Dienstag, 31. August 2010, 13:02 Uhr

Bekenntnis zu Sarrazin

Die öffentliche Diskussion ist angesichts der Aufregung um Thilo Sarrazin über den Skandal im Skandal allzu schnell hinweggegangen: die unkritischen Vorabdrucke in BILD und im „Spiegel“. Vorabdrucke von politischen Sachbüchern (ein merkwürdiger Name für das Sarrazin-Buch) sind ein Statement, ein Bekenntnis. Der Leser muss davon ausgehen, dass sich sein Blatt mit dem Buch identifiziert, dass es zumindest die darin vertretenen Ansichten für diskussionswürdig und diskussionsnotwendig erachtet.

Dieses Bekenntnis gewinnt an Bedeutung, wenn das Buch nicht kritisch begleitet wird, wenn der Autor wie in BILD als „Klartext“-Autor apostrophiert wird oder wenn, wie im Fall „Spiegel“,  die Kritik erst eine Woche später nachgeliefert wird.

Damit stehen die beiden Blätter auf einer Stufe (schön für BILD), müssen sich gefallen lassen, auch für Sarrazins völkische Genetik in Haftung genommen zu werden, auch für seine absurde und gefährliche These, genetisch unintelligente Muslime, die sich rasend fortplanzen, schafften Deutschland als Land der Deutschen ab. Und für die Folgen. Ohne die beiden spektakulären Vorabdrucke wäre der Aufmerksamkeitspegel nicht über Normalmaß gestiegen: Sarrazins Buch wäre ohne sie nicht über den Zweispalter im Politikteil oder im Feuilleton hinausgekommen, Sarazin hätte sein Buch nicht vor 250, sondern vor maximal 50 Journalisten vorgestellt, er wäre nicht die Spitzenmeldung aller TV-Nachrichten geworden.

BILD und „Spiegel“ haben, wie es neudeutsch heißt, Sarrazins Buch gehypt, haben sich bereitwillig in das Vermarktungskonzept des Verlages eingefügt. Es wäre interessant zu wissen, ob die vertragliche Regelung mit Sarrazin und dem Verlag über den Vorabdruck eine begleitende kritische Berichterstattung verboten hatte. Und es wäre interessant zu wissen, ob diese Fragen in den Redaktionskonferenzen der beiden Blätter kritisch diskutiert wurden und werden.

Es ist für mich leicht, zu behaupten, als Chefredakteur hätte ich einen Vorabdruck des Sarrazin-Buches abgelehnt. Denn ich bin ja schon lange keiner mehr. Aber ich hätte es nicht vorabgedruckt. Wie ich die Diskussion sehe, habe ich aber schon vor 25 Jahren als Chefredakteur des „Express“ in Köln demonstriert. Damals initiierte ich eine Serie unter dem Titel „Mein Freund ist Türke“ – begleitet von Buttons und Autoaufklebern mit der Aufschrift „Mein Freund ist Türke“. 14 Tage lang wurden viele Beispiele gelungener Integration und deutsch-türkischer Freundschaften geschildert – von den Arbeitern bei Ford, die Hand in Hand arbeiten, über den Gemüsehändler und die alte Dame bis zu den Schulfreunden.

Auch heute noch halte ich solche Veröffentlichungen für sinnvoller als Vorabdrucke eines Buches, das die Spaltung der Gesellschaft verschärft, das zur Desintegration statt zur Integration führt.

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88 Kommentare

1) kamikaze, Mittwoch, 01. September 2010, 18:21 Uhr

Jedes Volk ist mehr oder weniger „xenophob“. Man nenne mir eines, das seit Jahrhunderten „xenophil“ ist und noch in einem eigenen Staat existiert und dort etwas zu melden hat.

2) Sven Glückspilz, Mittwoch, 01. September 2010, 18:25 Uhr

„Das deutsche Volk steht mehrheitlich hinter Sarrazin und es ist eine Schande wie das Volk Tag für Tag verarscht wird.“

Das ist die Denkweise, die immer mehr aus den Kommentaren im Internet hervorbricht. Sie fängt an, sich deutlicher zu artikulieren.

„Das deutsche Volk“ wird reklamiert – nicht die Menschen in diesem Land, sondern die schillernden Bezeichnungen „deutsch“ und „Volk“ werden bemüht. Wer ist denn damit gemeint, verehrter Mario W.? Wer ist denn bei Ihnen noch deutsch? Die korrekte Beherrschung der deutschen Sprache ist ja offenbar nicht das Kriterium, ob jemand dazu gehört oder draußen bleibt. Wichtig ist ja nur, dass die Migranten zu Deutschkursen verpflichtet werden.

Die Behauptung, eine Mehrheit stünde hinter Sarrazin, diese Behauptung erledigt sich doch von selbst, wenn man das, hinter dem diese Mehrheit zu stehen vorgibt, sich These für These anschaut. Ich möchte nicht wissen, wie schnell sich Sarrazin von seinen Claqueuren distanziert, die NPD hat damit ja schon angefangen. Was soll es denn mehr sein, als ein diffuses Gefühl der Angst vor dem Fremden, vor dem Islam und vor allem vor dem, was Mario W. als „Tag für Tag verarscht“ werden bezeichnet. Dahinter steckt die Angst vor einer immer komplexeren Welt, das Unterständnis, dass gesellschaftliche, persönliche, politische und andere Probleme nicht auf die schlichte Weise gelöst werden können, wie das der Stammtisch und die immer wieder auftauchenden (und zum Glück wieder abtauchenden) Demagogen behaupten. Die Welt ist komplex, die Grenzen zwischen den Ländern, die Abgrenzung nach Nationen – die es ja bezogen auf die gesamte Menschheitsgeschichte auch nur einen Moment lang gegeben hat – sind faktisch und unwiderruflich aufgebrochen. Notleidende Südosteuropäer lassen sich auf Dauer genauso wenig in ihren Herkunftsregionen aufhalten, wie man Afrikaner an der Grenze zu Europa stoppen kann. Mit dem Islam kann man sich nur inhaltlich auseinandersetzen. Und Außereinandersetzungen können – zumindest hierzulande haben wir es im Griff – nur auf demokratische Weise geführt werden. Und das ist nun einmal ein mühsames Geschäft. Wir müssen nicht den Gröfaz bemühen, auch nicht den Sarrazin in irgendwelche Nähen rücken, jedoch: Laßt Euch nicht von den Wilders und Heiders dieser Welt einreden, dass sie die einfache Lösung all Eurer Ängste bieten.

