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Sonntag, 05. September 2010, 23:54 Uhr

Kein Forum für Menschenfeinde

Zurzeit mache ich mit meinem Blog eine bestürzende Erfahrung: je länger die Sarrazin-Debatte dauert, desto radikaler werden die Kommentare. Nachdem die Decke von dem morastigen deutschen Untergrund weggezogen wurde, traut sich jetzt jeder hervor, auch die Menschenfeinde, die glauben, dass man man jetzt endlich wirklich einmal alles sagen und schreiben kann. Ich habe aber nicht mit 20 schon an Bürgerinitiativen gegen den Rechtsradikalismus teilgenommen (damals hatte die NPD in Hessen 10 Prozent), um dafür jetzt ein Forum zu bieten.

Um mich aber nicht immer wieder in die Rolle des Zensors begeben zu müssen, schließe ich jetzt die Sarrazin-Debatte im sprengsatz. Es ist wirklich alles gesagt (und noch viel mehr). Meine Entscheidung ist – so glaube ich – kein Verlust für meinen Blog. Ich habe sie auch vor dem Hintergrund getroffen, dass ich mit meinem Namen für meine Meinung einstehe, von den Kommentatoren aber so gut wie keiner.

Ich bitte für diese Entscheidung um Verständnis. Sie ist mir nicht leichtgefallen. Über das, was bisher in Deutschland nur latent war, was durch Sarrazin aber virulent geworden ist, wird allerdings noch zu schreiben sein.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

43 Kommentare

1) Ingo, Montag, 06. September 2010, 00:13 Uhr

Ich weiss nicht mehr wo ich’s las, aber die Meldung blieb im Hinterstübchen: Die britischen Schutztruppen, die seit Kriegsende hier weilen, wollen noch nicht abziehen, weil wir “noch nicht bereit sind”. Scheint was dran zu sein.

2) Henning, Montag, 06. September 2010, 00:35 Uhr

Die Erfahrung macht jeder Blogger mit halbwegs Reichweite irgendwann mal und es ist dann völlig legitim, die Kommentare zu diesem Eintrag auch mal zu schließen.

Ich kommentiere übrigens normal immer mit Vornamen plus Link auf meinen Blog, woraus eindeutig erkennbar ist, wer ich bin. Hier fehlt allerdings das sonst übliche Feld für die Website. Meinen Nachnamen will ich nicht bei jedem Kommentar angeben, weil ja nicht jeder Kommentar über meinen Namen ergooglebar sein muss.

3) Lutz und Karin Jahnke, Montag, 06. September 2010, 03:56 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

wir leben an der Küste direkt am Nationalpark Wattenmeer. Was Inländer als „Sturm“ bezeichnen, ist für uns „Wind“. Was manche als Sturmflut bezeichnen, verstehen wir als „ erhöhte Tide“; und dort, wo Gäste im Schlickmorast des Watt steckenbleiben, wissen wir (und geben dann auch helfend Auskunft), dass wenige Meter in dieser oder jener Richtung der Fuß wieder festen Tritt hat. Mit einem Wort: „Morastiger Untergrund“ ist handle-bar, weil man Naturgewalten kennt und das Biotop sowieso.

Die geführte Diskussion war keine „Naturgewalt“ und das politische Biotop verhielt sich so berechenbar wie die Seehunde, die immer gleich ihre Runden im Kurparkbassin drehen, als hätten sie einen Kompass verschluckt, der keine andere Richtung zuließe.

Nichts an dieser Diskussion war „beängstigend“ ( Sie haben es auch nicht so formuliert), nichts an dieser Diskussion lief aus dem Ruder. Warum nicht? Weil es eine deutsche Diskussion war; und die sind sowas von harmlos und kalkulierbar, wie es das sonst bei anderen Nationen so nicht gibt.

In drei, vier Wochen (Merkel und Kauder fangen schon an), ist Sarrazins Thema das der CDU; dann „war man schon immer der Meinung, dass…“ und verkauft Sarrazins Thesen als jenes, „was ohnehin schon längst auf der Agenda der CDU stand“. So läuft das.

