Dienstag, 07. Dezember 2010, 17:51 Uhr

Die Drei von der Geld-Tankstelle

Wer sich fragt, warum “Die Linke” trotz ihres trostlosen Zustandes in den Meinungsumfragen immer noch bei 10 Prozent notiert wird, der muss nur einen Blick auf die Vorgänge bei der Pleitebank HRE werfen, die mit 142 Milliarden vom Staat gestützt werden musste. Sie offenbaren ein Ausmaß an moralischer Verkommenheit, das beispielhaft für einen Teil der deutschen Finanzeliten ist.

Wieder gehen bei der HRE  zwei Vorstände und erhalten für ihre knapp zweijährige Tätigkeit ab dem 60. Lebensjahr eine monatliche Pension von 16.000 Euro. Die beiden Vorstände heißen Kai Wilhelm Franzmeyer und Frank Krings, der eine war von der Commerzbank, der andere von der Deutschen Bank zur 2009 verstaatlichten HRE gekommen. Vor ihnen ist schon – auch nach nur zweijährigem Gastspiel – der Vorstandschef Axel Wieandt gegangen  (er kam ebenfalls von der Deutschen Bank) – mit einem monatlichen Pensionsanspruch von 20.000 Euro. Die drei Vorstände sind zwischen 38 und 47 Jahre alt.

Der Verdacht liegt nahe, dass alle drei Vorstände nur einen Geldtankstopp bei der HRE eingelegt haben, um sich ein luxuriöses Leben im Alter zu sichern, und um anschließend wieder in ihre höher dotierten Jobs zurückzukehren. Wieandt ist schon wieder bei der Deutschen Bank. Warum und wofür, das kann er nicht einmal selber erklären. Apropos Alter: das Renteneintrittsalter für lebenslang fleißig arbeitende Normalbürger wird gerade peu à peu auf 67 hochgesetzt.

Die gesellschaftliche Asozialität, die bei diesen Vorgängen deutlich wird, betrifft aber nicht nur die Vorstände. Es gehören immer zwei dazu. Auch diejenigen, die mit den “Drei von der Geld-Tankstelle” die Skandal-Verträge abgeschlossen und gebilligt haben: der Aufsichtsrat, der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin und das politisch verantwortliche  Bundesfinanzministerium. Einer davon ist Michael Endres, Ex-Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, der als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der HRE die Verträge zu verantworten hat. Er bezeichnete die Verträge als “im Großen und Ganzen” branchenüblich. Hier wird ein Netzwerk sichtbar, das sich in dieser Klarheit selten offenbart.

Endres und die anderen Verantwortlichen haben eklatant versagt und gehörten eigentlich wegen Veruntreuung auf die Anklagebank. Dazu wird es – ebenso wie bei den Aufsichtsräten der BayernLB – aber nicht kommen. Aus juristischen und politischen Gründen, aber auch deshalb, weil moralische Verkommenheit nicht strafbar ist. Und Schamgefühl steht nicht in den Arbeitsverträgen.

Insgesamt bestätigt der Vorgang alle Urteile und Vorurteile über das Verhalten der Finanzeliten und treibt wieder tausende von Wählern in die Wahlenthaltung oder zur Linkspartei.

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag “Die HRE und Hartz IV” vom 24.09.2010

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39 Kommentare

1) Doktor Hong, Dienstag, 07. Dezember 2010, 18:06 Uhr

@ m.spreng

Vielen Dank für diesen klar formulierten Beitrag. Auch der Schärfe der Sprache habe ich nichts hinzuzufügen.

Sehr gut auch, wie Sie herausheben, dass es sich um Netzwerke und Mauschelei handelt, nicht aber um “leistungsgerechte” Bezahlung.

Einem bürgerlichen Menschen mit Anstand kann darüber nur schlecht werden. Schön, dass es niemanden kümmert, schon gar nicht unsere politische Elite. Weiter so! Wenn die wirklich christlich sind, bin ich mal gespannt, was sie ihrem Schöpfer erzählen werden.

2) Hagen, Dienstag, 07. Dezember 2010, 18:06 Uhr

Deutliche Worte, mit denen auch Ross und Reiter genannt werden!
Man kann nur hoffen, dass dieser Beitrag oft verlinkt und breit wahrgenommen wird.

