Donnerstag, 18. November 2010, 08:54 Uhr

Merkels versteckte Botschaft

Es ist ein bekanntes Ritual: die Bundesregierung veröffentlicht Propaganda-Anzeigen und die Opposition regt sich darüber auf. Dieses Ritual ist unabhängig davon, wer gerade die Regierung stellt. Natürlich sind die 2,8 Millionen Euro teuren Anzeigen überflüssig, die Proteste der Opposition aber auch.

Den einzig klugen Satz zur aktuellen Kampagne der Bundesregierung hat Volker Beck von den Grünen gesagt: die Anzeigen seien der Versuch, die mediale Präsenz des CDU-Parteitages zu verstärken. Dafür sprechen tatsächlich der Zeitpunkt der Veröffentlichung genau zum Parteitag und eine verräterische Formulierung im Anzeigen-Text.

In dem Text, in dem ansonsten von der “christlich-liberalen Regierung”  die Rede ist, heißt es:  “Auch wir in der Bundesregierung haben dafür gearbeitet, die Auswirkungen der Krise in Grenzen zu halten. So hat die Kurzarbeiterregelung geholfen, Arbeitsplätze zu sichern und Fachkräfte zu halten”. Wenn Sprache noch einen Sinn hat, dann kann sich das “wir” nur auf die CDU beziehen, denn die FDP hat damals nicht der Bundesregierung angehört und im Gegenteil kräftig dagegen opponiert. Korrekt hätte es heißen müssen: “die frühere Bundesregierung”  oder “die Regierung der großen Koalition” oder wenigstens “Auch die Bundesregierung hat dafür gearbeitet…”. 

Jetzt weiss man endlich, was Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag gemeint hat, als sie sagte: “Wir sind wir”. Das war offenbar eine versteckte Botschaft zum Verständnis der Anzeige.

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12 Kommentare

1) Hans Hütt, Donnerstag, 18. November 2010, 09:58 Uhr

Lieber Herr Spreng, das “wir” in der Sprache von Frau Merkel ist eine mathematische Formel aus der Merkelschen Mengenlehre. Bestimmt unbestimmt. Darüber schäumen die Sozialdemokraten vor Wut. Das Verdienst liegt tatsächlich bei Olaf Scholz.

In den kommenden Wochen, wenn Irland auf Deubel komm raus gerettet werden soll (was das Land nicht will), rückt die Haltbarkeit ihrer Sprache in ein anderes Licht. http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/?p=6000

2) Jeeves, Donnerstag, 18. November 2010, 10:29 Uhr

“Natürlich sind die 2,8 Millionen Euro teuren Anzeigen überflüssig, die Proteste der Opposition aber auch.”
Der zweite Teil des Satzes ist natürlich Quatsch, ein CDUCSU-Anhänger muss das aber so – auch ein Ritual – hinschreiben.

3) Doktor Hong, Donnerstag, 18. November 2010, 11:58 Uhr

Faszinierend. Erst wird von der “Wunschkoalition” gequasselt, und dann grenzt man sich in einer Anzeigenkampagne von seinem Koalitionspartner ab.

Oder aber, man versucht einen Etikettenschwindel, oder, wie der Psychologe sagen würde, man versucht eine Fehlattribution zu erreichen, mit dem Ziel, dass der gemeine Bürger, auf dessen kurzes Gedächtnis sich man verlassen zu können glaubt, jene erwähnten Leistungen mit der aktuellen Bundesregierung verbindet.

Sehr vertrauenserweckend. Ich frage mich von Tag zu Tag mehr, was bloß in diesen Köpfen vor sich gehen mag.

4) Christian S., Donnerstag, 18. November 2010, 14:46 Uhr

Regierungspropaganda eben. Gehört dazu.

5) marcpool, Donnerstag, 18. November 2010, 15:56 Uhr

Für fast drei Millionen Anzeigen ! Hätte man der SPD doch auch so sagen können , das die grosse Koaltion viel Richtiges getan hat. Aber Angela wollte ja den Eindruck erwecken das alles sie und die CDU gemacht hat. Wenn sie doch die 3 Millionen an die Sozialdienste gegeben hätte – wäre viel mehr Freude entstanden .

6) Chat Atkins, Donnerstag, 18. November 2010, 19:54 Uhr

FDP? FDP? Wer war denn das noch?

7) Christian, Donnerstag, 18. November 2010, 21:25 Uhr

Aber, aber -Frau Merkel hält sich doch nur an das kleine 1×1 christdemokratischer Regierungsrhetorik:

“Der Himmel blau, die Sonne lacht – das hat die CDU gemacht. Gibt’s im Winter Eis und Schnee, war’s die böse SPD.”

