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Dienstag, 31. August 2010, 13:02 Uhr

Bekenntnis zu Sarrazin

Die öffentliche Diskussion ist angesichts der Aufregung um Thilo Sarrazin über den Skandal im Skandal allzu schnell hinweggegangen: die unkritischen Vorabdrucke in BILD und im “Spiegel”. Vorabdrucke von politischen Sachbüchern (ein merkwürdiger Name für das Sarrazin-Buch) sind ein Statement, ein Bekenntnis. Der Leser muss davon ausgehen, dass sich sein Blatt mit dem Buch identifiziert, dass es zumindest die darin vertretenen Ansichten für diskussionswürdig und diskussionsnotwendig erachtet.

Dieses Bekenntnis gewinnt an Bedeutung, wenn das Buch nicht kritisch begleitet wird, wenn der Autor wie in BILD als “Klartext”-Autor apostrophiert wird oder wenn, wie im Fall “Spiegel”,  die Kritik erst eine Woche später nachgeliefert wird.

Damit stehen die beiden Blätter auf einer Stufe (schön für BILD), müssen sich gefallen lassen, auch für Sarrazins völkische Genetik in Haftung genommen zu werden, auch für seine absurde und gefährliche These, genetisch unintelligente Muslime, die sich rasend fortplanzen, schafften Deutschland als Land der Deutschen ab. Und für die Folgen. Ohne die beiden spektakulären Vorabdrucke wäre der Aufmerksamkeitspegel nicht über Normalmaß gestiegen: Sarrazins Buch wäre ohne sie nicht über den Zweispalter im Politikteil oder im Feuilleton hinausgekommen, Sarazin hätte sein Buch nicht vor 250, sondern vor maximal 50 Journalisten vorgestellt, er wäre nicht die Spitzenmeldung aller TV-Nachrichten geworden.

BILD und “Spiegel” haben, wie es neudeutsch heißt, Sarrazins Buch gehypt, haben sich bereitwillig in das Vermarktungskonzept des Verlages eingefügt. Es wäre interessant zu wissen, ob die vertragliche Regelung mit Sarrazin und dem Verlag über den Vorabdruck eine begleitende kritische Berichterstattung verboten hatte. Und es wäre interessant zu wissen, ob diese Fragen in den Redaktionskonferenzen der beiden Blätter kritisch diskutiert wurden und werden.

Es ist für mich leicht, zu behaupten, als Chefredakteur hätte ich einen Vorabdruck des Sarrazin-Buches abgelehnt. Denn ich bin ja schon lange keiner mehr. Aber ich hätte es nicht vorabgedruckt. Wie ich die Diskussion sehe, habe ich aber schon vor 25 Jahren als Chefredakteur des “Express” in Köln demonstriert. Damals initiierte ich eine Serie unter dem Titel “Mein Freund ist Türke” – begleitet von Buttons und Autoaufklebern mit der Aufschrift “Mein Freund ist Türke”. 14 Tage lang wurden viele Beispiele gelungener Integration und deutsch-türkischer Freundschaften geschildert – von den Arbeitern bei Ford, die Hand in Hand arbeiten, über den Gemüsehändler und die alte Dame bis zu den Schulfreunden.

Auch heute noch halte ich solche Veröffentlichungen für sinnvoller als Vorabdrucke eines Buches, das die Spaltung der Gesellschaft verschärft, das zur Desintegration statt zur Integration führt.

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88 Kommentare

1) Steve Gates, Dienstag, 31. August 2010, 13:27 Uhr

Leider machen sich die Medien allzu oft zu Beihelfern ausgeklügelter Viral Marketing-Kampagnen, die den Verkäufern von Büchern, Filmen & Musik eine kostenlose Plattform für ihre Neuheiten bieten, die das viel teurere Schalten von Werbung überflüssig macht. Herr Sarazin und sein Verlag dürften sich die Schenkel klopfen, dass die gezielte Provokation im Vorfeld der Veröffentlichung selbst die Bundesregierung zu Statements veranlasst hat. Und eine bessere Verkaufsförderung als eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung dürfte es kaum geben, da Sarazin sicherlich nicht mit einer Einladung zu “Wetten, dass … ?” hätte rechnen können.

2) Wolfgang Schäfer, Dienstag, 31. August 2010, 13:33 Uhr

Die Spaltung verschärfen tun meiner Meinung nach die in Deutschland lebenden Muslime, die sich weigern Deutsch zu lernen und Assimilation oder zumindest Integration verweigern.

Herr Sarrazin beschreibt nur diese gespaltene Gesellschaft aus seiner Sicht und denkt über die Konsequenzen nach. Das wird aktuell mit Parteiausschluss und Beschäftigungsverbot bedroht.

3) m.spreng, Dienstag, 31. August 2010, 13:44 Uhr

@wolfgang Schäfer

Dass es muslimische und andere Zuwanderer gibt, die sich weigern, Deutsch zu lernen und die Integration verweigern, ist doch unbestritten. Darüber hat aber Sarrazin kein Buch geschrieben, sondern er hat dieses Problem mit einer völkischen Genetik, mit einer Rasse- und Kulturtheorie verknüpft, die ihn aus dem Kreis der ernstzunehmenden Diskutanten katapultiert.

4) Benjamin, Dienstag, 31. August 2010, 13:47 Uhr

Ich muss zugeben, dass ich vom Spiegel enttäuscht war – das Magazin ist zwar seit Jahren nicht mehr das, was es mal war (aber wer ist das schon), doch mehr Fingerspitzengefühl wäre hier Pflicht gewesen. Bei der BILD wundert da hingegen wohl keinen, auch nicht die heutige “Online-Analyse” von “Fakten” bzgl. der Genetik-Thesen. Diese sind für mich der widerwärtigste Teil bei seinen Aussagen und erinnern an längst vergessen geglaubte Tage, in denen der Sozialdarwinismus salonfähig war und dem nicht wenige Gelehrte anhingen. Die halblauten Relativierungen Sarrazins nützen da herzlich wenig, mit diesem Aspekt hat er sich für mich ins Abseits manövriert. Dabei hätte man zugespitzt über vieles diskutieren können: keiner wird ernsthaft leugnen, dass es Probleme im Bereich Integration gibt oder das die deutsche Sprache verpflichtend gelernt werden muss, um wirklich hier anzukommen. Aber das wusste man freilich auch vor Sarrazin, der eine schöne PR-Tour macht (gestern Beckmann, morgen Plasberg).

Was mich ernsthaft erschreckt beim Zuspruch für Sarrazin (dass da einige beginnen zu jubeln, war abzusehen), wie sie in Blog, Foren und Kommentaren deutlich wird, ist oft die Art der Formulierung. Da wird dann von angeblichen Tabubrüchen geredet, davon, dass die Medien hier Zensur wie in China und der DDR betreiben, weil sie sich nicht voll hinter Sarrazin stellen, der doch “nur das sagt, was alle denken”; das sind die harmlosen Kommentare, zu denen man stehen kann wie man möchte (Zensur sieht für mich freilich anders aus), manch andere gehen dann tief in die braune Sumpfecke. Mich würde ja interessieren, wie so etwas in den Medien rezipiert wird.

5) Dieter Carstensen, Dienstag, 31. August 2010, 13:51 Uhr

Lieber Michael Spreng,

Ihre Ausssage zu den Vorabdrucken des Sarazin Pamphletes von BILD und Spiegel trifft den Kern der Sache.

Seriöse Zeitungen würden solche rechtspopulistischen Pamphlete nicht vorabveröffentlichen, sondern wenn, dann höchstens auszugsweise und entsprechend journalistisch begleitet und kommentiert.

Aber für Auflagen sind sich manche Zeitungsredaktionen scheinbar für nichts zu schade. BILD sowieso, aber auch der Spiegel muss sich vorhalten lassen, mit seiner Vorgehensweise einem Rechtspoulisten, den man durchaus in einer Reihe mit einem Jörg Haider oder Pijm Fortuin nennen kann, eine Plattform für sein rechtsextremes Gedankengut verschafft zu haben.

Das gefährliche an Leuten wie Thilo Sarazin ist, daß sie in ihrem Aussagengemenge immer auch ein paar “wahre” Aussagen unterbringen und es geschickt verstehen, an die niedersten menschlichen Instinkte zu apellieren, indem sie Bedrohungen von “aussen” aufbauschen, die real so nicht existent sind, aber von dem dafür empfänglichen Bevölkerungsteil so empfunden werden.

Diese niederen Instinkte bedienen Rechtspopulisten wie Sarazin. BILD und Der Spiegel machen dabei munter mit. Es sagt viel aus, über den “Geist” der in solchen Redaktionen haust.

Wer so rechtsextremen Gedanken eine Plattform anbiedert, macht sich mitschuldig an den Folgen.

M.f.G.

6) dissenter, Dienstag, 31. August 2010, 14:17 Uhr

Wieso durfte dieser Sarrazin sein Elaborat eigentlich im Haus der Bundespressekonferenz vorstellen? Wieso hat “Phoenix” – Sie wissen schon: der Ereignis- und Dokumentationskanal – live berichtet? Wieso zwingt man mich damit als Gebührenzahler, dieses Buch auch noch mitzufinanzieren?

Was “Bild” und “Spiegel” betrifft, so wächst zusammen, was schon lange zusammengehört.

7) Holger, Dienstag, 31. August 2010, 14:22 Uhr

Herr Spreng,

haben Sie das Buch überhaupt gelesen, dass Sie behaupten können, darin ginge es um Genetik und Völkisches, oder plappern Sie nur das Echo nach, das von allen Seiten nachhallt?

Ich habe es nicht gelesen, aber ich zitiere die Financial Times, die dem Buch durchaus eine Sachlichkeit bescheinigt:

“Wer das Buch in Gänze liest, wird feststellen: Sarrazin kommt nicht aus der völkischen Ecke, wie die NPD jetzt frohlockt. Er ist Volkswirt – und das durch und durch. Über weite Strecken wirkt das Buch eher wie eine umfangreiche Studie eines ökonomischen Forschungsinstituts. Die polemischen Formulierungen, über die sich jetzt das ganze Land echauffiert, streut der ehemalige Berliner Finanzsenator für seine Verhältnisse sehr sparsam ein. ”

Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:abschaffung-deutschlands-sarrazins-buch-ist-erstaunlich-sachlich/50162840.html

mfg

8) Chat Atkins, Dienstag, 31. August 2010, 14:26 Uhr

Das größte Problem für mich ist der durchgängige Ansatz, Menschen nur noch nach ihrem volkswirtschaftlichen Nutzen zu beurteilen. Ein solcher Utilitarismus läuft immer auf nützliche und unnütze Fresser hinaus. Ob man da nun die Türken, die Alten, die kinderlosen Frauen oder die Arbeitslosen an die Funktionsstellen seines großen Abrakadabras setzt – immer kommt eine gnadenlose Hire-und-Fire-Gesellschaft dabei heraus: Ein elitärer Bundesbanker inszeniert sich als rationalisierender und damit zugleich irrationaler Betriebsleiter einer durchkapitalisierten ‘Fabrik Deutschland’.

Der Rassismus dagegen und sein freischwebender genetischer Aberglaube sind für mich doch eher Garnitur. Der größte Vorwurf, den man den Medien also machen kann, ist, dass sie einfach den Punkt nicht treffen, auf den es bei diesem Gefasel ankommt. In der SPD hat diese liberal-ökonomistische Witzfigur nun wirklich nichts mehr zu suchen.

9) Sprachsynthese, Dienstag, 31. August 2010, 14:30 Uhr

@Wolfgang Schäfer

Mittels solcher Stammtischparolen kann man beliebig jede Bevölkerungsschicht oder -gruppe diskriminieren. Es ist aber nicht entscheidend, ob es solche Fälle (wie hier zum Beispiel von integrationsunwilligen Ausländern) gibt, sondern wie hoch deren Anteil (an der gesamten ausländischen Bevölkerung) ist. Die Mühe einer solchen Recherche macht sich nur keiner, denn es könnte sich ja herausstellen, dass das Potential zur Spaltung der Gesellschaft gar nicht gegeben ist.