Hagen

3) Peter Christian Nowak, Dienstag, 07. Dezember 2010, 18:25 Uhr

Der Motor der Linkspartei stottert. Das ist wohl so.
Was die Partei aber zu den großen Themen sagt, also Arbeitsmarkt, Finanzmarkt, Wirtschaftspolitik, Privatisierungen, Sozialpolitik, das ist (mit ein paar Ausnahmen) korrekt.
Das Finanzwesen, auch international, hat sich zu einer eigenständigen, durchschlagskräftigen Paralellwelt entwickelt. Mittlerweile stimmen die “Eliten” aus den Vorstandsetagen von Paribas bis Deutsche Bank die Richtlinien der Politik. Die Normalbürger aber verstehen die komplexen Vorgänge in der Finanzwelt nicht. Für sie ist das alles viel zu abstrakt. Dass kriminelle Banker eigentlich vor Gericht gehören und nicht mit Steuergeldern belohnt werden dürften, das kann solchen Bürgern kaum den Adrenalinspiegel hochtreiben Was sie aber verstehen ist “Bahnhof”. Das ist was Konkretes. Da geht man auch demonstrieren und lässt sich den Frack vollhauen.

4) Jeeves, Dienstag, 07. Dezember 2010, 19:33 Uhr

Wieder mal ein deutlicher Artikel. Danke.
Stünden diese klaren Worte bei den Nachdenkseiten, wären sie nicht weniger trefflich aber würden wenig bewirken. Leider.
Aber aus dieser Richtung: chapeau! Mehr davon.

5) mambo, Dienstag, 07. Dezember 2010, 20:44 Uhr

Schön ,daß Sie es auch gemerkt haben ,Herrr Spreng !
Beamte , Berufspolitiker , und die Herren von der Geldtankstelle erhalten
Top -Renten” ohne jeden Eigenbeitrag.
Die viel gescholtenen Sozialrentner aber haben jahrelang horrende Beiträge
bezahlt ,ganz nebenbei auch noch die DDR /Aussiedlerrenten mitfinanziert ,
zur Belohnung werden sie nun in die Sozialschmarotzer -Ecke gestellt.

6) marcpool, Dienstag, 07. Dezember 2010, 21:07 Uhr

Kann man den Damen und vorwiegend Herren nicht ihr eigenes Spielgeld geben ? Wenn sie schon in einer anderen Welt wohnen , dann sollen sie ihr eigenes Geld verbrennen .
Zum wütend werden… die politischen Ebenen wollen sich ja gar nicht äussern – sie spielen beim Hoch und Wegloben von einigen Personen genau dasselbe Spiel. Eigentlich kann man dann ja nur warten, bis Herr Ackermann bei HRE aufschlägt 😉

7) karl, Dienstag, 07. Dezember 2010, 22:19 Uhr

Ich wundere mich nicht mehr über solche Ergebnisse – denn um gewählt zu werden, braucht man keine Kompetenz. Die Linken mögen nicht die beste Partei sein – aber CDU und FDP finden auch immer wieder genügend Dumme, die ihr Kreuz einfach bei den größten Wahlversprechenbrechnern machen.

8) nurmalso, Dienstag, 07. Dezember 2010, 22:49 Uhr

> Insgesamt bestätigt der Vorgang alle Urteile und Vorurteile über das Verhalten der Finanzeliten und treibt wieder tausende von Wählern in die Wahlenthaltung oder zur Linkspartei.

und womit?

mit recht!

9) Recht Unbedeutend, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 01:18 Uhr

Es mag ja soweit stimmen – aber diese relativ bescheidenen Jahresgehälter und Renten sind doch nur die Spitze vom Eisberg. Optionen, Deals, Kontakte – die 16.000 sind doch nur eine Art Absicherung, die man mitnimmt, weil man den eigenen Geschäften halt doch nicht mehr komplett trauen kann. Man kennt immer eine, der sich verzockt hat – deswegen hört man selbst nicht auf zu zocken, aber man sichert sich ab. Und die, die sich darüber wenigstens eine Art Rechenschaft ablegen, meinen noch sie hätten das verdient – staatstragende Tätigkeit, und diese Steuern: die Reichen als Melkkuh trotz harter ehrlicher Arbeit.

