- SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin - http://www.sprengsatz.de -

Die 50.000-Euro-Trumpfkarte

Zwei Prozentpunkte hat die SPD bei Forsa verloren. Eine Folge der Sarrazin-Debatte, meint Forsa-Chef Manfred Güllner. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, für die SPD ist das bitter, denn der vorsichtige Aufwärtstrend wurde gebrochen. Zum erstenmal seit Monaten geht’s wieder abwärts. Dass das so ist, hat nicht nur mit dem beabsichtigten Parteiausschluss Sarrazins zu tun, sondern auch mit der Widersprüchlichkeit und der Halbherzigkeit der SPD-Führung.

Man merkt der SPD-Führung an, dass ihr das ganze Thema unangenehm ist und dass sie das Ausschlussverfahren ungern betreibt. Eine klare Position der SPD ist nicht auszumachen. Das merken die Wähler. Wer sich selbst seiner nicht sicher ist, dies auch noch öffentlich demonstriert, der überzeugt keine Wähler.

Umso unverständlicher ist, dass die SPD in der öffentlichen Diskussion nicht die 50.000-Euro-Trumpfkarte spielt. Sarrazin will Akademikerpaaren, die unter 30 ein Kind bekommen, 50.000 Euro Prämie zahlen. Damit steht er in fundamentalem Gegensatz zur Aufstiegsphilisophie der SPD: Aufstieg durch Bildung. Sarrazin dagegen will aus seiner kruden Sicht von vererbbarer Intelligenz nur die Aufstiegsgewinner belohnen. Verkäuferinnen, AOK-Angestellte, Busfahrer, Facharbeiter sollen leer ausgehen. Geld gibt’s nur  für Akademiker.

Und das fordert Sarrazin als Mitglied einer Partei, die stolz darauf ist, dass der Sohn einer Putzfrau sozialdemokratischer Bundeskanzler werden konnte. Er hat sich mit dieser Forderung als Vertreter einer elitären Bürgerlichkeit enttarnt, die für viele SPD-Mitglieder schlimmer ist als die Ansichten Sarrazins in der Migrantendebatte. Und genau das müsste die SPD-Führung  ihren Mitgliedern deutlich und immer wieder sagen, wenn sie die Meinungshoheit in der eigenen Partei wiedergewinnen will.

Es überrascht auch nicht, dass die Grünen dagegen weiter zulegen. Sie haben im Gegensatz zur SPD eine glasklare Haltung zur Integration. Die SPD sollte sich auch nicht der Hoffnung hingeben, der Atomkurs der Bundesregierung werde es in den Umfragen schon wieder richten. Auch in diesem Fall werden nur die Grünen die Gewinner sein.