Montag, 23. August 2010, 08:04 Uhr

Kein Ausländerwahlkampf

Bevor CDU/CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber mich im Januar 2002 zu seinem Wahlkampfmanager berief, sprachen wir zwei Stunden lang in seinem Büro über Themen, Strategie und Personal der Kampagne. Dabei stellte ich eine einzige politische Bedingung: Kein Ausländerwahlkampf. Keine Zuspitzung der Themen Zuwanderung, Integration und Staatsbürgerschaft. Falls er dies vorhabe, wolle und könne ich den Job nicht übernehmen. Das widerspreche meinen Prinzipien.

Stoiber reagierte etwas verblüfft, versprach mir dann aber, die Ausländerpolitik nicht zum polarisierenden Wahlkampfthema zu machen. Unserer Handschlag-Vereinbarung stand daraufhin nichts mehr im Wege. Und Stoiber hielt sich bis zum Ende des Wahlkampfes an seine Zusage – auch als es eng in den Umfragen wurde.

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11 Kommentare

1) buba, Montag, 23. August 2010, 14:01 Uhr

Könnten Sie erläutern, welchen Ihrer Prinzipen ein “Ausländerwahlkampf” widerspricht? Oder was den Unterschied zu sämtlichen (Sie schreiben, daß Sie nur diese eine Bedingung gestellt haben) anderen Wahlkampfthemen ausmacht? Habe schon sehr häufig gelesen, daß sich “sowas nicht gehört”, aber noch nie eine vernünftige Begründung dazu.
MfG

2) m.spreng, Montag, 23. August 2010, 15:19 Uhr

@buba

Ausländerwahlkampf heißt, Themen wie Einwanderung, doppelte Staatsbürgerschaft, Ausländerkriminalität polarisierend und aufhetzend zuzuspitzen, um dumpfe Ressentiments zu wecken und so am rechten Rand Wählerstimmen zu fischen – so wie Roland Koch zweimal gemacht hat. Das hätte ich auf keinen Fall mitgemacht.

3) Christoph, Montag, 23. August 2010, 19:20 Uhr

Roland Koch hat Wahlen gewonnen, die letzte zwar äußererst knapp, aber gewonnen. Edmund Stoiber hatte die Wahl zum Bundestag verlohren.

4) cupsurfer, Dienstag, 24. August 2010, 06:37 Uhr

@Christoph

Das ist warscheinlich eines der goessten Probleme von Prinzipien; Sie fuehren nicht immer zu (augenscheinlich) optimalen Ergebnissen.Aber man kann sich immerhin danach noch im Spiegel anschauen.

5) manuel woltmann, Dienstag, 24. August 2010, 06:57 Uhr

@Christoph

Wahlen gewinnen -wie schmutzig auch immer dies zugeht – ? Pfui

6) m.spreng, Dienstag, 24. August 2010, 08:37 Uhr

@christoph

Nur zur Erinnerung: Koch hat mit seiner Kampagne gegen jugendliche kriminelle Ausländer die Wahl 2008 verloren. Gewonnen hat er 2009, nachdem er plötzlich wieder Kreide gefressen hatte – und das auch nur mithilfe des FDP-Ergebnisses.

7) Curacao, Dienstag, 24. August 2010, 19:21 Uhr

Außerdem ist Hessen nicht Deutschland, sondern ist ein Land mit wesentlich höherem Pro-Kopf-Einkommen – und damit größeren Ängsten in der Wählerschaft.

8) Benjamin Marx, Mittwoch, 25. August 2010, 02:22 Uhr

Herr Spreng,
ich verstehe das also richtig? Sie schreiben diesen Blog voll, tun so, als ob Geplänkel zwischen den Parteien, etc. das Nonplusultra wäre, und geben ganz offen zu, dass Sie eines der wichtigsten Themen überhaupt der letzten Jahrzehnte (im Zusammenhang mit anderen, wie dem auf diese Selbsthass und Kotaupose gegen alles was Nichtdeutsche aufbauenden desolaten Zustand Deutschlands) ausdrücklich verneint haben?

Das ist jetzt nicht als Kompliment gemeint: So einer wie Sie würde heute auch wieder glänzende Karriere als Journalist machen, politisch korrekt bis zum geht nicht mehr. Und wenn dann über einen besoffenen FJS geschrieben wird, kommt man sich kritisch vor. Unglaublich….

Da schämt man sich wirklich, Deutscher zu sein. Ihre Begründung hängt nach viel Palaver sicher wieder mit der dunklen Geschichte und Hitler zusammen. Aber da sieht man auch, was Stoiber wirklich wert war, nämlich gar nichts. Es ist wirklich nicht zu fassen.

9) Benjamin Marx, Mittwoch, 25. August 2010, 09:52 Uhr

Wer kritisiert, sollte richtig schreiben: Der Satz in Klammern muss lauten “im Zusammenhang mit anderen, auf diesem Selbsthass und Kotau gegenüber allem Nichtdeutschen aufbauenden, desolaten Zustand Deutschlands.

Der Rest bleibt stehen. Warum wanden Sie nicht aus?

10) jbs, Mittwoch, 25. August 2010, 12:59 Uhr

@Benjamin Marx

Wenn ich mal eben Herrn Spreng zitieren darf: “…polarisierend und aufhetzend zuzuspitzen, um dumpfe Ressentiments zu wecken und so am rechten Rand Wählerstimmen zu fischen”

Das ist für mich ein Unterschied zu einer offenen Diskussion über die Themen.

Falls sie weiteres Material für ihre in meiner Sicht verkärende Arugementation brauchen, dann lesen Sie doch das neue Buch von Thilo Sarrazin.

11) christoph, Mittwoch, 25. August 2010, 15:00 Uhr

@ b. marx:
früher sagten leute wie sie: „geh’ doch nach drüben”. das klang auch nicht wesentlich schlauer als ihr eigentümliches gewschwurbel. ich schäme mich überhaupt nicht deutscher zu sein. aber fremdschämen tue ich mich schon – wenn ich lese, was sie schreiben.

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