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Samstag, 04. September 2010, 12:35 Uhr

Sarrazin und die Meinungsfreiheit

Im Fall Sarazzin wirbeln die unsinnigsten Vorwürfe nur so durcheinander. Manche Gegner nennen ihn einen Nazi, was nun wirklich nicht stimmt, seine Bewunderer wiederum sehen die Meinungsfreiheit bedroht, er solle mundtot gemacht gewerden.

Das Gegenteil ist der Fall: Kaum einer durfte in den letzten Jahren den Mund so weit aufreißen wie Thilo Sarrazin. Die Vorabdrucke seines Buches in BILD und “Spiegel” erreichten 18 Millionen Leser, er war schon Gast in zwei Talkshows mit sechs Millionen Zuschauern, zu seiner Pressekonferenz kamen 250 Journalisten und 30 Fernsehteams, er war Schlagzeile in jeder deutschen Zeitung, Aufmacher in allen TV-Nachrichten. Sein Buch wurde schon 250.000 mal bestellt.

Mehr Meinungsfreiheit geht nicht. Zur Meinungsfreiheit, insbesonders wenn man sie so extensiv ausnutzt wie Sarrazin, gehört auch das Risiko. Und das besteht für Herrn Sarrazin darin, dass er seine Mitgliedschaft in der SPD und seinen Vorstandsjob bei der Bundesbank verlieren kann. Das ist unschön für ihn, aber er wusste, was er tat. Außerdem garantiert das fortgesetzte Publicity und die nächsten fünf Auflagen seines Buches.

Mit einer Bedrohung der Meinungsfreiheit hat das alles rein gar nichts tun. Sarrazin kann und wird dank der im Höchstmodus rotierenden Medien und dank der Unvernunft der Bundesbanker, der SPD, Angela Merkels und Christian Wulffs seine Meinung noch oft, lautstark und in riesiger Verbreitung äußern können.

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67 Kommentare

1) Steffen, Samstag, 04. September 2010, 13:53 Uhr

Du wirfst den Bundesbankern, der SPD, Angela Merkels und dem Bundespräsidenten Unvernunft im Umgang mit Thilo Sarrazin vor. Was wäre denn die Alternative dazu? Ihn reden und schreiben lassen was er will und die Sache auf sich beruhen lassen? Sicher nicht. Wenn eine öffentliche Person, die politisch und beruflich so sehr mit, in der Öffentlichkeit stehenden, Institutionen verflochten ist wie Herr Sarrazin, dann erwartet die Öffentlichkeit eine entsprechende Reaktion.

Ein Bundesbankvorstand, ein Parteivorsitzender, eine Regierungschefin oder ein Bundespräsident (alle stehen nun mal in Verbindung mit dem Vorgang Sarrazin) die sich in dieser Angelegenheit nicht zu Wort melden, würden mich persönlich enttäuschen. Natürlich bietet jede Kommentar Herrn Sarrazin ein erneutes Forum. Aber die Lösung kann nicht sein, aus diesem Grund gar nicht zu reagieren.

2) TottiRobotti, Samstag, 04. September 2010, 13:58 Uhr

Sarrazin kann denn ja zusammen mit Eva Hermann die Kopp-Nachrichten vorlesen

3) marcpool, Samstag, 04. September 2010, 13:59 Uhr

… und ne fette Pension hinterher. Sarrazin haben fertig ! Gut so.

4) schlimm, Samstag, 04. September 2010, 14:03 Uhr

Das ist alles richtig und danke für ihre klaren Worte, aber selbst wenn die Werbetrommel für sein Buch eingestellt wird, wenn die SPD und die Bank ihn rauswirft, selbst dann bleiben immer noch 80% die seine Meinung teilen und das macht mir richtig Angst.

5) ecb, Samstag, 04. September 2010, 14:16 Uhr

Seit wann hat denn Meinungsfreiheit etwas damit zu tun, wie oft man von wie viel Leuten gehört wird? Ob das wirklich so gedacht war: Jeder darf sagen, was er denkt, aber wenn es uns nicht passt muss er halt die Konsequenzen tragen? Die Leute, die nicht mehr tragbar sind, sind unsere politische Führungsriege und die Medien, die ihren Job nicht machen sondern nur noch belügen, betrügen, manipulieren und durch ihre Unfähigkeit glänzen…

6) mik, Samstag, 04. September 2010, 14:41 Uhr

dem kann ich nur zustimmen, die Politik muss aufpassen, dass ihr das Volk nicht wegrennt. http://www.srn-manager.de/blog/sarrazin-soll-bleiben/

7) uniquolol, Samstag, 04. September 2010, 14:44 Uhr

„…Mit einer Bedrohung der Meinungsfreiheit hat das alles rein gar nichts tun…“

Stimmt! Offensichtlich kann man in D seine Meinung frei äußern, allerdings sollte man zumindest in der Lage sein, sein restliches Leben auch ohne Job bestreiten zu können…

8) Beate, Samstag, 04. September 2010, 14:45 Uhr

Aus der Sicht der Einwanderer hängt die Intregation an dem Einkommen.
Wenn ich Teller spüle in einem Restaurant werde ich mir nur eine Wohnung in den schlestesten Wohnvierteln leisten können.
Der Staat hat versagt, der nicht genug Sozialwohnungen bereitstellt auch und gerade im Hochtausnus, an der Elbchaussee und am Starnberger See.

Ziel der Einwanderer der 2.ten und 3.ten Generation ist es die schlechten Wohnviertel zu verlassen.

Man läßt sie nicht.
Weil die Schulen schlecht sind.
Sie keine Lehrstelle bekommen.
Und sie keinen Arbeitsplatz finden.

Der Staat könnte sofort Firmen gründen und Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze in genügendem Umfang bereitstellen.
Wie Krugman sagt.
Arbeitslosigkeit gibt es nur weil die Zentralbank nicht genügend Geld druckt.

9) Van Buyten, Samstag, 04. September 2010, 15:48 Uhr

In Holland ist es so:
«Sieben von zehn jungen Marokkanern verlassen die Schule ohne brauchbaren Abschluss; vierzig Prozent der jungen Marokkaner sind arbeitslos; Fast jeder dritte Insasse einer Jugendstrafanstalt ist marokkanischer Abstammung. Der Prozentsatz Strafverdächtiger unter den marokkanischen Zuwanderern der zweiten Generation ist höher als bei allen anderen ethnischen Minderheiten in den Niederlanden und doppelt so hoch wie bei der ersten Generation zugewanderter Marokkaner. Überdurchschnittlich viele Marokkaner gehören zum harten Kern der jugendlichen Wiederholungstäter.

Diese Jungen wachsen in bedenklichen Milieus auf, in denen die Inanspruchnahme von Sozialleistungen sehr gebräuchlich und ein Arbeitsplatz eine Ausnahmeerscheinung ist. Von den marokkanischen Männern in den Niederlanden beziehen sechzig Prozent Sozialhilfe, die Hälfte von ihnen wegen Erwerbsunfähigkeit. In Amsterdam lebt jede vierte marokkanische Familie von Sozialhilfe. Die Hälfte der marokkanischen Kinder in Amsterdam wächst in Armut auf.»

10) Ronnie Grob, Samstag, 04. September 2010, 16:16 Uhr

Wurde die allgemeine Meinungsfreiheit nicht durch den Parteiausschluss und den Jobverlust eingeschränkt?

Man kann zwar argumentieren, dass Sarrazin diese Folgen seiner Worte hätte voraussehen müssen. Wiederum wird doch, eben durch diese Folgen, in Zukunft kaum jemand seinem Beispiel folgen, oder?

11) deTocqueville, Samstag, 04. September 2010, 16:30 Uhr

Fetters and headsmen were the coarse instruments that tyranny formerly employed; but the civilization of our age has perfected despotism itself, though it seemed to have nothing to learn. Monarchs had, so to speak, materialized oppression; the democratic republics of the present day have rendered it as entirely an affair of the mind as the will which it is intended to coerce. Under the absolute sway of one man the body was attacked in order to subdue the soul; but the soul escaped the blows which were directed against it and rose proudly superior. Such is not the course adopted by tyranny in democratic republics; there the body is left free, and the soul is enslaved. The master no longer says: “You shall think as I do or you shall die”; but he says: “You are free to think differently from me and to retain your life, your property, and all that you possess; but you are henceforth a stranger among your people. You may retain your civil rights, but they will be useless to you, for you will never be chosen by your fellow citizens if you solicit their votes; and they will affect to scorn you if you ask for their esteem. You will remain among men, but you will be deprived of the rights of mankind. Your fellow creatures will shun you like an impure being; and even those who believe in your innocence will abandon you, lest they should be shunned in their turn. Go in peace! I have given you your life, but it is an existence worse than death.”