Ganz im Ernst: Ist doch kleinlich, da zu meckern. So machen das schließlich alle. Oder wie lautete der Claim von Kurt Becks Anzeigenkampagne in Rheinland-Pfalz: “Wir machen’s einfach!”

8) M.M., Freitag, 19. November 2010, 03:27 Uhr

Die FDP ist doch in der Euro-Krise zu einer Partei nahe der 5 Prozent Grenze degeneriert. Warum sollte Frau Merkel sie noch erwähnen. Demnächst soll die deutsche Nation über den ominösen luxemburgischen Euro-Rettungsfonds die irischen Schulden, die 4 mal höher als die der Griechen sind, stemmen und dazu Bedarf es der SPD und nicht der FDP. Da wird viel Ueberzeugungsarbeit in der Bevölkerung nötig sein damit das akzeptiert wird.

9) Recht Unbedeutend, Freitag, 19. November 2010, 03:32 Uhr

So traurig es ist, eigentlich ist die Zeit zu schade, um über sowas zu diskutieren oder nur nachzudenken.
Die geringe Kommentarzahl spricht ja für sich (auch wenn die, wenn ich das sagen darf, besonders gut sind).

Mit 3 Millionen hätte man einer von 11.448 Gemeinden in Deutschland einen Gefallen tun können, und ihr einen großen Teil der Schulden tilgen. Die durchschnittlich ca.7000 Einwohner hätten es der CDU bestimmt nicht gedankt, und die Umliegenden, die nix bekommen, erst recht nicht. Ganz zu schweigen von der Diskussion, die dann hier entstanden wäre.

So weiß man wenigstens, an was man ist. Weitermachen, ihr Stellvertreter “Volkes” auf Erden…

10) mambo, Freitag, 19. November 2010, 19:45 Uhr

Nicht zu vergessen die Merkelsche
Fußballreise nach Südafrika zwecks Eigenwerbung im Sommer
kostete uns schlappe 150 000 Euro.
da war ja Ulla Schmidts Spanienreise wirklich harmlos.
Ja ja Ihr müßt sparen ,einfaches Volk,
damit wir Politiker über unsere Verhältnisse leben können !

11) Peter Christian Nowak, Freitag, 19. November 2010, 20:50 Uhr

Was nicht auf dem Plakat steht: Kaum ein Parlamentarier weiß, worüber er abstimmt. Was dem Schröder seine Basta-Politik war, ist der Merkel ihr Verständnis von Durchregieren: Die Sauereien finden im Kanzleramt statt, in trauter Umgebung von Lobbyisten, die auch schon mal ihre Anmerkungen in die Gesetzentwürfe schreiben dürfen. Welche Folgen diese Gesetze haben, die sie da unterschreiben, darüber sind sich die allermeisten Parlamentarier wohl kaum bewußt. In Erkenntnis dessen, würden die wohl fluchtartig das Hohe Haus verlassen und in Tränen ausbrechen. So sehen sich überforderte Parlamentarier einem Konvolut von Gesetzen gegenüber, über die sie entscheiden sollen. Die Lust zum schärferen Nachdenken über deren Tragweite hält sich in Grenzen.
Man könnte meinen, daß das Echo der einstigen DDR in Merkel den Widerhall findet: Nix Demokratie, Augen zu und durch. So was nennt man dann “Herbst der Entscheidungen”.
Eigentlich müßte ein Schlichter her, so einer wie Dr. Geißler z.B oder so einer in der Art. Nur, daß man nicht über die schützenswerte flora und fauna des Stuttgarter Schloßparks raisoniert, sondern zur Abwechslung mal über die desaströsen Auswirkungen Merkelscher Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Gesundheitspolitik, Atompolitik und so weiter, und so weiter.
Schließlich muß man den Leuten nur erklären, zu was die Politik gut ist. Aber bitte möglichst so, daß die Verarsche dahinter nicht sichtbar wird.
Vielleicht, wenn die ersten Opfer in ihren Wohnungen erfroren oder verhungert sein werden, wird sich sicherlich auch dafür eine plausible Erklärung unter´s Volk bringen lassen.
Marode Atomkraftwerke sind auch nicht gerade das, was sich die Menschen an Zukukunftsvisionen so vorstellen; insbesondere, wenn die in die Luft fliegen. Mahlzeit!

12) tantetrudeausbuxtehude, Sonntag, 21. November 2010, 11:31 Uhr

Also, gleich im zweiten Satz DIE LINKE. und die alte tante spd in einen linke Topf zu rühren…
DIE LINKE. ist ja da, wo sie (mit-)regiert, kaum noch als “links” wiederzuerkennen.
Aber die alte runzelige, und nach Pipi müffelnde Tante spd ist ja nun schon seit vielen Jahre nicht mehr links.

– trude –

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