Es gibt dafür eigentlich keine Worte – Bäckereiverkäufer dürfen die nicht verkauften Brötchen nicht so einsacken wie Banker das herumliegende Geld. Deswegen fehlen Deutschland ja auch Bäcker, aber keine Banker. Von wegen das Volk wäre doof. Jeder, der bei sich Gewissenlosigkeit entdeckt, qualifiziert sich entsprechend. Läuft schon.

Nur: was das Ganze mit der Linkspartei zu tun hat ..? Das “Führungspersonal” wäre froh, es bekäme auch was ab (Ernst, Lafontaine, Gysi usw.), und kann sich deshalb kaum gegen seinen intriganten Unterbau mit Stasi-Erfahrung wehren. Und die Proletariermassen sind ja leider politisch demobilisiert. HartzIV hat da noch mehr für die Linkspartei getan, als es die Deutsche Bank je könnte.

10) parisienne, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 08:56 Uhr

“… die mit 142 Milliarden vom Staat gestützt werden musste …”

Schönes Beispiel für eine Formulierung, die suggeriert, dass diese Milliarden tatsächlich auch bereits gezahlt worden wären, und es sich nicht bislang “nur” um eine Bürgschaft handelt.

(Bin gespannt, ob es wohl möglich ist, auf diesen Unterschied hinzuweisen, ohne – zumindest von Seiten einiger Kommentatoren – gleich in den Verdacht zu geraten, von [hier Lobbygruppe einsetzen] gekauft worden zu sein.)

11) Farbenseher, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 09:43 Uhr

Tja, parisienne, dass das so formuliert wird liegt einfach daran, dass von diesen Bürgschaften eben schon über 90 Milliarden tatsächlich umgesetzt wurden. Auch das Feigenblatt der “Bürgschaften die ja erst viel später, wenn überhaupt” fällig würden ist gefallen.

Die Finanzkrise war der größte Coup der Finanzindustrie to date. Die Staaten der Welt haben sich erpessen lassen, die Bevölkerungen arbeiten die Schulden ab, die durch Zockereien in Finanzcasinos angehäuft wurden. Das ist weder nachvollziehbar noch akzeptabel, wirklich verbrecherisch daran ist aber: Es geht GENAU SO weiter, es werden unvorstellbare Schutzschilder aus Steuergeldern errichtet, während die Schuldenmaschine ungezügelter Finanzmärkte weiter vor sich hin läuft.

Wehrt euch endlich Leute! Die Linke zu wählen, ist sicher ein erster Schritt, aber das reicht bei weitem nicht.

12) Frank Reichelt, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 10:01 Uhr

Wenn die SPD oder DIE LINKE ihren Beitrag als Pressemitteilung herausgegeben hätte, würden sie denen bestimmt billigen Populismus vorwerfen und angesichts der Umfragen Wählerfang unterstellen.
Sind sie ein Populist?

13) Dierk, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 10:02 Uhr

@parisienne

Die Bürgschaften stehen als Rückstellungen im Haushalt [bzw. in Sonderhaushalten], sind also ausgegeben, da darf keiner ran. Daraus folgt: dieses Geld fehlt für notwendige Staatsaufgaben im Bereich Infrastruktur* bzw. Investitionen in die Zukunft.

Noch schlimmer wiegt ohnehin, dass die Abschaffung nahezu jeglicher Regulierung im Banken- und Finanzwesen dazu geführt hat, dass nicht mehr Nationalbanken [oder Finanzminister] über die Geldmenge entscheiden, sondern eben jene Investmentbanker Geld drucken können. Letzteres ist natürlich eine Metapher, es gibt keine Druckmaschinen im Keller von GoldmannSachs oder der Deutschen Bank, aber die Buchwerte, die “geschaffen” wurden – auch als Luftnummer oder Blase bekannt -, müssen eines Tages bedient werden.

Im Augenblick scheinen die meisten Regierungen der Ansicht zu sein, dies geschehe durch einfach so weiter machen lassen. Wenn allerdings die Produktion langfristig nicht an die vorhandene Geldmenge angepasst werden kann, wird die Geldmenge angepasst werden [ohnehin einfacher]. zuerst werden Staatshaushalte gekürzt, vor allem Bereiche ohne nennenswerte Lobby werden Geld verlieren. Irgendwann geht’s ans Geld der Sparer [Abwertung und Inflation].