– Democracy in America, Book 1, Chapter 15

12) vero, Samstag, 04. September 2010, 16:39 Uhr

Mir ist es schleierhaft wie plötzlich die Politiker ihr Fähnchen in den Wind hängen. Für mich hat Sarrzin völlig Recht und die Hexenjagd auf ihn seitens der Politiker und Medien ist pervers. Ich kenne Einwandere die können auch nach 30 Jahren Leben in Deutschland noch immer kein Deutsch. Wenn sie radebrechen versteht man nix. Sie wollen kein Deutsch lernen und ihre Hände sind auf LINKS gedreht. Wie sie aber an deutsches Geld kommen ohne zu arbeiten diese Wege kennen sie perfekt. Dürfen wir Kirchen in andere Länder bauen? Nein! Wieso dürfen hier Moscheen gebaut werden? Wieso laufen die Frauen tief verschleiert drei Schritte hinter ihren Männern ? Warum dürfen wir der Welt nicht sagen wie uns das ankotzt? Weil wir eine Vergangenheit haben die 65 Jahre zurück liegt und an der wir überhaupt keine Schuld haben? Wieso dürfen die Juden so mit den Palästinenser umgehen ohne das sich die große Welt dagegen erhebt?

Ich habe 45 Jahre gearbeitet, vier Söhne in die Welt gebracht aber ich habe weniger zur Verfügung als diese “armen” Ausländer. nein, ich bin nicht neidisch sondern stolz auf mich, dass ich es alleine geschafft habe mit meiner Hände Arbeit .

13) Benjamin, Samstag, 04. September 2010, 16:56 Uhr

Die Bemerkungen von Herrn Spreng sind absolut zutreffend – über die Entrüstung mancher, hier sei Meinungsfreiheit unterdrückt worden (so auch der “Urdemokrat” Köppel von der Weltwoche), kann man doch nur den Kopf schütteln. Sarrazin konnte im Gegenteil seine Meinung in aller Breite darlegen und hat da viel Boden verbrannt. Manchen Beobachtungen hat niemand widersprochen, wie etwa die Forderung nach deutschen Sprachkenntnissen oder dass ein Bekenntnis zu den hiesigen Gesetzen und Grundwerten unabdingbar für eine gelungene Integration ist. Das war aber auch vor Sarrazin Konsens in der Diskussion. Eine Person, die mit Statistiken und Thesen unsauber hantiert und polemisiert, darf sich aber auch nicht wundern, wenn er Gegenwind bekommt. Der Bundesbanker Sarrazin musste mit seiner Entlassung rechnen (seine Befugnisse waren ja schon beschnitten worden), er hat das m. E. auch einkalkuliert. Mitleid muss niemand mit ihm haben, er verdient sehr gut an dem Buch und seinen Ansprüchen.

Die entscheidende Frage ist vielmehr, welche Auswirkung die aufgeheizte Debatte auf das Thema Integration hat und wie man konstruktiv voran kommt, ohne Ängste in der Bevölkerung zu bedienen und ohne zweifellos vorhandene Missstände zu vertuschen. Das ist ungleich wichtiger als der weitere Werdegang des Herrn Sarrazin und darüber lohnt es sich auch, zu diskutieren.

14) Jolly Rogers, Samstag, 04. September 2010, 17:14 Uhr

Danke, Herr Spreng! Wohltuend kurz & zutreffend, Ihr Kommentar! Das Geschwätz über die fehlenede Meinungsfreiheit für den Sarrazyniker geht mir schon seit Tagen auf den Senkel.

15) Dierk, Samstag, 04. September 2010, 17:31 Uhr

Harlan Ellison hat einmal sehr schön formuliert: ‘You have the right to an INFORMED opinion.’ Denn nicht jeder Anfall von Logorrhoe ist eine Meinung, so manches ist ein dumpfes Grollen, das besser zurückgehalten würde – ein Glaube halt. Auch das darf jeder bei uns, glauben was er will – solange er anderer Menschen Leben damit nicht einschränkt oder belästigt.

Vollkommen zu Recht erkennt unsere Verfassung an, dass Meinungsfreiheit immer beinhaltet, veröffentlichen zu dürfen. Allerdings gibt es Einschränkungen, die sich ganz direkt aus Artikel 1 ergeben, wo es um die Würde des Menschen geht. Offenbar wussten auch die Verfassungsväter, dass so manch einem alles sehr explizit vorgekaut werden muss, weswegen sie noch Artikel 2-4 entwickelten. Wer zu Hass aufruft, zu Gewalt, übel beleidigend, verwirkt sein Recht auf freie Äußerung der Meinung.

Auch wenn so manchen das Neutralitätsgebot öffentlicher Stellen stört, es gilt trotzdem. Die Bundesbank war für viele Staaten [und die EU] Vorbild, eben weil sie unabhängig und neutral war – dort haben politische Äußerungen nichts zu suchen. Das wusste T.S. bevor er dorthin kam, das wurde ihm öffentlich und sicher auch hinter verschlossenen Türen nach seinem “missverständlichen” Interview in Lettre International gesagt. Er kümmert sich nicht drum. Nun ja, wenn ein Angestellter fortwährend gegen die Regeln seiner Firma und die Anweisungen seines Chefs verstößt, wird er gefeuert.

Zu guter Letzt, hätte Udo Voigt das Buch geschrieben, hätte niemand es wahrgenommen. Hätte irgendein Hans oder Franz es geschrieben, wäre es nicht einmal veröffentlicht worden. Neben den hanebüchenen biologischen Unkenntnissen des Herrn S. stellen sich inzwischen auch diverse Details, für T.’s Argument notwendige Details, als falsch oder krass fehlinterpretiert heraus. Der einzige Grund, weswegen T.S. dafür keine Konsequenzen fürchten muss, ist sein nachträgliches Beharren darauf, es handele sich um eine politische Streitschrift, nicht eine Studie. Warum hat er dann nicht den ganzen Zahlensalat gelassen, stattdessen nur seine Thesen auf ein Blatt geschrieben? Luther hatte ganze 95 und die konnte er angeblich locker an eine Kirchentür nageln.

16) Uwe1164, Samstag, 04. September 2010, 17:32 Uhr

Risiko? Nun, wenn man es so betrachtet, gab es schon immer Meinungsfreiheit, sogar unter Diktaturen. Dort darf man auch alles sagen, allerdings auch mit einem gewissen Risiko.

17) Frank66, Samstag, 04. September 2010, 17:43 Uhr

Hätten sie sich nicht ein anderes Thema für ihren neuen Kommentar aussuchen können? Langsam habe ich genug von der Sarrazinitis in Deutschland. Natürlich hat sich DER SPIEGEL sich nicht entblödet, ihn Morgen aufs Titelbild zu heben. Sobald man irgend ein Zeitungsonlineportal öffnet, blickt einem dieser Mensch mit seinem struppeligen Schnäuzer entgegen. Ich kann ihn nicht mehr sehen, was erlaubt der sich eigentlich, sich so penetrant in mein Bewußtsein zu drängen?

18) tnt, Samstag, 04. September 2010, 17:47 Uhr

spreng schreibt unsinn, weil er selbst diese selektive meinungsfreiheit mit installiert hat in den letzten jahrzehnten. im angesicht der wiedereinführung vom berufsverbot durch Bundespräsident und Bundeskanzlerin von meinungsfreiheit zu reden, dass erinnert schon sehr an die befürworter des radikalenerlasses seinerzeit. spreng war sicher schon damals ein befürworter.

19) vera, Samstag, 04. September 2010, 17:53 Uhr

wenn er ‘n linker wäre, hieße das ‘extremismus’. dä.

