Montag, 06. Dezember 2010, 13:02 Uhr

Der Nettplauderer

Günther Jauch ist sicher ein politischer Mensch. Und er hat Politik studiert und auch praktisch gelernt – als junger Korrespondent des Bayrischen Rundfunks in Bonn. Aber das ist lange her. Dazwischen liegen gefühlt tausende netter, aber belangloser TV-Shows –  von „Na sowas!“, „Wer wird Millionär?“, „Stern-TV“, „Fünf gegen Jauch“, bis zu den RTL-Jahresrückblicken.

Auf diesem langen Weg durchs Showgeschäft (und durch die Sportmoderationen, die aber nur noch am Rande etwas mit Journalismus zu tun haben) muss Jauch sein politischer Durchblick und sein journalistischer Ehrgeiz abhanden gekommen sein. Anders sind seine Interviews mit Guido Westerwelle und Thilo Sarazzin im RTL-Jahresrückblick nicht zu erklären. Lustlos, uninspiriert, ohne jeden journalistischen Nachfrageimpuls und investigativen Eifer las er seine Fragen ab. Jauch blieb auch bei den Politik-Interviews der Nettplauderer, wie man ihn aus seinen Showformaten schätzt.

Eine Empfehlung für die Rückkehr zum politischen Journalismus war das nicht. Derselbe Jauch aber soll ab Herbst 2011 die neue Talk-Speerspitze der ARD werden. Und da sind all die Qualitäten gefragt, die in seinem langen Showleben offenbar auf der Strecke geblieben sind. Die neue Politehe zwischen der ARD und Jauch scheint ein großes Missverständnis zu sein.

Da heiraten zwei, die vor Jahren gut zusammengepasst hätten, die sich aber heute gar nicht mehr richtig kennen. Eine Ehe weit hinter dem Zenit einer möglichen, glücklichen Verbindung, beseelt von den großen Gefühlen der Vergangenheit. Da wächst offenbar etwas zusammen, was nicht mehr zusammengehört.

Solche Liebesirrtümer kann es geben, aber sind sie es wert, dafür die gesamte ARD-Programmstruktur umzuschmeißen und eine erfolgreiche journalistische Talkgastgeberin wie Anne Will zu opfern und auf den späten Mittwochabend zu verbannen? Oder hat die ARD alle an der Nase herumgeführt und will Anne Wills kritisch-journalistisches Format heimlich durch eine nette Sonntagabendplauderei ersetzen?

Sollte Jauch aber tatsächlich den Auftrag haben, eine kritische Talkshow zu moderieren, dann sollte er seine Showformate sein lassen und bis zum Herbst 2011 noch einmal auf die politisch-journalistische Schulbank zurückkehren. Sonst wird das nix.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

44 Kommentare

1) Hans Hütt, Montag, 06. Dezember 2010, 13:11 Uhr

Der Fall ist klar. Herr Spreng, da müssen Sie ran. Jauch braucht ein Resensibilisierungstraining inklusive fixer Beißreflexe. Viel Erfolg!

2) Gunnar, Montag, 06. Dezember 2010, 13:13 Uhr

Schön gesagt.

Habe gestern auch kurz vor dem Sarrazin-Interview mal reingeschaltet. Die Art zu Fragen macht einen als Zuschauer tatsächlich leicht aggressiv. Sarrazin konnte seine schon tausend Mal wiederholten Phrasen verbreiten, aber kritische Nachfragen von Jauch? Fehlanzeige!

Der beste Moderator ist tatsächlich derjenige, der jene Fragen stellt, die auch dem Zuschauer zu Hause auf der Couch unter den Nägeln brennen. Gegen Anne Will ist Jauch bestenfalls auf Praktikenten-Niveau.

3) irreversibel, Montag, 06. Dezember 2010, 13:17 Uhr

„Anne Wills kritisch-journalistisches Format“

Offenbar gibt es mindestens zwei Formate von Wills Sendung denn die mir bekannte ist nicht mal ansatzweise kritisch. Dass Jauch das journalistische Niveau wohl noch weiter absenken wird ist sicher richtig, allerdings kein Grund die Gegenwart zu verklären. Weder im ZDF noch in der ARD gibt es auch nur halbwegs seriöse politische Talkshows – dazu muss man schon phoenix anschalten und auch dort muss man Glück haben.

4) Pseu, Montag, 06. Dezember 2010, 13:20 Uhr

bzgl Jauch kann ich nur zustimmen und bin gespannt wie sich die Show mit ihm in der ARD entwickelt. Allerdings kann doch niemand ernsthaft diese Talkshow mit Anne Will vermissen!

