Montag, 09. August 2010, 13:50 Uhr

Gabriels Wildschwein-Trick

Sigmar Gabriel erinnert an den Wilderer, der vom Förster im Wald  mit einem Wildschwein über der Schulter erwischt wird. Der Förster wirft ihm vor, illegal Wild geschossen zu haben, worauf der Wilderer empört antwortet: “Das würde ich nie tun”. Als ihm der Förster sagt, er trage es doch auf der Schulter und sei damit auf frischer Tat ertappt, schaut der Wilderer auf seine Schulter und schreit völlig überrascht auf.

So macht es Gabriel mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67. Völlig überrascht stellt er plötzlich fest, dass es für Menschen im Rentenalter kaum Arbeitsplätze gebe. Erst einmal müsse die Erwerbsttätigkeit der 60- bis 64-Jährigen erhöht werden, bevor die Rente mit 67 eingeführt werden könne. Andernfalls sei die Rente mit 67 nichts anderes als eine Rentenkürzung.  Aha, auch schon gemerkt?

Das ist Gabriels Wildschwein-Trick. Jeder der Beteiligten wusste von Anfang an, dass die Rente mit 67 in Wirklichkeit eine Rentenkürzung bedeutet, weil es die notwendigen Arbeitsplätze für Ältere auf unabsehbare Zeit nicht geben wird. Und dass deshalb den Rentnern, die zwangsläufig vor dem offiziellen Eintrittsalter in den Ruhestand gehen, die Rente für jeden Monat früher um 0,3 Prozent gekürzt wird.. Es wurde nur nie offen ausgesprochen, weil die Rentenreform sonst schon damals gescheitert wäre.

Der damaligen Verlogenheit folgt jetzt die Verlogenheit des SPD-Chefs. Denn natürlich wusste auch er schon, als sein Parteifreund Müntefering die Rente mit 67 durchsetzte, wie unehrlich die Argumentation war. Gabriel versucht, sich und die SPD aus der Rentenfalle zu mogeln, in die seine Partei geraten ist und mit der sie Millionen von Wählern verprellt hat. So dreist geht das aber nicht. Der Wilderer ist ertappt.

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33 Kommentare

1) Doktor Hong, Montag, 09. August 2010, 15:11 Uhr

Dass die Rente mit 67 nichts weiter darstellt als eine Rentenkürzung, war nicht nur allen Beteiligten, sondern insbesondere auch allen Betroffenen klar. Jeder weiß doch, dass viele Betriebe Menschen über 50 aussortieren.

Hat denn nicht auch dieser Rechenkünstler Raffelhüschen vor einer Meute von Drückern unver”blümt” gesagt, dass die Kürzung der Altersrente auf Sozialhilfeniveau schon längst passiert sei?

Nun, es ist auch Gelaber wie das zitierte von Gabriel, das mich mit tiefer Verachtung für viele unserer Politiker erfüllt.

Einem fünfjährigen Kind kann man die Behauptung durchgehen lassen, es habe nicht von der Schokotorte genascht, während es mit verschmiertem Gesicht vor einem steht, aber so eine Schlichtheit von Leuten aus unserem Parlament?

Die Politik der heutigen Tage stößt mich einfach immer mehr ab. Ich wünschte nur, ich wäre nicht mit all ihren Spätfolgen von ihr betroffen, dann könnte ich mich über soviel kognitive Schwäche wenigstens kaputtlachen, wie ich es mit Jon Stewart über die amerikanische Politik tun kann.

2) nona, Montag, 09. August 2010, 16:28 Uhr

Bei Otto Waalkes geht das etwa so:

“Wo hamse denn das Schwein her?” fragt der Förster.
“Das hab’ ich im Preisausschreiben gewonnen.” antwortet das Schwein.

3) JG, Montag, 09. August 2010, 17:10 Uhr

Sie haben mal wieder recht, Herr Spreng, aber man soll natürlich auch Sigmar Gabriel zugestehen, Fehler einzusehen. Vielleicht bemerkt er demnächst sogar, daß “Hartz IV” staatlich verordnetes Elend ist, welches gerade – insbesondere durch seinen nennenswerten Beitrag zur Vernichtung der Mittelschicht – wesentliche Grundlagen der über Jahrzehnte hinweg so erfolgreichen und stabilen Bundesrepublik zerstört, weil es gar nicht genügend Arbeitsplätze gibt, in die man die Arbeitslosen nur mit ein wenig Druck, möglichst knapp gehaltenen Almosen und (oft angeblicher) Förderung zu schubsen brauchte.

