Donnerstag, 09. Dezember 2010, 12:02 Uhr

Die Schwulenfeindlichkeit in der Politik

Der Fall Westerwelle/Metzner, die Affäre um Guido Westerwelles Ex-Büroleiter Helmut Metzner, offenbart, dass es in der Politik trotz aller Outings der vergangenen Jahre und trotz der liberalen Öffnung der Gesellschaft immer noch kein unverkrampftes Verhältnis zur Homosexualität gibt. Weil der FDP-Chef zögerte, sich von dem “jungen aufstrebenden Mitarbeiter” zu trennen, der die Koalitionsprotokolle zur US-Botschaft getragen hatte, wucherten in der FDP Gerüchte über “homosexuelle Seilschaften” in der FDP-Zentrale.

Zuerst berichtete darüber, gestützt auf natürlich anonyme Informanten, die FAS, dann die “Süddeutsche”. Metzner werde wegen seiner Homosexualität geschont, es gäbe eine “Solidarität unter Schwulen”, Generalsekretär Christian Lindner müsse sich von solchen Machenschaften lösen.

Das waren – aus der Anonymität heraus – nicht nur heftige Unterstellungen, sie zeigten aber auch, wie schnell aus einer nicht nur in der Politik unverändert latenten Schwulenfeindlichkeit  eine virulente werden kann. Und wie schnell sich sogenannte seriöse Zeitungen zu Weiterverbreitern und Verstärkern solcher Unterstellungen machen. Denn zur Beurteilung des Vorgangs ist es völlig gleichgültig, ob der durch Wikileaks enttarnte “FDP-Veräter” und Zuträger der US-Botschaft hetero- oder homosexuell ist. Es ist ein rein arbeitsrechtliches Problem. Wären Westerwelle und Metzner heterosexuell orientiert, dann wären bei denselben Vorwürfen sicher keine vergleichbaren Verdächtigungen aufgekommen.

Nach wie vor ist die Toleranzdecke dünn, die in der Politik über eine homosexuelle Orientierung gebreitet wird.

Westerwelle ist allerdings der Vorwurf schlechten Krisenmanagements zu machen. Er hätte gleich die Konsequenzen ziehen müssen. Weil er zu lange zögerte, öffnete er die Tür für schwulenfeindliche Unterstellungen in seiner angeblich so liberalen Partei.

Sie können Ihren eigenen Kommentar weiter unten abgeben.

65 Kommentare

1) nollendorfblog.de, Samstag, 11. Dezember 2010, 23:02 Uhr

@ Frank Reichelt: Was wollen Sie mir sagen? Weil sie den Begriff “Schwesterwelle” von einem schwulen Bekannten gehört haben, ist es ok, Westerwelle in den Medien so zu bezeichnen?

@ StefanP. Wie ich Sascha verstanden habe, hat er sich nicht darüber empört, “dass man jedem zuerst eine statistisch und biologisch `normale´ Orientierung” unterstellt, sondern versucht zu erklären, warum sich Schwule outen und Heteros eben nicht. Offensichtlich ist eine solche Erläuterung hier leider notwendig.

@ ESTz:
Es fällt mir persönlich sehr schwer, bei ihrer Argumentation sachlich zu bleiben. Aber vielleicht sind Sie ja ein netter Mensch und wissen es wirklich nicht anders. Also:

Der Unterschied zwischen Helmut Kohl und Klaus Wowereit ist der, dass man Helmut Kohl mit seiner sexuellen Orientierung nicht erpressen konnte. Doch genau das ist Klaus Wowereit damals passiert. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie nicht die gesellschaftliche Stimmung kritisieren möchten, die eine solche Erpressung möglich gemacht hat, sondern den, der sich durch sein erzwungenes privates Bekenntnis von dieser Stimmung befreit hat?

Aber vielleicht möchten Sie mir ja entgegnen, dass sie Klaus Wowereit gar nicht kritisieren wollten. Sie haben das vielleicht einfach nur so erwähnt und ich bringe das wieder in den falschen Zusammenhang. So wie ja auch bei Maren P., die gar nicht sagen wollte, dass Schwule irgendwie Schuld an ihrer Diskriminierung sind. Sie hat halt einfach mal im gleichen Satz, in dem sie Schwulenfeindlichkeit ausschliesst darüber nachgedacht, dass es ja oft “die Schwulen selbst” sind, die dies und das machen. Warum tut sie das?

Ich würde gerne versuchen, Ihnen den substantiellen Unterschied zwischen einem Blondinenwitz und der strukturellen Diskriminierung Homosexueller zu erklären.
Haben sie schonmal darüber nachgedacht, warum Hunderttausende von Jugendlichen sich jedes Jahr zusätzlich zu den ohnehin schon schwierigen Pupertätsjahren zu einem Outing entschliessen? Warum sie in ihrem jungen Alter einen so existenziellen Schritt machen, mit dem Risiko, dass alles Liebgewonnene anders wird, dass niemand sie versteht, inklusive ihrer besten Freunde und ihrer eigenen Eltern? Dass sie jede Sicherheit, jede Perspektive, die die Gesellschaft für sie vorgesehen hatte, aufs Spiel setzen?

