Montag, 13. Dezember 2010, 16:12 Uhr

Der Minister, seine Frau, sein Talkmaster

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das dasselbe. Als Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau Eva Luise nach Afghanistan reiste, war das der Besuch eines zurückhaltenden, bescheidenen, unglamourösen Ehepaares bei den deutschen Soldaten. Der Star waren die Soldaten.

Wenn Karl Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau ins afghanische Feldlager fliegt, dann ist das der Besuch eines extrovertierten, eher unbescheidenen, glamourösen Ehepaares vor der Kulisse der deutschen Soldaten. Das ist der Unterschied: bei den zu Guttenbergs besteht immer der Verdacht, dass Menschen und Orte medial instrumentalisiert werden. Der Star sind der Minister und seine Frau, nicht die Soldaten.

Vielleicht tut man ihm unrecht, aber der Eindruck verfestigt sicht, dass die Selbstinszenierung den guten Zweck überlagert. Darauf wäre bei Köhlers nie einer gekommen. Dazu trägt auch bei, dass Stefanie zu Guttenberg (“Ich wollte schon immer mal mitkommen”) inzwischen selbst eine Medienfigur geworden ist. Dabei ist sie – Pardon – erst einmal nur die Ehefrau des Verteidigungsministers. Sie hat kein politisches Mandat, sie hat nur eine von ihrem Mann geliehene Prominenz und Autorität.

Und wenn dann noch der” Talkmaster des Herzens”, Johannes B. Kerner, mit seiner aufwändigen TV-Technik dabei ist, dann wird der Eindruck der Medieninszenierung übermächtig. Der Minister, seine Frau, sein Talkmaster. Das globale Mediendorf ist überall, auch in Kundus.

Zu Guttenbergs Aufstieg gleicht dem des Artisten, der mit immer gewagteren Kunststücken seinen Zuschauern den Atem nimmt, gleichzeitig aber mit jedem neuen Kunststück seinen Absturz riskiert. Das ist überhaupt die interessanteste Frage: Wann ist die mediale Fallhöhe zu Guttenbergs so hoch, dass er nur noch abstürzen kann? Noch hat er sie nicht erreicht, aber der Minister kommt diesem Punkt von Mal zu Mal näher.

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59 Kommentare

1) ohswe, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 12:41 Uhr

Was zu beachten ist:
1. Der schlüpfrige Kommentar des Herrn Gabriel vom Montag (… Katzenberger …) sagt mehr aus über die Verfaßtheit des Geistes des Herrn Siegmar G. als über den kommentierten Sachverhalt.
2. Was soll denn Herr Gabriel mangels Ehefrau auch anders machen, als meckern ?
3. Die zu Guttenbergs haben ´ne ganze Menge dafür getan, dass den Bundesbürgern nochmals klar wird, dass einige von uns Ihr Leben in Asien riskieren.
4. … und Gabriel ? Er wird in diesen Tage die von Schröder, Fischer und Steinmeier begonnene Militär- Politik unter Hinweis auf baldigen Ausstieg für die SP’D beenden.

Guttenberg macht seine Sache gut – jedenfalls besser als denkbare personelle Alternativen. Kommunikation wollen doch alle – verbal und nonverbal … und er macht das … professionell. Siehe Schlagzeile der Bild von heute.

2) Maren P., Mittwoch, 15. Dezember 2010, 13:42 Uhr

Mich stört bei den, wohl tatsächlich überwiegend männlichen Kommentaren, die teilweise völlig überhöhte Bedeutung der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und dann – entsprechend – die zahlreichen Besuche des Verteidigungsministers.
Die Mitglieder der Bundeswehr gehen in Afghanistan ihrer, im Ausland gut, bezahlten Berufstätigkeit nach. Ich respektiere, dass eine Mehrheit des Deutschen Bundestags sie dorthin geschickt hat. Genauso wie ich erwarte, dass der Dienstherr eine den Anforderungen entsprechende Ausrüstung bereitstellt und im Krankheitsfall eine umfassende Fürsorge sicherstellt.
Es wird doch wohl ERNSTHAFT niemand behaupten wollen, die Bundeswehr verteidigte unser Leben hier am Hindukusch? Wenn ich als Soldatin also meine Arbeit mache, dort, wohin ich entsandt werde, kann es mir doch völlig schnurz sein, ob der Verteidigungsminister mal vorbeikommt, ein MdB oder der Wehrbeauftragte?
Müssen wir uns nicht vielmehr fragen, ob der Verteidigungsminister seinen eigentlichen Aufgaben gewachsen ist oder nicht doch eher ein Problemflüchter, der bei der Truppe unterkriecht? Weil er hier groß angekündigte Sparziele trotz Truppenreduzierung nicht erreicht? Weil er keine substantiellen eigenen Beiträge zur strategischen Ausrichtung der Bundeswehr leistet und dem Bundestag vorlegen kann?
Sorry, aber diese Defizite lassen sich doch nicht durch die Begleitung durch sein Frauchen oder einen schwächelnden Talker verbergen. *kicher* Hier in Schleswig-Holstein heißt das Motto: Mehr Sein als Schein. Gut.