Man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

4) dolfo, Montag, 09. August 2010, 18:20 Uhr

Jetzt fehlt eine Antidiskriminierungsgesetzgebung wie in den USA.

5) Recht Unbedeutend, Montag, 09. August 2010, 18:53 Uhr

Es ist genau so, und der Witz ist gut, fast peinlich daß ich ihn noch nicht kannte.

Was den Rest angeht: nehmt die Sache nicht so ernst. Ich bin 28 – will mir jemand erzählen, ich würde irgendwann Rente bekommen? Von wem denn? Selbst wenn Deutschland auf einen Schlag schuldenfrei wäre, wäre es eine große Herausforderung, das Generationenproblem anzugehen. So haben wir noch zusätzlich Ausländer reingeholt, die noch schnell das ausgezahlt kriegen, was für uns eh zu wenig gewesen wäre in 50 Jahren, und dann sehen wir mal weiter. Die Menschheit hat im Verhältnis mehr Jahre ohne als mit sicherer Rente existiert. Wobei der Weg bis zur Staatenbildung viel über Identität gelaufen ist, wenn die EU die jetzt abschafft, haben wir’s nicht leichter – aber dafür hatten die alten Germanen keine Handys.

6) Tharben, Montag, 09. August 2010, 18:56 Uhr

Herr Spreng, Sie verblüffen mich. Nach Ihrer Geschmacksverirrung, nämlich der Wahl der FDP, würde ich Ihnen fast zutrauen, dass Sie bei nächster Gelegenheit die Linke wählen. Fragen Sie die Herrschaften von der FDP aber vorher noch, wie sie neue und gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen wollen, anstatt 80% der Jobs auf Kosten der eigenen Bevölkerung und anderer Volkswirtschaften unter ALG II-Niveau drücken zu wollen.

Aber vielleicht wissen Sie und die FDP es schon längst. Es muss doch einen Grund haben, dass Sie diese – nun ja – “Partei” gewählt haben und dass sie immer noch auf erstaunliche 4 % in den Umfragen kommt.

7) armerMoldavier, Montag, 09. August 2010, 19:11 Uhr

Sehr geschätzter Spreng,

Wissen wir nicht alle, Sie als Politikberater im Besonderen, dass die Zeiten lausig sind?

Das Industriezeitalter ist Geschichte.

Vollbeschäftigung ist Geschichte.

Wer Arbeit sucht auch eine findet, war immer eine Lüge. Jedenfalls, wenn es sich um eine seriöse Arbeit handelt, die den Mann, Frau, Familie ernährt.

Zu den Fakten:

Wer heute (auch als Akademiker) bis 35 nicht fest im Sattel sitzt, sitzt auf dem Schleudersitz.
Mit allerhöchster Qualifikation und einem guten Netzwerk können sie dem ausweichen.

Aber eben nur dann.

Der politische Wille ist m.E. nach nur auf den sofortigen, eigenen Profit gerichtet.
Mitdenken, vorausschauend handeln und integer sein sind heute keine Wertmaßstäbe mehr.

Arbeiten bis 67? Gerne.

Aber keinen 1 Euro-Job – sondern sozialversicherungsplichtig angestellt.
Biete volle Leistung – erwarte entsprechende Gegenleistung! Basta.

Okay, war nur ein Traum.

Weitermachen (reden) Sigmar.

8) m.spreng, Montag, 09. August 2010, 19:49 Uhr

@Tharben

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich bin nicht prinzipiell gegen die Rente mit 67, sondern gegen die verlogene Argumentation. Die Rente mit 67 ist wahrscheinlich unumgänglich, um die Rentenzahlungen der Zukunft überhaupt noch zu sichern. Die Politik muss allerdings ehrlich argumentieren: sie muss sagen, dass diese Regelung voraussichtlich für Millionen Menschen Rentenkürzungen bedeutet (also weniger als heute erwartet), weil so viele Arbeitsplätze für die Älteren gar nicht geschaffen werden können. Und es sollte Ausnahmeregelungen für Berufsgruppen geben, die ihrer Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen können. Und wenn die Politik das ehrlich sagt, dann kann jeder bei Wahlen darüber abstimmen.