3) Maren P., Mittwoch, 01. September 2010, 19:04 Uhr

@ Mario W.

Ihre „Ode an Thilo“ (so nenne ich den Beitrag) ist so anbiedernd wie dümmlich. So stelle ich mir einen NPD-Funktionär vor, der dunkel raunend und murmelnd versucht, aus seinem 1,5%-Splitter zu kommen. DEN Beifall gönne ich Thilo Sarrazin. *grins*

Dazu passt der von sk8erBLN genannte Bericht von Norbert Blome in Bild. Ich lese die nicht, weder als Print noch online. Hätte also den Artikel ignoriert, wie andere Nicht-Leser auch. Aber dadurch, dass in Blogs und Foren alles mögliche verlinkt wird und dazu die Journalisten sich auch noch ständig gegenseitig zitieren, vervielfältigt sich solch geistiger Dünnpfiff natürlich unendlich. Damit wird man dann meistzitiertes Medium, was wieder bei Anzeigenkunden Umsatz generiert.

4) Doktor Hong, Mittwoch, 01. September 2010, 19:25 Uhr

Was bedeutet eigentlich genau die Aussage, „Intelligenz sei zu 50-80% erblich“ ?

Bedeutet das, dass die Kinder am Anfang 50-80% des mittleren IQ der Eltern haben, und dann während des Lebens durch Umwelteinflüsse kumulativ IQ-Punkte draufsatteln? Sind dann drei Leute mit IQ 80, die kumulativ einen IQ von 240 haben, schlauer als ein hochbegabter Wissenschaftler mit einem IQ von 180?

Bedeutet das, dass es eine 50-80-prozentige Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Kind hinterher den mittleren IQ seiner Eltern hat? Aber wenn die Chance genauso gut wie bei einem Münzwurf steht, was für eine Tragkraft hat dann eine solche Aussage? Sind die IQs von Kindern gaußverteilt um den mittleren IQ der Eltern? Was für eine Korrelation besteht da? Hat man da nur eine einfache Regressionsrechnung durchgeführt? Wie misst man den Umwelteinfluss auf die Entwicklung des IQ?

Ist es vernünftiger, sich von einem hochspezialisierten Neurochirurgen mit IQ 100 operieren lassen oder von einem hochbegabten Informatiker mit IQ 150, wenn man einen Hirntumor hat?

Vielleicht kann das ja jemand schlüssig erklären. Ich jedenfalls verstehe die substanzielle Bedeutung der Aussage nicht.

Klar ist natürlich die politische Intention derselben, nämlich die üble Diffamierung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Aber vielleicht kann mir ja einer derjenigen, die Sarrazin als sachlichen Kritiker darstellen, erklären, was genau die mathematische und kognitiv-psychologische Bedeutung jener Aussage ist.

5) Recht Unbedeutend, Mittwoch, 01. September 2010, 21:45 Uhr

Das Positive sollte nicht unter den Tisch fallen. Die negative Entwicklung ist allerdings unverkennbar. Wenn man im Interesse der wünschenswerten Zukunftsentwicklung die Wahrheit verschweigen muß, dann ist man vom demokratischen Gedanken weit entfernt. Und wenn die Politik nicht begreift, daß das Volk sich nicht abschaffen lassen will, wird sie selbst abgeschafft werden. Spätestens von den Undemokratischen, Nichtzeitungslesenden Kohorten des Jahres 2050. Ich werde dann mutmaßlich noch am Leben sein, und ich habe keine Lust darauf. So einfach isses…

6) Stefan Schulz, Mittwoch, 01. September 2010, 22:22 Uhr

Also man kann die Probleme, die Sarrazin thematisiert, leider weder mit einem Button noch mit einer vierzehntägigen Medienkampagne lösen. Zumindestens in Berlin.

Und leider ist es offensichtlich, dass Sarrazin – nur um seines Honorars willen – blanken Unsinn quatscht (Stichwort: Hype). Denn die Probleme sind – leider – wirklich drückend vorhanden. Wer das bestreitet, kennt zumindestens Berlin nicht.

7) Mario W., Donnerstag, 02. September 2010, 03:00 Uhr

Ok dann werde ich mal genauer erläutern was ich mit meinen Aussagen meine, sprich ich werde meine Sätze ein wenig ausschroten. Ich diskutiere wirklich gern, besonders wenn die Themen so wichtig sind.

„Das deutsche Volk“
Selbstverständlich sind hier alle Bürger des Landes mit inbegriffen, welche sich als Deutsche verstehen, das bedeutet sie identifizieren sich als Deutsche. Dies betrifft auch gut integrierte Mitbürger, gegen die übrigens niemand etwas hat!

Herr Sven „Glückspilz“ Sie machen es sich etwas leicht, mir vorzuwerfen ich hätte angst vor dem Komplexen, was in naher Zukunft unausweichlich auf uns zukommt. Sie werfen mir vor ich würde nicht verstehen, dass eine Lösung eines Problems in Gesellschaft und Politik ein langwieriger, komplexer und schwieriger Prozess ist.
Dies stimmt definitiv nicht.

These: Das deutsche Volk wird verarscht?!
Nun ich werde es mal so formulieren:
Durch das Wählen einer Partei, welche explizite Versprechungen gemacht hat , wobei Versprechen bedeutet,
dass man dem Volk Brief und Siegel gibt etwas durchzusetzen, (Zitat: wenn wir an der Macht sind dann passiert dies und dies)
erhoft sich das Volk Veränderungen und ein zielstrebiges Erfüllen dieser Versprechen, was definitiv nicht passiert oder gar das Gegenteil eintritt.