Desweiteren sollte es für einen aufgeklärten Menschen heutzutage zumindest sehr problematisch sein, seine Meinung über einen kleinen Teil jugendlicher Muslime auf alle muslimischen Mitbürger zu erweitern und diese damit unter Generalverdacht zu stellen.
Oder ist Ihnen völlig entgangen, dass es selbstverständlich auch deutsche Jugendliche gibt, die sich weigern vernünftiges Deutsch zu lernen und jegliche Integration in die Gesellschaft verweigern? Was wären denn Ihre Pläne für diese?

10) Wolfgang Schäfer, Dienstag, 31. August 2010, 14:43 Uhr

@Dieter Carstensen
Wenn man Ihren Ausführungen glauben darf, so hat sich Herr Sarrazin der Konspiration mit sich selbst schuldig gemacht. Wahrscheinlich ist das dann ungefähr so verlaufen:

Jetzt schreibe ich (Sarrazin) mal über Monate hinweg ein Buch. Ich recherchiere, lese Studien usw., usw. Zu Papier bringe ich dann mal so 450 Seiten, aber alles getürkt natürlich. Wie aber appelliere ich an die niedersten menschlichen Instinkte? Natürlich, ich bausche einfach Bedrohungen von außen auf. Die gibt es zwar nicht aber ein bestimmter Bevölkerungsteil ist ja für solche nicht-existierenden Bedrohungen empfänglich, und das sollte reichen. Damit es aber ganz schlauen Lesern nicht so auffällt, bringe ich auch ein paar wahre Aussagen unter.

Ich finde Sie sollten Ihren Kommentar einmal überdenken.

11) Robert, Dienstag, 31. August 2010, 14:48 Uhr

“Herr Spreng,
haben Sie das Buch überhaupt gelesen, dass Sie behaupten können, darin ginge es um Genetik und Völkisches, oder plappern Sie nur das Echo nach, das von allen Seiten nachhallt?”

Na, dann hat der gute Herr Sarrazin seine Rassismen eben nicht so stark in seinem Buch enthalten, sie aber wesentlich stärker und effektiver in den Medien gestreut. Wenn “alle Seiten” sich darüber empören, könnte es sein, dass “alle Seiten” die Vorabdrucke und Interviews von Sarrazin gelesen haben, in denen er sich entsprechend äußert? Oder glauben Sie, solche Äußerungen gibt es von Sarrazin gar nicht und “alle Seiten” phantasieren sie sich kollektiv zusammen? Getreu dem alten Witz: “EIN Geisterfahrer? Tausende!”

12) Wolfgang Schäfer, Dienstag, 31. August 2010, 15:06 Uhr

@Sprachsynthese

Ob meine Ausführungen Stammtischparolen entsprechen, kann ich nicht beurteilen. Ich habe keine entsprechenden Kontakte. Sie aber anscheinend schon. Im übrigen, wir diskutieren nicht über Einzelfälle sondern über ein massenhaftes Phänomen – zu besichtigen in Berlin, Hamburg, Köln …

Ja, Sie haben recht, es gibt sie mittlerweile zu Hauf: deutsche Jugendliche, die sich weigern, vernünftiges Deutsch zu lernen. Um die muß sich der Staat natürlich verstärkt kümmern. Es ist aber ein Unterschied ob ich mich als deutscher Jugendlicher weigere “vernünftiges” Deutsch zu lernen oder als Zuwanderer in der 2. oder 3. Generation überhaupt weigere, Deutsch zu lernen. Das hat, wie man sieht, gesamtgesellschaftliche Konsequenzen.

13) Meyer, Dienstag, 31. August 2010, 15:22 Uhr

Wie schön, daß Sie in mäßig klarer Sprache Position genommen haben. Sie halten das Buch für nicht als diskussionswürdig – und zwar völlig vorbei an den modernen Erkenntnissen der Genetik, die sie in den seriösesten Medien der Welt veröffentlicht finden konnten: In der “natur” und der “science”.
Das BKA kann jede unbekannte Leiche durch genetische Untersuchung einer Ethnie zuordnen. Ethnie kommt übrigens von ethnos.

Sie gehören tatsächlich einem medialen Paralelluniversum an. Leider ist Ihnen eine andere demoskopische Untersuchung zur Wirkung von Propaganda entgangen. Sie betrifft die Wirksamkeit staatlicher Propaganda auf Europäer. Sie kam zu einem verblüffenden Ergebnis:

– ca. 1/3 glaubte die Propaganda in schwacher oder sogar starker Form, bis hin zu quasireligiösen Bekenntnissen;

– ein weiteres Drittel erwies sich als resistent und beurteilte die Welt im Wesentlichen nach den eigenen Erfahrungen und Beobachtungen;

– das letzte Drittel ist das interessanteste: Sie hielten das exakten Gegenteil der als Propaganda erkannten Behauptungen für wahr, jedenfalls die Behauptung selbst für grundsätzlich unwahr.

Ein wesentlicher Grund, warum die DDR ab den 60iger Jahren veröffentlichen konnte, was sie wollte: es hatte keine Wirkung mehr; eher eine Gegenteilige. Also bringen Sie doch auf Ihrem Blog ein .jpg-Bildchen an, mit dem Inhalt: “Mein Freund ist Türke.” – Ich glaube nicht, daß sie einen türkischen Freund haben. Es ist Propaganda, dazu noch ziemlich simple. Und sie selbst erahnen die negative Wirkung. Ich würde diese Seite nicht mehr besuchen, obwohl ich tatsächlich mehrere türkische, arabische und persische Freunde habe.

Sie leben in der Welt der Medien-Dinosaurier. Und das ist gut so. Sie erreichen nur bei denen etwas, die sowieso schon überzeugt sind. Das sind die Quasireligiösen, die immer noch an die Scheibenform der Erde glauben, auch nachdem sie die Berechnungen gelesen und verstanden haben, die das Gegenteil beweisen!

Sie bestätigen meine Vermutung, mit obigen Artikel, daß die “Kritiken” an Sarrazins Thesen nicht fundiert sind, sondern aus einer Lebenswelt heraus geschrieben sind, die man vor dem Einsturz bewahren möchte. Mithin: Vor der bitteren Wahrheit. Im besten Falle gilt das, was der Regierungssprecher sinngemäß dazu geäußert hat, sowas dürfe man doch nicht sagen. Warum eigentlich nicht? Weil es nicht hilfreich ist? Nicht hilfreich die Wahrheit zu sagen?

Die Geistesgeschichte des Abendlandes besteht aus den Denkern, die trotz äußerem Druck, das sagten, was sie für wahr hielten. Die Namensliste ist lang. Die Namensliste derjenigen, die das zu verhindern suchten, ist noch viel, viel länger. Nur kennt sie keiner mehr.
Und ihr Name steht auch darauf.

14) H.R. Joost, Dienstag, 31. August 2010, 16:27 Uhr

Unglaublich, die unsachliche, teilweise demagogische Kritik an Sarrazin. Die spät-achtundsechziger Nomenklatura Medien/Politik schlägt zurück. Bis hin zu Zensurfantasien. Wo sind wir eigentlich? Wer hat denn das Buch gelesen? Man kann über einzelne Punkte und Inhalte durchaus streiten, aber es ist eine Diskussionsgrundlage. Ich erinnere an Karl Poppers Kritikansatz der sogenannten Falzifizierung, also das sachlich-kritische Hinterfragen und auf den Prüfstand stellen, auf wissenschaftlicher Basis. These-Antithese. Dann kämen die Pauschalkritiker hier zu beachtlichen Ergebnissen. Es ist eine Tatsache, dass neben unbestrittenen Erfolgen (gerade bei türkisch-stämmigen Deutschen) grosse Probleme in der Integrationsfrage, insbesondere bei nicht-gerade-integrationswilligen Mitmenschen aus “bestimmten” Kulturkreisen (ist das ausreichend politisch korrekt??) vorhanden sind. Jetzt werden einzelne Absätze wahllos zitiert und zerpflückt. Ich denke man sollte die ganz Sache etwas unvoreingenommener betrachten und versuchen Sarrazins Grundansatz, der Auseinandersetzung mit Migration bei uns unvoreingenommen (Beispiele USA, Kanada, Australien) Raum geben. Sarrazin als Rassisten abzustempeln, wie geschehen, ist völlig absurd. HRJ.

15) Marta, Dienstag, 31. August 2010, 16:49 Uhr

“14 Tage lang wurden viele Beispiele gelungener Integration und deutsch-türkischer Freundschaften geschildert – von den Arbeitern bei Ford, die Hand in Hand arbeiten, über den Gemüsehändler und die alte Dame bis zu den Schulfreunden.”

Gute Idee.
Es gibt aber auch Beispiele gelungener Integration (Spiegel TV):
http://www.youtube.com/watch?v=XhTnexy-6MM

Die Deutschen im Beitrag sind bereits gut integriert:

16) panther, Dienstag, 31. August 2010, 16:58 Uhr

Für Herrn Sarrazin, wie für einige Kommentare in diesem Blog gilt : Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten. Die werden kräftig gebogen oder frei erfunden, damit sie die eigenen Vorurteile bestätigen oder medienwirksam kommuniziert werden können.Erschreckend ist dabei wieviel unterschwelliger Hass und Ablehnung per Blog und Radiokommentaren an die Oberfläche schwimmt.

17) Lothar, Dienstag, 31. August 2010, 17:40 Uhr

Ich finde es respektabel, wenn ein Mann das öffentlich und politiisch propagiierte Multi-Kiultievangelium selbst unter öffentlichem Druck nicht nachbetet, sondern von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch macht. Dabei bleibt es undiskutabel, dass von Sarazin allgemein bekannt sein sollenden Fakten
aufgeführt werden. Ich erkenne darin keine populistischen Tendenzen. Er spricht aus, was viele denken.

18) Niggenaber, Dienstag, 31. August 2010, 17:41 Uhr

Wie lange müssen wir das Geschwafel noch ertragen. -
Fest steht, dass die Einwanderungs- und Integrationspolitik in Deutschland, ja in Europa total fehlgeschlagen ist. Eine dadurch entstandene negative Auswirkung auf Kultur und Gesellschaft sowie auch auf die Wirtschaft hat mehr Schaden als Nutzen hinterlassen. Gerade die Muslime sind, aufgrund der fehlenden Aufklärung und ihrer propagierten Verbundenheit zur Religions-Politik, unfähig über ihren „Schatten“ zu springen. Sie können sich aufgrund dieser Tatsache nicht modern entwickeln und sind deswegen gar nicht in der Lage sich nachhaltig in eine christliche abendländische Kultur einzugliedern. Ein Umdenken ist noch nicht möglich, da gerade die moslemischen Regierungspräsidenten sich in Einem einig sind: Sie wollen die Demokratien missbrauchen und auf diesen Zug nur aufspringen, um die Islamisierung über überproportionale Geburtenzuwächse in den Ländern einer Majorität zuführen, damit dann im Anschluss die religionsgeprägte Politik etablieren werden kann. Diese Inhalte mit Scharia und Djihad sind rückständig und laufen den europäischen Verfassungen zuwider. Gleichberechtigung von Mann und Frau, Bildungswille dadurch Sprachdefizite, Schächten von Tieren, generelle Einstellung zu Frauen (Paschadenken, sowie getrenntes Beten in Moscheen), praktizierte Begamie, Menschenrechte (Kurden) EHRENmorde, der Wille zur Ausgrenzung in eine Parallelgesellschaft, Heiraten nur im Kulturkreis unter Nachzuzug von Frauen aus dem Heimatland und die Durchführung der Zwangsehe, usw., sind Schwächen dieser Kultur, die von den Muslimen erst einmal überbrückt werden müssen, bevor eine echte Integration überhaupt möglich erscheint. Dazu ist das „sich Lösen“ von Religionsinhalten zwingend erforderlich. Die Etablierten sind offensichtlich nicht gewillt in diesem Sinne zu handeln und reden nur ohne Handlungsalternativen aufzubauen. Wenn welche erarbeitet worden sind, werden sie nicht konsequent durchzusetzen. Muslime fordern nur ein und wollen nicht geben. Solange das nicht abgestellt wird, kann von einer echten Integration wie sie z.B. in Norwegen, Schweden oder auch Kanada betrieben wurde, nicht geredet werden.

