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Das Dagegen-Land

Jetzt sind endlich alle dagegen. Die einen, die Grünen, sind angeblich gegen alles, die CDU/CSU ist dagegen, dass die Grünen dagegen sind. Deutschland – das Dagegen-Land. Als letzter ist Guido Westerwelle auf den Dagegen-Zug aufgesprungen („Die neumodische Dagegen-Haltung stachelt mich an“). Es wird einem schon ganz schwindlig bei dem vielen Dagegen.

Dagegen oder gegen Dagegen – vor diese berauschende Alternative stellt Schwarz-Gelb die Wähler wenige Wochen vor Beginn des Superwahljahres 2011. Offenbar glaubt die CDU, dass  Dagegen-Dagegen-Wähler automatisch für sie votieren werden. Deshalb die Kampagne gegen Dagegen. Wahlkämpfe brauchen Feindbilder und die CDU hat mit den Dagegen-Grünen zumindest eines erfunden.

Die Grünen sind jedenfalls zur entscheidenden Bezugsgröße des ganzen Parteiensystems geworden. Darauf  können sie stolz sein. Rotatation reloaded – sie sind die Sonne, um die alle kreisen. Nur die SPD nicht. Die rotiert mal wieder nur um sich selbst.

Weil die SPD nicht einmal mehr als Wahlkampf-Feindbild taugt, ist die grüne Partei für die CDU der einzig verbliebene Watschenmann. Die Dagegen-Grünen sollen die müden und enttäuschten CDU-Wähler, die in die Wahlenthaltung geflüchtet sind, aufwecken und mobilisieren. „Operation Heimkehrer“ könnte die Wahlkampfstrategie der CDU überschrieben sein. Erst die Reihen schliessen, dann die konservative Seele streicheln, schließlich ein klares Feindbild.

Stattdessen: Kommt wieder nach Hause! Kommt zur Dafür-Partei! Aber wofür? Für den Aufschwung, für “ Stuttgart 21″, für Atom, für mehr Internet-Überwachung, für die Hotelsteuer, für die Griechenland- und Irland-Bürgschaften, für Sparen bei den Ärmeren, für die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge? Undsoweiter. Ein bunter Strauß – wahrlich vielfältig. Viele Disteln und Brennnesseln im Gesteck.

Das Dagegen-Dagegen ist einfach, es könnte im CDU-Stammland Baden-Württemberg aber sogar etwas bringen. Zumindest Mobilisierung. Die Umfragen deuten das schon an. Das Dafür und das Wofür dagegen ist kompliziert und widersprüchlich. Deshalb muss die CDU ihre Kampagne gegen das Dagegen so propagandistisch übertrieben fahren. Damit bis zum 27 März nicht mehr zu viel nach dem Dafür gefragt wird. 

Es könnte aber sein, dass die CDU-Kampagne etwas zu früh gestartet wurde. So wie die Kampagne der Grünen gegen „Stuttgart 21“. Heiner Geißlers Schiedsspruch könnte für beide Seiten die Luft herauslassen. Und dann gibt es vielleicht doch noch einen Wahlkampf, der die Wähler nicht verdummt. Und die Tatsache, dass Westerwelle auf den Dagegen-Zug aufgesprungen ist, könnte eine Hinweis dafür sein, dass er bald auf dem toten Gleis landen wird.