Wenn Banker und Spekulanten jetzt verstärkt gegen Länder und Währungen wetten, dann tun sie das, weil sie genau wissen, die Gläubiger, also sie selbst, werden von Regierungen gerettet. Weder bei Griechenland noch bei Irland zahlen die Gläubiger, im Gegenteil, sie können sich darauf verlassen, dass die EU und deren finanzstärkeren Mitglieder die Schuldendienste bedienen.

*Über dessen Definition sich trefflich streiten lässt, Bildung gehört offiziell nicht dazu.

14) Artur, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 10:07 Uhr

Ich kapiere das nicht, was da alles vor geht. Müsste da nicht endlich die Regierung eingreifen?

15) schmitta, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 10:20 Uhr

Wieder so ein Kommentar nach dem Motto: “Also in einer Sache haben die Linken ja recht…”, “da muss ich den Linken mal AUSNAHMSWEISE recht geben….” usw., usf., schon tausendmal gehört den einschlägigen Talkshows und n Internetforen

– und dann wird immer brav hinzugefügt: “Aber die Linke ist ja unwählbar. ”

Ich mach das so: Ich habe einen Standpunkt, und wähle dann die Partei, die mit diesem am ehesten übereinstimmt, und lasse mir das nicht, von dem schwarz-gelb-grün-roten-ein-Parteiensystem ausreden.

16) schneidersitz, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 12:03 Uhr

Die Drei von der Tankstelle haben damals betankt und nicht getankt.

Um mal im Bild zu bleiben müßte es eigentlich heißen: Die Fünf von der Geld-Tankstelle – SPD, Grüne, CDU, CSU, FDP; auch in dieser Reihenfolge!

Wer von der politischen Schuld dieser Mischpoke an den verkommenen Zuständen in Deutschland, es geht ja nicht nur um die Finanzindustrie, auch u.a. um die Ausrichtung der Bundeswehr, Gesundheit, Pflege, Arbeitswelt, Soziales, Energiewirtschaft, Umgang mit Minderheiten, demokratische Bürgerbeteiligung, gleichgeschaltete Medien, ablenkt und die Ursachen der Verkommenheit an ein paar Banken und Managern fest macht, sprengt zu kurz.

Daß der Popanz „Die LINKE“ zumindest bei 10 % der Wähler nicht mehr zieht, hat nicht nur mit der Sozialisierung irgendwelcher Altbolschewisten zu tun sondern und gerade mit Bildung!

17) Jack, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 12:31 Uhr

Alles richtig. Die Vorgänge bei der HRE sind nicht nur widerlich, sondern richtig TEUER. Nur verstehe ich nicht, warum der Staat die HRE nicht endlich liquidiert? Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mag das vielleicht wegen der Systemrelevanz oder was auch immer nicht opportun gewesen sein, aber inzwischen? Was spräche dagegen, die vorhandenen “Vermögenswerte” zu verkaufen oder einfach abzuschreiben und den Laden dichtzumachen? Anstelle weiterhin dem vielen schlechten auch noch jede Menge gutes Geld hinterher zu werfen. Das Geld des Steuerzahlers nämlich. Ein guter Insolvenzverwalter und eine klare Deadline wären bestimmt günstiger als eine weitere Batterie von Bankern, die sich bei der HRE ihre Rente vergolden wollen.

18) berti_nrw, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 12:49 Uhr

…viel schlimmer sind die “abgekarteten” Bankgeschäfte zwischen den “ehemaligen” DB-Bankster und HRE-Bankster, denn schließlich mussten die “faulen” Papiere rechtzeitig der HRE zugeführt werden -mit Erfolg!!!

19) Simon, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 14:10 Uhr

Ich wähle einfach die Partei, die mir persönlich am meisten nützt. Und das ist sicher nicht die Linkspartei.

Zum eigentlichen Thema: Der Grund, warum die HRE und andere Banken Ihren Mitarbeitern im mittleren und oberen Management so viel bezahlen, liegt meines Erachtens einfach an dem geringen Angebot an Hochschulabsolventen mit sehr gutem Abschluss im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Den allseits heraufbeschworene Fachkräftemangel gibt es nämlich auch hier.