20) Venjan, Samstag, 04. September 2010, 19:51 Uhr

Dass jemand seinen Job wegen eines Buches verlieren soll hat nichts mit der Meinungsfreiheit zu tun? Gilt das auch für Leute, die keine Senatoren/Vorstands-Gehälter kassiert haben und deren Bücher nicht im Spiegel beworben werden?

Viel beängstigender als Sarrazins Thesen oder die angebliche schweigende Mehrheit ist die Leichtfertigkeit mit der selbst Spitzenpoltiker bereit sind, zugunsten einer wohlfeilen Empörung über fundamentale Verfassungsgrundsätze hinwegzusehen („Hilfreich“ – Wann hat man von Frau Merkel zuletzt etwas „hilfreiches“ zur Integration gehört?). Dass sich selbst Christian Wulff, eigentlich Hüter der Verfassung, an diesem Scherbengericht beteiligt, bestätigt alle Vorbehalte, die gegen ihn von Anfang an als Bundespräsidenten bestanden. Es bleibt dennoch erschütternd.

In einer Demokratie muss man sich damit begnügen seinem Gegener zu widersprechen und ihn zu widerlegen. Ihn zu vernichten kann nicht das Ziel sein.

21) Berliner, Samstag, 04. September 2010, 19:53 Uhr

Rund 90 Prozent der Häftlinge, die zur Zeit in Berliner Haftanstalten einsitzen, sind Muslime. Sie haben bislang nicht die Möglichkeit, sich mit einem Seelsorger ihrer Konfession zu besprechen. http://www.islamischereligionsgemeinschaft.org/index.php/IRG/IRG-Pressemitteilung-2010-02-07

22) Carl, Samstag, 04. September 2010, 20:09 Uhr

Das eigentlich erschreckende ist m.E. zum einen die fehlende Tiefe der Diskussion (war zu erwarten) und zweitens die pubertäre Hysterie mit der von allen Seiten reagiert wird.

Die breite Zustimmung die Sarrazin erfährt hat er zu großen Teilen der Unfähigkeit der Volksparteien zu verdanken. Anstatt möglichst viele Bürger mitzunehmen wurde kurzsichtig versucht die fetteste Kuh zu melken. Aus Angst und Bequemlichkeit, vielleicht auch aus Unwissenheit oder Dogmatismus wurde versucht der Bevölkerung falsche Wahrheiten zu verkaufen. Leider wissen die Leute aber sehr gut was vor ihrer Haustüre passiert. Die dadurch aufgestauten und nicht katalysierten Ängste brechen sich nun in der Diskussion um Sarrazin Bahn. Das erklärt die Vehemenz und Verbissenheit mit der diskutiert wird.

Man kann nur hoffen, dass diese leicht zu mobilisierende Schwungmasse nicht instrumentalisiert wird. Schuld trifft jedoch nicht in erster Linie Sarrazin (trotz kruder Eugenik-Thesen) sondern Merkel, Steinmeier, Özdemir, Westerwelle und ihre Vorgänger. Sie alle kommen mir in der ganzen Debatte etwas zu gut davon.

23) uniquolol, Samstag, 04. September 2010, 21:24 Uhr

@Beate:
Zusammengefasst: Der Staat, die Gesellschaft und die Wirtschaft sind zu 100 Prozent für die Integrationsschwierigkeiten verantwortlich, die Betroffenen sind ausschließlich arme, unschuldige Opfer.

Genau diese Sichtweise -die Negierung jeglicher Eigenverantwortung – ist das größte Problem…

24) Susanne Reintjes, Samstag, 04. September 2010, 21:57 Uhr

Wieso wird er aus der SPD und der Bundesbank rausgeworfen. Menschen, die der Realität in die Augen schauen und das bekunden, passiert so etwas. Das ist die Message, damit man eben doch den Mund hält bzw. man wird doch mundtot gemacht! Vor wem soll denn die Evidenz noch verschwiegen werden und warum? Warum spricht man nicht über den misslungenen Multikultitopf, in den alle geworfen und umgerührt worden sind?

25) Wolfgang, Samstag, 04. September 2010, 22:18 Uhr

“Zur Meinungsfreiheit, insbesonders wenn man sie so extensiv ausnutzt…, gehört auch das Risiko” –
Tja, ob das die Henker im Mittelalter auch zu ihren Delinquenten gesagt haben, als sie das Feuer an den Scheiterhaufen gelegt haben?
“Klar darfst Du Deine Meinung äußern. Aber überleg es Dir gut, bevor Du es wirklich tust, denn wenn Du das tun solltest, dann musst Du halt auch mit den Konsequenzen leben – bzw. sterben? Muhaha…”

Früher wurden die Leute verbrannt, wenn sie es tatsächlich mal gewagt haben sollten, laut ihre Meinung zu äußern.
Heute werden die Leute halt von der Politik (bzw auf Veranlassung der Politik) gesellschaftlich und beruflich fertig gemacht, wenn sie es denn tatsächlich mal wagen sollten, öffentlich ihre Meinung zu äußern.
Das ist zwar durchaus ein entscheidender Unterschied.
Aber allzuviel sollten wir uns darauf dann doch nicht einbilden.

26) deraxel, Samstag, 04. September 2010, 22:28 Uhr

@Uniquolol
Sehe ich genauso! Da wird Meinungsfreiheit zum Luxusgut.

Abgesehen davon stimme ich Herrn S. durchaus zu. Wulff und Nahles sollen sich mal mit nem Lehrer aus nem Problembezirk unterhalten. Dieser wird sicher das meinste Bestätigen. Erst recht wenn man bedenkt dass Sarrazin ja bestehende Untersuchungen nur zusammen gestellt hat.

Leider kommen beide nicht aus dieser Welt der eine bekommt bis zum Lebensende >200.000 im Jahr die andere hat nen Vorstand zum Mann.

27) gfs, Samstag, 04. September 2010, 23:16 Uhr

@ecb, uniquolol, etc. : Herr Spreng hat Recht, die Meinungsfreiheit tangiert das Theater nicht.

Ja, natürlich muß er die Konsequenzen tragen. Und das ist auch gut so. Das hat was Verantwortung zu tun. Die Verantwortung für persönliches Handeln trägt jeder dessen Anschrift nicht die einer ständigen Psychiatrischen Einrichtung ist. Auch Herr Sarrazin hat diese Verantwortung und wird Ihr nachkommen müssen, ob er will oder nicht. Die Meinungsfreiheit kann nicht zur Legimitation verantwortungslosen Handelns missbraucht werden.

Oder mal anders ausgedrückt: Wenn die Bundesbank oder die SPD zu der Meinung kommt Herrn Sarrazin aus Ihren Reihen zu entfernen genießen Sie eben auch diese Freiheit. Und tragen eben auch die Konsequenzen aus Ihrer Entscheidung.

28) thkilo, Samstag, 04. September 2010, 23:51 Uhr

Ich warte schon längst auf eine Zeit, in der es nur noch Mediziner, aber keine Feuilletonisten, Politiker, “Juden”, “Muslime”, etc. mehr gibt.

Globalisierte Mediziner innerhalb eines “web of life” kennen schon längst nur noch Körper bzw. mehr oder weniger miteinander verwandte Genome, der Rest ist veralteter ideologischer Ueberbau aus nationalistischen Steinzeit-Gesellschaften (”wir Juden”, “wir Muslime”).

Wenn ich das alles ein bisschen von einer höheren (universaleren, aber auch “volksnaheren”) Weltsicht ansehe, komme ich schnell zum Schluss:

Sarrazin hin oder her, Biologen hin oder her, aber:
Der einzige Skandal ist doch noch immer, dass die Medizin (mit Ausnahme der Chirurgie vielleicht) immer noch so schlecht ist wie vor 200000 Jahren.
Krebs ist immer noch nicht geheilt, Aids auch nicht, Schnupfen auch nicht.

Ein Armutszeugnis! Es ist eben doch sehr viel einfacher, Bücher und Kommentare über Kommentare zu schreiben…

Es lebe das 22. Jahrhundert!

29) John Dean, Sonntag, 05. September 2010, 00:47 Uhr

Solange ein Vorstandsmitglied auf das Grundgesetzt vereidigt (!) ist, solange ist es keine Kleinigkeit, wenn er Geist und Inhalt ebendieser Verfassung verhöhnt.

