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Die Schwulenfeindlichkeit in der Politik

Der Fall Westerwelle/Metzner, die Affäre um Guido Westerwelles Ex-Büroleiter Helmut Metzner, offenbart, dass es in der Politik trotz aller Outings der vergangenen Jahre und trotz der liberalen Öffnung der Gesellschaft immer noch kein unverkrampftes Verhältnis zur Homosexualität gibt. Weil der FDP-Chef zögerte, sich von dem “jungen aufstrebenden Mitarbeiter” zu trennen, der die Koalitionsprotokolle zur US-Botschaft getragen hatte, wucherten in der FDP Gerüchte über “homosexuelle Seilschaften” in der FDP-Zentrale.

Zuerst berichtete darüber, gestützt auf natürlich anonyme Informanten, die FAS, dann die “Süddeutsche”. Metzner werde wegen seiner Homosexualität geschont, es gäbe eine “Solidarität unter Schwulen”, Generalsekretär Christian Lindner müsse sich von solchen Machenschaften lösen.

Das waren – aus der Anonymität heraus – nicht nur heftige Unterstellungen, sie zeigten aber auch, wie schnell aus einer nicht nur in der Politik unverändert latenten Schwulenfeindlichkeit  eine virulente werden kann. Und wie schnell sich sogenannte seriöse Zeitungen zu Weiterverbreitern und Verstärkern solcher Unterstellungen machen. Denn zur Beurteilung des Vorgangs ist es völlig gleichgültig, ob der durch Wikileaks enttarnte “FDP-Veräter” und Zuträger der US-Botschaft hetero- oder homosexuell ist. Es ist ein rein arbeitsrechtliches Problem. Wären Westerwelle und Metzner heterosexuell orientiert, dann wären bei denselben Vorwürfen sicher keine vergleichbaren Verdächtigungen aufgekommen.

Nach wie vor ist die Toleranzdecke dünn, die in der Politik über eine homosexuelle Orientierung gebreitet wird.

Westerwelle ist allerdings der Vorwurf schlechten Krisenmanagements zu machen. Er hätte gleich die Konsequenzen ziehen müssen. Weil er zu lange zögerte, öffnete er die Tür für schwulenfeindliche Unterstellungen in seiner angeblich so liberalen Partei.