- SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin - http://www.sprengsatz.de -

Die Botschaftergespräche

Vorsicht, lautet jetzt die Parole in Berlin, wenn Du mit ausländischen Diplomaten sprichst. Das ist natürlich Unsinn, denn es kommt immer darauf an, was man sagt und nicht wem. Und dass man keine Geheimnisse ausplaudert.

Vor wenigen Wochen (also vor den Wikileaks-Enthüllungen) meldete sich bei mir ein amerikanischer Generalkonsul und bat um ein Treffen. Natürlich werde ich den Mann treffen und ihm genau das sagen, was ich immer sage oder schreibe. Das kann er dann gerne auch als Botschaftsbericht weitermelden.

So habe ich es immer gehalten: als Korrepondent in Bonn traf ich mich mit Diplomaten jeder Couleur, von Rumänen, Chinesen bis zu Amerikanern oder Holländern. Genauso habe ich mich auch verhalten, als ich Edmund Stoibers Wahlkampfmanager war. Da lud mich der britische Botschafter zum Essen in die Botschaft ein, der französische zum Tee (umgekehrt wäre besser gewesen). Das waren offene Gespräche und mit Sicherheit tauchte ich anschließend in der Wahlkampfeinschätzung der beiden Diplomaten auf, die sie an ihre Heimatministerien schickten. Aber warum auch nicht?