20) Lesefuchs, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 14:40 Uhr

@schmitta

Sehe ich genau so! Ich nehme mir ein wichtiges Kriterium und entscheide danach. Und für mich ist das wichtigste “Der Frieden”. Da es derzeit nur eine Partei gibt, die den Afghanistankrieg ablehnt, brauche ich nicht lange überlegen! Und bevor uns das “um sich schlagen” des sich auflösenden Kapitalismus in den 3.WK treibt, bleibe ich dabei. Wir sollten froh sein überhaupt noch eine “Gegenpartei” zu haben (auch wenn nicht alles 100% ist – aber wo ist das schon?).
Wenn keiner mehr im Parlament NEIN sagt, was dann? Schonmal überlegt?

21) M.M., Mittwoch, 08. Dezember 2010, 15:04 Uhr

SELBSTBEDIENUNGSLADEN BRD! – Man klammert sich an das AAA Rating (Wie ist das möglich ???) der USA und richtet danach sein eigenes Finanzgebaren aus. In diesem Karussell will man weiter dabei sein.

PS: Die Chinesische Rating Agentur sieht das mittlerweile anders und stuft die USA auf A+ herab mit negativer Aussicht.

22) Lars, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 16:40 Uhr

Erster und letzter Satz gehen nicht zusammen. Erst sagen, wie kann die Linke nur auf 10 % kommen und dann nachschieben, dass sie eigentlich mit allem Recht hat. Die Frage ist doch, wieso die Linke nur 10 % und nicht wie die Grünen 20 oder 30 % hat, obwohl sie so viel mehr Recht hat als die anderen Parteien.

23) Simon, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 17:09 Uhr

@ Lars:

Unter anderem deshalb:
http://www.sprengsatz.de/?p=949
http://www.sprengsatz.de/?p=3456
http://www.sprengsatz.de/?p=3426

Und so weiter und so fort….

24) EStz, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 19:26 Uhr

@Schneidersitz:
Wer von der politischen Schuld dieser Mischpoke….. ablenkt und die Ursachen der Verkommenheit an ein paar Banken und Managern fest macht, sprengt zu kurz.

Bin ich absolut anderer Meinung. Natürlich läuft in diesem Land vieles schief; aber ich kann nicht in jedem Posting detailliert die letzten Jahre abarbeiten und jedem Volksvertreter einzeln seine Sünden herbeichten. Und natürlich kann und sollte man eine Fehlentwicklung auch an Beispielen festmachen… So schlicht, wie ich gestrickt bin, funktioniert das immer ganz gut und schärft meine Sinne besser als ein allgemeiner Rundumschlag auf Stammtisch-Niveau (für die Fakten zu einem kommpletten Jahresrückblick reicht der Platz sonst nicht mehr….).

So ganz bin ich nicht schlau geworden aus Ihnen. Also, mal aus Neugier gefragt (nicht, dass es mich etwas angeht): Schimpfen Sie von links aussen oder von rechts aussen?

25) irreversibel, Mittwoch, 08. Dezember 2010, 20:28 Uhr

Ach, wenn es hier bloß nicht immer wieder diese plumpe Stimmungsmache gegen die Linkspartei geben würde…ist ja schon irgendwie pathologisch. Da wird selbst nicht davor zurück geschreckt die völlige Abkehr von Wahlen in demokratietheoretischer Sicht irgendwie mit der Wahl der Linkspartei gleichzusetzen.

Dass es Menschen geben mag, die die Linkspartei nicht nur dann wählen wenn sich ein paar Vorzeigebankster mal wieder die Taschen voll machen, sondern denen es um ganz andere, grundsätzliche Dinge geht (nein, auch nicht die Erhöhung des AlgII), scheint für den Verfasser ebenfalls unvorstellbar zu sein.

26) mwst, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 01:57 Uhr

Es wird nur an den Symptomen rumgemacht.

Konkret sollen die neuen EU-Regeln verschiedene Tricks verbieten: Die Verwendung von Insider-Informationen, die Verbreitung falscher Nachrichten oder Gerüchte sowie Transaktionen, die irreführende Signale am Markt geben.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,733663,00.html#ref=rss

Also mehr Mut beim Wählen.