19) riccardo borghese, Dienstag, 31. August 2010, 18:03 Uhr

Natürlich berichtet der SPIEGEL ausführlich. Und alle anderen hecheln scheinheilig hinterher. Empörung aller Orten, trotzdem wird berichtet was das Zeug hält. Experte tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden wieder. Und (fast) alle sind sich einig. Sarrazin muss weg. Was für eine Bande von Heuchlern. Unseren Gastgeber nehme ich mal aus. Obwohl, das Gerede von früher und vor 25 Jahren hört sich schon arg nach Stalingrad an.

20) Peer, Dienstag, 31. August 2010, 18:11 Uhr

@ Schäfer
Sarazin hat bereits zugegeben, dass die Zahlen in seinem Buch frei erfunden sind. Angeblich, weil es keine Studien gibt (eine etwas schwache Begründung, aber immerhin). Das ist aber falsch. Bereits vor 5 Jahren gab es z.B. eine Studie, die klar besagt, dass Migranten 2. Generation (also hier geborene) im Schnitt genau so viele Kinder haben, wie “reguläre” Deutsche. Die Sache mit der Geburtenrate ist also schon einmal schlicht Unsinn.
Auch ist schon seit längeren bekannt das Intelligenz nicht vererbbar ist.
Das sind nur zwei Thesen, die ich ohne großes Herausforderungen sofort demontieren kann – es ist also keine “Wahrheit” die Sarazin verbreitet, sondern schlichtweg Unsinn. Auch das muss mal gesagt werden.
Und falls man mir nicht glaubt, hier Sarazins Vollzitat:
“Wenn man keine Zahl hat, muss man ine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch.”

21) Maren P., Dienstag, 31. August 2010, 18:28 Uhr

Ihrer Analyse des Hypes um Sarrazin und seine kruden Thesen kann ich nur zustimmen, Herr Spreng. Freuen Sie sich über den Titel von Meyer, der Sie als Medien-Dinosaurier bezeichnet. Zu Ihrer aktiven Zeit als Journalist gab es noch so etwas wie Berufs-Ethik. Ich wette, würden nicht empörte Leser ihre Abos kündigen, hätte der SPIEGEL sicher weniger Kritik an Sarrazin. Da laufen ja eine Menge ehrgeiziger Jungspunde herum …

Sarrazin selbst hat seine Verirrungen in die Genetik ja schon wieder relativiert, weil das ‘osteuropäische Intelligenz-Gen’ (Deutschland zählt hier zu Osteuropa) streng wissenschaftlich nicht nachzuweisen ist. (Schade, ich war so sicher, es zu besitzen. *gacker*)

Ich hoffe wirklich sehr, Hyperventilation und Schnappatmung normalisieren sich schnellstens wieder, damit wir zur LÖSUNG zweifellos vorhandener Probleme in Deutschland zurückkehren können!

22) Chat Atkins, Dienstag, 31. August 2010, 19:27 Uhr

Mann, Mann, Mann – die Qualität der Beiträge hier ist stellenweise unterirdisch. Im Klartext: Jeder Mensch hat ungefähr 30.000 dieser “Gene” (die winzige Amöbe übrigens noch wesentlich mehr). Mal angenommen, es gäbe dieses “jüdische Gen”, von dem dieser wildgewordene Banker dort ohne Not dahersabbelt, von jeder Wissenschaft offenbar unbeleckt: Was bewiese uns denn das? Wo man doch bei den meisten Genen noch nicht einmal weiß, wozu ein einzelnes von ihnen überhaupt gut sein soll: Schwarze Haare? Intelligenz? Plattfüße? Menschenfreundlichkeit? Homosexualität? Wohl kaum … immer spielen ganze Gensequenzen im Menschen zusammen. Ähnlich, wie auch viele Buchstaben zusammen erst einen Text ergeben, der dann so oder so ausfallen kann. Ein Gen allein bewirkt gar nichts, wer nur auf ein Byte schaut, versteht kein Programm.

Es kommt aber noch schlimmer: Gene ‘determinieren’ uns nämlich gar nicht, d. h. sie sind keineswegs unser Schicksal. Im Gegenteil: Die Umwelt ‘determiniert’ vielmehr auch die Gene, die Gene verändern sich mit den Erfahrungen und Umwelteinflüssen, denen wir unterliegen. Eine ganze Wissenschaft, die Epigenetik, befasst sich mit diesem Thema. Das bekannteste Beispiel sind vielleicht Krebszellen, die plötzlich ganz anders agieren, als es das “genetische Programm” vieler Gene in ihnen ursprünglich mal vorgesehen hat.

Kurzum: Biologische Unterschiede auf genetischer Ebene besagen so gut wie gar nichts, sie können sich regelhaft so oder auch so auswirken. Das gilt auch für diese dubiose Vadder-Abraham-Studie, auf der plötzlich alle Sarrazin-Verteidiger so begeistert herumruckeln, weil sie keine Ahnung haben und die wildesten Folgerungen zur Pflege ihrer Vorurteile daraus ableiten möchten. Selbst noch die Eltern eines Selbstmordattentäters sind meist ganz normale Leute, obwohl der doch je zur Hälfte ihre Gene hatte, bevor er sich zu Mus zersprengte.

Faktisch viel gefährlicher ist das ‘Framing’ von Menschen, das eindimensionale Programmieren von Nervenbahnen im Gehirn, wie es alle Sekten praktizieren – und gewisse weltverschwörerisch irregeleitete Stammtischbrüder untereinander offenbar wohl auch.

Ich jedenfalls weiß nur, dass Thilo Sarrazin 99 Prozent seiner Gene mit dem Schimpansen gemein hat. Wie ich und alle anderen hier auch …

23) C, Clocke, Dienstag, 31. August 2010, 20:57 Uhr

Lieber Herr Spreng,
das war jetzt aber sehr gut geheuchelt. Sie selber jubilieren vor ein paar Wochen noch über die Zahl derer, die Ihren Blog lesen. Ich lese ihn gern, aber sicherlich fördert ihr Blog auch die Höhe Ihrer Honorare. Wenn Spiegel und Bild Ihre Werbeeinnahmen durch einen auflagensteigernden Vorabdruck erhöhen, sollen sie sich von irgendwelchen Inhalten distanzieren. Ich denke, sie sind lange genug in dem Business, um das in die Märchenkiste vom “Wirtschaftlich unabhängigen Journalismus” zu packen. Auch im Medienbereich gilt der Satz: “Die Zahlen müssen stimmen.” Angesichts der unfairen (weil kostenlosen) Konkurrenz der Blogger, sind solche Veröffentlichungen ja kein Einzelfall. Die Entscheidung darüber treffen Manager, Controller, Juristen. Die Journalisten dürfen in solchen Fällen nur noch zustimmen, oder?

24) Sven Glückspilz, Dienstag, 31. August 2010, 21:55 Uhr

Was wäre denn eigentlich die Quintessenz, die jene jahrzehntelang medial unterdrückte schweigende, sich im Besitz des gesunden Voksempfinden wissende Mehrheit aus der von Sarrazin angestoßenen, jetzt schon von niemand mehr beherrschbaren – nennen wir es unbegründet euphemistisch – Diskussion? Alle Muselmanen wieder raus, zurück dahin, wo ihre Vorfahren herkamen? Bis in die wievielte Generation? Müssen dann die im 19. Jahrhundert zugezogenen Polen auch wieder gehen? Müssen die Sachsen, sofern noch genetisch nachweisbar, den Weg der Völkerwanderung zurückgehen? Sind eigentlich die Sorben hinreichend integriert? Die sprechen ja angeblich auch gerne ihre eigene Sprache, dort in ihren Sümpfen. Wer bleibt eigentlich noch innerhalb der Mauer, die von den in ihrer Meinungsäußerung Unterdrückten zum Schutze der deutschen Kultur gezogen werden wird?

25) Steffen Lotze, Dienstag, 31. August 2010, 22:35 Uhr

Danke, Herr Spreng !!!!

26) m.spreng, Dienstag, 31. August 2010, 23:02 Uhr

@C. Glocke

Welche Honorare? Für meine Beratertätigkeit ist mein Blog eher nicht förderlich und die Medienhonorare (für Texte, Talkshow-Teilnahme etc.) liegen fest und wären auch bei einer Verdoppelung immer noch gering.

27) Igor Swerdlosk, Mittwoch, 01. September 2010, 01:20 Uhr

Ihre wunderschöne Kampagne “Mein Freund ist Türke” hat offensichtlich nichts bewirkt. 25 Jahre später haben sich die Probleme mit der Migration in Deutschland so verschärft, dass dieses Buch des Herrn Sarrazin das Thema Nummer 1 in den Medien ist. Und 50 bis 80 Prozent der Deutschen stimmen ihm zu.

28) Immanuel Scheerer, Mittwoch, 01. September 2010, 01:47 Uhr

Ich finde es fatal, dass über der ganzen Aufregung über Sarrazin der Grund übersehen wird, warum er überhaupt eine solche Resonanz finden kann: Die nicht definierbare deutsche Identität! Deswegen müssen wir Angst vor allem haben, was eine Identität in sich trägt (wie z.B. der Islam).

Hier meine Einschätzung von der Talkshow am Montag bei Beckmann:
http://www.sein-und-nicht-sein.de/ein-sehr-dunkler-tag/

29) uniquolol, Mittwoch, 01. September 2010, 02:24 Uhr

„…Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden…“

Juden und Gentechnik in einem Satz, das reicht für die Höchststrafe und für zwei Wochen Gutmenschen-Hysterie. Der Satz war als sarrazin-typische Provokation gemeint, ging aber mächtig nach hinten los. Da hat er sich gründlich verschätzt. Sachlich ist diese Aussage zweifelsfrei richtig, genetische Studien werden von Historikern schon lange zur Erforschung von Völkerwanderungen etc. eingesetzt. Fatal ist aber, dass diese Formulierung instrumentalisiert wird, um alle Argumente des Sarrazin-Buches zu diskreditieren. Das Land braucht dringend eine offene Diskussion. Es kann nicht sein, dass jeder Politiker, der die Integrationsproblematik konkret und ernsthaft bearbeiten will, fortwährend unter dem Damoklesschwert der öffentlichen Hinrichtung lebt…

30) The Flying Fish, Mittwoch, 01. September 2010, 03:48 Uhr

Ich danke Thilo Sarrazin für seinen Mut und sein Rückgrat. Er hätte einen ruhigen, beschaulichen Ruhestand genießen können. Stattdessen stellt er sich freiwillig ins mediale Kreuzfeuer der überwiegend linksgerichteten Mainstream-Medien (und einige Blogger).

Dabei sprechen die großen Umfragen und Foren eine klare Sprache: Bis zu 90% Zustimmung in der deutschen Bevölkerung!

Alles Nazis, alles Fremdenfeinde? Nein, ganz sicher nicht.
Die Menschen haben ihre Erfahrungen mit Migranten gemacht, oft negativer Natur. Sie wissen um die Kriminalität und um die Kosten der Migration überwiegend moslemischer Einwanderer. Das darf man den Menschen nicht zum Vorwurf machen. Es ist – leider – Fakt und muss dringend diskutiert werden. Daher, danke Thilo Sarrazin!

31) Lutz Jahnke, Mittwoch, 01. September 2010, 05:01 Uhr

Es geht nicht um Sarrazins Thesen. Es geht auch nicht um “Gene” oder darum, was politisch “correct” ist. Es geht nicht einmal um Fakten.
Es geht darum, dass ein großer Teil der Gesellschaft die Politik in diesem Land schlicht und ergreifend “satt” hat und deshalb auf fast jedes Roß aufspringen würde, um gegen das politische Establishment eine Attacke zu reiten.
Sarrazin ist ein Symptom des Unmuts. Mehr nicht. Aber wehe, man ignoriere das. Sarrazins Rauswurf aus der SPD z.B., gäbe dem Pferd die Sporen.

