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Donnerstag, 04. November 2010, 14:36 Uhr

Verlogener Integrationsgipfel

Neulich am Münchner Flughafen. Der (deutsche) Taxifahrer war sauer, weil er  lange gewartet hatte und ließ seine schlechte Laune – wie leider viele Taxifahrer – am Fahrgast aus. Besonders sauer war er auf Kollegen, die am Flughafen angeblich ohne Erlaubnis Gäste beförderten. Er schimpfte aber nicht auf die “Scheiß-Kollegen”, sondern auf die “Scheiß-Moslems”, die ihm die Fahrten wegnähmen.

Wer das für einen Einzelfall hält, sollte sich einmal mit türkischen Zuwanderern unterhalten und ihren Verbandsvertretern oder einfach nur richtig die Zeitungen studieren – oder an Stammtischen, auf der Straße, in der U-Bahn aufmerksam zuhören. Die Sarrazin-Debatte hat zu einem Klima in Deutschland  geführt, in dem Migranten öffentlich – und wie selbstverständlich – wieder als “Scheiß-Ausländer” bezeichnet werden. Die latente Fremden- und Ausländerfeindlichkeit ist in dramatischer Weise virulent geworden. Und das in allen Kreisen, in bürgerlichen nur mit einer anderen Wortwahl. Sarrazin, und das ist das Schlimmste an seinem Buch, hat Hass und Ressentiments gesellschaftsfähig gemacht – zumindest fahrlässig. Man wird doch wohl mal sagen dürfen…

Und die CDU und CSU haben sich für eine gefährliche Doppelstrategie entschieden: einerseits Lippenbekenntnisse und halbherzige Angebote zur Integration, andererseits geben sie dem fremdenfeindlichen Affen Zucker: “Multikulti ist gescheitert” (Merkel) oder “keine weitere Zuwanderung aus fremden Kulturen” (Seehofer). Sie glauben, Fremdenfeindlichkeit so demokratisch kanalisieren zu können, in Wirklichkeit geben sie den Migrantenfeinden das Gefühl, ihre heimlichen Verbündeten zu sein. Politiker dürfen das halt nicht so deutlich aussprechen, meinen diese und fühlen sich ermutigt.

Auch der jüngste Integrationsgipfel war eine verlogene Veranstaltung. Ehrlich wäre es gewesen, erst einmal über die Deutschen und die rapide Zunahme der Ausländerfeindlichkeit zu sprechen und das aufgeheizte gesellschaftliche Klima, in dem der Gipfel stattfand. In einer Zeit, in der Desintegration mit Millionenauflagen gefördert wird, ist es einseitig und damit falsch, von Zuwanderern bessere Integration zu verlangen, wenn nicht gleichzeitig von den Deutschen gefordert wird, Migranten offen und vorurteilsfrei aufzunehmen. Beides ist untrennbar verbunden. Es gibt eine Hol- und eine Bringschuld.

Die verdruckste Haltung von CDU und CSU hat auch dazu geführt, dass sie sich nicht trauen, offen zu sagen, dass Integration teuer wird, sehr teuer, weil auch die Versäumnisse der Vergangenheit korrigiert werden müssen. Und dass dieses Geld dann woanders fehlt. Dass es Milliarden kosten wird – für Deutsch- und Integrationskurse (schon heute bekommen tausende keinen Platz), für zehntausende neuer Krippen- und Kitaplätze, für tausende zusätzlicher Lehrer und Sozialarbeiter. Das ist natürlich unpopulär –  besonders dann, wenn man eine Debatte so befördert hat, als sei Integration nur eine Bringschuld der Zuwanderer.

Bezeichnend dafür ist, dass Frau Merkel ankündigt, allen Migranten solle ein Integrationskurs angeboten werden – bis 2015. Und wer ist bis dahin an mangelnder Integration schuld? Und wieso wird eigentlich jetzt erst darüber gesprochen, dass ausländische Berufs- und Universitätsabschlüsse anerkannt werden sollen? Dann gäbe es auch weniger arabische Ingenieure und Akademiker unter den Taxifahrern.

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91 Kommentare

1) armerMoldavier, Donnerstag, 04. November 2010, 14:42 Uhr

Zitat:

“Dann gäbe es auch weniger arabische Ingenieure und Akademiker unter den Taxifahrern.”

Zitatende.

Ja, sehr geehrter Spreng. Da haben wir sie, die Fachkräfte.

Ob Sie wohl mal von der Laien, Merkel, Seehofer und Herrn Weise informieren möchten?

Büdde? – Danke schön.

2) theo, Donnerstag, 04. November 2010, 15:07 Uhr

Der Populismus von Seehofer und Merkel ist halt die ultimative Stufe des Zynismus. Jahrelang ging ihnen das Thma am Allerwertesten vorbei, und nun plötzlich entdecken sie Handlungsbedarf. Das gipfelt dann in Sprüchen wie “Multikulti ist tot.” Klar doch, jetzt müssen also alle italienischen Eisbuden zumachen und den leckeren Döner gibbet auch bald nicht mehr. Ist ja tot, der Multikulti.

Das sind also die ach-so-klugen Sprüche der Unions-Führung.

Da wirkt selbst Schäuble wie Meister Joda.

Manchmal erinnert mich all das an die Politikersprüche über die Asylanten Ende der 80er/Anfang der 90er. Als dann die ersten Unterkünfte brannten, als die ersten Ausländer ermordet wurden, da – plötzlich – zeigten sie sich empört, die geistigen Brandstifter.

Inzwischen tun viele so, als ob die ganze Republik finsterstes Neukölln wäre.

Sehr zum Lesen und Nachdenken empfohlen: der Kommentar in der Süddeutschen von Matthias Drobinski “Und immer droht der Untergang” (Die Integrationsdebatte krankt an der Vermischung von sozialen Fragen und Identitätsproblemen)

http://www.sueddeutsche.de/politik/integrationsgipfel-im-kanzleramt-und-immer-droht-der-untergang-1.1019336

3) H., Donnerstag, 04. November 2010, 15:24 Uhr

Übrigens, es lohnt sich leider gar nicht, als Dozent für Integrationskurse zu arbeiten. Grund ist, dass der Staat sich aus dieser (m.M.n. staatlichen) Aufgabe zurückgezogen hat und sie nun privaten Bildungsträgern überlässt, was für die Dozenten zu einem “Race to the Bottom” bzgl. Honorare und Arbeitsbedingungen geführt hat.

Mehr dazu unter

http://www.aktionbutterbrot.de
http://www.daf-initiative.de

Wer kann, verlässt diesen Beruf. Auch dies ein Grund dafür, warum die in Sonntagsreden ach so bedeutende Integrationsarbeit in Deutschland in der Realität qualitativ schlecht ist.

4) Peer, Donnerstag, 04. November 2010, 15:29 Uhr

Meine Frau ist Ausländerin. Sie hätte gerne einen Integrationskurs besucht, nur gab es keinen in unserer Umgebung, der so stattfand, dass sie gleichzeitig arbeiten hätte können. Wohl gemerkt, ist sie im öffebtlichen Dienst tätig… Der Sachbearbeitet von der Ausöänderbehörde hat ihr das übel genommen Zitat: “Keine Zeit für Integration, also! Da dürfen sie halt nicht arbeiten! So ein Kurs ist wichtiger!”
Ihr Visum hat sie aber glücklicherweise doch bekommen (sonst hätten wir wohl auch geklagt)

Vielen Dank für den Beitrag Herr Spreng!

5) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 04. November 2010, 15:38 Uhr

In den hauptsächlichen Punkten, die Sie ausgeführt haben, gebe ich Ihnen Recht, Herr Spreng.
Der Mittelstand befindet sich in der für ihn unangenehmen Situation, nun deutlich erkennen zu müssen, daß nun er mit sozialem Absturz an der Reihe ist. Deswegen ist das Sarrazin´sche Pamphlet auch so salonfähig, was noch vor vielleicht 5 Jahren nicht möglich gewesen wäre. Also die Angst vor dem Absturz, inklusive Hartz IV, die lässt die Hintern der Bürgerlichen brennen! Ja, und das tut halt weh! Früher war geäußerte Fremdenfeindlichkeit Ressort der Unterschicht.

Hinzu kommt in der Tat, daß die Integration für uns Steuerzahler sowohl teuer, als auch unbequem wird, soll sie denn gelingen. Daher auch der Widerstand bei den “Konservativen”, was immer man auch unter “konservativ” verstehen mag.

Ein langjährig arbeitsloser Ingenieur, der zu allem Überfluss auch noch über 50 ist, und darüber hinaus auf Hartz IV-Niveau, hat nach heutigem Paradigma der Personalchefs selbstverständlich zero Chancen auf Wiedereinstieg.
Das macht verbittert. Viele dieser Opfer eines absurden Zeitgeistes suchen Schuldige. Und die findet man leicht unter Schwächeren. So sind für einen Taxifahrer beispielsweise “die Ausländer” eh die schnell erreichbare Klientel, auf die man gerne seinen eigenenFrust ablassen kann.

Andererseits bin ich persönlich gegen eine ungesteuerte Zuwanderung, insbeondere, wenn es um Flüchtlinge geht. Die finanzielle Überlastung wäre absehbar, der Unfrieden vorprogrammiert.

6) Manonym, Donnerstag, 04. November 2010, 15:47 Uhr

Zitat:
“Bezeichnend dafür ist, dass Frau Merkel ankündigt, allen Migranten solle ein Integrationskurs angeboten werden – bis 2015 … Und wieso wird eigentlich jetzt erst darüber gesprochen, dass ausländische Berufs- und Universitätsabschlüsse anerkannt werden sollen?”

Und wo bleibt der Dank des Michael Sprengs dafür an Sarrazin? Wären ohne die Debatte diese Bemühungen auch schon angestossen worden? Auf der einen Seite Sarrazin bashen für angeblich salonfähig gemachte Gegen-Ausländerstimmung (die von Links schon immer in horrendem Ausmaße und nicht erst jetzt als “virulent geworden” detektiert wurde), auf der anderen Seite nicht anerkennen wollen, dass es ohne Sarrazin viele jetzt angegangene Bemühungen gar nicht auf die Tagesordnung geschafft hätten.

7) John Dean,, Donnerstag, 04. November 2010, 16:38 Uhr

Wow. Herr Spreng! Sie werden immer besser.

8) Drumhead, Donnerstag, 04. November 2010, 16:41 Uhr

Vielleicht wäre es auch eine Methode, tatsächlich diejenigen zu benennen, bei denen die Integration nicht klappt um klarzumachen, dass es bei den meisten Einwanderern klappt. Die Methode Sarrazin, genauer hinzusehen, kann da durchaus hilfreich sein, auch wenn es eine kleine Gruppe geben wird, die darüber nicht froh ist. Und: Man sollte es sich mit Sarrazin nicht zu leicht machen: Es ist ja nicht so, als würde er der freundlichen Öffentlichkeit etwas einreden, was nicht schon vorher irgendwoher gekommen ist. Anders gesagt, so töricht sind die Leute nun auch wieder nicht, dass man ihnen erklären könnte, die Kroaten sind an allem schuld und schon schimpfen am Münchner Flughafen alle auf die Kroaten. Und das mit der “Holschuld” kann eigentlich nur die Notlösung für Leute sein, die nunmal da sind. Grundsätzlich kann ich nicht irgendwo einwandern und irgendwas fordern.

9) Helmut Mederle, Donnerstag, 04. November 2010, 16:46 Uhr

Dank und Bitte an Herrn Spreng:
Danke für die treffliche Schilderung und Analyse; zugleich eine dringende Bitte: Vor einigen Tagen habe ich im Radio im Zusammenhang mit (Grundschul-)Kindern wieder mal folgende “Formulierung” gehört: “Mitschülerinnen und Mitschüler aus bildungsfernen Schichten mit und ohne Migrationshintergrund…”
Meines Erachtens wäre es dringend nötig, dieses Geschwurbel endlich aufzubrechen und gerade diesem Thema mit einer Menschensprache zu begegnen. “Migrationshintergrund?!” – Ich gehe gerne in die bayerischen Berge, da gehört das Wandern dazu, migrare heißt wandern, also bin ich sehr wahrscheinlich ein Migrant mit potentiell schwarzem Migrationshintergrund aus südlicher Richtung (zumindest von Berlin aus gesehen).
Lieber Herr Spreng: Könnten Sie für dieses Sprachanliegen bitte eine g´scheite Kampagne einfädeln? Das ist nicht mehr zum Aushalten…

10) Rabenvogel, Donnerstag, 04. November 2010, 16:49 Uhr

Dankeschön für die klare Botschaft an Frau Merkel und CDU/CSU.

