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Sonntag, 24. Oktober 2010, 12:34 Uhr

Grabräuber

Auf Auslandsreisen nehmen Spitzenpolitiker meist eine kleine Crew von Hauptstadtkorrespondenten mit, die denen daheim von ihren Großtaten im Ausland berichten sollen. Bei solchen Reisen lernt man aber auch Land und Leute kennen und erlebt skurrile Situationen.

Von meiner Südamerikatour (Peru/Brasilien/Dominikanische Republik) 1978 mit Helmut Schmidt sind mir zwei Erlebnisse in besonderer Erinnerung. In Lima, der Hauptstadt Perus, lernte ich beim Staatsempfang den peruanischen Chefarchäologen kennen, der sehr an deutscher Entwicklungshilfe interessiert war. Deshalb zeigte er einem Kollegen und mir seine neueste Ausgrabung in der Kathedrale von Lima, den Schädel des spanischer Eroberers Franzisco Pizarro. 

Jugendlich unbekümmert, wie ich damals war, ließ ich mich mit dem Schädel in der Hand (“Sein oder Nichtsein…”) fotografieren. Der Archäologe stand zitternd dabei, denn das Fundstück war, so es denn echt war, Millionen wert. Wehe, der Schädel wäre mir aus der Hand gefallen.

Der Peruaner gab uns auch einen Tipp, wo wir Grabbeigaben aus der Inka-Kultur kaufen könnten. Sie stammten, so ließ der Archäologe durchblicken, aus Grabplünderungen und seien sehr wertvoll. Ein Kollege und ich fuhren in ein Haus am Stadtrand und erwarben (verbotenerweise) einen Kopfschmuck (250 Dollar) und ein Stück Grabtuch. Die Ausfuhr war einfach zu bewerkstelligen, weil das Gepäck der Kanzlerbegleiter nicht kontrolliert wurde.

In Bonn zurück, gab ich den Inka-Kopfschmuck stolz einem befreundeten Museumsdirektor zur Schätzung, wie alt und wie wertvoll er sei. Ergebnis: ”Eine folkloristisch hübsche Arbeit”. Ich war hereingelegt worden mit einer auf alt gemachten Fälschung – und das war dann auch gut so, denn sonst hätte ich tatsächlich von Grabräubern profitiert. Den Kopfschmuck besitze ich heute noch. Er erinnert mich an einen dunklen Moment meines Korrespondentenlebens.

Nächste Woche Teil 2: Il Presidente von Santo Domingo

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