Freitag, 17. September 2010, 11:57 Uhr

Die Geistesverwirrung der CDU

Es ist eines der absurdesten Missverständnisse der letzten Zeit, zu glauben, Erika Steinbach sei konservativ. Und noch absurder ist es, an ihrem Beispiel eine Diskussion darüber zu führen, ob die CDU noch konservativ ist. Denn Erika Steinbach ist nicht konservativ, sie ist reaktionär. Sie lässt all die Tugenden vermissen, die einen wirklich Konservativen ausmachen: Haltung, Wahrhaftigkeit, Anstand, Stil, gutes Benehmen.

Wie kann im Ernst über den Verlust des Konservativen in der CDU diskutiert werden am Beispiel einer Frau, die Geschichtsfälscher verteidigt, die Polen eine Mitschuld am Ausbruch des 2. Weltkrieges geben wollen? Wie konnte im Ernst Frau Steinbuch zur konservativen Symbolfigur hochgeschrieben werden, die dem polnischen Deutschland-Beauftragten Wladyslaw Bartoszewski, einem Auschwitz-Überlebenden, öffentlich einen „schlechten Charakter“  unterstellt?

Die Diskussion in der CDU (und in den befreundeten Medien) kann nur als Ausdruck einer Geistesverwirrung betrachtet werden. Da die Beteiligten selbst nicht mehr wissen, was konservativ ist, glauben sie, Erika Steinbach und der unselige Thilo Sarrazin seien konservativ. Damit werten sie eine der drei entscheidenenden Grundrichtungen der CDU/CSU dramatisch ab, machen sich gewissermaßen selbst und ihre Partei billig und schlecht, indem sie die Diskussion im falschen thematischen und personellen Kontext führen. 

Konservativ hat etwas mit Haltung zu tun, mit Prinzipienfestigkeit, mit Mut. Konservativ ist man nicht, indem man es behauptet, sondern indem man es im besten Sinne vorlebt. Dazu gehören die klassischen Sekundärtugenden: Standfestigkeit, Treue, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit. Genau deshalb ist die CDU/CSU nicht mehr konservativ: ihre Politik ist nicht prinzipientreu, nicht standfest, nicht verlässlich. Und Schwarz-Gelb, die Partnerschaft mit der FDP, spricht allen Prinzipien von partnerschaftlicher Treue, von Stil und gutem Benehmen Hohn. Die CDU/CSU hat die konservativen Tugenden verloren, das ist ihr Problem.

Dabei müssen die Unionsoberen gar nicht weit schauen, um einen modernen Konservativen im besten Sinne zu finden. Er heißt Karl-Theodor zu Guttenberg. Auf Erika Steinbach dagegen kann die CDU gut verzichten. Sie schadet der Partei.

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44 Kommentare

1) karel, Freitag, 17. September 2010, 12:15 Uhr

Die Wertebestimmung, was konservativ sein soll, geben die Gruppierungen vor, die die Meinungsführerschaft iin den Medien wahrnehmen.

Die genannten Werte:
Haltung, Wahrhaftigkeit, Anstand, Stil, gutes Benehmen.
sind sie heute nicht von einer geprägten Aura des Rückständigen umgeben?

Selbstverwirklichung, Emanzipation, die Haltung des „das bin ich mir wert“,
organisierte Verantwortungslosigkeit, Anspruchshaltung gegenüber Staat und Gesellschaft
haben das Charisma der Moderne.

2) dissenter, Freitag, 17. September 2010, 12:28 Uhr

Wie interpretieren Sie zu Guttenbergs Rolle in der Causa Kunduz, Herr Spreng? Wahrhaftigkeit? Anstand? Was noch? Standfestigkeit?

Und sein Foto-Shooting auf dem Broadway: Haltung? Gutes Benehmen? Oder ganz einfach Stil?

3) Felix, Freitag, 17. September 2010, 12:54 Uhr

Danke,

„Standfestigkeit, Treue, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit“

demnach ist Horst Seehofer am wenigsten konservativ und die FDP eigentlich konservative Partei!

4) Uli, Freitag, 17. September 2010, 12:57 Uhr

Lustig was das Wörterbuch dazu sagt:
http://de.wiktionary.org/wiki/reaktion%C3%A4r
reaktionär (Deutsch)
Bedeutungen:
[1] dem Fortschritt feindlich gegenüberstehend
Synonyme:
[1] fortschrittsfeindlich, konservativ

Das dürfte so ziemlich dem entsprechen was die Bevölkerung empfindet.
Aber Sie haben schon recht die CDU/CSU ist nur noch im negativen Sinne konservativ. Die Wehrpflicht ist ein gutes Beispiel, erst will die CSU unbedingt an diesem Relikt des kalten Krieges festhalten und ein paar Wochen später ist man dann doch für deren Abschaffung.