11) Marqu, Donnerstag, 04. November 2010, 16:53 Uhr

Mann mann mann, dass das immer so verkompliziert wird.
ALLE Menschen sind Brüder. Sie sind nur nicht alle gleich.

12) uniquolol, Donnerstag, 04. November 2010, 16:53 Uhr

Es gibt für einen Integrationsgipfel keine Notwendigkeit, wir haben Gesetze und eine Verfassung, für die meisten Migranten ist das ausreichend, den Rest erreicht man auch mit solchen Diskussionsrunden nicht…

Interessante Einblicke von einem Teilnehmer eines vergangenen Integrationsgipfels:
Zu finden im Kapitel „Türken und andere Juden – Die Linke und die Fremden“ aus dem Buch „Unter Linken“ von Jan Fleischhauer.
http://www.rowohlt.de/buch/Jan_Fleischhauer_Unter_Linken.03062010.2691560.html

13) Erika, Donnerstag, 04. November 2010, 17:30 Uhr

Frau Merkel löst die Probleme ja gerne mit produzieren von Bildern. Im Fall Integration hat es Herrn Özil halbnackt in der Umkleidekabine der Fußballnationalmannschaft getroffen.

14) Michael A. Nueckel, Donnerstag, 04. November 2010, 17:40 Uhr

Ob der Gipfel als gelungen anzusehen ist, möchte ich auch bezweifeln – es war eher eine Art interkultureller Regionalkonferenz. Wir reden von Integration und meinen Anpassung. Die Verlogenheit beginnt wohl demnach bereits bei der Bezeichnung, die wir dem Kind geben. Die im Beitrag angesprochene “Bringschuld” der Aufnahmefähigkeit stellt für mich die andere Seite des Politikversagens dar. Und die ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Fremdenfeindlichkeit ist tief im Lande verwurzelt, im Westen, wie im Osten auf seine Art. Im Revier waren die Gastarbeiter, egal ob Italiener oder später die Türken von Anfang an nicht gern gesehen. Wer genau hinhörte, der konnte schon immer fremdenfeindliche Einstellungen vernehmen. Lange Zeit mußte man diese Ausländer dennoch nicht wahrnehmen, Abgrenzung tat noch seinen Zweck. Heute ist das auch eine Wettbewerbsveranstaltung. Und wo der Druck stärker verspürt wird, da äußert es sich entsprechend deutlicher. Auch gegenüber Inländern und/oder EU-Bürgern, mögen es auch andere Mittel sein.

15) rudow1, Donnerstag, 04. November 2010, 18:02 Uhr

Interessant, wie Sie die Dinge sehen, viele gute, richtige Argumente und durchaus nachvollziehbar.
Deswegen auch für Sie und viele andere sicherlich richtig.

Nur bin ich total gegensätzlicher Meinung, eben weil ich meine dass es eben auch trotz Anerkennung und Würdigung der Fakten eine “Entscheidung” des Einzelnen ist…. auch mal anderer Meinung zu sein (auch wenn es politisch nicht korrekt, unpopulär und tatsächlich unfair gegen die Migranten ist).

16) Hans Czinzoll, Donnerstag, 04. November 2010, 18:09 Uhr

Stimmt, @Manonym. Zusätzlich hat Sarrazins Buch die heuchlerische “political correctness” aufgebrochen und die nebelwerfenden Verbalakrobaten entlarvt. Deswegen auch das denunziatorisch hier gebrauchte “Man wird doch wohl mal sagen dürfen…”

17) Atalay, Donnerstag, 04. November 2010, 18:26 Uhr

Vielen Dank für das beherzte Eintreten.

Das latente Klima gegen “Ausländer” gibt es seit ich hier lebe. Und das sind schon mehr als 40 Jahre. Jetzt, wo man allmählich das Gefühl hatte, es normalisiert sich, kam nun Herr S. und hat alles nochmal um 10-20 Jahre zurückgeworfen.

Warum auch immer, besteht in großen Teilen der deutschen Gesellschaft das Bedürfnis, eine Gruppe zu haben, auf die man herbschauen kann. Dafür mussten halt die “Ausländer” als Menschen 2. Klasse herhalten. Das war früher in den Betrieben gang und gebe. Da mussten die Gastarbeiter immer für die Drecksarbeit herhalten. Nun wird man auch noch mit dem Vorwurf des mangelnden Integrationswillen konfrontiert. Nur wohin integrieren, wenn die Mehrheitsgesellschaft mit den anderen möglichst nichts zu tun haben will? Dann gestalten die “Ausländer” eben ihr soziales Umfeld untereinander. Plötzlich hat man dann die “Parallelgesellschaft”. Dabei schoten sich die deutschen untereinander ab. Spätetestens wenn die eigenen Kinder in das Schulater treten, beginnen ganze Völkerwanderungen in die Bezirke mit wenig Ausländeranteil. Gut zu beobachten in Berlin Prenzlauer Berg, Friedrichshain usw.

Beispiele: In meiner Grundschulzeit, mitte der 70’er Jahre bestand unsere Klasse zur Hälfte aus Deutschen und ausländischen Kindern. Unser Lehrer hat die Klasse getrennt, die Deutschen in die beiden vorderen Reihen gesetz und die Ausländer nach hinten. Seine Begründung: Die Ausländer sollen die Deutschen nicht beim Lernen stören. So ging das weiter. Beim Englischunterricht hieß es seitens der Lehrer: das braucht Ihr nicht zu lernen, Ihr könnt sowieso eure Muttersprache. Es wurd nicht vergessen, einen in regelmäßigen Abständen zu fragen, wann man denn wieder nach Hause zurückkehrt. Vor der mittleren Reife ging man zur Berufinformation des Arbeitsamtes. Ich habe mich danach erkundigt, wie es denn mit Abitur wäre, schließlich bestand mein Zeugnis damals aus einsen und zweien. Der Berufsberater meinte, Nein damit würde ich mich doch nur quälen. Er empfahl mir, den Beruf des Dachdeckers zu erlernen. Auch aus Faulheit, Bewerbungen zu schreiben, ging ich aufs Gymnasium. Die dortige Rektorin hat sich um uns – die beiden ersten Türken – angenommen und gekümmert. Ohne sie hätte ich das Abitur vermutlich nicht geschafft. Es handelte sich dabei um eine Kreisvorsitzende der CDU. Deshalb hatten wir wohl regelmäßig Besuch durch die Schulsenatorin Hanna Renate Laurien.

Nach dem Abitur schrieb ich mich an der Fakultät Rechtswissenschaft ein. Ein Dozent für Zivilrecht bildete bei seinen Fällen immer Beispiele wie: “Der Türke T., der vier Frauen hat (schön wär’s) und nach Deutschland kommt und nicht weiß, dass hier die Mehrehe verboten ist …”. Ich habe mich dann zu Wort gemeldet und ihm mitgeteilt, dass die Mehrehe in der Türkei seit der Republikgründung 1923 verboten ist. Daraufhin hat er sich entschuldigt und diese Fälle nicht mehr gebildet.
Nach dem 1. Staatsexamen musste man in Berlin ca. 1 Jahr auf eine Referendarstelle warten. Nach Ablauf dieser Zeit haben andere Anwärter, die mit mir das Examen gemacht haben ihre Referendarstelle bekommen, ich nicht. Nach Rückfrage hieß es: “die haben länger gewartet”, das stimmte nicht. Dann hieß es: “die haben bessere Noten”, das stimmte auch nicht. Schließlich habe ich das Kammergericht verklagt. Darauhin bekam ich meine Referendarstelle. Die 1. Station war am Zivilgericht. Dort wurde ich einem Richter für den Anfangsbuchstaben “Sch” zugeteilt. In den vier Monaten war keine einzige Partei Ausländer. Später habe ich zwei Stationen bei der Staatsanwaltschaft belegt. In den acht Monaten habe ich wiederum keinen einzigen ausländischen Angeklagten bekommen, obwohl dort die ausländische “Kundschaft” doch wie alle beklagen überproportional vertreten ist. Für die Verwaltungsstation habe ich mich dann für die Ausländerbehörde beworben. Ich war gespannt, ob mir dort wiederum kein Ausländer begegnet. Nachdem mein Wunsch von der Behörde bestätigt wurde, bekam ich zwei Wochen vor Beginn der Station einen Anruf. Man schlug mir vor, statt bei der Ausländerbehörde bei der Führerscheinstelle zu arbeiten. Ich habe das abgelehnt und darauf verwiesen, dass ich eine schriftliche Zusage habe und sie andernfalls verklage. Zähneknirrschend konnte ich dann bei der Ausländerbehörde anfangen. Mein Ausbilder hat mich dann durch die Abteilungen geführt und den Leuten als neuer Referander vorgestellt, an den man sich bei Rechtsfragen wenden könne. Die Blicke der Mitarbeiter sagten: “Wir versuchen diese Leute rauszuschmeißen und da kommt einer durch den Hintereingang hier herein”. In den vier Monaten meiner Ausbildung hat sich kein einziger Mitarbeiter an mich gewandt. Mein Ausbilder gab mir eine Akte zur Bearbeitung, die ich ihm nach 14 Tagen wieder vorlegen sollte. Auf Anwesenheit bei der Behörde wurde verzichtet. So viel Freizeit zu haben, war eine nette Begleiterscheinung.
Nach dem 2. Staatsexamen und der Zulassung als Rechtsanwalt ging ich dann als Verteidiger zu Verhandlungsterminen. Es ist dort üblich, vor dem Termin mit den Prozessbeteiligten ein Vorgespräch zu führen. Dabei habe ich mehrere Male erlebt, dass der Richter nach Betreten des Verhandlungssaals mit sagte: “Warten Sie draußen, ich will zuerst mit Ihrem Verteidiger reden”. Dabei hatte ich mich vorher mit Vollmacht zur Akte gemeldet. Nachdem ich dann sagte: “Ähm, ich bin der Verteidiger” entschuldigten sich diese Richter. Das nahm dann natürlich ab, nachdem man sich an den Anblick gewöhnt hat.
Trotzdem gibt es so gut wie keinen beschäftigen bei der Justiz, der in der Lage ist, einen türkischen Namen richtig auszusprechen. Dann heißt es immer, “Ja, die türksichen Namen sind ja so kompliziert”. Dabei gibt sich jeder größte Mühe, französiche, italienische und sonstwas für Namen richtig auszusprechen, aber türkische Namen gelingen nie. Selbst das einfachste Ali wird mit einem langen A verunstaltet.
In der Diskussionrunde bei Beckmann hat Sarrazin die niersächsiche Ministerin Özkan (ein sehr gängiger und einfacher Name) auch nach Hinweis von Beckman als Frau Özak bezeichnet. Für mich ist das mittlerweile fast zum Gradmesser geworden.

So und nach alledem kommt nun ein Herr S. und veranstaltet unter Beihilfe der “Bild” und des “Spielgels” all das, was hier nun zu genüge diskutiert wurde. Na ja, davor standen alle Moslems unter dem Generalverdacht, Ehrenmörder zu sein, weil ein einziger (abscheulicher) Ehrenmord in Berlin verübt wurde. Wir standen und stehen wohl nach wie vor unter dem Generalverdacht, massenhaft Zwangsehen einzugehen, weil eine merkwürdige Kollegin, die ihren Lebensunterhalt durch Auftritte in den Medien verdiente, dies als These formuliert hat. Das fand großen Beifall im linken und feministischen Sprektrum. Man hatte eine Kronzeugin für das massenhafte Auftreten von Zwangsehen, bis die Thematik in einer gesetzlichen Regelung mündete.

Und heute müssen wir uns anhören: “Deutschland ist kein Einwanderungsland (mehr) und die Ausländer sind integrationsunwillig”. Übersetzt heißt das: “Ihr seid hier hier nicht willkommen und lebt noch himterm Mond”.