Es wurde keine „Decke“ vom „morastigen deutschen Untergrund“ weggezogen. So groß war die Nummer nicht. Es bricht auch kein Notstand aus. Nirgends. Sicherlich hat mancher sein Mütchen gekühlt, aber deshalb die Rolläden herunterlassen? Sie haben doch einen Namen!

Wir übrigens auch; und grüßen und ermutigen Sie deshalb als
Lutz und Karin Jahnke

4) Dieter Carstensen, Montag, 06. September 2010, 05:13 Uhr

Lieber Michael Spreng,

Sie haben die richtige Entscheidung getroffen, denke ich.

Meinungsfreiheit heisst ja nicht, dass man dunpfen Parolen und Hasstiraden freien Raum geben muss. Ich betreibe selber zwei Blogs und zwei eigene Homepages.

Dort habe ich noch nie derartige Kommentare zugelassen und werde es auch nie tun.

Ich sehe das als demokratisch konsequent an. Wer gegen andere hetzen will, soll das auf entsprechenden rechtsextremen Plattformen tun, aber nicht auf Seiten, welche mit meinem Namen zusammenhängen, ich möchte mich nicht mitschuldig an der Verbreitung von tumben, auf gesitigem Nullprozentniveau angesiedelten Parolen machen.

M.f.G..

5) Sabine Zielke-Esser, Montag, 06. September 2010, 07:40 Uhr

Ich habe mich an der ganzen Sarrazin-Debatte nicht beteiligt. Das wäre zu viel der Ehre gewesen für diesen kruden Herrn.

Es ist halt wie mit Hundekacke, in die Du tritts. In dem Versuch, sie wieder los zu werden, verteilst Du sie immer weiter. Also pass auf, wo Du hintritts.

6) John Dean, Montag, 06. September 2010, 09:07 Uhr

Trösten Sie sich, Herr Spreng! Wenn Sie diejenigen Kommentare abziehen, wo sich ein, ähem, bestimmter Bodensatz äußert: Dann hat es doch auch eine beachtliche Vielzahl von besonnenen Kommentaren gegeben. Und manches aus der braunen Fankurve, was sich kommentierend in Ihr Blog verirrt hat, das war – mit einiger Distanz betrachtet – zum Schreien komisch. Für mich unvergesslich ist die Dame, die im Zusammenhang mit Sarrazin (und ihrem “Er hat doch völlig Recht”) von einem Problem mit Inkontinenzwindeln schrieb.

Inkontinenz: Ja, so könnte man es auch sagen…

7) Johannes, Montag, 06. September 2010, 09:22 Uhr

Die Debatte zu beenden, wenn Sie es denn konsequent täten, wäre das eine; Ihr Blog, Ihre Entscheidung.

Aber unter einem solchen Eintrag doch noch weitere Kommentare zu veröffentlichen (während ich dies schreibe, sehe ich schon 5), aber augenscheinlich nur noch, um Sarrazins Gegnern Raum für Verleumdungen und Kotmetaphern zu bieten, das ist ja wohl so ziemlich das Gegenteil von Debatte beenden.

8) Thomas B., Montag, 06. September 2010, 10:49 Uhr

Ich habe die Debatte bisher nur am Rande verfolgt und nicht jeden Beitrag dazu gelesen. Auch die Vorababdrucke habe ich nicht wirklich gelesen. (Das Ding im Spiegel liegt hier noch)
Ich habe aber gestern den Presseklub gesehen. Und das nachdem ich um Beckmann, Plasberg und Will (hätte fast Christiansen geschrieben) einen Bogen gemacht habe.
Es ist wie eine Zwickmühle. Will man sich ein eigenes Bild machen muss man das Buch kaufen und selber lesen unterstützt aber diese Medienmaschinerie und die Werbung zum Buch. Dazu kommt noch, dass Sarazin Geld bekommt.