27) m.spreng, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 08:38 Uhr

Wie meinem Beitrag zu entnehmen ist, bin ich über die Vorgänge bei der HRE sehr empört. Ich kann verstehen, dass einige Kommentatoren noch empörter sind als ich. Ich muss dennoch dringend darum bitten, einschlägige Verbalinjurien, kriminelle Zuschreibungen und Kommentare zu vermeiden, die als Aufforderung zur Gewalt missverstanden werden könnten. Ich lasse solche Kommentare nicht zu.

28) Karl W, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 09:29 Uhr

Danke für den Artikel.
Das wäre doch mal ein richtiger Grund für die Gewerkschaften, die Untertanen dieser Selbstbedienungsgesellschaft auf die Straße zu rufen.
Da würde ich auch mal wieder dabei sein.

29) Claus, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 11:01 Uhr

….es ist einfach unglaublich……..ich wundere mich über nichts mehr..

30) Erster Karl, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 12:50 Uhr

Ihren Beitrag kann ich vollinhaltlich zustimmen, aber es ist schon erstaunlich das erst einmal ein Linken – Bashing einleitend unbedingt erfolgen muss, um dann linke Ansichten und Tatsachenbeschreibungen zu übernehmen.Eigentlich etwas zum schmunzeln.
Man mag die Linken mögen oder nicht, aber von trostlos zu sprechen finde ich in Anbetracht zu den anderen Parteien als unangebracht. Vielleicht muss man z.Zeit nur die Grünen bei den derzeitigen Zustimmungswerten zu den Parteien ausklammern. Mir persönlich ist eine Partei mit konstanten Werten (Linke 9% – 12% ), die nun auch immer noch durch die Medien bekämpft werden ,lieber, denn nur so können sie die Politik beeinflussen. NRW bietet für mich das beste Beispiel.
Warten wir mal die kommenden Wahlen ab und dann werden wir beurteilen können, ob die Linken tatsächlich so trostlos sind.Ich schreibe das bewusst so, obwohl ich bekennender Anhänger der SPD war und mich von dieser Partei angewidert auf Grund von Schröder und seinen Vasallen abwenden musste. Ich kenne zur Zeit außer den Linken keine Partei, die meine Interessen als Durschnittsrentner nachhaltig vertritt und das trifft nach meiner Auffassung einen überwiegenden Teil der Bevölkerung, egal ob Rentner, AN, AL und andere sozial Benachteiligte.

31) hjg, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 16:27 Uhr

Ja, ja – unser demokratisches System läuft wie geschmiert …
Sehr geehrter Herr Spreng, wenn sie wieder mal in einer Talkshow-Runde sitzen, bitte so Klartext reden (egal zu welchem Thema), wie Sie ihn hier formulieren.

32) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 09. Dezember 2010, 21:49 Uhr

@Jack

Es ist wohl so, daß die Politik in der Zange der Banken ist. Oder anders ausgedrückt: Die Politik versteht den ganzen Kram um die komplexe Mechanik des internationalen Finanzwesens nicht oder nicht richtig. Für sie ist das unbekanntes Terrain. Sie lässt sich zu allem Übel noch von denen beraten, die die ganze Misere angerichtet haben; d.h. die Brandstifter sollen jetzt das Feuer löschen, das sie zuvor gelegt haben. Einige Bürger macht das ein wenig mißtrauisch. Das ist aber auch alles. Die Bürger kommen diesem Vorgang Eurorettung/Bankenrettung gedanklich nicht nach; geschweige denn, sie wüssten genau, wer die Profituere des Skandals sind. Würden sie die ganze Tragweite von Ursachen und der noch zu erwartenden Wirkung verstehen, wären sie vielleicht eher nach Berlin als zum Stuttgarter Hbf gepilgert. Die Verzögerung der zu erwartenden Auswirkung auf die Bürger rettet Merkel zunächst einmal über die Runden. Eine klein Zacke des Aufschwungs kommt auch gerade recht. Was danach kommen wird, nach der noch sehr lang andauernden Krise, das kann man im Detail noch gar nicht abschätzen. Angeblich sind die Leute ja alle auf Einkaufstour, glaubt man dem XXL-Wirtschaftsminister. Solange sie noch ihrer Konsumfreude nachgehen können, ist ihr Wissensdurst komplexer Themen eh begrenzt.
Die HRE war aller Wahrscheinlichkeit keine “systemrelevante” Bank (wenn es übehaupt solche Banken gibt!). Es würde den Rahmen des “sprengsatz” gewissermassen sprengen, näher darauf einzugehen. Daher: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/finanzen/die-geretteten/1598962.html

