Mittwoch, 28. Juli 2010, 12:53 Uhr

Eine tragische Figur

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist eine tragische Figur: er wollte für seine arme Stadt das Beste und erreichte das Furchtbarste – eine für Deutschland einmalige Katastrophe. Der Name Duisburg wird auf Jahrzehnte mit den 21 Toten der Massenpanik bei der Loveparade verbunden sein. Allein das müsste, unabhängig von der Frage persönlicher Schuld, Anlass sein, auf das Amt zu verzichten, zumindest politische Verantwortung für das Unverantwortbare zu übernehmen. 

Sauerland hat heute schon mehr verloren als sein Oberbürgermeisteramt: seine Ehre, sein Selbstwertgefühl, seine bürgerliche Existenz. Auch er ist ein Opfer der Katastrophe, möglicherweise oder sogar offenbar durch eigene Schuld, aber auch ein Opfer. Sein Leben wird nie mehr so sein, wie es einmal war. Er verschanzt sich in seinem Rathaus, bewacht von Bodyguards, kann nicht einmal zur Trauerfeier für die 21 Toten in seiner Stadt gehen, weil er befürchten muss, von den Trauergästen davongejagt zu werden.

Sauerland lebt jetzt im Bunker seiner persönlichen Verzweiflung und seines Selbstmitleids.  Er hat den Abgang verpasst, Sonntag wäre der letzte Tag dafür gewesen. Und jetzt kämpft der ehemalige Lehrer auch noch um seine materielle Existenz: wenn er um seine Entlassung bittet, verliert er seine Pension, einen anderen Job wird er nie mehr finden.

Ein tragisches Schicksal – aber dagegen stehen 21 Menschen, die ihr Leben, nicht nur ihre bürgerliche und materielle Existenz verloren haben. Deshalb wird Sauerland so oder so zurücktreten müssen. Nur viel zu spät. Er kann dann keinen Respekt mehr für diesen Schritt erwarten. Wie einsam muss ein solcher Politiker sein – unerreichbar für seine Mitarbeiter, für Ratgeber, für seine Partei, für Freunde. Wie egozentriert, nur auf das eigene Schicksal starrend. Sauerland könnte einem leid tun, wenn nicht das unfassbare Leid der Opfer und ihrer Familien dagegenstünde.

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49 Kommentare

1) Thom, Donnerstag, 05. August 2010, 11:41 Uhr

Die bürgerliche Existenz von Sauerland ist zerstört? Muß er in Privatinsolvenz? Gar ins Gefängnis? Manchmal merkt man eben, daß Schreiben bei Journalisten wie Schülern gleichsam funktioniert: Man schreibt etwas, worüber man nicht nachgedacht hat und wenn es halbwegs klingt, läßt man es stehen.

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