Und ja: Sarrazin war sich schon im Vorwege darüber klar, welches Risiko er geht. Auch das begrenzt mein Mitleid mit diesem Mann. Vielleicht hätte er, zwischen dem Autorisieren von Interviews (und was er sonst noch so inmitten seiner Arbeitszeit treibt), auch einmal das Beamtenrecht studieren sollen, auch um sich zu fragen, wie er als Vorgesetzter sich zur politischen Mäßigungspflicht von Beamten stellen soll. Ein Spitzenamt mit hoher politischer Bedeutung, das mag für manchen schade sein, ist weder eine Privatveranstaltung, noch unabhängig vom geleisteten Amtseid.

Es wäre dümmer, in meinen Augen, die Sarrazinschen Hetzparolen zu ignorieren und den Missbrauch, den er an seinem Amt übt.

(leider geht das nicht – leider)

Auch ist wäre die SPD schlecht beraten, wenn sie den parteischädigenden Ungeist, den Sarrazin verbreitet, wehrlos hin nähme. So sehr ic hansonsten Abweichlertum schätze und als belebendes Element innerparteilicher Disziplin für sehr schützenswert halte – Sarrazin ist einfach zu weit gegangen.

Was folgt (sofern es nicht gegen seine Existenz geht) hat er sich selbst zuzuschreiben. Es wäre geradezu tragisch, wenn sein Verhalten keine Konsequenzen hätte.

30) dr.schuko, Sonntag, 05. September 2010, 01:03 Uhr

…und wir nicht (mehr) im Sozialismus leben…

31) Karo, Sonntag, 05. September 2010, 01:54 Uhr

Ja, kann ich dazu sagen. Die Meinunsfreiheit ist nicht in Gefahr. Aber das scheinen die Befürworter von Sarrazins Gedankenwelt und auch er selber nicht zu verstehen. Dass ihnen nun der Gegenwind das Laufen und reden schwer macht, gehört zur Meinungsfreiheit. Nun müssen sie gegen den Wind spucken.

Diese Debatte ist keine Integrationsdebatte. Für solch eine wird sie erklärt und überall publiziert, was S freut.
Dahinter steckt aber knallharter Rassismus, den S. verkúndet und die Bundesregierungen der letzten Jahre fleissig betrieben haben.
Rassismus, so kann man bei wiki nachlesen, kann jeden treffen. Rassismus hat ein Ziel, bestimmte Gruppen zu diskriminieren und zu benachteiligen und/oder andere zu Bevorteilen.
Das sind Verhalltensweisen, die seit Schröder in Gesetze gepackt wurden und sich jetzt auch noch in dem neuen Sparpaket manifestieren.
Geld wild aus dem Bildungs- und Sozialsystem, ja auch aus dem Rentensystem gezogen, um andere weiter gut zu finanzieren, wie Banken, Industrie, Wirtschaft.
Und dann wird lauthals geschrien, dass die Unterschicht nichts Wert ist, sich verweigert, zu viele Kinder bekommt etc. etc. .S. schmeisst alle in einen Topf und haut tüchtig zu.

Das hat es in der Politk noch nie so gegeben, wie es derzeit passiert. Man macht Menschen arm, hindert sie an Integratiion, was ja nicht nur Migranten angeht sondern auch Langzeitarbeitslose, und beschimpft diese Menschen, wofür die Politk ja mit politschen Massnahmen da sein sollte., dieses zu verhindern. Was sie einfach nicht tut.

Rassistische Theorien und Argumentationsmuster, so weiter bei Wiki, dienen der Rechtfertigung von Herrschaftsverhältnissen und der Mobilisierung von Menschen für politische Ziele. Was S. erreichen will.
Die Folgen von Rassismus reichen von Voruteilen, Diskriminierung über Rassentrennung,(alle in einen jeweiligen Stadtteil ) Sklaverei (Lohnsklaven, Billiglöhner) u. Pogrome bis hin zur s.g. Ëthnischen Säuberungen und Völkermord.

S. ist stolz auf den Wirbel, den er auslöst. Aber wie werden wir die Geister, die er rief, nun wieder los ?
Gut, drüber reden. Aber bitte. Es ist Rassismus und schlechte Integration ist eine Folge von diesem.
K.S.

32) Torsten, Sonntag, 05. September 2010, 08:38 Uhr

Was man nicht vergessen sollte: auch manche Bewunderer von Sarrazin halten ihn für einen Nazi. Sie erkennen den kleinen Nazi in sich selbst wieder – und er ist Bundesbanker, Bestseller-Autor und Respektsperson.

33) Daniel Daffke, Sonntag, 05. September 2010, 09:34 Uhr

Die politisch Korrekten führen eine Hasskampagne gegen Sarrazin und drehen ihm das Wort im Mund um. Sie aber verkennen in Ihrem Beitrag, dass Sarrazin selbst zwar weiter seine Meinung sagt, aber all diejenigen eingeschüchtert werden sollen, die finanziell nicht so abgesichert sind wie Sarrazin. Deshalb hat dieser in der Geschichte der Republik bisher absolut einmalige Vorgang sehr wohl mit Meinungsfreiheit zu tun. In den letzten zwei Wochen hat die politisch-publizistische Klasse unglaublich viel Porzellan zerschlagen.

34) Recht Unbedeutend, Sonntag, 05. September 2010, 09:36 Uhr

@ Beate: entschuldigen Sie bitte, aber das ist satirisch, was Sie schreiben? Ja, oder?
Die Diskussion geht ja munter weiter, zarte Damen belieben “Angst” zu haben, dabei müssten ganz Andere Angst haben (nämlich die, die so dumm sind, öffentlich Sarrazins Meinung zu teilen, und ihren Beruf gerne behalten möchten!). Die Meinungsfreiheit ist tatsächlich gewährleistet – Sarrazin lebt ja noch. Man überlege, er hätte seine Aussagen ohne dahinterstehendes Buch getroffen. (Meinen Sie, Herr Spreng, er hat das Buch als Ausstiegsszenario aus seinem Job gewählt? Das hätte er doch einfacher haben können. Über das Buch wäre trotzdem diskutiert worden – Sarrazin hat in Berlin mit seinen Ess- und Bekleidungsthesen schon großes Echo gefunden. Und dazu noch ein legitimes Echo – das ist kein Fall für rechte Propaganda, sondern für genau die Medien, die seit Jahren mit Erdbebenberichten und Wahlprognosen von der Stange eine ruhige Kugel schieben!) Überlegen Sie mal, er will einfach das sagen, was er sagt. Die Strafe ereilt ihn in Form von eurokratischer Ächtung und lebenslangem Ausscheiden aus dem politischen System mit seinen leckeren Fleischtöpfen. Obwohl er nur ein paar Zahlen im Büro schieben sollte, ist er jetzt untragbar. Und das ist gewährleistete Meinungsfreiheit? Was gäbe es noch? Verkaufsverbot fürs Buch, Auftrittsverbot für ihn? Ja, stimmt. Dazu fällt mir nur der Spruch ein: “Deutschland, ja – aber welches Jahrhundert?”.

35) Adrian Schmidt, Sonntag, 05. September 2010, 10:35 Uhr

Eine Bedrohung der Meinungsfreiheit liegt sehr wohl vor, wenn an das Äußern der Meinung negative Sanktionen geknüpft werden, die mit der Meinung in keinem Zusammenhang stehen. Natürlich muss mit Kritik gerechnet werden, nicht aber mit Entlassung von Arbeitsstellen und Rausschmiss aus politischen und angeblich demokratischen Parteien.

36) Politikverdruss, Sonntag, 05. September 2010, 10:52 Uhr

Eine wirklich schwache Argumentation, Herr Spreng. Als ob Meinungsfreiheit daran zu messen ist, wie oft jemand in einer Debatte zu Wort kommt. Frau Politkowskaja ist auch zu Wort gekommen! Und Sie werden nun ja wohl nicht behaupten, dass deshalb in Russland Meinungsfreiheit herrsche. Man gewinnt den Eindruck, dass Sie Ihre sonst so klare Linie ein wenig verloren haben.