Sehr viele schwule Jugendlichen schaffen diesen Schritt nicht. Sie denken, dass Selbstmord die bessere Alternative ist. Niemand bringt sich aufgrund seiner Haarfarbe um, oder weil er irgendwann feststellt, dass er Amerikaner ist. Sie sagen, Diskriminierung, das ist eben so. Aber die, die sich outen, und die, die, die auf der Strecke bleiben, die machen etwas ganz anders durch als Hundebesitzer, Radfahrer oder Politiker. Sie sind anders und (abgesehen davon, ob sie es wollen) können es nicht ändern, wie eine Haarfarbe, eine Religion oder die Staatsbürgerschaft.

Jede Diskriminierung ist schlimm und sollte bekämpft werden und es geht nicht darum, ob Sie persönlich Schwule mögen oder nicht hassen sollen. Aber von einer halbwegs solidarischen Gesellschaft, die sich darauf verständigt hat, einigermassen barrierefrreie Bahnhöfe zu bauen und Volksschulabgängern einen zweiten Bildungsweg zu ermöglichen, erwarte ich auch, dass sie Schwule auch dann respektieren, wenn sie nicht gerade auf dem Jakobsweg sind oder Volkslieder singen. Dass sie gerade Jugendlichen nicht nur das Gefühl gibt, dass ihre sexuelle Identität nicht so schlimm ist, sondern ganz genau gleichwertig, und dass es deshalb eben nicht normal ist, wenn sie dafür diskriminiert werden.

Bedenken Sie, dass diese Jungendlichen, die trotz (oder wegen) der schwulen Stars und Bürgermeister mit ihrer Outingentscheidung immer erstmal ganz alleine und im Risiko stehen, immer wieder auf Menschen angewiesen sind, die ihnen das vermitteln können.

Ich hoffe, ich darf Sie zu diesen Menschen zählen.

Und dann denken Sie bitte ganz kurz nochmal darüber nach, was Klaus Wowereit da eigentlich gesagt hat.

Danke!

PS: Ich habe übrigens niemanden hier vorgeworfen, Homosexuelle mit Tieren zu vergleichen und ich habe auch keine Vorurteile gegen Maren P. Ich kenne sie gar nicht. Ich weiss nur, was sie hier schreibt. Vielleicht ist das ja gut so.

2) Sascha, Sonntag, 12. Dezember 2010, 03:17 Uhr

@nollendorfblog.de:

Danke dafür, dass mal jemand darauf hinweist, dass homophober Müll nicht einfach so in die Köpfe von Kindern und Jugendlichen kommt,

sondern ganz wesentlich durch den weiterhin vorherrschenden, zunehmend penetrant massenmedial beförderten Heterosexismus und durch die gleichzeititge Untätigkeit der deutschen Politik in Sachen Diskriminierungsschutz und Diversity Mainstreaming nicht zuletzt im “Erziehungs-” und Bildungswesen befördert wird.

In anderen EU-Ländern ist man da schon weiter und bearbeitet zum Beispiel homophobe (ebenso wie rassistische oder sonstwie xenophobe) Sprache und Rede in den Schulen aktiv bzw. hat die Bearbeitung in jedem einzelnen Fall zur Pflicht erklärt.

Und nur so kann das funktionieren, denn jedes Kind, das durch homophobe Sprache verletzt und pathologisiert wird – nicht umsonst sind homosexuelle Jugendliche einem viermal höheren Suizidrisiko ausgesetzt, wie sogar unsere letzte Bundesregierung offiziell einräumen musste – ist eines zuviel!

Außerdem wird die Vielfalt sexueller Identitäten in Ländern wie Spanien, Großbritannien oder den skandinavischen Ländern inzwischen fächer- und jahrgangsübergreifend von Anfang an thematisiert und die Gleichwertigkeit von Menschen hervorgehoben, wann immer es um zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe, Sexualität, Partnerschaft geht.

Da hinkt Deutschland inzwischen weit hinterher – ebenso wie beim Diskriminierungsschutz allgemein und dessen Institutionalisierung in allen relevanten politischen und gesellschaftlichen Bereichen.

Nur mal ein Beispiel: In Brasilien, bekanntermaßen einem Nicht-EU-Land mit etwas anderen sozialen Ausgangsbedingungen, hat der scheidende Präsident Lula am Freitag einen Nationalen Rat für den Diskriminierungsschutz von Schwulen und Lesben eingesetzt,

in dem alle 15 Bundesministerien und 15 zivilgesellschaftliche Organisationen vertreten sind und der ab sofort konkrete Politiken der Antidiskriminierung in allen relevanten Bereichen erarbeiten und an sämtlichen Entscheidungsprozessen auf legislativer/exekutiver Ebene beteiligt wird sowie der gesellschaftlichen Kontrolle der Umsetzung von Maßnahmen dienen soll, die in regelmäßigen nationalen Konferenzen der Regierung mit den sozialen Bewegungen beschlossen werden.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie weit wir in Deutschland von einer institutionalisierten Antidiskriminierungspolitik entfernt sind.