Ich bin voll auf ihrer Seite wenn sie für sich entscheiden hier die Diskussion auf Grund von Entgleisungen zu beenden. Es ist wie gestern im Presseklub besprochen im Bezug auf die SPD. Auch wenn Meinungsfreiheit herrscht muss man nicht alles ertragen und kann durchaus eine Grenze ziehen.

Gruß

9) Maren P., Montag, 06. September 2010, 11:25 Uhr

Moin, Herr Spreng. Eine nachvollziehbar richtige Entscheidung. Bei manchen Kommentaren in der Debatte um Sarrazins fragwürdigen Umgang mit dem strittigen Thema ist mir angst und bange geworden. Dieses Ausmaß an undemokratischen Geschmiere unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit müssen Sie nicht verantworten. Es ist IHR Blog mit IHREN Themen. Wem das nicht passt, muss sich eben ein anderes Forum suchen.

10) Benjamin, Montag, 06. September 2010, 11:57 Uhr

Ich kann Herr Sprengs Entscheidung nachvollziehen (und ich finde es sehr respektabel, dass er hier eine eindeutige Grenze zieht). Damit hat er aber leider auch meine Erfahrung bestätigt, die ich in Zeitungsforen und manchen Blogs gemacht habe, wo der Beifall für Sarrazin von “gut, das es mal einer sagt” durchaus bis hin zu dumpfen braunen Kommentaren reichte. Ich würde mir wünschen, dass diese Begleiterscheinung ebenfalls in den Medien thematisiert würde. Buschkowsky wird m. E. Recht behalten: im Alltag der Integration sind hier Gräben nur vertieft, nicht überbrückt worden.

11) Doktor Hong, Montag, 06. September 2010, 12:25 Uhr

@ Lutz und Karin Jahnke

Ich denke, dass Herr Spreng sich auf jene Kommentare bezieht, die er nicht zur Veröffentlichung freigegeben hat. Da weder Sie noch ich diese Kommentare kennen, werden wir wohl kaum die Qualifizierung als “beängstigend” in Frage stellen können.

12) Doktor Hong, Montag, 06. September 2010, 12:45 Uhr

@ m.spreng

Der Vorwurf, nicht mit meinem echten Namen für meine Meinung einzustehen, trifft mich zu Recht, und es hat etwas von Feigheit, dass ich so handele.

Nun habe ich in einem meiner Kommentare ausgeführt, dass freie Meinungsäußerung zu sozialen Konsequenzen führt. Ich habe schon lange in meinem privaten und beruflichen Umfeld eine Werteverschiebung (= neutrale Formulierung) bzw. einen Werteverfall (so würde ich es nennen) konstatiert.

Das fängt an mit Schwärmereien darüber, wie Deutschland den Zweiten Weltkrieg hätte gewinnen müssen und hört damit auf, dass ich schräg angeschaut wurde, als ich mich in einer Runde entfernter Bekannter als überzeugter Demokrat bekannte. Wenn ein Philipp Missfelder alten Menschen medizinische Behandlung verweigern und ein Gottfried Ludewig vom RCDS ein Zweiklassenwahlrecht einführen will, wenn ein Professor in der FAZ argumentiert, dass der Polizei die Folter erlaubt werden soll (im Zusammenhang mit der Entführung des Bankierssohn), dann ist das ein herrschendes politisches Klima in Deutschland, bei dem es mir ernsthaft unwohl wird.

Diese Wertebeliebigkeit macht mir wirklich Angst, denn sie macht die politische Zukunft unberechenbar. Google vergisst nichts. Da ich meine Rente noch vor mir habe, keinerlei Absichten hege, freiwillig in Hartz4 zu kommen und ich nicht ein Buch mit abstrusen Thesen verfasst habe, das mir finanzielle Unabhängigkeit garantiert, muss ich damit rechnen, dass mir eventuelle spätere Arbeitgeber politische Kommentare unter meinem Klarnamen verübeln und mir deswegen eine Anstellung verweigern werden.