9) mambo, Montag, 09. August 2010, 20:37 Uhr

Fehler einzugestehen und zu revidieren ist nichts anstößiges ,
deshalb ist Herr Gabriel durchaus auf einem richtigen Weg.

Die Rentenkassen wurden übrigens jahrzehntelang für allgemein sozialpolitische Zwecke geplündert,
und damit die Beitragszahler kalt enteignet.
z.B. Fremdrentengesetz ,DDR -Renten ,Kriegsopferversorgung usw.
Es dürfte sich dabei um an die 400 Milliarden Euro ,wenn nicht mehr handeln.
Ein deutlich höherer Bundeszuschuss zur Rentenversicherung wäre so durchaus gerechtfertigt.

Und schließlich müssen endlich die Beamten/Politikerpensionen thematisiert werden,
denn sie werden ausschließlich aus Steuermitteln finanziert und sind somit
Sozialleistungen im eigentlichen Sinne des Wortes.

10) Frank66, Montag, 09. August 2010, 21:03 Uhr

Jede Partei weiß, das die Rentner eine wichtige Wählergruppe sind. Seit Jahrzehnten haben Regierungen vor der Wahl etwas versprochen, was sich danach als schlichte Rentenlüge entpuppt hat. Helmut Schmidt und Norbert Blüm sind nur zwei Prominente Vertreter dieser Spezies. Auch Gerhard Schröder hat diesbezüglich etwas auf dem Kerbholz. Glückwunsch, Herr Spreng, sie haben Gabriel entlarvt. Das ist aber ungefähr so interessant wie ein zerstörter Blumenkübel in Neuenkirchen.

11) Dieter Carstensen, Montag, 09. August 2010, 21:45 Uhr

Man könnte auch einfach sagen:

Nichts Neues bei der SPD, immer noch die alte Mogelpackung!

12) Tim, Dienstag, 10. August 2010, 00:36 Uhr

Spieltheorie, Herr Spreng. Die erste Parei, die so ehrlich ist, verliert die Wahl. Siehe Oskar Lafontaine vs. Helmut Kohl, z.B.

13) Christian S., Dienstag, 10. August 2010, 01:46 Uhr

“weil so viele Arbeitsplätze für die Älteren gar nicht geschaffen werden können.”

Warum? Wer sagt das? Herr Spreng?

14) M.M., Dienstag, 10. August 2010, 02:57 Uhr

Trickser Gabriel? Stimmt. – Verlogen sind aber Alle. Auch die, die am Wochenende die Kreditlinie auf 750 Milliarden erhöhen. Was ist mit den Bankkaufleuten, die im Computer eine neue Milliardenzahl eingeben (muessen) und dann auf Enter drücken und plötzlich ist wieder GELD da. Wer sind denn diese Leute eigentlich? Haben sie einen Namen? – Gabriel ist nur einer von Vielen.

15) Tharben, Dienstag, 10. August 2010, 08:22 Uhr

@m.spreng

Selbstverständlich. Mein Kommentar war auch eher augenzwinkernd gemeint. Ich traue Ihnen natürlich nicht zu, jemals die Linke zu wählen.

Aber sagen Sie doch bitte einmal, wie Sie sich das so vorstellen mit der wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Zukunft der Menschen in Deutschland, Europa und der Welt. Wollen wir weiter mittels Lohndumping und auf Kosten anderer Volkswirtschaften und natürlicher Ressourcen auf Wirtschaftswachstum setzen? Wollen wir daran arbeiten, breite Bevölkerungsschichten zu verarmen? Vielleicht soll das Patentmittel gegen Überbevölkerung globale Verarmung sein? Ich weiß es nicht. Was denken Sie? Schreiben Sie doch einmal einen schönen Eintrag dazu. Ihre Meinung (gar Vision?) würde mich sehr interessieren.

16) Tobias, Dienstag, 10. August 2010, 08:42 Uhr

Hm .. ich kann jedes Kommentar, welches betont, dass sich auch ein Politiker wie Gabriel mal irren kann und nun seinen Fehler eingesteht, nachvollziehen. Allerdings lese ich die Pressemitteilungen und Aussagen von Gabriel so, als hätte er nie etwas anderes gesagt und wäre erst heute morgen beim Kaffee auf diesen Trichter gekommen. Und das ist doch das Verlogene.

Sehr schön auch die neue Argumentation vom Steinbrück .. eigentlich meinen man ja dasselbe, nur eben aus verschiedenen Richtungen. Aha!