Ganz nebenbei: Das oben genannte Konzept entspricht dem Ansatz, den die regierende Arbeiterpartei in Brasilien seit acht Jahren in allen Bereichen verfolgt – gegen das Diktat des Neoliberalismus und mit dem Ergebnis, dass in diesem Land mit seiner extremen sozialen Ungleichheit seit 2003 30 Millionen Menschen aus der Armut in die Mittelschicht aufgestiegen sind.

3) Peer, Sonntag, 12. Dezember 2010, 09:09 Uhr

Ich bin auch von einigen Postings irritiert – vor allem offenbaren sie eine Leseschwäche. Es geht doch nicht darum, dass Homosexuelle nicht zur Rechenschaft gezogen werden dürfen!
Der Punkt ist doch der: Wenn Angela Merkel in einer vergleichbaren Situation ihren Büroleiter herauszuwrefen, hätte niemand eine Affaire zwischen den beiden vermutet.
Warum also zwischen Metzler und Westerwelle?

4) StefanP, Sonntag, 12. Dezember 2010, 10:26 Uhr

Wie man Diskriminierungsopfer macht, da gab es hier zuletzt einige Beispiele zu lesen. Wenn in einer Gesellschaft 93-95 Prozent der Menschen heterosexuell orientiert sind, so darf es dennoch nicht sein, dass dies sich irgendwie im öffentlichen und privaten Leben widerspiegelt. Das wäre so, als wenn man in der Emmaredaktion positive Berichte über Männerbündeleien erwarten würde.

Wenn Menschen offen über ihre privaten Verhältnisse, ihre Partnerbeziehung berichten, dann ist das nicht Ausdruck einer heterosexuellen Lebensform noch diskriminiert das irgendjemanden. Genauso könnten sich die vielen Singles abgestoßen fühlen (und fühlen sich häufig gesteuert), wenn andere vom familiären Glück erzählen.

@nollendorfblog.de
Ich muss leider einiges klarstellen. Erstens, Wowereit wurde nicht “erpresst”, wie Sie es ausdrücken und vor allem nicht mit seiner Homosexualität. Das wurde Ole von Beust, aber nicht von einer intoleranten Öffentlichkeit, sondern vom eigenen Koalitionspartner. Erpressung setzt voraus, dass der Täter sich einen (materiellen) Vorteil vom Geschädigten erhofft. Eine Berliner Zeitung hatte jedoch nur verlauten lassen, Wowereits sexuelle Orientierung öffentlich zu machen. Da man nicht genau wusste, wie sich eine solche Veröffentlichung auswirken würde, entschied sich der Berliner SPD-Chef zur Vorwärtsstrategie. Geschadet hat im das in keinem Fall, eher genützt.

” Wie ich Sascha verstanden habe, hat er sich nicht darüber empört, “dass man jedem zuerst eine statistisch und biologisch `normale´ Orientierung” unterstellt, sondern versucht zu erklären, warum sich Schwule outen und Heteros eben nicht.”

Nein, genau das hat er nicht. Sascha stellt zwar eine indirekte, aber konkrete Forderung: “Dass Schwule und Lesben sich (..) vor allem selbst behaupten müssen (..), liegt an den gesellschaftlichen Umständen, die erst einmal jedem von kleinauf unter Sanktionsandrohung (direkt und indirekt) eine heterosexuelle Identität unterstellen.”

Aus dem Satz folgt, dass man nicht sofort eine heterosexuelle Identität bei Kindern unterstellen sollte. Eine völlige Absurdität, wenn 93-95 Prozent der Menschen am Ende heterosexuell sind.

Jugendliche Homos (in Abwandlung von Saschas Begriff des Heteros) haben durchaus ein Problem mit dem Outing und müssen es dennoch tun. Warum? Weil sie anders leben wollen und sich gegen Erwartungen nicht der “Öffentlichkeit” aber ihres Umfeldes wappnen. Erwartungen? Ja, wir alle sind zu jeder Zeit mit Erwartungen konfrontiert, ohne dass wir daraus eine Opferrolle konstruieren. Nur bestimmte Gruppen tun das, was man wiederum nicht einfach akzeptieren sollte.

Viele Menschen fühlen sich gestört, wenn junge Pärchen öffentlich zu sehr ihre Leidenschaft zeigen. Für Schwule und Lesben gilt das Gleiche, ohne dass man daraus ebenfalls einen Opferstatus ableiten dürfte.

5) Maren P., Sonntag, 12. Dezember 2010, 13:27 Uhr

@ nollendorfblog.de

Etwas ungewöhnlich, aber ich will doch noch einmal mich selbst zitieren: >>Oft sind es doch die Schwulen selbst, die ihre sexuelle Orientierung instrumentalisieren und öffentlich machen.<<

In ihrer freischwebenden Interpretation haben Sie mir deshalb latente Homophobie, letztlich sogar eine faschistische Denke mit der "Schuldfrage", unterstellt. Sie unterschlagen das Wort "instrumentalisieren", ohne ernsthaft zu hinterfragen.

