Kommentare
18
Tagcloud
BILD Bild am Sonntag CDU CDU/CSU Christian Wulff CSU Der Spiegel Die Linke FDP Grüne große Koalition Hartz IV Helmut Schmidt Kohl Linkspartei Merkel Philipp Rösler Schäuble Schröder Schwarz-Gelb Seehofer Sigmar Gabriel SPD Steinbrück Steinmeier Steuersenkungen Stoiber Wahlkampf Westerwelle zu Guttenberg
Sonntag, 28. November 2010, 13:47 Uhr

Oles Erbe

Die Hamburger CDU war immer ein trostloser Verein. Jahrzehntelang ohne eine Chance, an die Regierung zu kommen, dominiert von drittklassigen Hinterzimmer-Strategen. So war es 2001 ein Wunder, dass die CDU überhaupt an die Macht kam. Zu verdanken hatte sie dies dem unseligen Populisten Ronald Schill und einer liberalismusvergessenen FDP, die Ole von Beust zum Bürgermeister machten.

Seine Wiederwahl 2004 und die absolute Mehrheit hatte von Beust wiederum Schill zu verdanken, der dem schwachen Bürgermeister mit seinen Erpressungsversuchen die Chance gab, sich zum mutigen Volkshelden zu stilisieren. Als dann in der strukturell nach wie vor eher sozialdemokratischen Stadt von Beusts Glanz verblasste, hielten ihn nach der Wahl 2008 die Grünen an der Macht. Und das ging ganz gut, weil sich von Beusts lockere-freundliche Art, gepaart mit Faulheit und ziemlichem Desinteresse an dem Amt, als ein Spezialform des hanseatischen Liberalismus verkaufen ließen.

Als von Beust vor drei Monaten zurücktrat, war Schwarz-Grün schon so gut wie am Ende. Die Grünen, müde von substanzzehrenden Kompromissen, die CDU wieder da, wo sie vor von Beust und Schill gestanden hatte. Dass die Koalition jetzt platzt, ist deshalb kaum noch eine große Überraschung. Die vielen gegangenen und zurückgetretetenen Senatoren gehören genauso zu Ole von Beusts Erbe wie der stetige Niedergang der CDU.

Die CDU in Hamburg ist personell ausgezehrt, inhaltlich verschwunden, nur noch ein Schatten ihrer kurzen glanzvollen Zeit. Die Grünen sind deshalb nur konsequent, wenn sie Neuwahlen verlangen. Allerdings haben sie sich aus einer Position der Schwäche für den Befreiungsschlag entschieden. Der bundesweite Höhenflug der Grünen hat schon seit Monaten ohne die Hamburger Grünen stattgefunden.

Mit dieser schwarz-grünen Koalition war kein Staat, auch kein Stadtstaat mehr zu machen. Die Neuwahlen hätten schon nach von Beusts Rückzug ins Sylter Privatleben stattfinden müssen. Er ist jetzt Berater bei Roland Berger. Mit seinen Erfahrungen kann er sich auf Insolvenzberatung konzentrieren.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

18 Kommentare

1) Frank Reichelt, Sonntag, 28. November 2010, 14:09 Uhr

Meiner Meinung nach wird die Bedeutung der Stadtstaaten überschätzt. Die “Bundesländer” Hamburg und Bremen sollten endlich in das richtige Bundesland Niedersachsen eingegliedert werden.
Die Neugliederung des Bundesgebiets ist sowieso mein Steckenpferd. Leider wird es aus den verschiedensten Gründen nicht dazu kommen.
Nun gibt es halt Neuwahlen in Hamburg, so what?

2) Dr. Dr. Joachim Seeger, Sonntag, 28. November 2010, 15:48 Uhr

Eine schwarz-grüne Koalition hat keine Zukunft mehr!

