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The Guttenberg-Show must go on

Zum Ende der dieswöchentlichen Guttenberg-Festspiele ein kleines Resümee:

1. Die zu Guttenbergs verkaufen sich gut. Und das in jeder Hinsicht: sie verkaufen sich selbst gut und sie lassen sich gut verkaufen.

Zwischen den Medien und zu Guttenberg gibt es nach wie vor eine Win-Win-Situation, eine Komplizenschaft zu beider Nutzen. Magazintitel mit zu Guttenberg und Boulevard-Titelseiten mit seiner Frau bringen Auflage. Auf jeden Fall mehr als Prinz Harry oder Rainer Brüderle. Solange das so bleibt, ist von dem Teil der Medien, der vom Einzelverkauf und Einschaltquoten abhängig ist, kaum Kritik zu erwarten. Im Gegenteil: BILD, Focus, Bunte und viele andere werden zu Guttenberg und seine Frau Stefanie allein schon aus wirtschaftlichen Gründen immer wieder verteidigen und glorifizieren. Das wird sich erst ändern, wenn das Publikum der Guttenberg-Show müde wird und nach neuen Titelhelden ruft.

Praktisch: Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer konnte für seine Guttenberg-Hagiographie im neuesten Heft (“Mann des Jahres 2010”) seine alte Laudatio wiederverwenden, die er vor einem Jahr gehalten hatte, als zu Guttenberg den Politikaward als “Politiker des Jahres 2009” erhielt.

 2. Zu Guttenberg ist wieder einmal davongekommen.

Der Minister muss aber künftig vorsichtiger mit seinen Selbstinszenierungen sein. Zum ersten mal gab es Kritik vom Koalitionspartner FDP und sogar aus Reihen der CSU.

3. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich mit seiner unterirdischen Einlassung (“Es fehlt nur Frau Katzenberger”) mal wieder selbst ins Knie geschossen und zu Guttenberg genutzt.

4. Verlierer sind die deutschen Soldaten in Afghanistan.

Von den Soldaten war in dieser Woche am wenigsten die Rede.Sie waren nur die Kulisse für das Ehepaar zu Guttenberg. In BILD hatten sie nur noch die Funktion, mit Kurzstellungnahmen Stefanie zu Guttenberg “gutt” zu finden. Bei “Kerner”, der ersten “embedded Talkshow”, kamen zwar die Soldaten mit ihren Kriegstraumatisierungen zu Wort, das wollten trotz aller Werbung aber nur eine Million Zuschauer sehen. Wahrscheinlich deshalb, weil Stefanie zu Guttenberg fehlte.

Vorerst gilt: The Guttenberg-Show must go on.

P.S. Meine Kritik ändert nichts daran, dass ich zu Guttenberg unverändert für einen respektablen Politiker halte, der mit der Bundeswehrreform gerade seine Meisterprüfung ablegt. Mich stört nur die penetrante Guttenberg-Show, die immer wieder die Sache überlagert. Guttenberg als Medienprofi hätte wissen müssen, dass die Mitreise seiner Frau ins Kriegsgebiet die Soldaten zur Staffage macht.