Die Reaktion auf Sarrazins Buch überrascht mich nicht im geringsten. Ich nehme das unterschwellig schon lange wahr. Und nun haben die feinen Damen und Herren einen Bundesbank-Vorstand, auf den sie sich berufen können, und müssen ihren Rassismus nicht mehr hinter vorgehaltener Hand und unterschwellig bekennen, um nicht mit den Ansichten der unfeinen NPD in Verbindung gebracht zu werden.

Ein großartiger Dienst an der Integration war das, danke.

13) Stefan, Montag, 06. September 2010, 12:58 Uhr

Hallo!
Mit diesem Thema ist es wie mit dem Nichtraucher-Gesetzen: Eine sehr emotional behaftete Geschichte.
Besonders bei Integrationsdiskussionen taucht immer wieder der rechte Rand auf, wie der Honig die Bienen anzieht.
Gute Entscheidung!

14) Politikverdruss, Montag, 06. September 2010, 13:07 Uhr

Die Gegner der eigenen Ansichten zu “Menschenfeinden” erklären und die Diskussion beenden. Ihre Ansichten über Meinungsfreiheit lassen zu wünschen übrig, Herr Spreng! Ich empfehle Ihnen für Ihr Forum einen Filter gegen „Menschenfeinde“.

15) Fassmann, Montag, 06. September 2010, 13:21 Uhr

Ach ja Herr Spreng, dem dummen Pöbel muß es ja gesagt werden, nicht wahr? Ihr Problem und das vieler PC´s ist einfach, daß Sie sich in höheren Sphären und das Recht das Volk zu bevormunden haden glauben.
Jetzt neigt sich die Ära der Jakobiner ihrem Ende zu und das Wissen darum ist´s doch was sie zur Verzweiflung treibt. Hier auf Ihrer Seite und im Presseclub z.B. wähnen Sie sich unter Gleichgesinnten, das ist aber eine Parallelwelt, in Wirklichkeit stellen Sie sich gegen das Volk, dem Sie Unmündigkeit unterstellen, das jedenfalls hat in letzter Konsequenz noch keiner überstanden. Sie haben sich wie so viele in Ihrer politischen Korektheit verrannt, können alles nur schwarz-weiß sehen und verurteilen jeden der Ihnen nicht nach dem Munde redet ein Menschenverachter zu sein. Wie sehr Sie Ihr eigenes Volk verachten und diffamieren fällt Ihnen ebenso wenig auf wie die ganze Niedertracht Ihres vor sich hergetragenen Gutmenschentums. Ich hatte Sie einst wegen Ihrer spitzen und bisweilen humorvollen Kritik geschätzt, seit Ihrem Sarrazin-Artikel und Ihrem Auftritt im Presseclub weiß ich, Sie sind für mich auch nur einer dieser austauschbaren Mainstream-Gutmenschen, ein Jakobiner eben.
Alles Gute wünsche ich Ihnen dennoch, auch wenn Sie meinen Beitrag zensieren weil Sie Ihn nicht verstanden haben.

16) m.spreng, Montag, 06. September 2010, 13:23 Uhr

@Politikverdruss

Ich habe nicht die Gegner meiner Ansichten, die in meinem Blog ausführlich zu Wort gekommen sind, als “Menschenfeinde” bezeichnet, sondern die Verfasser der rassistischen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Kommentare, die ich nicht zugelassen habe. Allerdings halte ich auch einige der veröffentlichten Kommentare für grenzwertig. Ich habe sie aber zugelassen, um mich gerade nicht dem Vorwurf der Zensur auszusetzen. Irgendwann ist es dann aber zu viel und zu heftig geworden.