5) nurmalso, Freitag, 17. September 2010, 13:56 Uhr

seit der heiligen sankt angela weiss die cdu doch gar nicht mehr, was konservativ im 21. jahrhundert bedeuten soll. ähnlich ergeht des der spd mit der sozialen komponente.
herrn guttenberg könnte man fast in die riege eines geglückten neuanfangs stellen …. ja wenn da nicht diese lästige kundus-affäre gewesen wäre.
was ich aber ebenso sehe, ist der fehler, frau steinbach als eine der letzten vertreterinnen des konservativen hochzujubeln. die frau vertritt innerhalb der cdu nur ihre eigenen interessen bzw. die ihres verbandes. abgesehen von ihrem schlechten politischen instinkt bin ich aber nicht der meinung, dass jemand automatisch einen guten charakter hat, weil er im kz gesessen hat oder für die aussöhnung. für solch eine einschätzung kenne ich den mann viel zu wenig bzw. gar nicht. genau wie die meisten leute, die sich jetzt für ihn die bresche werfen, um das zu reparieren, was steinbach zerschlagen hat. allenfalls hat frau steinbach einen offenbarungseid in sachen diplomatischen auftretens abgelegt. warum, darüber kann man nur spekulieren, sie selbst antwortet ja eher ausweichend.

6) Altlinker, Freitag, 17. September 2010, 14:08 Uhr

Das „Moderne“ ist nicht immer auch das Gute. Übersetzt meint’s oft nur: „Kauf mich“.
„Haltung, Wahrhaftigkeit, Anstand, Stil, gutes Benehmen“ sind mir viel lieber.

7) John Dean, Freitag, 17. September 2010, 14:09 Uhr

@ dissenter

Herr Guttenberg hat öffentlich seine Irrtümer eingeräumt. Nach vorschnellen ersten Äußerungen hat er zu einer sehr respektablen Linie gefunden – und kann diese begründen. Ob Sie es glauben oder nicht: Wer in der Lage ist, Irrtümer einzuräumen und aus Irrtümern zu lernen, dabei Haltung bewahrt und sich vor seine Untergebenen stellt, der ist ein guter Konservativer.

Aber kein Reaktionär.

8) kamikaze, Freitag, 17. September 2010, 14:09 Uhr

Ich zitiere Henryk M. Broder auf http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,717975,00.html aus seinem Artikel mit der Überschrift „Es muss nicht immer Reichsparteitag sein“:
„Auch ein Auschwitz-Überlebender kann und darf einen „schlechten Charakter“ haben.“

9) Doktor Hong, Freitag, 17. September 2010, 14:13 Uhr

Das hängt alles eng zusammen mit dem Phänomen, dass Ihre Fußballreporter-Kolumne beschreibt. War es einst „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, heißt es heute „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“, und man kann anscheinend mit der musikalischen Verbreitung solch hirnrissiger Aussagen auch noch gutes Geld verdienen.

Kein Wort davon, dass Eigennutz und Verantwortung für die Gemeinschaft sich gegenseitig bedingen und sich die Waage halten müssen. Wenn sich andere mir gegenüber rücksichtsvoll verhalten, dann nützt mir das. Das funktioniert aber nur, wenn darüber ein gesellschaftlicher Konsens besteht. Es scheint hierzulande, vielleicht genetisch zu 50-80% bedingt, kein kognitives Konzept vom dynamischen Gleichgewicht zu geben, das aus den Fugen gerät, wenn man es mit einer der Einflußgrößen übertreibt.

Wenn man sich die politische Historie dieses Landes anschaut, dann kann man über die moralische Verkommenheit unserer Führungsschichten eigentlich kaum verwundert sein. Ohne all denen Unrecht tun zu wollen, die sich anständig verhalten und charakterstark und human sind, muss man konstatieren, dass die Negativbeispiele zu zahlreich sind, selbst wenn sie nicht überwiegen: nehmen wir nur die Steuerflüchtlinge als Beispiel.

Dieses Land verlottert immer mehr. Unsere Eliten machen es uns ja vor. Sie bedienen ihre Klientel und sich selbst völlig schamlos, und werfen Leuten am Existenzminimum noch höhnisch spätrömische Dekadenz vor. Grandios. Hinterher wundern sie sich, dass ihr Vorbild in die unteren Gesellschaftsschichten ausstrahlt, dort aber mangels Aufsichtsratsposten andere Formen annimmt.

Dass die CDU nicht mehr konservativ ist, haben Sie korrekt konstatiert, genauso wenig, wie die SPD noch sozial ist.

Aber wen kann das wundern? Man muss doch nur die Augen aufsperren und sich anschauen, was im Lande los ist.

„Wenn das die Kanzlerin wüsste!“

10) Alexej Danckwardt, Freitag, 17. September 2010, 14:21 Uhr

Ich muss da immer an einen Artikel im „Spiegel“ vor einigen Monaten denken (habe den leider nicht aufgehoben, kann das also leider nicht genau zitieren), in dem ein Sohn eines Konservativen der frühen Jahre dieser Republik beschrieb, was wahre konservative Werte sind. Neben denen, die Sie aufzählen: Fürsorge für die Schwachen, Bewahrung der Schöpfung usw. Der echte Konservative würde heute den Grünen und der Linkspartei wahrscheinlich näher stehen, als der CDU und der FDP, so die These. Ich kann es nicht so gut formulieren, müsste mal diesen Artikel in irgendeinem Archiv recherchieren.