Wenn zum Beispiel in den Komunen das Geld fehlt und die Diäten erhöht werden, wenn Vetternwirtschaft betrieben wird, wenn die Interessen des Volkes ignoriert werden usw. bekommt der Bürger einen „leichten“ Eindruck von Verarschung, oder nicht?
Am Beispiel Serrazin kann man die Verarschung so deutlich machen; Wenn 90% bei repräsentativen Umfragen hinter Serrazin stehen, dann kann man davon ausgehen, dass ein Großteil des Volkes auf seiner Seite steht.
Serrazin steht also stellvertretend für die Bevölkerung, bzw. ist ein Sprachrohr. Wenn er nun für DUMM und als NAZI verkauft wird, sei es von manchen staatlich oder privaten Medien, Politikern oder Kritikern dann fällt das auch auf das Volk zurück.
Ihre Probleme werden mit rosaroter Brille beschönigt und für bedeutungslos erklärt, wie es Arnulf Baring in „hart aber fair“ treffend darlegte. Arnulf Baring überzeugte in dieser Sendung überragend, dieser Mann genießt bei mir höchstes Ansehen.

Ich rede nicht sinnlos die Meinung des Mainstreams nach, sondern habe klar meine eigene Meinung zu dem ganzen Theater. Und ich habe keine angst vor dem Unbekannten oder Komplexen, nein mit nur ein klein wenig Phantasie kann sich jeder ausmalen was auf uns zukommt, wenn es so weiter geht. Dazu bedarf es auch nur eines kleinen Spaziergangs durch Berlin – Kreuzberg.

Übrigens… Immer mit dem dämlich NPD Totschlagargument zu kommen ist albern, ich wünschte diese Partei gäbe es nicht, dann müsste man sich nämlich nicht immer davon distanzieren.

Ich finde die Debatte gut, welche Herr Sarrazin angestoßen hat, da es sich um ein Thema handelt, welches in Deutschland schon viel zu lange vor sich hergeschoben wird. Dem Herrn Sarrazin wird oft und gern vorgeworfen das er „alle über einen Kamm schert“. Er beschäftigt sich mit Statistiken und kann mit Zahlen gut umgehen. Und bei einer Statistik gibt es immer Ausnahmen (Menschen die sich ebend anders verhalten). Dies erwähnte er aber ziehmlich oft und sprach z.B. vom Großteil einer Gruppe.
Ich habe übrigens Immigranten als Freunde, mit denen ich diskutiert habe und welche selbst behaupten, das Immigration hauptsächlich eine Holschuld ist. Wobei sich in Deutschland niemand beschweren kann, dass wir unserer Bringschuld nicht nachkommen.

Sarrazin hat den Finger in der Wunde und viele nehemen dies nicht objektiv, sondern subjektiv und proklamieren Rassismus.

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Doktor Hong hat sehr interessante Denkanstöße aufgeschrieben. Ist Intelligenz erblich ? Wie ist sie erblich? Sarrazin bezieht sich auf Quellen, welche von 50 % – 80 % sprechen?! usw.. ist dies alles überhaupt nachweisbar?
Zuerst sei gesagt, dass sowohl Vererbung als auch Umfeld eine Rolle spielen. Sarrazin meinte, dass die Behauptung mit dem jüdischen Gen inhaltlicher Schwachsinn sind (er meinte aber nicht falsch) da sie in keinem Zusammenhang mit dem Buch stehen. Das ein Volk Gengemeinsamkeiten hat ist ja wohl klar oder?

Ich dächte ich hätte mal gelesen, dass bei den Zahlen 50-80% die Grundeigenschaften der Eltern wiedergespiegelt werden. Das restliche Intelligenzpotential wird hierbei individuell bei der Entstehung des Babys selbst entwickelt.

Das Potential zur Intelligenz wird also zu 50-80% vererbt, ob dieses Potential genutzt werden kann, ist abhängig von den ersten Lebensjahren, bzw. der Förderung in dieser Zeit.
Sicher kann man Intelligenz fördern, aber man kann nicht mehr herausholen, als drin ist.
Wie Sarrazin sagte fördert ein Schule ALLE Kinder, jedoch werden bei der Förderung die Unterschiede deutlich herauskristallisiert.

Herr Marlen P. … geistiger Dünnpfiff? NPD Funktionär? 1,5% Splitter? wenn hier etwas ärmlich oder dümmlich ist dann doch wohl diese Beschuldigungen. Haben Sie die Thesen verfolgt? Haben Sie seine Statements angehört ? Beckmann, hartaberfair usw. oder haben Sie gar sein Buch schon gelesen? Haben sie sich mit diesem Thema schon beschäftigt? Wenn ja dann bringen Sie Gegenargumente und beleidigen und beschuldigen Sie nicht ungerechtfertigt.

Ich habe mir nur vorzuwerfen, dass ich mich im ersten Beitrag nicht klar genug ausgedrückt habe, und dass ich zu oft Thilo schrieb, als wäre es ein „Stammtischkumpel“ von nebenan … Der erste Beitrag war wohl etwas zu übereilt geschrieben. Das Sie übrigens Bild ignorieren ist lobenswert, wobei man durch pure Ignoranz keinen Blumentopf gewinnt. Ich lese gelegentlich Bild mache mir meine eigenen Gedanken zum Artikel, lese jedoch bspw. ebenso viel Bildblog.de

8) Spontaner, Donnerstag, 02. September 2010, 03:31 Uhr

Manchmal schäme ich mich hier, in Deutschland, zu leben. Im Moment ganz besonders!
Das tut mir alles so leid und es macht mich so traurig….

9) Frank66, Donnerstag, 02. September 2010, 07:51 Uhr

@ Maren P.

