl der Tropfen der das Fass zum Ünberlaufen bringt.

Tragisch ist diese Figur auf gar keinen Fall. In meinen Augen ist diese Figur untragbar und zeugt von einem Verantwortungsbewußtsein, welches ihn für jede Art von “Führung” disqualifiziert.

36) Ute, Donnerstag, 29. Juli 2010, 22:33 Uhr

Herr Sauerland wußte sehr genau Bescheid ( http://www.derwesten.de/a7rjwl , mindestens eine Kopie ging ja wohl an ihn), hatte aber dennoch die unglaubliche Chuzpe, wenige Stunden nach dem Unglück den Tod der Opfer eben diesen selbst in die Schuhe zu schieben. Sollte er sich damit herausreden wollen, das gerade verlinkte Dokument nie gelesen zu haben, muß man sich nicht weniger intensiv fragen, ob er für sein Amt geeignet ist. So oder so ist der Mann als Repräsentant für eine Stadt nicht mehr tragbar.

Ich gehe übrigens auch davon aus, daß er erst Anfang Oktober zurücktreten wird. Seine bisherige beharrliche Weigerung und die Brisanz des 1. Oktober für seine finanzielle Zukunft sind in Kombination miteinander wohl kaum noch als Zufall zu betrachten.

37) Ute, Donnerstag, 29. Juli 2010, 22:46 Uhr

PS: Allerdings gibt es auch noch die Regelung des “versorgungserhaltenden Rücktritts”, von der ich nicht weiß, ob sie von der 6-Jahres-Regel außer Kraft gesetzt wird oder nicht:

http://www.kpv-ibb.de/55001/Uploaded/admin|VersorgungkommunalerWahlbeamter.pdf (S. 16)

Es kann also durchaus sein, daß ein Rücktritt für Herrn S. auch nach dem 1. Oktober pensionstechnisch unerwünschte Nebenwirkungen hätte…

38) mac4ever, Donnerstag, 29. Juli 2010, 23:55 Uhr

@Alvar Hanso:

Sie haben recht, der “Hasardeur” ist in – Milliarden werden in zweifelhafte Wetten “investiert” (nennt man Finanzwirtschaft), Zocken am Computer ist Volkssport und die immer größer werdende Lebensunsicherheit und steigende Dynamik (Beschleunigung) der gesellschaftlichen Entwicklung bringt Generation um Generation hervor, für das unnachhaltige “Chaosmanagement” mit Zentrum eigenes Ego immer mehr der Normalfall wird.

[Symptom: z.B. auch die steigende Akzeptanz von Computerspielen und Risikosportarten. Zu meinen Jugendzeiten vor 40 Jahren galt "Spielen" bei Erwachsenen als unernste Kinderbeschäftigung (von Sport und Schach abgesehen). Heute ernährt diese Tätigkeit mehr Branchen denn je. Investmentbanker tun nichts anderes.]

Befürworter von Nachhaltigkeit und Entschleunigung werden ins Abseits gestellt, als “Spinner” desavouiert, Action und Multitasking sind in.

Andererseits werden wir in D von 70.000 Gesetzen und Verordnungen reglementiert. Das heißt: Alles inst aus guten Gründen verhinderbar. Also gilt wieder nur das “gesunde Eigeninteresse”, welche man verletzt und welche zum eigenen Vorteil instrumentalisiert. Wie die Causa Sauerland deutlich zeigt.

Unstrittig ist, daß der Mann charakterlos ist, vor allem wegen seines Verhaltens nach der Katastrophe.

39) Christoph Neubauer, Duisburg, Freitag, 30. Juli 2010, 00:11 Uhr

Die Hybris des OB Bodenständig

Duisburg ist heute weit über die Grenzen Synonym für die unheilvolle Partnerschaft verantwortungsloser politischer Entscheidungsträger und Spitzenbeamter, gewinn- und profilsüchtiger Unternehmer und Kulturmanager. Synonym für hundert Tausende Partybesessene, junge Menschen, die sich der Allianz des Größenwahns und ihren Versprechen von Sicherheit sorglos unterwerfen, sich nach dem entsetzlichen Sterben in der unbeherrschbaren Menschenfalle am Duisburger Güterbahnhof in der Verarbeitung von Traumata und Trauer wiederfinden. Eine Katastrophe? Unglück? Tragödie? Es gibt keinen Ausdruck für die Bilder und Schreie aus Duisburg, die sich zuoberst im kollektiven Gedächtnis einprägen.