32) John Dean, Mittwoch, 01. September 2010, 05:47 Uhr

Vielleicht ist es so, dass SpOn eine neue Form des Kampagnenjournalismus entwickelt hat. Ging es zuvor um die Unterstützung (z.B. Schröder) oder Bekämpfung (z.B. Beck) einzelner Politiker, ist nunmehr die Fabrikation öffentlicher Aufreger durch selbsternannte Tabubrecher die Zielstellung. Bemerkenswerter Weise (jedenfalls im Fall von SpOn) wird nach Auslösung der allgemeinen Aufregung versucht, die schlimmsten Irrtümer bzw. Hetzvarianten (Juden-Gen, Vererblichkeit von Bildung usw.) wiederum zu debunken bzw. zu enttarnen. Man agiert also vermeintlich aufklärerisch, während man in Wirklichkeit den bösen Geist, den man zu bekämpfen vorgibt, vorher aus der Flasche gelassen hat und sogar gezielt mästete. Diese Kampagnen werden gemeinsam mit jener “Konkurrenz” geplant, welche bevorzugt auf andere Zielgruppen meinungsbildend wirken. So erhöht sich die Durchschlagskraft.

Kampagnenjournalismus 2.0?

Oder handelt es sich einfach eine uralte Variante des Zeitungsgeschäftes, geboren aus der wirtschaftlichen Not der kooperierenden Verlage? Während wir im Fernsehen eine Schwemme von “Reality Soups” haben, bei der Drehbuch und Wirklichkeit verschwimmen zwecks Inszenierung einer Scheinauthentizität, so erleben wir im Bereich der politischen Meinungsbildung etwas, das im Grunde genommen ganz ähnlich ist – und ebenfalls dazu bereit ist, das Publikum zu betrügen.

Das Problem dabei ist in meinen Augen doppelter Natur. Erstens verspielen die beteiligten Verlage damit das Vertrauenspotential ihrer besten Produkte. Je öfter sich derartige Kampagnen wiederholen, umso stärker wird dem Publikum der Charakter einer inszenierten Seifenoper bewusst. Zweitens:

Es ist ein Spiel mit dem Feuer.

33) JG, Mittwoch, 01. September 2010, 06:31 Uhr

Tja, der “Spiegel”… Falsch nachgedruckte Zahlen von “diesem Heidelberger Professor” im Rahmen des Versuchs, Merkel an die Macht zu schreiben, der heutzutage übliche Wohlfühljournalismus und alle vierzehn Tage der “Führer” als Coverboy.

Man kann jungen Leuten vermutlich gar nicht mehr vermitteln, daß das mal ein kritisches und ernstzunehmendes Blatt war, die Speerspitze des investigativen Journalismus in Deutschland, welche diverse politische Skandale aufdeckte.

34) bananenkiste, Mittwoch, 01. September 2010, 09:24 Uhr

@The Flying Fish: “Stattdessen stellt er sich freiwillig ins mediale Kreuzfeuer der überwiegend linksgerichteten Mainstream-Medien (und einige Blogger).”

Man kann Herrn Spreng sicher viel vorwerfen, aber ihn mit demm linksgerichteten Mainstream in Verbindung zu bringen, geht dann doch zu weit :-)

“Bis zu 90% Zustimmung in der deutschen Bevölkerung!”

Das ist das grosse Problem: Nehmen Sie sich ein beliebiges gesellschaftliches/wirtschaftliches/politisches Problem. Schieben Sie einer beteiligten Gruppe (immer eine Minderheit, sonst geht es nicht) die alleinige Schuld zu: Die Politiker sind Schuld an der Staatsverschuldung, die amerikanischen Banker sind Schuld an der Wirtschaftskrise, die Auslaender sind Schuld an mangelnder Integration etc. Ist alles nicht ganz falsch, aber befreit einen selbst aus der Verantwortung und garantiert hohe Zustimmungsraten um die 80 bis 90 %. Und befreit einen selbst aus der Verantwortung (eigenes Anspruchsdenken an den Sozialstaat z.B. bei der Staatsverschuldung, fehlendes Zugehen auf Einwanderer bei der Integration).
Wenn man einseitig (auch noch in unschoenerWortwahl) einer Minderheit die Schuld zuweist, fuehrt das nur zu beiderseitigem Abgrenzen, und auch z.B. dazu, dass die Position von integrierten Einwanderern, die selbst mehr von ihren Landsleuten fordern, geschwaecht wird.

“Es ist – leider – Fakt und muss dringend diskutiert werden.”
Dazu kommt es halt eben nicht. Fuer eine Diskussion muessten Fehler beide Seiten aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden. In dieser Form koennte man auch offensiv mehr von Zuwanderern verlangen. Aber eben nicht in der Form von Herrn Sarrazin.

35) Stephan, Mittwoch, 01. September 2010, 09:48 Uhr

T. Sarrazin plappert das nach, was Demagogen in den 1930-Jahren schon mal benutzt haben, um die Welt komplett umzugestalten. Das sollten wir uns immer vor Augen halten und nicht danach sagen, “wir haben nichts davon gewusst.” Dieses langsame Einschleichen von genetisch-rassistischen Äußerung, um diese durch die Hintertür salonfähig zu machen, geht m.E. eindeutig in eine Richtung, dessen Ende uns unsere Geschichte schon mal gezeigt hat. Wollen wir das?

Warum fordern wir eigentlich von Immigranten eine “bedingungslose” Anpassung an unseren Kulturkreis? Wenn ich daran denke, wieviel “Wurschti con Krauti” es in Italien gibt, wieviele deutsche Enklaven in der Welt exisitieren, wo Auswanderer aus Deutschland nur deutsche Wurst kaufen, deutsches Brot essen und von ihrer Umwelt erwarten, dass diese auch deutsch sprechen. Wir sollten uns im Urlaub mal umschauen und dann ganz gewaltig an die Nase fassen.

Wenn wir auch nicht nur die Medien nachplappern, sondern mal selber nachschauen, dann können wir sehen, dass die Anzahl der Straftaten seit Jahren rückläufig ist (siehe Website des BKA) und der Ausländeranteil in etwa gleich bleibt. Dabei ist zu beachten, dass ein Deutscher manche Straftaten, wie z.B. Verstoß gegen Asylauflagen, gar nicht begehen kann.

Und wenn wir zum Schluss noch alles aus unserem Leben entfernen, was uns durch andere Kulturen gebracht wurde, dann lassen wir Kaffee, Pfeffer, Gewürze, Seide, Baumwolle, Erdöl, Medizin, Porzellan, Tabak, Kartoffeln, Tulpen und was weiß ich noch alles einfach mal weg.

Kultur lebt von Austausch, Kultur ist für die Weiterentwicklung Deutschlands und Europas essentiell wichtig. Salopp gesagt, sollen diejenigen, die konservativ alles beim Alten belassen wollen, sich mal ein schönes Feuerchen machen, dann in Felle gehüllt drum rum setzen und Beeren und Getreidebrei essen, weil Faustkeile waren damals schon was Neues.

36) A. Hopfenschauer, Mittwoch, 01. September 2010, 10:06 Uhr

Sehr guter Kommentar.
Damit ist die Diskussion beendet und ich möchte zukünftig nie mehr von Herrn Sarrazin (oder Frau Herrmann) belästigt werden.

37) Peter W., Mittwoch, 01. September 2010, 10:18 Uhr

Danke!

38) sk8erBLN, Mittwoch, 01. September 2010, 10:34 Uhr

Es hilft nichtsd herr spreng,

der weg hin zu pogromen ist vorgezeichnet…..

kleine fundsache beim http://derstandard.at
“Game
“Moschee Baba”: FPÖ-Werbung lässt Muezzins abschießen
von Birgit Riegler | 31. August 2010, 15:26
Seit Montag ist im Internet ein Spiel verfügbar, bei dem der Spieler Muezzins von Minaretten schießen muss….2009 sorgte bereits die Schweizer Anti-Minarett-Initiative mit dem selben Online-Game für Aufregung.”

Und hinterher wird wieder niemand irgendwas geahnt haben. So wie zuletzt vor 60 jahren.

lesen sie mal “Sarrazins Konsequenz Ein fataler Irrweg” von frank schirrmacher.

thttp://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E1E30FB65E1E44794BFFEB5A2B73DE7EA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ich bezeichne das was sarrazin betreibt nicht grundlos von anbeginn als s.c.h.m.i.e.r.i.g.e e.u.g.e.n.i.k.

39) Harry Hirsch, Mittwoch, 01. September 2010, 11:07 Uhr

@sven glückspilz:

Und Thilo Sarrazin schicken wir zurück nach Arabien, wo angesichts seines Namens seine Vorfahren mit höchster Wahrscheinlichkeit herkommen.

Im übrigen: Wenn ich so manche Beschreibungen von integrationsunwilligen Migranten lese, denke ich unwillkürlich an deutsche Pauschaltouristen in der Türkei, in Griechenland, Spanien…

40) Omar, Mittwoch, 01. September 2010, 11:58 Uhr

Vielen Dank für diesen Artikel.

41) Jojo, Mittwoch, 01. September 2010, 12:06 Uhr

Danke für diesen Artikel, den leider die Mehrheit der Masse nicht begreift.

42) marcpool, Mittwoch, 01. September 2010, 12:31 Uhr

Zu viel Aufmerksamkeit – zu viel Gerede – in jeder Talk show bis zum Erbrechen redet man mit oder ohne den Bundesbanker und seine Deutschtum Ansichten . Wahrscheinlich lacht er sich über uns alle tot – mehr PR kann einer doch gar nicht bekommen . Ihm jetzt auch noch die gewaltigen Honorare aus den Bucheinnahmen hinterher zu schmeissen , ist geradezu stupid.
Deutschland ist ein Einwanderungsland.Es wird noch signifikant Steigerungen geben, wir werden uns
daher auch mit den Kulturen beschäftigen müssen. Als Touristen – dort im Land – tun wir immer so als seien wir die kultivierten Interessierten, sind verschwenderisch -überheblich . Sind die Menschen hier sollen sie doch auch meistens nur die ” Dreckarbeiten” übernehmen – weil das zwischenzeitlich undeutsch ist. Sarrazin ist doch selbst ein verlogener Zeitgenosse – der sich darüber beschwert das keine Integration möglich ist , und selbst keine wegweisenden Akzente setzte als er es hätte machen sollen , im Gegenteil er kürzte alle Mittel – um jetzt als ” Bundesbanker-Pasha” darüber rumzumosern. Er ist nur verachtenswert . Die Medien befördern ihn leider dorthin , wo er gerne sein möchte – Selbstdarsteller mit Hang zum Abzocken von der Allgemeinheit – und alle Redaktionen springen drauf – wie immer .

43) Atalay, Mittwoch, 01. September 2010, 14:47 Uhr

Erst einmal auch von mir Danke für den Artikel.

Da bereits alles schon einmal gesagt wurde nur noch ein Hinweis: Herr Sarrazin hat sich bei Beckmann auch nach der zweimaligen Korrektur durch die Betroffene geweigert, den Namen der Ministerin Özkan richtig auszusprechen. Er hat sie bei Beckmann bis zum Ende der Sendung Frau Özak genannt.

Was lehrt uns das?

Was mich weiter interessiert: angenommen, alles, was Herr Sarrazin behauptet stimmt. Was soll die Konsequenz sein?

Ich bitte um Antwort der angeblich 90 %igen Befürworter. Sollen alle Ausländer abgeschoben werden? Auf welcher Rechtsgrundlage? Die meisten sind doch Deutsche.

Sollen die ausländischen Frauen weniger Kinder bekommen durch Zwangssterilisation?

Oder kommt da noch eine Endlösung?

44) Ralf Oetinger, Mittwoch, 01. September 2010, 15:07 Uhr

Vor dem Hintergrund der immer wilder geführten Diskussion um die Aussagen von Herren Sarrazin habe ich mir mal die Zeit gegönnt mir die Thesen des Herrn Sarrazin anzuschauen.

Ich, der ich mich selber nicht im entferntesten für rassischtisch halte, habe dabei keinerlei faschistoiden, rechtsradikale oder ähnlich abzulehnende Tendenzen erkannt.

Seine Aussagen decken sich in weiten Teilen mit der von mir wahrgenommenen Realität.