Die CDU hätte sich 2008 gar nicht für eine Koalition mit den Grünen entscheiden dürfen. Die Politik dieser Fantasten und “Polit-Clowns” (=Grüne) ist realitätsfern und besitzt keine Garantie für eine tragfähige und solide Regierung. Das hätte die CDU wissen müssen. Immer wieder fällt sie auf fadenscheinige Angebote der Grünen herein, weil sie offensichtlich glaubt, die Grünen könnten ihre Macht absichern. Das ist jedoch ein Trugschluss. Hamburg ist ein abschreckendes Beispiel für andere Städte. Auch in Recklinghausen regiert eine schwarz-grün-(gelbe) Allianz. Ich bin davon überzeugt, dass auch dort die Tage der Zusammenarbeit gezählt sind. Viele Mitbürger vertreten ebenfalls diese Überzeugung. Ist die CDU auf dem “grünen Auge” blind? Die Grünen sind unwählbar- möchte die CDU ebenfalls den Status der Unwählbarkeit erreichen?

3) armerMoldavier, Sonntag, 28. November 2010, 16:01 Uhr

Schill ist Geschichte und die Koalition in HH auch.

Wer glaubt, dass es nach Neuwahlen besser wird, der glaubt auch, dass Abteilungsleiter Abteilungen leiten. (Schelm Modus off)

Geehrter Spreng?
Hallo?
Hätten Sie nicht mal Lust als Politikberater dort einzugreifen?

4) Gregor Keuschnig, Sonntag, 28. November 2010, 16:06 Uhr

Die Grünen dürften sich verrechnen, wenn sie glauben, vom Höhenflug in Hamburg profitieren zu können. Dafür haben sie auch zu viele Kröten geschluckt. Ich bin gespannt, welche populistische Partei diesmal als Königsmacher auftauchen wird.

5) Peter Christian Nowak, Sonntag, 28. November 2010, 16:26 Uhr

Vielleicht werden sich die Grünen darüber im Klaren, daß faule Kompromisse nur zu faulen Bündnissen führen. Mit Schmuddelkindern der neoliberalen “Elite” zu koalieren führt nur zur eigener Verschmutzung. Die Glaubwürdigkeit ist es, die auf der Strecke bleibt. Ein gewichtiges Substantiv, gern gesprochen, gerade von den Schmuddelkindern der CDU/CSU/FDP Nomenklatura. Aber aufgeklärte Bürger lassen sich von Neoliberalen nicht täuschen. Die Grünen bereiten sich mit der Aufkündigung auf die kommende Bundestagswahl vor. Sie nehmen jetzt notwendige Korrekturen vor.

6) JG, Sonntag, 28. November 2010, 17:32 Uhr

Mal wieder richtig beschrieben und analysiert, Herr Spreng!

Soweit man Umfragen glauben darf, hält sich die Begeisterung für die Grünen überall dort in Grenzen, wo sie regieren. In Hamburg haben sie jetzt wohl, rein machtstrategisch betrachtet, das Richtige getan: Sie tun so, als würden sie die Zusammenarbeit mit der CDU aus eigenem Antrieb bzw. eigener Einsicht beenden – was auch ein wichtiges Signal an die (ehemaligen) Anhänger sein dürfte. Und die GAL hat gute Chancen, nach den Wahlen wieder im Senat zu sitzen, dann eben mit der SPD, bei der sie sich rein inhaltlich weniger prost-, pardon: verbiegen muß. Was ihre Chancen bei der darauffolgenden Wahl erhöhen dürfte.

P.S.: Ihre Beschreibung der Hamburger CDU trifft übrigens auch auf die Berliner zu, mit dem Unterschied, daß es bei dieser länger her ist, daß sie einen präsentablen Spitzenkandidaten hatte. Wer Frank Henkel als Regierenden Bürgermeister anbietet zeigt, daß er die Wahlen nicht ernst nimmt.

7) Politikverdruss, Sonntag, 28. November 2010, 19:11 Uhr

Tief hinein gebrannt in die Herzen der Hamburger hat sich das von Frau Goetsch heraufbeschworene Bildungschaos an den Schulen. Das ist nicht vergessen und wird auch beim nächsten Urnengang nicht vergessen sein. Wenn es um die eigenen Kinder und das eigene Portemonnaie geht, das vergessen die Grünen, lassen auch Bürger, die ansonsten gegenüber Experimenten aufgeschlossen sind, nicht mit sich spaßen. Und auf beiden Feldern haben die Grünen die „Masken“ fallen gelassen. Zuletzt auf dem Bundesparteitag. Also, mal sehen, ob der Schuss nicht nach hinten los geht.