37) Mogran, Sonntag, 05. September 2010, 10:59 Uhr

“…Kaum einer durfte in den letzten Jahren den Mund so weit aufreißen wie Thilo Sarrazin.” Herr Spreng, da liegen sie völlig falsch. Unsere aktiven Politiker lügen und betrügen ständig und verbreiten ihre Aussagen fortgesetzt in den Medien und übertreffen Sarazin bei weitem. Geschönte Statistiken, Renten, Sparkonten, Steuern, Einwanderungspolitik, Harz 4 usw usw. Sarazin ist nichts dagegen. Aber das ist anscheinend egal und hoffähig, nicht wahr?

38) Gregor Keuschnig, Sonntag, 05. September 2010, 11:58 Uhr

Meinungsfreiheit wird in demokratischen Staaten ja nicht mit der Unterdrückung der Meinung blockiert. Sie “funktioniert” in der Auseinandersetzung mit einer als abwegig empfundenen Meinung. Und diese Auseinandersetzung wird – von wenigen Ausnahmen wie bspw. Schirrmacher in der FAZ – sehr blamabel geführt. Dabei ist es wenig hilfreich auf die Verkaufszahlen zu rekurrieren oder mit einem “der hätte doch wissen müssen, was kommt”. Wer die Fernseh-Talkshows in den sich öffentlich-rechtlichen Medien gesehen hat, musste den Eindruck haben, dass da ein Tribunal eingerichtet wird. Argumentative Auseinandersezung weitgehend Fehlanzeige – das Gros der Diskutanten dort hatte das Buch gar nicht oder nur kursorisch gelesen. Wer nicht automatisch gegen Sarrazin war, wurde zum Pro-Sarrazin-Adepten umgedeutet und als Mitbegründer einer neuen rechten Partei ins Spiel gebracht.

Natürlich ist Sarrazin kein “Held der Meinungsfreiheit”. Und natürlich sind einige seiner Thesen abenteuerlich und auch schlichtweg falsch. Aber fast noch mehr als diese Irrwege, die Sarrazin beschreitet, macht mir die Form der Diskussion Angst. Damit soll ein für viele Protagonisten unliebsames Thema abgewürgt werden, bevor es überhaupt klar definiert wird. Hierin artikuliert sich das Unbehagen vieler, die Sarrazin dann zur Lichtgestalt verklären.

39) Beate, Sonntag, 05. September 2010, 12:00 Uhr

Welche Motivation hatte ein Charles Murray, der im Auftrag rechter Think Tanks vor 40 Jahren Begriffe wie Armutsfalle, Welfare Queen geprägt hat. In seinen Büchern finden sich die selben statistischen Ungenauigkeiten , zu den Schwarzen, wie bei Sarrazin.

Sarrazin hat zum großen Teil die Technik Charles Murrays kopiert.

Dieser wiederum hat Goebbels aufmerksam studiert.

Und Charles Murray war erfolgreich. Er hat die amerikanische Gesellschaft geändert.

Die EInkommensunterschiede zwischen Armen und Reichen haben sich verzehntausendfacht.

40) sk8erBLN, Sonntag, 05. September 2010, 12:09 Uhr

“” Berliner, Samstag, 04. September 2010, 19:53 Uhr

Rund 90 Prozent der Häftlinge, die zur Zeit in Berliner Haftanstalten einsitzen, sind Muslime. Sie haben bislang nicht die Möglichkeit, sich mit einem Seelsorger ihrer Konfession zu besprechen. http://www.islamischereligionsgemeinschaft.org/index.php/IRG/IRG-Pressemitteilung-2010-02-07

Na auf welcher hetzseite haben sie die freche falschmeldung denn entdeckt? akte islam, bei den politisch inkontinenten (PI), kybeline, die ihrem namen wie üblich alle ehremacht oder doch direkt von den naziseiten “gesamtrechts oder dem thiazi-forum?

RICHTIG hingegen ist wie ein jeder durch simples googeln sofort herausfinden könnte -wenn er denn nicht idiologisch völlig verblendet ist folgende zahl:
!Etwa 300 der 1550 Gefangenen der JVA Tegel sind Muslime, von denen die meisten aus der Türkei stammen. ”
quelle fachzeitschrift “Recht und Politik”, Berliner Wissenschafts-Verlag

http://www.rup-online.eu/de/berichte-und-informationen

Das also sind 90% werter “berliner? Sie sind ja fast so ein rechenkünstler und statistikmanipulateuer wie der von ihnen sicherlich angebetete sarrazin.

@ Herrn spreng

Bei den hier aktuell aufschlagenden kommentaren macht viel sinn sich -zumkindest bei völlig abstrusen beiträgen wie dem dass 90% der häftlinge moslems sind, deren zweck wohl eindeutig ist – kurz zu recherchieren woher sie denn so stammen. Es sei denn, man möchte dass gewisse interessierte kreise ihre offensichtliche lügenpropaganda und demagogie gezielt verbreiten können in einer konzertierten aktion. Dafür genügt es sich einfach einen prägnanten satz herauszupicken, den in anführungszeichen bei google einzufügen und dann weiß man bescheid.

41) sk8erBLN, Sonntag, 05. September 2010, 12:44 Uhr

@Daniel Daffke, Sonntag, 05. September 2010, 09:34 Uhr

“Die politisch Korrekten führen eine Hasskampagne gegen Sarrazin und drehen ihm das Wort im Mund um.”

Dass es eher die selbsternannt “politisch inkorrekten” sind, die regelmäßig mit falschen zahlen demagogisieren ist bekannt und hat mein vorbeitrag bewiesen.

Sarrazin muss man nicht das wort im mund um drehen, es reicht völlig diese absonderungen zu zitieren:
Kleine kostprobe?

So schreibt Sarrazin etwa:

* “Das System [der Sozialhilfe für Ausländer] ist pervers.” (S.323)
* Die Haltung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zur kulturellen Identität der Türken in
Deutschland sei “chauvinistisch”. (S.311)
* “Die Übergänge vom Kopftuch über den Schleier zur Burka sind gleitend.” (Seite 313)
* “Mehr Kinder von Klugen, bevor es zu spät ist.” (Seite 331)
* “Hätte die deutsche Bevölkerung seit dem 8. Mai 1945 dieselbe Geburtenrate gehabt wie die damalige Bevölkerung von Palästina, so gäbe es heute in Mitteleuropa 600 Mio. Deutsche.” (Seite 317)
* Über die “dysgenische Wirkung” der “Geburtenarmut in gebildeten Schichten”: “Das Muster des generativen Verhaltens in Deutschland seit Mitte der sechziger Jahre ist nicht nur keine Darwinsche natürliche Zuchtwahl im Sinne von “survival of the fittest”, sondern eine kulturell bedingte, von Menschen selbst gesteuerte negative Selektion, die den einzigen nachwachsenden Rohstoff, den Deutschland hat, nämlich Intelligenz, relativ und absolut in hohem Tempo vermindert.” (Seite 353)

Angesichts solcher Formulierungen wird man ja wohl noch meinen dürfen:

Ein Bundesbankvorstand, der das Sozialhilfesystem des eigenen Landes “pervers” nennt, der das Staatsoberhaupt eines Partnerlandes “chauvinistisch” nennt und der über die “dysgenische Wirkung” fehlender “Zuchtwahl” und mangelnder “Selektion” fabuliert, der hat die Repräsentationspflichten seines Amtes grob verletzt.
quelle:
Robin Meyer-Lucht bei
http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin/

Nur darum geht es, die repräsentationspflicht die er als bundesbankvorstand inne hatte und die er vertraglich unterschrieben hat. Ergänzen liesse sich noch sein totalausfall gegenüber friedmann “Sie waren heute ein arschloch” und seine eugenik-thesen die ihm mehrfach zum juden-gen einfielen als er auf verkaufstour war. Dass er sie irgendwann als blackout bezeichnete heilt die sache kein stück weit, die erkenntnis hätte er haben können bevor er seinen mund aufmacht.