17) Johannes der zweite, Montag, 06. September 2010, 13:25 Uhr

Herr Spreng,
sie haben völlig recht ! Ich wünschte mir andere würden es auch machen und nicht noch ein Forum bieten für die Dunkelköpfe dieses Landes.
Und lieber Namensvetter es geht auch längst nicht mehr um diesen Menschen. Es geht um den Blick auf die Gesellschaft, den er eröffnet hat. Sicher anderst als ursprünglich gewollt.

18) Gideon, Montag, 06. September 2010, 13:25 Uhr

vielen Dank für deinen Blog, Michael. Die Mehrheit steht hinter dir. Lass dich nicht beirren, weiter so.

19) Fassmann, Montag, 06. September 2010, 13:33 Uhr

Noch zu Ihrem derzeitigen Liebliengswort “virulent”, die ganze Sache war noch nie latent, einzig wurde im Einvernehmen mit den “Eliten” das Deckmäntelchen des Schweigensd darüber gebreitet, auch mit den Eliten der Medien, jetzt wagt es eine freche Rotznase das Mäntelchen ein wenig beiseite zu ziehen und schon schreien die Guten entsetzt auf was sich darunter verbirgt und möchten die Rotznase dafür bestrafen, so sieht es doch aus! Sich über einige Textpassagen zu echauffieren ist nicht die eigentliche Thematik, sondern der willkommene Aufhänger jemanden platt zu machen- eine Scheinheiligkeit par ecellance.

20) fk, Montag, 06. September 2010, 14:03 Uhr

Ja, vielleicht die richtige Maßnahme. Ich nehm´s von Anfang an mit Humor, anders ist es auch schwer zu ertragen. Vielleicht erheitert ja das hier: http://alrightokee.de/quatsch/mehr-protestparteien-braucht-das-land/

21) vera, Montag, 06. September 2010, 14:54 Uhr

bravo.

22) Roger Gerhold, Montag, 06. September 2010, 15:46 Uhr

Gut so, Herr Spreng.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein…..
Denkste, der ist schon da, der Schrecken.
Jetzt auf einmal reklamiert unsere politische Parallelwelt ganz sachte und von Tag zu Tag immer heftiger Sarrazins Thesen denn doch für sich. Alles unter dem Motto “Man wird doch wohl noch sagen dürfen!”
oder noch perfider “Wir waren immer schon für Integration. Wir finden das spannend. Die Diskussion muss ohne Vorurteile geführt werden. Aber ein bisschen draufhauen auf die kriminellen und arbeitsscheuen Muslime möchten wir schon.”
Die Politiker entlarven sich selbst.
Vor Volkes Stimme allerdings wird mir Angst und Bange.

23) mehrheitsmeiner, Montag, 06. September 2010, 18:25 Uhr

@Spreng

Sind wir doch alle froh, dass ältere konservative CDU Wähler keinen PC haben oder Ihren Blog nicht kennen, sonst hätten Sie zum Thema Sarazzin ein Speicherproblem auf Ihrem Server.

Ahoi,

24) Hardy Prothmann, Montag, 06. September 2010, 19:33 Uhr

Guten Tag!

Die “Zensurproblematik” kenne ich bei den von mir betriebenen Lokalblogs zur Genüge.

Es gibt leider viele Zeitgenossen, die nicht zwischen einer zulässigen Meinungsäußerung und einer Beleidigung oder Verunglimpfung unterscheiden können.

Auf mittlerweile fast 3.100 Kommentare auf unsere Artikel innerhalb eines Jahres kommen gut 10-15 Prozent “Dreck” – zu über 90 Prozent anonym verfasst.

Wir haben allerdings noch nie die Kommentarfunktion eingestellt und löschen lieber dutzende von Müllkommentaren, um einen nachvollziehbaren Kommentar zuzulassen – egal, ob er unserer Meinung entspricht oder nicht.

Vielleicht sind es aber auch so viele Kommentare bei Ihnen geworden, dass das nötig war. Wenn nicht, würde ich mir nochmal überlegen, die Funktion wieder freizuschalten. Sonst beugt man sich dem Druck dieser Dreckschleudern.