Der nächste inhaltliche und personelle Richtungskampf in der SPD ist wohl nur noch eine Sache von Tagen … und schwupps wird das uns Merkel erfreut zur Kenntnis nehmen.

Auf die nun folgende Phrasewerferei der Politkker (zwischen uns passt kein Blatt Papier etc.) freue ich mich schon jetzt …

17) Beate, Dienstag, 10. August 2010, 10:42 Uhr

Im Moment ist es so, dass Güter und Dienstleistungen in 3stelliger Milliardenhöhe ins Ausland verschenkt werden. Niemand glaubt mehr daran, dass die verschuldeten Länder ihrerseits einmal in Zukunft Waren und Dienstleistungen nach Deutschland exportieren werden.

DIE ALLES ENTSCHEIDENDE FRAGE.

Warum Güter und Dienstleistungen weiter verschenken?

Die Rente mit 67 ist Folge einer vollkommen falschen Wirtschaftspolitik und hat weniger mit Demografie zu tun.

Das Max Planck Institut für Demografie hat dazu Vorschläge gemacht. In den skandinavischen Ländern arbeiten die zwischen 20-40jährigen weniger und die älteren mehr.
Schauen sie jetzt auf die Geburtenrate dort.
Das Elterngeld der Skandinavier wurde völlig falsch in Deutschland eingeführt.

http://www.demogr.mpg.de/

und http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/multimedial/mpForschung/2006/heft02/2_06MPF_14_18.pdf

18) Beate, Dienstag, 10. August 2010, 10:58 Uhr

“Ein 45-Jähriger arbeitet heute pro Woche durchschnittlich
30 Stunden, ein 60-Jähriger dagegen nur
acht. Soll die Zahl der durchschnittlich geleisteten Stunden
nicht deutlich sinken, müsste sich dieses Muster
ändern. Modellrechnungen zeigen: Bis 2025 müsste
erreicht werden, dass die 50- bis 60-Jährigen wie die 35-
bis 50-Jährigen etwa 30 Stunden arbeiten und die Arbeitszeit
der 60- bis 65-Jährigen auf 20 Stunden steigt.
Nur dann bliebe der wirtschaftliche Arbeitseinsatz auch
bei einer alternden Erwerbsbevölkerung konstant.”

http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/multimedial/mpForschung/2006/heft02/2_06MPF_14_18.pdf

Wie wird erreicht, dass 60jährige in Zukunft im Durchschnitt 20 Stunden die Woche arbeiten?
Indem man den Menschen die Rente und die Sozialleistungen kürzt, Problemlösung a la Franz, Sinn, Schmidt?

Oder sind staatliche Regularien hierfür besser geeignet, die auf die Unternehmensseite abzielen?

19) genova, Dienstag, 10. August 2010, 12:20 Uhr

Die Analyse ist richtig, die Argumentation einer Rente mit 67 war seitens der SPD verlogen. Was mich allerdings wundert ist, dass die Mehrheit der Menschen GEGEN die Rente mit 67 ist. Ich hätte eher vermutet, dass sie die Argumente (vor allem Demographie) schlucken, zumal fast alle Parteien in dieses Horn stoßen und der Masse die Logik der versteckten Rentenkürzung meines Erachtens nicht so leicht klarzumachen ist.

Die Leute sind dennoch mehrheitlich ganz klar gegen die Heraussetzung des Rentenalters. Warum? Immerhin halten dieselben Wähler Guttenberg für den dollsten Politiker des Landes und haben vergangenen September mit knapp 15 Prozent die Partei mit dem mit Abstand unseriösesten Wahlkampf gewählt.

http://exportabel.wordpress.com

20) Beate, Dienstag, 10. August 2010, 13:26 Uhr

Kennen sie Frau von der Leyens Wildschweintrick.

Im Herbst entscheidet die Lage am deutschen Arbeitsmarkt darüber, wie es mit der Rente mit 67 weitergehen soll.

Sie hat das Project Bürgerarbeit aus dem Ärmel gezogen.

340000 langzeitarbeitlose Ältere konkurrieren ab heute 6 Monate lang um 34000 Bürgerarbeitsplätze.

Na wie sieht die Lage im Herbst dann auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus?

21) Marqu, Dienstag, 10. August 2010, 14:19 Uhr

Sie müssen mal mehr darauf achten was Leute tun und nicht was sie sagen.