Als Ole von Beust oder Klaus Wowereit sich outeten, hofften sie auf den Effekt bei den Zuhörern, dass es doch völlig wurscht sei, welche sexuelle Orientierung jemand habe, wenn er nur ein guter Regierender oder Erster Bürgermeister er sei. Dieser Effekt trat bekanntermaßen ein. DARÜBER HINAUS aber warb ihr öffentliches Bekenntnis auch um Wählerstimmen, die ein Outing einfach "cool" finden und denen programmatische Inhalte eines Kandidaten wurscht sind. Das nenne ich eine "Instrumentalisierung" der öffentlichen Bekanntgabe der eigenen sexuellen Orientierung. Und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit den vielen anderen Negativbeispielen wie Präsentation der vierten Ehefrau oder den lieben Kinderchen …

Wenn Sie sich von ihrer monothematisch verengten Sichtweise auf problematische Handlungsfelder zum Thema 'Diskriminierung' in der Bundesrepublik lösen könnten, würde das die Befreiung aus einer Opferrolle hin zu einem selbstbewussten Bürger sicher beflügeln.

6) Session, Sonntag, 12. Dezember 2010, 15:21 Uhr

Um es noch einmal eindeutig festzuhalten: In diesem Land werden Schwule und Lesben immer noch diskriminiert. Es gibt keine Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Steuerrecht, bei der Hinterbliebenenversorgung oder im Adoptionsrecht! Da wurden wir schon lange überholt von anderen südeuropäischen Ländern wie z.B. Spanien.

7) EStz, Sonntag, 12. Dezember 2010, 16:43 Uhr

@nollendorfblog.de

Es ist alles sicherlich mein Fehler, ich bitte um Entschuldigung.

Ich bin, dass habe ich an anderer Stelle geschrieben, grundsätzlich gegen Diskriminierung, ob sie sich nun aus der Hautfarbe, der Religion, des Geschlechts, der sexuellen Neigung oder anderem ergibt – ich weiß nicht, wie ich das noch deutlicher formulieren soll.

Für mich stellt sich die Welt grundsätzlich nicht nur als Schwarz und Weiß dar, sondern als Schwarz-Weiß-Farbe-Grau-Gemenge in allen möglichen Schattierungen. Ihre Schwarz-Weiß-Zeichnung entspricht nicht meiner Lebenserfahrung. Mag sein, dass ich nicht Ihren Vorstellungen von “Weiß” entspreche. Mich deswegen für “Schwarz” zu erklären empfinde ich als Anmaßung.

8) StefanP, Sonntag, 12. Dezember 2010, 17:12 Uhr

@Session

Gleichstellung mit was? Sie können doch unmöglich daraus, das Ungleiches ungleich behandelt wird, eine Diskriminierung ableiten. Schwule und Lesben können nicht nur per definitione keine gemeinsamen Kinder bekommen, daraus leiten sich jedoch die meisten steuerlichen Bevorzugungen (was nicht gleichzusetzen ist mit Diskriminierung) ab. Und es gibt auch keinen Grund, Homosexuelle im Adoptionsrecht gleichzusetzen mit “normalen” Pärchen, schließlich werden auch Singles gegenüber Eheleuten zurückgesetzt – aus guten Gründen. Diskriminiert fühlen sich aber Schwule und Lesben.

Bevor man über Recht urteilt, sollte man sich mit den Rechtsgrundsätzen beschäftigen.

9) klaus f., Sonntag, 12. Dezember 2010, 17:45 Uhr

zu nollendorfblod.de:
danke für Ihre beiträge. Sie bringen m.e. wirklich die wesentlichen aspekte exakt auf den punkt. einige formulierungen sind so schön, dass ich sie bei gelegenheit klauen werde. 🙂

zu stefanp:
Sie schreiben: “Viele Menschen fühlen sich gestört, wenn junge Pärchen öffentlich zu sehr ihre Leidenschaft zeigen. Für Schwule und Lesben gilt das Gleiche, ohne dass man daraus ebenfalls einen Opferstatus ableiten dürfte.”

bei schwulen und lesben gilt das gleiche? sind Sie sicher? ich empfehle folgenden test:
– gehen Sie hand in hand mit einer freundin durch die fußgängerzone von – sagen wir mal: ludwigshafen. umarmen Sie sie. streicheln Sie ihr gesicht. beobachten Sie die reaktionen.
– gehen Sie hand in hand mit einem freund durch dieselbe fußgängerzone. umarmen Sie ihn. streichen Sie sein gesicht. beobachten Sie die reaktionen.
– vergleichen Sie.

die behauptung, die opferrolle von schwulen und lesben werde vor allem von ihnen selbst produziert, empfinde ich angesichts der realität, dass das selbstmordrisiko unter schwulen und lesbischen jugendlichen um ein vielfaches erhöht ist, verbale und körperliche gewalt gegen diese gruppen fast normal, verunglimpfungen durch parteien und kirchen an der tagesordnung, gesetzliche gleichbehandlung noch weit entfernt, als ausgesprochen zynisch.