11) Dirk Rosenberg, Freitag, 17. September 2010, 14:58 Uhr

Kompliment. Sie haben das Dilemma der CDU in wenigen Sätzen sehr treffend analysiert.

12) karel, Freitag, 17. September 2010, 15:12 Uhr

Ich beobachte nur, daß unsere „wohlstandsschaffende Arbeits-kultur“ unserer Exportweltmeister und den staatstragenden mittelständischen Unternehmen eher von einer konservativen Haltung geprägt ist.
Wohin uns die moderne Gesellschaftskultur getragen hat, ist allgegenwärtig.

karel

13) C, Clocke, Freitag, 17. September 2010, 15:30 Uhr

Die Zuschreibung von Haltung, Wahrhaftigkeit, Anstand, Stil, gutes Benehmen nur auf Konservative greift meiner Ansicht nach etwas zu kurz. Mir fallen bei dieser Beschreibung spontan Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher ein, die nicht nicht Mitglied der CDU sind. Herrn Steinmeier, Frau Roth und sicherlich noch einigen anderen aktiven Politikern würde ich diese Eigenschaften ebenfalls zubilligen. Für mich sind dies Attribute eines Politikers mit Charakter, da ist es eigentlich egal, welche Richtung sie vertreten.

14) Uwe, Freitag, 17. September 2010, 15:35 Uhr

Selten einen solch einseitig und falsch verfassten Artikel gelesen. Der polnische Deutschlandbeauftragte ist als KZ-Überlebener unantastbar? Herr Sarrazin unselig? Aber der Artikel vertritt schön den Mainstream. welcher von wem auch immer gesteuert wird.

15) nona, Freitag, 17. September 2010, 16:09 Uhr

Unabhängig von der Definitionsfrage, was konservativ ist und was nicht (und ich stimme zu, dass Frau Steinbachs Auftreten und Eintreten bestenfalls exemplarisch für negative Konservativismus-Stereotypen stehen kann): die Frau muss natürlich zwangsläufig laut klappern, denn das ist in ihrer Vertriebenen-Ecke das nötige Handwerk. Sonst gerät sie in Vergessenheit. Die Vertriebenenverbände müssen ihre Rolle unlängst neu erfinden, denn die Generation der ursprünglich Betroffenen, deren Interessen mal zu vertreten waren, ist so langsam aber sicher ausgestorben. Und latent geschichtsklitternder Revisionismus, wie er in dieser „konservativen“ (lies: rechten) Ecke immer gerne mal betrieben wurde und wird, ist sowieso schon lange von der Geschichte überholt worden. Wenn es also schon an Relevanz des eigenen Verbandes mangelt, muss man sich wenigstens anderweitig „Profil“ zulegen.

16) m.spreng, Freitag, 17. September 2010, 17:23 Uhr

@C. Glocke

Die Genannten sind durchaus Konservative – konservative Sozialdemokraten oder Liberale. Helmut Schmidt ist geradezu der Prototyp eines konservativen Sozialdemokraten. Deshalb ist er ja auch von Oskar Lafontaine verunglimpft worden, der in einem Interview sagte, mit Schmidts Sekundärtugenden könne man auch ein KZ betreiben.

17) dissenter, Freitag, 17. September 2010, 17:34 Uhr

@John Dean

Ihr Beitrag würde zu Guttenberg entlasten, wenn er als pubertierender Jugendlicher über die Stränge geschlagen hätte. Hat er aber nicht. Er hat es als reichlich erwachsener Mann und frisch ernannter Wirtschaftsminister mitten in einer dramatischen Wirtschaftskrise für angebracht befunden, sich der Öffentlichkeit als König des Broadway bekannt zu machen. So dramatisch ist das übrigens aus meiner Sicht gar nicht – nur fällt es mir seitdem schwer, ihn als Verkörperung konservativer Tugenden anzusehen. Sie wissen schon: der erste Eindruck ist entscheidend.

Übrigens, vielleicht können Sie mir erklären, was mit dem Begriff „Haltung“ gemeint ist, den man im Zusammenhang mit zu Guttenberg des Öfteren zu lesen bekommt. Ich muss dabei immer an die Wehrmacht denken, dabei bin ich noch gar nicht so alt.

18) Frank Reichelt, Freitag, 17. September 2010, 17:54 Uhr

Die CDU hat doch noch einen definierten Konservativen: Wolfgang Schäuble! Auf ihn treffen doch die von Herrn Spreng genannten Attribute weitestgehend zu.
Seine Loyalität erst zu Kohl, dann zu Merkel, muss doch jeden CDU-Aussteiger (Merz, Koch, Köhler, von Beust) die Schamesröte ins Gesicht treiben. Er hat seine Gesundheit für diese Partei gegeben und trotzdem weitergemacht, weil er nach seinem Verständnis gebraucht wurde. Vor seiner Lebensleistung muss man Respekt haben, auch wenn seine Rolle im Spendenskandal der CDU noch nicht geklärt ist. Aber ich denke, die damaligen Ereignisse um die hundert hässlichen Männer (warum eigentlich nur Hundert?) haben auch etwas mit Loyalität zu tun.