Was sarrazin als pensionär in spe absondert ist sein privatvergnügen. Bis dato war er aber kein privatmann. Da gelten nicht grundlos andere regeln und der kalkulierte tabubruch ist ihm diesmal zu recht um die ohren geflogen.
tant pis

42) Christian, Sonntag, 05. September 2010, 13:03 Uhr

Daß Sarrazin seinen Posten als Bundesbanker verliert (und möglicherweise aus der SPD) hat nichts mit Berufsverbot oder der Meinungsfreiheit zu tun, sondern damit, daß er mit seinem Verhalten dem Ansehen der Bundesbank (bzw. der SPD) schadet. Jeder wird entlassen, wenn er sich geschäftsschädigend verhält. Das passiert jedem kleinen Hilfsarbeiter, und daß bei “denen da oben” diesmal keine Ausnahme gemacht wird, überrascht mich positiv. Einerseits. Der Nachteil an der Sache ist, daß Sarrazin sich nun als Märtyrer hinstellen kann und auf noch größere Solidarität zählen kann, als er ohnehin schon hat und der Welt weismachen kann, Deutschland wäre eine “Gutmenschendiktatur”.
Zum Vergleich: Als Margot Käßmann betrunken beim Autofahren erwischt wurde, war sie freiwillig und von sich aus zurückgetreten.

43) Pia Berger, Sonntag, 05. September 2010, 13:38 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng!

Scheinbar haben Sie wenig Juristen in der Leserschaft, wenigstens unter den Kommmentierenden. Denen fällt beim Lesen Ihres Textes nämlich sogleich das erste Semester ihres schon länger hinter sich gelassenen Studiums ein.

Selbstverständlich handelt es sich bei der Entlassung Sarrazins aus dem Vorstand der Bundesbank wegen seiner Äußerungen um eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Ohne jeden Zweifel wurde durch eine staatliche Maßnahme (die Entlassung) ein grundrechtlicher Schutzbereich (Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG) verkürzt. Das nennt der Jurist Eingriff in die Meinungsfreiheit. Zwar kann unter Umständen aufggrund eines ansonsten verfassungsmäßigen allgemeinen Gesetzes ein Eingriff gerechtfertigt sein. Dafür gibt es hier aber keine Anzeichen. Daß eine derartige Ermächtigungsnorm im Bundesbankgesetz zu finden ist, halte ich für unwahrscheinlich.
Dies in einem x-beliebigen Grungesetzkommentar (oder Sozialkunde-Lehrbuch fü die Jahrgangsstufe 11) nachzulesen empfehle ich Ihnen, damit nicht etwa der Vorwurf im Raume stehen bleibt, deutsche Journalisten würden nicht sauber recherchieren.

Ob es einer von sich selbst Behauptetenden Partei, der SPD, gut zu Gesicht steht, gegen die NPD ein Verbotsverfahren nach dem anderen anzustreben und jedem der sich nicht links von ihr befindet, Nähe zum Rechtsextremismus vorzuwerfen, gleichzeitig aber ihren Mitgliegern elementare Grundrechte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vorzuenthalten, finde ich gelinde gesagt nichjt nur fraglich, sondern äußerst verlogen. Besser sieht es in der CDU allerdings auch nicht aus.

Diese Blockparteien haben doch nur noch Schiss vor der geheimnisvollen “sechsten” Partei, die es in einem wirklich demokratrischen Staate schon längst hätte geben müssen. Dann ist es um die innenpolitische Nachkriegsordnung geschehen. Hoffentlich bald.

Pia Berger, Köln

44) uniquolol, Sonntag, 05. September 2010, 15:26 Uhr

„…Längst ist der Fall Sarrazin über Sarrazin hinaus. Viel größer als der Mann oder das Buch. Im Fall Sarrazin geht es um den Fall Merkel, um den Fall SPD, um das politische und publizistische Establishment in Deutschland. Sarrazin ist zur Chiffre geworden für die Empörung darüber, wie das juste milieu der Konsensgesellschaft den Saalschutz losschickt, um einen verstörenden Zwischenrufer nach draußen zu eskortieren. Und ihm auf dem Weg nach draußen zuzischelt: „Wir werden Dir Toleranz schon noch einbimsen.“…

Dieser Artikel von Matthias Matussek – Die Gegenwut – ist eine wirkliche treffende Analyse:
http://www.matthias-matussek.de/2010/09/die-gegenwut/comment-page-1/#comment-280

45) Michael A. Nueckel, Sonntag, 05. September 2010, 15:39 Uhr

Herr Spreng, die Meinungsfreiheit bestand einmal, die aktuellen Ankündigungen/Androhungen gegen ihn sind geeignet, die Meinungsfreiheit zukünftig zu beeinträchtigen… oder hat Sarrazin diese Freiheit ausgeschöpft? Sie verfolgen demnach einen quantitativen Ansatz. Doch ist Meinungsfreiheit nicht vielmehr ein absolutes Recht? Wenn -wie Sie schreiben- ein Risiko besteht, so frage ich mich, ist das dann noch Meinungsfreiheit? Oder gibt es etwa eine risikolose Meinungsfreiheit? Der Mann hat mit langer, kampagnenartiger Ankündigung (auf sein Buch hin?) den ehemaligen und jetzigen Regierungsverantwortlichen derart massiv den Spiegel vor das Gesicht gehalten, das es nunmehr um mehr als Meinungsfreiheit geht. Dieser Mann rechnet mit der Politik der letzten 20-30 Jahre ab. Das ist Fundamentalkritik, was die selbstverliebte, narzisstisch anmutende Politik nicht verkraftet. Das ist knallharte Oppositionspolitik außerhalb des Parlaments. Es ist eine Kriegserklärung.

46) Axel Paulun, Sonntag, 05. September 2010, 16:05 Uhr

Der enttäuschte Bürger Herr Sarrazin ist endlich ein Mann, der den Mut besitzt, den unsäglichen
Politversagern dieser Republik die Stirn zu bieten. Herr Sarrazin sollte dafür das Bundesverdienst-
kreuz erhalten.

47) Doktor Hong, Sonntag, 05. September 2010, 16:52 Uhr

Meinungsfreiheit heißt doch nur, dass man seine Meinung frei äußern darf.

Meinungsfreiheit heißt aber nicht, dass jede Meinung automatisch richtig ist, der Wahrheit entspricht und daher als gültig zu akzeptieren ist.

Meinungsfreiheit heißt auch nicht, dass man für das Äußern einer Meinung keine sozialen Konsequenzen zu befürchten hat. So etwas passiert jeden Tag, überall, in allen Lebenssituationen. Das musste Sarrazin klar gewesen sein, und ich bin mir sicher, dass es ihm auch glasklar war, denn dumm ist er bestimmt nicht.

Und es ist sehr wohl ein Unterschied, ob jemand am Stammtisch solche Meinungen verkündet oder als Vorstandsmitglied der Bundesbank. Oder habe ich da etwas verpasst, das letzte Medienecho über einen Kommentar eines Stammgastes des “Golden Krugs” in Klein-Hinterkleckersdorf, über den alle Tageszeitungen berichteten und der in sämtliche Sabbel-Shows eingeladen wurde?

Man benimmt sich auch als Gast nicht wie zu Hause. Man sagt dem Gastgeber nicht, dass sein Wein nichts taugt und das Essen seiner Frau wie Dreck geschmeckt hat, auch wenn das mit Sicherheit durch die Meinungsfreiheit gedeckt wäre. Nur braucht man sich dann hinterher nicht wundern, wenn man nie wieder dort eingeladen wird.

Wenn man als Bundesbank-Vorstandsmitglied Thesen äußert, die einfach falsch sind und bei weniger differenziert denkenden Menschen rassistische Einstellungen unterfüttern, dann ist man schlichtweg nicht mehr tragbar und schadet dem Gemeinwesen.

Nochmals: Auch ich denke, dass bei der Integration der hier lebenden Migranten von beiden Seiten mehr Anstrengung erwartet werden sollte. Aber diese Genetik-Ausführungen finde ich ganz einfach ungeheuerlich und völlig inakzeptabel, weil sie einfach falsch sind.

48) Dierke, Sonntag, 05. September 2010, 17:59 Uhr

Mit Ihren dauernden Wiederholungen und Ihrem heutigen Beitrag im Presseclub wird es Ihnen nicht gelingen, die Mehrheit der Leute, die sich pro Sarrazin geäußert haben, zur Ein- und Umkehr zu bewegen. Das eigentliche Ärgernis ist anscheinend auch hier wieder der Neid. Da hat jemand mit einem Buch Erfolg – mit der 6. Auflage – und kaum einer von denen, die sich so vehement ins Zeug legen, hat es wirklich gelesen…Man will seitens der politischen und publizistischen “Elite” nicht verstehen, warum dieses Buch, das ja angeblich nur voll ist “mit alten Hüten” , derartige Furore macht. Auch Sie, Herr Spreng, sind nach Ihrem 4./5. Blog-Beitrag in Sachen “Sarrazin” immer noch – genauso wie Ihre ehrenwerten Kollegen in der ARD und ZDF – mit Blindheit oder sagen wir besser mit Dummheit geschlagen.

