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Das Terror-Redekarussell

Ja, die Gefahr ist jetzt konkret, nicht nur abstrakt. Die Sicherheitsbehörden tun alles, was in ihrer Macht steht. Es besteht Anlass zur Sorge und Wachsamkeit, nicht aber zu Panik und Hysterie. Neue Gesetze sind nicht notwendig. Muslime dürfen nicht unter Generalverdacht gestellt werden.

Wenn Bundesinnenminister Thomas de Maizière an einer Talkshow oder sogenannten Expertenrunde zum Thema Terrorgefahr teilnimmt, ist nach fünf Minuten alles gesagt und zwar allein von ihm. Die Sendungen könnten dann eigentlich abgebrochen werden, denn der Rest ist meist blanke Spekulation, reiner Unsinn oder Lobbygerede.

Selten ist die öffentliche Diskussion so ab absurdum geführt worden wie zurzeit. Da wird über den Einsatz der Bundeswehr geschwafelt, Polizisten verlangen endlich ihre Überstundenbezahlung, Glühweinverkäufer werden auf Weihnachtsmärkten befragt, Straßenumfragen über die Terrorgefahr auf dem platten Land gemacht. Keiner weiss etwas, aber alle reden mit. Lobbyisten wittern die Chance, endlich ihre alten Forderungen durchzudrücken, und Politiker kramen ihre verstaubten Gesetzesladenhüter hervor. Das Redekarussell dreht sich immer schneller und sinnloser um sich selbst. 

Und im Gegensatz zu politischen Diskussionen, bei denen es im gelungenen Fall um konkrete Vorschläge zur Veränderung von Lebenssituationen geht, führt die Terrordiskussion zu nichts. Denn die wichtigsten Akteure nehmen naturgemäß an den Talkshows nicht teil und stellen ihre Pläne und Drohungen nicht zur Diskussion.

Deshalb ist es ein Segen, dass Thomas de Maizière Innenminister ist – ein ernsthafter, unaufgeregter Politiker, der ruhig und angemessen reagiert. Und die Bürger reagieren auch erstaunlich besonnen. Die Hysterisierung findet nur in den Medien statt, die keinerlei eigene Erkenntnisse haben. Zum Glück bisher ohne Erfolg.