19) Hagen306, Freitag, 17. September 2010, 18:07 Uhr

Konservativ seien „Haltung, Wahrhaftigkeit, Anstand, Stil, gutes Benehmen“? Damit zeigen Sie, in welchem Jahrzehnt ihre politische Sozialisierung lag; damals wurden diese Vorurteile gepflegt. Tatsächlich haben die Konservativen keine dieser Eigenschaften davon gepachtet – sie sind in gleichem Maß in wohl allen Parteien zu finden.

Zwischen reaktionär und konservativ würde ich durchaus unterscheiden: der Konservative will eine als schädlich empfundene Entwicklung aufhalten, bremsen. Der Reaktionär möchte die Uhren zurückdrehen.

Was ist nun „konservativ“?
Konservativ ist jemand, der die Familienstrukturen, wie sie früher auf engem Raum bestanden (in der gleichen oder benachbarten Stadt). Progressiv ist jemand, der die Flexibilisierung der Arbeit vorantreibt, so dass diese Familien auseinandergerissen werden. Dann studiert der Sohn in Berlin, die Tochter arbeitet in München, die Eltern wohnen bei Düsseldorf und kriegen Kinder und ggf. Enkel nur dreimal im Jahr zu sehen. Ohne alle Vor- und Nachteile der Entwicklung bewerten zu wollen: die Wirtschaftspolitik der Union war stets unternehmerfreundlich, so das der Auflösung der Familien zugearbeitet wurde.
Konservativ ist auch jemand, dem das Tempo der Durchmischung des Staatsgebietes mit verschiedenen Ethnien und Kulturen zu schnell geht, sei es aus einer Angst vor dem Fremden oder warum auch immer. Progressiv ist dagegen die Globalisierung der Wirtschaft, der Abbau von wirtschaftlichen Grenzen und Hindernissen, was mit einer stärkeren Vermischung und Nutzung dieser Freiheiten durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer der verschiedensten Kulturen einhergeht.

War die Union hier eine konservative Partei? Oder warb sie nicht selbst mit der Modernisierung („Mehr Fortschritt“)?

In den achtziger Jahren nahm die CDU für sich in Anspruch, dass es rechts neben ihr keine demokratische Rechte geben dürfe, dass sie also die Heimat auch all derjenigen sein wolle, die nationalistisch und reaktionär seien, solange diese nicht Demokratie und Rechtsstaat in Frage stellten. Gleich, wie man zu solchen Leuten steht: gesellschaftlich erfüllte sie dadurch eine wichtige Funktion, nämlich das Einbinden die rechts-demokratischen Kräfte. So wie es aussieht, tut sie das heute nicht mehr in gleichem Maß wie damals.

@ Herrn Spreng: Ach ja, und natürlich kann man konservativ sein, und trotzdem durch Verlogenheit, Unehrlichkeit und schlechtes Benehmen auffallen, ohne dadurch zu einem Progressiven zu werden. 😉

20) Norbert, Freitag, 17. September 2010, 18:31 Uhr

Was ist eigentlich so schlimm daran, dass niemand recht weiß, was „konservativ“ im 21. Jahrhundert bedeutet?
Man könnte den Verlust den Schubladendenkens ja auch begrüßen.

21) Thomas, Freitag, 17. September 2010, 18:47 Uhr

Lieber Herr Spreng- ich stimme bis auf den letzten Abschnitt ihrer Analyse vollkommen zu. Aber ausgerechnet Gutenberg als „echten“(tm) Konservativen darzustellen, ist doch lachhaft. Anders kann ich es leider nicht ausdrücken. Seine Performance als Wirtschaftsminister in der Opelfrage zeigte- wie später auch seine „Kunduz-Management“- dass dieser Mann ein eitler, selbstgefälliger Geck ist. Er spielt doch in der selben Liga wie ein G.Westerwelle. Keine Überzeugungen, keine besonderen Fähigkeiten, aber nach Medienmeinung gutes Aussehen- welches dann von Journalisten immer wieder mit Charisma verwechselt wird. Es tut mir leid, aber Gutenberg ist für mich die Verkörperung des schlechten Politikers.

22) Doktor Hong, Freitag, 17. September 2010, 20:08 Uhr

@ m.spreng

Richtig. Man muss unterscheiden zwischen Konservativismus als Wertesystem und als sich selbst so bezeichnende politische Richtung.

Beispielsweise ist kaum etwas konservativer als die Bewahrung der Umwelt, aber die Konservierung sozialer Unterschiede in den Bildungschancen, was CDU/FDP ja eifrig vorantreiben, halte ich gar für moralisch verwerflich.

Was die KZ-Aussage angeht, scheint sie ja zu einem geflügelten Wort geworden zu sein. Sie ist mir mindenstens zweimal von vermeintlich Liberalen entgegengehalten worden, als ich in der Diskussion offensiv Werte wie Pflichtbewusstsein, Gründlichkeit und Verlässlichkeit vertreten habe.