Bei unserem letzten Urlaub in Südtirol wurden wir beim Betreten eines Geschäfts mit einem freundlichen “buongiorno” begrüßt. Nach der Antwort in Hochdeutsch war die Konfussion perfekt. Allerdings war es ein sehr wohltuendes Gefühl, nicht als ein Fremder, sondern wie ein einheimischer behandelt zu werden. Dazu noch eine Anekdote: Einmal stand ich bei Butter Lindtner an der Theke. Vor mir stand ein älterer türkischer Herr. Als er an die Reihe kam, gab er seine Bestellung ab. Sein Deutsch hatte einen Akzent. Die Verkäuferin tat so als ob sie das Wort “Brot” nicht verstanden hätte. Nachdem er es dann drei mal wiederholen musste, sagte sie dann: “Ach sooo, Sie meinen Brot”. Ich habe ihn dann auf türkisch gefragt was das soll. Er sagte: “sie macht das immer so”. Dann kam ich an die Reihe. Sie tat wiederum so, als ob sie meine Bestellung nicht verstanden hätte. Ich habe sie dann angeschrien, ob sie schwerhörig sei und wenn ja, warum sie nicht ein Schild um den Hals trage mit der Aufschrift “Ich bin schwerhörig”. Ich weiß nicht, ob sie danach nochmal so gehandelt hat. Ich bin dort nicht mehr einkaufen gegangen.

Glauben sie mir eins, kein Ausländer (nennen wir es trotz deutscher Staatsbürgerschaft so, weil es für die Mehrheitsgesellschaft nach wie vor Fakt ist) fühlt sich hier wirklich zu Hause. Völlig unabhängig, ob und wie perfekt er Deutsch spricht, über welche akademischen und gesellschaftlichen Erfolge er verfügt. Die Beispiel bei der Wohnungssuche usw. habe ich Ihnen erspart.

Mittlerweile ist die Zahl der auswandernden Türken Richtung Türkei größer als die Zahl der Einwanderer. Für besonders qualifizierte Menschen bieten sich in der Türkei in bestimmten Branchen sehr gute Berufschanzen und dabei braucht er nicht hundert Jahre auf die Akzeptanz zu warten. Er wird einfach an seinem Erfolg gemessen.
Ich sage den Gegnern des EU-Beitritts der Türkei immer: “Wenn Ihr die Türken loswerden wollt, dann müßt Ihr für den EU-Beitritt eintreten. Wenn sich die Lebensverhältnisse in der Türkei denen in Deutschland annähern, werden bis auf wenige Ausnahmen alle Türken wieder zurückkehren, so wie das bei den Gastarbeitern aus Spanien, Italien und Portugal auch erfolgt ist.

Noch ein Wort zu “Manonym”, der danach fragt, wo der Dank an Sarrazin bleibt, weil er doch mit seinem Handeln die Debatte angestossen habe.

Das ist so, als ob ein Einbrecher einen Dank dafür erhalten will, weil er durch sein Handeln dafür gesorgt hat, dass die Hausbesitzer ihre Häuser besser absichern.

18) addi gold, Donnerstag, 04. November 2010, 18:32 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng ,fragen sie doch zu erstmal die unzähligen Deutschen die tagtäglich in den Problembezirken dieser Stadt von Türken insbesondere Arabern gemobbt werden.Jeder der ehrlich ist und sich ein bißchen in Berlin auskennt, weiß was zum Beispiel um die Mittagszeit am Hermannplatz los ist.Ich lebe zum Glück im schönen Zehlendorf, studiere allerdings in Kreuzberg insofern kann ich die Lage durchaus beurteilen.
Ich finde sie berichten in diesem Beitrag viel zu Weltfremd und verleugnen die Wahrheit oder würden Sie ihr kind auf eine Neuköllner/Moabiter etc. Schule schicken?
Zu anderen Themen berichten sie allerdings durchweg ausgewogen und durchdacht.
grüße addi!

19) Kim, Donnerstag, 04. November 2010, 18:33 Uhr

Ich danke dem Himmel für diesen Beitrag zu der fast schon widerlichen Debatte, der man in diesen Tagen einfach nicht entkommt.

20) RueSchue, Donnerstag, 04. November 2010, 19:26 Uhr

Zur vermeintlichen pauschalen Fremden- oder Ausländerfeindlichkeit: die politisch korrekten Gutmenschen beharren darauf, dass Türken, Kurden und Araber nicht mehr Türken, Kurden und Araber genannt werden dürfen, sondern je nach Kontext Südländer oder Migranten genannt werden sollen.

Da haben Sie Ihre Pauschalisierung. Bedanken Sie sich bei den Richtigen.

21) Jens, Donnerstag, 04. November 2010, 19:31 Uhr

“Migranten offen und vorurteilsfrei aufzunehmen”

Haben wir doch gemacht! Nur leider haben die meisten das eben schamlos ausgenutzt.

Diese “Ausländerfeindlichkeit” gibt es nicht wegen ein paar untoleranten Deutschen sondern wegen den allseits integrationsunwilligen “Migranten”.

22) Chat Atkins, Donnerstag, 04. November 2010, 19:53 Uhr

Wie kann man ernsthaft von ‘Integrationsunwilligkeit’ von Ausländern reden, wenn Tausende von ‘integrationswilligen’ Ausländern auf den Wartelisten für deutsche Sprachkurse stehen, sie aber mangels Angebot gar nicht teilnehmen können? Integrationsunwillig ist wohl eher die Politik …

23) Irreversibel, Donnerstag, 04. November 2010, 20:18 Uhr

Alles richtig und man kann diesen Beitrag inhaltlich wirklich nur unterschreiben.

Was allerdings stutzig macht ist die Tatsache, dass der Verfasser jahrelang gerade für die Medien & Parteien gearbeitet hat (und zwar in relativ exponierter Position), die Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hierzulande immer wieder angeheizt haben. Oder will wirklich jemand behaupten, dass es vor Sarrazin in bürgerlichen Kreisen solche Hetze nicht gegeben hat? Sarrazin mag dieses Phänomen noch klarer herausgekitzelt & offen salonfähiger gemacht haben aber in der CDU/CSU sind ausländerfeindliche Töne doch seit eh und je Teil der populistischen Klaviatur. Unter tatkräftiger Mitwirkung bestimmter Medien wie BILD, BamS und sonstigen Springer-Erzeugnisse. Natürlich immer mit dem schwachsinnigen Argument, dass man halt ab und an ausländerfeindliche Parolen schwingen muss damit die Leute keine “echten” Nazis wählen.

Der so genannte Asylkompromiss Anfang der 90er (“Das Boot ist voll”), Kochs legendäre Unterschriftensammlung “gegen Ausländer”, Rüttgers wollte lieber “Kinder statt Inder” bzw. hat was gegen “faule Rumänen” und es finden sich noch unzählige weitere Beispiele, was die Union unter christlich-jüdischer Mitmenschlichkeit so versteht. Sich jetzt über Sarrazin und Merkel/Seehofer zu echauffieren und zuvor jahrelang genau die Kräfte zu unterstützen, die diese Saat mit ihrer Rhetorik gesät haben ist nicht wirklich glaubwürdig.

24) Iris, Donnerstag, 04. November 2010, 21:22 Uhr

@Manonym:

Stellen Sie sich mal folgende Geschichte vor: Eltern lassen ihr Kleinkind häufig stundenlang allein und unbeaufsichtigt draußen herumstreunen. Eines Tages wird es dabei auf der Spielstraße von einem betrunkenen Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit angefahren. Dabei wird das Kind verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Da sein Eltern nicht aufzufinden sind, schaltet die Krankenhausleitung das Jugendamt ein, welches dadurch endlich auf die Vernachlässigung des Kindes aufmerksam wird. Würden Sie dafür dem Unfallfahrer danken?

25) Jens, Donnerstag, 04. November 2010, 23:40 Uhr

@Atalay:

“…Mittlerweile ist die Zahl der auswandernden Türken Richtung Türkei größer als die Zahl der Einwanderer…”

Das wird durch die Geburtenraten aber locker wieder ausgeglichen :-)

“…Wenn Ihr die Türken loswerden wollt, dann müßt Ihr für den EU-Beitritt eintreten. Wenn sich die Lebensverhältnisse in der Türkei denen in Deutschland annähern…”

Wieviele Jahrzehnte soll das denn dauern bis die Türkei so ein freizügiges Sozialsystem wie Deutschland hat?

Man brauch übrigens keinen staatlichen Integrationskurs – das schafft man auch allein … wenn man WILL! Das ist nur wieder eine faule Ausrede… immer sind wir Deutschen schuld das es mit der Integration nicht klappt usw ;)

Ich finde es bedenklich, wenn ich mich mit meinem türkischen Nachbar nur in “Babysprache” verständigen kann, obwohl er schon seit 35 Jahren hier lebt. Ebenso warum sein Sohn schon 19 Gewaltdelikte auf dem Kerbholz hat und immer noch aggressiv durch die Gegend läuft…

26) Jander, Donnerstag, 04. November 2010, 23:54 Uhr

In Zeiten, in denen Herr Koch die Deutungshoheit über den Begriff “konservativ” beansprucht, sind Beiträge von einem Wertkonservativen wie Ihnen, Herr Spreng, der Lichtblick in einer dunklen Zeit. Herzlichen Dank dafür, dass Sie als konservativer Journalist nicht diesen populistischen Quatsch mitspielen.

27) Jander, Freitag, 05. November 2010, 00:02 Uhr

Noch ein Nachtrag: Wunderbar, dass Sie auch erwähnen, dass Integration auch eine Bringschuld ist. Dazu gehört Geld, dazu gehört aber auch eine Einstellung, die durch “Multikulti ist gescheitert” schon im Vorhinein torpediert wird.

28) Ali, Freitag, 05. November 2010, 02:08 Uhr

Ich stimme dem Artikel vollumfänglich zu. Mitglieder der weißen Mehrheitsgesellschaft schaffen es ja noch nicht mal, Deutsche als ihre Landsleute anzuerkennen, wenn sie nicht weiß sind oder irgendwie anderweitig “deutsch” aussehen. Im Osten, wo nach meiner Erfahrung die Leute nur sehr viel schlechter ihre Abneigung gegen die “Fremden” verstecken können, spüre ich das zigmal schlimmer als im Westen.

Die Menschen sind i.d.R. nicht empfänglich für Argumente, die dem eigenem Weltbild im Wege stehen. Da klaut eben der Pole, der Afrikaner vertickt Drogen und hurt rum und die Türken sind sowieso alle stinkfaul und nicht anpassungsfähig. Ich war schockiert, als die Pappnasen von CDU/CSU ebenfalls in das Gekeife einstiegen und Multikulti für tot erklärten bzw. einen Zuwanderungstopp aus fremden Kulturkreisen forderten. Ich glaube zwar, dass Seehofer damit die Zuwanderung von Moslems meint, jedoch dürften die “fremden Kulturkreise” als Label für alle nichtweißen Ausländer beim Volk angekommen sein.

Und wenn jetzt sogar schon “die da oben” sagen, was Sache ist, dann muss ja was dran sein…

29) M.M., Freitag, 05. November 2010, 03:05 Uhr

Für mich (männlich) geht die Ausländerfeindlichkeit von deutschen Frauen, ja sogar von deutschen Frauen mit akademischem Hintergrund aus. Ausländerfeindlichkeit hat auch nichts damit zu tun ob derjenige oder diejenige sich in Deutschland integriert hat und Arbeit hat und Deutsch sprechen kann.
Eifersucht gibt es seit kurzem vor allem gegenüber gebildeten Asiatinnen. In die Öffentlichkeit hat dann ein Mann (Sarazin) das Thema gebracht.

30) Debbie, Freitag, 05. November 2010, 03:14 Uhr

Danke an Atalay für die eindrucksvolle Schilderung der Situation aus seiner Sicht! Bitte gern auch an allen anderen Stellen wieder!
Meldet Euch zu Wort und wascht den Sand aus den Augen der “Blinden”!
Deutschland ist flexibel wie ein Amboss, wenn es um soziale Themen und deren Umsetzung geht!
Menschlichkeit ist gefragt!

31) Alex West, Freitag, 05. November 2010, 04:05 Uhr

Sehr geehrter Herr Atalay,

Ich muss Ihnen widersprechen wenn sie sagen, dass sich kein “Ausländer” in Deutschland wohl fühlt. Meine Familie und ich sind vor gut 30 Jahren aus dem ehemaligen Yugoslawien nach Deutschland gekommen und wir fühlen uns hier nach wie vor sehr zu Hause. Genauso geht es dem “ausländischen” Teil meines Bekannten- und Freundeskreises. Der Unterschied ist, dass wir uns nicht als Ausländer fühlen. Gott sei dank kann ich auch nicht Ihre Erfahrungen teilen.

