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Der Minister, seine Frau, sein Talkmaster

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das dasselbe. Als Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau Eva Luise nach Afghanistan reiste, war das der Besuch eines zurückhaltenden, bescheidenen, unglamourösen Ehepaares bei den deutschen Soldaten. Der Star waren die Soldaten.

Wenn Karl Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau ins afghanische Feldlager fliegt, dann ist das der Besuch eines extrovertierten, eher unbescheidenen, glamourösen Ehepaares vor der Kulisse der deutschen Soldaten. Das ist der Unterschied: bei den zu Guttenbergs besteht immer der Verdacht, dass Menschen und Orte medial instrumentalisiert werden. Der Star sind der Minister und seine Frau, nicht die Soldaten.

Vielleicht tut man ihm unrecht, aber der Eindruck verfestigt sicht, dass die Selbstinszenierung den guten Zweck überlagert. Darauf wäre bei Köhlers nie einer gekommen. Dazu trägt auch bei, dass Stefanie zu Guttenberg (“Ich wollte schon immer mal mitkommen”) inzwischen selbst eine Medienfigur geworden ist. Dabei ist sie – Pardon – erst einmal nur die Ehefrau des Verteidigungsministers. Sie hat kein politisches Mandat, sie hat nur eine von ihrem Mann geliehene Prominenz und Autorität.

Und wenn dann noch der” Talkmaster des Herzens”, Johannes B. Kerner, mit seiner aufwändigen TV-Technik dabei ist, dann wird der Eindruck der Medieninszenierung übermächtig. Der Minister, seine Frau, sein Talkmaster. Das globale Mediendorf ist überall, auch in Kundus.

Zu Guttenbergs Aufstieg gleicht dem des Artisten, der mit immer gewagteren Kunststücken seinen Zuschauern den Atem nimmt, gleichzeitig aber mit jedem neuen Kunststück seinen Absturz riskiert. Das ist überhaupt die interessanteste Frage: Wann ist die mediale Fallhöhe zu Guttenbergs so hoch, dass er nur noch abstürzen kann? Noch hat er sie nicht erreicht, aber der Minister kommt diesem Punkt von Mal zu Mal näher.