Genauso funktioniert es. Die Verlage kämpfen ums Überleben und ihnen ist jedes Mittel recht die Auflage zu steigern. Der Kommentar von Nikolaus Blome auf Bild-online ist voller Berechnung und zielt nur darauf ab, durch Zitierung und Verlinkung die Aufrufe der Seite zu steigern.
Und unfassbar, es funktioniert sogar! Wir besorgen ungewollt deren Geschäft mit.
Wirklich enttäuscht bin ich aber vom Spiegel. War ich schon irritiert als ich vor 14-Tagen die Anzeige der Energieversorger dort lesen musste, hat mich der Vorabdruck des ominösen Buches, dessen Autor und Titel ich nicht mehr nennen möchte, schockiert.
Ich muss mir schwer überlegen, ob ich nicht mein Abo kündige.

10) Ferdinand Hayek, Donnerstag, 02. September 2010, 08:41 Uhr

m.spreng, Dienstag, 31. August 2010, 13:44 Uhr @wolfgang Schäfer
„Dass es muslimische und andere Zuwanderer gibt, die sich weigern, Deutsch zu lernen und die Integration verweigern, ist doch unbestritten. Darüber hat aber Sarrazin kein Buch geschrieben, sondern er hat dieses Problem mit einer völkischen Genetik, mit einer Rasse- und Kulturtheorie verknüpft, die ihn aus dem Kreis der ernstzunehmenden Diskutanten katapultiert.“

Sie haben das Buch doch gar nicht gelesen. Sie plappern nur noch was die Mainstreammedien so verzapfen.
Ich hab‘ mir ihre Blogeinträge mal durchgelesen. Sie sind unglaublich links geworden über die letzten Jahre. Sie meinen wie Merkel, dass man nur weit genug nach links rücken muss, um den anderen linken Parteien das Wasser abzugraben. Was für eine absurde Strategie. Sie führt nur dazu, dass es wirklich bald eine seriöse sechste Partei in Deutschland geben wird. Ihr Beitrag zu diesem Thema strotzt nur so vor Beleidigungen. Da muss der Schiss aber gewaltig sein. Recht so.
Je früher abgehobene Realitätsverweigerer wie sie keine Macht mehr haben, desto besser.

11) Immanuel Scheerer, Donnerstag, 02. September 2010, 08:48 Uhr

@Jojo: Da Sie mich offensichtlich zur Mehrheit der Masse zählen, die Herrn Sprengs Artikel nicht versteht, bitte ich Sie, hierzu mal Stellung zu beziehen:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/sprachmanipulation-mit-provokation-und-kopftuch/

@Spreng: Ich bin sehr froh, dass es noch integere Menschen wie Sie auf dieser Welt gibt, die sich sachlich mit Herrn Sarrazin auseinandersetzen können. Nicht wie z.B. die Kritiker Sarrazins in der Sendung „Beckmann“ am Montagabend:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/der-nicht-provokateur/

12) sk8erBLN, Donnerstag, 02. September 2010, 09:52 Uhr

@ Doktor Hong, Mittwoch, 01. September 2010, 19:25 Uhr

„Was bedeutet eigentlich genau die Aussage, “Intelligenz sei zu 50-80% erblich” ?“

Dazu die professorin elsbeth stern, auf die sich sarrazin mit seiner kruden these beruft:

„Mit seinem mehrfach wiederholten satz, ‚intelligenz ist zu 50-80 % erblich‘ zeigt thilo sarrazin, dass er grundlegendes über erblichkeit und intelligenz _nicht_ verstanden hat.

Aus erblichkeit und fertilität im dreisatz auf eine drohende verdummung zu schließen, wie thilo sarrazin es tut, ist mit einer komplexen anlage wie intelligenz schlicht nicht möglich und ignoriert zudem die vielfältigen sozialen einflüsse. Es wird zu keinem einbruch des durchschnitts-iq in deutschland kommen, wenn menschen, die sich in der unteren hälfte der intelligenzverteilung befinden, mehr kinder haben“
nachzulesen in der heute erschienenen ausgabe der zeit.

Vernichtender kann die kritik kaum ausfallen.

Aber wir wissen ja längst wie der möchtegern hobby-eugeniker sich seine zahlen zurechtbastelt auch wenn er keinerlei faktengrundlage dafür hat:
„Wenn man aber keine Zahl hat, erklärte Sarrazin dem Reporter weiter, muss »man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch«. Danke dafür. Hier zeigt das, was wir derzeit »Debatte« nennen, wenigstens einmal seine erschreckende Fratze. “

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/33007

13) Benjamin, Donnerstag, 02. September 2010, 11:21 Uhr

Die Sarrazin-Einladungen lohnen sich nebenbei bemerkt auch für die diversen Talksendungen: Beckmann und nun auch Plasberg hatten sehr gute Quoten, was freilich wenig verwundert. Wenn es brennt, schauen viele zu – und diverse dumpfe Kommentare in Blogs und Foren gießen Öl zusätzlich ins Feuer. Dass sich Elsbeth Stern, auf die sich Sarrazin berief, missverstanden fühlt und eine Klarstellung in der FAZ abgab, stört den Genetik-Guru Sarrazin freilich nicht. Ich wünsche denjenigen, die sich eine 20 % Rechtspartei ersehen, viel Vergnügen mit dem „Charismatiker“ Sarrazin als neue Leitfigur.

14) Sprachsynthese, Donnerstag, 02. September 2010, 11:33 Uhr

@Wolfgang Schäfer

Unreflektiertes Geschimpfe über Dinge, die der Boulevard gerade im Angebot hat, bei völligem Desinteresse an deren Wahrheitsgehalt, ist für mich Stammtischgehabe. Sarrazin selbst betreibt nichts anderes, allerdings hat er das größere Publikum.

