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„Il Presidente“ von Santo Domingo

Letzte Station meiner Südamerikareise mit Helmut Schmidt war die Dominikanische Republik, damals regiert von einer sich sozialdemokratisch nennenden Partei. Sie begrüßte den deutschen Kanzler mit großen Spruchbändern „Bienvenidos, Companero Helmut Schmidt“. Damals war Land touristisch noch nicht entdeckt, es gab nur ein paar Hotels. Am letzten Abend des Staatsbesuchs lud Schmidt zu einem Empfang auf das Schulschiff „Deutschland“ der Bundesmarine, bei dem ich den Generalssekretär der regierenden Partei kennenlernte. Er lud mich ein, noch ein paar Tage zu bleiben, um das Land besser kennenzulernen.

Ich blieb und am nächsten Morgen holte mich ein Fahrzeug der Armee ab und brachte mich zum Flughafen. Mit dabei war für die drei Verlängerungstage ein sehr sympathischer Mensch vom Außenministerium. Er sagte mir, dass mir für die ganze Zeit der Präsidentenhubschrauber zur Verfügung stehe. Drei Tage flogen wir kreuz und quer über das Land und immer dort, wo es es mir gefiel, landete der mit dem Präsidentenwappen geschmückte Hubschrauber – und hunderte von Menschen liefen zusammen, weil sie dachten, „Il Presidente“ käme. Ich lernte das Land tatsächlich kennen: vom Besuch bei austernschlürfenden Zuckerbaronen bis zu den Hütten der armen Dorfbewohner, vom einzigen touristischen Resort („Casa de Campo“) bis zu den Merengue-Lokalen der Hauptstadt.

Zwei Wochen später erreichte mich die Nachricht, dass der Präsidentenhubschrauber mit den beiden Piloten, die mich geflogen hatten, abgestürzt ist.