5) eggbert, Montag, 06. Dezember 2010, 13:29 Uhr

Das sehe ich nicht ganz so kritisch, Herr Spreng. Günther Jauch hat seinen Adressatenbezug klar im Auge: RTL-Jahresrückblick, das ist Wohlfühlfernsehn, kein Journalismus.

Was mich viel mehr überrascht: Dass Sie als bekennder Stratege hier völlig außer Acht lassen, dass Jauch sich selbst keinen Gefallen tun würde, wenn er jetzt in seinen letzten Wochen RTL schon den Plasberg gibt. Der neue Jauch, der kommt erst in der ARD, und der alte Jauch, der nudelt sein Restprogramm halt runter.

6) wschira, Montag, 06. Dezember 2010, 13:30 Uhr

Sehr geehrter Herr Spreng,
ich kann mich in bezug auf Herrn Jauch ihrer Kritik nur anschliessen, ich würde sogar soweit gehen, Herrn Jauch einen Dampfplauderer ohne jeglichen journalistischen Biss zu nennen. Im Übrigen schliesse ich mich dem Kommentar von @irreversibel an, wir müssen verschiedene Ausgaben von Anne Will sehen (wird in Berlin etwas Anderes gesendet? :-)). Die Sendung von AW ist weder in Bezug auf die Talkgäste, noch in der Vorbereitung, noch in der Gesprächsführung eine Offenbarung, sondern eine öde, neoliberal verbrämte Propagandaschau.

7) morph, Montag, 06. Dezember 2010, 13:34 Uhr

@ irreversibel: die ARD hat (wenn nicht gerade Wintersport läuft) den Presseclub, wo (meistens) fundiert diskutiert wird und Themen tatsächlich diskutiert werden (Bsp. die gelungene Sendung zur „Gesundheitsreform“)

Aber warum Anne Will momentan so zahlreich gelobt wird bleibt mir ein Rätsel, da stimme ich Ihnen zu. Vielleicht ist es ähnlich wie bei Harald Schmidt – immer wenn er kurz davor ist für längere Zeit zu verschwinden ist er plötzlich „scharfsinniger Analytiker der Bundesrepublik“, wenn er dann auf Sendung geht ist er „bräsig“ (ein Wort, das ich fast nur im Zusammenhang mit ihm gelesen habe). Auch der Abgang von U. Wickert war ein Nationalereignis… Im Nachhinein: Warum eigentlich?

Jetzt also Jauch in der ARD, der Quiz-Master stellt Fragen, auf die es nicht immer eine richtige Antort gibt und auch der Telefonjoker war schon mal nützlicher. Auf SPON ist er für seinen Umgang mit „Steffi“ zu Guttenberg gelobt worden, auch hier fragt man sich: Warum eigentlich? Wann hat Jauch denn sein letztes kritisches, gehaltvolles Interview geführt? Jetzt rettet er den Polit-Talk der ARD. Das einzig interessante daran ist die „Störung des Hausfriedens“ innerhalb der ARD, dessen Resultat hoffentlich zu ungunsten des pseudo-harten Plasbergs ausfallen wird.

8) Bruddler, Montag, 06. Dezember 2010, 13:41 Uhr

In Bezug auf Jauch wird man abwarten müssen – schlechter als Anne Will kann man keine Talkshow machen.

Kaum zu glauben – Anne Will schafft es jeden Sonntag eine noch schlechtere Sendung als zuvor abzuliefern: Aufhören, sofort!!!

9) m.spreng, Montag, 06. Dezember 2010, 13:41 Uhr

@eggbert

Wenn ich Wohlfühlfernsehen machen will, dann darf ich nicht die zwei umstrittensten Politiker des Jahres einladen. Außerdem: der „neue“ und der „alte“ Jauch werden ab Herbst 2011 nebeneinander her laufen. „Millionär“ bei RTL und Talk bei der ARD. Das verlangt echte TV-Schizophrenie.

10) Steve Gates, Montag, 06. Dezember 2010, 13:47 Uhr

Die ARD-Chefs sollten Herrn Jauch dazu verpflichten, täglich „Hardtalk“ auf BBC World News zu sehen und davon zu lernen. In der Sendung bekommt jeder Gast ohne Rücksicht auf Amt und Person unbequeme Fragen bis zum Ende gestellt, selbst der Dalai Lama oder der Papst würden in dieser Sendung „gegrillt“ werden.

11) Andreas, Montag, 06. Dezember 2010, 14:30 Uhr

„…sollte er seine Showformate sein lassen “ – und damit auf hunderttausende von Euro verzichten? Das macht er nie im Leben.

12) Nobbi, Montag, 06. Dezember 2010, 14:37 Uhr

Das hier ist auch zum Haare raufen:

„ARD-Chefredakteure appellieren an Sandra Maischberger und Reinhold Beckmann, sich im neuen Programmschema aus aktuellen politischen Themen herauszuhalten – denn es wird schon schwierig genug, Themen und Gäste zwischen Günther Jauch, Frank Plasberg und Anne Will aufzuteilen.“

Quelle: http://www.turi2.de/2010/12/06/heute2-burda-spiegel-dumont-10123058/ Turi zitiert den Spiegel.

Grundsätzlich, es gibt zu viele Talkshows! Das ist ärgerliches Billigfernsehen und allgemein eine Zumutung. Ich würde Jauch, Beckmann und Lanz ganz abschaffen und dafür der Maischberger bei politischen Themen freie Hand bei der Auswahl der Gäste lassen, denn die hat dafür ein sehr gutes Händchen. Immer wieder kommt es dort zu spannenden, lebhaften und vor allem ausgewogenen Diskussion mit echtem Erkenntniswert.

Anne Will ist im Prinzip auch sehr gut. Allerdings ist die Auswahl ihrer Gäste häufig katastrophal. Immer diese übliche Lobbyisten-Mischpoke der übelsten Sorte, die sich dort tummelt. Aber das war bei Christiansen auch nicht anders. Ist wahrscheinlich das Schicksaal der Sonntag-Abend-Talkshow.

Bei Anne Will hat man immer das Gefühl, dass sie eine Sendung so macht, wie sie es für richtig hält und diese Sendungen werden dann gut. Aber da diese Sendungen dann zu „Links“ für ihre Chefs aussehen, macht sie wieder zwei neoliberale Sendungen (vor allem durch die Gästeauswahl), und die werden dann schrecklich.

Aber der Jauch, der geht gar nicht. Das wird ein Reinfall. Der wird seinen persönlichen Beliebtheitsindex ganz schnell ruinieren.

Zieht für diese teure Fehlentscheidung dem verantwortlichen Boudgoust die Ohren lang. Für ehemalige CDU Pressesprecher sollte der Posten des ARD Vorsitzenden oder sonstige Intendanten-Jobs tabu sein, vor allem, wenn sie bisher nie als Journalist gearbeitet haben. Für solche Jobs braucht’s heute wohl nur noch die richtige politische Färbung. Als Gebührenzahler will ich dort echte Journalisten mit ehrlichem journalistischem Ethos wie den Pleitgen. Es wird Zeit, dass man diesen Boudgoust mal ziemlich hart angeht, gerne mit dem Ziel, sie zu ersetzen.

13) JMK, Montag, 06. Dezember 2010, 15:06 Uhr

Jauch passt doch wunderbar ins Konzept. Der oben genannte Presseclub und die Phoenix Runde sind doch die einzigen journalistischen Talk-Formate die in der ARD (Phoenix) laufen.
Soviel guten Willen kann man doch nicht aufbringen, Plasberg, Will oder auch Maischberger als seriösen (den Begriff wähle ich bewusst) zu bezeichnen.
Davon mal abgesehen scheinen die Redaktionen so kreartiv zu sein, dass immer dieselben Gäste eingeladen werden. Kann ein Zuschauer wirklich noch Hans Olaf Henkel oder Scholl-Latour oder Blüm schmerzfrei ertragen?

14) Axel Adler-Deinzer, Montag, 06. Dezember 2010, 15:36 Uhr

Warum darf man nicht die beiden umstrittensten Politiker einladen, wenn man „Wohlfühlfernsehen“ machen will, Herr Spreng? Ich bin begeisterter Leser Ihres Blogs, hier verstehe ich Sie nicht.

Natürlich muss Jauch am Samstagabend auf RTL im Seichten bleiben. Wie hätten die durchschnittlich 3,1 Millionen Werberelevanten denn reagiert, wenn Jauch auf einmal mit Sarrazin über Migrationssalden diskutiert hätte?

Die beiden „umstrittensten Politiker des Jahres“ waren zentrale Figuren des Jahres, auf das zurückgeblickt wird. Es ist das Konzept dieser Art von Show, dass 1000fach gesagte abermals zu wiederholen. Dann kommt das Christkind und dann geht der Zirkus von vorne los.

15) marcpool, Montag, 06. Dezember 2010, 17:06 Uhr

Aber @ eggbert hat doch Recht . Es war diese belangslose Jahresrückblickshow … für jeden Gast gibt es 2. 30 Minuten – was soll man da schon fragen – gar hinterfragen ? Unser Outside Minister sass ja auch wie auf “ verbrannten Kohlen “ – und leierte das “ Leaks“-No-Problem Thema runter – nur das es in der ganzen FDP zunehmend umstritten ist – wie Guido führt ! ?
Jauch wird in der ARD hoffentlich wieder umfangreich neu motiviert – das es sich lohnt die Zeit zu investieren.

16) Dr. Sciuk, Montag, 06. Dezember 2010, 17:28 Uhr

Abwarten. Jauch ist nicht dumm. Andersrum gedacht, warum kommt Anne Will „weg“? Vielleicht steckt hinter dem Sympathisanten-Abendtalk ja die ARD, die mehr an Quoten aufgrund Jauchs Präsentation interessiert ist. Jauch kann auch anders – Ich halte ihn für intelligent und auch stachelig genug.

17) Maschinist, Montag, 06. Dezember 2010, 17:33 Uhr

Der Herr Hahne darf am Sonntagmittag im ZDF den Jubelperser geben. Da ist es nach ÖR-Logik notwendig ein Gegenstück in Petto zu haben, am besten mit besserer Quote.
Insofern passt das schon mit dem netten Herrn Jauch.

18) nona, Montag, 06. Dezember 2010, 17:34 Uhr

Bei „Anne Wills kritisch-journalistischem Format“ musste ich auch unwillkürlich lachen. Wir haben vermutlich unterschiedliche Vorstellungen von kritischem Journalismus. Pardon, aber sich regelmässig in eine Runde von medienerfahrenen Berufspolemikern zu setzen und ohne Hoffnung auf echte Diskussion oder auch nur Ansätze von Problemlösung ein ernstes Gesicht aufzusetzen während die Runde Selbstdarstellung und Öffentlichkeitslobbyismus betreibt gehört für mich jedenfalls nicht dazu. Es gibt kein wirkliches kritisches oder/und journalistisches Format unter der Schwemme der sich selbst viel zu wichtig nehmenden Plauderrunden im deutschen Fernsehen.

19) nurmalso, Montag, 06. Dezember 2010, 17:35 Uhr

>> Jauch blieb auch bei den Politik-Interviews der Nettplauderer, wie man ihn aus seinen Showformaten schätzt.

äh, war das jemals anders?

>> eine erfolgreiche journalistische Talkgastgeberin wie Anne Will

und an welcher stelle habe ich hier den satire-tag übersehen ?

und im übrigen bin ich mir sicher, dass gar nicht der echte jauch zur ard geht. der bleibt schön beim kuscheligen rtl. bei der ard wird stattdessen michael kessler auflaufen … den unterschied bemerkt sowieso keiner.

20) mambo, Montag, 06. Dezember 2010, 19:09 Uhr

Wir haben bereits viel zuviel Politik -Talkshows ,mit immer den gleichen Gästen ,
Henkel ,Baring etc.,dem entsprechend seicht und ergebnislos verlaufen diese Shows.
Das einfache Volk bleibt von der Diskussion ausgeschlossen.
Dabei wäre gerade das vielleicht die belebende Idee !
gesunder Menschenverstand ist oft mehr wert ,
als das ganze “ Expertenwissen“.
Für die Talkmaster ist das ganze natürlich ein Bombengeschäft.
Herrn Jauch noch dazu ? Warum nicht Boris Becker oder Dieter Bohlen!

21) Thomas Essing, Montag, 06. Dezember 2010, 19:39 Uhr

Die ARD übertreibt eindeutig mit ihren Talkshows. Aber vielleicht hat es auch ein Gutes. Das Format sendet sich tod und der Zuschauer wird von diesem unreflektierten PR-Nonsens befreit. Jedem sollte klar sein das man eine Talkshow nicht allzu aufklärerisch betreiben kann. Wenn man zu sehr nach wahren Gründen für einen Sachverhalt fragt gibt es eh nur Wischiwaschiantworten. Ein Talkshowgastgeber kann dann davon ausgehen das beim nächstenmal die Gäste ausgehen. Vielleicht sollte man politische Aufklärung nicht mit Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft betreiben. Die C-Riege ist manchmal interessanter.

22) genova, Montag, 06. Dezember 2010, 23:39 Uhr

Inwieweit Will kritisch ist, wüsste ich auch gerne.

Jauchs Trumpf ist nach wie vor, dass er einerseits als der klügste Deutsche gilt und andererseits immer noch diesen Billigblick draufhat: Dem glaubt man einfach alles. So kann er seine reaktionären Ansichten ganz gut verkaufen.

23) Christian S., Dienstag, 07. Dezember 2010, 01:02 Uhr

„Oder hat die ARD alle an der Nase herumgeführt und will Anne Wills kritisch-journalistisches Format heimlich durch eine nette Sonntagabendplauderei ersetzen?“

Ein guter Witz, wirklich. Christiansen war schon schlecht, und ich dachte: schlechter geht es nicht. Die Will hat das nochmal unterboten.

Wenn Jauch es schaffen sollte, das auch noch zu unterbieten – also dann ist Deutschland echt am Ende.

24) JG, Dienstag, 07. Dezember 2010, 08:25 Uhr

@ Steve Gates

Nein, nein, niemals „Hardtalk“ gucken! Sonst wird man als Insasse der Bundesrepublik sehr unangenehm daran erinnert, wie kritischer Journalismus und fundierte Interviews aussehen, bei denen es nicht hauptsächlich darum geht, den Gästen ausgiebig Gelegenheit zur Selbstdarstellung zu bieten und zwischendurch so „Journalistin“ zu spielen, wie man es mutmaßlich schon mit seiner Reporter-Barbie geübt hatte.

In Deutschland gilt offenbar: Wenn wir mal ernsthafte Fragen stellen, die jemanden in Bedrängnis bringen, kommt der nicht wieder. Und das wäre ja ein enormer Verlust, wenn nicht die immergleichen Politiker, Lobbyisten und „Experten“, von denen man oft schon fürchtet, sie würden in den Studios wohnen, sich vor der Kamera verbreiten dürften. (Ein ähnliches Phänomen findet man in jener anderen Sorte von Talkshows, in denen B-, C- und D-Prominente jeweils zehn bis zwölf Minuten lang ihre neue Platte, ihr neues Buch, ihren neuen Film, ihre neue Sendung, ihre aktuelle Tournee bewerben – kann sich noch jemand daran erinnern, daß „III nach 9“ mal eine kritische Sendung war, in der es oft hoch her ging?)

Allerdings muß ich zugeben, daß ich ganz aktuell gar nicht mehr mitreden kann, denn ich verschwende meine Lebenszeit schon seit einigen Monaten nicht mehr auf den Konsum des ganzen Gesabbels.

@ nona

Besser kann man die Ödnis, welche sich in der ARD sonntags zwischen 21.45 und 22.45 Uhr ausbreitet, nicht beschreiben.

25) Thomas B., Dienstag, 07. Dezember 2010, 08:44 Uhr

Will als kritisch zu bezeichnen. Sie sagt zwar das die Frage nicht beantwortet wurde aber das wars dann auch. Außerdem kann ich dem neuen Style der Talkshows nichts anfangen. Diese „Einbindung“ von Experten oder „Betroffenen“ die nicht in der Runde sitzen stören den Diskussionsfluss. Aber das machen ja inzwischen fast alle. Nicht nur Frau Will. Bei der Meischberger unterbleibt das ganze und ich halte es deshalb für das bessere Format.

Nun kurz zu Jauch. Er hat für RTL eine Zielgruppenafine Sendung gemacht. Für mich steht es außer Frage, dass er in der Lage ist für die ARD dann anspruchsvolleres Fernsehen zu machen. Als Beweis verweise ich auf die Auftritte von Herrn Jauch im Presseclub oder im Stammtisch von BR3. Daher kann ich diese Pauschalverurteilung von Herrn Spreng nicht nachvollziehen. Auch die Motivation für den Artikel ist zweifelhaft. An Herrn Sarazzin haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen. Das liegt an der spröden Art von Sarazzin.

Zusammenfassend wird dem RTL-Jahresrückblick damit mehr Aufmerksam zu teil als er verdient.

-Snake-

26) Maren P., Dienstag, 07. Dezember 2010, 08:59 Uhr

Na klar, Sie haben mal wieder Recht, Herr Spreng! Günther Jauch als Talker in der ARD ist eine glatte Fehlbesetzung – wenn man eine spannende, kontroverse Debatte über ein aktuelles politisches Thema erhofft! Tatsächlich passt er jedoch prima ins seichte ARD-Programm. Ich habe ihn zweimal im Presseclub erlebt. Dort entsprach er offenbar den Vorstellungen der ARD-Verantwortlichen, vorneweg Volker Herres? Deshalb schaue ich keinen Presseclub mehr, der von Volker Herres geführt wird – der liebt die Kontroverse nicht!
Er steht ja jetzt unter Legitimationszwang für diesen irrsinnig teuren Einkauf. Und so positioniert er seine Talker zwischen die ständigen Sportveranstaltungen und die Jahreszeiten der Volksmusik. Talkshows sind spannend und „unverzichtbar“, solange sie in den Dritten Programmen laufen. Wer schaut schon noch ARD und ZDF, wenn er politische Debatten sehen will? Statt Anne Will empfehle ich den Sonntagabend-Krimi um 22.00 Uhr im ZDF! Da geht’s wirklich spannend zu! 😉
Ich sehe Phoenix, 3sat und arte. Das Lobbyistengschwerl hält sich dort (noch) in Grenzen und aus der Vielzahl der Informationen kann ich mir meine Meinung bilden. Neben Internet, Zeitungen und Zeitschriften. Deshalb ärgert mich Jauch nur unter dem Gesichtspunkt der verschwenderischen Gebührenvernichtung durch die ARD!
Eines wüsste ich doch noch gern: Wie ist eigentlich die Fama entstanden, Günther Jauch sei „klug“? Er hat eine gute Allgemeinbildung – die ist jedoch in der Generation der 50 bis 70jährigen weit verbreitet, weil seinerzeit Schulstandard. 🙂

27) Martin, Dienstag, 07. Dezember 2010, 11:36 Uhr

„Und er hat Politik studiert“

Ja, hat er. Allerdings nicht abgeschlossen, ebenso wie das zuvor begonnene Jurastudium.

28) TottiRobotti, Dienstag, 07. Dezember 2010, 12:37 Uhr

es gibt derzeit nur noch einen kritischen talkshowjournalisten: plasberg. aber selbst der hat nachgelassen

29) Optional, Dienstag, 07. Dezember 2010, 14:21 Uhr

Zunächste einmal vermisse ich auch die von anderen Kommentartorinnen angemahnte ‚kritische‘ Will Sendung…

Desweiteren: Nachdem auch aus anderen Kritiken zum RTL Jahresrückblick herauszulesen war, Herr Jauch hätte das Ganze lustlos und ausschließlich von Karten abgelesen moderiert, wundert mich die Qualität des Interviews nicht direkt. Vielleicht hat Herr Jauch insgesamt einen schlechten Tag gehabt oder sich mit dem Redaktionsleiter oder höheren Etagen beim Bertelsmann-gesteuerten Fernsehen gestritten, man wird es nie erfahren.

Ich setze schon ein bisschen Hoffnung auf Herrn Jauch, nicht weil er ein so überragendes Moderationstalent wäre, sondern weil er qua Namen eine Redaktion zusammensuchen kann, die weitaus höheres Qualitätsbewusstsein an den Tag legen kann, als die zZ für Will/Plasberg tätigen, die einfach die Politiker einladen, deren Büro am öftesten beim NDR/WDR angerufen haben.

30) Orlando, Dienstag, 07. Dezember 2010, 14:34 Uhr

Wenn man sich das geradezu schwindelerregende Niveau der poltischen Talkshows im deutschen Fernsehen ansieht, dann darf Günter Jauch da auf keinem Fall ran! Der Gefälle wäre einfach viel zu groß! Was die Wills, Illgners, Plasbergs oder Beckmanns bieten, ist einfach kritischer Qualitäts-Journalismus vom aller Feinsten! Politiker wird auf dem Zahn gefühlt, dass es nur so eine Art hat. Die Runden sind sehr ausgewogen besetzt (so, dass es keinem der Akteure wirklich weh tut), auch unabhängige Expertenmeinungen (vor allem von der Initiative neue soziale Markwirtschaft) werden gehört und unters Volk gebracht. Ein feine Sache und ein schönes Forum für Politiker, ihre Sprechblasen zu entleeren. Und jetzt soll Günter Jauch kommen! Ein windelweicher Wohlfühljournalist! Ja, das gab es ja noch nie! Am Ende wird Herr Jauch nicht kritisch nachfragen! Nein, Jauch muss auf die Schule! Vielleicht kann er ja von Frau Christiansen was lernen? Das was bissig, das war kompetent, das war kontrovers und unabhängig! So was brauchen wir wieder! Oder hab ich die Christiansen jetzt mit Friedmann verwechselt? Egal! Jauch muss verhindert werden um jeden Preis! Ein seichter Polittalk am Sonntag Abend, das darf es nicht geben! Einfach undenkbar!

31) irreversibel, Dienstag, 07. Dezember 2010, 16:37 Uhr

@morph:
Mit dem „Presseclub“ haben Sie recht. Ich bezog mich auf die verschiedenen viel diskutierten Talk-Formate im Abendprogramm (von Will über Plasberg bis zu Illner) . Da sieht es leider sehr düster aus.

@nona:
Volle Zustimmung.

Man muss wohl auch einmal mit dem Irrtum aufräumen, dass die Art von Polit-Talk, die uns in ARD & ZDF (mit seltenen Ausnahmen) präsentiert wird in irgendeiner Form zur politischen (Meinungs-) Bildung beiträgt. Das ist weder der Fall noch wirklich beabsichtigt denn sonst würde man eben nicht die immer gleichen Lautsprecher, & Phrasendrescher (garniert mit dem „Betroffenensofa“) einladen, die sich gegenseitig übertönen. Hier geht es um Entertainment für den politisch Interessierten, der sich seine Meinung bereits gebildet hat und jetzt einem Schaukampf der etablierten politischen Galdiatoren beiwohnt. Eine Art Politik-Wrestling, in dem sämtliche Argumente/Phrasen vorher bekannt sind und niemand ernsthaft an einer Diskussion interessiert ist.
Das weiß auch der Zuschauer und folglich entscheidet in solchen Formaten nicht das bessere Argument sondern die geschliffenere Rhetorik oder die schillerndste/sympathischste Persönlichkeit. Das ist auch gar nicht weiter schlimm, nur sollte man diese Shows nicht mit auch nur halbwegs aufgeklärter politischer Meinungsbildung verwechseln, was hierzulande (auch in diesem Blog) leider immer wieder geschieht. Jauch wird diesen Trend zum krawalligen/emotionalen Polit-Entertainment, das als seriöser Journalismus vermarktet & wahrgenommen wird, wohl noch verstärken da hier eben seine Stärken liegen. Aber er trägt sicherlich nicht die Verantwortung dafür, dass ARD & ZDF sich seit Jahren aus der seriösen politischen Diskussion weitgehend verabschiedet habe und nur auf die Quote schielen.

Dass es auch anders geht zeigen Formate wie „Hard Talk“ im Interviewbereich oder oft auch die tägliche „Phoenix-Runde“ in Sachen Diskussion. Aber da dort eben fast sämtliche Show-Elemente fehlen und i.d.R. das Argument bzw. die sachliche Debatte darüber (anstelle der Persönlichkeit/Partei/Lobbygruppe) im Vordergrund steht, findet sowas eben in Nischensendern unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit statt.

32) Thomas B., Dienstag, 07. Dezember 2010, 16:54 Uhr

@Orlando. Ich weiß nicht wo ich ihren Betrag einsortieren soll. Irgendwo zwischen Sarkasmus und Ironie.
Herr Jauch ist so gut und schlecht wie jeder andere. Er bringt Glanz in die Hütte und den scheint die ARD unbedingt zu wollen / brauchen. Das sich die Talkformate abnutzen kann man, wie oben angedeutet, sehr gut an Herrn Plasberg und Frau Illner sehen. Daher wäre ein Austausch der Formate besser als ein verteilen aller Talker auf die einzelnen Tage.
Die Zeit wo ich mir eine Talkshow angeschaut habe, auch wenn mich das Thema nicht interessiert, sind vorbei. Das schaffe ich bei keinem der genannten. Das wird auch Herr Jauch nicht schaffen können.
Das schaffe ich höchstens noch in der Phoenix-Runde oder beim Presseclub.

33) steffi, Dienstag, 07. Dezember 2010, 17:27 Uhr

ich finde es eine schande von der ard anne will so zu behandeln. sie ist und bleibt in meinen augen die beste. und es ist eine katastrophe das frau will jetzt um 22.45 uhr kommt. ich werde den jauch mit sicherheit nicht schauen. und für frau will weniger schlaf in kauf nehmen.

34) Peter Christian Nowak, Dienstag, 07. Dezember 2010, 17:51 Uhr

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Ich halte Herrn Jauch für einen miserablen Journalisten, und einen guten Geschäftemacher in eigener Mission.

Es droht nun die „Verjauchung“ (Zitat: Georg Schramm) der ganzen Republik! Wir als Zuschauer tragen meiner Meinung nach auch eine Verantwortung gegenüber solchen Praktiken und sollten uns das nicht unwidersprochen gefallen lassen.
Die Einflussnahme durch Bertelsmann (RTL) und der INSM (Bertelsmann Stiftung) bleibt als ständige Bedrohung für einen seriösen Journalismus.
Offensichtlich kommt Jauch in eine Art der Midlife Crisis mit seinen 53 Jahren. Da sieht er sich eher im öffentlich-rechtlichen Format besser aufgehoben, als in der banal-analen Umgebung eines
Privatsenders.

Und so sehen ihn nicht wenige Deutsche: Der ideale Schwiegersohn mit Talent zum Bundespräsidenten.
 
Die Wahl fiel auf Jauch, weil viele so sein möchten wie Jauch. Daher reagiert die ARD auf Kritik auch so verschnupft.
Wenn die ARD argumentiert, man solle sich doch erst mal mit Kritik zurückhalten, bis der Mann auf Sendung ist, so ist das nichts weiter, als wenn man im Wald Feuer legt und abwartet, ob der Wald abbrennt.

35) René B. Marek, Dienstag, 07. Dezember 2010, 19:47 Uhr

@TottiRobotti: Plasberg ist der dümmste von allen. Oder glaubst du ernsthaft, ein derart populistisches „BILD TV“ hätte annähernd etwas mit Journalismus zu tun?
Und wenn ich mir was wünschen dürfte: Anne Will zurück zu den Tagesthemen, da war sie unübertroffen – auch in den Interviews! Im Sonntagstalk ist sie leider nur beliebig.

36) Thom, Dienstag, 07. Dezember 2010, 20:27 Uhr

Viel seichter als Anne Will kann auch Jauch nicht mehr werden. Zum Glück ist meist irgendwo Schluß und weniger kritisch als gar nicht kann man dann halt auch nicht mehr sein.

37) Frank Reichelt, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 08:25 Uhr

Mich interessiert das alles nicht mehr.
Seit ich mein SKY-Abo habe gucke ich nur noch Live-Sport.
Ich bin zum Glück nicht mehr auf das Trashfernsehen der Privaten und auf das immer mehr nachlassende Bildungsfernsehen der öffentlich-rechtlichen angewiesen.
Es steht jedem frei, das zu schauen was ihm gefällt.

38) Themba Gumb, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 20:15 Uhr

Da kann man nur hoffen, dass die Ehe so schnell wie möglich annulliert wird. Jauch kann was den qualitativ hochwertigen Journalismus angeht nicht ansatzweise mit Will mithalten. Ab dem Herst 2011 muss ich dann wohl meine Sonntagabende anders planen.

39) Bakunin, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 13:51 Uhr

Bei allen Verständnis für Neo-Linke wie Srpeng, Lorenz usw, aber beim Anziehen der neuen politischen Stützstrümpfe wird offenkundig zuviel Blut abgezogen. Sie meinen, da wo sie reden sei politischer Journalismus? Ach, lieber alter abgehalfteter Neo-Paulus, da wo sie und die anderen Grufties quarken, da ist Verdummungspolitik angesagt. Sonst nichts. Jauch und auch Gottschalk haben etwas , was ihre miefige Renegatentalker-Gilde nie hatte. Ausstrahlung und Unterhaltungswert.

40) Olaf Marx, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 14:22 Uhr

Kritisch-Journalistisch? Anne Will?!? Herr Spreng, Sie können besser beurteielen als ich, wie Frau Will von den gemütlichen Sesseln in ihrer Tratschrunde aus wirkt – von zu Hause aus fällt sie mir hauptsächlich dadurch auf, dass sie jede zart aufkeimende interessante Diskussion mit irrelevanten Zwischenfragen unterbricht.

Ein kleiner Tipp noch, Herr Spreng: Verscherzen Sie es sich nicht mit Herrn Jauch, sonst müssen Sie zukünftig die Sonntagabende VOR dem Fernseher verbringen anstatt DARIN…

41) A. Warschburger, Freitag, 10. Dezember 2010, 09:43 Uhr

Stimmt ! Es gibt einige „Dampf-Plauderer“ im Öff-rechtl. Rundfunk und Herr Jauch neben dem Hr. Plasberg, die einem Politik ktiven Mitbürger dazu bringen, dem Fernsehen den Rücken zuzudrehen. Für die ARD ist es wohl ein Problem, dass ausgerechnet das ZDF die beste Politik- Journalisten besitzt.

42) stuzubi, Freitag, 10. Dezember 2010, 14:11 Uhr

Michelle Friedmann war für mich der beste Talkmaster in Deutschland!

Der erste und letzte der wirklich die Antwort auf seinen Frage eingefordert hat und sich nicht mit den ausweichenden Antworten zufrieden gegeben hat.

Über die Persönlichkeit kann man streiten, aber als Talkmaster beim HR war er unübertroffen.

43) AxelKirsch, Freitag, 14. Januar 2011, 21:17 Uhr

Jauch ist tatsächlich reaktionär und nicht kompetent, und hat vor allem keine Ahnung: da bezeichnet er auch schon mal Venezuela als „also so eine rote kommunistische Diktatur“ (WWM-Sendung vom 14.01.2011). Das in Venzuela regelmäßig Parlamentswahlen stattfinden und auch Chavez selbst mehrmals wiedergewählt wurde hat er wohl nicht gehört.

44) Peter Christian Nowak, Dienstag, 22. März 2011, 18:34 Uhr

Zum Thema: http://www.steinbergrecherche.com/08braeutigam.htm#Glotzen

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