8) mambo, Sonntag, 28. November 2010, 20:22 Uhr

na prima,endlich kommt wieder Bewegung in den Laden,
die SPD wird der lachende Dritte sein.
Ich habe schon befürchtet ,Mutti könne sich weiter durchwursteln,
noch 3 weitere Jahre mit ihr und guido , das wäre ja furchtbar.
Bei Wikileaks gibt sehr viele “Komplimente” für die beiden.
Schon gewußt ? Merkel und Westerwelle treten gern und oft
als Festredner bei der DVAG auf ,kein Wunder ,
daß die Spenden von da nur so fliessen.

9) bosch, Montag, 29. November 2010, 02:39 Uhr

Wie kann jemand Insolvenzberater werden, der die Pleite verursacht hat?

10) M.M., Montag, 29. November 2010, 02:41 Uhr

Eine Partei wie die CDU, die Für Berechenbarkeit (Versprochen-Gehalten) stehen will, geht mit den Grünen zusammen. Was ist grotesk?

11) Frank Reichelt, Montag, 29. November 2010, 08:17 Uhr

Kleine Korrektur: Hamburg sollte natürlich im Bundesland Schleswig-Holstein aufgehen, das wiederum mit Mecklenburg-Vorpommern zu einem wie auch immer genannten Nordstaat fusionieren sollte.
(8-Lander-Modell nach Rutz)

12) Chat Atkins, Montag, 29. November 2010, 09:31 Uhr

Dieser Spitzenkandidat Ahlhaus ist doch geradezu die Re-Inkarnation jener desolaten CDU vor der van-Beust-Ära. Dass die Elbchaussee-Anrainer, trotz ihrer feuchten Träume von Philharmonien an jeder Straßenecke und von einer dauerhaften kulturellen Hehemonie in Hamburg, dennoch nicht einen vorzeigbaren Kandidaten für ihre ureigenste Partei fanden, einer, der vielleicht mal einen Hauch von vorzeigbarem Charisma besäße, spricht für die politisch-kulturelle Impotenz des heutigen Hanseatentums, das längst die ‘Pflicht’ zu den lebensfernsten Vokabeln zählt.

13) Dierk, Montag, 29. November 2010, 09:58 Uhr

Sieh an, die enttäuschten CDU’ler aus der Anti-Bildungs-Liga ‘Spiel nicht mit den Schmuddelkindern’ sind die ersten, die sich hier am Thema vorbei auskotzen.

Zum Glück ist Hamburg insgesamt eher klassisch [sozial]-liberal gebrägt, was es vor allem der FDP hier immer schwer gemacht hat. Ole von Beust und “seine” CDU wurden akzeptiert, weil sie sich gar nicht so sehr von der Hamburger SPD unterschied. Und die Hamburger SPD brachte selten echte Linksausleger hervor, wer Klose oder jetzt Scholz für teuflischen Sozialismus hält, hat ein Problem, das am besten von einem Arzt behandelt werden sollte.

Wieso ausgerechnet CDU-Anhänger auf den Grünen in Lachstadt rumhacken, erschließt sich mir auch nicht, haben die Grünen doch so gut wie überhaupt keine Spuren in der Regierung hinterlassen. Vermutlich stören sich hier nur einige Kasper daran, dass wir immer noch nicht wieder einen Kaiser haben. Nun ja, wen interessiert’s.

Inwieweit die diversen taktischen Überlegungen irgendwelcher Parteistrategen aufgehen, überlasse ich der Geschichte. Keiner von uns kann voraussagen, was bis Februar passiert und den Wahlausgang beeinflussen kann. Möglicherweise drehen die Lachstädter Grünen ihren nicht sehr überzeugenden Auftritt als Juniorpartner der CDU zu ihren Gunsten, vor allem, da die SPD auch nichts zu bieten hat. Ein Tipp: die längst ausgeuferten Kosten für die völlig überflüssige Elbphilharmonie. Ein Denkmalprojekt eines Mannes, der sich verkrümelt, bevor es ihm um die Ohren fliegen kann. So sehen Helden aus.