Aus meiner Sicht hat jede Gesellschaft oder lassen sie mich jedes Volk sagen einen nicht zu behebenden Anteil an leistungsschwachen Personen. Befindet sich eine Solidargemeinschaft in einem gesunden Gleichklang können die leistungsschwachen Bestandteile einer Gesellschaft kompensiert werden. Erweitere ich nun den Anteil der Leistungsschwachen bringe ich dieses Gleichgewicht ins wanken.

Migartion : natürlich !!!!!!!! Holt die Leistungsträger aus der ganzen Welt , aber last die kasachischen Ziegenhirten in ihren Dörfern. Sie haben unserer Gesellschaft nichts zu bieten.

45) sk8erBLN, Mittwoch, 01. September 2010, 15:29 Uhr

eigentlich müsste spreng uns doch als ex-springer-insider gut erklären können wie es zu zeilen wie diesen eines gewissen “norbert blome” kommt:

“Erste Buch-Lesungen sind schon abgesagt. Wegen „Sicherheitsbedenken”.
Zwischen Politikern und Bürgern steht ein großes Missverständnis, ein umfassendes, dramatisches Nicht-Verstehen. Sarrazins Thesen und die Reaktionen darauf sind wie ein Brennglas: Gut möglich, dass der Graben zwischen Wählern und Gewählten bald in Flammen steht.”

Nur die vereinzelten feuchten träume eines bild-redakteurs? Für gewöhnlich fabuliert man gern in npd-nahen publikationen oder auch altermedia von einem in flammen stehenden staat?

Im anschluss jedenfalls ließ uns blome wissen dass die politik einpacken könne, dass sie ihre “geschäftsgrundlage und daseinsberechtigung” verloren habe. Was noch fehlte war der aufruf zum “totalen krieg”.

Her spreng, dürfen wir in kürze mit einem “body-count rechnen? was ist da los bei springer?
Auflage auflage über alles oder eine andere misssion?

Über aufklärung würde ich mich sehr freuen….

46) Mario W., Mittwoch, 01. September 2010, 15:57 Uhr

Thilo

Es ist schon faszinierend. Sarrazin hat nicht gesagt das bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer Gene immer dümmer bleiben werden. Er sagte, das Intelligenz vererbbar ist (die 50 – 80 % Zahlen).

Das eine schließt das andere nicht aus ?
Oh doch, denn diese Menschen leben nun mal hauptsächlich in der ungebildeten untersten Schicht. Und wie Thilo sagte bekommt diese Schicht mehr Kinder als die gebildeteren Schichten. Woran liegt das nun, stellte er sich die Frage?

Mangelnde Bereitschaft zur Integration , was der Knackpunkt ist(–>Parallelgeselschaft), daraus resultiert ein Unkenntnis der deutschen Sprache was wiederrum hinderlich im Schulweg und Berufsweg ist. Letztendlich H4 und Arbeitslosigkeit. Und diesen Lebensstil vererben und geben diese Leute dann an ihre Kinder weiter und letztendlich schafft sich Deutschland ab.
(Kurzfassung)

Gabriel muss das nochmal erklärt werden… Ausserdem hat Thilo weitaus mehr sehr sinnvolle und interessante Aspekte gebracht, doch er wird auf diese eine Sache begrenzt, an der er angreifbar ist und an der man ihn aufhängen kann.

Wichtig ist, dass Thilo nun mal einen Nerv getroffen hat und die Konsequenz ist wie so oft:
Rausschmiss, Verdammung und Diffamierung
Und letztendlich wird Demokratie geheuchelt.

Das deutsche Volk steht mehrheitlich hinter Sarrazin und es ist eine Schande wie das Volk Tag für Tag verarscht wird.
Ein paar Volksentscheide wären für unsere Politiker in Berlin fatal.

47) kamikaze, Mittwoch, 01. September 2010, 17:17 Uhr

Es wird kolportiert, dass sogar ein großer Teil der gewöhnlichen SPD-Mitglieder Sympathien für Herrn Sarrazins Thesen hegt. Bei den nicht-muslimischen Migranten soll er ebenfalls große Zustimmung erfahren. Selbst manche Migranten aus der Türkei und Arabien lehnen nicht alles ab, was er sagt.
Herrn Spreng unterstelle ich einen Nachholbedarf, was Zustimmung aus dem herrschenden politisch-medialen Komplex betrifft. Er war jung und brauchte das Geld von “Express” und “Bild am Sonntag”.

48) Sebastian, Mittwoch, 01. September 2010, 17:20 Uhr

“Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben (Alexander von Humboldt)”.
Dieses mag bei Herrn Sarrazin irgendwie schief gelaufen zu sein, aber bei einem Großteil derer, die Ihre Xenophobie hier und sonst wo ausbreiten trifft dieses Zitat aus meiner Sicht den Nagel auf dem Kopf.

Irgendwie beängstigend wie empfänglich unsere Gesellschaft für Demagogie ist.

49) Linus, Mittwoch, 01. September 2010, 17:54 Uhr

@wolfgang schäfer

“Die Spaltung verschärfen tun meiner Meinung nach die in Deutschland lebenden Muslime, die sich weigern Deutsch zu lernen”

Wenn das ein Deutsch ist, von dem Sie meinen, man müsste es lernen, würde ich mich auch weigern. Sogar als Deutscher.

50) kamikaze, Mittwoch, 01. September 2010, 18:21 Uhr

Jedes Volk ist mehr oder weniger “xenophob”. Man nenne mir eines, das seit Jahrhunderten “xenophil” ist und noch in einem eigenen Staat existiert und dort etwas zu melden hat.

51) Sven Glückspilz, Mittwoch, 01. September 2010, 18:25 Uhr

“Das deutsche Volk steht mehrheitlich hinter Sarrazin und es ist eine Schande wie das Volk Tag für Tag verarscht wird.”

Das ist die Denkweise, die immer mehr aus den Kommentaren im Internet hervorbricht. Sie fängt an, sich deutlicher zu artikulieren.

“Das deutsche Volk” wird reklamiert – nicht die Menschen in diesem Land, sondern die schillernden Bezeichnungen “deutsch” und “Volk” werden bemüht. Wer ist denn damit gemeint, verehrter Mario W.? Wer ist denn bei Ihnen noch deutsch? Die korrekte Beherrschung der deutschen Sprache ist ja offenbar nicht das Kriterium, ob jemand dazu gehört oder draußen bleibt. Wichtig ist ja nur, dass die Migranten zu Deutschkursen verpflichtet werden.

Die Behauptung, eine Mehrheit stünde hinter Sarrazin, diese Behauptung erledigt sich doch von selbst, wenn man das, hinter dem diese Mehrheit zu stehen vorgibt, sich These für These anschaut. Ich möchte nicht wissen, wie schnell sich Sarrazin von seinen Claqueuren distanziert, die NPD hat damit ja schon angefangen. Was soll es denn mehr sein, als ein diffuses Gefühl der Angst vor dem Fremden, vor dem Islam und vor allem vor dem, was Mario W. als “Tag für Tag verarscht” werden bezeichnet. Dahinter steckt die Angst vor einer immer komplexeren Welt, das Unterständnis, dass gesellschaftliche, persönliche, politische und andere Probleme nicht auf die schlichte Weise gelöst werden können, wie das der Stammtisch und die immer wieder auftauchenden (und zum Glück wieder abtauchenden) Demagogen behaupten. Die Welt ist komplex, die Grenzen zwischen den Ländern, die Abgrenzung nach Nationen – die es ja bezogen auf die gesamte Menschheitsgeschichte auch nur einen Moment lang gegeben hat – sind faktisch und unwiderruflich aufgebrochen. Notleidende Südosteuropäer lassen sich auf Dauer genauso wenig in ihren Herkunftsregionen aufhalten, wie man Afrikaner an der Grenze zu Europa stoppen kann. Mit dem Islam kann man sich nur inhaltlich auseinandersetzen. Und Außereinandersetzungen können – zumindest hierzulande haben wir es im Griff – nur auf demokratische Weise geführt werden. Und das ist nun einmal ein mühsames Geschäft. Wir müssen nicht den Gröfaz bemühen, auch nicht den Sarrazin in irgendwelche Nähen rücken, jedoch: Laßt Euch nicht von den Wilders und Heiders dieser Welt einreden, dass sie die einfache Lösung all Eurer Ängste bieten.

52) Maren P., Mittwoch, 01. September 2010, 19:04 Uhr

@ Mario W.

Ihre “Ode an Thilo” (so nenne ich den Beitrag) ist so anbiedernd wie dümmlich. So stelle ich mir einen NPD-Funktionär vor, der dunkel raunend und murmelnd versucht, aus seinem 1,5%-Splitter zu kommen. DEN Beifall gönne ich Thilo Sarrazin. *grins*

Dazu passt der von sk8erBLN genannte Bericht von Norbert Blome in Bild. Ich lese die nicht, weder als Print noch online. Hätte also den Artikel ignoriert, wie andere Nicht-Leser auch. Aber dadurch, dass in Blogs und Foren alles mögliche verlinkt wird und dazu die Journalisten sich auch noch ständig gegenseitig zitieren, vervielfältigt sich solch geistiger Dünnpfiff natürlich unendlich. Damit wird man dann meistzitiertes Medium, was wieder bei Anzeigenkunden Umsatz generiert.

53) Doktor Hong, Mittwoch, 01. September 2010, 19:25 Uhr

Was bedeutet eigentlich genau die Aussage, “Intelligenz sei zu 50-80% erblich” ?

Bedeutet das, dass die Kinder am Anfang 50-80% des mittleren IQ der Eltern haben, und dann während des Lebens durch Umwelteinflüsse kumulativ IQ-Punkte draufsatteln? Sind dann drei Leute mit IQ 80, die kumulativ einen IQ von 240 haben, schlauer als ein hochbegabter Wissenschaftler mit einem IQ von 180?

Bedeutet das, dass es eine 50-80-prozentige Wahrscheinlichkeit gibt, dass ein Kind hinterher den mittleren IQ seiner Eltern hat? Aber wenn die Chance genauso gut wie bei einem Münzwurf steht, was für eine Tragkraft hat dann eine solche Aussage? Sind die IQs von Kindern gaußverteilt um den mittleren IQ der Eltern? Was für eine Korrelation besteht da? Hat man da nur eine einfache Regressionsrechnung durchgeführt? Wie misst man den Umwelteinfluss auf die Entwicklung des IQ?

Ist es vernünftiger, sich von einem hochspezialisierten Neurochirurgen mit IQ 100 operieren lassen oder von einem hochbegabten Informatiker mit IQ 150, wenn man einen Hirntumor hat?

Vielleicht kann das ja jemand schlüssig erklären. Ich jedenfalls verstehe die substanzielle Bedeutung der Aussage nicht.

Klar ist natürlich die politische Intention derselben, nämlich die üble Diffamierung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Aber vielleicht kann mir ja einer derjenigen, die Sarrazin als sachlichen Kritiker darstellen, erklären, was genau die mathematische und kognitiv-psychologische Bedeutung jener Aussage ist.

54) Recht Unbedeutend, Mittwoch, 01. September 2010, 21:45 Uhr

Das Positive sollte nicht unter den Tisch fallen. Die negative Entwicklung ist allerdings unverkennbar. Wenn man im Interesse der wünschenswerten Zukunftsentwicklung die Wahrheit verschweigen muß, dann ist man vom demokratischen Gedanken weit entfernt. Und wenn die Politik nicht begreift, daß das Volk sich nicht abschaffen lassen will, wird sie selbst abgeschafft werden. Spätestens von den Undemokratischen, Nichtzeitungslesenden Kohorten des Jahres 2050. Ich werde dann mutmaßlich noch am Leben sein, und ich habe keine Lust darauf. So einfach isses…

55) Stefan Schulz, Mittwoch, 01. September 2010, 22:22 Uhr

Also man kann die Probleme, die Sarrazin thematisiert, leider weder mit einem Button noch mit einer vierzehntägigen Medienkampagne lösen. Zumindestens in Berlin.

Und leider ist es offensichtlich, dass Sarrazin – nur um seines Honorars willen – blanken Unsinn quatscht (Stichwort: Hype). Denn die Probleme sind – leider – wirklich drückend vorhanden. Wer das bestreitet, kennt zumindestens Berlin nicht.