Ohne einem Herrn Sarrazin oder anderen Stimmungsmachern Recht geben zu wollen werde ich Ihnen nun aber mal von einem verwandtschaftlich (zum Glück) recht weit entfernten Teil der Familie berichten… Dieser Teil ist vor ca 17 Jahren nach Deutschland gekommen und hat es trotz unserer Unterstützung bis heute nicht geschafft sich zu “integrieren”. Das hat aber ganz sicher nichts mit mangelnder Akzeptanz zu tun. Vielmehr ist es bei diesen Leuten die reine Faulheit und das Desinteresse. Vom ersten Tag an wurde das Leben dieser Familie finanziert, 4 Zimmerwohnung inkl. Ausstattung, Auto, diverse Mobiltelefone, Internet etcpp… Die Ehepartner sind mittlerweile Geschieden, Sie hat 7 Kinder von 5 verschiedenen Männern, er hat neben den ersten beiden noch 2 in die Welt gesetzt. Beide haben in den 17 Jahren nie gearbeitet und leben recht bequem. Die älteste Tochter steht kurz vor der Volljährigkeit und bezieht nun, nachdem sie die Schule geschmissen hat, ihre erste eigene Wohnung. Finanziert vom Staat… Das direkte Umfeld dieser Leute handelt nicht anders.

Wie bereits gesagt, es handelt sich um einen Teil meiner eigenen Familie. Ist also kein verdrehtes Halbwissen aus der Bildzeitung. Und nun frage ich Sie, wundert man sich da, dass das Gros der Bevölkerung so denkt? Wundern einen da die Debatten über all die Jahre?

Ich bin Deutscher und ich komme aus Yugoslawien und ich bin auf beides verdammt Stolz. Aber auch ich akzeptiere nur Leute in meinem Umfeld, die sich an gewisse Regeln und normen halten. Und da wir uns nunmal in Deutschland befinden, halte ich mich an die Deutschen Regeln und Normen. Dazu gehört nicht nur sich Arbeit zu suchen und für seinen Lebensunterhalt selber auf zu kommen, sondern auch der Wille, die Sprache möglichst fließend zu beherrschen.

Sollten Sie Interesse haben sich weiter darüber zu unterhalten lasse ich Ihnen gerne eine Mailaddi zukommen über die wir Kontakt aufnehmen können ;)

32) vera, Freitag, 05. November 2010, 05:47 Uhr

ach ja. ich bin zweifache ausländerin, einmal durch den vater, einmal durch den geburtsort. allerdings hat der vater eine schicke staatsangehörigkeit und der geburtsort lag im richtigen land. merke: ausländer und ausländer ist nicht dasselbe.

33) suki11, Freitag, 05. November 2010, 09:04 Uhr

Die ausländischen IT-Fachkräfte können sich Deutschland ja blad per Google Street View angucken.
Aber wenn die die ganzen ausgeblurten Häuser sehen, werden die sich wohl mit Grauen wieder abwenden …

34) Wummsdich, Freitag, 05. November 2010, 09:07 Uhr

Ohne mir alle Kommentare durgelesen zu haben: @armerMoldavier: Von der Laien ist genial ;-)

35) Wilfried, Freitag, 05. November 2010, 09:23 Uhr

“Es gibt eine Hol- und Bringschuld” auch wenn ich jetzt als Rassist dargestellt werde und den braunen Eimer übergestülpt bekomme: Welche Bringschuld haben wir den Leuten gegenüber die hierhin wollen? Sie wollen nach Deutschland und, bis auf die Hochqualifzierten, wollen wir sie nicht. Das Problem der fehlgeschlagenen Integration liegt aber nicht bei den Hochqualifizierten, die passen sich ohne Probleme an ohne das wir allzuviel dafür tun müssten. Wir haben keine bringschuld den Zuwanderern gegenüber. Es ist unser Land. Sie wollen hier leben also haben sie sich anzupassen. Schon Goethe hat gesagt: “Wem die Gesetze und Sitten und Bräuche des Landes nicht gefallen in dem er lebt, der soll gefälligst in ein anderes Land ziehen”

36) Maren P., Freitag, 05. November 2010, 10:55 Uhr

Sie haben es mal wieder auf den Punkt gebracht, Herr Spreng! Danke!
Angst ist immer ein schlechter Ratgeber! Deshalb finde ich es besonders perfide, dass CDU + FDP die Angst in weiten Teilen der Bevölkerung vor dem sozialen Abstieg populistisch nutzt und schürt, nachdem ihre eigene Politik bzw. der Vorgänger-Regierung (Basta!-Schröder) diese Angst erst hervorgerufen hat!
Wir waren in Deutschland schon mal weiter! Vor knapp 20 Jahren, nach diversen Brandanschlägen, gab es auf Einladung des Bundespräsidenten eine 100.000-Lichter-Demo in Berlin, zu der ich aus unserer Stadt immerhin gut 90 Menschen sammeln und führen konnte. Deshalb auch meine herzliche Bitte: Nicht überall in Deutschland ist Berlin-Kreuzberg oder Hamburg-Wilhelmsburg! Bitte also keine Verallgemeinerungen, sondern individuelle Lösungen vor Ort! Dafür braucht man einfach Geld und kein ständiges Palaver! So machen wir das hier seit 20 Jahren und die aus den genannten Stadtteilen genannten Probleme sind nicht unsere!
@ Atalay
Ich zitiere: >>In der Diskussionrunde bei Beckmann hat Sarrazin die niersächsiche Ministerin Özkan (ein sehr gängiger und einfacher Name) auch nach Hinweis von Beckman als Frau Özak bezeichnet. Für mich ist das mittlerweile fast zum Gradmesser geworden.<<
Damit entlarvt sich Sarrazin nur als tief in der Wolle gefärbter Ausländerverächter. Jahrzehnte vor den Türken kamen nämlich die Polen mit den Endungen der Namen auf ak, ek, ik … und ki oder ky. Weshalb man sie seinerzeit schimpfte als Polak-en.
Offenbar ist Fremdenfeindlichkeit in Deutschland so alt und tief verwurzelt, dass ich gar nicht weiß, wie man das allgemein ausrotten könnte. Mir bleibt da nur, im Kleinen vor Ort zu arbeiten.
Aber ein klares Wort einer (glaubwürdigen!) Bundeskanzlerin oder – noch besser – eines (überzeugenden!) Bundespräsidenten könnte sicher hilfreich sein!

37) Nania, Freitag, 05. November 2010, 10:55 Uhr

@Wilfried:

Man kann von einem nicht-deutschsprechenden Einwanderer nicht erwarten, dass er genug Geld hat einen Kurs zu finanzieren. Und ohne Kurs wird es wirklich sehr, sehr schwierig.

Die Bringschuld der Deutschen liegt aber eher hierdrin begründet: Man kann sich nicht integrieren, wenn man sich trotzt größter Bemühungen immer abgewiesen sieht, wenn Deutsche nicht neben Ausländern leben wollen und sie in Geschäften als Menschen zweiter Klasse behandeln. Wenn jeden Tag über Ausländer geschimpft wird und alle den Stempel “Sozialschmarozer” aufgedrückt bekommen.

Selbst die Studierende mit Kopftuch bekommt hier (trotzt sehr guter Noten) eins drüber von wegen Integrationsunwillig wegen eines Kleidungsstückes….

Hier liegt der Hase im Pfeffer.

Meine volle Zustimmung zum obrigen Artikel

38) Lebelieberunerkannt, Freitag, 05. November 2010, 12:19 Uhr

So helle Einsichten hätte ich von einem BamS Mann garnicht erwartet.
Seitdem ich türkisch lerne, merke ich, dass Integration eine Sache von zwei Seiten ist, und unser “auf sie zugehen” sich nicht auf die bloße Zahlung von Sozialleistung beschränken darf, sondern auch zwischenmenschliche Schritte erfordert.. hier in der Türkei erhalten die Ausländer wie ich zwar weniger Sozialleistungen, aber dafür sehr viel mehr Mitmenschlichkeit von den Türken. Das macht alles sehr viel einfacher!

39) Wilfried, Freitag, 05. November 2010, 12:25 Uhr

@Nania:

Im einen säkularen Staat hat ein Kopftuch nichts an einer staatlichen Universität verloren. Das gleiche gilt für an die Wand genagelte Kreuze.
Jeder soll seinen glauben ausleben (im privaten) und Kreuzetten lassen sich nunmal besser unter der Kleidung privatisieren als Kopftücher.
Wer nach deutschland will sollte schon VORHER in der Lage sein die deutsche Sprache zu verwenden, schließlich kann ich auch nicht in die USA auswandern und dann erst Englisch lernen.
Die geschäfte der Einwanderer sind aber nunmal leider oft eher zweitklassig, wenn man sie mit deutschen bzw. europäischen Standards vergleicht (nicht alle aber einige) und ich wohne neben Libanesen Nania, seit sie nebean Wohnen habe ich nurnoch Stress mit diesen Menschen :/. Aktionen wie kommunikation von der Straße in die 4 Etage sind nur ein einziges Beispiel, neben so etwas MÖCHTE man auch nicht wohnen. Ich lade dich herzlich nach Essen Altendorf ein wenn du sagst das es schön ist neben ausländischen Mitbürgern zu Wohnen.

40) earendil, Freitag, 05. November 2010, 12:38 Uhr

Schöner Kommentar, überraschend für die politische Ecke des Autors. Einen Punkt würde ich aber ein wenig anders sehen: Der Taxifahrer sagte nicht zufällig nicht “Scheiß Ausländer” – das hätte er vor 15-20 Jahren gemacht, bevor das mit dem “Aufstand der Anständigen” verpönt wurde – sondern “Scheiß Moslems”. Man hetzt heute nicht mehr allgemein gegen alle Fremden, sondern speziell gegen Muslime bzw. Menschen, die man aufgrund ihrer Herkunft oder Abstammung dafür hält – Türken, Kurden, Araber. Die Moslemhasser sind ja noch stolz darauf, nicht pauschal gegen alle “Ausländer” zu hetzen – als ob dadurch irgendwas besser würde. Islamophobie wird das zentrale rassistische Paradigma der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein, ähnlich dem Antisemitismus im 19. und 20. Jh. Hoffentlich wenigstens nicht bis zur selben Konsequenz.

Der alte, pauschale, “ungepflegte” Ausländerhass wird sicher noch eine randständige Existenz in bildungsfernen Schichten und Nazicliquen behalten. Im Bürgertum hat er erstmal ausgedient. Andererseits, wer weiß, was kommt – Rassismus ist bekanntlich flexibel in der Wahl der Feindbilder.

@Atalay: Vielen Dank für diesen Beitrag – gehört zum interessantesten, was ich seit längerem im Netz gelesen habe.

@Alex West: Was Sie von Ihrer weitläufigen Verwandtschaft berichten, ist ja nun (im Gegensatz zu den Erfahrungen von Atalay) absolut nichts einwanderer- oder yugoslawienspezifisches. Würden Sie nichts von Migrationshintergrund und Sprachproblemen schreiben, könnte es sich genauso gut um biodeutschen “white trash” handeln.

“Ich bin Deutscher und ich komme aus Yugoslawien und ich bin auf beides verdammt Stolz.”
Wie man auf seine Herkunft und seinen Lebensort “stolz” sein kann, werde ich wohl nie verstehen…

41) noname, Freitag, 05. November 2010, 13:18 Uhr

darüber zu schreiben, wie es zu diesem klima zwischen deutschen und migranten kommen konnte, wäre natürlich mal wieder politisch _total_ unkorrekt.
sie wohnen ja in berlin. verbringen sie doch einfach mal ein paar nächte in wedding und neukölln. haben sie noch nicht? ach, hab ich mir gedacht..

42) Hiasl, Freitag, 05. November 2010, 13:46 Uhr

@Spreng: Danke!

43) addi gold, Freitag, 05. November 2010, 16:15 Uhr

in wedding,neukölln,moabit ,kreuzberg haben die migranten schon längst die macht übernommen,selbst polizisten trauen sich in diese ghettos nicht mehr rein.
die meisten kommentatoren incl. herr spreng haben keine ahnung wie es dort täglich zu geht und es ist eine beleidigung hier davon zu schreiben das man doch die armen migranten nach ihren befindlichkeiten fragen soll!
aber die etablierten medien sollen nur weiter so machen,die wut wird immer größer….

p.s und das nicht nur bei der unterschicht sondern vermehrt auch in meinen umfeld welches eher der wohlhabenderen akademikerschicht zuzuordnen ist.

44) Benjamin, Freitag, 05. November 2010, 16:33 Uhr

Ein sehr richtiger Kommentar, danke für die klaren Worte Herr Spreng.