Frühere Schlagzeilen, das Massaker der kalabrischen `Ndrangheta, anhaltende Rockerkriege oder die Aufmärsche vergleichsweise harmloser rechter Spinner entstanden nicht, weil die Entwicklung der Innenstadt besondere Anziehung in die organisierte Kriminalität ausstrahlt. Es muss andere Standortvorteile geben, die diese Stadt in diesen Milieus anzubieten vermag. Das gegenwärtig würdelose Auftreten und Nichtauftreten lokaler Eliten, ihre charakterlose Strategie vorgetäuschter Unkenntnis über Sicherheitsbedenken und die die eigene Rolle verniedlichenden hastigen öffentlichen Schuldzuweisungen lassen stellvertretend erahnen welche. Die jetzt notwendigen Ermittlungen und die Berichterstattung darüber werden rasch in den Hintergrund der öffentlichen Wahrnehmung treten, erst recht später noch zähere juristische Auseinandersetzungen. Daher wird niemand erwarten dürfen, dass die Protagonisten von Duisburg heute strafrechtlich relevant Schuld auf sich nehmen.

In der Trauer mit den Angehörigen der Opfer, in der aufrichtigen Anteilnahme der Duisburger Bürger aber müssen sich die gesellschaftlichen Kräfte neu entwickeln, die haltlose Zustände in Politik und Verwaltung anklagen, wenn es sein muss ohne Rücksicht auf Rang, Namen und öffentlichen Tränenfluss. Hier stehen allenfalls ein Beruf oder die Berufung auf dem Spiel, nicht das Leben. Und das ist zweifellos wichtiger als jeder neue Event, den Politiker, Kulturmanager und Veranstalter damit begründen, dass sie den Menschen etwas bieten müssen, in der eilig wieder herbei geredeten Krise. Die Spaßgesellschaft, und in erster Linie die wird sich besinnen müssen. Darüber, dass es keine ausgeklügelten Sicherheitskonzepte gibt, nur im Untergang noch immer klugscheißende Verkäufer derselben. Und feiert wenn es dann zu feiern Anlass gibt.

Duisburg könnte Synonym werden für den Beginn einer Zeit, in der die Rechnungen mancher Elite in Deutschland nicht mehr ohne Weiteres aufgehen. Mindestens jene Rechnungen, die in der Summe Kritik ignorieren und ernste Warnungen in den Wind schlagen, die im Ergebnis der Abwägungen die Unversehrtheit von Leib und Leben geringer achten als die Vorteilsannahmen für die chronisch leeren Kassen und den eigenen Nutzen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die politische Verantwortung für den entarteten Größenwahn. Wenn die Vertreter der Duisburger Bürgerschaft ein Fünkchen Respekt vor dem Willen ihrer Wähler und dem der Bevölkerung besitzen, dann weisen sie zuerst dem hoffnungslos der Hybris verfallenen, hilflosen OB Bodenständig einen Weg aus dem Amt. Schnellstens.

Christoph Neubauer,
Duisburg

40) marcpool, Freitag, 30. Juli 2010, 18:21 Uhr

” Zitat : Der Name Duisburg wird auf Jahrzehnte mit den 21 Toten der Massenpanik bei der Loveparade verbunden sein.”
Auch der Name Sauerland und der der CDU wird auf Jahre damit verbunden werden , wegen magelnden Verantwortungsbewusstsein. In der Sonne glänzen- da stehen sie dann unsere Politiker – und verbinden sich gerne mit den Erfolgreichen etc. – kommt es aber so wie in Duisburg stottern sie sich bis ins Bodenlose Fremdschämen. Können Wulff und Merkel da überhaupt sitzen – mit so einem Parteimitglied ?
Das ist auch eine Frage des menschlichen Charakters . Sind denn in dieser Partei keine Menschen mehr ? Nur noch Abkassieren und wir , Eure CDU Regierenden, leben in Saus und Braus ?