>>
>>wir diskutieren nicht über Einzelfälle sondern über ein massenhaftes Phänomen – zu besichtigen in >>Berlin, Hamburg, Köln …
>>

Ja, ebenso wie Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit, Wohnungsmangel und die Schere zwischen Arm und Reich. Ich bitte Sie, es ist doch eine Binsenweisheit, dass soziale Probleme in Großstädten vermehrt auftreten. Das macht aber noch längst nicht jedes davon zu einem deutschlandweiten oder gar „gesamtgesellschaftlichen“ Problem.

15) michael, Donnerstag, 02. September 2010, 11:55 Uhr

der einzige kommentar, der hier eine wirkliche aussage für mich beinhaltet, ist folgender:

„marcpool, Mittwoch, 01. September 2010, 12:31 Uhr“

ich bin nicht so sehr über die aussagen thilo sarrazins schockiert, sondern eher über die tendenzen die die befürworter an den tag legen, und wenn ich mir die internetblogs anschaue, scheinen dass nicht wenige zu sein. das macht mir angst und nicht die sog. überfremdung die die ewig unzufriedenen in ihrer eigenen kleinen welt sehen! integration benötigt immer zwei seiten die aufeinander zugehen. und da muss ich mir als deutscher auch selbst an die nase fassen. ich empfehle jedem meckerer, einmal mit sog. ausländern ein amt aufzusuchen und diesen dschungel zu bewältigen. ich empfehle jedem lästerer über hartz4 beiträge, selbst von approx 300 EUR/monat zu leben und ich empfehle jedem stänkerer selbst zu versuchen sich im ausland zu integrieren oder einmal international zu arbeiten…

hätte man diesem mann nicht die PR geboten, die er nun hat, wäre dieses buch und diese diskussion sicher in der bedeutungslosigkeit verschwunden.

16) Alexander Schwarzkopf, Donnerstag, 02. September 2010, 12:48 Uhr

Warum können wir uns nicht darauf verständigen, dass nur diejenigen ein Werturteil zum Buch abgeben, die es auch gelesen haben. Es ist einfach unerträglich, mit wie wenig inhaltlichem Wissen hier Meinungen als absolute Wahrheit zum Besten gegeben werden. Ich habe es nicht gelesen, deshalb halte ich mich auch vornehm zurück. Übrigens: Herr Sprenger, haben Sie das Buch schon ganz gelesen? Ich wette eine Flasche Schampus dagegen…

17) Frank, Donnerstag, 02. September 2010, 13:21 Uhr

Wenn’s nach Herrn Alexander Schwarzkopf geht, darf man über gewisse Dinge offenbar nur noch diskutieren, wenn man gewisse Bücher im Regal stehen hat. Ich werde gewisse Machwerke gewisser völkischer Demagogen dennoch nicht erwerben, dafür ist mir mein Geld zu schade.

Das Traurige an der von Spiegel und Bild samt ihrem Herrenreiter provozierten Debatte ist, dass sie überhaupt zündet. Warum sie das tut, ist an vielen Kommentaren hier abzulesen.

Die deutsche Gesellschaft ist in der Krise der vergangenen 35 Jahre mittlerweile so weit nach rechts gerückt, dass ein ehemaliger BamS-Chefredaktuer und Stoiber-Berater zwangsläufig schon fast als links erscheint.

Achso, Herr Schwarzkopf: Wir können uns nicht darüber verständigen, dass ich den Mund halte über einen, der Menschen nur als ausbeutbare Ressource betrachtet. Seien Sie sich sicher.

18) achim, Donnerstag, 02. September 2010, 13:36 Uhr

Zu S. und den Medien muss man nichts mehr sagen. Was mich aber wirklich stört, ist die Reaktion der Politik, vor allem der grossen Parteien. Man sollte doch meinen, dass spätestens anhand dieser Geschichte der Bedarf endlich allzu offensichtlich wird, in diesem Land endlich eine Debatte und nachfolgend eine Strategie zum Thema Integration zu führen. Das geschieht seit 40 Jahren nicht, und auch heute möchte anscheinend niemand das Thema auch nur mit der Kneifzange anpacken. (Hat z.B. unsere Kanzlerin sich zu der Affäre geäussert ?) Warum, ist verständlich, aber vollkommen inakzeptabel : Mit dem Thema vergrault man Wähler, (s. das Herumgeeiere in der SPD zum Thema Parteiausschluss), und vor allem weiss jeder, dass man dort richtig viel Geld in die Hand nehmen müsste (verpflichtende Sprachkurse, KITA- Plätze usw. wollen ja auch bezahlt werden). Also wird wohl leider das Ergebnis sein, dass alle weiterhin den Kopf in den Sand stecken und die „Lösung“ der Probleme auf der Strasse stattfinden wird. Aber Hauptsache, die Unterschicht hat das korrekte Feindbild.

19) Mario W., Donnerstag, 02. September 2010, 13:50 Uhr

*Kopfschüttel*
Ich stimme Alexander Schwarzkopf zu, mehr bleibt wohl zu dieser ganzen Debatte nicht zu sagen.

20) John Dean, Donnerstag, 02. September 2010, 14:10 Uhr

Weil so oft gefragt wird: „Das ein Volk Gengemeinsamkeiten hat, ist ja wohl klar oder?

Nein. Das ist garnicht klar. Zunächst einmal: ALLE Menschen haben Gengemeinsamkeiten. Es gibt selbstverständlich auch besondere Gemeinsamkeiten, z.B. in direkten Familienverhältnissen, noch mehr in Fällen der Inzucht, aber – in einem allerdings begrenzten Rahmen – es gibt auch besondere Gemeinsamkeiten innerhalb eines gemeinsamen Kulturraumes. Dabei wird man allerdings eine überraschende Feststellung machen:

Den Genen ist es ziemlich schnurzpiep egal, was wir unter „Volk“ oder gar „Rasse“ verstehen. Der mittels IBD-Methode (leicht umstritten) messbare Grad an genetischer Verwandschaft fördert haufenweise Erkenntnise hervor, die mit den aus den 19.ten Jahrhundert stammenden Vostellungen von „Volk“ und „Menschenrasse“ überhaupt nicht in Einklang zu bringen sind. Das fängt damit an, beispielsweise, dass der genetische Verwandschaftsgrad zweier tiefschwarzer Menschen (man beachte: dies ist nur die Hautfarbe) durchaus (und das nicht einmal selten) erheblich geringer ausfallen kann als zwischen einem dieser Menschen und einem Weißen. Es geht damit weiter, dass die angeblich ach-so-verschiedenen Völker der Palästinenser und der Israelis in verwandschaftlicher Hinsicht genetisch kaum zu trennen sind, jedenfalls, wenn man die europäischen Verwurzelungen dabei fortlässt. Wo so viel zu „den“ Juden gefragt wird: Ein durchschnittlicher New Yorker Jude ist vom genetischen Verwandschaftsgrad (nach IBD) deutlich näher mit „den“ Italienern verwandt als mit einem sephardischen Juden – gleichzeitig lassen sich aber zwischen sephardischen Juden und den (ähem: meisten) übrigen Juden Verwandschaftsbeziehungen finden, allerdings solche, die deutlich weiter entfernt sind. Ach, und wie es es mit dem „Volk“ der Deutschen? Tja: Während man bei Menschen in den Niederlanden noch eine gewisse (allerdings nicht sehr weit reichende) Homogenität der genetischen Verwandschaftsverhältnisse feststellen kann, so zeichnen sich „die“ Deutschen in genetischer Hinsicht vor allem (und das seit vielen Jahrhunderten) durch einen hohen Grad an Vielfalt und Durchmischung aus, so sehr sogar, dass die Konstruktion eines auf genetischer Basis eingegrenzten „deutschen Volkes“ schlicht unmöglich ist.

So: Ist jetzt irgendwer zufrieden mit diesen Erkenntnissen? Und (falls ja oder falls nein), bringen sie irgendetwas, und speziell in Bezug auf die Integrationsdebatte??

Eben nicht.

21) Benjamin, Donnerstag, 02. September 2010, 14:28 Uhr

Nur so viel bleibt zu einigen von Herrn Sarrazins Thesen zu sagen:

http://www.zeit.de/2010/36/Intelligenz-Sarrazin?page=all

22) Maren P., Donnerstag, 02. September 2010, 14:30 Uhr

Als Textarbeiterin hatte ich mir ein Bonmot abgeschrieben und gut sichtbar am Schreibtisch plaziert. Es ist von Johann Wolfgang von Goethe (Achtung: deutscher Bildungskanon!*lach*):

>>Getret’ner Quark wird breit, nicht stark!<<

23) Jokus, Donnerstag, 02. September 2010, 16:30 Uhr

Ja, so kann man sich leicht empören, wenn man nicht mehr ist, was man mal war. Als ob die Veröffentlichung von „Bild“ und „Spiegel“ mehr als einen Anschub geliefert hätten. Als ob es nicht zum Journalismus gehöre, auch gewagte Meinungen zur Diskussion zu stellen. Und überhaupt: Auch „Sprengsatz“ so verquerer Sorte, wie Sarrazin ihn anbot, gehört veröffenticht. Gerade um darü ber diskutieren zu können. Und wenn nicht „Bild“ und „Spiegel“ hätten es womöglich „Stern“ und „Welt“ getan…Nein, lieber M. Spreng, wie verquer liegen Sie damit ihrem Beruf.

24) Schlenkerle, Donnerstag, 02. September 2010, 18:46 Uhr

Allerwertester Alexander, der Mann dessen Blog Sie vollsudeln, heisst nicht „Sprenger“, sondern Spreng, Michael Spreng. Gar nicht so schwer. Vielleicht sollten Sie zunächst an Ihrer eigenen Lesekompetenz arbeiten, bevor Sie Alkohol auf die Lesekompetenz von Herrn Spreng verwetten. Auch wenn Sie zu 50 – 80% genetisch benachteiligt sind. Einverstanden?

25) deraxel, Donnerstag, 02. September 2010, 21:08 Uhr

Man man man…. Über 70 Kommentare! Merkt denn hier keiner das der Sarrazin nichts anderes als dieses ganze Geschnatter provozieren wollte. Er hat das mit den Genen schon als Blackout beschrieben. Damit sollte es doch auch gut sein.

Vor allem der Friedmann sollte mal die Füße schon still halten. Wenn ich mich recht erinnere hat er für seine Völkerverständigungskurse mit Osteuropäerinnen nach Stunden bezahlt und damit seine Frau öffentlich schwer gedemütigt.

26) m.spreng, Donnerstag, 02. September 2010, 23:47 Uhr

Ich habe bei früheren Diskussionen schon mehrmals darauf hingewiesen, dass ich strafrechtlich relevante, grob beleidigende oder verhetzende Kommentare nicht zulasse. Ich möchte nicht, dass solche Kommentare mit meinem Namen oder meinem Blog im Internet verbunden werden. In der aktuellen Debatte über das Sarrazin-Buch ist es leider notwendig, dies noch einmal zu betonen. Die Debatten im sprengsatz bewegten sich – bis auf wenige Ausnahmen – immer auf einem sachlichen Niveau. Ich mächte, dass dies so bleibt.

27) theo, Freitag, 03. September 2010, 01:39 Uhr

H.R. Joost,

Sie schreiben:

„Unglaublich, die unsachliche, teilweise demagogische Kritik an Sarrazin. Die spät-achtundsechziger Nomenklatura Medien/Politik schlägt zurück. Bis hin zu Zensurfantasien. Wo sind wir eigentlich? Wer hat denn das Buch gelesen? Man kann über einzelne Punkte und Inhalte durchaus streiten, aber es ist eine Diskussionsgrundlage. Ich erinnere an Karl Poppers Kritikansatz der sogenannten Falzifizierung, also das sachlich-kritische Hinterfragen und auf den Prüfstand stellen, auf wissenschaftlicher Basis. These-Antithese. Dann kämen die Pauschalkritiker hier zu beachtlichen Ergebnissen.“

Fangen wir mal an.