14) Maren P., Montag, 29. November 2010, 11:47 Uhr

Die Grünen haben rund 100 Tage zu spät die Reißleine gezogen, um dafür noch eine plausible Begründung abgeben zu können. Das werden sie im Wahlergebnis spüren – der bundesweite Trend wird sich in Hamburg nicht ganz so positiv auswirken.

Dierks Analyse der SPD und der CDU trifft es meiner Meinung nach sehr genau, was als eine Option auch die große Koalition in Hamburg wieder gesellschaftsfähig machen könnte. Allerdings wäre das die garantierte Fortsetzung einer extrem verfilzten, verschuldeten, besserwisserischen, überbordenden Bürokratie in Hamburg, die ausgerechnet Driftmanns feuchte Träume eines Nordstaates in weite Ferne rücken lässt. Gut so!

15) Don Corleone, Montag, 29. November 2010, 14:58 Uhr

Großartige Diagnose, Herr Spreng!
So ist Hamburg, wo sogar manche der betuchtesten Pfeffersäcke habituell rot wählen, halt gebraten und gebacken. Grün, weil im Kern noch röter als die SPD, wenn auch unausgesprochen, ist dabei ein relativ neuer Pinselstrich im hanseatischen Farbspektrum.

Die Frage ist nur, wie überzeugend der (politisch, optisch und medial) ziemlich abgenutzte Olaf Scholz sich als Wiedergänger angeblich glorreicher SPD-Epochen präsentieren kann. Mir, nahe an HH wohnend, mag er etwas dröge und müde erscheinen — aber das tat Ole von Beust ja auch die meiste Zeit. Und Dutzende von Spin Doctors stehen willfährig bereit, die leichtverdiente Kohle abzugreifen, die heutige Parteien für vermeintliche Geistesblitze auszugeben bereit sind, welche die Amis als “sweet nothings” bezeichnen.

Dennoch tät’ ich die Hamburger CDU nicht ganz abschreiben; ihr fehlt nur die Asche, welcher der Vogel Phoenix (jetzt: Continental AG*) neugeboren entfleucht. Dazu muss aber ein Brandstifter her, der den Scheiterhaufen unter den eitel Gescheiterten entzündet. Aber wer weiß? Vielleicht scharrt schon ein neuer Störtebeker mit den Füßen und schwingt den schwarzen Enterhaken.

Herzliche Grüße!

P.S.: Der Phoenix-Schlenker bot sich an. Für Nicht-Hamburger: Die Phoenix Gummiwerke Hamburg-Harburg AG wurde vor ein paar Jahren von der Continental AG für’n Appel und’n Ei übernommen und erfolgreich saniert.

16) Chat Atkins, Montag, 29. November 2010, 17:39 Uhr

@ Maren P.: Für die Grünen bestand der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte, darin, nach allem, was man so hört, dass die CDU sich weigerte, den Derivate-Rocker Nonnenmacher endlich in die Umlaufbahn zu schießen.

17) Jokus, Montag, 29. November 2010, 18:52 Uhr

Seltsam, wie schnell Ole v. Beust abgeschrieben wird, dieser v. Beust, der das politische Kunststück fertig brachte, erst sogar mit den Rechts-Außen und dann schließlich mit den Grünen zu koalieren. Ein Mann, der im traditionell “roten”, jedenfalls hanseatischen SPD-Roten zweimal Wahlen gewann. Dessen Erbe erst zerbrach, als er von Bord ging. Ihm trotz dieser Sachlage die Schuld am Koalitions-Bruch zu geben, zeugt schon von viel Fantasie.

18) marcpool, Mittwoch, 01. Dezember 2010, 11:41 Uhr

was bleibt der Hamburger CDU – nach dem Spruch Hummel Hummel ? Wohl nur – mors mors !!!

Wie ist Ihre Meinung?

Kommentar schreiben


Ihr Kommentar *


* Pflichtfelder


apparent media - iPhone Apps aus Berlin