41) Alvar Hanso, Freitag, 30. Juli 2010, 19:48 Uhr

mac4ever, Donnerstag, 29. Juli 2010, 23:55 Uhr
“@Alvar Hanso:
Sie haben recht, der “Hasardeur” ist in – Milliarden werden in zweifelhafte Wetten “investiert” (nennt man Finanzwirtschaft), Zocken am Computer ist Volkssport und die immer größer werdende Lebensunsicherheit und steigende Dynamik (Beschleunigung) der gesellschaftlichen Entwicklung bringt Generation um Generation hervor, für das unnachhaltige “Chaosmanagement” mit Zentrum eigenes Ego immer mehr der Normalfall wird.

[Symptom: z.B. auch die steigende Akzeptanz von Computerspielen und Risikosportarten. Zu meinen Jugendzeiten vor 40 Jahren galt "Spielen" bei Erwachsenen als unernste Kinderbeschäftigung (von Sport und Schach abgesehen). Heute ernährt diese Tätigkeit mehr Branchen denn je. Investmentbanker tun nichts anderes.]”

Sorry, aber ihr Vergleich zw. organisierter Verantwortungslosigkeit (Wirtschaft und Politik) und “spielenden” Erwachsenen scheint mir einigermaßen absurd.
“Spielen” ist in erster Linie Zeitvertreib, was da nun konkret gespielt und getan wird – ob Schach, Fußball oder diverse Bettsportarten – ist mir persönlich schnuppe. Soll jeder glücklich werden wie er meint.
Das Problem ist nicht, was die Leute in ihrem Privatleben machen, sondern was sie tun, wenn sie Macht über andere ausüben können, die sich das idR nicht freiwillig ausgesucht haben.
Wenn ich bestimmte Personengruppen natürlich von jeder Art (angemessener) Haftung freistelle, muss ich mich nicht wundern, wenn diese das dann in größtmöglichen Rahmen ausnutzen, ob nun durch direkte Bereicherung auf Kosten anderer oder nur für die eigene Profilierung auf dem nächsten Stadtfest und dafür mal bei Sicherheitsbestimmung der Loveparade die Augen zudrückt.
Personen die die Chuzpe haben, selbst bei offensichtlicher eigener Unfähigkeit und Überforderung, auf ihrem Posten sitzen zu bleiben.
Wenn es für jene Machtegomanen keinerlei wirksame Sanktionsinstrumente bei Fehlverhalten gibt, muss man sich nicht wundern, wenn sich die Landeselite aufführt wie halbstarke, mahrzahner Messermigranten und die Restgesellschaft terrorisiert.

Allerdings muss man auch den gesellschaftlichen Rahmen bedenken, also das was bis dato soziales Prestige bringt, Anerkannt ist.
Wenn das höchste soziale Gut in D darin besteht, “Leistungsträger” zu sein – was vorallem am Einkommen bestimmt wird – ist es nur logisch, dass der Faktor Einkommen und damit der Faktor Macht (als Garant für hohe Einkommen) entsprechende Bedeutung hat und das die Masse danach strebt, jenes zu bekommen.
Insbesondere wenn es nicht interessiert, WIE mit welchen Mitteln ein Einkommen generiert wurde, sondern nur OB.

Wenn ich Ackermann bejubel, weil er so erfolgreich ist (u.a. wegen seiner Nähe zur Politik) kann ich andererseits Merkel nicht vorwerfen, nicht entschlossen genug gegen das Finanzunwesen vorzugehen, welches die Volkswirtschaften parasitär aussaugt.
Ackermann arbeitet, egoistisch, zu Gunsten seiner Geldbörse und zugunsten seiner Firma und schadet damit vielen anderen Menschen.
Merkel arbeitet nach dem gleichen Prinzip, nur das ihre “Firma” nicht die BRD ist, wie man annehmen könnte, sondern die CDU bzw. das Establishment was jene finanziert.
Beides ist verantwortungslos, sie sind Hasardeure, wird aber seitens der Gesellschaft unterschiedlich bewertet.

