Montag, 13. Dezember 2010, 16:33 Uhr

Die Botschaftergespräche

Vorsicht, lautet jetzt die Parole in Berlin, wenn Du mit ausländischen Diplomaten sprichst. Das ist natürlich Unsinn, denn es kommt immer darauf an, was man sagt und nicht wem. Und dass man keine Geheimnisse ausplaudert.

Vor wenigen Wochen (also vor den Wikileaks-Enthüllungen) meldete sich bei mir ein amerikanischer Generalkonsul und bat um ein Treffen. Natürlich werde ich den Mann treffen und ihm genau das sagen, was ich immer sage oder schreibe. Das kann er dann gerne auch als Botschaftsbericht weitermelden.

So habe ich es immer gehalten: als Korrepondent in Bonn traf ich mich mit Diplomaten jeder Couleur, von Rumänen, Chinesen bis zu Amerikanern oder Holländern. Genauso habe ich mich auch verhalten, als ich Edmund Stoibers Wahlkampfmanager war. Da lud mich der britische Botschafter zum Essen in die Botschaft ein, der französische zum Tee (umgekehrt wäre besser gewesen). Das waren offene Gespräche und mit Sicherheit tauchte ich anschließend in der Wahlkampfeinschätzung der beiden Diplomaten auf, die sie an ihre Heimatministerien schickten. Aber warum auch nicht?

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5 Kommentare

1) Christoph, Dienstag, 14. Dezember 2010, 20:33 Uhr

Der Kern an dieser Wikileaks Affäre ist die Tatsache, dass die USA es nicht geschafft haben, ihren riesigen Datensatz an Berichten usw. unter Verschluß zu halten.

Uns sonst muß jeder selber wissen, was er wem, wieviel und welche geheimen Sachen er weiter trägt.

2) dba, Dienstag, 14. Dezember 2010, 23:22 Uhr

Werter Herr Spreng,

wenn Sie in diesen Gesprächen immer Ihre öffentlich getätigten Aussagen bestätigen, niemals Ihrem Auftraggeber in den Rücken fallen und in heiklen Fragen diplomatische Ausreden finden, kann Ihnen dabei kaum Schlimmes passieren.

Wer sich wie das Fähnchen im Wind dreht, wird wenig davon halten, seine Aussagen überprüfbar zu machen und sollte derlei Gesprächstermine besser meiden.

“Ehrlich währt am längsten” – dazu gehört manchmal auch, zuzugeben, dass man über Details nicht informiert ist und sich daher noch keine Meinung bilden konnte, oder dass es auch innerhalb des (Wahlkampf-)Teams strittige Punkte gibt.

3) EStz, Mittwoch, 15. Dezember 2010, 15:30 Uhr

Sicherlich richtig: Wer sich korrekt verhält, sich nicht aufspielt und wichtig macht, dem kann auch wenig passieren, wenn mal was rauskommt.

Wobei mich die offensichtlich schlichte Weltsicht der Amis doch ein wenig verwundert: Überspitzt formuliert scheinen sie nur Dummköpfe zu kennen, die manipulierbar sind (=”Freund”); Dummköpfe, die nicht verstanden haben, was wichtig ist in der Welt (=”Neutral”), und Dummköpfe, die aggressiv sind (=Feind).

4) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 16. Dezember 2010, 20:21 Uhr

@ m.spreng

Zum Thema WikiLeaks habe ich was für Sie, das Sie interessieren könnte (falls Sie den Artikel nicht schon kennen).

5) Peter Christian Nowak, Donnerstag, 16. Dezember 2010, 20:21 Uhr

http://www.nachdenkseiten.de/?p=7587

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