56) Mario W., Donnerstag, 02. September 2010, 03:00 Uhr

Ok dann werde ich mal genauer erläutern was ich mit meinen Aussagen meine, sprich ich werde meine Sätze ein wenig ausschroten. Ich diskutiere wirklich gern, besonders wenn die Themen so wichtig sind.

“Das deutsche Volk”
Selbstverständlich sind hier alle Bürger des Landes mit inbegriffen, welche sich als Deutsche verstehen, das bedeutet sie identifizieren sich als Deutsche. Dies betrifft auch gut integrierte Mitbürger, gegen die übrigens niemand etwas hat!

Herr Sven “Glückspilz” Sie machen es sich etwas leicht, mir vorzuwerfen ich hätte angst vor dem Komplexen, was in naher Zukunft unausweichlich auf uns zukommt. Sie werfen mir vor ich würde nicht verstehen, dass eine Lösung eines Problems in Gesellschaft und Politik ein langwieriger, komplexer und schwieriger Prozess ist.
Dies stimmt definitiv nicht.

These: Das deutsche Volk wird verarscht?!
Nun ich werde es mal so formulieren:
Durch das Wählen einer Partei, welche explizite Versprechungen gemacht hat , wobei Versprechen bedeutet,
dass man dem Volk Brief und Siegel gibt etwas durchzusetzen, (Zitat: wenn wir an der Macht sind dann passiert dies und dies)
erhoft sich das Volk Veränderungen und ein zielstrebiges Erfüllen dieser Versprechen, was definitiv nicht passiert oder gar das Gegenteil eintritt.

Wenn zum Beispiel in den Komunen das Geld fehlt und die Diäten erhöht werden, wenn Vetternwirtschaft betrieben wird, wenn die Interessen des Volkes ignoriert werden usw. bekommt der Bürger einen “leichten” Eindruck von Verarschung, oder nicht?
Am Beispiel Serrazin kann man die Verarschung so deutlich machen; Wenn 90% bei repräsentativen Umfragen hinter Serrazin stehen, dann kann man davon ausgehen, dass ein Großteil des Volkes auf seiner Seite steht.
Serrazin steht also stellvertretend für die Bevölkerung, bzw. ist ein Sprachrohr. Wenn er nun für DUMM und als NAZI verkauft wird, sei es von manchen staatlich oder privaten Medien, Politikern oder Kritikern dann fällt das auch auf das Volk zurück.
Ihre Probleme werden mit rosaroter Brille beschönigt und für bedeutungslos erklärt, wie es Arnulf Baring in “hart aber fair” treffend darlegte. Arnulf Baring überzeugte in dieser Sendung überragend, dieser Mann genießt bei mir höchstes Ansehen.

Ich rede nicht sinnlos die Meinung des Mainstreams nach, sondern habe klar meine eigene Meinung zu dem ganzen Theater. Und ich habe keine angst vor dem Unbekannten oder Komplexen, nein mit nur ein klein wenig Phantasie kann sich jeder ausmalen was auf uns zukommt, wenn es so weiter geht. Dazu bedarf es auch nur eines kleinen Spaziergangs durch Berlin – Kreuzberg.

Übrigens… Immer mit dem dämlich NPD Totschlagargument zu kommen ist albern, ich wünschte diese Partei gäbe es nicht, dann müsste man sich nämlich nicht immer davon distanzieren.

Ich finde die Debatte gut, welche Herr Sarrazin angestoßen hat, da es sich um ein Thema handelt, welches in Deutschland schon viel zu lange vor sich hergeschoben wird. Dem Herrn Sarrazin wird oft und gern vorgeworfen das er “alle über einen Kamm schert”. Er beschäftigt sich mit Statistiken und kann mit Zahlen gut umgehen. Und bei einer Statistik gibt es immer Ausnahmen (Menschen die sich ebend anders verhalten). Dies erwähnte er aber ziehmlich oft und sprach z.B. vom Großteil einer Gruppe.
Ich habe übrigens Immigranten als Freunde, mit denen ich diskutiert habe und welche selbst behaupten, das Immigration hauptsächlich eine Holschuld ist. Wobei sich in Deutschland niemand beschweren kann, dass wir unserer Bringschuld nicht nachkommen.

Sarrazin hat den Finger in der Wunde und viele nehemen dies nicht objektiv, sondern subjektiv und proklamieren Rassismus.

################

Doktor Hong hat sehr interessante Denkanstöße aufgeschrieben. Ist Intelligenz erblich ? Wie ist sie erblich? Sarrazin bezieht sich auf Quellen, welche von 50 % – 80 % sprechen?! usw.. ist dies alles überhaupt nachweisbar?
Zuerst sei gesagt, dass sowohl Vererbung als auch Umfeld eine Rolle spielen. Sarrazin meinte, dass die Behauptung mit dem jüdischen Gen inhaltlicher Schwachsinn sind (er meinte aber nicht falsch) da sie in keinem Zusammenhang mit dem Buch stehen. Das ein Volk Gengemeinsamkeiten hat ist ja wohl klar oder?

Ich dächte ich hätte mal gelesen, dass bei den Zahlen 50-80% die Grundeigenschaften der Eltern wiedergespiegelt werden. Das restliche Intelligenzpotential wird hierbei individuell bei der Entstehung des Babys selbst entwickelt.

Das Potential zur Intelligenz wird also zu 50-80% vererbt, ob dieses Potential genutzt werden kann, ist abhängig von den ersten Lebensjahren, bzw. der Förderung in dieser Zeit.
Sicher kann man Intelligenz fördern, aber man kann nicht mehr herausholen, als drin ist.
Wie Sarrazin sagte fördert ein Schule ALLE Kinder, jedoch werden bei der Förderung die Unterschiede deutlich herauskristallisiert.

Herr Marlen P. … geistiger Dünnpfiff? NPD Funktionär? 1,5% Splitter? wenn hier etwas ärmlich oder dümmlich ist dann doch wohl diese Beschuldigungen. Haben Sie die Thesen verfolgt? Haben Sie seine Statements angehört ? Beckmann, hartaberfair usw. oder haben Sie gar sein Buch schon gelesen? Haben sie sich mit diesem Thema schon beschäftigt? Wenn ja dann bringen Sie Gegenargumente und beleidigen und beschuldigen Sie nicht ungerechtfertigt.

Ich habe mir nur vorzuwerfen, dass ich mich im ersten Beitrag nicht klar genug ausgedrückt habe, und dass ich zu oft Thilo schrieb, als wäre es ein “Stammtischkumpel” von nebenan … Der erste Beitrag war wohl etwas zu übereilt geschrieben. Das Sie übrigens Bild ignorieren ist lobenswert, wobei man durch pure Ignoranz keinen Blumentopf gewinnt. Ich lese gelegentlich Bild mache mir meine eigenen Gedanken zum Artikel, lese jedoch bspw. ebenso viel Bildblog.de

57) Spontaner, Donnerstag, 02. September 2010, 03:31 Uhr

Manchmal schäme ich mich hier, in Deutschland, zu leben. Im Moment ganz besonders!
Das tut mir alles so leid und es macht mich so traurig….

58) Frank66, Donnerstag, 02. September 2010, 07:51 Uhr

@ Maren P.

Genauso funktioniert es. Die Verlage kämpfen ums Überleben und ihnen ist jedes Mittel recht die Auflage zu steigern. Der Kommentar von Nikolaus Blome auf Bild-online ist voller Berechnung und zielt nur darauf ab, durch Zitierung und Verlinkung die Aufrufe der Seite zu steigern.
Und unfassbar, es funktioniert sogar! Wir besorgen ungewollt deren Geschäft mit.
Wirklich enttäuscht bin ich aber vom Spiegel. War ich schon irritiert als ich vor 14-Tagen die Anzeige der Energieversorger dort lesen musste, hat mich der Vorabdruck des ominösen Buches, dessen Autor und Titel ich nicht mehr nennen möchte, schockiert.
Ich muss mir schwer überlegen, ob ich nicht mein Abo kündige.

59) Ferdinand Hayek, Donnerstag, 02. September 2010, 08:41 Uhr

m.spreng, Dienstag, 31. August 2010, 13:44 Uhr @wolfgang Schäfer
“Dass es muslimische und andere Zuwanderer gibt, die sich weigern, Deutsch zu lernen und die Integration verweigern, ist doch unbestritten. Darüber hat aber Sarrazin kein Buch geschrieben, sondern er hat dieses Problem mit einer völkischen Genetik, mit einer Rasse- und Kulturtheorie verknüpft, die ihn aus dem Kreis der ernstzunehmenden Diskutanten katapultiert.”

Sie haben das Buch doch gar nicht gelesen. Sie plappern nur noch was die Mainstreammedien so verzapfen.
Ich hab’ mir ihre Blogeinträge mal durchgelesen. Sie sind unglaublich links geworden über die letzten Jahre. Sie meinen wie Merkel, dass man nur weit genug nach links rücken muss, um den anderen linken Parteien das Wasser abzugraben. Was für eine absurde Strategie. Sie führt nur dazu, dass es wirklich bald eine seriöse sechste Partei in Deutschland geben wird. Ihr Beitrag zu diesem Thema strotzt nur so vor Beleidigungen. Da muss der Schiss aber gewaltig sein. Recht so.
Je früher abgehobene Realitätsverweigerer wie sie keine Macht mehr haben, desto besser.

60) Immanuel Scheerer, Donnerstag, 02. September 2010, 08:48 Uhr

@Jojo: Da Sie mich offensichtlich zur Mehrheit der Masse zählen, die Herrn Sprengs Artikel nicht versteht, bitte ich Sie, hierzu mal Stellung zu beziehen:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/sprachmanipulation-mit-provokation-und-kopftuch/

@Spreng: Ich bin sehr froh, dass es noch integere Menschen wie Sie auf dieser Welt gibt, die sich sachlich mit Herrn Sarrazin auseinandersetzen können. Nicht wie z.B. die Kritiker Sarrazins in der Sendung “Beckmann” am Montagabend:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/der-nicht-provokateur/

61) sk8erBLN, Donnerstag, 02. September 2010, 09:52 Uhr

@ Doktor Hong, Mittwoch, 01. September 2010, 19:25 Uhr

“Was bedeutet eigentlich genau die Aussage, “Intelligenz sei zu 50-80% erblich” ?”

Dazu die professorin elsbeth stern, auf die sich sarrazin mit seiner kruden these beruft:

“Mit seinem mehrfach wiederholten satz, ‘intelligenz ist zu 50-80 % erblich’ zeigt thilo sarrazin, dass er grundlegendes über erblichkeit und intelligenz _nicht_ verstanden hat.

Aus erblichkeit und fertilität im dreisatz auf eine drohende verdummung zu schließen, wie thilo sarrazin es tut, ist mit einer komplexen anlage wie intelligenz schlicht nicht möglich und ignoriert zudem die vielfältigen sozialen einflüsse. Es wird zu keinem einbruch des durchschnitts-iq in deutschland kommen, wenn menschen, die sich in der unteren hälfte der intelligenzverteilung befinden, mehr kinder haben”
nachzulesen in der heute erschienenen ausgabe der zeit.

Vernichtender kann die kritik kaum ausfallen.

Aber wir wissen ja längst wie der möchtegern hobby-eugeniker sich seine zahlen zurechtbastelt auch wenn er keinerlei faktengrundlage dafür hat:
“Wenn man aber keine Zahl hat, erklärte Sarrazin dem Reporter weiter, muss »man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch«. Danke dafür. Hier zeigt das, was wir derzeit »Debatte« nennen, wenigstens einmal seine erschreckende Fratze. ”

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/33007

62) Benjamin, Donnerstag, 02. September 2010, 11:21 Uhr

Die Sarrazin-Einladungen lohnen sich nebenbei bemerkt auch für die diversen Talksendungen: Beckmann und nun auch Plasberg hatten sehr gute Quoten, was freilich wenig verwundert. Wenn es brennt, schauen viele zu – und diverse dumpfe Kommentare in Blogs und Foren gießen Öl zusätzlich ins Feuer. Dass sich Elsbeth Stern, auf die sich Sarrazin berief, missverstanden fühlt und eine Klarstellung in der FAZ abgab, stört den Genetik-Guru Sarrazin freilich nicht. Ich wünsche denjenigen, die sich eine 20 % Rechtspartei ersehen, viel Vergnügen mit dem “Charismatiker” Sarrazin als neue Leitfigur.