10) nollendorfblog.de, Montag, 13. Dezember 2010, 00:19 Uhr

Einge werden sich wohl fragen, warum ich immer wieder auf Beiträge eingehe, und es nicht einfach gut sein lasse. Der Grund ist: es ist nicht gut.

Es ist nicht gut, wenn jeder hier sagt, dass er gegen Diskriminierung ist und trotzdem ein Grossteil der Erstkommentare zu diesem Thema einen eindeutig diskriminierenden, schwulenfreindlichen Hintergrund hat.

Es ist nicht gut, was sich daraus für die Gesamtgesellschaft hochrechnen lässt, die ja im Zweifel nicht liberaler als dieses Forum ist, und es ist nicht gut, wenn das Diskriminierende gar nicht erkannt wird, offensichtlich, weil es nicht in die eigene bürgerliche Selbstwahrnehmung passt.

Das macht es so gefährlich, und deswegen bleibe ich bei scheinbar lapidaren Aussagen so hartnäckig, die hier (offensichtlich leider zu recht) als Selbstverständlichkeit, als gesellschaftlichen Mainstream dargestellt werden, aber zu Ende gedacht eine besorgniserregende Entsolidarisierung der Gesellschaft mit Homosexuellen bedeuten.

Gerade weil die Gesellschaft einen riesengrossen Schritt in Sachen Legalisierung und Liberalisierung gemacht hat, muss darauf geschaut werden, wie die Lebenswirklichkeit aussieht. Dass wir offen schwule Stars und Politiker haben, ändert nichts daran, dass “Schwule Sau” das beliebteste Schmipfwort an den Schulen ist, dass die Selbstmorde unter schwulen Jugendlichen viermal höher sind, als die der heterosexuellen, dass laut Jugendstudien die Zahll derer, die ein Problem damit hätten, wenn ihr Nachbar schwul wäre, deutlich steigt, dass die Zahl von Gewalttaten gegen Schwule nicht ab- sondern zunimmt (alleine in meiner Nachbarschaft hat es in letzter Zeit zwei brutale Übergriffe gegeben, der eine davon lebensgefährlich).

Doch das gefährlichste ist eine Gesellschaft, die Schwulenfeindlichkeit nicht zur Kenntnis nehmen will.

Es stimmt eben nicht, wenn Maren P. (ich nenne sie jetzt exemplarisch für viele Äusserungen hier) sagt, dass es den Menschen “völlig wurscht” sei, welche sexuelle Orientierung jemand habe. Das gilt eben nur so lange, bis jemand nicht auffällig wird oder nervt: Bei Maren P. hat die Wurst schon in der Buchhandlung ein Ende, wenn sie jemand mit der unnachgefragten Information belästigt, dass er homosexuell sei. Was denn jetzt: völlig Wurscht, oder eben doch so unangenehm, dass man es lieber für sich behalten sollte? Über dieses Unangenehme sollten wir reden, darüber was offensichtlich viele Menschen stört und wie man es aushalten kann. Andersartigkeit stört eben mitunter, die Gesellschaft und oft auch Einzelne. Die Frage ist, was daraus folgt. Ist ein Respekt möglich und erwünscht oder geht es nur um eine Toleranz, die jederzeit aufgekündigt werden kann?

Ist die Gesellschaft bereit, auch ihrer schwulen Minderheit gleiche Möglichkeiten etwa in der Entfaltung in der Erziehung zu bieten? Stefan P. etwa nennt es hier aufgrund der relativ kleinen Anzahl homosexueller Schüler unwidersprochen eine “völlige Absurdität”, wenn man in der Schule davon ausgeht, dass nicht alle Schüler heterosexuell sind und dies in der Ansprache entsprechend berücksichtigt. Er (und offensichtlich viele andere) merken gar nicht, wie brutal es ist, Jugendliche in dieser Situation ausdrücklich nicht unterstützen zu wollen und meint dazu:

“Ja, wir alle sind zu jeder Zeit mit Erwartungen konfrontiert, ohne dass wir daraus eine Opferrolle konstruieren. Nur bestimmte Gruppen tun das, was man wiederum nicht einfach akzeptieren sollte.”

Es geht hier nicht um Opfer, sondern um eine Bedürftigkeit. Eine Bedüftigkeit, die junge Menschen oft in existentielle Nöte bringt und (wenn man mit Stefan P.s verwendeten Zahlen operiert) statistisch gesehen immerhin zwei Kinder in jeder Schulklasse betrifft. Es tur mir leid, die olle Kamelle jetzt nochmal zu lutschen, nach der sich der Zustand einer Gesellschaft dadurch am besten zeigt, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht. Aber genau darum geht es hier. Und, lieber Herr P und andere, Sie machen mir Angst.

@ Maren P:

ich habe Ihre Aussage nur in dem Kontext interpretiert, in den Sie sie gestellt hatten. Nein, ich mag jetzt nicht die grosse Keule herausholen, aber da Sie offensichtlich nicht wahrhaben wollen, was Sie da gesagt haben (und mehr als latent möglicherweise ja auch gedacht haben), hier nur ein kleines Gedankenspiel:

“Eine generellen Antisemetismus in allen Parteien kann ich nicht erkennen, Herr Spreng. Oft sind es doch die Juden selbst, die ihre Religion instrumentalisieren und öffentlich machen.”

(Nur um nicht das Fass aufzumachen: Ich möchte natürlich nicht behaupten, die Parteien seinen antisemitisch!)

Da Sie den Faschismus ansprechen: Der wohl einzige Vorteil an den Faschisten ist, dass sie Ihre Angstobjekte klar formulieren können, und nicht wie die guten “Ich habe ja nichts gehen Schwule, aber”- Bürger diffus gegen Sie schiessen und ihnen dann auch noch ihre Opferrolle vorwerfen.

PS: Danke, Herr Spreng für den Stich ins Wespennest. Ich möchte dieses Forum nicht sprengen. Wer tiefergehend mit mir über das Thema streiten möchte, kann dies auch auf meinem Blog (www.nollendorfblog.de : “Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…”) tun.

11) klaus f., Montag, 13. Dezember 2010, 01:48 Uhr

zu StefanP:
ja, beschäftigen wir uns mit den rechtsgrundlagen und schauen uns z.b. an, was das bundesverfassungsgericht zur gleichstellung von lebenspartnerschaft und ehe sagt. diese leute sollten sich da ja ein wenig auskennen, nicht wahr? und sie stellten 2009 eindeutig fest, dass die potentielle zeugung gemeinsamer kinder eben NICHT das entscheidende kriterium für die staatlichen paarprivilegien ist:

“Ein Grund für die Unterscheidung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft kann auch nicht darin gesehen werden, dass typischerweise bei Eheleuten wegen Lücken in der Erwerbsbiographie
aufgrund von Kindererziehung ein anderer Versorgungsbedarf bestünde als bei Lebenspartnern. Nicht in jeder Ehe gibt es Kinder. Es ist auch nicht jede Ehe auf Kinder ausgerichtet. (…)
Umgekehrt ist in eingetragenen Lebenspartnerschaften eine Rollenverteilung dergestalt, dass der eine Teil eher auf den Beruf und der andere eher auf den häuslichen Bereich einschließlich der Kinderbetreuung ausgerichtet ist, ebenfalls nicht auszuschließen. In zahlreichen eingetragenen Lebenspartnerschaften leben Kinder, insbesondere in solchen von Frauen. Der Kinderanteil liegt bei
eingetragenen Lebenspartnerschaften zwar weit unter dem von Ehepaaren, ist jedoch keineswegs vernachlässigbar.”

in dieser entscheidung ging es um die gleichstellung bei der betrieblichen hinterbliebenenrente, dieselbe argumentation lässt sich aber auf andere privilegien übertragen. das wird bei den derzeit anstehenden klagen bzgl. des ehegattensplittings sehr wahrscheinlich auch in gleicher weise erfolgen.

was die adoption angeht: singles mögen bei der adoption hinter ehepaaren oft zurückgestellt werden, sie haben aber die möglichkeit zur gemeinschaftlichen adoption, sobald sie eine partnerschaft eingehen. es gibt keinen vernünftigen grund, weshalb schwule und lesben als einzelpersonen bereits kinder adoptieren und mit ihren partnerInnen zusammen erziehen dürfen, ihnen aber das recht verweigert wird, diese kinder gleichzeitig auch durch ihren partner absichern zu lassen. das ist nicht nur ungerecht gegenüber den paaren, sondern vor allem gegenüber den kindern, die nicht dieselbe absicherung in ihren familien bekommen wie diejenigen, die von heterosexuellen aufgenommen wurden.

12) Boje C., Montag, 13. Dezember 2010, 10:30 Uhr

Moin zusammen,

ich möchte jetzt nicht zum wiederholten Male einzelne Zitate aus den Kommentaren wiedergeben. Ich möchte mich auch nicht dazu äussern, wie Herr Westerwelle sein Geschäft betreibt oder wie einige Medien darüber berichten (was ja der Aufhänger für Herrn Sprengs Beitrag war).

Ich möchte nur aus persönlicher Erfahrung folgendes mitteilen:

Es gibt immer noch Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Sowohl von staatlicher Seite als auch von einigen Medien. Vielfach ist die Homophobie latent und wird als solche tatsächlich nicht mehr wahrgenommen.

Ich sage Ihnen das als ein Mann, der seit nun acht Jahren mit seinem Mann in einem kleinen, westfälischen Dorf zusammen lebt. Wir haben einen großen Bekannten- und Freundeskreis, nehmen aktiv am Dorf- und Vereinsleben teil und erfahren hier, vor Ort, tatsächlich wenig offene Diskriminierung. Das ist sicherlich deutlich mehr, als viele den Bewohnern eines kleinen “schwarzen, katholischen” Dorf im Münsterland zutrauen. Gleichwohl muß man sagen, das es noch immer nicht so ist, dass alle unser Leben als das ansehen, was es ist: Normal. Da bleibt noch viel zu tuen, im Vergleich mit anderen Schwulen habe ich aber Glück gehabt:

– meine Eltern haben mich nicht aus dem Haus geworfen, nachdem ich mich geoutet habe
– ich konnte weiter in meinem Verein Fußball spielen und auch als Jugendtrainer arbeiten
– ich konnte weiterhin zum Schützenfest gehen und mich beim Bürgerstammtisch äussern
– auf der Uni war es kein Problem
– auch an meiner Arbeitsstelle gibt es kein Problem

Die Tatsache, das mir o.g. als Glück erscheint zeigt aber: Es gibt die Fälle, in denen es anders Läuft: Jugendliche werden rausgeschmissen, aus dem Verein gemobbt usw. Das ist Diskriminierung. Das ist Homophobie. Das gibt es immer noch. Es ist heute nur etwas besser versteckt.

Viele, die sich selbst für nicht homophop halten, benutzen trotzdem entsprechende Formulierungen, denken in homophoben Mustern und das, ohne es zu merken. Das entnimmt man auch einigen Kommentaren hier.

Solange das so ist, ist es wichtig, dass andere Leute sich dagegen wehren, das ich mich dagegen wehre.

13) Sascha, Montag, 13. Dezember 2010, 12:04 Uhr

@StefanP:

Wie oft wollen Sie eigentlich noch wiederholen, dass in dieser Gesellschaft “93%-95% heterosexuell” seien und dies gewissermaßen als Legitimation für die immer noch weit verbreitete Ignoranz gegenüber der sexuellen Vielfalt, die Unterdrückung, Verleugnung und Diskriminierung von Homosexualität heranziehen?

Verschafft Ihnen das irgendwie ein Gefühl der Überlegenheit, oder brauchen Sie das zur Selbstvergewisserung?

Ich empfehle Ihnen nicht zuletzt, mal Ihr sexualwissenschaftliches Wissen etwas zu aktualisieren. Schon Kinsey hat in den grauen 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts empirisch sehr eindrucksvoll beelgt, dass homosexuelle Empfindungen sehr viel weiter verbreitet sind und die “heterosexuelle Mehrheit” keineswegs so homogen heterosexuell ist, als man glauben mag.

Insofern sind Ihre scheingenauen statistischen Einwürfe weder sozialwissenschaftlich besonders reflektiert noch der Lebenswirklichkeit derer angemessen, die sich mit ihrer Homosexualität behaupten müssen in einer weithin heterosexistischen Umwelt, die – wie man in diesem Thread eindrucksvoll erleben kann – gleich laut losschreit, wenn Schwule und Lesben für sich die gleiche Offenheit im Umgang mit ihrer Identität beanspruchen wie Heterosexuelle das immer und überall ganz selbstverständlich tun.

Da braucht man sich wahrlich nicht zu wundern, dass viele junge homosexuell empfindende Menschen Selbstmordgedanken haben und diese im schlimmsten Fall auch umsetzen. Und allein das sollte eigentlich Grund genug sein, vorherrschende Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft im Umgang mit der Vielfalt sexueller Identitäten, in Erziehung und Bildung, in den Massenmedien, allgemein im öffentlichen und alltäglichen Leben, gründlich zu hinterfragen.

14) nurmalso, Montag, 13. Dezember 2010, 13:35 Uhr

herr spreng schrieb:

> Eines möchte ich klarstellen: nicht ich habe über die sexuelle Orientierung von Herrn Metzner berichtet, sondern die” Frankfurter Allgemeine am Sonntag” und die “Süddeutsche” und zwar, indem sie eindeutig schwulenfeindliche Äußerungen aus der FDP anonym kolportierten.Und zuvor hatten schon andere Blätter über seine Mitgliedschaft bei den schwulen und lesbischen Liberalen berichtet.

genauso hatte ich es auch aus dem ursprünglichen beitrag herausgelesen. andere offensichtlich nicht.
nicht herr spreng interpretiert etwas hinein, was es nicht gibt oder bauscht es auf – fas und süddeutsche mit berufung auf fdp kreise taten das. das ist doch wohl nicht so schwer zu erfassen?!

aber bei dem ganzen breittreten von befindlichkeiten in den kommentaren hier, verstärkt sich auch wieder mal die gewissheit, dass ein gutes blog nicht automatisch auch gute kommentare nach sich ziehen muss.
die gefühlten gewissheiten und halbwahrheiten nach dem motto “mein vater sagte immer” oder “der schwule an sich outet sich ja gern permament gegenüber seinem hilflosen hetero-opfer” sind beim ersten lesen zwar noch recht unterhaltend, verlieren aber nach dem 10. kommentar in dieser richtung ihren reiz – alles schon mal gelesen.

