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Sturm im Wasserglas

Die Wikileaks-Veröffentlichungen mögen international ärgerlich und hie und da auch schädlich sein, für Deutschland sind sie völlig bedeutungslos. Das Ganze  ist eine vom „Spiegel“ und anderen Medien inszenierte Scheinaufregung. Der Einsatz von 50 Leuten über Monate muss sich ja irgendwie lohnen. Verraten wurde durch die Veröffentlichung der Berichte der US-Botschaft in Berlin nichts, schon gar nichts sicherheitsrelevantes. Die Einschätzungen, die US-Diplomaten über das deutsche politische Personal niederschrieben, beweisen nur dreierlei:

1. US-Diplomaten können deutsche Zeitungen lesen.

2. US-Diplomaten lesen die richtigen deutschen Zeitungen.

3. US-Diplomaten sind in der Lage, die Meinung der überwiegenden Zahl deutscher Journalisten korrekt an ihre Zentrale zu übermitteln.

Alle Charakterisierungen in den Berichten entsprechen der kritischen, journalistischen Wahrheit. Natürlich ist Guido Westerwelle eine „überschäumende Persönlichkeit“. Das konnte jeder Fernsehzuschauer nach der Wahl beobachten. Und Westerwelle ist „aggressiv“  (siehe „spätrömische Dekadenz“). Natürlich „meidet Angela Merkel das Risiko und ist nicht kreativ“ und Kritik perlt an ihr wie an „Teflon“ ab. Das würde jeder zweite CDU-Funktionär so formulieren. Und natürlich hat sie noch kein unverkrampftes Verhältnis zu Barack Obama und zur Washingtoner Administration gefunden.

Und natürlich ist die Politik von Horst Seehofer „unberechenbar“. Das würde selbst Merkel so formulieren. Sie spricht aber lieber von „unguided missile“. Und natürlich war Dirk Niebel als Entwicklungsminister eine „schräge Wahl“. Er hat immerhin ein Ministerium besetzt, das er selbst abschaffen wollte. Diese Charakterisierungen sind alle harmlos und nicht neu. Da ist in deutschen Zeitungen (und Blogs) schon wesentlich Härteres formuliert worden.

Das Ganze ist, zumindest was Deutschland betrifft, ein Sturm im Wasserglas.