49) jbs, Sonntag, 05. September 2010, 18:10 Uhr

Was bekommt der gute Mann eigentlich pro Buch?

Bei 23€ Verkaufspreis und 250.000 verkauften Exemplaren kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen.

50) jbs, Sonntag, 05. September 2010, 18:18 Uhr

Das medientechnische Problem der Integration liegt doch darin, dass sich Erfolge doch kaum medienwirksam inszenieren lassen. Mit Kritik an ihr lässt sich allerdings sogar Geld machen.

51) Donner und Doria, Sonntag, 05. September 2010, 18:26 Uhr

Ja – abschaffen war in Deutschland immer eine gefragte Kunst:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC

Nun trifft es Sarrazin – der ja prinzipiell das Richtige falsch vortraegt – wie das Politiker denn meist tun wenn sie mal einen Lichtblick haben.

Es gibt kein Auslaenderrpoblem in Deutschland – eher ist es ein “deutsche” Unverschaemtheit diesen Begriff zu nutzen und damit den vielen integrierten Auslaender auch aus Drittweltstaten vor den Kopf zu stossen – das wird seit Jahren widerspruchslos hingenommen. Stattdessen werden die Integrierten mit den Querulanten in einen Topf geworfen und es bilden sich “ungleiche” Solidargemeinschaften. Tatsaechlich (und da stimmt Sarrazins These) kommen die “Unwilligen” aus ganz klar definierbaren geographischen Raeumen – hier luegen die Zahlen nicht.

Seine Gen-Theorie haette er sich schenken koennen den was haben Anhaenger einer Glaubensbruderschaft mit Basken oder Volksstaemmen an sich zu tun ? Das war der Kick zuviel – da ist in dem Mann der Politiker wieder durchgebrochen.

Andereseits hat es sogar die unbewegliche kath. Kirche geschafft einige hohe Herren zu entsorgen die in ihrem Namen sprachen und leider den “Vogel abgeschossen” haben in der “Kindererziehung” – nun gibt es aber religioese Seilschaften die lassen “Sprecher” in den Vordergrund preschen und fuer sich Wort ergreifen die Betaeubungsmittelmissbrauch und Menschenhandel ( Import junger Damen aus dem Ostblock) offensichtlich fuer eine Spassnummer halten…da is nix mehr mit Glaubwurdigkeit…

“… ich glaube an die Deutsche Bank .. denn die zahlt alles in bar …” (Marius Mueller Westernhagen – “Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz”)

52) Susanne, Sonntag, 05. September 2010, 18:34 Uhr

Ich erlebe tgl. bei meiner Arbeit wie geladen die Leute sind, jahrelang wurden sie von Rot/Grün hinters Licht geführt, wenn die Migranten die dt. Staatsbürgerschaft erhalten dann gibt sich alles andere, nichts hat sich gegeben. Die Sozialleistungen von Renten , Krankenkassen sind trotz 40- jähriger Einzahlungen minimal.Zuzahlung für Billigstmedikamente erreichen Höchstbeträge, Pflegebedürftige erhalten Inkontinenzartikel aus Kostengründen zentral billigste Ware zugesandt sollen wir da noch jubeln, sicherlich sind sie privat wie die Politiker versichert , sie wissen gar nicht was da abgeht. Was wenn alle Unzufriedenen ihr Zeitungsabo. kündigen und die öffentlich rechtl. ihre Zwangsgebühren nicht mehr einziehen können Leute wie Ihresgleichen würden dann anders reagieren.

53) Recht Unbedeutend, Sonntag, 05. September 2010, 19:27 Uhr

@Beate: köstlich! Ihre Satiren hellen den dunklen Ton hier auf der Seite wirklich auf.

Und ich verstehe nicht, warum alle bei der Genetik so durchdrehen. Natürlich sind die Basken genetisch verwandt, die sind dort in der Völkerwanderung oder sogar noch früher mal gemeinsam eingewandert, und haben sich kaum vermischt mit Eingesessenen oder Neuankömmlingen. Und fragen sie doch mal eine jüdische Familie (wenn sie eine kennen), wann das letzte mal jemand nicht jüdisches bei ihnen eingeheiratet hat. Das dürfte sich stark im Rahmen halten (Jude kann man nämlich nur ganz schwer “werden”…) – ist doch klar, daß dann genetische Unterschiede zur Umgebung bestehen bleiben. Was ist denn der Gedanke der Diaspora? Als ob man darüber nicht reden dürfte. Die Juden haben eine intensiv gepflegte Schriftlehrenkultur, ist also kein Wunder, daß davon schon die Kinder profitieren. Ob die ihre Intelligenz jetzt geerbt haben, kann das wirklich jemand ausschließen? Bei Kartoffeln und Pferden ist die Industrie schon mit der Gentechnik dran zur Leistungssteigerung, und ausgerechnet beim Menschen gibt Minus + Minus Plus. Das ist ein schwieriger Gedanke, daß Kinder unter ihrem Erbe leiden können, aber er ist genauso logisch wie der, daß sie von ihrem Erbe profitieren. In unserer Wohlstandsgesellschaft können wir jedes Los erleichtern, und wir müssen niemanden aussortieren. Die Psychologie klassifiziert zu Recht IQs, aber Menschen können wir damit höchstens vermessen, nicht in ihrer kategorischen Eigenschaft als Mensch bewerten. Bloß, wenn wir reales menschliches Verhalten nicht mehr messen und bewerten dürfen, dann laufen uns die Ameisen oder die Kohlmeisen demnächst evolutionär den Rang ab. Es gilt nämlich hier auf dem schönen Planeten seit Jahrmillionen mutmaßlich so eine Art Leistungsprinzip. Das ist bisher ohne Reform ausgekommen, das soll ihm das aktuelle pol. System mal nachmachen.

54) CB, Sonntag, 05. September 2010, 19:46 Uhr

@Doktor Hong
Hervorragender Kommentar! Und -endlich mal- so knackig und kurz. Die Situation punktuell korrekt beschrieben.

55) Irreversibel, Sonntag, 05. September 2010, 20:27 Uhr

@Susanne:
Vielleicht nochmal tief Luft holen und in Ruhe nachdenken bevor man sinnloses Zeug in Kommentarform absondert. Migranten, Sozialleistungen, Krankenversicherung, Zeitungsabo, GEZ – hängt alles irgendwie zusammen und Schuld sind immer diese Linken, wa?

56) a.nonym, Sonntag, 05. September 2010, 21:32 Uhr

@Frau Berger

Bei den Juristen, von denen sie sprechen, ist der Studieninhalt dann aber schon gut verdrängt.

Hr. S ist nämlich Bundesbankvorstand. Nach § 7 BBankG steht er in einem öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis. Spätestens da hätten sämtliche Alarmglocken schrillen müssen … damals hieß das nämlich noch verkürzt: Keine/ eingeschränkte Grundrechte, weil besonderes Gewaltverhältnis.

Heute heißt das anders, ist nicht mehr ganz so streng, aber im Kern ist es ähnlich. D.h. Grundrechte sind da durchaus eingeschränkt in der Ausübung.

Unabhängig davon, Hr. S ist ein leitender Angestellter und ihm obliegen daher deutlich höhere Treuepflichten ggü seinem Arbeitgeber.
Daneben hat er sich auch zur Einhaltung eines Verhaltenskodex’ verpflichtet.

Egal, wie .. die Juristen der Bundesbank meinen, es reicht. Andere in der Presse vertretene Juristen meinen, es reicht nicht.
Ergebnis: Es wird wohl ein Richter gefragt werden.

Ach ja und eins noch .. der Parteiausschluß .. das ist wieder eine andere Geschichte. Nur soviel. Hr. S hat sich durch seinen Eintritt in die SPD zur Einhaltung (!) von deren Statuten bereit erklärt. Niemand hat ihn jemals gezwungen SPD-Mitglied zu werden.