3) stefanolix, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 13:51 Uhr

Die F.A.Z. hat es gestern so treffend als »Truppentheater« bezeichnet. Dabei sollte man es dann auch belassen 😉

Leider musste man aber auch feststellen, dass die Diskussionskultur immer mehr zu wünschen übrig lässt. Der Kommentar des Pop-Beauftragten Gabriel war (nicht zum ersten Mal) von unterirdischem Niveau …

4) Klaus, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 14:06 Uhr

Die rechte Blödzeitung als Messgerät? Das ist mir zu blöd.

5) Peter Christian Nowak, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 20:04 Uhr

@moell

Sie. Herr Moell, werden der Leserschaft sicherlich umfassende Aufklärung über Sinn und Zweck des Afghanistaneinsatzes geben können. Schiessen Sie los…wir hören.

6) irreversibel, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 23:28 Uhr

@Maren P.:
Full Ack

7) ferenc_i, Donnerstag, 16. Dezember 2010, 12:29 Uhr

Leiber Herr Spreng,

danke für den Kommentar. Bezüglich der Fallhöhe bleibt nur festzustellen, das seine Hochwohlgelaubt (oder wie das auch immer bei den Aristocats heißt) und sin Fru noch lange nicht ohne Fallnetz unterwegs sind, wie andernorts dokumentiert wird (falls Links nicht okay sind hier, bitte ändern… 🙂 ):

http://www.bildblog.de/26282/wir-sind-meinungsfreiheit/

So schnell wird der Georg Schramm Imitator im Ministerrang nicht abtreten oder abgetreten werden.

8) 1ng0, Donnerstag, 16. Dezember 2010, 15:56 Uhr

guttenbergs geheimwaffe

der austausch mit dem taliban
ist fruchtlos meist und schwierig
man bietet menschenrechte an
und er? bleibt harakirig

doch gutti, unser kriegsminister
kann nicht nur volles fürsthaar gelen
nein. nein – ein rechter fuchs, das ist er –
er kann auch kontrahenten quälen

ich warn dich, warlord, lass es sein:
zerbreche schnell den terrorstab
sonst hol ich j.b. kerner rein
der schleimt und grinst dich in dein grab

9) Dongowski, Freitag, 17. Dezember 2010, 10:59 Uhr

@1ng0: Sehr, sehr hübsch!

10) mambo, Samstag, 18. Dezember 2010, 19:47 Uhr

Alls wird gut !
Inzwischen ist auch unsere Kanzlerin in Kunduz eingetroffen,
nachdem sie zuvor wieder den Euro etwas gerettet hat ,
leider ohne Talkmaster. (ich dachte an Thomas Gottschalk ,schade,
“Wetten ,daß” in Kunduz,das hätte Quote gebracht !).
Doch dafür trug sie einen schwarzen Hosenanzug ,sehr elegant und praktisch ,
denn einen Toten gab es auch gleich zu beklagen,
aber Krieg ist nun einmal Krieg,
und auch Trauerfeiern erhöhen die Publicity .

Angela hat die Kampfmoral der Truppe dennoch ganz erheblich gestärkt.
So bleibt zu hoffen ,
daß unsere tapferen Soldaten den Afghanen endlich das Böse austreiben,
und aus ihnen überzeugte Musterdemokraten und Marktwirtschaftler machen.
Spätestens in 10 Jahren wird Afganistan EU-Mitglied und Euroland.
Dazu gibt es keine Alternative !

Deshalb ,nieder mit den vaterlandslosen links/grünen Nestbeschmutzern
und ein vierfaches Hurra auf unsere Kanzlerin !!!

11) Oma Schmitz, Sonntag, 19. Dezember 2010, 12:49 Uhr

Die FDP will bei diesen PR-werthaltigen Reisen nicht länger abseits stehen. Aus gut unterrichteten Quellen hört man, dass auh Herr Brüderle schon nach Kundus unterwegs sei, um den Afghanen zu zeigen, wie man auch ohne Alkohol einen Aufschwung im Promillebereich erzeugen kann.
Als nächster reist dann noch Herr Rösler an, um den Taliban sein Konzept einer Kopf-ab-Pauschale – upss, gibt’s ja da schon…

12) Fassmann, Dienstag, 21. Dezember 2010, 02:09 Uhr

Wie besser als durch diese drei ungelernten Clowns ließe sich spätrömische Dekadenz sonst darstellen?

Irgendwie hat die BRD fertig, finanziell, sozial, moralisch usw.

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