„Zensurfantasien“? Wer hat hier irgendwen zensiert, wer hat Zensur beantragt? Beispiele?.

„Diskussionsgrundlage, Karl Popper“: Gute Idee. Nun sind öffentlich und überprüfbar ja schon etliche Fakten Sarrazins widerlegt worden. Allein, es gibt ein Problem mit seinen Fans: die wollen das nicht einsehen. Das ist allerdings ein erstaunliches Ergebnis.

Und darf ich als großer Verehrer Sir Karl Poppers noch etwas anfügen?

Wenn einer wie Herr Sarrazin sagt:

Wenn man aber keine Zahl hat, muss »man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch« (zitiert nach SZ),

dann kann man das bestenfalls die Perversion von Falsifikation nennen.

By the way: Danke, Herr Spreng, für diesen Blogbeitrag.

28) Immanuel Scheerer, Freitag, 03. September 2010, 02:30 Uhr

Die ganze 50-80% Vererbungsdebatte kann man sich eigentlich sparen, weil man daraus eigentlich nichts Besonderes ableiten kann, außer dass manche Menschen sich beim Lernen leichter tun, als andere:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/die-gene-sarrazins/

29) Immanuel Scheerer, Freitag, 03. September 2010, 07:38 Uhr

Wie in unserem Land die Gefühle kontrolliert werden:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/gefuehlskontrolle/

30) marcpool, Freitag, 03. September 2010, 10:30 Uhr

@ deraxel
Genau das habe ich bei “ Hart aber fair “ auch gesagt. Herr Friedmann ist gerade kein gutes Beispiel sich als Vorzeigebetroffener in Stellung zu bringen, ich bezweifele das er überhaupt das Wort “ Gefühle“ kennt, so wie er im Stande ist darauf rumzutreten – nach dem Motto ich sag mal was – entschuldigen kann ich mich immer noch – mit seinem ständigen provokanten Vorwurfston . Seine Nasse ist lang genug um sich daran selbst zu kratzen.

31) Politikverdruss, Freitag, 03. September 2010, 14:16 Uhr

Herr Spreng, Sie als Medienfachmann können sicher die Frage beantworten, warum es zum Thema Sarrazin keine Meinungsumfragen gibt. Nach allem, was zu hören ist (Zuschauerreaktionen „hart aber fair“ z.B.) gibt es doch eine nicht unerhebliche Diskrepanz zwischen der veröffentlichten Meinung und der Einstellung der Bevölkerung zu diesem Thema. Warum kommen die Medien nicht ihrer Informationspflicht nach?

32) sk8erBLN, Freitag, 03. September 2010, 15:59 Uhr

@ Ferdinand Hayek, Alexander Schwarzkopf, & co.
Muss man wirkklich erst jeden schund lesen oder darf man sich auch auf kritiken wie diese verlassen (ich finde ja!):

Es ist ein unlesbares Buch. Und das zunächst nicht aus inhaltlichen Erwägungen, sondern wegen seiner erstaunlich schlampigen Komposition. Sarrazin feuert ein gut 400 Seiten andauerndes Stakkato desselben bescheidenen Zahlenmaterials ab; manche Statistiken wiederholen sich im Lauf des Buches über zehn Mal. Er schreibt Sätze, die im exakten Wortlaut drei Seiten später noch einmal vorkommen; die englischsprachigen Zitate strotzen vor Fehlern, jedes »its« wird zum »it’s«, genauso wie auch die Namen der herbeizitierten Wissenschaftler (wie viele Patzer erträgt der Name »Claude Lévi-Strauss«?) In einem PISA-Test für Sachbücher läge Deutschland schafft sich ab ungefähr auf dem Platz von Bremen, was seine Lesbarkeit und die Sorgfältigkeit des Lektorats betrifft.

Dieses Buch ist ein wucherndes Gebilde: in seiner Fehlerhaftigkeit überraschend bildungsfern, in seiner Dickleibigkeit fast adipös, dabei allerdings so fortpflanzungsfreudig, dass der Argumentationskeim eines Kurzreferats zu einem Riesenwälzer angewachsen ist. Nimmt man noch die Perspektive des Erzählers hinzu, die es an Verengung mit dem Augenschlitz einer Burka lässig aufnehmen kann, gleicht Thilo Sarrazins Buch eigentlich exakt seinem Feindbild: ein übergewichtiger, fertiler Religionsfanatiker.

Sarrazin begründet gewissermaßen die neue Disziplin der Religionshygiene. Wobei er große Mühe darauf verwendet, die historische Blaupause seines Buchs nur bis zu jener Grenze aufzudecken, an der sie für die meisten Leser unkenntlich bleibt. Seit 70 Jahren diskreditierte Schlagwörter wie »Eugenik« etwa kommen kein einziges Mal vor. Der seltene und daher ungefährdete Gegenbegriff der »Dysgenik« fällt dagegen ständig, in dem Zusammenhang, dass die ungehinderte Fortpflanzung muslimischer Einwanderer zur Schädigung des deutschen Erbguts führt.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34607

Nee, sorry, dieses pamphlet muss man nicht auch noch kaufen, geschweige denn lesen um sich ein urteil darüber zu bilden.

Erst recht nicht wenn man sich ausreichend mit seinen sonstigen absonderungen befasst hat. Aber nur zu, kaufen sie, es herrscht schließlich meinungsfreiheit und sein pamphlet ist nicht indiziert.
Nur bitte erwarten sie das nicht von anderen.

33) Meyer, Freitag, 03. September 2010, 18:13 Uhr

@ „Politikverdruss“

„Warum kommen die Medien nicht ihrer Informationspflicht nach?“ – Weil es keine Informationspflicht gibt.

Ich erkenne den Sinn einer Sendung „hart aber fair“ nicht für mich, also schaue ich sie nicht. Ich erkenne den Sinn der Tagesschau nicht für mich, also schaue ich sie auch nicht. Das gilt für alle empfangbaren Rundfunksendungen, sei es TV, sei es Radio. Überflüssig. Tageszeitungen? Überflüssig. Welt, Spiegel, Focus, Sonntagszeitungen? Überflüssig.