Darauf habe ich immer geantwortet: „Man kann ein KZ auch total schlampig führen und die Ermordungen finden 30 Minuten zu spät statt. Worauf wollen Sie hinaus?“

Es liegt ja nicht am Pflichtbegriff. Man hat nämlich nicht nur Dienstpflichten, sondern auch moralische Pflichten seinen Mitmenschen gegenüber, die man genauso wenig, wenn nicht noch weniger, vernachlässigen darf.

23) kottan, Freitag, 17. September 2010, 21:25 Uhr

Von Guttenberg als moderner Konservativer im Besten Sinne? Der Mann ist nicht authentisch.
Ich finde den Begriff Elitespießer passender.

Ansonsten gehe ich in fast allem d’accord.

24) Alexej Danckwardt, Freitag, 17. September 2010, 21:30 Uhr

@Uwe:

„Von wem auch immer gesteuert“? Die Frage, von wem der „Mainstream“ gesteuert ist, ist leicht zu beantworten: vom gesunden Menschenverstand.

25) Wolfgang, Freitag, 17. September 2010, 22:28 Uhr

Ich glaube, dass jeder Mensch einen Hang zum Konservativen hat. Man will das, was man kennt und für gut befunden hat, bewahren. Das ist eine gute und verständliche Sache. Es hat aber, wie alles, eine Kehrseite. Und diese Kehrseite ist Angst vor Veränderung. Vor dem Neuen. Und das Neue will in WIrklichkeit keiner. Abstrakt – ja. Vieles muss sich ändern, die Politik ist schrecklich, was läuft nicht alles schief im Lande. Jeder wird da einstimmen. Aber echte Veränderung, die jeden einzelnen betrifft? Einen Schritt ins Unbekannte wagen? Da ist es schnell vorbei mit der Offenheit (und zwar lagerübergreifend). Außerdem wird jeder mit zunehmende Alter bemerken, dass Veränderung schwierig ist und selten stattfindet. Selbst wenn der Wille da ist. Und zugleich nichts Bestand hat, am aller wenigsten dieser zerbrechliche Körper, in dem wir wohnen. Denn viel wichtiger ist eine Veränderung in der Sache ist eine Veränderung der Geisteshaltung. Und die kann nur jeder einzelne für sich leisten. Kann man die Ansgt, den Hass, den Krieg (erstmal im Kleinen mit dem bösen Nachbarn, der Ehefrau etc.) beenden? Sonst wird sich nur die äußere Form ändern. Nicht aber die Qualität unseres Zusammenlebens. Konservatismus in der Politik ist – wie andere Richtungen wie Sozialdemokratie, Sozialismus, Liberalismus auch . zunehmend eine hohle Worthülse. Man redet von Werten, von Bildung (und je mehr davon geredet wird, umso sicherer kann man sein, dass sich nichts ändert, weil keiner Geld in die Hand nehmen will und auch keiner wirklich was am Schulsystem ändern will. Und wenn – siehe Hamburg), von Moral (und handelt doch aus Egoismus, bedient Partikularinteressen), aber es bleiben Reden. Warum wenden sich die Menschen von der Politikm, aber auch von den Kirchen ab? Weil zunehmend die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln offenbar wird. Die Krichen reden von Liebe und grenzen Geschiedene, Frauen und andere aus. Wo ist ein starkes Wort der Kirchen für die Ausländer in unserem Lande? Aber das sind ja Moslems, die andere Partie, die sind die Christen nicht zuständig. WIr lieben nur unsere Leute. Die anderen sind uns egal. Sie reden von Frieden, aber finden keine klaren Worte gegen den Krieg in der Welt. Sie reden von Gott, aber ist fühlbar keine innere Erfahrung, sondern ein hohles Konzept im Kopf der Priester. Sie glauber im innersten Kern das selber nicht, was sie predigen. Es ist kein Wissen, sondern ein: ich darf nicht zweifeln -also Angst und Gewalt gegen sich selber. Die Politiker wirken auch desilusioniert. Sie sind Schauspieler für die Medien. Sie tun so, als ob sie Welt verstehen würden, aber sie haben, wie wir alle, keine Ahnung, wie diese komplexe Welt funktioniert und was sie tun sollen, Sie einscheiden über Dinge, die sie nicht verstehen. Sie tun so, als ob es ihnen um Sachthemen gehen würde. Dabei geht es erst mal um den Posten, den Macherhalt, dann um die eigene Klientel, dann vielleicht ums Land. Aber wir brauchen Politiker, die für die Menschheit, für alle Menschen arbeiten, nicht für Nationen. Die ihren Blick öffnen können, raus als verfestigten Weltbilden. Leute, die kraftvoll, mutig und ohne Ansehen der eigenen Person auftreten. Die nicht nur verstandesgesteuert sind (denn der Verstand ist zwar sehr wertvoll, aber auch immer durch die eigenen Gaubensätze verzerrt in seiner Wahrnehmung – so haben kluge Menschen oft völlig gegensätzliche Ansichten, und sind sich nur darin einig, dass sie beide Recht haben). Politiker, die Moral aus innerer Erfahrung leben (aus der tiefen Einsicht, was sie sich und anderen antun durch unbewusstes Handeln), nicht als Konzept, das noch nie funktioniert hat. Ich sehe keinen solchen Politiker. Wohl gibt es solche Menschen, aber nicht in der Politik, auch nicht in der Wirtschaft und auch kaum ind den Krichen.