15) JohannRoth, Montag, 13. Dezember 2010, 14:40 Uhr

Der deutsche Außenminister seit eitel, inkompetent, amerikakritisch und habe eine überschäumende Persönlichkeit so die amerikanische Einschätzung in Wikileaks. Vor allem besitzt er die Kompetenz-Kompetenz im Umgang mit Frauen aus allen Kulturkreisen.
Die große Mehrheit der Bundesbürger sieht es genauso.
Er möge noch möglichst lange im Amt bleiben.
Einen besseren Wahlhelfer gibt es für die sozialen, liberalen, konservativen und christlichen nicht mehr.

16) ich bins nur, Montag, 13. Dezember 2010, 22:14 Uhr

Was wirklich die Hintergründe für den späten Rauswurf waren, darüber weiß offensichtlich keiner im Kreis der Kommentatoren Bescheid. Aber warum wird die Theorie, dass die Orientierung der beiden Herren damit zu tun haben könnte, in Bausch und Bogen verworfen? Weil es nicht p. c. ist?

17) Rich Rubin, Dienstag, 14. Dezember 2010, 07:49 Uhr

Ich hoffe, dass ich Frau Maren P. nie begegnen muss. Ich hätte Angst, ihr versehentlich eine Geschichte zu erzählen, in der auch mein Mann vorkommt.

18) StefanP, Dienstag, 14. Dezember 2010, 09:34 Uhr

@Sascha

ich hatte zu anfangs (an Sie) geschrieben, dass nur wenn man diejenigen hinzuzählt, die zeitweise oder regelmäßig bisexuell leben (dazu gehören nunmal auch homosexuelle Kontakte), man auf die hohen Werte von 10-17 Prozent kommt. Rein homosexuell empfindet sich davon jedoch nur ein kleiner Teil. Ihre Aufregung und rethorischer Schulverweis geht also an Sie selber, lesen Sie bitte, was Ihre Diskussionspartner schreiben.

Sie greifen ja dann auch zu dem üblichen Trick, die bisexuellen Menschen – die sich mehrheitlich als heterosexuell in ihrer Identität empfinden, für die Sache der Schwulen und Lesben zu vereinnahmen. Das wiederum ist unseriös, da Bisexuelle üblicherweise nicht homosexuell leben und leben wollen. Oder wollen Sie tatsächlich die Frau, die sich mal im Schwingerclub mit einer anderen Dame vergnügt, für Schwulenrechte einspannen? Argumentativ tun Sie es ja.

19) EStz, Dienstag, 14. Dezember 2010, 23:06 Uhr

@ Sascha, Nollendorfblog, Rich Rubin & Co

>>>Ich hoffe, dass ich Frau Maren P. nie begegnen muss. Ich hätte Angst, ihr versehentlich eine Geschichte zu erzählen, in der auch mein Mann vorkommt.<<< Au weia

In einem früheren Job habe ich eine Abteilung von etwa 25 Mann geleitet. Es gab dort auch 4 homosexuelle Kollegen. Bei drei von Ihnen habe ich zum Zeitpunkt der Einstellung nicht gewußt, dass sie homosexuell waren. Einer hat es mir (ohne Nachfrage meinerseits) beim Einstellungsgespräch gesagt. Ich habe ihn eingestellt, weil er hoch qualifiziert war. Ich habe sie genau so wie die anderen gelobt oder kritisiert, oder abends mal ein Bier mit Ihnen getrunken.

Ich hätte es aber überhaupt nicht gut gefunden, wenn zwei von denen Arm in Arm oder knutschend über die Firmenflure gelaufen wären. Es gehört sich einfach nicht (es würde sich auch nicht gehören, dass zwei Hetero-Mitarbeiter sich so verhalten, und hätte mich entsprechend auch gestört; aber das wollen Sie sicher wieder mal nicht wissen). Der hier bisher verkündeten Schwarzweiß-Malerei zufolge reicht das jedenfalls aus, mich zum diskriminierenden, homophoben Soziopathen darzustellen.

Sie sehen den Adler, ich sehe die Zahl. Wir schauen auf die gleiche Münze. Der Unterschied scheint mir nur zu sein, dass ich weiß, dass es einen Adler gibt (selbst wenn ich nicht genau weiß, wie er aussieht), und Sie die Zahl nicht wahrhaben wollen. Nicht jeder, der Sie nicht liebt, hasst Sie deswegen gleich; nicht jeder, der Sie ablehnt, tut das, weil Sie schwul sind.

20) Rich Rubin, Samstag, 18. Dezember 2010, 11:51 Uhr

Ich hoffe, dass ich EStz. nie begegnen muss. Ich hätte Angst, ihm versehentlich eine Geschichte zu erzählen, in der auch meine Frau vorkommt.

Kontemplieren Sie ruhig weiter über Münzen, vielleicht fällt dabei auch einmal der Groschen.

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