Offenbar ist es wieder hoffähig geworden, mehr oder weniger verdeckte Fremdenfeindlichkeit zu betreiben – und die Springer-Presse darf sich auf die Deutschenfeindlichkeit einschießen (die es sicherlich auch gibt, das will ich gar nicht bestreiten, nur die Fokussierung darauf ist eher fragwürdig, es gibt noch andere Probleme). Nun erntet man, was man mit Jahren der versäumten oder falschen Integrationspolitik bis in die 90er Jahre gesät hat – und Sarrazin darf sich als Prophet aufspielen, der angebliche Tabus bricht. So kann derjenige, der sich wirklich nicht integrieren will (aus welchen Gründen auch immer) im Recht fühlen, der integrierte Mitbürger fühlt sich ausgegrenzt und der verdeckte braune Tümpel darf sich freuen.

Ich hoffe, es ist in einiger Zeit wieder möglich, die tatsächlich vorhandenen Probleme anzugehen (von Sprachkursen über durchsetzbare Reglements bis hin zu konstruktiven Diskussionen über Bildung und Städteplanung). Umso verwunderlicher ist die hysterische Debatte, wo doch jeder von links-liberals bis konservativ die wohl wichtigsten Kernpunkte unterschreiben kann: Bekenntnis zum Grundgesetz, Erlernen der deutschen Sprache und möglichst keine kulturelle Abschottung untereinander. Die Hol- und Bringschuld ist absolut treffend formuliert.

45) marcpool, Freitag, 05. November 2010, 17:09 Uhr

Ein “Integrationsgipfel” ohne eine wirkliche zielführende Agenda auf dem Tisch zu haben , ist einfach lächerlicher Aktionismus von Merkel und co. Was macht eigentlich die Frau Maria Böhmer ? – Nichts ?
Die Fehler der Vergangenheit werden ja durch diese unsägliche Diskussion nicht besser. Nichts das nach Lösungsansätze zielt, immer nur gegenseitige Vorwürfe !
Dieses Land muss sich endlich darauf einstellen mit vielen ” bunten Völkergemisch” zusammen zu leben, ansonsten werden zukünftige Renten nicht mehr bezahlbar sein . Das heisst wir muessen uns auch öffnen um die ” Werte ” anderer Mitmenschen zu verstehen und zu schätzen. Das geht nicht nur auf einer 14 tägigen Bildungsreise wo auch immer hin , um dann erstaunt festzustellen das man Istanbul keine Schweinshaxe bekommt – Mir san doch mir !

46) Maren P., Freitag, 05. November 2010, 17:24 Uhr

@ addi gold
Ich zitiere: >>p.s und das nicht nur bei der unterschicht sondern vermehrt auch in meinen umfeld welches eher der wohlhabenderen akademikerschicht zuzuordnen ist.<<

Entweder Sie wohnen gar nicht in den Stadtteilen, in denen es Probleme gibt und zitieren nur Angelesenes
oder
Sie wollten eine große Altbauwohnung für'n Appel und 'n Ei und wundern sich, dass andere Menschen den gleichen Wunsch hatten!

Noch einmal zum Mitschreiben: Es gibt bundesweit viele Städte in den Flächenstaaten, in denen es die aus Berlin und Hamburg oder Duisburg beschriebenen Probleme nicht gibt!

47) Jeeves, Freitag, 05. November 2010, 17:51 Uhr

“Die Sarrazin-Debatte hat zu einem Klima in Deutschland geführt,…”
Achwas, sag an! Und vorher war alles eitel Sonnenschein?
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Zudem bezweifle ich, dass Sie “in der U-Bahn aufmerksam zuhören”. Erstens, weil ich Sie noch nie beim U-Bahnfahren gesehen habe. Zweitens, weil i c h tatsächlich täglich U- und S-Bahn fahre und Ihren Bericht überhaupt nicht bestätigen kann.
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Zum Beispiel die Gymnasium-Mädels, die die S-Bahn gegen halb Zwei immer füllen, schnattern über alles mögliche, aber nicht über “Scheiß Moslems” oder ähnliches. Wohl auch, weil ein Teil von ihnen Kopftücher tragen und nicht gerade “Deutsch” aussehen (aber gerne mitschnattern und sich überhaupt alle prima verstehen).
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Sind die Schulteenager dann weg, sind’s die üblichen Gäste in U- und S-Bahn, die sich zwar oftalle schlecht benehmen = die Füßen auf den gegenüberliegenden Sitz, eine offene Bierflasche in der Hand, weiße Ohrstöpsel im Ohr und der ganze Wagen hört das Gezischel mit, lautes doofes Geräusch und hastiges Suchen nach dem “Handy” um dann laut das Übliche von sich zu geben: “Ich bin hier. Wo bist Du jetzt?” …etc. Also der ganz normale aber auch gemütliche Wahnsinn in der S-Bahn, in der U-Bahn. Auch mal’n russischer Musiker oder’n “Motz”-Verkäufer.
Auch Raucher (meist: offensichtlich Unterschicht) sieht man leider immer wieder, aber die nur auf den Bahnhöfen, und wenn man die höflich (!) drauf aufmerksam macht, dass das doch verboten sei, wird man tatsächlich arg angemacht (und an der schlichten und obszönen Sprache erkenn ich’s dann: Unterschicht)
.
…nur: Sprüche, wie Sarrazingegner sie offensichtlich gerne hören möchten(?) und/oder HIER unterstellen, die hab ich noch nie (!) gehört in Berliner U-Bahnen, S-Bahnen oder Bussen, oder auf Berliner Straßen. Das mag es sicher manchmal geben (genauso wie “scheiß Busfahrer”, “scheiß Radfahrer”, “Scheiß Laden hier”, “Scheiß Blödzeitung”…) aber doch nicht in dem Ausmaß und mit der Zielrichtung wie hier oben behauptet oder gar herbeigesehnt (?). Und ich bekomme durchaus einiges mit, was “die Leute” so reden, denn (da bewusst ohne Auto) gehe ich auch viel spazieren, gehe durch Berlin flanieren (gestern habe ich das mir -als Berliner- bisher unbekannte Pankow erkundet)
, gehen einkaufen, gehe in Restaurants, rede mit allen möglichen ganz normalen Leuten.
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Kurz: Sorry, ein großer Schmarrn, den Sie da schreiben.
.

48) esal, Freitag, 05. November 2010, 17:54 Uhr

Der Weg aus der behüteten und wohlsituierten Charlottenburger Schlüterstrasse z.B. in die Brüsselerstraße im Wedding lohnt sich. In der einen Gegend Berlins ist man umzingelt von Edelitalienern,Antiquitätenläden und Studienräten. In der Anderen reihen sich Wettbüros, Döner-Buden, Teestuben und ziemlich viele arme Leute.

Unterschiedliche Straßenbildersind aber nicht weiter wild und ich habe in der einen wie der anderen Gegend auch gerne gewohnt. Wenig erfreulich wird es allerdings, wenn Frauen dann auf besagter Weddinger Straße von türkisch-arabischen Halbstarken mit “Na, Schlampe” und “Lust auf Gangbang” angequatscht und belästigt werden.

Tritt das dann gehäuft auf, zieht man rasch eine Konsequenz:
Doch lieber zum Literaturhaus durch die Fasanenstraße schlendern. Ist einfach viel netter dort. Das sind leider die Realitäten.

49) Klaus, Freitag, 05. November 2010, 17:56 Uhr

” Bei unserem letzten Urlaub in Südtirol wurden wir beim Betreten eines Geschäfts mit einem freundlichen “buongiorno” begrüßt. Nach der Antwort in Hochdeutsch war die Konfussion perfekt. Allerdings war es ein sehr wohltuendes Gefühl, nicht als ein Fremder, sondern wie ein einheimischer behandelt zu werden. Dazu noch eine Anekdote: Einmal stand ich bei Butter Lindtner an der Theke. ”

A) heißt die wunderbare Ladenkette “Butter Lindner” und B) spricht man in Südtirol in der Regel Deutsch (auch wenn oder weil Südtirol politisch zu Italien gehört).

Da stimmt also was nicht.

50) Jeeves, Freitag, 05. November 2010, 18:12 Uhr

Der Stern, 3. November 2010:
Die bösen Jungs…
http://www.stern.de/panorama/integrationsgipfel-die-boesen-jungs-aus-dem-tv-1612024.html

51) kamikaze, Freitag, 05. November 2010, 18:32 Uhr

Ausländerfeindlichkeit ist Normalzustand in allen Ländern der Welt. Wer mir mehr als drei Länder nennt, in denen das nicht so ist, hat gewonnen.

52) addi gold, Freitag, 05. November 2010, 18:46 Uhr

@maren p. haben sie mein posting falsch verstanden oder könnten sie mir nochmal erklären was sie meinen?ich wollte zumindest mit meinem postingf deutlich machen das ich aus einer besseren gegend komme(zehlendorf) und sich die leute hier auch größtenteils pro sarrazin äußern.
gruß

53) John Dean,, Freitag, 05. November 2010, 19:18 Uhr

@ Klaus

Ihr Kommentar ist ein Ausbund an Scharfsinnigkeit (wahlweise: Scharfrichterlichkeit). Warum sind sie nicht längst schon Journalist oder gar Publizist, wo Sie so geisteshelle Anmerkungen zu machen in der Lage sind? Kleiner Tipp: Gehen sie zur “Achse des Guten” – dort veröffentlicht man Ihre Kommentare ohne Umstand als Artikel. Nutzen Sie Ihre Chance!
;-)

54) Jan, Freitag, 05. November 2010, 19:25 Uhr

Dass Migranten neuerdings als “Scheiß-Ausländer” tituliert werden ist nicht akzeptabel und verletzend. Es ist erforderlich, dass alle integrativen Kräfte der Gesellschaft gemeinsam daran arbeiten, den vorherigen Zustand wieder herbeizuführen: Als das alle nur dachten aber nicht sagen.

55) Politikverdruss, Freitag, 05. November 2010, 19:26 Uhr

Man hätte während des Integrationsgipfels über die „rapide Zunahme der Ausländerfeindlichkeit“ sprechen sollen, wird hier gefordert. Die dazu von der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellte Studie ist aber nur von zweifelhaftem Wert. „Die Studie über rechtsextremistisches Gedankengut der Deutschen ist bereits zum fünften Mal seit 2002 durchgeführt worden, und jedes mal stieß sie in der Fachwelt auf teilweise vernichtende Kritik.“ (http://www.dw-world.de/dw/article/0,,6128531,00.html) In der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung wird „ die Mitte des Landes als rechtsextrem diffamiert.“ (http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/ueberall-chauvinisten/1962532.html)
Die Forderung, auf einer derart unseriösen Grundlage das sensible Thema der Ausländerfeindlichkeit zu diskutieren, ist nicht nachvollziehbar und kann eigentlich nicht ernst gemeint sein.

56) EStz, Freitag, 05. November 2010, 21:07 Uhr

@ Jens
“Migranten offen und vorurteilsfrei aufzunehmen”
Haben wir doch gemacht! Nur leider haben die meisten das eben schamlos ausgenutzt.
Diese “Ausländerfeindlichkeit” gibt es nicht wegen ein paar untoleranten Deutschen sondern wegen den allseits integrationsunwilligen “Migranten”.

“Wir” ist solch ein großes Wort…

Die Aussage man auch leicht umdrehen: Ausländerfeindlichkeit gibt es nicht wegen der paar Kopftuchmädchen und ein paar halbstarken Pubertierenden, sondern wegen des latent vorhandenen Rassismus in Deutschland…. ist genau so richtig, genau so falsch.

Es gibt natürlich auch “Vorzeige-Ausländer” – je nach Gusto der ungewaschene, nach Knoblauch riechende Türke, der hinter unseren Töchtern und Frauen her ist, oder elegante, gebildete, studierte Inder, der hier Arbeitsplätze schafft.

Das geht schon mit den Begrifflichkeiten los: Wer ist das denn, “der Ausländer”? Darunter verstehen die meisten inzwischen Afrikaner/Araber/Türken, aber nicht “den Engländer”, “den Schweizer” oder “den Amerikaner”. Interessanterweise ist das beispielsweise in den USA ähnlich gelagert. Der einfache Mann flucht auf die mexikanischen Einwanderer, empfindet aber einen Deutschen oder Kanadier nicht als Bedrohung.

Wer mit Klischees und Verallgemeinerungen opriert, kann (und will meist auch) keine Lösung für das (durchaus vorhandene) Problem finden. Und ob man dann “Neger” oder “Afrikaner” sagt, “Araber” oder “Migrant”, spielt dabei keine Rolle. Gilt übrigens auch für Frau Merkel & Co.

57) Palich, Freitag, 05. November 2010, 22:17 Uhr

@Spreng

Sehr guter Artikel. Vielen Dank.