Leider kann ich auch bei zu Guttenberg da keine Ausnahme sehen. Ein Medienprofi, vielleicht auch einer, der es ehlich meint. Aber insgesamt allenfalls der Einäugige unter den Blinden. Ein Meister der Worthülsen. Und einer, der sich leider den andere Menschen überlegen fühlt. Dessen Eitelkeit ihm sicher noch oft im Weg stehen wird. Warum immer nur die großen Egos zur Macht streben? Menschen, die Anerkennung suchen, die Macht über andere ausüben? Die durchsetzungstark (ein anderes Wort für gewalttätig) sind?

Aber lassen wir den Medien ihre leeren und aufgeregten Debatten um Nichts. Ist die CDU konservaitv genug? Hat Sarrazin recht? Was wird das nächste Thema sein, das zwei Wochen durch alle Talkshows geht? Und dass geht alles so weiter wie bisher. Nein, es ändert sich nichts. Weil wir uns nicht ändern. Nicht ändern wollen, nicht ändern können. Und weil unsere Politiker genau so um Dunkeln tappen wie wir alle. Kein Wunder, dass die Menschen verwirrt sind. Kein Wunder, dass Angst und in der Folge Hass entstehen. Kein Wunder. Was ist vom Glanz Obamas geblieben? Sein Change? Ein laues Lüftchen. Wem sollen wir verstrauen? Wir wissen doch im innersten, dass sich nichts ändern wird. Rot-Grün macht Sozalabbau (Hartz 4) und legt den Grundstein für die Bankenkrise (Deregulierung). Schwarz-Gelb kann sich nur einigen, wenn es viel Geld für die Wirtschaft zu verteilen gibt. Das sollen unsere Vertreter sein. Wer soll das noch glauben?

26) Erika, Samstag, 18. September 2010, 00:39 Uhr

Welche konservativen Eigenschaften machen Sie denn bei diesem Verhalten aus?

http://wn.com/zapp__bundeswirtschaftsminister_karl-theodor_freiherr_von_und_zu_guttenberg?orderby=viewCount

27) Chat Atkins, Samstag, 18. September 2010, 10:02 Uhr

Konservativ sein heute heißt gar nichts mehr bewahren wollen, schon gar nicht die Schöpfung. So konnte dieses erste deutsche Tea-Party-Mitglied auch „umweltpolitische Sprecherin der Unionsfraktion“ werden: „Marie-Luise Dött bezweifelt den Klimawandel.“ Und damit kann diese Partei ihre klimapolitische Begründung für die Notwendigkeit längerer Laufzeiten in Gorleben auch gleich mit entsorgen … anders ausgedrückt: Die Erosion der konservativen Volkspartei hat ihren Grund keineswegs in einem Linksruck, sondern in solchen Witzfiguren, die nur leider gar nicht witzig sind, weil sie Macht haben. Auffällig ist, wie viele Frauen – Steinbach, Dött, Herman, Wulff, Homburger, neuerdings auch Schwarzer – auf dem Ticket der Volksverdummung reisen.

28) Oliver, Samstag, 18. September 2010, 10:58 Uhr

Konservativ ist in Deutschland aus geschichtlichen Gründen ein Codewort für rechts. In dieser Hinsicht hat Frau Merkel die CDU verändert.

29) Peleo, Samstag, 18. September 2010, 11:16 Uhr

Vielleicht liegt es ja am Namen? Steinbach, Steinbrück, Steinmeier …..Steinzeit? Die Flintstones der deutschen Politik. Rolling Stones – wohin?

P.S. Dank an Erika für den Guttenberg-Link. Hatte ich schon wieder vergessen.

30) Christoph, Samstag, 18. September 2010, 11:59 Uhr

Ich glaube, die Diskssion die Erika Steinbach führt, interesiert kein einzigen in Deutschland und anderswo mehr. Das Thema Vertreibung haben die Menschen nach 65 Jahren abgehakt. Sie hat es auch schon bemerkt, und versucht jetzt mit provokanten Äußerungen Aufmerksamkeit zu erzielen. Nur die Medien nehmen sich das Thema noch an.

31) dissenter, Samstag, 18. September 2010, 14:59 Uhr

@Erika

Besten Dank für den Link. Zu Guttenbergs Kompetenzen auf dem Feld der Unternehmensleitung sollten einfach nicht dem Vergessen anheimfallen. 😉

32) C.Mayer, Samstag, 18. September 2010, 20:05 Uhr

Hat die „Möchtegern-Vertriebene“ Steinbach noch alle beisammen, den Polen, die ja am meisten unter dem Nazi-Terror gelitten haben eine Mitschuld am Ausbruch des Weltkrieges zu unterstellen? Die Person, man muss es wirklich so sagen, glaubte ja wirklich, sie sei Kind einer vertriebenen deutschen Familie, dabei war sie nur die Tochter eines Agressors, der über unser Nachbarland Tod und Verderben brachte. Die Deutschen, die Ostpreußen, Pommern und Schlesien 1945/46 verlassen mussten waren Vertriebene, aber doch nicht die Besatzer und ihr Tross, der nach 1939 polnisches Gebiet besetzte (genannt „Genaralgouvernement“ und Warthegau) und deren polnische Bewohner evakuierte und ermordete. Diese Person Steinbach sollte sich was schämen. Dass die CDU sie nicht augenblicklich rauswirft (siehe Hohmann) zeugt von der Desorientierung der Partei.

33) John Dean, Sonntag, 19. September 2010, 13:43 Uhr

Es wurde verschiedentlich gefragt, was denn nun „Haltung“ bedeutet.

Interessante Frage, keineswegs trivial. Ich meine, dass „Haltung“ in der Politik nicht zuletzt auch die Fähigkeit bedeutet, sich den Realitäten zu stellen. Haltung bedeutet auch die Fähigkeit, sich Kritik zu stellen – und konstruktiv damit umzugehen. Haltung im konservativen Sinn bedeutet nicht zuletzt auch, den Schmutz der Gosse (Sarrazin-Debatte u.ä.) zu meiden.

34) kamikaze, Sonntag, 19. September 2010, 14:49 Uhr

Was befähigt Sie eigentlich, sehr geehrter John Dean, sich in Hans-Guck-in-die-Luft-Manier über den Schmutz der Gosse zu erheben?

35) John Dean, Sonntag, 19. September 2010, 16:25 Uhr

@ Kamikaze
Lassen wir doch einfach die persönlichen Händel, denn sonst könnte ich Sie darauf hinweisen, dass ich nicht für mich in Anspruch nahm, ein Beispiel konservativer Haltung zu sein. Ihr Vorwurf geht fehl – vielleicht sollten Sie nicht so viel in die Luft gucken, sondern einen Text lesen, bevor Sie daran Kritik üben?

Nichts für Ungut.

36) Benjamin, Sonntag, 19. September 2010, 18:25 Uhr

Man verwechselt wohl leicht konservativ mit reaktionär, was es ja genau gesehen nicht ist, wenngleich konservative Kräfte (die sich so verstanden haben) sich im Laufe der Geschichte naturgemäß schwerer mit gesellschaftlichen Veränderungen getan haben – obwohl auch nicht alles Progressive automatisch und notwendigerweise gut ist. Herr Spreng hat freilich vollkommen recht wenn er darauf hinweist, dass es Konservative nicht nur in der Union gibt, sondern in allen Parteien (je nachdem, wie man es definiert). Problematisch und unappetitlich wird es nur dann, wenn angeblich konservative Werte benutzt werden, um am rechten Rand zu fischen, also etwa Ressentiments geschürt werden oder historische Fakten verdreht werden, um unangenehme Wahrheiten zu beschönigen.

Im Presseclub heute wurde der Begriff Konservativismus diskutiert, mit dem absehbaren Ergebnis, dass es gerade leicht ist, abstrakte Begriffe mit konkreten Inhalten zu füllen und eindeutig zu definieren – zumal manchen das Neoliberale, anderen das Mitte-Rechts Gefühl in der Union fehlt und sie dies bisweilen mit Konservativismus verwechseln. Im Falle der Union sehe ich es daher ähnlich wie Geißler, manches ist vielleicht eher eine Phantomdebatte (wenngleich gewisse Kreise dort sichtlich unter der Modernisierung leidet), in der allerdings ungute Geister geweckt werden können. Die Debatte wird die Union aber wohl noch eine ganze Zeit beschäftigen.

37) EStz, Sonntag, 19. September 2010, 22:51 Uhr

Mal unabhängig davon, ob man die Meinungen von Herrn Sarazzin oder Frau Steinbach teilt – die beiden sollten in jedem Falle das Recht haben, sie zu äußern. Diese Schlag-drauf-und-Schluß-Mentalität, wo sich jeder erst einmal entrüstet und urteilt, ohne das Thema in den meisten Fällen überhaupt zu kennen oder gar zu verstehen, nervt mich inzwischen sehr.

Außerdem: Wenn ich irgend etwas gelernt habe im Leben, dann, dass es die eine Wahrheit nicht gibt. Ich fände es sehr viel überzeugender, wenn man sich die Meinungen und Argumente erst einmal in aller Ruhe anhört und dann widerlegt. Wer das nicht kann, sollte die Klappe halten und andere ranlassen, die es können. Aber diese aufgezwirbelte „moralische“ Entrüstung in Medien und Politik schreckt mich schon sehr ab. Und es ist genauso nutzlos, wie einem Kind die Ohren zuzuhalten, während im Fernsehen über Sex geredet wird.

EStz

PS: Damit das hier nicht missverstanden wird: Das ist kein Plädoyer für oder gegen irgendwelche Thesen, sondern für einen sachlicheren Umgang.

38) I., Montag, 20. September 2010, 10:55 Uhr

Gott bewahre uns vor einer First Lady zu Guttenberg.

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/super-symbolfoto-82/#comment-139861

39) Invisibelle, Montag, 20. September 2010, 12:39 Uhr

Oh jeh! Ausgerechnet der Kalle soll´s richten….Nun, vielleicht kann er ja mit seiner neuen Armee in die Parteizentrale einmarschieren?