Wenn er das jetzt nicht macht, dann kann gem § 10 ParteiG ein Ausschlußverfahren angestrengt werden. Wenn Hr. S. meint die Gründe reichen nicht, wird eben ein Gerichtsverfahren stattfinden.

57) Herbert Exner, Sonntag, 05. September 2010, 21:37 Uhr

Im Presseclub habe Sie heute erneut wiederholt, was die meisten Kommentatoren wohl nicht bestreiten. Jeder kann seine Meinung äußern, wenn er nur einen Verlag, Zuhörer oder Leser findet. Meinungsfreiheit kann aber nicht ohne die Folgen für den Autor gelten. Als Finanzsenator ist Sarrazin auf den von ihm beschriebenen Themenkreis gestoßen und er hat feststellen müssen, daß seitens der Politik keine Lösungen eingeleitet wurden. Im Unterschied zum SPD-Mann Buschkowsky, der kein Buch schrieb, hat Sarrazin weiter ausgeholt und wohl gehofft ein erklärendes System entwickeln zu können. Daß das nicht ohne Zuspitzungen zu Gehör gebracht werden kann, sollte Ihnen als ehemaliger Chef einer “Räuberpostille” geläufig sein. Haben Sie denn Sarrazins Buch von Klappe zu Klappe gelesen? Ich warte noch auf die Auslieferung bevor ich mir eine Meinung bilde, geschweige denn sie vorher schon hinausposaune.

Was mich besonders wundert: bei den besonders inkriminierten Abschnitten über Intelligenz, Vererbung, Genetik wurden in den Mediendiskussionen keine Fachleute aus diesen Gebieten zugezogen. Mir ist nur ein Interview mit einem New Yorker (jüdischen) Genetiker in DIE WELT bekannt geworden. Er hat über seine Untersuchungen an den 4 jüdischen Stämmen geschrieben, von denen nur zwei noch Bedeutung haben, die genetisch auf den gleichen Ur-Stamm zurückzuführen sind. Kein Kommentar zu Sarrazin, auch keine Widerlegung.

58) JG, Sonntag, 05. September 2010, 21:54 Uhr

Ich versuche einmal, viele Kommentare zur Causa S. zusammenzufassen: So kann es nicht weitergehen. Das Maß ist voll. Und erst recht das Boot. Es muß ein Gesetz kommen. Höchste Zeit, daß Deutschland er-, äh: aufwacht. Und wer war noch mal an allem schuld?

(Und wenn ich die zehn Euro Praxisgebühr, welche mir vom Politestablishment jede Woche abgepreßt werden, um sie an terroristische Kopftuchmädchen weiterzuleiten, die sich täglich vermehren, während sie die deutsche Staatsbürgerschaft verschleudern, lieber für Frauengold ausgeben würde, dann würde sich auch der feine Herr Spreng umschauen – so lange man das noch sagen darf.)

Übrigens: Wer macht mit bei einer Spendenkampagne für den armen Herrn S., der in den letzten Tagen unglaublich mundtot gemacht wurde und bald am Hungertuch nagen muß, mit seinen Bucheinnahmen und Ruhestandsbezügen, wenn denn 2013 oder so sein Arbeitsverhältnis mit der Bundesbank ausläuft, denn das aufzuheben dürfte wohl juristisch noch schwieriger werden als ihn aus dem Bundesbankvorstand zu entfernen? All jene seiner angeblich achtzehn Prozent potentiellen Wähler, die seiner Meinung nach doch einfach mal einen warmen Pullover anziehen sollen, wenn sie frieren, statt vom Staat frech einen Heizkostenzuschuß zu erbetteln?

59) m.spreng, Sonntag, 05. September 2010, 23:24 Uhr

Zurzeit mache ich mit meinem Blog eine bestürzende Erfahrung: je länger die Sarrazin-Debatte dauert, umso radikaler werden die Kommentare. Nachdem die Decke von dem morastigen deutschen Untergrund weggezogen wurde, traut sich jetzt jeder hervor – auch die Menschenfeinde, die glauben, dass man jetzt endlich wirklich einmal alles sagen und schreiben kann. Ich habe nicht mit 20 schon an Bürgerinitiativen gegen den Rechtsradikalismus (damals hatte die NPD in Hessen 10 Prozent) teilgenommen, um dafür jetzt ein Forum zu bieten.

Um mich aber nicht immer wieder selbst in die Rolle des Zensors begeben zu müssen, schliesse ich jetzt die Sarrazin-Debatte im sprengsatz. Es ist wirklich alles gesagt (und noch viel mehr). Diese Entscheidung ist – so glaube ich – keine Verlust für meinen Blog. Auch vor dem Hintergrund, dass ich ich mit meinem Namen für meine Meinung einstehe, von den Kommentarschreibern aber so gut wie keiner.

60) freiwild, Sonntag, 05. September 2010, 23:41 Uhr

vielen Dank. Dieser Kontrapunkt zum Wahnsinn in BILD und BamS war wirklich mal nötig.

61) Benjamin, Montag, 06. September 2010, 14:29 Uhr

Nur als Hinweis zur “Freien Meinungsäußerungs-Kampagne” von BILD (so wie man die Welt dort versteht), weil wir diese Art des Spiels wohl noch einige Zeit ertragen werden müssen: http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin/

62) Frederik Birghan, Dienstag, 07. September 2010, 21:22 Uhr

Wie auch immer man zu den Thesen von Sarrazin im Einzelnen stehen mag: Spätestens als zur Buchvorstellung ein Erregungsdemokrat das Schild ‘Halt’s Maul!’ hochhielt, war ein Tiefpunkt in Demokratieverständnis und Debattenkultur erreicht.
Um nicht missverstanden zu werden: Teile nicht den biologistischen Ansatz seines geschlossenen Gedankengebäudes. Aber einige seiner Analysen, die bereits in dem Lettre-Interview standen, beschreiben Wirklichkeit. Aber zur Differenzierung ist die ganze Choose wohl schon zu abgedriftet. Schade.

63) jozy, Mittwoch, 08. September 2010, 01:25 Uhr

Erstens geht es hier um die Debattenkultur in Deutschland – und die ist beschissen. Unerträglich, wie es in Deutschland immer wieder dazu kommt, dass Lesungen, Debatten, Vorträge, die durch die grundgesetzlich “verbürgte” Meinungsfreiheit gedeckt sind, nicht stattfinden können oder abgebrochen werden müssen, weil irgendwelche Gruppen meinen, sie müssten das verhindern (durch Druck, Gewalt usw.).

Zweitens geht es nicht darum, ob Sarrazin mundtot gemacht wurde – das wurde er in der Tat nicht. Sondern es geht um die Frage, ob es eine Menge von Leuten (öffentliche Personen in politischen und medialen Positionen) Sarrazin mundtot haben wollen.

64) Kulath, Mittwoch, 08. September 2010, 10:26 Uhr

“Mehr Meinungsfreiheit geht nicht. Zur Meinungsfreiheit, insbesonders wenn man sie so extensiv ausnutzt wie Sarrazin, gehört auch das Risiko.”
…sagte der Diktator zum Delinquenten und lies ihn erschiessen.

65) Tilman, Donnerstag, 09. September 2010, 13:58 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng, einen klasse Kommentar haben Sie zu dem Thema auch gestern bei Zapp abgegeben muss ich sagen. Sie sind immer wieder ein einsames Highlight in der deutschen Medienlandschaft. Weiter so!

66) jannik, Freitag, 05. November 2010, 15:18 Uhr

hi ich muss ein referat zu thilo Sarrazin schreiben und kom bei einer frage nicht weiter die heist:
Wie reagiert die Politik? Pervertiert die Politik mit der gesellschaft?
kann mir da jemand helfen was ich da schreiben soll wäre lieb

67) Horst Günther, Sonntag, 14. November 2010, 03:01 Uhr

Erstens : Das Buch mal von Anfang bis Ende durchlesen.
Zweitens: Mit den sogenannten Migranten mal drüber diskutieren( Ich denke jeder hat mittlerweile Freunde oder gute Bekannte aus dieser Gruppe) . Die meisten dieser ” Migranten sind seit Jahren absolut integriert. Das Problem sind einfach die, die nicht integrationsfähig sind.
Drittens : geht mal auf die Inet Seite : http://www.juergen-roth.com
Da werden euch wirklich die Augen geöffnet…….

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