Beste Grüße
Hardy Prothmann

25) m.spreng, Montag, 06. September 2010, 19:37 Uhr

@Hardy Prothmann

Das ist ein Missverständnis. Ich habe die Kommentarfunktion nicht eingestellt, sondern nur mitgeteilt, dass ich die Sarrazin-Debatte in den Kommentarspalten des sprengsatzes beenden möchte. Das hat weitgehend gewirkt, so dass ich keine weiteren Schritte ergreifen musste.

26) Maren P., Montag, 06. September 2010, 19:39 Uhr

@ Fassmann + Co
Was Sie so verharmlosend als Meinungsfreiheit definieren, lässt sich auch ganz anders interpretieren (kopiert aus wikipedia):
>>Demagogie wird heute unter anderem so definiert:
„Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.“
– Martin Morlock 1977
Bei allem bleibt Demagogie eine eher historische und politisch-moralische bzw. theoretische Kategorie. In der kriminellen Form der Volksverhetzung wird sie als strafrechtlicher Tatbestand angesehen.<<

27) Frank Reichelt, Montag, 06. September 2010, 20:08 Uhr

Ich habe keine Bedenken meine Meinung unter meinem richtigen Namen zu schreiben und werde das ab jetzt auch tun. (bis jetzt Frank66).

28) Politikverdruss, Montag, 06. September 2010, 20:10 Uhr

Herr Spreng, vielen Dank für die Erläuterung.

29) Marqu, Montag, 06. September 2010, 20:44 Uhr

Ähm Herr Spreng,

das was Sie als latente bzw. virulente Fremdenfeindlichkeit bezeichnen,
ist, soweit ich das beurteilen kann, eher eine “Angst”.
So wie Homophoben nicht sofort böse sind, sondern einfach ängstlich.

30) uplumtree, Montag, 06. September 2010, 21:03 Uhr

Danke – vielleicht können wir uns ja langsam wieder diesem Thema ohne populistische Hetze annähern.
aber vielleicht kommt ja jetzt “something completely different…”

31) Recht Unbedeutend, Montag, 06. September 2010, 23:20 Uhr

Einer der Kernpunkte von Herrn Sarrazins Kritik war doch sinngemäß auch, daß wir nicht in der Lage sein werden, unsere politische Debattenkultur zu reproduzieren. Im Blick auf das momentane Geschehen ist doch alles, vor allem hier in “Ihren 4 Wändern”, eigentlich noch ganz gut abgegangen. Vor allem ohne jeglichen Respektsverlust für den Gastgeber. Wollen wir uns darauf verlassen, daß die Strahlkraft dieser Seite reicht, um Hunderttausende zu “infizieren” mit dem rechten(i.S.v.richtig) Geist? Ein interessantes Experiment – es ist bisher ja immer alles gutgegangen. Ist wie mit der Atommüll-Endlagerung. Viele Menschen lehnen Weltuntergangsszenarios aus tiefer Überzeugung ab, und ich würde mich gerne dazuzählen. Diese Überzeugung alleine wird uns aber im Ernstfall nicht retten können. Sie macht nur das Leben bis dahin sehr viel angenehmer. (Das ist ein rein logische Überlegung und beinhaltet nicht die Wertung jeglicher tatsächlicher Sachverhalte – aber man muß sich darüber Rechnung ablegen, und ich bin fest davon überzeugt, daß viele Menschen das “vermeiden”.)

32) Norbert, Montag, 06. September 2010, 23:47 Uhr

> “um mich gerade nicht dem Vorwurf der Zensur auszusetzen.”

Genau genommen können Sie gar nicht zensieren, weil die Grundrechte im GG die Rechte des Einzelnen gegenüber der Staatsgewalt sind, nicht gegenüber Privatpersonen. Und selbst die Staatsgewalt darf gegebenenfalls eine Nachzensur durchführen.

Wenn ich Nazis oder andere Irregeleitete in meiner Stube hätte, würde ich die auch rauswerfen, egal wie laut die “Zensur!” brüllen.