33) Doktor Hong, Freitag, 10. Dezember 2010, 00:55 Uhr

@ Peter Christian Nowak

“. Die Bürger kommen diesem Vorgang Eurorettung/Bankenrettung gedanklich nicht nach; geschweige denn, sie wüssten genau, wer die Profituere des Skandals sind. Würden sie die ganze Tragweite von Ursachen und der noch zu erwartenden Wirkung verstehen, wären sie vielleicht eher nach Berlin als zum Stuttgarter Hbf gepilgert.”

Ja, wofür haben wir eigentlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen? Ich kann mich nicht an eine einzige Sendung erinnern, in der überhaupt erklärt wurde, was CDS oder Derivate sind und wie sie funktionieren.

Stattdessen nur dummes Gelaber. Die Jungs bei den schweren Banken wussten ganz genau, was die da machen. Die sind nicht so dümmlich und bräsig wie manch anderer, der hier Verantwortung trägt. Die haben rechtzeitig die Schrottpapiere an HRE&Co vertickt, weil sie ganz genau wussten, was abgehen wird.

Und dass Bush Lehman Brothers hat abschmieren lassen – ein Hauptkonkurrent von Goldman Sachs – dass soll ohne “Beratung” seitens der Goldmänner geschehen sein?

Ich weiß, das ist alles wirre Verschwörungstheorie! Henry Paulson, verantwortlicher Finanzminister, war vor seinem Amt CEO von Goldman Sachs. Aber was könnte das eine mit dem anderen zu tun haben? Natürlich nichts!

Und die Geschichte, wo Goldman Sachs ein Zertifikat herausgebracht hat, es als AAA+++ mit Pommes und Mayo hat einstufen lassen, um intern gegen das Papier zu wetten und hunderte von Millionen daran zu verdienen? Das hatte sogar den Staatsanwalt auf den Plan gebracht.

Diese Leute sind nicht blöd, und auch nicht unfähig. Die sind hochintelligent und wissen sehr genau, was sie machen, und ich denke nicht, dass deren politischer Counterpart denen intellektuell oder auch nur moralisch gewachsen ist.

Die sind ganz einfach skrupellos, das ist alles.

Oh, und übrigens: Der Bund kann kein Geld bei der Notenbank leihen, sondern muss es auf dem Finanzmarkt aufnehmen.

Das heißt: Der Bund leiht sich zur Bankenrettung Geld von einer Privatbank, zur Zeit zu 1,75%. Die Privatbank bekommt das Geld von der EZB zu 1.0%.

D.h. die Banken werden vom Bund gerettet und verdienen an den Schulden des Bundes, der diese zu ihrer Rettung aufgenommen hat, 0,75% pro Jahr.

Schicker Deal, nicht?

34) Jack, Freitag, 10. Dezember 2010, 12:20 Uhr

@Peter Christian Nowak

Danke für den link. Sehr aufschlussreich.
Wäre interessant zu wissen, wie die Situation bei der HRE jetzt aussieht.

