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Oles Erbe

Die Hamburger CDU war immer ein trostloser Verein. Jahrzehntelang ohne eine Chance, an die Regierung zu kommen, dominiert von drittklassigen Hinterzimmer-Strategen. So war es 2001 ein Wunder, dass die CDU überhaupt an die Macht kam. Zu verdanken hatte sie dies dem unseligen Populisten Ronald Schill und einer liberalismusvergessenen FDP, die Ole von Beust zum Bürgermeister machten.

Seine Wiederwahl 2004 und die absolute Mehrheit hatte von Beust wiederum Schill zu verdanken, der dem schwachen Bürgermeister mit seinen Erpressungsversuchen die Chance gab, sich zum mutigen Volkshelden zu stilisieren. Als dann in der strukturell nach wie vor eher sozialdemokratischen Stadt von Beusts Glanz verblasste, hielten ihn nach der Wahl 2008 die Grünen an der Macht. Und das ging ganz gut, weil sich von Beusts lockere-freundliche Art, gepaart mit Faulheit und ziemlichem Desinteresse an dem Amt, als ein Spezialform des hanseatischen Liberalismus verkaufen ließen.

Als von Beust vor drei Monaten zurücktrat, war Schwarz-Grün schon so gut wie am Ende. Die Grünen, müde von substanzzehrenden Kompromissen, die CDU wieder da, wo sie vor von Beust und Schill gestanden hatte. Dass die Koalition jetzt platzt, ist deshalb kaum noch eine große Überraschung. Die vielen gegangenen und zurückgetretetenen Senatoren gehören genauso zu Ole von Beusts Erbe wie der stetige Niedergang der CDU.

Die CDU in Hamburg ist personell ausgezehrt, inhaltlich verschwunden, nur noch ein Schatten ihrer kurzen glanzvollen Zeit. Die Grünen sind deshalb nur konsequent, wenn sie Neuwahlen verlangen. Allerdings haben sie sich aus einer Position der Schwäche für den Befreiungsschlag entschieden. Der bundesweite Höhenflug der Grünen hat schon seit Monaten ohne die Hamburger Grünen stattgefunden.

Mit dieser schwarz-grünen Koalition war kein Staat, auch kein Stadtstaat mehr zu machen. Die Neuwahlen hätten schon nach von Beusts Rückzug ins Sylter Privatleben stattfinden müssen. Er ist jetzt Berater bei Roland Berger. Mit seinen Erfahrungen kann er sich auf Insolvenzberatung konzentrieren.