War ja die Idee vom Münte. Und jetzt in der Opposition kann Gabriel eh sagen was er will, daraus wird so schnell kein Gesetzt.

22) Erika, Dienstag, 10. August 2010, 14:29 Uhr

Wenn ich mich richtig erinnere, steht in dem Gesetz zur Erhöhung des Renteneintrittsalters eine Überprüfungsklausel. Also mit der Verabschiedung des Gesetzes wurde beschlossen die Machbarkeit des späteren Renteneintrittes noch einmal zu überprüfen.

Dies macht der “Wilderer” Gabriel.

Aber was ist mit denen, die das Gesetz mit dieser Klausel verabschiedet haben und dies jetzt nicht mehr überprüfen wollen. Sind das Trickser, Lügner?? Denn die haben eine Überprüfung mitbeschlossen, wollen aber gar nicht überprüfen.

Also “Wilderer” Gabriel oder “Trickser, Lügner” Steinmeier, Steinbrück, Merkel?

23) Michel, Dienstag, 10. August 2010, 16:35 Uhr

Wenn der „Sprengsatz“ nur mal explodieren würde. Jedem ist klar, wie der deutsche Michel am Ring durch die Manege geführt wird. Die Lobbypolitiker erkennen plötzlich ihren „Fehler“ und rudern eifrig zurück. In der Wirtschaft wird ein solcher Fehler mit dem Rauswurf geahndet, in der Politik mit horrendem Salär bedacht. Zum Glück werden die politisch motivierten Nichtwähler die größte politische Kraft im Lande. Eine Legimitation des Volkes besitzen diese Politiker schon heute nicht mehr. Gute Nacht, Deutschland!

„Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.“
(Marcus Tullius Cicero)

Michel

24) Miwalla, Dienstag, 10. August 2010, 16:44 Uhr

@m.spreng,

Sie verwirren mich. Entweder Sie sind für die Rente mit 67, dann sollten Sie aber auch sagen wo die Arbeitsplätze herkommen. Oder Sie sagen es gibt diese Arbeitsplätze nicht, dann macht aber auch die Rente mit 67 keinen Sinn. Wovon sollen denn die Menschen in den zwei Jahren zwischen 65 und 67 leben.
Wenn es jedoch darum geht, den Rentnern die Rente zu kürzen, dann kann man das auch mit einem Eintrittsalter von 65 oder 63.
Deshalb: Das Problem mit den Renten ist kein demografisches sondern ausschließlich ein Verteilungsproblem. Die Gesellschaft entscheidet darüber wieviel Sie den Rentnern zugestehen will. Die Rentenversicherung nennt sich zwar Versicherung, ist defacto aber keine.
Darum muß mit einem Klischee Schluss sein – Die Rentner überfordern die junge Generation. Dazu einige Zahlen: Der Summe der Auszahlung der DRV an Rentner betrug im Jahr 2000 12,46% im Verhältnis zum Volkseinkommen der Bundesrepublik, 2002 12,82%, 2004 12,62% und sank seit dem kontinuierlich auf 11,5% im Jahr 2008. Erst 2009 stieg der Anteil wieder auf sage und schreibe 12,3%. Und das auch nur krisenbedingt.
Die Aussage, dass die Rentner immer mehr vom Kuchen abkriegen, kann damit in das Reich der Märchen verbannt werden.
Im Gegenteil, der Anteil der Rentenzahlungen beträgt seit Jahren ca. 12% am Volkseinkommen. Und das trotz eines steigenden Anteilsder Rentner an der Gesamtbevölkerung.
Quellen: http://www.deutscherentenversicherung.de; http://www.destatis.de (Statistische Bundesamt)

25) Doktor Hong, Dienstag, 10. August 2010, 18:36 Uhr

@Michel

Schönes Zitat von Cicero. Vermutlich hat man sich im alten Rom öfter daran gehalten als es zu missachten. Anders ist es nicht zu erklären, dass dieses Staatswesen erst nach gut 1000 Jahren aus der Geschichte verschwand. Komischerweise war zum Zeitpunkt des Zerfalls des römischen Reiches Korruption gang und gäbe.

Dem ist nur noch hinzuzufügen: Iustitia est fundamentum regnorum. – Gerechtigkeit ist das Fundament der Staaten.

