Freitag, 08. Oktober 2010, 13:50 Uhr

Unredliche Grüne

Es ist einfacher, auf einen Baum zu klettern, als wieder herunterzukommen. Es sei denn, man fällt unsanft herunter. Diese Erfahrung müssen jetzt die Grünen mit „Stuttgart 21“ machen.

Denn die Grünen können die Erwartungen nicht erfüllen, die sie bei den Bahnhofsgegnern geweckt haben. Selbst dann, wenn sie die Landtagswahl gewinnen und einen grünen Ministerpräsidenten stellen sollten, können und wollen sie offenbar „Stuttgart 21“ nicht mehr verhindern. Dafür sind die Entscheidungsprozesse, die Gerichtsurteile, die Bauarbeiten und die Auftragsvergabe zu weit fortgeschritten. Und die Folgekosten eines Baustopps werden täglich höher.

Deshalb eiern die grünen Spitzenleute wie Cem Özdemir jetzt auch so herum und wollen sich nicht öffentlich festlegen, ob bei einem grün-roten Wahlsieg in Baden-Württemberg „Stuttgart 21“ unwiderruflich gestoppt wird. Sie wollen mitköcheln, aber nicht die Suppe auslöffeln. Sie wollen sich einerseits vom Protest der Bahnhofsgegner noch eine Weile nach oben tragen lassen, andererseits aber nichts versprechen, was sie nach dem 27. März nicht einlösen können.

Das aber ist unredlich und kann am Ende noch zu einem abrupten Erwachen aus den grünen Träumen führen – zum unsanften Sturz vom Baum. 

Offenbar hoffen die Grünen darauf, dass Heiner Geißler sie aus diesem Dilemma befreit und sie sich um die Entscheidung drücken können. Diese Hoffnung ist trügerisch. Die Bahnhofsgegner sollten sich schon einmal darauf einstellen: Sie werden am Ende allein gelassen, auch von den Grünen.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

69 Kommentare

1) Schillinger, Samstag, 09. Oktober 2010, 23:18 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

Sie nehmen an dass der Bauabbruch enorme Kosten verursacht. Wodurch sehen Sie das belegt? Die Unterstützer von S21 wollen das so sehen, aber stimmt es? Die Gegner von S21 sehen es jedenfalls nicht so. Und weshalb sollen Gerichtsurteile und Entscheidungsprozesse sollen so hohe Kosten verursachen, dass die Entscheidungsprozesse unumkehrbar sein sollen – Herr Spreng, glauben Sie das wirklich? Hand auf’s Herz! Die bisherigen Bauarbeiten doch auch nicht, oder? Kritisch können natürlich die Vergaben werden, daher wird die Politik interessiert sein, hier frühzeitig viel zu zementieren um den Gegnern nach der Wahl möglichst wenig Spielraum zu lassen. Wollen Sie das den Gegnern oder den Grünen anlasten?

Herr Spreng, in Stuttgart wird so demonstriert wie nie, man könnte meinen es geht um eine neue NATO-Nachrüstung oder um einen Kriegseinsatz. Warum hält die Regierung an S21 fest? Glauben Sie wirklich dass die CDU die enormen Risiken (vgl. Umfragen zur Wahl) wegen eines neuen BAHNHOFS auf sich nimmt? Die Schnellbaustrecke nach Ulm ist unstrittig, ist es also der BAHNHOF, der unbedingt unter die Erde muss? Nein! Es geht der CDU nicht bloß um einen Bahnhof! Es geht um die Frage wie solche Großprojekte in Zukunft durchgesetzt werden sollen. Wenn S21 abgeblasen wird ist ziemlich klar, dass man in Zukunft eine tiefere Einbindung der Bürger bräuchte, also eine die über „Überzeugungsarbeit“ hinausgeht, man bräuchte Volksabstimmungen! Es geht der CDU um die Sorge, in Zukunft ohne Bürgerbefragungen derartige Projekte (AKW, Großflughäfen etc) nicht mehr planen zu können!

Über Ihre Kommentierung würde ich mich freuen!!
Mit freundlichen Grüßen
MSchillinger

2) denker, Sonntag, 10. Oktober 2010, 00:47 Uhr

genial herr spreng….sie halten wort! sinngemäß in eienr einschlägigen talkshow diese woche wurden sie sinngemäß gefragt ….“was würden sie in einem artikel über cem özdemir bzw. die grünen zur deren haltung bez. stuttgart21 schreiben“….

sinngemäß ein teil ihrer antwort „….er eiert herum….“

und nun lese ich es hier von ihnen !!!
RESPEKT ! mehr von ihrer sorte – und dem deutschen, unabhängigen journalismus wäre noch zu helfen!

3) Howie Munson, Sonntag, 10. Oktober 2010, 11:26 Uhr

***Die Frage S 21 ja oder nein, lässt sich daher nicht einfach nur auf die Kosten des Projektes bzw. bei einem Nein auf die Ausstiegskosten reduzieren, sondern wichtiger, was ist in Deutschland an Infrastruktur überhaupt noch machbar und gegen Einzelinteressen durchsetzbar. Ob da dann immer Volksentscheide weiterhelfen?********

Die Einzelinteressen liegen doch ganz klar bei den Bau- und Immobillienfirmen die 100 Hektar Bauland in bester Lage haben möchten…

und solange die Bahn lieber mit Flugzeugen im Personenverkehr konkurieren möchte anstatt mit den Speditionen auf der Autobahn oder Bussen im Regionalverkehr wird es auch keinen nachhaltigen volkswirtschaflichen Nutzen geben…

Panorama – Die Reporter: Das Bahn-Fiasko
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_die_reporter/panorama567.html

4) Klaus, Sonntag, 10. Oktober 2010, 12:28 Uhr

…und die Lösung wäre = Herrn Sprengs CSU? himmelhilf.

5) Gor, Sonntag, 10. Oktober 2010, 14:49 Uhr

Ja, es kann schon sein, dass die Grünen die Wahl gewinnen und dann kleinlaut sagen, sie können das Projekt nicht verhindern. Und dass S21 gebaut wird. Aber damit ist die Geschichte nicht zuende.

Das Vertrauen der Menschen in Parteien wird noch weiter leiden. Aber es wird noch etwas anderes passieren: S21 muss liefern. Die Projektkosten werden genau beobachtet werden und der fertige Bahnhof wird seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Ebenso müssen die geologischen Probleme gelöst werden.

Ob die Gegner von S21 recht haben oder nicht, entscheiden nicht die Gerichte oder Wahlen. Die nächten Jahre und Jahrzehnte werden das entscheinden, gerade *wenn* S21 gebaut wird. Und wehe der repräsentativen Formaldemokratie, wenn

– die Kosten von S21 weiter explodieren, und wegen der Schuldenbremse die Gelder nun wirklich und sichtbar an allen Ecken und Enden fehlen,
– das Nadelöhr S21 durch Verspätungen und geringere Passagierzahlen evident wird
– gar Unglücke geschehen, weil Sicherheitsvorschriften abgeändert und beim Bau geschlampt wurde – siehe Köln,
– der neue Stadteil eine tote Investorenödnis mit maximaler Rendite und Eintönigkeit wird

S21 wird vielleicht den Prozess gewinnen – aber dann muss es auch die Wirklichkeit gewinnen. Und wenn das schief geht, wird es als Referenz für alle zukünftigen Großprojektgegner werden und erst recht Stillstand einläuten! Und das wird passieren, wenn S21 so schlecht ist, wie die Gegner glauben.

6) Hans W., Sonntag, 10. Oktober 2010, 15:11 Uhr

@ Howie Munson

Was ist so schlimm an 70 Hektar neuem Bauland und 30 Hektar neuer Parklandschaft mitten in der Stadt anstelle 100 Hektar Gleiswüste? Kennen Sie die örtlichen Gegebenheiten? Ich glaube nicht. Zumal dieses ganze Areal heute gemäß Vertragslage vollständig der Stadt gehört. Das ist doch gerade das Angebot an die Bürger, hier gemeinsam mit der Kommune ein Leuchtturmprojekt zu entwickeln. Stuttgarter Architekten und Ingenieure planen z. B. heute bereits Masdar City in Abu Dhabi, die erste emissionsfreie Stadt der Welt. Vielleicht informieren Sie sich darüber einmal. Die Blaupausen für einen neuen werthaltigen neuen Stadteil liegen in Stuttgart also bereits vor. Immer gleich alles in die Schublade Spekulanten und Lobbyisten zu packen ist doch lächerlich. So geht doch hier bald gar nichts mehr voran.

7) Maren P., Sonntag, 10. Oktober 2010, 16:46 Uhr

@ Hans W.
„[…] Die Blaupausen für einen neuen werthaltigen neuen Stadteil liegen in Stuttgart also bereits vor. Immer gleich alles in die Schublade Spekulanten und Lobbyisten zu packen ist doch lächerlich.[…]“

Nun, zumindest hat sich dafür ja schon ein Konsortium gebildet unter Führung von Bilfinger + Berger und ECE … natürlich ganz uneigennützig und keineswegs spekulativ. *kicher*

Vielleicht wäre dies der erste Schritt aufeinander zu, nicht länger zu tun, als ginge es um einen Bahnhof. Es geht um Immobilienspekulationen auf freiwerdende oberirdische Gleisflächen. Ob die Stadt diese wirklich braucht, weiß ich nicht. Aber wie sie gestaltet werden, lässt sich eindrücklich in der Hamburger Hafencity begutachten: Würfelhusten an der Waterkant. Dabei fehlt Stuttgart die Anziehungskraft des Wassers.

8) Howie Munson, Sonntag, 10. Oktober 2010, 16:58 Uhr

5 Milliarden Euro sind das schlimme, für die ursprünglich geplant 4 Milliarden _DM_ war’s grad noch ok…
(und da hatte man schon 10 Jahre lang gezögert weil man sich unsicher war ob es sich rechnet…)

9) Foggerty, Sonntag, 10. Oktober 2010, 17:19 Uhr

@Alexej Danckwardt

mir sind im Eifer des Gefecht´s ein paar Zeilen abhanden gekommen, die in meinem Post fehlen, so ist ein falscher Eindruck entstanden! Sorry.
Meine eigentliche Absicht war eine Art Vorschau, auf die Zeit nach 2013.
Ich bin mir sicher, das es nicht bei diesen 960 Millionen € bleibt und ich sehe auch noch keinen ICE auf der Strecke Berlin-Nürnberg. Wenn der Bund dieses Vorhaben genauso gezielt durchgeführt hätte wie S21, wäre das wohl heute kein Thema mehr für Spekulationen.
Naja, man wird sehen.
Stuttgart jedenfalls ist ein gutes Beispiel für unsere Demokratie. Schüler, die an einer ANGEMELDETEN Demo teilnehmen, werden mit körperlicher Gewalt auseinander getrieben.
Im übrigen stellt sich mir noch eine Frage: Frau Merkel macht die BW-Wahl zu einer Volksabstimmung über S21.
Was ist eine Landtagswahl eigeltich sonst? Ist sie nicht immer eine Volksabstimmung, egal um welche Inhalte es geht?

10) StefanP, Sonntag, 10. Oktober 2010, 18:47 Uhr

Zwei Argumente der S21-Gegner stimmen nicht oder sind so nicht richtig. Erstens: Die Protestler gerieren sich als die bisher schweigende Mehrheit, als diejeinigen, die dem großen Unbehagen in der Bevölkerung ein Gesicht und eine Stimme geben. Man protestiere nicht für sich, sondern – natürlich – für andere, denn – natürlich – habe man im Gegensatz zu gewählten Abgeordneten das große Ganze im Blick. Dieser Überhöhung eigener Interessen zum Gemeinwohl zieht nun eine brandaktuelle Umfrage in Baden-Württemberg den Zahn. Tatsächlich befürworten 46 Prozent den Neubau, eine fast gleich große Minderheit (43 Prozent) ist dagegen. Mitnichten ist das also eine eindeutige Sache, doch wer wird am meisten gehört? Wer am lautesten schreit, und der reklamiert für sich das Allgemeinwohl. Nichtsdestotrotz ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit für einen Volksentscheid, was jedoch die Kapitulation des Rechtsstaates vor dem kurzen Willen von Lobbygruppen wäre. Es ist der Politik nicht anzuraten, trotz den guten Aussichten auf eine weitere demokratische Legitimierung dem nachzugeben.

Zweitens: wer sich in Unternehmen wie Siemens, Alcatel, Alstom, GE und anderen auskennt, zu deren Kerngeschäft regelmäßig langfristige Aufträge mit hohem Entwicklungspotential zählen, der weiß, dass die Projektierung die Kosten ebenfalls mitsteigen. Kein Wunder: Projekte können immer nur aufgrund des Wissens von heute geplant werden, zusätzliche Schwierigkeiten, Planungsverzögerungen, Neuentwicklungen wirken auch bei privaten Projekten kostentreibend. Das macht Langfristprojekte nicht automatisch unwirtschaftlich, sonst würde man weltweit solche aufgeben und nur im Klein-Klein bleiben. Doch in Deutschland, dem Land der Hochbedenkenträger und Weltverbesserer, ticken die Uhren anders.

11) Hans W., Sonntag, 10. Oktober 2010, 19:53 Uhr

@ maren p.

Verschwörungstheoretiker aller Länder vereinigt Euch. „kicher“

12) Christine Staffler, Sonntag, 10. Oktober 2010, 20:17 Uhr

Ich will nicht behaupten, dass ich Recht habe, aber ich vermute, dass es bei dem Protest in Stuttgart nicht nur oder ausschließlich um den Bahnhof geht, sondern hier toben sich meines Erachtens ganz einfach Politikverdrossene aus. Ich kann das voll nachvollziehen, denn mir wäre es auch danach auf die Straße zu gehen und einfach den ganzen Verdruss, die Wut über unsere Politiker laut kundtun.
Wie Tina (8.10. 20.09) bin ich auch wütend, dass unsere Politiker alle nur gegeneinander arbeiten, als miteinander, an das Wohl von Deutschland und dem Volk denkt da gar keiner mehr, sondern nur an den eigenen Post, Macht und Geld. Wenn ein guter Vorschlag mal von einer Partei kommt, wird er von der anderen Partei niedergemacht. Es sit zum kotzen!!!!!!!!

13) Howie Munson, Montag, 11. Oktober 2010, 10:02 Uhr

@Stefan P: bisher hatten die Befürworter gemeint, die schweigende Mehrheit wäre für S21, nun zeigen die Zahlen ein Patt…
…der wirtschaftliche Nutzen von S21 wurde ja noch nicht öffentlich vorgerechnet, es ist nur bekannt das man jahrzehntelang aus finanzierungsgründen nicht bauen konnte, trotz günstigere geschätzte Kosten… und es ist eine Tatsache das die Bahn sich auf eindruckvolle Großprojekte konzentirert und gleichzeitig in der Fläche Infrastruktur rückgebaut wird…

14) StefanP, Montag, 11. Oktober 2010, 18:31 Uhr

@Howie Munson

Sie sind nicht auf mein Argument (oder meine Empörung) eingegangen. Auch der Kampf um Stuttgart 21 zeigt, dass Protestierer immer nur für sich selber auf die Straße gehen und dass gewählte Abgeordnete eine höhere Legitimation besitzen. Die Demonstranten spielen falsch, wenn sie behaupten, für die schweigende Mehrheit zu sprechen. Die kennen sie weit weniger als gewählte Politiker. Natürlich kann eine intensive Debatte im Rahmen eines Volksentscheids Tendenzen ändern – nur wird auf dem Wege eine Sachdebatte extrem emotionalisiert. Und ob tatsächlich die Bürger danach informierter sind, darf zumindest bezweifelt werden.

15) Howie Munson, Dienstag, 12. Oktober 2010, 08:29 Uhr

Ich geh auf das Argument nicht ein, weil sich S21 Befürworter sich als Sprecher der schweigenden Mehrheit hielten… ob das bei den Gegnern überhaupt so war, weiß ich nicht…

***““Es ist wunderbar, dass die schweigende Mehrheit jetzt zu einer aktiven Mehrheit wird“, rief OB Wolfgang Schuster der jubelnden Menge auf dem Marktplatz zu. „Wenn wir so weitermachen, holen wir die anderen bald ein“, erklärte Organisator Christian List in Anspielung auf die Demonstrationen mit Tausenden Stuttgart-21-Gegnern an jedem Montag. ***
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.ob-schuster-spricht-zulauf-fuer-stuttgart-21-laeufer.6ad8e42f-c60c-4ba2-98a8-d086f2e7275f.html

****Bräuchle will dieser Form des Protests nicht das Feld überlassen. Der evangelische Pfarrer will der „schweigenden Mehrheit“ in Stuttgart ein Gesicht, sein Gesicht geben. „Wir dürfen die Meinungsbildung nicht der Straße überlassen. Und in Stuttgart gleich zweimal nicht.“ Dafür hat er ein Logo entwerfen lassen, produziert Flyer und Anstecker mit der Aufschrift „Prosit“, abgekürzt für: „Pro Stuttgarter Tiefbahnhof“.***** http://m.faz.net/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E6CAA8A15C81E4740A9FEB5C365FF4A6E~ATpl~Epartner~Ssevenval~Scontent.xml

****Thomas Strobl, der Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg ist froh über Merkels klares Bekenntnis zu Stuttgart 21. „Das wird in der CDU als klare Ansage verstanden: Wir kämpfen mit klarem Kurs um die Macht im Ländle!“

Und er gibt sich zuversichtlich, dass die lautstarken Kritiker des Bahnhofprojektes nicht für die Masse der Schwaben und Badener sprechen. „Ich glaube, dass die schweigende Mehrheit eine andere Meinung hat.” ****** http://www.bild.de/BILD/politik/2010/10/01/stuttgart-21-ministerpraesident-mappus/wie-schwer-wird-fuer-ihn-die-landtagswahl.html

16) StefanP, Dienstag, 12. Oktober 2010, 10:36 Uhr

@Howie Munson

Das Argument war ein anderes: wer demonstriert, kann immer nur für sich sprechen. Solche Plakate wie jetzt wieder auf den Demos: „wir sind das Volk“ ist eine Überhöhung der eigenen Meinung.

Wer Stuttgart 21 ablehnt, weil die Kosten gestiegen sind, der muss eigentlich alle öffentlichen Projekte ablehnen. Weltweit, so eine Studie, kommen Investitionen des Staates 50 Prozent teurer als projektiert. Bei der Hälfte aller Projekte steigen die Kosten sogar in einer Spanne bis zu 200 Prozent. Ja, aus wirtschaftlicher Sicht kann und muss man das kritisieren. Doch wäre das wirklich ein entscheidendes Kriterium, so gäbe es das meiste heute nicht. Oder sehen Sie den Suez-Kanal als verzichtbar an (18mal so teuer), oder die Oper Sydney (14mal teurer)? Oder den Flughafenbahnhof Frankfurt am Main?
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E077173E334B04460A7B29F1BD429D0DD~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Eine Möglichkeit, der optimistischen Planung Herr zu werden, wäre die Beteiligung privater Investoren zu mindestens einem Drittel. Doch das passt dann vielen Staatsgläubigen auch nicht.

17) Thomas B., Donnerstag, 14. Oktober 2010, 09:58 Uhr

hehe.
Ich stimme ihnen zu. Das werden interessante Wahlen im März und die Wochen danach werden noch spannender.
Das ist das Problem wenn man seine Politik nach des Volkes Stimmung ausrichtet. Fairer weise muss man aber sagen, dass die Grünen in und um Stuttgart das Projekt schon von Anfang an kritisieren. Somit sind sie durchaus berechtigt die Protestbewegung politisch zu tragen. Wie Herr Spreng schon sagte ist da dann nur die Frage ob die hohen Erwartungen erfüllt werden können.

Gruß

18) Howie Munson, Freitag, 15. Oktober 2010, 19:38 Uhr

@StefanP: Es steht ihnen frei weiter die vermeintliche „Überhöhung“ der Demonstraten anzuprangern und das gleiche auf der anderen Seite zu ignorieren, aber nehmen sie doch bitte zur Kenntnis das es berechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der „legitimierten Fürsprecher“ gibt… http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=7019802/wyyniu/index.html
Es werden also mit rechtlich und moralisch zweifelhaften Mittel irrevesible Fakten geschaffen, damit es im März kein wirtschaftlich sinnvolles zurück mehr gibt, klar das macht man nur, damit der Bahnhof rechtzeitg fertig wird….

Erklären sie doch mal den Nutzen von S21 ohne die noch nicht vollständig genehmigte Neubaustrecke und wie gesagt, ich zweifel an einen gesunden Kosten-Nutzen-Verhältnis, selbst wenn es bei den 4 (Bahnhof) plus 2,5 (Neubaustrecke) Milliarden Euro bleibt, was ja schon mehr als das doppelte der ursprünglichen Planung beträgt, BEVOR überhaupt irgendeine unvorhersehbarkeit eingetroffen ist…
lustigerweise spricht also ihr eigener Link dagegen S21 noch weiterzuverfolgen…
*************Ist die Entscheidung einmal gefallen und hat die Bauphase die kritische Größe überschritten, wird im Budget eben nachgetragen. Dieser Mechanismus gründet sich auf den Schwächen des politischen Systems. Denn wie bei den Bankmanagern vor der Finanzkrise fällt in der Politik oft Risiko und Haftung auseinander. Dass ein wichtiger Politiker wegen eines Planungsfehlers bei einem Bau abgewählt wird, kommt doch so gut wie nie vor. ************** NOCH hat man nicht allzu viel Geld in den Bau versenkt, aber man will eine Baupause unter allen Umständen vermeiden…

Das AKW Whyl wurde auch nicht gebaut und trotzdem gibt es sogar in Baden-Württemberg noch Großprojekte, warum sollte also S21 da irgendwas dran ändern…

Private Investoren zu beteiligen wird auch nix daran ändern, das Politiker Risiken der Allgemeinheit aufbürden und später im Aufsichtsrat sitzen… sie können sich auch gerne die A1 zwischen Hamburg und Bremen selbst anschauen… http://www.stern.de/wirtschaft/news/grossbaustelle-a1-neue-autobahn-schon-wieder-durchloechert-1549890.html

19) MSchillinger, Samstag, 16. Oktober 2010, 20:06 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

der Spiegel (Online) schreibt heute dass ein Bauabbruch ca. 1,4 Mrd Euro kosten würde. Da die Zahlen hier aufgeschlüsselt werden wirken sie auf mich am glaubwürdigsten. Meinen Sie dass die grünen wegen – sagen wir mal – 2 – 3 Milliarden nicht vom Baum herunterkommen? Ich finde man sollte dabei bedenken wie viel S21 kosten wird und wie viel zu dieser Planung noch hinzuzurechnen ist. Die Kritiker von S21 behaupten auf ihrer Website dass S21 Tunnelkosten ansetzt die ca. 50 % der Kosten entsprächen, die für die Neubaustrecke Nürnberg-München angefallen seien. Sollte das stimmen – ich kann es nicht überprüfen – ist uns beiden klar was das noch bedeuten würde…

Und noch wichtiger: jeder Tag Bauunterbrechung wegen einer Schlichtung koste 500000 Euro, also würden 100 Tage Schlichtung gerade mal 50 Millionen kosten. Eigentlich ist das Wort seit langem verpönt, aber sind das denn nicht Peanuts in Anbetracht der Gesamtkosten? Man könnte darstellen ob S21 ein gut durchgerechnetes Projekt ist oder ob die Kritiker recht haben…

Nun, die Stuttgarter Zeitung – nach meiner Erfahrung in den letzten Jahren durchaus bewandert mit der Innenansicht der BW-CDU – schrieb schon vor Wochen, die CDU glaube dass ein Baustopp der endgültige Tod von S21 sein würde. Also da gibt es nur noch eines: alles oder nichts, jetzt oder nie.

Mit freundlichen Grüßen
Schillinger

20) Marvin, Donnerstag, 21. Oktober 2010, 12:54 Uhr

Nicht die Grünen sind unredlich, sondern vor allem die Vorreiter von Stuttgart 21- Schwarz-Gelb in BW, Mappus, Merkel, Ramsauer, Grube und Co! Die Grünen haben nie gesagt, dass sie S21 aufhalten, sondern nur, dass sie es versuchen. Was sollen sie sonst dazu sagen? Beim Atomausstieg ging die Kehrtwende zum Verlängerung sehr schnell.

Befürworter gauckeln der Öffentlichkeit vor, dieses Immobilienprojekt wäre ein unverzichtbares Vorhaben. Dass u.a. der Güterverkehr dadurch (auch finanziell) benachteiligt wird, obwohl er dringenst ausgebaut werden muss, dass die Zahl der Gleise von 17 auf 8(!) verkleinert wird, dass es ein Durchgangsbahnhof werden soll, obwohl 90%(!) dort aussteigen, von allen diesen krassen Widersprüchen wollen die Befürworter nicht wissen, auch nichts davon, dass es immer teurer wird. Verdummung Deutschlands in Reinkultur!

21) von Freiburg, Freitag, 22. Oktober 2010, 00:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,

vielleicht unterschätzen Sie die Rolle der Grünen in Baden-Württemberg beim Thema S21.

Das Stuttgarter Bahnhofsprojekt taugt ganz gut als Kristallisationspunkt für ein angestautes Misstrauen gegenüber einem nicht kleinen Teil unserer Politiker. Man traut Ihnen nicht mehr zu, anständig und vernünftig ein so teures Projekt ohne Vorteilsnahme über die Bühne zu bringen.

Es lassen sich bei S21 sehr viele Ungereimtheiten finden: Von der ungenügenden Kosten-Nutzen Relation bis zu recht offensichtlichen persönlichen Interessen der handelnden Akteure bei den Immobiliengeschäften die sich aus S21 ergeben. Schwer vorstellbar, dass hier keine Korruption im Spiel sein soll.

Herr Kretschmann erscheint da vergleichsweise sehr vertrauenswürdig, fast schon ein bisschen zu anständig. Und es werden mehr Bürgerbeteiligungen in Aussicht gestellt.
Ob da der Ausstieg von S21 tatsächlich noch gelingt scheint mir nicht der entscheidende Punkt zu sein.

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