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Say Gus to me

Gus Fischer war bis Ende 2001 Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlages, wahrscheinlich der schlechteste, den Springer je hatte. Unter seiner Führung rutschte der Verlag tief in die Verlustzone. Er kam von Rupert Murdoch (was gegen seine soziale Kompetenz sprach), empfohlen von Leo Kirch (was gegen seinen Respekt vor Redaktionen sprach). Er hat wenig Spuren hinterlassen.

In Erinnerung ist, dass er alle nötigte, ihn mit Vornamen anzusprechen („Say Gus to me“ oder „Sagen Sie Gus zu mir“). Moderne Firmenkultur. Das hatte er bei Murdoch so gelernt. Ansonsten protegierte er seinen Sohn und beauftragte einen befreundeten englischen TV-Produzenten, der Deutschland nicht kannte und kein Wort Deutsch sprach, für SAT1 ein aktuelles TV-Magazin zu entwickeln. Was natürlich in die Hose ging.

Dieser Gus Fischer hatte am 13. Oktober 2000 den Auftrag, mir meinen Rauswurf und meine sofortige Beurlaubung als Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ mitzuteilen – ohne Angabe von Gründen, was nach dem Vertrag auch nicht erforderlich war. Ich wurde um 14 Uhr zu ihm bestellt und er forderte mich in dem dreiminütigen Gespräch auf, am selben Tag bis um 18 Uhr mein Büro zu räumen. Bevor ich wieder in meinem Büro war, um dies der Redaktion zu sagen, lief über die Faxgeräte schon die Mitteilung über meine Abberufung.

Ich hatte ihn übrigens immer mit „Herr Fischer“ angesprochen.