33) Alexej Danckwardt, Montag, 06. September 2010, 23:56 Uhr

Mehr als Verständnis von meiner Seite für Ihre Entscheidung, Beifall! Ich würde hoffen, andere Stellen würden die Debatte auch erstmal schließen. Nicht um totzuschweigen, sondern um in 2-3 Wochen, wenn sich der Morast wieder gelegt hat über die wahren Probleme zu diskutieren (Bildung, Bildung, Bildung!), statt über irgendwelche abstrusen Thesen zur Biogenetik.

34) sk8erBLN, Dienstag, 07. September 2010, 08:29 Uhr

Danke herr spreng,

eine nachvollziehbare und richtige entscheidung. In der tat war hier einiges grenzwertige zu lesen, was hier nicht zu lesen war kann ich mir lebhaft vorstellen. Im übrigen war hier in de rtatz alles bereits gesagt, vielleicht nur noch nicht von jedem. Neue aspekte in den kommentaren gab es jedenfalls nicht mehr.

35) Irreversibel, Dienstag, 07. September 2010, 11:21 Uhr

Ich kann Ihre Entscheidung sehr gut nachvollziehen.
Dass man unter Pseudonym kommentiert hat m.E. jedoch nur bedingt mit Feigheit zu tun. Ich lege vielmehr keinen Wert darauf, dass jeder oberflächlicher Bekannte, Kollege oder Personalchef durch Eingabe meines Namens bei Google erfahren kann welche Seiten ich besuche/kommentiere bzw. jemals besucht/kommentiert habe. Nicht aus Feigheit, sondern aus dem Wunsch nach so etwas wie ein wenig Privatsphäre im Netz und das finde ich keineswegs kritikwürdig.

36) v50sau, Dienstag, 07. September 2010, 17:52 Uhr

Ich hatte es befürchtet: Über 90% der Kommentare sind von “Gutmenschen” und erweisen sich als Lobhudeleien für Herrn Spreng.
Man kann es auch anders sehen: Vielleicht sind bei Sarrazin ein paar Dinge unglücklich benannt ( den Stuss mit den Genen hat er ja schon relativiert) – trotzdem hat er in der Sache recht. Er hat auch keine “kruden” Ansichten. Er hat das Recht auf freie Meinungsäußerung und dies ist zu respektieren.
Andere haben andere Meinungen. Sollen sie Bücher darüber schreiben und sich freuen, wenn Sie wie Sarrazins Werk, Bestseller werden – was ich bezweifle.

37) Martin, Dienstag, 07. September 2010, 18:52 Uhr

[…]Über das, was bisher in Deutschland nur latent war, was durch S[*] aber virulent geworden ist, wird allerdings noch zu schreiben sein.[]

Wohl war gesprochen.
Mir deucht ferne, das die von S[*] angestoßene Diskussione künstlich hochgehalten wird.

38) Chat Atkins, Mittwoch, 08. September 2010, 01:12 Uhr

Es wäre wirklich hilfreich, wenn Sie eine Verlinkung auf die Homepage (sofern vorhanden) zulassen würden. Man kann Leute besser für sich einnorden – und das Pseudo ist, wie bereits beschrieben, oft nur eine Hilfsfunktion, um das Hinterhergurgeln etwas einzudämmen.

39) Berger, Mittwoch, 08. September 2010, 11:47 Uhr

@Lutz und Karin Jahnke: Vielen Dank für den intelligentesten Kommentar, den ich seit langem lesen durfte.

40) Bibel und Koran, Donnerstag, 09. September 2010, 15:46 Uhr

Nur eine Frage:
BILD schreibt: http://www.bild.de/BTO/news/2007/07/14/ard-bibel/tv-skandal.html

Bibel wird in der ARD verbrannt: kein Skandal!