63) Sprachsynthese, Donnerstag, 02. September 2010, 11:33 Uhr

@Wolfgang Schäfer

Unreflektiertes Geschimpfe über Dinge, die der Boulevard gerade im Angebot hat, bei völligem Desinteresse an deren Wahrheitsgehalt, ist für mich Stammtischgehabe. Sarrazin selbst betreibt nichts anderes, allerdings hat er das größere Publikum.

>>
>>wir diskutieren nicht über Einzelfälle sondern über ein massenhaftes Phänomen – zu besichtigen in >>Berlin, Hamburg, Köln …
>>

Ja, ebenso wie Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit, Wohnungsmangel und die Schere zwischen Arm und Reich. Ich bitte Sie, es ist doch eine Binsenweisheit, dass soziale Probleme in Großstädten vermehrt auftreten. Das macht aber noch längst nicht jedes davon zu einem deutschlandweiten oder gar “gesamtgesellschaftlichen” Problem.

64) michael, Donnerstag, 02. September 2010, 11:55 Uhr

der einzige kommentar, der hier eine wirkliche aussage für mich beinhaltet, ist folgender:

“marcpool, Mittwoch, 01. September 2010, 12:31 Uhr”

ich bin nicht so sehr über die aussagen thilo sarrazins schockiert, sondern eher über die tendenzen die die befürworter an den tag legen, und wenn ich mir die internetblogs anschaue, scheinen dass nicht wenige zu sein. das macht mir angst und nicht die sog. überfremdung die die ewig unzufriedenen in ihrer eigenen kleinen welt sehen! integration benötigt immer zwei seiten die aufeinander zugehen. und da muss ich mir als deutscher auch selbst an die nase fassen. ich empfehle jedem meckerer, einmal mit sog. ausländern ein amt aufzusuchen und diesen dschungel zu bewältigen. ich empfehle jedem lästerer über hartz4 beiträge, selbst von approx 300 EUR/monat zu leben und ich empfehle jedem stänkerer selbst zu versuchen sich im ausland zu integrieren oder einmal international zu arbeiten…

hätte man diesem mann nicht die PR geboten, die er nun hat, wäre dieses buch und diese diskussion sicher in der bedeutungslosigkeit verschwunden.

65) Alexander Schwarzkopf, Donnerstag, 02. September 2010, 12:48 Uhr

Warum können wir uns nicht darauf verständigen, dass nur diejenigen ein Werturteil zum Buch abgeben, die es auch gelesen haben. Es ist einfach unerträglich, mit wie wenig inhaltlichem Wissen hier Meinungen als absolute Wahrheit zum Besten gegeben werden. Ich habe es nicht gelesen, deshalb halte ich mich auch vornehm zurück. Übrigens: Herr Sprenger, haben Sie das Buch schon ganz gelesen? Ich wette eine Flasche Schampus dagegen…

66) Frank, Donnerstag, 02. September 2010, 13:21 Uhr

Wenn’s nach Herrn Alexander Schwarzkopf geht, darf man über gewisse Dinge offenbar nur noch diskutieren, wenn man gewisse Bücher im Regal stehen hat. Ich werde gewisse Machwerke gewisser völkischer Demagogen dennoch nicht erwerben, dafür ist mir mein Geld zu schade.

Das Traurige an der von Spiegel und Bild samt ihrem Herrenreiter provozierten Debatte ist, dass sie überhaupt zündet. Warum sie das tut, ist an vielen Kommentaren hier abzulesen.

Die deutsche Gesellschaft ist in der Krise der vergangenen 35 Jahre mittlerweile so weit nach rechts gerückt, dass ein ehemaliger BamS-Chefredaktuer und Stoiber-Berater zwangsläufig schon fast als links erscheint.

Achso, Herr Schwarzkopf: Wir können uns nicht darüber verständigen, dass ich den Mund halte über einen, der Menschen nur als ausbeutbare Ressource betrachtet. Seien Sie sich sicher.

67) achim, Donnerstag, 02. September 2010, 13:36 Uhr

Zu S. und den Medien muss man nichts mehr sagen. Was mich aber wirklich stört, ist die Reaktion der Politik, vor allem der grossen Parteien. Man sollte doch meinen, dass spätestens anhand dieser Geschichte der Bedarf endlich allzu offensichtlich wird, in diesem Land endlich eine Debatte und nachfolgend eine Strategie zum Thema Integration zu führen. Das geschieht seit 40 Jahren nicht, und auch heute möchte anscheinend niemand das Thema auch nur mit der Kneifzange anpacken. (Hat z.B. unsere Kanzlerin sich zu der Affäre geäussert ?) Warum, ist verständlich, aber vollkommen inakzeptabel : Mit dem Thema vergrault man Wähler, (s. das Herumgeeiere in der SPD zum Thema Parteiausschluss), und vor allem weiss jeder, dass man dort richtig viel Geld in die Hand nehmen müsste (verpflichtende Sprachkurse, KITA- Plätze usw. wollen ja auch bezahlt werden). Also wird wohl leider das Ergebnis sein, dass alle weiterhin den Kopf in den Sand stecken und die “Lösung” der Probleme auf der Strasse stattfinden wird. Aber Hauptsache, die Unterschicht hat das korrekte Feindbild.

68) Mario W., Donnerstag, 02. September 2010, 13:50 Uhr

*Kopfschüttel*
Ich stimme Alexander Schwarzkopf zu, mehr bleibt wohl zu dieser ganzen Debatte nicht zu sagen.

69) John Dean, Donnerstag, 02. September 2010, 14:10 Uhr

Weil so oft gefragt wird: “Das ein Volk Gengemeinsamkeiten hat, ist ja wohl klar oder?

Nein. Das ist garnicht klar. Zunächst einmal: ALLE Menschen haben Gengemeinsamkeiten. Es gibt selbstverständlich auch besondere Gemeinsamkeiten, z.B. in direkten Familienverhältnissen, noch mehr in Fällen der Inzucht, aber – in einem allerdings begrenzten Rahmen – es gibt auch besondere Gemeinsamkeiten innerhalb eines gemeinsamen Kulturraumes. Dabei wird man allerdings eine überraschende Feststellung machen:

Den Genen ist es ziemlich schnurzpiep egal, was wir unter “Volk” oder gar “Rasse” verstehen. Der mittels IBD-Methode (leicht umstritten) messbare Grad an genetischer Verwandschaft fördert haufenweise Erkenntnise hervor, die mit den aus den 19.ten Jahrhundert stammenden Vostellungen von “Volk” und “Menschenrasse” überhaupt nicht in Einklang zu bringen sind. Das fängt damit an, beispielsweise, dass der genetische Verwandschaftsgrad zweier tiefschwarzer Menschen (man beachte: dies ist nur die Hautfarbe) durchaus (und das nicht einmal selten) erheblich geringer ausfallen kann als zwischen einem dieser Menschen und einem Weißen. Es geht damit weiter, dass die angeblich ach-so-verschiedenen Völker der Palästinenser und der Israelis in verwandschaftlicher Hinsicht genetisch kaum zu trennen sind, jedenfalls, wenn man die europäischen Verwurzelungen dabei fortlässt. Wo so viel zu “den” Juden gefragt wird: Ein durchschnittlicher New Yorker Jude ist vom genetischen Verwandschaftsgrad (nach IBD) deutlich näher mit “den” Italienern verwandt als mit einem sephardischen Juden – gleichzeitig lassen sich aber zwischen sephardischen Juden und den (ähem: meisten) übrigen Juden Verwandschaftsbeziehungen finden, allerdings solche, die deutlich weiter entfernt sind. Ach, und wie es es mit dem “Volk” der Deutschen? Tja: Während man bei Menschen in den Niederlanden noch eine gewisse (allerdings nicht sehr weit reichende) Homogenität der genetischen Verwandschaftsverhältnisse feststellen kann, so zeichnen sich “die” Deutschen in genetischer Hinsicht vor allem (und das seit vielen Jahrhunderten) durch einen hohen Grad an Vielfalt und Durchmischung aus, so sehr sogar, dass die Konstruktion eines auf genetischer Basis eingegrenzten “deutschen Volkes” schlicht unmöglich ist.

So: Ist jetzt irgendwer zufrieden mit diesen Erkenntnissen? Und (falls ja oder falls nein), bringen sie irgendetwas, und speziell in Bezug auf die Integrationsdebatte??

Eben nicht.

70) Benjamin, Donnerstag, 02. September 2010, 14:28 Uhr

Nur so viel bleibt zu einigen von Herrn Sarrazins Thesen zu sagen:

http://www.zeit.de/2010/36/Intelligenz-Sarrazin?page=all

71) Maren P., Donnerstag, 02. September 2010, 14:30 Uhr

Als Textarbeiterin hatte ich mir ein Bonmot abgeschrieben und gut sichtbar am Schreibtisch plaziert. Es ist von Johann Wolfgang von Goethe (Achtung: deutscher Bildungskanon!*lach*):

>>Getret’ner Quark wird breit, nicht stark!<<

72) Jokus, Donnerstag, 02. September 2010, 16:30 Uhr

Ja, so kann man sich leicht empören, wenn man nicht mehr ist, was man mal war. Als ob die Veröffentlichung von “Bild” und “Spiegel” mehr als einen Anschub geliefert hätten. Als ob es nicht zum Journalismus gehöre, auch gewagte Meinungen zur Diskussion zu stellen. Und überhaupt: Auch “Sprengsatz” so verquerer Sorte, wie Sarrazin ihn anbot, gehört veröffenticht. Gerade um darü ber diskutieren zu können. Und wenn nicht “Bild” und “Spiegel” hätten es womöglich “Stern” und “Welt” getan…Nein, lieber M. Spreng, wie verquer liegen Sie damit ihrem Beruf.

73) Schlenkerle, Donnerstag, 02. September 2010, 18:46 Uhr

Allerwertester Alexander, der Mann dessen Blog Sie vollsudeln, heisst nicht “Sprenger”, sondern Spreng, Michael Spreng. Gar nicht so schwer. Vielleicht sollten Sie zunächst an Ihrer eigenen Lesekompetenz arbeiten, bevor Sie Alkohol auf die Lesekompetenz von Herrn Spreng verwetten. Auch wenn Sie zu 50 – 80% genetisch benachteiligt sind. Einverstanden?

74) deraxel, Donnerstag, 02. September 2010, 21:08 Uhr

Man man man…. Über 70 Kommentare! Merkt denn hier keiner das der Sarrazin nichts anderes als dieses ganze Geschnatter provozieren wollte. Er hat das mit den Genen schon als Blackout beschrieben. Damit sollte es doch auch gut sein.

Vor allem der Friedmann sollte mal die Füße schon still halten. Wenn ich mich recht erinnere hat er für seine Völkerverständigungskurse mit Osteuropäerinnen nach Stunden bezahlt und damit seine Frau öffentlich schwer gedemütigt.

75) m.spreng, Donnerstag, 02. September 2010, 23:47 Uhr

Ich habe bei früheren Diskussionen schon mehrmals darauf hingewiesen, dass ich strafrechtlich relevante, grob beleidigende oder verhetzende Kommentare nicht zulasse. Ich möchte nicht, dass solche Kommentare mit meinem Namen oder meinem Blog im Internet verbunden werden. In der aktuellen Debatte über das Sarrazin-Buch ist es leider notwendig, dies noch einmal zu betonen. Die Debatten im sprengsatz bewegten sich – bis auf wenige Ausnahmen – immer auf einem sachlichen Niveau. Ich mächte, dass dies so bleibt.

76) theo, Freitag, 03. September 2010, 01:39 Uhr

H.R. Joost,

Sie schreiben:

“Unglaublich, die unsachliche, teilweise demagogische Kritik an Sarrazin. Die spät-achtundsechziger Nomenklatura Medien/Politik schlägt zurück. Bis hin zu Zensurfantasien. Wo sind wir eigentlich? Wer hat denn das Buch gelesen? Man kann über einzelne Punkte und Inhalte durchaus streiten, aber es ist eine Diskussionsgrundlage. Ich erinnere an Karl Poppers Kritikansatz der sogenannten Falzifizierung, also das sachlich-kritische Hinterfragen und auf den Prüfstand stellen, auf wissenschaftlicher Basis. These-Antithese. Dann kämen die Pauschalkritiker hier zu beachtlichen Ergebnissen.”