Wobei das natürlich kein alleiniges Problem der Eliten ist.
Zu Lasten anderer zu leben und dafür die Verantwortung möglichts zu verschleiern, ist ja ein ganz grundlegender Effekt bei “freien” Märkten.
Billige Produkte sind für den Endverbraucher hier in D eine tolle Sache, für den Produzenten der den Krempel für nen Hungerlohn jwd herstellt, eher nicht.
Ebenso wie OB Sauerland, fühlt sich der deutsche Konsument auch eher weniger verantwortlich, wenn der eigenen Lebensweise wegen anderorst Menschen krepieren.

D.h., die elementare Frage die sich die Gesellschaft stellen muss, lautet:
Wird die Ausbeutung bzw. eine Lebensweise die andere Menschen (mit der Natur könnte man fortfahren) bewusst oder fahrlässig schädigt, gesellschaftlich weiter satisfaktionsfähig bleiben?

42) tin, Samstag, 31. Juli 2010, 14:39 Uhr

“einen anderen Job wird er (sauerland) nie mehr finden.” naja. er ist berufspolitiker und von daher gut vernetzt. sicher wird er leute kennen, die ihn in irgendwelche weniger prominente, nicht-öffentliche räte, komissionen etc. hieven können. dass er nach seiner entlassung zum langzeitarbeitslosen wird, glaube ich echt nicht.

43) Michael A. Nückel, Samstag, 31. Juli 2010, 22:06 Uhr

Kann es in dieser schlimmen Situation noch eine richtige Entscheidung geben? Es fehlt in der GO NW eine Regelung, Sauerland zu entlassen oder zu suspendieren – durch wen auch immer. Nach meinem Verständnis ist er weniger als ein Politiker auf Zeit, auch keine lame duck, er ist eine Art “dead duck”. Was macht er noch im AMT? Oder ist sein Stellvertreter bereits Herr in Hause? Oder hat er einen Krankenschein?
Herr Spreng, ich erkenne nur einen Widerspruch. Wenn Sie im 3. Absatz seine Perspektivlosigkeit feststellen, dann muß er egozentrisch agieren: Vielleicht hat er eine Familie, die er zu versorgen hat.
Bei aller mutmaßlichen Schuld, nicht zurück zu treten, jedoch sich abwählen zu lassen, Sie machen es sich mit Ihrem Vorwurf zu einfach. Er kann sich nicht selbst in Wüste schicken. Und er ist nicht das einzige Beispiel, bei dem der Täter die Chance (gar Optionen) besitzt, üer die die Toten und ihre Angehörigen nicht verfügen. Das ist sicherlich ein Dilemma und bitter für die Angehörigen der 21 Toten. Hier liegt eine gesetzliche Lücke vor, die derartige Rücktritte ohne Totalverlust ermöglicht.

44) Thomas B., Sonntag, 01. August 2010, 08:26 Uhr

Das Herr Sauerland eine tragische Figur ist kann man nicht leugnen. Leider sind die Medien daran nicht unschuldig. Es wird halt Jemand gebraucht an dem sich abgearbeitet werden kann. Dazu kommen dann noch unglückliche Statements im Anschluss an die Katastrophe.

Allerdings fehlt bei einem Großteil der Berichterstattung die Differenzierung. So sprechen die Medien zum Beispiel immer noch von einer “Massenpanik” obwohl inzwischen nachgewiesen wurde, dass es im eigentlichen Sinne keine “Panik” war. Hier sorgt die Wortwahl schon für eine Vorverurteilung. In diesem Zusammenhang finde ich es gut, dass die Berichterstattung über die Loveparade überprüft wird. So sind zum Beispiel über 200 Beschwerden beim Presserat über die Berichterstattung der Bild-Zeitung eingegangen.
http://www.dwdl.de/story/27188/diekmann_verteidigt_loveparadeberichte/

Politisch ist der OB sicher verantwortlich. Die Frage ist allerdings ob man eine politische Verantwortung immer nur durch Rücktritt wahrnehmen kann? Ich finde allerdings, dass der OB sich gar nicht so unklug verhält. So zieht er jeden Ärger auf sich. – Stellt sich damit vor seine Untergebenen. Wäre er jetzt schon aus dem Amt würde man sicher mit den Verantwortlichen für die Genehmigung weitermachen und jeden noch so rudimentär befassten Abteilungsleiter in die Medien ziehen.
Wenn man es so betrachtet nötigt einem dieser Schritt des Nichtrücktritts schon fast Respekt ab.