@Atalay

Ebenfalls vielen Dank für ihren “Erfahrungsbericht”. Sehr beeindruckend und persönlich geschrieben.

58) Gast, Freitag, 05. November 2010, 23:07 Uhr

Meine Frau ist auch Ausländerin. Sie hat in ihrem Heimatland studiert und in Deutschland den verpflichtenden Integrationskurs gemacht. Es hat nicht lange gedauert, bis sie frustriert erkennen musste, dass da nicht viel zu lernen war? Warum? Es gab eine Reihe an Türken und Schwarzafrikanern, die dumm und motivationslos waren und es dazu unmöglich fanden, wenn sie als Frau eine eigene Meinung hatte. Es ist leider so, dass die Mehrzahl der Zuwanderer aus diesen Herkunftsländern sich so verhält. Ich denke auch nicht gut von ihnen. Ich will sie auch nicht hier haben. Über Vietnamesen, Spanier, Kanadier etc. hört man dagegen selten Beschwerden.

59) Mariam, Samstag, 06. November 2010, 00:03 Uhr

Trifft den Nagel wieder auf den Kopf !. Danke Herr Spreng!

60) Ralph, Samstag, 06. November 2010, 00:03 Uhr

Ich vermisse in der Integrationsdebatte den Punkt, dass zur Integration immer zwei gehören Einer der integriert und einer der sich integrieren lässt. Dabei sollte der zu Integrierende sich den Gebräuchen und Gepflogenheiten des Integrierenden anpassen und nicht umgekehrt. Sollte ein Zuwanderer nicht die Bereitschaft mitbringen sich anzupassen, so möge er bleiben wo der Pfeffer wächst.
Ich muss mich seinen Regeln und Gebräuchen ja schon anpassen, wenn es mich beruflich oder touristisch nur für kurze Zeit in seine alte Heimat verschlägt.
Wer jahrelang in Deutschland lebt und immer noch nicht deutsch spricht, hat eindrucksvoll bewiesen, das er null Intresse an Integration hat. Dieses Desintresse erlebt man sehr häufig bei Moslems, oftmals zusätzlich geprägt durch die Haltung, dass ihre Reglen alle religiös begründet werden und damit per se höher einzustufen sind wie die von uns Ungläubigen. Probleme mit der Integration erlebt man viel weniger bei Zuwanderern aus anderen Kultur- und Religionskreisen. Daher liegt die schleppende Integration von Moslems nicht am mangelndem Integrationswillen der deutschen Bevölkerung als vielmehr an der mangelnden Integrationsbereitschaft der Moslems.
Da nützen auch die größten Geldbeträge nicht, auch wenn Geld im Überfluss vorhanden ist, wie man an den Geldgeschenken an die HRE Bank sehen kann.

61) Loewe50, Samstag, 06. November 2010, 00:05 Uhr

Ein wunderbarer Artikel. Danke dafür.
Aber für einige Leser und Kommentatoren hier besteht Deutschland nur noch aus Neukölln-Nord.

62) Ali, Samstag, 06. November 2010, 02:36 Uhr

Allein dass du “Schwarzafrikaner” verwendest, zeigt schon deine primitive Denkweise. Schon mal auf die Idee gekommen, dass man von Vietnamesen und Chinesen so gut wie nichts negatives hört, weil die immer unter sich bleiben? Schon mal auf die Idee gekommen, dass Kanadier nicht so sehr auffallen, weil sie i.d.R. weiß sind, daher nicht als Fremde wahrgenommen werden? Schon mal auf die Idee gekommen, dass der weiße Ausländer schnell zum Einzelfall wird, währen undeutsch Aussehende in Sippenhaft genommen werden, nur weil ein anderer undeutsch Aussehender Scheiße gebaut hat? Schon mal auf die Idee gekommen, dass wir an Spanier (und auch Italiener) andere Maßstäbe anlegen? Wenn ein Spanier (oder Italiener) lautstark streitet, dann hat er Temperament. Wenn es ein Türke macht, dann ist er asozial und weiß sich nicht zu benehmen.

Ach, nur mal nebenbei: Bei uns hier im Osten sind Vietnamesen in etwa so beliebt wie Türken, nämlich gar nicht. Zum billigen Zigaretten herankarren sind sie ganz gut zu gebrauchen, aber sonst können uns die “Fidschis” gestohlen bleiben.

Integration bedeutet immer den Willen auf beiden Seiten. Es kann der frömmste Ausländer (oder der, der nur so aussieht) nicht in Frieden leben, wenn es der Deutsche nicht will. Es ist echt unschön, wie einem hier mit Argwohn (im günstigsten Fall) entgegengetreten wird. Da macht das Integrieren gleich viel weniger Spaß.

63) sk8erBLN, Samstag, 06. November 2010, 14:13 Uhr

nunja, ass die ratten aus ihren löchern kriechen werden weil sie glauben oberwasser zu gewinnen war so sicher wie das “amen” in der kirche. Das ließ sich anschaulich u.a. auch in ihrem blog vor einiger zeit beobachten und führte zu recht zu einem abbruch der “diskussion”.

Auch dieser artikel bringt es einmal mehr auf den punkt. Das wird merkel, seehofer und co. allerdings nicht davon abhalten ihr gefährliches spiel weiter zu führen. Die brauchen erst ein zweites mölln oder solingen oder auch rostock und selbst dann wachen sie vermutlich nicht auf. Parteitaktischen spielchen geschuldet.

Wie wiederwärtig ist das eigentlich?!

@ kamikaze, Freitag, 05. November 2010, 18:32 Uhr
“Ausländerfeindlichkeit ist Normalzustand in allen Ländern der Welt. Wer mir mehr als drei Länder nennt, in denen das nicht so ist, hat gewonnen.”

Na dann ist ja alles in butter! noch chips? noch nen bier?

64) kamikaze, Samstag, 06. November 2010, 16:07 Uhr

“Die Türkei den Türken” ist das tägliche Motto auf der Titelseite der größten türkischen Zeitung. In jedem Land der Welt haben die “Inländer” mehr Rechte als die “Ausländer”. Das muss doch einen Grund haben. Was würden die Japaner dazu sagen, wenn plötzlich ein großer Teil der polnischen Unterschicht sich in Japan ansiedeln würde, Arbeitsplätze beanspruchen würde oder, falls es für sie keine Arbeit gäbe, HartzIV-ähnliche Zuwendungen verlangen würde (selbstverständlich auf polnischen Antragsformularen)?

65) Bea_Tem, Samstag, 06. November 2010, 16:56 Uhr

Irgendwie kommen mir die Zeiten, in denen man alles auf Ausländer und anders Gläubige schob bekannt vor (glücklicherweise nur aus Geschichtsbüchern). Deutschland schafft sich ab, weil die einige deutsche Menschen wieder glauben, sie seien etwas besseres, wobei sie gar nicht merken, dass es nicht nur um nicht intergrierte “Ausländer” geht, sondern auch um nicht integrierte Deutsche (nämlich die, die am Rande der Gesellschaft leben durch Armut oder Krankheit). Ulkigerweise wird auch in letzter Zeit viel über die Glaubenszugehörigkeit gesprochen, ich dachte, diese Zeiten seien vorbei.

Sehr guter Beitrag Herr Spreng!!!

Gruß von einer atheistisch, christlich, jüdisch geprägten Berlinerin mit Ostdeutsch-griechischen Migrationshintergrund

66) sk8erBLN, Samstag, 06. November 2010, 17:25 Uhr

noch als ergänzung eine leseempfehlung:

Menschenfeindliche Einstellungen: Die Mitte am Rand?

„Demokratie ist kein Sockel, der – einmal erreicht – langfristig stabil bleibt.“ Diese Schlussfolgerung ist Leitmotiv der gerade veröffentlichten Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES): Die Mitte in der Krise.

Besonders in den letzten Monaten wurde immer wieder deutlich – nicht zuletzt durch die Sarrazin-Debatte –, dass Gefahren für die Demokratie, insbesondere was den Gleichheitsgedanken betrifft, auch jenseits der politischen Ränder vorhanden sind. Entsprechend groß war das mediale Echo auf die Veröffentlichung der aktuellen FES-Studie.

Die Forscher der Universität Leipzig, welche die Studie im Auftrag der Ebert-Stiftung durchführten, zeichneten ein Gesellschaftsbild, welches rechtsextreme Ideologien auch in ihrer Mitte verortet. Das soziologische Theorem des „Extremismus der Mitte“ ist allerdings nicht neu. In der medialen Berichterstattung jedoch ist dieser Aspekt – der in der Studie durchaus angesprochen wird – weitgehend unterschlagen worden.

Bereits 1930 analysierte der Soziologe Theodor Geiger die Wählerwanderungen zur NSDAP; dabei beschäftigte ihn vor allem die Rolle des Mittelstandes, den er am Ende der Weimarer Republik als das Lager ausmachte, dem ein großer Teil der NSDAP-Wähler entstammte. Geigers Analyse ist sicher nicht uneingeschränkt nutzbar, aber seine Beschreibung des Kontextes, welcher den Zulauf der gesellschaftlichen Mitte zur NSDAP erklärt, bleibt bis heute relevant. So verweist bereits Geiger darauf, dass nicht das Programm der Nationalsozialisten ihren Erfolg ausmachte, sondern es vor allem die „Sorgen und Lebensangst“ waren, die den Mittelstand bewegten – der „Verzweifelte ist leichtgläubig“. Auch wenn Ideologien wie der Antisemitismus tief in der deutschen Gesellschaft verankert waren und zum Teil bis heute sind, ist doch der jeweilige Kontext, der ihr Hervortreten befördert, von großer Bedeutung.

pätestens mit den rassistischen Ausschreitungen Anfang der neunziger Jahre ist das Schlagwort vom „Extremismus der Mitte“ wieder aktuell geworden. In seinem Aufsatz „Extremismus der Mitte“ erkannte Wolfgang Kraushaar in der Debatte vier Ansätze zur Analyse dieses Phänomens: Neben der Identifizierung der Komplizenschaft zwischen Tätern und Politikern bzw. staatlichen Stellen (wie es das Zusehen der Polizei in Rostock-Lichtenhagen zeigte), sind dies die Kennzeichnung der sozialen Herkunft der Täter, die Charakterisierung moderner rechtspopulistischer Parteien und die Analyse reaktualisierter rechtskonservativer Ideologien.

Jüngst zeigten die Zustimmungswerte zu Sarrazins Thesen, dass ausländerfeindliche Einstellungen nicht nur bei den Wählern der extrem rechten Parteien zu finden sind, sondern dass extrem rechtes Gedankengut auch in der Mitte der Gesellschaft vorhanden ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu und wird durch die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung nur erneut bestätigt.
….

Einen Anstieg verzeichnet die Studie vor allem im Bereich antidemokratischer, rassistischer Einstellungen, außerdem stellt sie eine leichte Zunahme sozialdarwinistischer Ungleichwertigkeitsvorstellungen fest. Auch der Trend, dass immer weniger Deutsche eine Diktatur befürworten, hat sich umgekehrt. Während diese Entwicklung bis 2002 rückläufig gewesen ist, wünscht sich 2010 jede/r vierte Deutsche eine „starke Partei“ an der Spitze, welche die „Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“.

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass Rechtspopulisten durchaus langfristige Erfolge verbuchen können. Das Fehlen einer derart erfolgreichen Partei in Deutschland stellt dagegen eher die Ausnahme dar. Dass die besondere Situation in Deutschland weniger mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, Aufklärung oder politischer Bildung zu tun hat, wird in der FES-Studie durch die Zustimmung der Mittelschichten zu extremen Positionen deutlich.

In der Tat war auch die NSDAP, ihre Wählerschaft betreffend, durchaus eine Volkspartei – ihr gelang es, schichtübergreifend Stimmen zu erlangen. In ihrem Streben nach einer breiten Wählerschaft zeigte die NSDAP – wie oben beschrieben – durchaus populistische Züge, schließlich ging es hier nicht um tatsächliche programmatische Grundsätze, erst recht nicht um einen demokratischen Konsens, sondern um den reinen Wahlerfolg. Eine breite Integration von Wählergruppen allein ist also noch kein hinreichendes Kriterium für einen demokratischen Konsens.