Fangen wir mal an.

“Zensurfantasien”? Wer hat hier irgendwen zensiert, wer hat Zensur beantragt? Beispiele?.

“Diskussionsgrundlage, Karl Popper”: Gute Idee. Nun sind öffentlich und überprüfbar ja schon etliche Fakten Sarrazins widerlegt worden. Allein, es gibt ein Problem mit seinen Fans: die wollen das nicht einsehen. Das ist allerdings ein erstaunliches Ergebnis.

Und darf ich als großer Verehrer Sir Karl Poppers noch etwas anfügen?

Wenn einer wie Herr Sarrazin sagt:

Wenn man aber keine Zahl hat, muss »man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch« (zitiert nach SZ),

dann kann man das bestenfalls die Perversion von Falsifikation nennen.

By the way: Danke, Herr Spreng, für diesen Blogbeitrag.

77) Immanuel Scheerer, Freitag, 03. September 2010, 02:30 Uhr

Die ganze 50-80% Vererbungsdebatte kann man sich eigentlich sparen, weil man daraus eigentlich nichts Besonderes ableiten kann, außer dass manche Menschen sich beim Lernen leichter tun, als andere:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/die-gene-sarrazins/

78) Immanuel Scheerer, Freitag, 03. September 2010, 07:38 Uhr

Wie in unserem Land die Gefühle kontrolliert werden:

http://www.sein-und-nicht-sein.de/gefuehlskontrolle/

79) marcpool, Freitag, 03. September 2010, 10:30 Uhr

@ deraxel
Genau das habe ich bei ” Hart aber fair ” auch gesagt. Herr Friedmann ist gerade kein gutes Beispiel sich als Vorzeigebetroffener in Stellung zu bringen, ich bezweifele das er überhaupt das Wort ” Gefühle” kennt, so wie er im Stande ist darauf rumzutreten – nach dem Motto ich sag mal was – entschuldigen kann ich mich immer noch – mit seinem ständigen provokanten Vorwurfston . Seine Nasse ist lang genug um sich daran selbst zu kratzen.

80) Politikverdruss, Freitag, 03. September 2010, 14:16 Uhr

Herr Spreng, Sie als Medienfachmann können sicher die Frage beantworten, warum es zum Thema Sarrazin keine Meinungsumfragen gibt. Nach allem, was zu hören ist (Zuschauerreaktionen “hart aber fair” z.B.) gibt es doch eine nicht unerhebliche Diskrepanz zwischen der veröffentlichten Meinung und der Einstellung der Bevölkerung zu diesem Thema. Warum kommen die Medien nicht ihrer Informationspflicht nach?

81) sk8erBLN, Freitag, 03. September 2010, 15:59 Uhr

@ Ferdinand Hayek, Alexander Schwarzkopf, & co.
Muss man wirkklich erst jeden schund lesen oder darf man sich auch auf kritiken wie diese verlassen (ich finde ja!):

Es ist ein unlesbares Buch. Und das zunächst nicht aus inhaltlichen Erwägungen, sondern wegen seiner erstaunlich schlampigen Komposition. Sarrazin feuert ein gut 400 Seiten andauerndes Stakkato desselben bescheidenen Zahlenmaterials ab; manche Statistiken wiederholen sich im Lauf des Buches über zehn Mal. Er schreibt Sätze, die im exakten Wortlaut drei Seiten später noch einmal vorkommen; die englischsprachigen Zitate strotzen vor Fehlern, jedes »its« wird zum »it’s«, genauso wie auch die Namen der herbeizitierten Wissenschaftler (wie viele Patzer erträgt der Name »Claude Lévi-Strauss«?) In einem PISA-Test für Sachbücher läge Deutschland schafft sich ab ungefähr auf dem Platz von Bremen, was seine Lesbarkeit und die Sorgfältigkeit des Lektorats betrifft.

Dieses Buch ist ein wucherndes Gebilde: in seiner Fehlerhaftigkeit überraschend bildungsfern, in seiner Dickleibigkeit fast adipös, dabei allerdings so fortpflanzungsfreudig, dass der Argumentationskeim eines Kurzreferats zu einem Riesenwälzer angewachsen ist. Nimmt man noch die Perspektive des Erzählers hinzu, die es an Verengung mit dem Augenschlitz einer Burka lässig aufnehmen kann, gleicht Thilo Sarrazins Buch eigentlich exakt seinem Feindbild: ein übergewichtiger, fertiler Religionsfanatiker.

Sarrazin begründet gewissermaßen die neue Disziplin der Religionshygiene. Wobei er große Mühe darauf verwendet, die historische Blaupause seines Buchs nur bis zu jener Grenze aufzudecken, an der sie für die meisten Leser unkenntlich bleibt. Seit 70 Jahren diskreditierte Schlagwörter wie »Eugenik« etwa kommen kein einziges Mal vor. Der seltene und daher ungefährdete Gegenbegriff der »Dysgenik« fällt dagegen ständig, in dem Zusammenhang, dass die ungehinderte Fortpflanzung muslimischer Einwanderer zur Schädigung des deutschen Erbguts führt.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34607

Nee, sorry, dieses pamphlet muss man nicht auch noch kaufen, geschweige denn lesen um sich ein urteil darüber zu bilden.

Erst recht nicht wenn man sich ausreichend mit seinen sonstigen absonderungen befasst hat. Aber nur zu, kaufen sie, es herrscht schließlich meinungsfreiheit und sein pamphlet ist nicht indiziert.
Nur bitte erwarten sie das nicht von anderen.

82) Meyer, Freitag, 03. September 2010, 18:13 Uhr

@ “Politikverdruss”

“Warum kommen die Medien nicht ihrer Informationspflicht nach?” – Weil es keine Informationspflicht gibt.

Ich erkenne den Sinn einer Sendung “hart aber fair” nicht für mich, also schaue ich sie nicht. Ich erkenne den Sinn der Tagesschau nicht für mich, also schaue ich sie auch nicht. Das gilt für alle empfangbaren Rundfunksendungen, sei es TV, sei es Radio. Überflüssig. Tageszeitungen? Überflüssig. Welt, Spiegel, Focus, Sonntagszeitungen? Überflüssig.

Lesen sie Homer, Wallenstein oder Grimmelshausen (oder oder oder) und sie verstehen von dem, was heute vorgeht, doppelt so viel, als wenn alle “Medien” eine Imformationspflicht hätten, der sie auch tatsächlich nachkämen. Fragen sie sich mal, welche Zeitungs-/Radio-/Fernsehmeldungen einen Wert hat, der über den Tag, die Woche oder das Jahr hinausgehen wird? – Keiner. Und die zwei Ausnahmen sind weder das Geld, noch die Zeit und schon gar nicht den Verlust an Lebensqualität wert, die man dort hinein steckt.

Oder lesen Sie das Buch Sarrazins selbst und vergleichen Sie es mit Ihren eigenen Beobachtungen. Wer läßt sich denn von anderen vorsagen, was er über das Buch zu denken hat? Billige Positionierung können Sie auch ohne das Buch (bzw. einer Meinung zum selbigen) haben: Wenn ich durch meine Heimatstadt gehe, weiß ich, was mir gefällt und was nicht. Dazu brauche ich keinen Sarrazin und keine “Medien”.

Ich brauche auch kein Sarrazin-Feigenblatt. Das, was ich sehe, paßt mir überhaupt nicht. Mit Leuten, die das schönschreiben, gutieren oder noch befördern – oder was noch häufiger vorkommt – feige kuschen, habe ich keinerlei gemeinsame Basis. Im Gegenteil: Buckelrunterrutschen! Wohin auch immer, am Besten dorthin, wo der Pfeffer wächst.

83) Politikverdruss, Freitag, 03. September 2010, 18:47 Uhr

@sk8erBLN,

was halten Sie von dem Vorschlag, das Sarrazin-Buch öffentlich zu verbrennen?

84) Adrian Schmidt, Samstag, 04. September 2010, 10:31 Uhr

Thilo Sarrazin wird von der politischen Klasse aus Amt und Partei gejagt und ein großer Teil der Bevölkerung äußert sich entrüstet über ein derartiges Verhalten, das der Meinungsfreiheit in unserer Demokratie spottet. Zu Recht, aber dennoch ist die Debatte nicht ganz ehrlich. Diejenigen, die sich in den letzten Tagen als Empörer der Nation betätigt haben, sind von eben dieser Nation zu dem gemacht worden, was sie sind. Haben wir, die Bürger, nicht viel zu lange die „political correctness“ gelebt, gefordert und gewählt? Haben wir nicht unsere Politiker zu Schoßhündchen der gut angepassten Empörung erzogen, die brav Kläffen, wenn ein Querdenker, ein Provokateur, ein Freigeist sich nähert?

Nun sind wir des Kläffens überdrüssig geworden. Die poltical correctness, die bisher als Verantwortungsvoll und staatstragend galt, wird zunehmend als kleingeistig und antidemokratisch erfunden. Der Mehltau den wir selbst über Deutschland gelegt haben, droht uns zu ersticken und die causa Sarrazin wird zum Auslöser einer längst überfälligen Befreiungsbewegung, die die bleierne Decke durchstoßen und freie Luft atmen möchte.

Christian Wulff hat vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten seine Sympathien für den aufklärerischen Denker und Philosophen Voltaire bekundet. In diesen Tagen sollten wir uns alle gemeinsam (und hoffentlich auch Herr Wiulff) an diesen Kämpfer für die Meinungsfreiheit mit einem klugen Satz Voltaires erinnern: „Ich verabscheue ihre Meinung, doch ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, daß sie sie äußern dürfen!“

85) sk8erBLN, Samstag, 04. September 2010, 10:51 Uhr

” Politikverdruss, Freitag, 03. September 2010, 18:47 Uhr

@sk8erBLN,

was halten Sie von dem Vorschlag, das Sarrazin-Buch öffentlich zu verbrennen?”

Nichts!
Wie bereits geschrieben: Solange es nicht indiziert ist darf ein jeder der glaubt aus dem pamphlet erkenntnisse ziehen zu können kaufen und lesen.

Das ändert jedoch nichts an meinen einschätzungen zu dem eugeniker und seinem pamphlet. Ich hoffe, sie können damit leben dass ich ebenso emine meinung vertrete wie herr sarrazin das tut.

86) Benjamin, Samstag, 04. September 2010, 12:45 Uhr

Sarrazin kann als Privatmann jede Meinung äußern, die er will, so lange er nicht gegen Gesetze verstößt. Niemand hindert ihn daran. Aber Sarrazin ist nicht nur der Bürger Sarrazin, er sich auch Mitglied im Vorstand der Bundesbank (gewesen). Hier hat er sich an ein Reglement zu halten und er wurde in der Vergangenheit oft genug darauf hingewiesen. Wenn er das ignoriert, kann er das gerne tun, muss aber auch mit den Konsequenzen rechnen. Das hat rein gar nichts mit dem Abwürgen der Meinungsfreiheit zu tun – er kann weiter in Talkshows gehen und sich profilieren, nur bald eben nicht mehr als Bundesbanker.

87) Kpt. Olaf, Samstag, 04. September 2010, 14:52 Uhr

Lieber auf ehrliche Weise “schlecht”,
als auf heulerische Weise “gut” !

88) Fred Katz, Sonntag, 05. September 2010, 23:07 Uhr

Sarrazins Buch erscheint bei der DVA. Die gehört über RandomHouse zu Bertelsmann. Bertelsmann ist Mehrheitseigner bei G+J. G+J ist Großaktionär beim Spiegel. Die Kapitalmehrheit an Bertelsmann hält die gleichnamige Stiftung. RTL und n-tv befeuern einerseits die Kontroverse (“Mehrheit der Deutschen steht hinter Sarrazin”), tragen andererseits aber fleißig ihren Teil zur Verdummung des Proletariats bei!!!

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