Gruß

TB

45) karel, Montag, 02. August 2010, 12:23 Uhr

Wenn es stimmt, daß die Einsatzleitung für die Lenkung der Besucherströme im Container an der Rampe in den entscheidenden 30 Minuten wegen eines fehlenden Polizei-Funkgerätes und dem Ausfall des Handy-Netzes stillgelegt war und beim Zustandekommen der Katastrophe hilflos zusehen mußte, kann man über viele Beiträge und Statements nur noch den Kopf schütteln.

Die Frage müßte dann lauten: warum ziehen Innenminister und Polizeipräsident dann nicht die Konsequenz und treten zurück??? Deren lauttönende Pressekonferenz mit den präzisen Schuldzuweisungen klingen vor diesem Hintergrund wenig glaubwürdig.

46) Scuba, Montag, 02. August 2010, 19:07 Uhr

Also meine Meinung ist auch ganz klar: Er muss Verantwortung übernehmen und zurücktreten. Ich kann allerdings Verständnis dafür aufbringen, dass er es nicht tut. Der Mann ist 55 Jahre alt, und mit so einer Vorgeschichte wird er mit absoluter Sicherheit keinen Job mehr finden, da gebe ich dem Autor recht. Er hat aber auch Familie. Und man kann meiner Meinung nach nicht verlangen, dass er nur aufgrund politischer Schuld (persönliche Schuld ist ja noch lange nicht bewiesen) seine komlette Existenz und die seiner Familie quasi vernichtet. Er muss weg, aber solange keine persönliche Schuld bewiesen ist sollte man ihm die Möglichkeit lassen, seinen Abgang auf eine Weise zu vollziehen die ihn nicht völlig ohne EInkommen dastehen lässt.

47) M.M., Montag, 02. August 2010, 23:30 Uhr

Was unserem Vaterland fehlt ist der liebe Herr Jesus.
Leider beten wir das Falsche an.
Der liebe Herr Jesus findet sich nicht in PS starken Autos oder in Machtgehabe oder in Ersatzbefriedigung oder Betäubung jeglicher Art.
Das einfache Gebet an den Herrn wird unser Land beschützen. Beschäftigen wir uns mit ihm. Hier liegt der Schlüssel für unser Leben. Ein wahrer Priester ist zunächst dafür gar nicht erforderlich. Lassen wir und darauf ein. Gott schütze unser deutsche Vaterland.

48) EStz, Mittwoch, 04. August 2010, 10:38 Uhr

@ Scuba

Sehe ich genau so.

Mich hat außerdem die Aussage von ihm beeindruckt, dass man ihm im Falle eines Rücktritts auf immer die Schuld am Tod von 21 Menschen anlasten würde – unabhängig davon, ob er was dafür konnte oder nicht. Und in einer solchen Situation, wo es offenkundig darum geht, Schuld zu verteilen, statt zuerst den Sachverhalt zu klären, würde ich als Betroffener auch gucken wollen, dass mir niemand zu seiner Entlastung sein Päckchen mit aufbürdet.

49) Thom, Donnerstag, 05. August 2010, 11:41 Uhr

Die bürgerliche Existenz von Sauerland ist zerstört? Muß er in Privatinsolvenz? Gar ins Gefängnis? Manchmal merkt man eben, daß Schreiben bei Journalisten wie Schülern gleichsam funktioniert: Man schreibt etwas, worüber man nicht nachgedacht hat und wenn es halbwegs klingt, läßt man es stehen.

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