Sonntag, 03. Oktober 2010, 16:16 Uhr

Glühwürmchen

Als Günther Schabowski den DDR-Bürgern die Reisefreiheit verkündete und damit den Mauerfall auslöste, erklärte ich gerade einem japanischen Autoboss im obersten Stockwerk des Berliner Springer-Hochhauses die DDR-Sperranlagen und die Mauer, die von dort gut einzusehen waren. Er war Gast bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrades“ von „Bild am Sonntag“, einem Familientreffen der Autoindustrie der ganzen Welt.

Plötzlich kam Bewegung in die Feier: ein Referent brachte dem damaligen Berliner Bürgermeister Walter Momper die Berichte von der Schabowski-Pressekonferenz, worauf dieser sofort in sein Büro ging. Die Veranstaltung ging erst einmal weiter (als Gastgeber konnte ich ohnehin nicht gehen), weil noch niemand die Folgen der Schabowski-Äußerungen absehen konnte. Als am späteren Abend sich dann plötzlich die Glühwürmchen-Parade der Trabis über den Checkpoint-Charlie bewegte, wurde allen klar, dass vor unseren Augen Geschichte passierte. Da war das Fest schnell zu Ende. Die meisten machten sich auf zur Mauer und zum Grenzübergang.

Spät in der Nacht, auf der Aftershow-Party in einer Diskothek, stahl ein junges Paar den prominenten Gästen die Show. Zwei junge Ostberliner, die auf ihrem ersten Westausflug  spontan in die Disco kamen. Sie waren ab sofort die eigentlichen Stars der Nacht.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

2 Kommentare

1) Beobachter, Dienstag, 05. Oktober 2010, 13:07 Uhr

Schöne Geschichte. Aber was hat das mit dem 3. Oktober zu tun?

Ein Unding in vielen Redaktion und Fernsehanstalten: Der 3. Oktober wird mit Geschichten zum Mauerfall vermischt. Ist die Wiedervereinigung für sich allein wirklich so unbedeutend?

2) m.spreng, Dienstag, 05. Oktober 2010, 13:12 Uhr

@Beobachter

Nein, das eine hätte es aber nicht ohne das andere gegeben.

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder