Sonntag, 10. Oktober 2010, 22:53 Uhr

Wenn der Sprecher Urlaub macht

Früher spielte der zweite Regierungssprecher noch eine größere Rolle als heute. Meist war der erste der Generalist, der zweite der Wirtschaftsfachmann. So war es unter Helmut Schmidt mit Klaus Bölling und seinem Stellvertreter Armin Grünewald. Und wenn der zweite wie Grünewald eine starker Mann war und Einfluss auf den Kanzler hatte, dann war das gut für die Journalisten, denn man konnte die Rivalität der beiden ausnutzen. So ging es auch mir gut als Korrespondent in Bonn.

Bölling, dem die “Bild-Zeitung” eigentlich zu unfein war und der seinen Kanzler, wenn überhaupt, nur mit dem Chefredakteur sprechen lassen wollte, versuchte immer wieder, meinen Kontakt zu Helmut Schmidt zu unterbinden. Also pflegte ich Grünewald. Wir trafen uns häufiger, gingen zusammen essen. Als dann Bölling in Urlaub war, sorgte Grünewald für meinen Interviewtermin beim Kanzler am Brahmsee. Zwei Stunden in angenehmer Atmosphäre. Schmidt war für seine Verhältnisse freundlich und offen wie selten, zeigte stolz seine Segeljolle und ließ sich klaglos fotografieren. 

Und am Ende waren alle zufrieden: Schmidt, Grünewald und ich. Vielleicht nur Bölling nicht.

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1 Kommentare

1) Katrin Kroker, geb. Grünewald, Donnerstag, 08. Februar 2018, 14:55 Uhr

Ein alter Artikel, aber durch einen Zufall jetzt gelesen – wie schön und herrlich!
Genau so war er… und hat sich nie “unfein” gegenüber Bölling geäußert, höchstens zu Hause mal in seiner eigenen humoristischen Art ;-)…

Danke für die Erinnerung!

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