Montag, 02. August 2010, 12:30 Uhr

Teure Reise

Sinkende Wahlbeteiligung, sinkende Spendenbereitschaft, schlechte Zahlungsmoral der Mitglieder – die Parteien müssen sparen, das Geld sitzt nicht mehr so locker. Nur in Wahlkämpfen wird noch geklotzt. Da wird das Geld auch schon mal sinnlos ausgegeben.

So einen Fall erlebte ich 2002. Weil die Werbeagentur zu spät mit dem TV-Spot fertig wurde (siehe auch meine Anekdote “Sieben Sekunden zu wenig“), blieben nur noch wenige Stunden, um ihn dem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber zu zeigen, der auf Juist Urlaub machte. So flogen CDU-General Laurenz Meyer und ich mit einer Chartermaschine nach Bremen und anschließend mit dem Hubschrauber weiter nach Juist. Eigentlich eine sinnlose teure Reise, denn Stoiber blieb wegen Zeitdrucks ohnehin nichts anderes übrig, als den Spot zu genehmigen.

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5 Kommentare

1) Sandra Wiegard, Montag, 02. August 2010, 12:55 Uhr

Da wundert einen ja nix mehr. Warum haben Sie den Spot nicht einfach auf den CDU-Server geladen und Stoiber hätte ihn sich dort angesehen?

2) Doktor Hong, Montag, 02. August 2010, 15:24 Uhr

Irgendwie ist es schon ziemlich unterhaltsam, solche Geschichten zu lesen.

Insbesondere macht es einem begreiflich, warum manch ein führender Politiker ziemliche Probleme mit der Wahrnehmung der Lebenswirklichkeit vieler Bürger zu haben scheint.

Hatten Sie denn am Ende wenigstens noch Zeit, um zusammen ein paar Lüttje Lagen zu zischen? 🙂 Dann wäre die Reise ja nicht ganz sinnlos gewesen 🙂

3) knut, Montag, 02. August 2010, 21:30 Uhr

@Sandra
2002 war vor 8 Jahren. Ich glaube kaum, dass es da auf Juist schon Internet gab, geschweige denn eine Breitbandverbindung. Und evtl. wäre Herr Stoiber mangels technischer Kompetenz garnicht in der Lage, ein video von einem gesicherten CDU-Server herunterzuladen.

4) polt, Dienstag, 03. August 2010, 09:43 Uhr

Sie waren damals doch Berater von Stoiber, Herr Spreng (und haben, das am Rande, einen hervorragenden Wahlkampf inszeniert). Warum plaudern Sie dann jetzt Unzulänglichkeiten aus, die Ihnen im Rahmen eines Vertrauensverhältnisses bekannt geworden sind – tut man sowas? Im übrigen ist die Geschichte viel zu fad und banal, als dass sie einen Vertrauensbruch rechtfertigen würde. “potius amicum quam dictum perdere” passt hier schon mangels geeignetem dictum nicht!

5) Doktor Hong, Dienstag, 03. August 2010, 14:07 Uhr

@polt

Es ist ja nicht so, dass die Offenbarung dieser Reise im Jahre 2010 die Wahlchancen Stoibers im Jahre 2002 zunichte machen würde.

Im übrigen finde ich es ziemlich instruktiv, durch dererlei Anekdoten einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie Politik in Deutschland in Wahrheit funktioniert.

Das Bild, das uns Herr Spreng mit seinen Beiträgen vermittelt, weicht ja manchmal und nur ganz leicht von der Fassade ab, die uns die PR-Berater mit ihren Medienoffensiven vorspiegeln möchten.

Ich für meinen Teil habe mehr Interesse an Substanz als an Schein. Dass die Darstellung tatsächlicher Querbeziehungen unter den Politikern eine gewisse Indiskretion bedingt, ist wohl ein nötiges Übel.

Während ich Ihre Entrüstung über den Vertrauensbruch durchaus nachvollziehen kann, teile ich Ihr Werturteil nicht. Für mich als Staatsbürger einer Demokratie wiegt es schwerer, einen Einblick in die tatsächlichen Abläufe der Politik zu bekommen.

Man kann auch nicht behaupten, dass es mich nichts anginge, wenn solche Aktionen aus der Wahlkampfkostenerstattung bezahlt werden, die wiederum aus Steuermitteln finanziert wird. Außerdem beeinflussen Amtsträger auf der höchsten Ebene mit ihren Entscheidungen das Leben von Millionen von Menschen. Das wiegt schwerer als eine Indiskretion, die aufgrund ihres zeitlichen Abstandes dem Betreffenden im Wahlkampf gar nicht mehr schaden kann.

Etwas anderes ist es, wenn Dinge wie die Sponsoring-Affäre des Herrn Rüttgers während des Wahlkampfes ans Licht der Öffentlichkeit geraten. Diese Dinge haben ihm sehr geschadet und vermutlich zu seiner Abwahl beigetragen.

Man kann also berechtigterweise auch verschiedene Indiskretionen differenziert betrachten, und muss nicht alles über einen Kamm scheren.

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