Irgendwo in Florida soll Koran verbrannt werden….Skandal

41) Immanuel Scheerer, Sonntag, 12. September 2010, 01:11 Uhr

Der morastige deutsche Untergrund besteht auch nur aus Menschen, die aber leider unter dem Morast nicht so gut zu erkennen sind. Die Frage ist, ob man diesen Menschen einen Gefallen tut, wenn man den Morast wieder deckelt?

Die Gründe für die Schwierigkeit der Debatte sind meines Erachtens auch gar nicht so ohne:
http://www.sein-und-nicht-sein.de/gleichheit-und-nicht-gleichheit/

Wer eine weitgehend morastfreie Diskussion zum Thema Sarrazin wünscht, dem kann ich die Gesprächspartner auf meinem Blog empfehlen, alles sehr feine Menschen, so wie hier.

42) watt nu?, Donnerstag, 16. September 2010, 14:51 Uhr

die antifa-danksagungen für den nassen sprengsatz sollten auch besser im geheimen stattfinden. wie man sich hier gegenseitig hochachtung , mut und furchtlosigkeit in faschistoiden zeiten versichert, das ist zu komisch. wie sagte das ein goodie hier ? feine gesellschaft? verlogene gesellschaft wäre passender.

43) Hendrik Tongers, Donnerstag, 16. September 2010, 17:20 Uhr

Unsere politisch & mediale Intelligenzija wird zunehmend richtig sauer auf die Mittelstand Normalos. Schon wie man als Bürger bei Volksentscheiden misstrauisch beäugt wurde von den Eliten, das hatte etwas von Schülern mit dem Wunsch nach mehr Schülermitverwaltung und im Lehrerzimmer schütteln all diese Prof. Unrats missbilligend den Kopf. Man kennt doch seine Pappenheimer. Erst gibt man ihnen die großzügige Möglichkeit über die Bundesblumenbeetverordnung abzustimmen und beim nächsten Mal steht das Volk , der große Lümmel, mit dem Wunsch nach der Todesstrafe vor der Tür. So ist er halt der Deutsche Michel, jedenfalls in der Vorstellungswelt der Eliten. Michel Sprengsatz sieht sich nur noch von Menschenfeinden verfolgt , schließt tapfer ganze blogs, sobald die Mittelstands Faschos frech werden und pafft sich eine.

Das Entsetzen über Mitbeteiligungswünsche der Bürger an demokratischen Abläufen schlug um in blanke Wut, als im Rahmen der Sarrazin Debatte das Volk der Elite wieder nicht bedingungslos ins political correctness Abseits folgte sondern lieber über das Thema des Buches sprach oder über die permanente Meinungsunterdrückung durch die Eliten . Jetzt wird bei der Intelligenzija der Mittelstands-Nazi aus der Taufe gehoben. Ob diese kruden , inakzeptablen und unsinnigen Thesen im kalten Lichte der Energiesparlampen bei den mittelstandsphoben Philoislamisten ganz besonders wahnhaft scheinen, man muss es fast befürchten. Nicht ganz so rätselhaft ist es, warum sich so wenige emanzipierte linke Frauen für die praktischen Auswirkungen der Scharia begeistern können und ihre Geschlechtsgenossinen in den Textilgefängnissen bemitleiden. Das hat auch etwas mit Anstand zu tun. Jedenfalls bestücken mehrheitlich Männlein mit teigiger Gesichtsfarbe ohne jeden Virilitätshintergrund dafür mit großer eigenen Unlust am Ansteigen der demografischen Kurve in Deutschland, die elitäre Schein-Debatte. Ob in Zeitungsartikeln, Pressekonferenzen oder Auftritten im staatlichen animal – farm-tv -Presseclub. Die Zunft der Schwatzwutze , vereint mit den Napoleons der Politklasse, sie möchte den Ungeist der außerhalb ihrer Wolkenkuckuckssalons tobt, wieder in die Flasche zurück haben. Aber irgendwie scheint die Deutungsmacht der Eliten selbst wie Flasche leer. Und das ist gut so.

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