Entsprechend ist Vorsicht geboten, wenn Union und SPD nun versuchen, die politischen Ränder einzufangen, wie es der verschärfte Ton der Parteien in der Integrationsdebatte zeigt. Einerseits muss eine demokratische Partei zwar darauf bedacht sein, Problemen und Ängsten der Bevölkerung entgegenzukommen und diese ernst zu nehmen; andererseits kann eine Öffnung dessen, was mach- und sagbar ist, den politischen Diskurs so weit enthemmen, dass demokratische Werte ausgehöhlt werden. Denn gerade in der Ausländer- und Integrationspolitik feiern die europäischen Populisten ihre größten Erfolge.

ganzer artikel:
http://npd-blog.info/2010/11/05/die-mitte-am-rand/

67) silversurfer, Samstag, 06. November 2010, 17:52 Uhr

Zur ganzen Debatte fällt Ihnen leider nur das Altbekannte, oft Gehörte, aber deshalb nicht wahrer Werdende ein: Die Deutschen sind schuld. An allem. Wie immer. Gähn.

68) socursu, Samstag, 06. November 2010, 19:32 Uhr

Verblüffend ist für mich Eines: nehme ich diverse (auch hier) in diversen Foren oder Blogs (auch hier) kundgetanen Meinungen und Kommentare, nehme ich die hektischen Wortmeldungen von Politikern mancher Couleur und füge den Stammtisch hinzu … und als letzte kleine Wendung ersetze ich “Türke” oder “Moslem” durch “Jude”- da habe ich aber ein nettes Zeit- Reise- Erlebnis!

Statt den den Blick darauf zu richten, wo die Verantwortung für multiple soziale Schieflagen dieser unserer Gesellschaft liegt, wird ein weiteres Mal eine vorgeblich nicht integrations- oder sozialisationsfähige Minorität zum Sündenbock gekürt.

Diese (zu spät geborene) Nation wird wohl aus ihren Fehlern niemals lernen.

69) Meyer, Samstag, 06. November 2010, 20:01 Uhr

Die Realität stört Ihre Lebenswelt und schon wird sie professionell verleugnet. Mit den Mitteln eines Medienprofis; allerdings nur unzureichend, weil so DDR-like durchschaubar, wie eine Einlassung eines Ströbel. Man könnte schon fast vermuten, Sie selbst betrieben das Spiel der von Ihnen so genannten “Rassisten”.

Die hiesige importierte ethnische Explosivmischung hat sich so brutal verschärft, wie weiland in Bosnien. Sie glauben doch nicht ernsthaft, daß dieses gewaltige Menschenexperiment “Umvolkung” glimpflich ablaufen wird?
“Rassimus” ist ein natürlicher menschlicher Abwehr-, Schutz- und Unsicherheitsreflex. Diesen werden sie mit keinem medialen Trick der Welt dauerhaft unterdrücken können. Noch befindet man sich in einer nervösen, neurotischen Lage. Das wird dabei nicht bleiben.

Im Umkreis von vielen kleinbürgerlichen Familien am Rande von Großstädten ist die Unterdrückung des “Rassismus” schon längst einer alltäglichen Angst in Bussen und U-Bahnen gewichen. Sie glauben doch nicht ernsthaft, daß Sie die zu erwartenden Folgen mit ein paar Blogeinträgen wie böse Gespenster vertreiben können?

Angst!, Herr Spreng.

70) John Dean,, Sonntag, 07. November 2010, 10:53 Uhr

Xenophobe Kommentatoren umschwärmen diesen Artikel von Michael Spreng wie Motten das Licht.

Sie sind empört, verstört und verbittert – nur lesen, verstehen und reflektieren: Das wollen sie nicht.

71) Z, Sonntag, 07. November 2010, 13:45 Uhr

Die am lautesten “Integration” fordern, wollten und wollen in Wirklichkeit überhaupt keine Integration. Im Gegenteil, sie haben in der Vergangenheit alles dagegen getan. Ihr einziges Interesse an der Integrationsdebatte besteht in der sich bietenden Möglichkeit, sie als rundum gescheitert zu erklären. Um gleich darauf ihrer wahren Forderung Ausdruck zu verleihen: Moslems raus. Ausländer raus.

72) panther, Sonntag, 07. November 2010, 15:07 Uhr

@ meyer
Ihre ständigen Doomsday Prophezeiungen erinnern mich an gewisse Sekten, die auch ständig versuchen, sich und ihre Anhänger durch den äusseren Feind und das zu erwartende bittere Ende zu stabilisieren. Ganz schön verbittert müssen Sie sein. Vielleicht hilft Ihnen ja der positive Ausblick, dass wir in nicht allzu ferner Zeit und mit viel gutem Willen und der entsprechenden Politik ein Land werden, in dem sich alle Eingewanderten und wir uns mit Ihnen wohlfühlen. Was in vielen Fällen auch schon Wirklichkeit ist.

73) XZY – C4, Sonntag, 07. November 2010, 15:11 Uhr

Dämliches linkes Gebrabbel, und absolute Polemik.

Haben sie Sarrazins Buch gelesen? Ich denke nicht.

Wieviel Prozent der arabisch/türkischen Taxifahrer ist denn hochqualifiziert? Richtig, geht gegen Null.

Nicht umsonst haben Bürger mit türkischem/arabischen Migrationshintergrund die höchste Kriminalitätsrate, den niedrigsten Bildungsgrad und die schlechtesten Deutschkenntnisse.

Aber klar, natürlich alles die Schuld “der Deutschen”, mit dem Finger auf anderen zeigen ist ja auch ganz einfach.

74) Politikverdruss, Sonntag, 07. November 2010, 19:08 Uhr

Zum Thema mag man ja unterschiedliche Positionen einnehmen. Aber die maßlose Lobhudelei mancher Mit-Kommentatoren gegenüber dem Autor des Artikels ist mehr als geschmacklos.

75) Palich, Sonntag, 07. November 2010, 22:58 Uhr

>> linkes Gebrabbel

Herrn Spreng “linkes Gebrabbel” vorzuwerfen ist erfordert schon eine Menge Chuzpe.

>> Nicht umsonst haben Bürger mit türkischem/arabischen Migrationshintergrund
>> die höchste Kriminalitätsrate, den niedrigsten Bildungsgrad und die
>> schlechtesten Deutschkenntnisse.

Und woher haben Sie diese Statistik? Nach den Statistiken der Tagesschau machen Jugendliche mit arabischen Hintergrund häufiger Abitur als Deutsche.

Schade für Sie , dass die Wirklichkeit nicht zu ihren Vorurteilen passt.

76) Recht Unbedeutend, Montag, 08. November 2010, 01:13 Uhr

Es sind wieder viele wahre Worte gesprochen worden. Aber daß wir schon mal das eigene kulturelle Grab schaufeln sollen, weil etwas nicht stimmt, während MILLIONEN von Menschen aus anderen Ländern hierher kommen. Und daß die Gastgeber sich selbst medial sturmreif bomben, weil sie ihre Gastgeberpflichten vielleicht nicht erfüllen – das ist doch absurd. Wenn der erste nicht mehr kommt, weil es ihm zuhause besser gefällt – dann haben wir was für eine gerechtere Welt getan. Ich möchte gerne ein guter Gastgeber für gute Gäste sein – aber niemals möchte ich als schlechter Gastgeber beschimpft werden. Dann mache ich zu, und andere Länder sollen es besser machen. Das ist doch eine simple Logik.
Wir sind hier nicht die Heimstatt der Gerechten, da kann mir keiner was erzählen. Aber wo sonst liegt die? Und warum wird sie hier gesucht? Kreditmärkte können kollabieren – unser soziales und kulturelles System ist zum Glück sicher. Ist es das?

77) Christian, Montag, 08. November 2010, 11:21 Uhr

Danke, Herr Spreng, sehr treffend und sehrwahr. Aber wie soll man das lösen?

Merkel und Seehofer kriegen das mit Sicherheit nicht auf die Kette. Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal schreibe: Ich will Helmut Kohl zurück. Der hatte wenigstens Format.

78) Doktor Hong, Montag, 08. November 2010, 15:25 Uhr

Kaum werden die Bananenbäume knapp, wird der Gorilla sauer auf den Orang-Utan.

Oder wie auch immer. Zoologie gehört nicht so zu meinen Stärken.

Ludwig Erhard wird hierzulande ja wie eine Gottheit verehrt. Ich denke, dass er durchaus recht hatte mit der These, dass “Wohlstand für Alle” eher durch Wirtschaftswachstum zu erreichen ist als durch Verteilungskämpfe um einen schrumpfenden Kuchen.

Also, wie kriegen wir wieder mehr Bananenbäume in die Gegend, damit Gorilla und Orang-Utan wieder zufrieden mampfend in der Ecke sitzen, statt sich zu beharken?

Ich hab’ zwar keine Ahnung, und genau deswegen strebe ich auch keine Regierungsverantwortung an und habe sie auch nicht inne.

Merke: Politische Mandate haben nicht den alleinigen Zweck, eine Altersvorsorge über dem Durchschnitt der Bevölkerung zu erlangen. Ich kann zwar gut verstehen, wie man zu diesem Irrtum gelangt, aber leider erwartet die Bevölkerung von den Regierenden auch, dass sie die Probleme kompetent angehen.

79) addi gold, Montag, 08. November 2010, 16:50 Uhr

@palich!!sie schreiben schwachsinn und man merkt das sie definitiv in keiner großstadt wohnen,sie linker gutmensch!

80) Meyer, Montag, 08. November 2010, 18:46 Uhr

@ Panther

Ich würde mich gerne mit Ihren Argumenten auseinandersetzen, – wenn Sie welche vorgebracht hätten. An der Auseinandersetzung mit der Außenwelt fehlt es Ihnen, wie Ihrem “Meister”, Herrn Spreng und Seinen Apologeten hier im Blog.
Aber ich nehme an, selbst das würde Sie und Ihresgleichen nicht aus der jahrelang eingeübten Kopf-in-den-Sand-Position bringen können.

Lassen Sie sich bitte in Ihrer Traumwelt durch nichts stören! Schon gar nicht durch die Realität. Diese Welt, von der Sie explizit träumen hat es noch nirgendwo gegeben. Keine Umfrage, keine Untersuchung begründet eine Dynamik in der von Ihnen ERHOFFTEN Richtung, sondern jede Untersuchung BELEGT, daß der kontinuierlich Zustand schlechter wird. Dies läßt eine negative Dynamik ableiten.

Versuchen Sie sich oder mir bitte ein Beispiel herauszusuchen, wo oder wann jemals eine solche Entwicklung nicht in einer Katastrophe mündete? – Ich bin gespannt!

81) Meyer, Montag, 08. November 2010, 22:41 Uhr

@ Doktor Hong

Es ist doch lächerlich zu glauben, Orang Utans und Gorillas würden sich nur streiten, wenn es zu wenig Bananen auf zu wenig Bäumen gibt.

Sie würden immer einen Grund zu streiten finden. Stecken sie doch ein paar männliche Exemplare unter Zugabe einiger weiterer Exemplare der Gattung homo sapiens sapiens in einen Käfig mit ausreichend Bananenvorrat. Sie werden erkennen, wie Ihr Bild vom friedlichen Beisammenleben – trotz ausreichender Bananenmast – in der Luft zerfetzt wird.

Woher in aller Welt! nehmen Sie bloß die Vermutung, Menschen verschiedener Ethnien würden prinzipiell friedlich zusammenleben können? Nennen Sie mir bitte nur ein Jahrhundert nur eines Kontinents, wo dies jemals der Fall war? Es wird Ihnen nicht gelingen. Und unter anderem daran scheitert jedes rein ökonomistische Weltbild.

Sie praktizieren bloß eine intellektuell leicht ansprechendere Form der hier besonders gern vollzogenen Yoga-Übung Kopf-in-den-Sand.

82) EStz, Dienstag, 09. November 2010, 10:00 Uhr

@ socursu
>>Verblüffend ist für mich Eines: nehme ich diverse (auch hier) in diversen Foren oder Blogs (auch hier) kundgetanen Meinungen und Kommentare, nehme ich die hektischen Wortmeldungen von Politikern mancher Couleur und füge den Stammtisch hinzu … und als letzte kleine Wendung ersetze ich “Türke” oder “Moslem” durch “Jude”- da habe ich aber ein nettes Zeit- Reise- Erlebnis!<<

Naja…
Wenn ich als "Spätgeborener" im Geschichtsunterricht aufgepaßt habe, dann waren die Deutschen nicht allein mit ihrer Judenfeindlichkeit; Progrome und Verfolgungen gab es auch schon Jahrhunderte vorher, auch in vielen anderen Ländern. Der Unterschied zwischen Deutschland und anderen Ländern bestand darin, mit welch kalter Berechnung und tödlicher Konsequenz die Nazis die Judenverfolgung betrieben haben (und dass der größte Teil der Bevölkerung tatenlos dabei zuschaute).