40) Doktor Hong, Montag, 20. September 2010, 23:05 Uhr

Ist es auch konservativ, sich als Werbeträger herzugeben, wenn man Kanzlerin ist?

http://www.gesunde-versicherung.de/

41) flawed, Dienstag, 21. September 2010, 15:50 Uhr

@Doktor Hong: üble Unterstellung.
Ich denke eher, hier probiert jemand aus, wie weit er mit dem Zitatrecht gehen kann.

42) Doktor Hong, Dienstag, 21. September 2010, 20:07 Uhr

@ flawed

Kann sein. Allerdings würde ich an der Behauptung festhalten, dass eben dieser Eindruck entstehen kann.

43) fahrtwohl, Mittwoch, 22. September 2010, 15:38 Uhr

Die Reaktion fasst wieder Mut. Mein Gott Erika!! Bitte verteibe Dich selbst – Für Polen brauchst
Du kein Visum mehr – die freuen sich bestimmt!

44) Unicorn, Donnerstag, 23. September 2010, 12:36 Uhr

Selten habe ich von jemand, der anderen „Geschichtsklitterung“ vorwirft, soviel – gelinde ausgedrückt – Ahnungslosigkeit und geschichtliche Unkenntnis lesen müssen.

Kaum war der polnische Staat zunächst durch deutsche Initiative im Ersten Weltkrieg wiedererstanden, zeigte sich ein übersteigerter Nationalismus mit völlig überzogenen Großmachtträumen. Opfer der polnischen Aggressivität waren die Ukraine, in der eine damals kleine polnische Minderheit lebte, Weißrußland, Litauen und schließlich auch Deutschland, wo Polen versuchte, sich unter de Schutz der französischen Besatzungsacht Schlesien einzuverleiben, was durch den Einsatz deutscher Freiwilliger verhindert wurde. Am Ende erhielt Polen den größten Teil des oberschlesischen Industriegebiets, obwohl sich in einer Volksabstimmung eine Mehrheit für Deutschland entschieden hatte
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Unter polnischer Herrschaft waren die Deutschen zahlreichen Schikanen ausgesetzt. Beispielsweisen verloren viele deutsche Bauern im zuge einer sogenannten „Bodenreform“ ihre Höfe, während die Güter polnischer Großgrundbesitzer nahezu unabgetastet blieben.

1933 und 1936 versuchte Polen, Frankreich zu einem Zweifrontenkrieg gegen Deutschland zu überreden. Ohne Erfolg. Das Ziel, sich auf Kosten Deutschlands weit nach Westen auszudehnen, blieb zwischen den beiden Weltkriegen stets erhalten, wie folgende Zitate aus den Jahren 1930 und 1939 zeigen, die noch um viele weitere ergänzt werden könnten:

“Wir sind uns bewusst, daß der Krieg zwischen Polen und Deutschland nicht vermieden werden kann. Wir müssen uns systematisch und energisch für diesen Krieg vorbereiten. Die heutige Generation wird sehen, daß ein neuer Sieg bei Grunwald (früherer großer polnischer Sieg über den Deutschen Ritterorden!) in die Seiten der Geschichte eingeschrieben wird. Aber wir werden dieses Grunwald in den Vorstädten von Berlin schlagen. Unser Ideal ist, Polen mit Grenzen an der Oder im Westen und der Neiße in der Lausitz abzurunden und Preußen vom Pregel bis zur Spree einzuverleiben. In diesem Krieg werden keine Gefangenen genommen, es wird kein Platz für humanitäre Gefühle sein.”
Das zensierte und der polnischen Militärdiktatur nahestehende Blatt Mosarstwowiecz 1930, also noch drei Jahre vor Hitlers Machtergreifung.

“Wir sind bereit, mit dem Teufel einen Pakt abzuschließen, wenn er uns im Kampf gegen Hitler hilft. Hört ihr: Gegen Deutschland, nicht nur gegen Hitler. Das deutsche Blut wird in einem kommenden Krieg in solchen Strömen vergossen werden, wie dies seit Entstehung der Welt noch nicht gesehen worden ist.”
Die Warschauer Zeitung “Depesza” vom 20.August 1939

Soviel zur polnischen Friedenspolitik.

Bartoszewsky leugnet den übersteigerten polnischen Nationalismus, der sich noch heute in perfiden Verunglimpfungen von Frau Steinbach als „blonde Bestie“ und Darstellungen in SS-Uniform zeigt, ja er versteigt sich selbst zu persönlichen Verunglimpfungen von Frau Steinbach. Das darf man ihm natürlich nicht anlasten, ist er doch „ein Überlebender von Auschwitz“. Wer denkt da nicht, daß er glücklicherweise bei der Befreiung des Lagers zu den Befreiten zählte? Die Wahrheit ist, daß er als Angehöriger des polnischen Widerstands im September 1940 nach Auschwitz eingeliefert (Häftlings-Nr. 4427) und wegen schwerer Krankheit im April 1941 wieder entlassen wurde. Deshalb ist er von jeder Kritik ausgenommen?

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