Als deutscher Staatsmann steht man natürlich über sowas. Da kann man hemmungslos Klientelpolitik machen und große Bevölkerungsgruppen krass benachteiligen, ohne negative Folgen für den sozialen Zusammenhalt befürchten zu müssen. Und falls diese doch auftreten, dann gibt es immerhin genügend Migranten, denen man die Schuld daran geben kann.

26) Doktor Hong, Dienstag, 10. August 2010, 19:11 Uhr

Das man “Fehler einsehen” kann, lasse ich im Falle Gabriel nicht gelten. Als Parlamentarier hat man zu begreifen, dass die Frage der Renten ebenso wie die Frage des Gesundheitssystems eine Verteilungsfrage ist, und wie alle Verteilungsfragen sehr schwierig zu lösen ist.

Da muss schon mehr kommen als das Gebrabbel vom “Markt”.

27) deraxel, Dienstag, 10. August 2010, 23:33 Uhr

Dank sehr langer Übergangsregelung trifft die Rente mit 67 doch erst Leute ab GebJahr ca. 1970. Noch 20Jahre Demografischer Effekt und Fachkräftemangel gepaart mit medizinischen Fortschritt und wir werden alle erleben dass die Arbeitnehmer erst mit 70 in Rente gehen!

28) Rhein Sieg, Mittwoch, 11. August 2010, 09:46 Uhr

Wolfgang Lieb über die Rente mit 67:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=6447#more-6447

29) Rhein Sieg, Mittwoch, 11. August 2010, 12:16 Uhr

Michael Hüther vom arbeitgebernahen “Institut für Wirtschaft” fordert übrigens jetzt schon ernsthaft die Rente mit 70. Vielleicht sollte Hüther lieber so ehrlich sein, zu sagen, dass er die Rente am liebsten ganz abschaffen würde.

30) Chat Atkins, Mittwoch, 11. August 2010, 14:00 Uhr

Wie dreist aber ist dann erst der Vorstoß der Vereinigten Unternehmerschaft, die jetzt eine Rente mit 70 fordert, wohlwissend, dass die Menschen dann weiterhin spätestens mit 60 ausgegliedert und den Sozialversicherungen zur Last fallen werden, weil bei einer zehnjähriger Kürzung des Rentenanspruchs die allermeisten Renten hinten und vorn nicht mehr reichen?

31) Cato, Donnerstag, 12. August 2010, 08:54 Uhr

Rente mit 67? Nein, Rente mit 76 oder 80!!! Die erlebt dann fast keiner mehr und mit dem Geld
kann dann der Staat besser “militärische Erfordernisse” weltweit erledigen.
Diese Oligarchie führt somit die Leibeigenschaft wieder ein.
Willkommen im Mittelalter.

32) marcpool, Freitag, 13. August 2010, 08:18 Uhr

Da hängt noch mehr als diese ” Wildsau ” auf Gabriels Schulter. Ergebnis einer Zeit wo sich die SPD hat hinreissen lassen, Kompromisse- wo sie sich hat verbiegen lassen . Müntes Erbe eben . Die Macher dieser Rentenkürzung haben ja schliesslich auch nicht das Problem einer Minirente. Sie sind wie stets und immer gut versorgt – mindestens 13 mal im Jahr eine weich gepolsterte Pension.

33) Michel, Montag, 16. August 2010, 09:04 Uhr

Wer sich der Debatte „Rente mit 70“ auch nur unterstützend anschließt, der sollte mir erstmal erklären, warum das bisherige staatliche Rentensystem in dem Zustand ist, wie es ist.
Warum und mit welchem Recht werden hier Milliarden für sachfremde Zwecke abgezweigt?
Nach Georg Schramm funktioniert das Rentensystem in der Schweiz recht zufrieden stellend, in das jeder, aber auch jeder einzahlt. Ohne Kappungsgrenze entsprechen aller seiner Einkünfte. Festlegung einer Mindest- und Maximalrente.
Aber da kommt man ja der privaten Versicherung in die Quere.

Dazu muss man wissen, dass Raffelhüschen sehr engagiert den Umbau des Rentensystems hin zu mehr Privatvorsorge fordert und fördert; er hat in der Rürup-Kommission zur Reform der sozialen Sicherungssysteme mitgewirkt und ist Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO-Versicherungsgruppe. (A. Müller) – NDS.

Die Mafia gilt allgemein als Synonym für die organisierte Kriminalität.
In Deutschland werden dafür Gesetze von durch euch gewählte Volksvertreter verabschiedet.

Michel (Dtld)

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