Lesen sie Homer, Wallenstein oder Grimmelshausen (oder oder oder) und sie verstehen von dem, was heute vorgeht, doppelt so viel, als wenn alle „Medien“ eine Imformationspflicht hätten, der sie auch tatsächlich nachkämen. Fragen sie sich mal, welche Zeitungs-/Radio-/Fernsehmeldungen einen Wert hat, der über den Tag, die Woche oder das Jahr hinausgehen wird? – Keiner. Und die zwei Ausnahmen sind weder das Geld, noch die Zeit und schon gar nicht den Verlust an Lebensqualität wert, die man dort hinein steckt.

Oder lesen Sie das Buch Sarrazins selbst und vergleichen Sie es mit Ihren eigenen Beobachtungen. Wer läßt sich denn von anderen vorsagen, was er über das Buch zu denken hat? Billige Positionierung können Sie auch ohne das Buch (bzw. einer Meinung zum selbigen) haben: Wenn ich durch meine Heimatstadt gehe, weiß ich, was mir gefällt und was nicht. Dazu brauche ich keinen Sarrazin und keine „Medien“.

Ich brauche auch kein Sarrazin-Feigenblatt. Das, was ich sehe, paßt mir überhaupt nicht. Mit Leuten, die das schönschreiben, gutieren oder noch befördern – oder was noch häufiger vorkommt – feige kuschen, habe ich keinerlei gemeinsame Basis. Im Gegenteil: Buckelrunterrutschen! Wohin auch immer, am Besten dorthin, wo der Pfeffer wächst.

34) Politikverdruss, Freitag, 03. September 2010, 18:47 Uhr

@sk8erBLN,

was halten Sie von dem Vorschlag, das Sarrazin-Buch öffentlich zu verbrennen?

35) Adrian Schmidt, Samstag, 04. September 2010, 10:31 Uhr

Thilo Sarrazin wird von der politischen Klasse aus Amt und Partei gejagt und ein großer Teil der Bevölkerung äußert sich entrüstet über ein derartiges Verhalten, das der Meinungsfreiheit in unserer Demokratie spottet. Zu Recht, aber dennoch ist die Debatte nicht ganz ehrlich. Diejenigen, die sich in den letzten Tagen als Empörer der Nation betätigt haben, sind von eben dieser Nation zu dem gemacht worden, was sie sind. Haben wir, die Bürger, nicht viel zu lange die „political correctness“ gelebt, gefordert und gewählt? Haben wir nicht unsere Politiker zu Schoßhündchen der gut angepassten Empörung erzogen, die brav Kläffen, wenn ein Querdenker, ein Provokateur, ein Freigeist sich nähert?

Nun sind wir des Kläffens überdrüssig geworden. Die poltical correctness, die bisher als Verantwortungsvoll und staatstragend galt, wird zunehmend als kleingeistig und antidemokratisch erfunden. Der Mehltau den wir selbst über Deutschland gelegt haben, droht uns zu ersticken und die causa Sarrazin wird zum Auslöser einer längst überfälligen Befreiungsbewegung, die die bleierne Decke durchstoßen und freie Luft atmen möchte.

Christian Wulff hat vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten seine Sympathien für den aufklärerischen Denker und Philosophen Voltaire bekundet. In diesen Tagen sollten wir uns alle gemeinsam (und hoffentlich auch Herr Wiulff) an diesen Kämpfer für die Meinungsfreiheit mit einem klugen Satz Voltaires erinnern: „Ich verabscheue ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!“

36) sk8erBLN, Samstag, 04. September 2010, 10:51 Uhr

“ Politikverdruss, Freitag, 03. September 2010, 18:47 Uhr

@sk8erBLN,

was halten Sie von dem Vorschlag, das Sarrazin-Buch öffentlich zu verbrennen?“

Nichts!
Wie bereits geschrieben: Solange es nicht indiziert ist darf ein jeder der glaubt aus dem pamphlet erkenntnisse ziehen zu können kaufen und lesen.

Das ändert jedoch nichts an meinen einschätzungen zu dem eugeniker und seinem pamphlet. Ich hoffe, sie können damit leben dass ich ebenso emine meinung vertrete wie herr sarrazin das tut.

37) Benjamin, Samstag, 04. September 2010, 12:45 Uhr

Sarrazin kann als Privatmann jede Meinung äußern, die er will, so lange er nicht gegen Gesetze verstößt. Niemand hindert ihn daran. Aber Sarrazin ist nicht nur der Bürger Sarrazin, er sich auch Mitglied im Vorstand der Bundesbank (gewesen). Hier hat er sich an ein Reglement zu halten und er wurde in der Vergangenheit oft genug darauf hingewiesen. Wenn er das ignoriert, kann er das gerne tun, muss aber auch mit den Konsequenzen rechnen. Das hat rein gar nichts mit dem Abwürgen der Meinungsfreiheit zu tun – er kann weiter in Talkshows gehen und sich profilieren, nur bald eben nicht mehr als Bundesbanker.

38) Kpt. Olaf, Samstag, 04. September 2010, 14:52 Uhr

Lieber auf ehrliche Weise „schlecht“,
als auf heulerische Weise „gut“ !

39) Fred Katz, Sonntag, 05. September 2010, 23:07 Uhr

Sarrazins Buch erscheint bei der DVA. Die gehört über RandomHouse zu Bertelsmann. Bertelsmann ist Mehrheitseigner bei G+J. G+J ist Großaktionär beim Spiegel. Die Kapitalmehrheit an Bertelsmann hält die gleichnamige Stiftung. RTL und n-tv befeuern einerseits die Kontroverse („Mehrheit der Deutschen steht hinter Sarrazin“), tragen andererseits aber fleißig ihren Teil zur Verdummung des Proletariats bei!!!

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