35) Peter Christian Nowak, Freitag, 10. Dezember 2010, 20:19 Uhr

Nein, Sie sind kein Verschwörungstheoretiker! Sie spüren nur instinktiv, dass Dinge, die so laufen wie sie eben laufen, nicht in Ordnung sein können. Und damit sind Sie wieder in der Realität angekommen.
Sie haben in Ihrem Statement einige Dinge angeführt, die Rückschlüsse auf die Systematik zulassen, mit der in gewissen Kreisen gearbeitet wird. Das erfolgreiche System, dessen sich man in gewissen Kreisen bedient, lautet vereinfacht: Profitable Situationen (Bankenkrise) herstellen zu eigenem Nutzen, und die Politik anschließend mit vollendeten Tatsachen konfrontieren, zu denen es angeblich kaum Spielraum zu Alternativen gibt.
Am Beispiel Irland und Griechenland sieht man deutlich wie es geht: Mit dem Eurorettungsschirm (750 Milliarden) werden die Banken gerettet, nicht die Iren oder Griechen. Hier also haben wir die “profitable Situation”. Man gibt vor Menschen zu retten. In Wirklichkeit aber hat man nur den eigenen Nutzen im Sinn.
Und richtig, die Banken, die eigentlich mit unseren Steuern gerettet wurden, verdienen noch daran! Die Deutsche Bank ist, so viel ich weiß, mit 300 Milliarden Euro drin. Das Interesse, “Irland zu retten”, ist also verständlich.
Ich verstehe Ihren Brass gegen die Medien gut. Medien sind nicht frei von externer Beeinflussung durch Politik und Wirtschaft. Ich bin eher ein Hörer des Hörfunks, als ein Zuschauer. Über manch oberflächlichen Kommentar war ich auch schon wütend und hätte am liebsten den Sender angerufen. Es gibt auch sehr gute Sendungen im Hörfunk (z.B. Aula im SWR, Wissen SWR-Contra), oder Monitor ARD-Fernsehen, als Beispiel. Die Diskussionsrunden im Hörfunk, beispielsweise “Forum” des SWR2 um 22.15 auch auf MW 1017kHz zu empfangen griffen schon des öfteren die Finanz- und Eurokrise auf.
Das System der “Eliten” ist also, die Politik vor Situationen zu stellen, die natürlich für die “Eliten” profitabel sind, für die Allgemeinheit aber negative Folgen hat. Die Rücksichtslosigkeit dieses Systems der ausbeutung wird von der Politik gar nicht wahrgenommen, sondern nur die negativen Folgen auf die Allgemeinheit, falls sie nicht den “alternativlosen ” Vorgaben der “Eliten” folgt.
Am Grundsatz, Gewinne werden privatisiert, die Kosten aber sozialisiert, daran wird sich daher so schnell nichts ändern.

36) Peter Christian Nowak, Freitag, 10. Dezember 2010, 20:28 Uhr

@Jack

Die HRE wird weiter von uns Steuerzahlern gefüttert. Die giftigen Papiere sind ja in Schattenbanken (bad Bank) ausgelagert. Für uns Steuerzahler eine Täuschung, weil Miese eben Miese bleiben. Wenn der Dreck in einer anderen Ecke liegt, ist er ja immer noch da. Für die Bilanz der HRE aber eben nicht mehr. So hofft man auf den Sankt Nimmerleinstag, daß man irgendwie, irgendwann in die Gewinnzone kommt. Den Dreck, den werden dien deutschen Steuerzahlern aufgebrummt.

37) Recht Unbedeutend, Freitag, 10. Dezember 2010, 23:18 Uhr

Doktor Hong, mit allem Respekt: geht doch! Unsere bürgerlichen und moralischen Werte machen viel von unserer Stärke aus. Aber die zivilisierte Mäßigung angesichts der ungeheuerlichsten Vorgänge nur aus Gewohnheit vorzuschützen, weil die Größe des Skandals uns sonst schier die Luft abstellt – was ist daran das Besondere? Wie können wir ständig die tatenlosen Zuseher aus Geschichte und Gegenwart verurteilen, und dann selbst nur zusehen? Das frage ich mich ernsthaft. “divide et impera” scheint mir die Antwort – wie beklemmend, wie gerade in der reichsten Zeit der Menschheitsgeschichte die Profiteure für eigentlich überflüssige Luxusgüter die Menschlichkeit verkaufen.

38) Heike Lindenborn, Montag, 13. Dezember 2010, 14:00 Uhr

Auch wer schweigt, macht sich schuldig.
Was für das “Dritte Reich” gern zitiert wird, hat an Gültigkeit nichts eingebüßt.
Die meisten werden erst aktiv, wenn sie selbst betroffen sind, leider.

39) JohannRoth, Montag, 13. Dezember 2010, 15:28 Uhr

Die 142 Milliarden Miese wurden ja nicht von diesen Drei persönlich verursacht. Dass hier jetzt nur der Steuerzahler gerade stehen soll, finde ich nicht richtig. Meine Vorstellung ist eine Aufteilung der Lasten. Zum Beispiel
– ein Drittel Wertberichtigung zu Lasten der Anleger
– ein Drittel Haftung für das Bankensystem und die “Drei von der Geld-Tankstelle”
– Schuldentilgungen aus dem laufenden Geschäft, Gewinnverbot solange nicht getilgt
– Eventuell noch einen Rest an Abschreibungen zu Lasten des Steuerzahlers

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