Die Integrations-"Probleme" vieler Ausländer ergeben sich meist aus einer komplexen Situation, in der u.a. mangelnde Bildung, mangelnde Bereitschaft, mangelnde Sprachkenntnisse, mangelnde staatliche Unterstützung und mangelnde Toleranz auf beiden Seiten in verschiedensten Ausprägungen und Kombinationen zum Tragen kommen. Das mit dem Leid der Juden im Dritten Reich zu vergleichen, halte ich, höflich formuliert, für sehr gewagt.

83) Berggeist1963, Dienstag, 09. November 2010, 11:47 Uhr

Jaja, die lieben Vorurteile. Interessant ist auch, dass für manche Zeitgenossen alle Türken (oder auch “Moslems”) gleich sind, nur der “Ali vom Gemüseladen um die Ecke” oder der “Mustafa von der Dönerbutze nebenan”, die sind “voll in Ordnung”. Hat irgendwie was von diesen Umfragen, wo die erste Frage lautet “Ist der Hartz IV Regelsatz zu hoch und ermöglicht somit den Leistungsempfängern ein sorgloses Leben?” lauthals ein klares “Jaaa” ertönt, die nachfolgende Frage “Haben Sie persönlich Angst davor, einmal in Hartz IV abzurutschen?” dann mit einem von denselben Befragten ebenfalls, diesmal jedoch leicht angsterfülllten “Ja” beantwortet wird.
Oder man frage mal einen “Otto Normalamerikaner”, am besten einen Farmer aus “Heartland USA”, dem Mittelwesten, wie ein Deutscher denn so aussieht. Da kommt oft die Antwort:” Gross, schlank(!), blond, blauäugig, dick(!), den ganzen Tag Sauerkraut und fette Fleischprodukte wie Bratwurst, Schweinshaxn etc. in sich reinstopfend, literweise Bier saufend, nur in Seppelhosen (Frauen im Dirndl) rumlaufend” usw. Und wenn dieser dann mal zufällig einen ganz “normalen Durchschnittsdeutschen” in natura sieht fällt er aus allen Wolken und sein bisheriges Weltbild wackelt auf einmal erheblich.
Ein Austauschschüler aus eben dieser Ecke der USA, der hier in meiner Gegend mal vor ein paar Jahren einen Gastaufenthalt verlebte, äusserte der lokalen Zeitung gegenüber auch seine Verwunderung, als er feststellen musste, dass es hierzulande tatsächlich auch Kühlschränke wie zuhause gibt und sogar Autos! Das hatte er so zuvor nicht erwartet.
Jaja, die lieben Vorurteile…

84) Christian, Dienstag, 09. November 2010, 19:19 Uhr

@ Meyer
Sie schreiben “Woher in aller Welt! nehmen Sie bloß die Vermutung, Menschen verschiedener Ethnien würden prinzipiell friedlich zusammenleben können?”

Naja, vielleicht von der Erfolgsgeschichte der EU? Oder glauben Sie, dass wir demnächst wieder blutige Kriege mit unseren “französischen Erbfeinden” führen werden? Glauben Sie wirklich, dass die Menschheit nicht dazulernen kann?

Und vor allem: Selbst wenn das so wäre -was heißt das schon? Bloß weil es Kriege zwischen Ethnien gibt, muss man die ja nicht für gut halten oder sich auch noch daran beteiligen. In der Ethik spricht man vom “naturalistischen Fehlschluss”, wenn aus dem Sein ein Sollen abgeleitet werden soll, und genau so einen Fehlschuss begehen Sie hier.

Übrigens: Dass Ressentiments gegenüber anderen sozialen Gruppen in ökonomischen Krisenzeiten zunehmen, ist in der Menschheitsgeschichte schon so oft beobachtet worden, dass man es getrost als empirische Tatsache bezeichnen kann.

85) Doktor Hong, Mittwoch, 10. November 2010, 00:51 Uhr

@ Meyer

Ich für meinen Teil habe keinen Grund, auf andere wütend zu sein, solange sie mich in Ruhe lassen und mir nichts wegnehmen. Im Rheinland sagt man “Leeve un leeve losse”, “Leben und leben lassen”, was ich für eine gute Einstellung halte.

Ich weise den Vorwurf, die Schwierigkeiten im Zusammenleben verschieden sozialisierter Gruppen zu ignorieren, durchaus zurück. Auch ich sehe die Entwicklung der sozialen Spannungen, die auch an ethnischen Grenzlinien verlaufen, durchaus mit Sorge.

Sie haben sicherlich nicht Unrecht mit der Beobachtung, dass es zu allen Zeiten und an allen Orten zu ethnischen Konflikten gekommen ist und auch immer noch kommt. Aktuell fallen mir da die Vorkommnisse in Kirgistan und in der Mongolei ein, wo sich manche Mongolen als die “wahren Arier” betrachten, sich auf die Nazis berufen und Stimmung machen gegen die dort ansässigen Chinesen.

Nun ist die Frage: woran entzünden sich diese Konflikte? Meine Argumentationsweise ist nicht ökonomistisch, sondern evolutionsbiologisch zu verstehen. Um es kurz zu umreißen: Der Mensch kann als Spezies nur als Gruppe überleben, und um das Überleben der Gruppe zu sichern, braucht die Gruppe Ressourcen. Werden Ressourcen knapp, werden Kämpfe um diese Ressourcen ausbrechen. Dass Sie das leugnen, finde ich – um es höflich zu formulieren – schlecht nachvollziehbar. Denken Sie an das Motto “Volk ohne Raum”, was Ihnen vermutlich vertraut sein wird.

Die erste Gruppe, die der Mensch normalerweise kennenlernt, ist die Familie. So bildet sich das Konzept einer Gemeinschaft innerhalb der Familie, und die Nation kann man so ähnlich wie eine stark erweiterte Familie betrachten, um es kurz zu fassen. Das erklärt, warum Gruppenabgrenzungen für gewöhnlich entlang verschiedener Abstammungslinien verlaufen.

Aber es gibt auch andere Beispiele. Nehmen Sie Gruppen randalierender Hooligans, die sich über die Verherrlichung ortsansässiger Fußballclubs definieren. Nehmen Sie Irland, wo ethnische Iren untereinander massive Konflikte ausgetragen haben, getrennt nur durch ein Glaubensbekenntnis.

Wenn Sie behaupten, dass bei reichhaltigem Angebot an Ressourcen, die für alle Gruppen reichen, trotzdem massive Konflikte ausbrechen, und der einzige Grund dafür ein anderes Aussehen oder eine andere Herkunft ist, dann nennen wir das Kind doch einfach mal beim Namen: das ist nichts als blanker Rassismus.

Ich will auch gar nicht abstreiten, dass es viele rassistisch motivierte Menschen gibt. Aber es gibt auch viele Menschen, die nicht rassistisch denken.

Nach Ihrer Theorie müsste es ja ständig überall Bürgerkriege geben, denn das Trugbild einer reinrassigen Nation ist genauso eine Schimäre wie die christlichen oder humanistischen Erlösungsphantasien. So etwas gibt es nicht. Es lässt sich nachweisen, dass alle Vorfahren des Homo Sapiens aus Afrika kommen.

Es gibt Grundübel in der Welt, mit denen wir klarkommen müssen. Dazu gehören Ungerechtigkeit, Gewalt und Ausbeutung. Ich denke nicht, dass diese Übel durch plötzliche vernünftige Einkehr der Menschheit aus der Welt geschaffen werden können. Aber man kann sie minimieren, und darauf kommt es an. Es gibt Gesellschaften mit sehr hoher Kriminalität und Gesellschaften mit sehr niedriger, aber ganz sicher keine einzige Gesellschaft ganz ohne Kriminalität.

Wenn man also durch Wirtschaftswachstum soziale Spannungen zwar nicht in Luft auflösen, aber wesentlich abmildern und verringern, und ihre großflächige gewalttätige Eruption verhindern kann, dann soll man das meiner Meinung nach tun.

Der chinesischen Regierung sind solche Zusammenhänge völlig klar, und das ist der Grund, warum sie auf Wachstum auf Biegen und Brechen setzen, weil sie damit die Bevölkerung ruhig halten können. Warum wohl werden die bitterarmen, ca. 800 Millionen Westchinesen auf die Küstenchinesen wütend werden? Weil sie von “minderwertiger Rasse” sein sollen, oder weil diese alles haben und jene nichts?

Betrachten Sie doch den Aufhänger dieser Kolumne: der Taxifahrer, der wütend ist auf andersgläubige Taxifahrer, weil diese ihm die Fahrten wegnähmen.

Solche Zusammenhänge einfach zu ignorieren, finde ich viel wirklichkeitsfremder, als Rassismus zu ignorieren, was ich im übrigen nicht tue.

86) Doktor Hong, Mittwoch, 10. November 2010, 00:56 Uhr

P.S. Das Beispiel mit den Affenarten war deshalb gewählt, weil ich der Meinung bin, dass der Lack der Zivilisation sehr dünn ist und schnell abblättert und unser genetisches Erbe von den Affen durchkommt, sobald unsere Existenzgrundlagen unter Druck geraten.

Natürlich konnte ich es nicht so geschliffen und subtil formulieren wie Berthold Brecht: “Erst kommt das Fressen, dann die Moral.”

87) Christian, Mittwoch, 10. November 2010, 12:02 Uhr

Ja, der liebe Doktor Hong hat das alles noch etwas teifgründiger (und langatmiger) abgeleitet wie ich, aber genau das wollte ich sagen.

88) silversurfer, Donnerstag, 11. November 2010, 00:29 Uhr

@James Dean

“Xenophobe Kommentatoren umschwärmen diesen Artikel von Michael Spreng wie Motten das Licht.

Sie sind empört, verstört und verbittert – nur lesen, verstehen und reflektieren: Das wollen sie nicht.”

Na, dafür haben wir ja xenophile Superchecker wie Sie einer sind, die dies für uns erledigen.

89) Christian, Donnerstag, 11. November 2010, 14:16 Uhr

@ silversurfer
Würde es Ihnen allzuviel Mühe machen, das Gehirn einzuschalten und inhaltliche Argumente beizutragen? Und falls Sie inhaltlich nix zu sagen haben, orientieren Sie sich doch an Dieter Nuhr: Einfach mal…

90) Meyer, Donnerstag, 11. November 2010, 17:52 Uhr

Sehr geehrte Mitdiskutierenden “Christian” und “Doktor Hong”,

ich bitte die Tatsache zu entschuldigen, daß ich scheinbar nicht auf Ihre direkt an mich gerichteten Repliken geantwortet habe. Meine Duplik darauf ist leider nicht veröffentlicht worden. Ich hätte wohl zurückhaltender Formulieren müssen. Ich habe bewußt so formuliert, um eine Behauptung zu untermauern.

Bezüglich des Kerns unserer Diskussion, ob ein ökonomischer (also klassisch liberaler) Ansatz zur Integration Angehöriger fremder Völker ausreicht oder ob grundsätzlichere Betrachtungen nötig sind, deren Schlußfolgerungen nicht mehr NUR liberal sein können, verweise ich, mit hoffentlich freundlicher Genehmigung des Gastgebers Herrn Spreng auf ein anderes Blog.
Dort diskutieren der Blogger LePenseur auf dem Blog von Manfred Kleine-Hartlage (Korrektheiten) jeweils diese Ansätze seit Wochen kontrovers auf einem intensiveren Niveau, als es hier geschieht.

Um die offensichtlich durch mich bereits überstrapazierte Gastfreundlichkeit dieses Blogs nicht weiter zu belasten, möchte ich hier keinen Link einfügen. Dies ist bei Interesse leicht zu “ergoogeln”.

91) Raphael, Montag, 15. November 2010, 11:54 Uhr

Nur mal so ganz nebenbei, weil hier immer alle über Neukölln reden:: Ich wohne in Nord-Neukölln, laufe täglich und zu jeder Tages- und Nachtzeit über den Hermannplatz* und, total verrückt, hatte dabei noch nie Angst. Und nicht nur das, ich fühl mich sogar ganz wohl in meinem Stadtteil. Verrückt, oder?

Nicht so wohl hab ich mich allerdings kürzlich nach einem Hertha-Spiel gefühlt, als ein paar alkoholisierte Nazis in der S-Bahn meinten ihre Mitreisenden anpöbeln zu müssen. Da hatte ich tatsächlich ein bisschen Angst.

Ist mein Angst-Gen etwa defekt? Thilo, hilf!

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